Laura (Agustina Liendo) fährt in einer stürmischen Nacht über die Autobahn und führt ein beunruhigendes Telefonat mit ihrer senilen Mutter Alicia (Carmen Maura), die allein zu Hause ist. Besorgt um ihe Mutter und ohne Kontakt zur Pflegekraft, bittet Laura ihren Ex-Freund Pedro (Daniel Hendler), kurz vorbeizukommen, nach ihr zu sehen und sicherzustellen, dass sie ihre Medikamente nimmt. Pedro, der zunächst zögert, willigt ein - eine Entscheidung, die sein Leben in einen Albtraum verwandelt. Pedro erreicht das isolierte Familienhaus und findet Alicia scheinbar harmlos vor, mit ihrem Schoßhündchen namens Franco - eine Anspielung auf ihren verächtlichen Humor. Doch was als simpler Check-up beginnt, kippt schnell: Alicia lässt ihn nicht mehr gehen und schlägt ein "Spiel" vor, das in sadistische Grausamkeit mündet. Sein Schnurrbart triggert alte Erinnerungen - sie hält ihn für "César", eine Figur aus ihrer Vergangenheit, und entfesselt damit eine Kaskade aus Gewalt, Schrecken und sexueller Bedrohung...
"Crazy Old Lady" ist ein klaustrophobischer Psychothriller, der die Grenzen zwischen Demenz, Rache und intergenerationeller Gewalt aufbricht und dabei eine alte Frau in die Rolle einer sadistischen Jägerin verwandelt - ein Film, der weniger auf Effekthascherei als auf die pure, emotionale Wucht von Alicia (Carmen Maura) setzt. Er funktioniert als ein Zwei-Personen-Drama in einem Haus, das zur Folterkammer wird, und nutzt die Ängste vor Alter, Vergangenheit und Hilflosigkeit, um ein Publikum in den Sessel zu nageln. Sobald Pedro (Daniel Hendler) die Schwelle überschreitet, wird das Haus zur Falle: Alicia, gespielt mit urtümlicher Intensität von Carmen Maura, herrscht mit eisernem Despotismus. Pedro wacht gefesselt auf, gefangen in einem Via Crucis aus Demenzhalluzinationen, in denen Alicias Trauma - ein vermuteter Missbrauch oder Verrat durch "César", Alicias Ex-Mann, von dem nicht einmal die Tochter wusste - Ist er real? Ist er eine Einbildung? - mit realer Rache verschmilzt. Das "Spiel" eskaliert von psychologischer Folter zu physischer Brutalität: Blut, Gewalt und eine besonders verstörende Szene mit sexueller Komponente, die vermutliche jeden Zuschauer schockiert.
Der Film bleibt fast ausschließlich in einem Raum, wo Alicias Vergangenheit die Gegenwart überschreibt: Sie vernachlässigt ihre Medikamente, was ihre Paranoia und Aggression befeuert, während Pedro verzweifelt versucht, zu entkommen oder sie zu beruhigen. Die Handlung webt argentinische Kontexte ein - Andeutungen von Verschwindenlassen und historischen Traumata -, die Alicias Wahnsinn mit gesellschaftlicher Gewalt verknüpfen. Sie ist auch das Herz des Films: eine 80-jährige Frau, die zwischen vergesslicher Greisin und rachsüchtiger Bestie pendelt. Carmen Maura, vierfache Goya-Gewinnerin, beweist erneut ihre Vielseitigkeit - mit argentinischem Akzent und vulgären Ausdrücken verkörpert sie eine Furie, deren innere "Bestie" durch alte Wunden noch einmal erwacht. Pedro, dargestellt von Daniel Hendler, ist das Gegenstück: ein normaler Mann, der gegen den Maura-Tsunami ankämpft. Seine Hilflosigkeit macht ihn zur Identifikationsfigur - kein Held, sondern jemand, der in einer absurden Situation ums Überleben ringt, während er Alicias Erinnerungen rekonstruiert, um zu überleben. Laura bleibt am Rand, als Katalysator, der die Katastrophe lostritt. "Crazy Old Lady" adressiert radikal, wie Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird - ein klaustrophobisches Horror-Märchen über Trauma, das nicht verarbeitet, sondern explodiert. Demenz wird nicht sentimentalisiert, sondern als Tor zur Hölle dargestellt: Alicias Vergangenheit frisst die Realität, und Pedro wird zum Sündenbock für "César". Der Film thematisiert zudem die Belastung der Pflege älterer Angehöriger - ein "Herzschmerz" inmitten des Grauens und ein Treffer für jeden, der schon einmal mit Pflege konfrontiert wurde. Horror entsteht aus dem Unausgesprochenen - der Score verstärkt die Spannung, während implizite Andeutungen mehr wirken als explizite Splatter. Dennoch hätte der Film etwas mehr "Gemeinheiten" vertragen können.Regisseur Martín Mauregui, der hier sein Spielfilm-Debüt abliefert, schafft mit begrenztem Setting maximale Intensität: enge Räume, stürmisches Wetter draußen, scoregetriebene Unruhe. Der Horror mischt Suspense, Angst und Herzschmerz - keine billigen Effekte, sondern performative Grausamkeit durch Maura mit Fokus auf emotionaler Wahrheit statt CGI. "Crazy Old Lady" ist damit kein bloßer Schocker, sondern ein Film über das, was im Dunkeln bleibt: vergrabene Schmerzen, die ans Licht kommen und alles zerstören. Er zwingt die Zuschauer, sich mit der Realität von Alterspflege und Trauma auseinanderzusetzen. Mauregui nutzt Maura als Waffe, um ein Genre zu erneuern: Home Invasion von innen, wo die "Crazy Old Lady" die Jägerin ist. Kein Vergnügen, sondern eine Empfehlung für Horror-Fans, die nicht nur blutiges Gemetzel erwarten.


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