Joe (Josh Fadem), ein schüchterner Ad-Seller für die letzte Alt-Weekly der Stadt, wird von einem Kollegen in eine Nachtclub-Szene geschleppt, wo er unfreiwillig zum Zeugen eines brutalen Mordes wird - begangen vom Tech-Mogul William Shaffer (James Urbaniak). Drohungen zwingen Joe zum Schweigen, während eine Serie von Frauenverschwindungen die Stadt erschüttert und neugierige Kollegin Cheyenne (Kaylene Snarsky) zu nah an die Wahrheit kommt. Sein Alltag zerfällt: Die Ehe mit der rastlosen Lux (Tipper Newton) bröckelt, Träume mischen sich mit Realität, und Hightown wird zur Kulisse eines paranoiden Abstiegs, in dem Verschwörungstheorien und persönliche Dämonen bald verschwimmen...
"Every Heavy Thing" von Mickey Reece ist ein fiebriger Albtraum aus Paranoia und Verschwörung, in dem ein unscheinbarer Anzeigenverkäufer in Hightown City Zeuge eines Mordes wird und dadurch in ein Netz aus Lügen, Halluzinationen und gesellschaftlichem Zerfall gerät. Der teilweise derb psychedelische Film lebt von seiner rohen Atmosphäre und der psychologischen Zerrüttung der Figuren und weniger von plottechnischer Präzision als von der immersiven Wucht eines surrealen Thriller-Trips. Der Film pulsiert mit einer schmutzigen Düsternis - körniger Filmstock, schmierige Effekte und ein Sounddesign, das mit seinen Kratzern und Verzerrungen wie ein defektes VHS-Tape klingt. Tonale Sprünge zwischen dunklem Humor, Horror und Absurdität erzeugen ein "Lost-Highway"-ähnliche Verwirrung, das weniger schockt als unter die Haut kriecht. Es geht um die Zerbrechlichkeit der Normalität, wo Passivität zur Mitschuld wird.
Reeces Kamera gleitet langsam durch schmierige Clubs, enge Apartments und neonbeleuchtete Straßen von Hightown, einer fiktiven Stadt, die wie ein verkommenes amerikanisches Nirgendwo wirkt - retro, texturiert, bedrohlich. Enge Nahaufnahmen fangen Joes Zittern ein, während weite Shots die klaustrophobische Weite der Verschwörung andeuten; VFX-Traumsequenzen wirken wie 80er-Sci-Fi-Relikte. Josh Fadem trägt seine Figur Joe als Jedermann, dessen Nervosität vom Tragischen ins Lächerliche kippt - ein Volltreffer für den outsidersartigen Stil. Barbara Crampton glänzt kurz, aber unvergesslich als schimmernde Sängerin Whitney Bluewill, James Urbaniak als kalter Tech-Tyrann, ergänzt von Vera Drew und John Ennis in schrulligen Nebenrollen. Das Ensemble fühlt sich authentisch ungeschliffen an.Der Kern ist die Last des Zeigens - ohne zu handeln: Joe repräsentiert passive Zuschauer in einer allzeit überwachten Welt, wo Schweigen Gewalt perpetuiert. Reeces DIY-Ästhetik - roh, eklektisch, Genreübergreifend - macht daraus ein unkonventionelles Kunstwerk, doch er opfert Plotlogik für Stimmung, was den Film zu einem chaotischen Charakterporträt macht. Schwächen wie Unebenheiten im Tempo mindern dennoch nicht die hypnotische Kraft, die sich stroboskopartig auf die Netzhaut der Zuschauer hämmert. "Every Heavy Thing" ist unterm Strich ein absolut seltsamer Film. Er fordert nicht, geliebt zu werden, sondern erlebt zu werden - ein irgendwo diversives Juwel für Fans verwirrenden Kinos, das unter die Haut geht - und definitiv nicht jeden abholt


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