Montag, 19. Januar 2026

The Rip (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32642706/

Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon) und sein Team (Ben Affleck, Steven Yeun, Teyana Taylor und Catalina Sandino Moreno) arbeiten in Miami für die Drogen- und Waffenschmuggelfahndung der Polizei. Nach einem Tipp entdecken sie in einem Haus anstelle der angekündigten 300.000 Dollar satte 20 Millionen Dollar in bar, die eindeutig aus illegalen Geschäften stammen. Da das Geld per Gesetz vor Ort gezählt werden muss, steckt die Gruppe eine ganze Weile in dem Gebäude fest – Zeit, die sie nicht hat. Denn: zum einen könnten die nicht zimperlichen Besitzer der Geldscheinpakete bald zurückkommen. Und: da niemand außer den Besitzern und den anwesenden Polizisten weiß, wie groß die Beute tatsächlich ist, stellt sich den einzelnen Teammitgliedern die Frage, ob sie sich nicht selbst daran bedienen sollten, um ein sorgenfreies Leben führen zu können.

Netflix' "The Rip" ist ein altertümlich-solider Cop‑Thriller der Sorte, die früher an Sonntagen rauf und runter im Kabel lief - nur dass er heute auf Netflix landet und von Matt Damon und Ben Affleck getragen wird. Der Film begeistert weniger durch Originalität als durch präzises Handwerk: gut geölte Spannung, kernige Figuren und Action, die Druck macht, statt bloß Lärm zu erzeugen. Im Zentrum steht eine Spezialeinheit des Miami Police Department, angeführt von Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon) und Detective Sergeant J.D. Byrne (Ben Affleck), die nach der Ermordung ihrer Vorgesetzten Jackie Velez unter massivem Druck steht. Ein Tipp führt sie in das Haus der jungen Desi (Sasha Calle), wo statt der erwarteten 300.000 Dollar plötzlich 20 Millionen Dollar Kartellgeld in den Wänden stecken - ein Fund, der die ohnehin angeschlagene Moral im Team zum Explosivstoff macht. 

Die eigentliche Handlung besteht weniger aus Wendungen als aus Verdichtungen: Misstrauen, interne Verhöre, Gerüchte über korrupte Kollegen und die stetige Angst, dass entweder Kartellkiller oder interne Ermittler mit schwerem Gerät vor der Tür stehen. Regisseur Joe Carnahan inszeniert das Haus am Ende der Vorortsackgasse als klaustrophobischen Schauplatz, in dem Loyalität und Gier in Echtzeit gegeneinander antreten – ein moralischer Belagerungszustand, der den Film über seine Genreformel hinaus leicht zum Schimmern bringt. 


Die Action in "The Rip" ist hart, klar strukturiert und physisch spürbar, ohne in den Überstil eines Comic-Spektakels abzugleiten. Wenn der Beschuss einsetzt und das Team zwischen Geldbündeln, dunklen Fluren und zersplitternden Fenstern Stellung beziehen muss, spürt man die Logik des Schauplatzes – wer wo steht, wer was sieht, wer welche Deckung hat. Carnahan setzt auf klassische Mittel: knappe Schusswechsel, taktische Bewegungen, nervöse Begegnungen mit Streifenpolizisten und das Gefühl, dass jede Sekunde des Zögerns tödlich sein kann. Die Stärke der Action liegt in ihrer Funktion für die Geschichte: Jede Eskalation verschärft das Misstrauen im Team, jede Kugel zwingt die Figuren, sich zu entscheiden, ob sie zuerst den Gegner draußen oder den Verräter drinnen fürchten. Das Ergebnis wirkt wie ein Dampfkochtopf: nicht die größte Explosion zählt, sondern die stetig wachsende Hitze. 

Matt Damon spielt Dane Dumars als erschöpften, misstrauischen Veteranen, der gelernt hat, in Grauzonen zu überleben - ein Mann, der sein Team schützen will, aber selbst nicht frei von Geheimnissen ist. Er nutzt sein Alter sichtbar: die Müdigkeit im Blick, die Schwere in den Bewegungen, das Gefühl, dass jede Entscheidung eine weitere Last auf einem bereits überfüllten Gewissen ist. Ben Affleck gibt J.D. Byrne als loyalen Partner mit eigenem moralischem Kompass, der Dumars zwar vertraut, aber immer wieder ahnt, dass dieser ihm etwas vorenthält. Zwischen den beiden entsteht jene Art von abgeklärter Chemie, die man in alten Copfilmen liebte: müde Witze, halbgare Rechtfertigungen, viel unausgesprochene Geschichte - zwei Männer, die "einfach nur ihren Job machen" und genau wissen, wie brüchig diese Floskel ist. 

Das Ensemble um sie herum - u.a. Steven Yeun als Mike Ro, Teyana Taylor als Numa Baptiste, Catalina Sandino Moreno als Lola Salazar und Sasha Calle als widerwillige Hausbesitzerin Desi - sorgt dafür, dass die Einheit wie ein echtes Team wirkt, in dem jeder eine eigene Agenda, aber auch eine Funktion in der Dynamik hat. Gerade in den ruhigeren Szenen, wenn Blicke länger dauern als Sätze und kleine Gesten den Verrat ankündigen, zeigt sich Carnahans Talent für präzise geführte Darsteller.

"The Rip" erfindet den Cop-Thriller nun nicht gerade neu, aber er erinnert daran, warum dieses Genre so langlebig ist: Es bietet einen klaren Rahmen, in dem Menschen unter extremem Druck zeigen, wer sie wirklich sind. Der Film besitzt seine größte Qualität darin, niemals zu vergessen, dass hinter den Kugeln und Geldscheinen Gesichter stehen - gezeichnet, zweifelnd, manchmal feige, manchmal heldenhaft. "The Rip" ist sozusagen ein gut-bürgerliches Gericht, um sinngemäß zu paraphrasieren: bekannt im Geschmack, nicht perfekt gewürzt, aber mit so viel handwerklicher Ehrlichkeit serviert, dass man die zwei Stunden gerne mit ihm verbringt. Wenn der Abspann läuft, bleibt weniger ein Twist im Gedächtnis als das Gefühl, bei einer Truppe gewesen zu sein, die genau weiß, wie dünn die Linie zwischen Beschlagnahme und Raub manchmal ist - und wie laut ein Gewissen werden kann, wenn irgendwo in einem Vororthaus 20 Millionen Dollar darauf warten, die falsche Tasche zu finden.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Netflix
Poster/Artwork: Netflix

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