Das Grauen von Blair Witch nimmt kein Ende. Sechs Jahre nach dem Verschwinden der Filmstudenten bietet der Geschäftsmann Jeffrey Patterson (Jeffrey Donovan) Touren in die Black Hills übers Internet an. Vier junge Leute zeigen Interesse und melden sich für diesen Trip an. Es sind Stephen Ryan Parker (Stephen Barker Turner), seine schwangere Freundin Tristen (Tristene Skyler) sowie Erica (Erica Leehrsen) und Kim (Kim Director). Stephen und Tristen recherchieren ein Sachbuch über den Fluch: "Blair Witch: Hysterie oder Historie". Erica glaubt eine Hexe zu sein, und Kim meint eine übersinnliche Gabe zu besitzen. Am Ziel angekommen, errichten sie ihr Lager direkt neben den Überresten der Grundmauern des Hauses, wo der Einsiedler Rustin Parr einst sieben Kinder ermordete und - Gerüchten zufolge - hier auch das Haus der Hexe Elly Kedward stand...
Es gibt Filme, die auf den Schultern von Giganten stehen - und dann gibt es "Blair Witch 2", einen Film, der diese Schultern kurzerhand absägt und das ikonische Fundament seines Vorgängers achtlos im Morast vergräbt. Wo "The Blair Witch Project" den Found-Footage-Stil mit beinahe dokumentarischer Authentizität zu einem neuen Realismus erhob, entscheidet sich "Blair Witch 2" unter der Regie von Joe Berlinger für eine so konventionelle wie uninspirierte Ästhetik: klassische Kameraführung, hektisches Editing, und eine Struktur, die sich selbst nicht versteht. Der erste Teil suggerierte, dass die Angst im Off lauert - in dem, was man nicht sieht. Teil zwei hingegen scheint panisch bemüht, alles gleichzeitig zu zeigen: Gewalt, Okkultismus, Blut, Halluzinationen. Es ist der Inbegriff des filmischen Overstatements. Der subtile Schrecken des Originals wird ersetzt durch eine schrille Collage aus Videoclips, Traumsequenzen und MTV-Optik. Man spürt geradezu, wie Berlinger - ein dokumentarisch versierter Regisseur - mit den Anforderungen des Studios ringt. Das Ergebnis ist ein in sich widersprüchlicher Hybrid: halb satirischer Meta-Kommentar auf Medienhysterie, halb peinlich konstruierter Horrorfilm.
Hinzu kommt die wohl gravierendste Schwachstelle: das Schauspiel. Die Darsteller wirken, als agierten sie in unterschiedlichen Filmen. Kim Director chargiert zwischen Goth-Karikatur und Überforderung, Jeffrey Donovan schwankt zwischen ironischer Distanz und unfreiwilliger Komik, und Erica Leerhsen liefert eine Performance, die gleichermaßen hysterisch wie leer wirkt. Anstatt glaubwürdige Figuren zu erschaffen, liefern sie Posen ab - symptomatisch für ein Werk, das jegliche psychologische Subtilität vermissen lässt. Der Film zerstört mit seiner Darstellung schlicht alles, was den Mythos des Originals ausgemacht habe - seine Ambiguität, seine Authentizität, seine stille Angst. Kurz: der zweite Teil verwandelt Furcht in Lärm. Er ist aber vor allem schlecht, weil er nicht versteht, warum der erste Teil Erfolg hatte.

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