1901, Südafrika. Während der Zweite Anglo-Buren-Krieg tobt, sucht ein verwundeter General Zuflucht in dem kleinen Haus einer Frau und ihrer kleinen Tochter. Als der verletzte Mann sich einlebt, bemerkt er, dass mit den beiden Frauen etwas nicht stimmt, vor allem mit der Tochter, und schon bald erfährt er den wahren Grund, warum sie ihn eingeladen haben und wie sie so lange allein überlebt haben.
"Breathing In" ist ein kunstvoll inszeniertes Fiasko: ein Film, der aussieht, als wüsste er genau, wohin er will - und der dann in quälenden 100 Minuten beweist, dass er keine Ahnung hat, warum das irgendjemanden interessieren sollte. Er verwechseln Stimmung mit Substanz, Verlangsamung mit Tiefe und Rätselhaftigkeit mit erzählerischer Verantwortung. Handwerklich ist "Breathing In" dabei dennoch beeindruckend: Die Bildsprache ist düster, sorgfältig komponiert, atmosphärisch dicht. Doch jede schön gerahmte Einstellung bleibt Illustration eines Drehbuchs, das sich hartnäckig weigert, Figuren, Konflikte oder echte Dramaturgie zu entwickeln - die Geschichte mäandert, statt sich zuzuspitzen, und degeneriert zu einem zähen Kammerspiel ohne erzählerische Belohnung.
Die schauspielerischen Leistungen wirken, als seien sie in einem Vakuum gefangen: Überreiztes Melodrama trifft auf Figuren, die nie zu Menschen werden dürfen. Einzelne Darstellerinnen werden gelobt, weil sie "mit dem arbeiten, was sie haben", doch genau das ist das Problem - das Skript lässt niemandem Raum für glaubwürdige Beziehungen, emotionale Fallhöhe oder nachvollziehbare Entwicklung, wodurch jede Szene wie ein isoliertes Theaterfragment wirkt. Der Film setzt auf Symbolismus, Folklore-Anmutung und psychosexuelle Andeutungen, löst aber kaum etwas sinnvoll ein. Was als rätselhafte, enigmatische Schönheit beschrieben wird, fühlt sich zunehmend wie kalkulierte Unverbindlichkeit an: Andeutungen ersetzen Aussagen, Fragen werden nur gestellt, um nie beantwortet zu werden, und je länger das dauert, desto mehr kippt die Irritation des Publikums in schlichte Ermüdung.
"Breathing In" ist kein fordernder Film im Sinne eines komplexen Werks, das Arbeit verlangt - er ist fordernd, weil er wenig investiert und viel Geduld verlangt. Die Enge des Settings, die Reduktion der Figuren, die schleppende Erzählweise: All das könnte klaustrophobisch und intensiv sein, wird hier aber zur monotonen Endlosschleife, in der Bedeutung permanent versprochen und fast nie eingelöst wird. Das Problem ist nicht, dass "Breathing In" ambitioniert ist - das Problem ist, dass die Ambition darin besteht, sich hinter Stil zu verstecken, anstatt mit Herz, Klarheit und erzählerischem Mut wirklich etwas zu sagen.

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