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Freitag, 21. August 2026

Insidious: Out Of The Further (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32393988/
https://letterboxd.com/film/insidious-out-of-the-further/

Für die junge Mutter Gemma (Amelia Eve) steht das Wohl ihrer Tochter an erster Stelle. Sie setzt alles daran, ihr ein sicheres und behütetes Leben zu ermöglichen. Doch ihr Alltag verändert sich schlagartig, als sie entdeckt, dass sie über eine verstörende übernatürliche Fähigkeit verfügt. Gemma kann in die geheimnisvolle Anderswelt „The Further“ reisen, in der sie unheimlichen Wesen begegnet. Das Erschreckende daran: Sie kann diese Kreaturen nicht nur sehen, sondern sie sogar in die reale Welt holen. Mit jeder Reise wächst die Gefahr, denn ihre außergewöhnliche Gabe bleibt den finsteren Mächten der Zwischenwelt nicht verborgen. Schon bald werden dämonische Wesen auf sie aufmerksam und versuchen, ihre Kräfte für ihre eigenen dunklen Zwecke zu missbrauchen. Während die Grenzen zwischen den beiden Welten immer mehr verschwimmen, muss Gemma einen Weg finden, die übernatürliche Bedrohung aufzuhalten und ihre Tochter vor den Gefahren zu schützen.

Mit "Insidious: Out Of The Further" wagt die mittlerweile sechste Kinoausgabe der Reihe einen durchaus sinnvollen Neustart. Statt erneut die Lambert-Familie in den Mittelpunkt zu stellen, führt Regisseur und Drehbuchautor Jacob Chase eine neue Familie in das Universum ein und verschiebt gleichzeitig die Perspektive auf das namensgebende "Ewigreich". Das ist genau die Art von Veränderung, die ein inzwischen ziemlich ausgereiztes Horror-Franchise benötigt. Gleichzeitig bleibt "Insidious: Out Of The Further" fest genug in der Mythologie der Reihe verankert, um Fans nicht vor den Kopf zu stoßen. Sony beschreibt den Film entsprechend als Geschichte einer neuen Familie und eines Schreckens, der die Möglichkeiten des Further erweitert. Im Mittelpunkt steht Gemma (Amelia Eve), eine junge Mutter, die ihre Tochter in dem Haus aufzieht, in dem sie selbst ihre Kindheit verbracht hat. Der Ort ist also von Beginn an mehr als nur eine klassische Horrorfilm-Kulisse: Er ist mit Erinnerungen und alten Verletzungen aufgeladen. Als Gemma entdeckt, dass sie selbst in das Further reisen kann, nimmt die Geschichte eine interessante Wendung. Denn ihre Fähigkeit beschränkt sich nicht darauf, die Welt der verlorenen Seelen zu betreten - sie kann deren Bewohner auch zurück in die Welt der Lebenden bringen. Damit dreht Chase ein bekanntes Prinzip der Reihe gewissermaßen um: Nicht nur die Menschen geraten ins Reich der Geister, sondern das Reich der Geister dringt nun aktiv in unsere Realität ein.

Das ist die stärkste Idee des Films. Das Further war in den bisherigen Teilen vor allem eine unheimliche Zwischenwelt, die durch Astralprojektion erreicht wurde. "Insidious: Out Of The Further" macht daraus eine wesentlich unmittelbarere Bedrohung. Die Grenze zwischen den beiden Welten wird durchlässiger, und genau daraus zieht Chase einen Teil seiner Spannung. Gleichzeitig eröffnet diese Idee dem Franchise neue Möglichkeiten, ohne die bisherigen Regeln komplett über Bord zu werfen. Interessant ist außerdem, dass hinter dem Horror eine Geschichte über Mutterschaft und generationenübergreifendes Trauma steckt. Chase hat in Interviews erklärt, dass seine eigene Angst vor dem Vaterwerden maßgeblich in die Geschichte eingeflossen ist. Gemma ist eine Mutter, die ihr Kind unbedingt vor den Fehlern und Verletzungen ihrer eigenen Vergangenheit bewahren möchte - und gerade dieser Schutzinstinkt droht sie selbst zu einem Teil des Problems werden zu lassen. Das gibt dem Film eine emotionale Grundlage, die vielen späteren "Insidious"-Fortsetzungen gefehlt hat.


Amelia Eve erweist sich dabei als überzeugende Hauptdarstellerin. Gemma ist keine klassische Horrorfilmheldin, die von Anfang an genau weiß, was zu tun ist. Ihre Unsicherheit und ihre Angst um ihre Tochter sind der emotionale Anker der Geschichte. Eve muss dabei gleichzeitig die verletzliche Mutter und eine Frau spielen, die allmählich erkennt, dass sie über eine Fähigkeit verfügt, die selbst für die Regeln des Further ungewöhnlich ist. Diese Entwicklung gibt ihrer Figur mehr Substanz, als man in einem sechsten Franchise-Film vielleicht erwarten würde. Auch die Rückkehr von Lin Shaye als Elise Rainier ist erfreulich. Elise ist längst zu einem der Gesichter der "Insidious"-Reihe geworden, und ihre Anwesenheit stellt eine wichtige Verbindung zur ursprünglichen Mythologie her. Glücklicherweise wird sie nicht einfach als nostalgischer Cameo eingesetzt. Ihre Figur erinnert daran, dass das Further bereits eine Geschichte besitzt und dass die Ereignisse um Gemma nicht völlig losgelöst von dem stehen, was die Reihe zuvor etabliert hat. 

Gleichzeitig liegt genau hier eine der Schwierigkeiten des Films. Der erste Teil, "Insidious", war besonders wirkungsvoll, weil James Wan und Leigh Whannell das Übernatürliche zunächst weitgehend geheimnisvoll hielten. Der Schrecken funktionierte gerade deshalb, weil man nicht genau wusste, was sich hinter den Erscheinungen verbarg. Nach fünf Filmen ist das Further dagegen längst Franchise-Lore. Dämonen, Astralprojektion und Geisterwelten gehören inzwischen zum bekannten Inventar. "Insidious: Out Of The Further" versucht zwar, diese Mythologie zu erweitern, kann aber nicht verhindern, dass manches inzwischen vertraut wirkt. Auch die Inszenierung muss sich deshalb an den Standards des Originals messen lassen. Jacob Chase, der mit "Come Play" bereits Erfahrung mit übernatürlichem Horror gesammelt hat, setzt weniger auf brutale Gewalt als auf Atmosphäre, räumliche Unsicherheit und die klassische Frage, ob hinter dem nächsten dunklen Winkel tatsächlich etwas lauert. Das passt grundsätzlich gut zum "Insidious"-Konzept. Seine besten Momente besitzt der Film deshalb dort, wo er die vertraute Welt zunächst normal erscheinen lässt und anschließend langsam verfremdet. Das Haus wird vom Zuhause zum Gefahrenraum, und das Further ist nicht mehr nur ein fernes Reich, sondern eine Art offene Tür, durch die der Horror jederzeit zurückkehren kann. Diese räumliche Umkehrung ist visuell reizvoll und gibt dem Film eine eigene Identität.

Weniger überzeugend ist dagegen die Tendenz, auf bekannte Franchise-Muster zurückzugreifen. Das ist letztlich das zentrale Problem von "Insidious: Out Of The Further": Der Film ist am besten, wenn er "Insidious" neu denkt - und am schwächsten, wenn er lediglich "Insidious" wiederholt. Gerade die bekannten Schreckensmechanismen sind inzwischen etwas vorhersehbar. Das plötzliche Auftauchen einer Gestalt, unheimliche Geräusche, dunkle Korridore und das Spiel mit scheinbar leeren Räumen funktionieren weiterhin, besitzen aber nicht mehr dieselbe Überraschungskraft wie 2010. Der erste "Insidious" konnte aus relativ einfachen Mitteln enormen Schrecken erzeugen; inzwischen weiß das Publikum ziemlich genau, welche Tür sich besser nicht öffnen sollte. Trotzdem ist "Insidious: Out Of The Further" weit davon entfernt, ein überflüssiger Nachschlag zu sein. Dafür ist die neue Perspektive zu interessant. Besonders die Verbindung zwischen Gemmas Vergangenheit, ihrer Rolle als Mutter und ihrer Fähigkeit, Wesen aus dem Further zurückzuholen, verleiht dem Film einen persönlichen Kern. Der Horror ist nicht einfach eine äußere Bedrohung, sondern hängt unmittelbar mit der Angst zusammen, die eigenen familiären Fehler zu wiederholen. Im Vergleich zu den letzten Teilen ist das eine willkommene Schwerpunktverschiebung. "Insidious: The Red Door" konzentrierte sich noch einmal stark auf die Lambert-Familie und deren Vergangenheit. Das funktionierte teilweise, wirkte aber auch wie ein endgültiges Abschließen alter Geschichten. "Insidious: Out Of The Further" nimmt nun eine neue Familie und kann deshalb wieder Fragen stellen, deren Antworten nicht bereits in fünf Vorgängern festgelegt wurden. Allerdings wäre noch mehr Mut wünschenswert gewesen. Wenn ein Film schon die Möglichkeit etabliert, dass Wesen aus dem Further in unserer Welt existieren können, hätte er diese Idee noch konsequenter ausreizen dürfen. Gerade daraus hätte ein wesentlich radikalerer Horrorfilm entstehen können. Stattdessen hält Chase immer wieder an den bekannten Franchise-Strukturen fest. Das macht den Film zugänglich, verhindert aber auch den ganz großen Befreiungsschlag.

Und so landet "Insidious: Out Of The Further" ziemlich genau zwischen zwei Welten - passend zum Titel. Er ist weder ein enttäuschendes Franchise-Routineprodukt noch die große Wiederbelebung, auf die man nach sechs Filmen hoffen könnte. Er ist ein solider, atmosphärischer und teilweise überraschend persönlicher Horrorfilm, der seiner Reihe neue Möglichkeiten eröffnet, ohne deren bewährte Zutaten vollständig aufzugeben. "Insidious: Out Of The Further" macht vieles richtig, was ein sechster Franchise-Film richtig machen sollte. Eine neue Familie, eine interessante Hauptfigur, eine veränderte Perspektive auf das Further und die Rückkehr von Lin Shaye sorgen dafür, dass die Reihe nicht einfach auf der Stelle tritt. Amelia Eve trägt den Film überzeugend, während Jacob Chase dem bekannten Universum eine persönlichere und emotionalere Note verleiht. Gleichzeitig bleiben einige Schockeffekte und dramaturgische Mechanismen allzu vertraut, und gerade die spannendste neue Idee - das Hereinholen der Wesen aus dem Further - hätte noch konsequenter genutzt werden können. Ja, als eigenständiger Horrorfilm ist "Insidious: Out Of The Further" nicht ganz so überraschend wie das ursprüngliche "Insidious". Als Versuch, eine inzwischen etablierte Reihe neu auszurichten, funktioniert er jedoch erstaunlich gut. Der Film versteht, dass man das Further nicht einfach noch einmal zeigen kann – man muss die Tür diesmal in die andere Richtung öffnen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlumhouse Productions/Screen Gems/Stage 6 Films/Atomic Monster

Freitag, 20. November 2015

Insidious: Chapter 3 - Insidious: Chapter 3: Jede Geschichte hat einen Anfang (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3195644/

Zunächst fühlen sich Sean Brenner (Dermot Mulroney) und seiner Tochter Quinn (Stefanie Scott) in ihrer neuen Nachbarschaft in Chicago eigentlich ganz wohl. Quinn verknallt sich prompt in den Nachbarsjungen Hector (Ashton Moio), der sie ein wenig von der Trauer um ihre tote Mutter Lillith (Ele Keats) ablenkt. Doch als Quinn das Medium Elise Rainier (Lin Shaye) bittet, für sie in Kontakt zu ihrer Mutter zu treten, kommt es zu einer dramatischen Wendung: Der Ruf des Mediums wird im Jenseits nicht nur von Lillith wahrgenommen, sondern auch von anderen Wesen, die sich nun ihren Weg ins Diesseits bahnen und Quinn heimsuchen. Medium Elise muss nun alles daran setzen, die dunkle und außerordentlich tödliche Macht wieder zu vertreiben und holt sich dafür die Hilfe der Geisterjäger Tucker (Angus Sampson) und Specs (Leigh Whannell).

"Insidious: Chapter 3" - und das muss man vorweg wissen - ist ein Prequel. Weiß man das nicht, so wird man wohl spätestens nach 2 Minuten Film unglaublich verwirrt sein. Die "Insidious"-Reihe war noch nie durch ihre Innovation aufgefallen, ging teilweise schon tief in die Klischees typischer Erschrecker durch Jump-Scares und übernatürlichem Grusel. Bemerkenswert wurde die Reihe erst durch ihre Umsetzung. Der von kreischenden Geigen eingeblendete Titel, die intelligent eingesetzten Schockmomente und schließlich die wunderschönen Ewigreich-Designs. Atmosphäre war immer das Stichwort. "Insidious" war einfach gut gemacht. Auf dieser Ebene schließt der dritte, vom Regisseur James Wan nur noch mit produzierte Teil immerhin halbwegs gelungen an. Gute Schockmomente, ja, gute Stimmung, eher weniger. Allerdings wäre es auch zu viel, von einer großen Enttäuschung zu sprechen, nur Abstriche wird der Freund der Reihe aber definitiv vornehmen müssen.


Zum einen kümmert sich der Film von Anfang an nicht darum, eine packende Stimmung zu schaffen, sondern verwendet überraschend viel Leinwandzeit auf die Ambitionen der Möchtegernschauspielerin Quinn. Das ist einigermaßen nett, süß, aber bereitet nicht wirklich auf das vor, was plötzlich folgt. Plötzlich gibt es Schockmomente, Jump-Scares, die manchmal Wans kluges Timing missen lassen, aber trotzdem effektiv und sehr gruselig sind. Im Gegensatz zu den ersten Teilen erhält der Zuschauer weniger Zeit zur Ruhe zu kommen, beinahe jede Szene wartet mit neuen Schocks auf, eine subtile Annäherung, gerade wie im ersten "Insidious"-Teil, versucht der Film erst gar nicht. Von Licht also in absolutes Dunkel. Plötzlich ist dieser Part aber auch wieder vorbei, als seien die Geister kurzfristig müde geworden. Bis dahin bleibt das Gefühl, unvorbereitet zu sein, halbgar wirkt das ganze, die Geisterschocks scheinen unmotiviert und willkürlich gesetzt. Technisch funktioniert der Film, wirkliche Spannung, abgesehen von einer rein nervlich-körperlichen, will aber nicht aufkommen.

Hintergründe und selbst stimmungsvolle Begründungen für den Geisterterror bleibt einem der Film auch im weiteren Verlauf schuldig. Selbst als im Mittelteil der Charakter des Mediums Elise genauer und dank Lin Shaynes tollem Schauspiel auch markant beleuchtet wird, gelingt es dem Film nicht, wirkliche Stimmung aufzubauen. Die Atmosphäre bindet sich an einzelne, gruselige Szenen mit tollen Ideen (Fußstapfen, Klopfen und vor allem das enorm effektive Kopfkino beim Videogespräch), insgesamt bleibt der Film aber ohne Spannungsbogen. Da hatten die ersten beiden Teile noch deutlich mehr Laufzeit in die Schaffung einer unheimlichen Welt investiert; hier gibt es neben Familiendrama und Schockterror kaum Raum für wirkliche Geschichten. Der Film bleibt eher eine Sammlung gelungener Horrormomente, passables Unterhaltungskino für einen netten Abend.

6,5/10

Exklusiv bei Müller gibt es den Film in einem limitierten Steelbook, passend zum zweiten Teil:


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/ArtworkSony Pictures

Montag, 21. Mai 2018

Insidious: The Last Key (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5726086/

Parapsychologin Elise Rainier (Lin Shaye) wohnt mittlerweile mit den zwei Geisterjägern Specs (Leigh Whannell) und Tucker (Angus Sampson) zusammen. Gemeinsam sind sie die Firma Spectral Sightings, die auf das Austreiben von Dämonen spezialisiert ist, die aus einer Parallelwelt angreifen. Ihr neuester Fall führt das ungleiche Trio in Elises Vergangenheit – in ihr Elternhaus in New Mexico, wo sie als Kind Schreckliches erlebte und in dem nun eine andere Familie in Gefahr ist. Elise muss sich ihrer Vergangenheit und ihrer größten Angst stellen und es mit einer unsterblichen Kreatur namens Key Face aufnehmen, einem Dämon, den sie als Kind versehentlich befreite. Sollte ihr das gelingen, sind all die von Key Face gefangenen Seelen frei, doch sollte sie scheitern, wird auch Elises Geist für immer der Verdammnis anheimfallen...

Der australische Filmemacher James Wan besitzt das Geschick, bestimmten Genren neues Leben einzuhauchen oder diese gar neu zu erfinden, wie mit seinem Film "SAW". Er gab dem Haunting-House-Genre mit "The Conjuring" ein frisches Gewand und dem Genre des Dämonen-Horrorfilms mit seinem großartigen "Insidious" eine neue Dimension des Grusels. Auch bei der Fortsetzung von "Insidious" führte er noch Regie, aber danach machte sich die Reihe selbstständig, behielt aber Leigh Whannell als Drehbuchschreiber. Mit "Insidious: The Last Key" geht der Dämonengrusel in die vierte Runde.

Auch in diesem Teil schaffen die Filmemacher es, eine intensive Spannung aufzubauen. Die Geschichte wurde ebenso wie die ersten drei Teile von Leigh Whannell geschrieben und von Adam Robitel, welcher bisher wenige Erfahrungen als Regisseur gesammelt hatte, solide inszeniert. Der Film besticht durch eine neue Geschichte mit einer fast komplett unabhängigen Dämonengeschichte. Vor allem die Episoden, welche in der Vergangenheit spielen, besitzen durch ihren Retro-Charme und ihre wunderbaren Jungdarsteller eine besondere gruselige Atmosphäre, welche die Zuschauer durch die enorme Anspannung in die Sitze drückt. Dabei geht die Rechnung auf, mit falschen Schreckmomenten in die Irre zu führen und mit einem wieder einmal sehr unheimlichen Dämon Alpträume zu erzeugen. Leider kann diese Spannung nicht vollends auf die Geschichte in der Gegenwart übertragen werden. Das liegt vor allem an der Ausgestaltung der Rollen. Elise als Sympathieträger wirkt zu abgebrüht und ihre Geisterjäger-Assistenten blödeln zu viel herum, als dass sie irgendwelche Sympathien verdient hätten. An diesen Stellen scheitert auch der Versuch Humor hinzuzufügen. Ohne diesen wären Adam Robitel und seiner Crew ein durchweg unheimlicher Film gelungen, der zwar das Genre nicht neu erfindet, aber noch nicht so abgebrühte Gruselfreunde sicherlich erfreuen wird.

"Insidious: The Last Key", der vierte Teil Reihe, besticht mit seiner gruseligen Geschichte, oft sogar funktionierenden Jump-Scares und sehr guten Kinderdarstellern. Und obwohl manche Elemente aus Gründen der Unterhaltung zu sehr überzeichnet wurden, kann der Film mit seiner packenden Unterhaltung und der unvorhersehbaren Story immer noch gut und fesselnd unterhalten.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/ArtworkSony Pictures

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Insidious: The Red Door (2023)

https://www.imdb.com/title/tt13405778/

Zehn Jahre nach den Ereignissen von "Insidious: The Last Key" macht sich Josh Lambert (Patrick Wilson) auf den Weg nach Osten, um dort seinen inzwischen zum Teenager herangewachsenen Sohn Dalton (Ty Simpkins) an einer fast schon romantisch anmutenden, mit Efeu bewachsenen Universität abzusetzen. Doch diese träumerische Idylle ist mehr als nur trügerisch. Ty fühlt sich an der Uni nicht nur als Außenseiter, der ständig versucht sich anzupassen. Der Traum vom College wird für ihn erst recht zum Albtraum, als vergangene und längst verdrängte Dämonen aus seiner eigenen Vergangenheit und der seiner Familie zurückkehren, die es sowohl auf Dalton als auch auf seinen Vater Josh abgesehen haben. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich noch einmal in die Zwischenwelt des sogenannten Ewigreichs zu begeben, um dem Schrecken ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

Die "Insidious"-Reihe geht mit "The Red Door" in die fünfte Runde und man fragt sich als Zuschauer unwillkürlich wie oft denn noch "dem Schrecken ein für alle Mal ein Ende zu setzen" ist. Dieses Mal übernimmt Patrick Wilson auch als Regisseur die Zügel und verrät, wie wenig die bisherigen Anstrengungen zusammenhalten konnte. Ohne innovatives Umrahmen folgt jede Szene einer routinemäßigen Wiederholung, während Klischees des Horror-Storytellings auf die ältesten Schrecken des Buches hinweisen. Etwas dumpfes Gemurmel über Unterdrückung und Zyklen generationsübergreifender Traumata, eine Figur erscheint unscharf im Hintergrund, ein Moment der Stille, um ein falsches Sicherheitsgefühl zu erzeugen, und dann das filmische Äquivalent, jemanden an der Schulter zu packen und "Buh!" zu schreien. Wenn diese billigen Tricks überhaupt eine Reaktion hervorrufen, dann aufgrund ihrer Plötzlichkeit und Lautstärke, einer reflexartigen Aufregung, die bei weitem nicht so ergreifend ist wie wahrer, bleifreier Terror.

Zu seiner Ehre und letztendlich zu seinem Nachteil machte sich Wilson daran, aus einer Inszenierung, in der es in der Vergangenheit kaum um irgendetwas ging, etwas Pointierteres zu machen, nur um sich dann in wurmigen Metaphern zu verzetteln. Kurz nach dem Ende des zweiten Films - die verworrene Chronologie der Fortsetzungen und Prequels verdirbt das Werk zumindest nicht allzu sehr - hat sich die Familie Lambert bereit erklärt, sich einer therapeutischen Hypnose zu unterziehen, damit sie die erschütternden Ereignisse, die sie erlebt haben, vergessen kann. Zehn Jahre später hat sich Josh (Wilson) von Renai (eine dürftige Rose Byrne) getrennt, während sich ihr Sohn Dalton (Ty Simpkins) zu einem mürrischen, verärgerten Teenager entwickelt hat, der bei einem Besuchs seines Vaters die Augen verdreht. Als letzten verzweifelten Versuch, eine Bindung aufzubauen, nimmt Josh es auf sich, Dalton zum College-Einzugswochenende zum Campus zu fahren, und das letzte Jahrzehnt der ruhenden Dysfunktion beginnt, seinen hässlichen Dämonen-Kopf zu zeigen. Der übliche Kauderwelsch über die Astralprojektion untermauert nun den abgestandenen Subtext über die Gefahr, schmerzhafte Erinnerungen zu verdrängen, und den Kampf, Muster ererbter Verletzungen zu durchbrechen. Diese oberflächliche Psychologisierung verbindet die am meisten abgedroschenen Vorstellungen des zeitgenössischen Horrors, und sie werden durch ihre Artikulation in unausgegorener Metaphysik und abgestumpfter Symbolik nur noch verschlimmert. Wenn Wilson zum Beispiel signalisieren möchte, dass Gefahr unmittelbar bevorsteht, färbt er das gesamte Bild in einem hellen, heiteren Rot ein. Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er mit dem schlechtesten Drehbuch im "Insidious"-Kanon arbeitet. 

Das altbackene College-Setting wird schnell kontraintuitiv und trennt Dalton und Josh in ihren eigenen Handlungssträngen, die die Handlung ins Stocken bringen und unzusammenhängend machen. (Das Konzept stellt Dalton außerdem einen Kumpel zur Seite, der in so irritierenden, vorgetäuschten Dialogen spricht, dass sich ihr weiteres Überleben wie eine verpasste Chance anfühlt.) Der Text legt mehr Wert darauf, die Logistik des Sehens toter Menschen herauszuarbeiten, als das Phänomen beängstigend zu machen oder emotional interessant. Bei den schlurfenden Leichen könnte es sich genauso gut um Säcke voller Fleisch als um wiederbelebte Menschen handeln. Wilson verwendet kleinere Pinselstriche, die den Respekt vor der Genregeschichte eines Mannes zum Ausdruck bringen, der "Poltergeist" als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet. Aber selbst als lebenslanger Student der Künste mit einer klaren Vorliebe für seine Arbeit bringt er bei seiner Wiedereinführung als Filmemacher keine Spur von individueller Sensibilität mit, mit Ausnahme seiner übertriebenen Vorliebe für aufdringliche Gesichts-Nahaufnahmen, die seit langem ein klares Zeichen dafür ist eines Schauspielers, der auf die andere Seite der Kamera wechselt. Als er versucht, eine Botschaft in ein dünnes Behältnis zu massieren, zeigt er, dass er wenig zu sagen hat. Ein erster Film von jemandem mit lebenslanger Erfahrung an Sets und Bühnen sollte voller Ideen sein, die danach streben, sich zu befreien; Wilson geht dabei vor wie der Star einer Fernsehsendung, der ihnen lange genug dabei zugesehen hat, dass er glaubt, er könnte es selbst schaffen.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Plaion / Sony Pictures
Poster/Artwork: Sony Pictures

Samstag, 31. Mai 2014

The Conjuring - Conjuring: Die Heimsuchung (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1457767/

‘Endlich ausreichend Platz!’ sagt sich die Großfamilie um Mutter (Lili Taylor) und Vater (Ron Livingston), als sie das abgelegene Farmhaus in New England beziehen. Doch anscheinend sind sie nicht allein: Eine fremde und zunehmend böse Macht wohnt mitten unter ihnen und macht ein normales Leben unmöglich. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an das renommierte Pärchen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga), die als Fachleute auf dem Gebiet der Geisteraustreibung gelten. Doch ihre anfängliche Souveränität weicht der puren Angst, als sie bemerken, mit welch bösen Kräften sie es hier zu tun haben.

James Wan, der Erfinder der äußerst lukrativen aber nach seinem Abgang als Regisseur immer schlechter werdenden "SAW"-Reihe hat seit ein paar Jahren seinen Gefallen an altmodischen Gruselfilmen ohne den "SAW"-typischen Splattereffekt gefunden und zieht diese Linie konsequent durch. Angefangen hat alles mit dem recht gelungenen Puppen-Horror "Dead Silence" der zwar noch die ein oder andere genretypische Schwäche aufweisen konnte, aber schon da zeigte sich, wohin die Reise gehen soll. Ein paar Jahre später sollte er dann mit dem ziemlich erfolgreichen "Insidious" dem zur Zeit ziemlich florierenden "Spukhaus"-Horrors einen sehr guten Vertreters des Genres abliefern und damit auch sehr erfolgreich sein. Kein Wunder also dass eine Fortsetzung beschlossene Sache war. Und auch bei "The Conjuring" bleibt er seiner eingeschlagenen Linie treu und verbeugt sich mit seiner sehr zurückhaltenden und langsamen Inszenierung vor den großen Klassikern. James Wan lässt sich bei allem sehr viel Zeit und setzt um Spannung aufzubauen in der ersten Hälfte des Films auf die typischen Taschenspielertricks wie knarrende oder zu schlagende Türen und Fenster, langsame Kamerafahrten durch lange, dunkle Flure und dem ein oder anderen leisen Wispern.

Mehr passiert im Grunde auch nicht. Und genau das ist der Pluspunkt! Wans Filme haben es gar nicht nötig, mit anderen Horror/Splatterstreifen um die Wette zu eifern. Hier darf man sich noch über "Kleinigkeiten" erschrecken und gruseln und bekommt auch eine gelungene (wenn auch nicht neue) Geschichte geboten die Genretypisch passend in den Siebzigern angesiedelt ist. Da der Film natürlich Handlungstechnisch nicht viele Überraschungen zu bieten hat, sollte man darüber auch gar nicht erst sprechen, aber wer den ein oder anderen Gruselhaus-Film gesehen hat weiß, worum es geht. Da der Film aber atmosphärisch so gut gemacht ist, und er zum Ende hin auch an Fahrt gewinnt ist man dennoch nie gelangweilt und wird mal wieder sehr gut unterhalten. "The Conjuring" war nun noch erfolgreicher als "Insidious" und bekommt natürlich auch eine Fortsetzung spendiert. Hoffentlich auch unter Wans Regie und natürlich mit seinem mittlerweile Stamm-Horrorfilm-Darsteller Patrick Wilson!

7,5/10

Zusammen mit dem zweiten Teil in einer exklusiven und limitierten Steelbook-Edition erschienen:


Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/ArtworkWarner Bros.

Donnerstag, 20. Juni 2019

The Entity - Entity: Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns verfolgt (1982)

https://www.imdb.com/title/tt0082334/

Es klingt phantastisch und doch ist es schreckliche Realität. Eine Frau wird von einem unsichtbaren Wesen vergewaltigt. Wie von Geisterhand explodieren Gegenstände, geraten Autos außer Kontrolle, werden Menschen misshandelt. Bei der Erforschung dieser Geheimnisse entwickeln Mediziner und Psychologen tödliche Rivalitäten: Was sich zunächst als Hirngespinst einer schizophrenen Frau dargestellt, entwickelt sich zur lebensbedrohenden Realität. Alle Mittel der Wissenschaft versagen, das unheimliche Wesen unter Kontrolle zu bekommen. Das Unheil nimmt ungehindert seinen Lauf...

"The Entity" ist wohl der Urvater aller "Conjuring"- und "Insidious"-haften Geistergeschichten. Noch bevor der von Stephen Spielberg produzierte und von Tobe Hooper verfilmte "Poltergeist" im selben Jahr das Licht der Leinwände erblickte, befasste sich dieser Streifen mit Übersinnlichem, Geistern und einer von einem Wesen verfolgten Frau/Familie in Zusammenspiel mit paranormalen Wissenschaftlern, die der Sache auch auf den Grund gehen wollen. Kennt man "The Entity" (noch) nicht, so fallen eindeutige Parallelen zu oben genannten  Filmreihen auf, die sich wohl hemmungslos an "The Entity" bedienten und das Konzept weiter ausbauten. "The Entity" selbst ist ein sehr langer, aber selten langatmiger Film, der nicht lange herumeiert, sondern gleich nach ein paar Minuten zum Kern der Sache kommt. Der akustische Einsatz ist dabei wohl von besonderer Bedeutung, denn weit weg von unterschwellig oder bedrohlichem Einsatz von Musik kommt es hier zu einem hämmernden, lautstarken Gepolter, was die Situation, in der sich Carla Moran (gespielt von Barbara Hershey) befindet, noch intensiviert und ein geradezu unangenehmes Gefühl beim Zuschauer hervorruft. Für einen Film, der zu Beginn der Achtziger Jahre entstand ist das hervorragend, heutzutage lockt man damit kaum noch einen Hund hinter dem Ofen vor. Die Geisterszenen werden vor allem durch die Protagonistin getragen - was will man bei einem Angriff eines unsichtbaren Wesens auch großartig zeigen, außer zuklappende Türen, herunterfallende Vasen und rüttelnde Schränke? Mit etwas über 2 Stunden Laufzeit ist "The Entity" trotzdem etwas zu lang. Dazu kommt, dass dem Zuschauer vor allem zu Beginn wieder und wieder dieselbe Begebenheit gezeigt wird, was gar nicht nötig ist. Auch ist der Einsatz von Tricks nur allzu leicht zu erkennen - was aber irgendwie auch charmant ist. "The Entity" ist damit ein ganz guter Vertreter seiner Zunft. Ein wenig dumm und unbeholfen in manchen Dingen, aber effektiv und spannend zugleich.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Media
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox/American Cinema Productions

Montag, 3. März 2014

Insidious: Chapter 2 (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2226417/

Nachdem die Familie Lambert den Spuk in ihrem alten Haus besiegen konnten, ziehen sie aus und suchen Zuflucht bei der Großmutter Lorraine (Barbara Hershey). Doch der Umzug allein reicht nicht aus, denn schnell bemerkt Renai (Rose Byrne) auch hier unnatürliche Dinge. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei ihren Kindern, doch die Dämonen haben es dieses Mal nicht auf ihren Sohn Dalton (Ty Simpkins), sondern auf ihren Mann Josh (Patrick Wilson) abgesehen. Er hat bei dem Betreten der Parallelwelt etwas mitgenommen, dass der Familie das Leben zur Hölle auf Erden macht.

Wo Kapitel eins endet, dort beginnt auch das zweite. Auffällig ist allerdings, dass sich der Stil etwas verändert hat. Was gleich geblieben ist, sind die guten, alten Elemente des Horrors, die auch in Teil eins schon ihre Daseinsberechtigung fanden. Im Nachhinein betrachtet, glaube ich, waren die Ecken im ersten Teil sogar noch ein bisschen dunkler, das Schwarz ein bisschen schwärzer und im Gegensatz zum "Chapter 2" bin ich sogar ein paar Mal hochgeschreckt. Hier konnte ich mich darauf verlassen, dass an den Stellen, wo man den "Buh!"-Effekt aus irgendeiner Ecke erwartet auch bekommt. Von daher fand ich den Teil etwas lahm. Ich meine, wenn ich mich hinterher noch ohne Licht über meinen Flur traue, dann sagt das doch etwas aus, oder?

Die Story hier wirkte zudem etwas bemüht und war wieder ein wenig zu brav für einen Geistergrusel. Zudem versteift sich Regisseur James Wan sehr stark darauf, aus der vorbelasteten Geschichte der Familie alles nur mögliche herausholen zu wollen. Dabei hätte ich mir nur ein paar quietschende Treppen, ein bisschen Keuchen aus dem Wandschrank und ein paar unter dem Bett hervorgreifende Hände mehr gewünscht. Wobei meine Abneigung gegen düstere Wandschränke eigentlich schon gut genährt wurde.

Diese Skurrilität allerdings, die im ersten Teil zwar etwas schrullig daher kam, aber sehr launig war, ist komplett auf der Strecke geblieben. Wo ein tanzender Gnom vor einem Plattenspieler mal noch für einen Schmunzler gesorgt hatte, hat "Chapter 2" diese Vorgehensweise leider im Keim erstickt. Dafür wurde zu übereifrig an der atmosphärischen Wirkung gebastelt. Ein schlechter Tausch. Trotzdem hat dieser Streifen hier zumindest nicht ganz sein Ziel nicht verfehlt und steht damit immer noch in meiner Gunst. Für den bereits anvisierten dritten Teil kann ich nur die Empfehlung geben: mehr Grusel, mehr Mystery - aber nicht übertreiben!

6,5/10

Exklusiv bei Müller gibt es den Film im limitierten Steelbook:


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/ArtworkSony Pictures

Donnerstag, 8. Oktober 2020

The Invisible Man - Der Unsichtbare (2020)

https://www.imdb.com/title/tt1051906/

Es gibt keinen anderen Ausweg mehr: Cecilia Kass (Elisabeth Moss) will endlich einen Schlussstrich ziehen und sich aus der gewaltvollen Beziehung zu ihrem kontrollsüchtigen Freund (Oliver Jackson-Cohen) lösen. Eines Nachts fasst sie den Entschluss, endgültig das Weite zu suchen. Mit ihrer Schwester (Harriet Dyer), ihrem Kindheitsfreund James (Aldis Hodge) und dessen Tochter (Storm Reid) taucht sie schließlich unter, woraufhin ihr nun Ex-Freund Selbstmord begeht. Während Cecilia einen erheblichen Teil von dessen Vermögen erbt, häufen sich allerdings die unheimlichen Vorkommnisse in ihrem Leben, die schon bald ein erstes Todesopfer fordern. Die vermeintliche Witwe ist sich sicher: Ihr Ex hat seinen Tod nur vorgetäuscht und macht nun unsichtbar Jagd auf alle, die ihr lieb sind - aber wer wird ihr schon glauben?

Dass ausgerechnet "Saw"- und "Insidious"-Stammautor Leigh Whannell aus H.G. Wells' 1897 erschienener Romanvorlage "The Invisible Man" einen derart effektiven Psychoterror auf die Leinwand zaubert, zählt wohl zu den großen Überraschungen des ansonsten unterversorgten Kinojahres 2020. "Der Unsichtbare" ist eine zeitgemäße und sehr originelle Version der "Unsichtbaren"-Thematik, und eines der ikonischsten Gruselszenarien in der Universal-Filmkiste, der auch sehr modern als Spielfläche einer weiteren, bösartigen Stalker-Allegorie fungiert. Der Zuschauer trifft die von Hauptdarstellerin Elisabeth Moss hervorragend gespielte Cecille in dem Moment, in dem sie ruckartig erwacht. Und recht schnell kristallisiert sich die toxische Beziehung zu ihrem Freund Adrian (Oliver Jackson-Cohen) heraus, ein Kontrollfreak, der seine Freundin besitzt, kontrolliert und ihr keinen Millimeter Luft gönnt. Überwachungskameras sind auf (fast) jeden Winkel im Haus gerichtet, die Alarmanlage läuft... da ist es nur gut, dass Cecille die Codes und Passwörter kennt, um die Systeme im Haus unbrauchbar zu machen und ihre Flucht unbemerkt ablaufen zu lassen.


Natürlich geht das schief, denn sonst wäre der Film an dieser Stelle sicherlich zu Ende, doch für den interessierten Zuschauer tun sich bereits hier Logiklöcher auf. Man sollte diese aber tunlichst ignorieren, denn tut man das nicht, verpasst man einen wirklich sehr guten Beitrag zum Genre und regt sich nur sinnlos über diese auf. Auch badet der Film in dem Klischee, dass eine scheinbar durchgedrehte Hauptdarstellerin sich nicht zu artikulieren weiß: Anstatt einer sachlichen Erklärung werden unzusammenhängende, wirre (und den scheinbaren Wahnsinn noch unterstreichende) Sätze in die Umgebung posaunt. Sätze wie: "Er ist hier mit uns im Raum - aber ihr könnt ihn nicht sehen", helfen nun nicht unbedingt dabei, die eigene mentale Gesundheit zu beweisen. Dennoch: "Der Unsichtbare" arbeitet die Konsequenzen dieser Beziehung wunderbar böse heraus und bekennt sich sogar zum Feminismus, sehr bezeichnend durch das Bewerbungsgespräch, in Form eines erstaunlich gnadenlosen Terrorfilms.

Klug ist auch die Entscheidung, die "Unsichtbarwerdung" des Angreifers nicht auf eine Art Zaubertrank, sondern auf zumindest vorstellbare technisch-optische Tricks zurückzuführen, so dass man sich nicht immer fragen muss, ob der Unsichtbare nicht immer splitterfasernackt stalkt. Der Film nimmt nach einem schnellen Auftakt das Tempo raus und lässt dem Zuschauer Zeit zu verarbeiten und zu verstehen, baut die Charaktere auf und lässt ihn, wie Cecille beruhigen, bevor der Terror erst schleichend, dann immer bedrohlicher und schneller werdenden, Einzug hält. Besonders clever verhält sich die Hauptdarstellerin im ersten Moment allerdings nicht, beweist aber Lernfähigkeit und weiß in der Dachbodenszene sogar den Zuschauer durch eine ultra-spontane Aktion gehörig zu erschrecken. Ab dem Zeitpunkt der "Enttarnung", oder vielmehr der bewiesenen Erkenntnis, dass hier tatsächlich jemand ist, nimmt der Film dann auch Fahrt auf und hat einige richtig bösartige Szenen im Gepäck. Der Mord an der eigenen Schwester ist da vermutlich noch die stärkste Szene, die dem Zuschauer auch in völlige Fassungslosigkeit versetzen kann.

"Der Unsichtbare" ist atmosphärisch, der Soundtrack von Benjamin Wallfisch, der zu den Besten gehört, die man in den letzten Jahren musikalisch im Horrorbereich zu hören bekommt, hämmernd und dumpf, die Szenerie immer düster, der Twist etwas vorhersehbar, aber immer noch gut. Spannend zu sehen, wie das klassische Konzept hier umgesetzt wurde. Man würde sich zwar wünschen, dass der Film die Beziehung zwischen Cecille und Adrian, vielleicht im Zeitraffer, näher beleuchtet hätte und wie es dazu überhaupt kam, doch dies hätte den Film vielleicht auch nur unnötig aufgebläht. Allein die ausgezeichnete Leistung von Elisabeth Moss, die hier quasi im Alleingang alle Facetten vom terrorgeplagten Opfer bis zur smarten Rächerin ausdrucksstark und konsequent durchspielt, reicht als Argument für den Film.


Statt sich einem erwartbaren, klassischen und letztlich auch "braven" Horrorfilmaufbau zu verschreiben, schleicht und schlängelt sich "Der Unsichtbare" bedrohlich voran und schlägt dann in unerwarteten Momenten überraschend heftig zu, um schließlich in einem ungemein cleveren und schockierenden Schlussakt zu münden. Die erste Hälfte des Films ist dabei klar stärker als die zweite, aber nichtsdestoweniger ist der Film einer der überzeugendsten Genrebeiträge seit langem und letztlich eine - Achtung, Insider-Humor - "Überraschung!".

8/10

Der Film ist von UNIVERSAL PICTURES auch im limitierten Steelbook erhältlich:


Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork: Universal Pictures

Montag, 2. Dezember 2013

Insidious (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1591095/

Neues Haus, neues Glück: Für den Lehrer Josh Lambert (Patrick Wilson), seine Frau Renai (Rose Byrne) und ihre drei Kinder ist der Umzug die Erfüllung eines lange gehegten Wunschtraums. Aber die Freude währt nur kurz: Ihr neues Heim wird von unheimlichen Dämonen heimgesucht. Nach einem mysteriösen Unfall fällt ihr Sohn Dalton (Ty Simpkins) in ein Koma, das die Ärzte vor ein Rätsel stellt. Mit einem erneuten Umzug wollen die Lamberts ihren Sohn retten und dem unablässigen Terror entfliehen. Doch es ist nicht das Haus, das besessen ist...

Das Übliche: Familie mit Kindern zieht in neues Haus, merkwürdige Dinge passieren und *zack!* ist es laut der eingeschüchterten Ehefrau sofort ein Geisterhaus, auch wenn bis dahin ja nun wirklich nicht so viel passiert ist, als dass man gleich total erschrocken sein und das schöne Haus so dermaßen abfällig beschreiben müsste. Leidlich mysteriöser aber auch mitunter etwas fader Auftakt und definitiv nichts, was man nicht schon x-Mal woanders gesehen hätte. Ab und an ein paar seltene aber ziemlich gelungene Jump-Scares, hauptsächlich dadurch hervorgerufen, dass jemand im Hintergrund wie ein Irrer mit der flachen Hand auf Klaviertasten haut und somit einen Sound hervorbringt, der, da er aus dem Nichts kommt, einen durch Mark und Bein geht. Aber auch hier nichts, was außergewöhnlich in diesem Genre ist. Problem war in der Phase auch, dass man, so überzeugend Patrick Wilson und die wirklich hervorragende Rose Byrne gespielt haben, keinen Bezug zu ihnen, ihrer Familie und dem Haus hat. Und mit einem Schlag nimmt der Film einen anderen Verlauf und fühlt sich gezwungen, ein paar "Geisterjäger" einzusetzen, was den Streifen dezent ins Lächerliche abdriften ließ, so dass ich die Hoffnung schon aufgegeben habe, zumal die Erklärung, was hier nun eigentlich wirklich vorgeht, schon sehr sehr skurril war. Aber genau das war es dann, was den Film so dermaßen in eine komplett andere Richtung lenkte als das, was er eine Stunde vorgab zu sein, so dass er auf einmal total spannend, faszinierend, fesselnd und unheimlich ohne Ende wurde.

Die letzten 30 Minuten waren reichlich bizarrer Horror mit einer unglaublich heftigen Atmosphäre, starken verstörenden Bildern und krassen Schockszenen, die mich durchgehend an den Fingernägel kauen ließen vor lauter Angst. Abgeschlossen wird das Ganze durch ein verdammt geiles Ende, das nochmal so richtig reinhaut und nachhaltig Gänsehaut verursacht, auch wenn man es leicht vorausahnen konnte. Also irgendwas muss der Film sehr richtig gemacht haben, auch wenn ich es eine Stunde lang kaum mehr noch für möglich gehalten habe. Das Grauen des letztes letzten Drittels bleibt im Gedächtnis und lässt den gesamten Film rückwirkend betrachtet auch komplett ganz anders wirken. Klasse!

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork
Warner Bros.

Mittwoch, 22. Februar 2023

Malignant (2021)

https://www.imdb.com/title/tt3811906/

Madison (Annabelle Wallis) wurde einst als traumatisiertes Mächen von einer liebevollen Pflegefamilie adoptiert. Als erwachsene Frau wird sie nun von ihrer tragischen Vergangenheit eingeholt, denn Gabriel, ihr vermeintlich imaginärer bester Freund aus Kindheitstagen, scheint sehr wohl zu existieren. Allerdings verfolgt ihr einstiger Wegbegleiter keineswegs gute Absichten, sondern reißt Madison vielmehr mit in einen dunklen Strudel hinab: Gabriel begeht nämlich eine Reihe brutaler Morde, die Madison aufgrund ihrer besonderen Verbindung zu ihm mitansieht, als wäre sie live selbst mit dabei. Aber geschehen die Taten wirklich oder existieren die blutigen Vorfälle nur in ihren Gedanken? Die Grenze zwischen Wahrheit und Einbildung sind längst verschwommen... 

James Wan. Mit "Saw" machte er das Terror-Kino der 70er Jahre wieder populär, mit "Insidious" und "Conjuring" verhalft er dem altmodischen Spuk-Grusel zu einem Comeback. Nebenbei führte er auch mal bei "Fast & Furious 7", sowie bei "Aquaman" Regie, was deutlich zeigen dürfte, dass Wan nicht auf ein Genre festgefahren, sondern vielschichtig ist. Schön ist dabei jedoch, dass er den Finger trotzdem nicht vom Horror-Stoff lassen kann und bei "Malignant" konnte er sich offenbar richtig austoben - was ihm allerdings auch geteilte Kritiken einbrachte. Während einige eine überraschende Meisterleistung in diesem Werk sahen, empfanden andere ihn als albern. Letzteres ist verständlich, denn "Malignant" macht wirklich keinen Spaß, wenn man die Wendungen einmal kennt. Am Anfang wirkt alles noch sehr nach einem normalen Geisterspuk-Filmchen, doch schon bald gesellen sich weitere Elemente der verschiedenen Subgenre hinzu und obwohl man sich irgendwann den finalen Twist denken kann, überrascht Wan mit einem selbst für seine Verhältnisse äußerst blutigem und überbordendem Finale. Dass das alles nicht immer logisch zusammenpasst - drauf gepfiffen. Wan schafft es nämlich, einer recht bekannte Geschichte eine originelle Umsetzung zu verpassen. 

Sowieso ist es vor allen Dingen die visuelle Umsetzung, die aus "Malignant" etwas Besonderes macht. Hat man schon viele Filme von Wan gesehen, kennt man seine Stil-Mittel, die man auch hier serviert bekommt. Sehr einprägsam sind da immer diese Kamerafahrten. Trotzdem kopiert sich der Regisseur nicht einfach selbst, sondern bedient seine Markenzeichen gekonnt. So erhält man leichte Haunted-House-Elemente, aber auch Slasher-Motive. Eine verzerrte Stimme ist vorhanden, auch gruseliges Ambiente wird geboten. Das ist zwar niemals so richtig unheimlich, aber darum geht es dem Werk im Endeffekt ja auch gar nicht. In der stilsicheren Art und Weise, wie Wan sein Finale zelebriert, macht es einen reichlich spaßigen Eindruck. Wenn dann plötzlich die Action dominiert und noch reichlich gesplattert wird, wirkt das irgendwie dermaßen unpassend, dass es schon wieder cool ist. Denn obwohl man es bei "Malignant" mit einem Mainstream-Horrorfilm zu tun hat, pfeift der Film auf jegliche Konventionen. 

Unterm Stich sind die 110 Minuten Laufzeit zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Geschehen verändert sich stetig und zögert nicht zu lange. Die größte Spannung kommt zwar nicht auf, aber es gibt genügend stark gemachte Szenen, um stetig am Ball bleiben zu wollen. Hinzu gesellen sich solide Darsteller. Annabelle Wallis hat als einzige mehr zu tun, was sie souverän erledigt, aber auch alle anderen gehen völlig in Ordnung. Mit einer ausgeprägten Figurenzeichnung braucht man hier nicht zu rechnen, denn es stehen andere Dinge im Fokus. Doch alleine die optische Gestaltung des Killers gegen Ende ist eigenständig genug, um hier von Originalität sprechen zu können. Abgerundet wird das Ganze von einer gesunden Härte und einem gelungenen, treibenden Score, der stellenweise sofort das Nostalgie-Herz berührt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Donnerstag, 15. Juni 2023

The Unholy (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9419056/

Alice (Cricket Brown) ist ein junge taubstumme Frau, die nach einer angeblichen Heimsuchung durch die Jungfrau Maria auf unerklärliche Weise hören, sprechen und Kranke heilen kann. Als sich die Nachricht verbreitet und Menschen von nah und fern herbeiströmen, um Zeuge ihrer Wunder zu werden, besucht der in Ungnade gefallene Journalist Gerry Fenn (Jeffrey Dean Morgan), der hofft, seine Karriere wiederzubeleben, die kleine Stadt in New England, um Nachforschungen anzustellen. Als sich rundherum erschreckende Ereignisse ereignen, beginnt er sich zu fragen, ob diese Phänomene das Werk der Jungfrau Maria sind oder etwas viel Unheilvolleres...

"The Unholy" ist ein Horrorfilm, in dem mal wieder ein biblischer Kontaext zum Tragen kommt, der den Film anfänglich nicht exotischer klingen lässt als die letzte "Exorzist"-Kopie oder die vorjährige Ausgabe des "Conjuring"-Franchise. Aber "The Unholy" hat eine religiöse Handlung, die tatsächlich auch mal funktioniert. In der Hauptrolle ist eine unbekannte Schauspielerin namens Cricket Brown, die mit ihrer melodiöse Stimme und ebensolchen Gesichtszügen manchmal an die junge Natalie Portman erinnert, zu sehen, die eine taubstumme junge Frau namens Alice spielt. Sie hat Visionen von dem, was sie für die Jungfrau Maria hält. Durch die Aufnahme von Marias Geist kann Alice plötzlich hören und sprechen und Kranke heilen, was Menschenmassen in ihr ländliches Städtchen Banfield, Massachusetts, anlockt. "The Unholy" basiert auf einem Roman von James Herbert aus dem Jahr 1983 und seine Hauptfigur, abgesehen von Alice, ist ein (erneut in Ungnade gefallener) Journalist, namens Gerry Fenn. Er wird von Jeffrey Dean Morgan mit dessen schäbigen Elan gespielt, der ihn zu einem gewinnenden, abgestumpften Stellvertreter für den Skeptiker im Publikum macht. 

Dies ist der erste Spielfilm unter der Regie von Evan Spiliotopoulos, der als Drehbuchautor an Filmen wie "Hercules"  gearbeitet hat, und während er die konventionellen Themen des Megaplex-Horrors trifft, gelingt es ihm, sie mit einer stromlinienförmigen Kohärenz und Direktheit zu gestalten. Die Tropen mögen standardmäßig erscheinen - die blitzartigen Schnitte des Bösen, das Flüstern auf der Tonspur, das verhüllte Gespenst, das immer wieder auftaucht, um den Zuschauer aufzurütteln, wie der "Slender Man" oder "Candyman" oder ein wiederkehrender Geist aus dem dreitausendsten Teil der "Insidious"-Reihe. Das Problem mit zu vielen Horrorfilmen ist, dass sie all ihre Techniken, das Timing und Grinsen in einer stoischen Gleichgültigkeit und erwartbaren Haltung aufbietet, um im Grunde genommen "Buh!" zu sagen. Bei "The Unholy" kann man ein ein paar Mal zusammenzucken, aber jenseits des Gruselfaktors wird die wiederauferstandene Dämonin des Films zu einer echten Figur, die so hypnotisch besessen ist und sich mit einer bedrohlichen Ruckartigkeit bewegt. Die Bilder des Films entstammen einem christlichen Albtraum: die Stigmata (in diesem Fall religiöse Statuen mit eleganten Blutstränen), die Figur der Maria selbst, die in diesem Mantel eine schwarze Maske trägt, die sie als eine geisterhafte Marionette des Todes kennzeichnet.

William Sadler in der Rolle des heiligen, aber zum Tode verurteilten Pater Hagan zitiert Martin Luther und bringt damit das Thema des Films auf den Punkt: "Wo Gott eine Kirche baut, baut der Teufel eine Kapelle." Und Cary Elwes als Bischof Gyre von der Erzdiözese Boston hat einen Bostoner Akzent, der anfangs etwas wackelig ist, aber Elwes setzt ihn gut ein und macht aus dem Bischof einen religiösen Politiker, der es versteht, das Showbiz eines guten Wunders auszunutzen. Er setzt sich dafür ein, die Kirche von Banfield in einen heiligen Schrein zu verwandeln. "The Unholy" schreibt das Buch des religiösen Horrors nicht neu, aber es ist die Art seltener zeitgenössischer Horrorfilm, der tatsächlich Vertrauen in die Geschichte hat, die er erzählt. 

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/ArtworkNetflix

Mittwoch, 3. Juli 2024

Aterrados - Terrified (2017)

https://www.imdb.com/title/tt7549892/

In einem Wohnviertel von Buenos Aires gehen unerklärliche bis geradewegs beängstigende Dinge vor sich. So hört Hausfrau Clara (Natalia Señoriales) seltsame Geräusche aus ihrem Abfluss. Da ahnt sie noch nicht, dass sie den Tag nicht überleben, sondern auf brutale Weise ums Leben kommen wird. Nebenan scheint sich hingegen das Böse direkt unter dem Bett des verängstigten Walter (Demián Salomón) eingenistet zu haben. Seit Tagen findet der Mann keinen Schlaf und hat nun eine Kamera im Zimmer aufstellt, um zu dokumentieren, was vor sich geht. Auch eine weitere Nachbarin, Alicia (Julieta Vallina), erlebt die Hölle auf Erden, als ihr zehnjähriger Sohn Pucho (Matias Rascovschi) von einem Bus überfahren wird. Hängen diese Ereignisse zusammen oder ist alles einfach nur ein grausamer Zufall? Der gesundheitlich angeschlagene, einst mit Alicia liierte Polizist Funes (Maximiliano Ghione) versucht die Sache aufzuklären. Unterstützung erhält er dabei von Mario (Norberto Gonzalo), Mora (Elvira Onetto) und Dr. Rosentok (George Lewis), die allesamt auf paranormale Phänomene spezialisiert sind...

Als Horrorfilmfan ist man eigentlich immer auf der Suche nach dem nächsten Schocker. Mit dem  Aufkommen der Streamingdienste wurde man nun fast wöchentlich mit neuen Filmen versorgt, aber etwas originelles ist nur sehr, sehr selten dabei. Damián Rugnas "Terrified", eine argentinische paranormale Geschichte, dreht sich um übernatürliche Phänomene, die ein durchschnittliches Viertel von Gran Buenos Aires heimsuchen. Was mit einem unheimlichen Flüstern aus einem Küchenabfluss beginnt, verwandelt sich schnell in körperlich eindringliche Manifestationen und endet in einer schrecklichen Mischung aus tödlichen Begegnungen. Paranormale Detektive und Kriminalermittler schließen sich hier zusammen, um nicht nur herauszufinden, was die Vorstadtstraße und ihre unschuldigen Bewohner heimsucht, sondern auch, sie zu vor weiteren Schäden zu bewahren. "Terrified" macht dabei vieles richtig und es gibt durchaus ein paar Szenen, die einen ordentlich erschrecken. Es ist ein moderner Spuk, der gespenstische Elemente mit denen anderer Dimensionen kombiniert und gleichzeitig beeindruckende visuelle Effekte, eine beeindruckende Kinematographie und eine einzigartige Filmmusik bietet.

"Terrified" führt dem Zuschauer seine Monster, Todesfälle und Gespenster so wirkungsvoll vor Augen, dass es schwer ist, zu vergessen, was man gesehen hat. "Terrified" erregte schon mit der Eröffnungsszene Aufmerksamkeit, die an "Insidious" von James Wan erinnert - ein weiterer Film, der wirklich Angst macht -, und wenn man den zweiten Akt erreicht, ist man in einer so unheimlichen Atmosphäre gefangen, dass man alles um sich herum vergessen kann. Stattdessen schaut man mit schrecklicher Vorfreude zu - bis zum dritten Akt, der dem ganzen die Krone aufsetzt. Diese originelle, frische Interpretation eines eindringlichen Films gibt dem Horror-Genre eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten: die Manipulation der Wahrnehmung. In Bezug auf Stil, Ton und Gesamtgefühl ist das alles ganz toll - von winzigen Details bis hin zu handlungsentscheidenden Ereignissen. Es lockt Emotionen und schneidet dann mit einer schnellen, scharfen Klinge die Grenze, die einen in einen Zustand dunklen Unbehagens versetzen. Rugnas interessante Blickwinkel ähneln denen von Wan, wobei langsame Zooms effektiv Spannung und Vorfreude aufbauen, bevor sie mit visuellen Angriffen traumatisieren, wie es Aster mit seinem emotionalen Molotowcocktail "Hereditary" tat.

"Terrified" nutzt selbst das digitale Zeitalter zu seinem Vorteil, indem es den Zuschauern nur wenige Momente lässt, in denen sie daran zweifeln können, dass das, was sie sehen, echt ist. Todesszenen sind brutal, aber sie sind auf eine Art und Weise gemacht, wie sie nur wirklich große Filmemacher produzieren können. Alle Bilder von Rugna sind bösartig - einschließlich eines Autounfalls, der manch andere Unfälle in den Schatten stellt. Um die Sache noch schlimmer (besser?) zu machen, sind die Bilder ebenso eindringlich und unerbittlich; die Schrecken kommen einen an den verschiedensten Orten entgegen. Auch wecken manche Dialogzeilen Angst, ohne etwas anderes als den Sprecher zu zeigen. Jeder Dialog, der eine ängstliche Reaktion hervorruft, ohne dass das Bild dazu passt, beweist, dass Rugna nicht nur mit seinen Bildern, sondern auch mit seinem Schreiben eine gruselige Geschichte erzählen kann. Diese originelle, frische Interpretation eines eindringlichen Films gibt dem Horror-Genre eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten: die Manipulation der Wahrnehmung. "Terrified" gibt den Grund für diese Manipulationen an und erläutert im Detail, was passiert, wenn man sich in Dinge einmischt, die nicht von dieser Welt sind. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Pandastorm Pictures
Poster/Artwork
Machaco Films