Sonntag, 23. Februar 2020

Suicide Kings (1997)

https://www.imdb.com/title/tt0120241/

Als Avery Chastens (Henry Thomas) Schwester Elise (Laura Harris) entführt wird, fordern die Täter zwei Millionen Dollar Lösegeld von ihm. Da dieser das Geld jedoch nicht einmal annähernd besitzt, kommt er mit seinen Freunden auf die Idee, Charlie Barret alias Carlo Bartolucci (Christoper Walken) zu kidnappen. Barret ist der Kopf einer gefährlichen Verbrecherorganisation und soll Elise und deren Entführer mit seinen Kontakten und Möglichkeiten aufspüren. Um dem Paten ihre ernsten Absichten zu verdeutlichen, schneiden sie ihm einen Finger ab, woraufhin dieser seinen Peinigern mit dem Tod droht. Letztendlich bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als auf die Forderungen einzugehen. Durch seine Kontaktpersonen erfährt Barret, dass die Entführung durch einen Insider stattgefunden hat. Plötzlich verdächtigt jeder jeden und Barret nutzt das gegenseitige Misstrauen zu seinen Gunsten.

Wer hätte da keine Angst? Selbst wenn es Fünf gegen Einen heißt und letzterer ein älterer Herr mit eingeschränktem Bewegungsspielraum, wenn es sich um Christopher Walken handelt. Der atmet gewohnt lässig durch den Mund und seine halbstarken Kidnapper bekommen im Gegenzug Schnappatmung. "Suicide Kings" ist eines dieser kleinen, feinen B-Movies aus den späten 90ern, die es nie so richtig geschafft haben, obwohl sie es verdient hätten. Seinerzeit ohne deutschen Kinostart direkt in die Videothek verschoben konnte er damals doch in gewissen Kreisen seine Fans finden, heute ist er trotzdem nicht mehr als ein unbekannter Geheimtipp. Großes Kino ist die garstige Thriller-Groteske von Peter O’Fallon keinesfalls und zündet speziell in der ersten Hälfte nicht immer hundertprozentig, doch allein der erneut famose Christopher Walken, eine interessante Grundprämisse und einige hervorragend umgesetzte Situationen bleiben definitiv hängen, selbst mit vielen Jahren Abstand. Ohne den Mann mit dem Plan - hier nicht aufgrund einer Querschnittslähmung an einen Stuhl gefesselt - würde das wohl nicht partiell so exzellent funktionieren, doch wie Abel Ferrara einst sinngemäß sagte, der Mann hat mehr Talent im kleinen Finger als manche Darsteller überhaupt. Passt hier extrem genau, ohne zu viel verraten zu wollen. Mit welcher Abgebrühtheit, Ausstrahlung und fast gruseliger Dominanz er hier seine Kontrahenten an die Wand drückt, ist schon schwer beeindruckend.

Ihm, aber auch Denis Leary als seinen nicht gerade zimperlichen Handlanger Lono, gehört eindeutig die Show. Während Walken nur mit gezielten, verbalen Messerstichen die lappigen Wannabes analysiert, seziert und Zwietracht säht, erkennt Lono die Vorzüge von Stahl gegenüber Grafit in der rauen Praxis, versaut sich wiederholt die schicken Fisch-Treter und zweckentfremdet Toaster für die gute Sache. Die offensichtlichen Bad Guys werden schnell zu den eigentlichen Sympathiefiguren, da sie neben ihren illegalen Machenschaften und radikalen Methoden tatsächlichen "sozialen" Anstand erkenne lassen. Nicht unbedingt eine oft grenzwertige Gangsterglorifizierung, mehr eine Gespür dafür, wen sie am Ende des Tages noch mit einem blauen Auge davon kommen lassen. Wer nur dumm, naiv aber loyal und im Herzen ehrlich ist, hat eine Chance. Gesindel und Verräter verdienen keine Gnade. "Suicide Kings" ist nicht schon wieder so ein auf lässig und smart getrimmtes Gaunerstück, hat zwar diverse dieser Anleihen und nicht unerhebliche Logikschnitzer, punktet dafür mit viel Charme, tatsächlicher statt künstlich heraufbeschworener, nie übertriebener Coolness und geschickt instruierten Spannungsmomenten, die dann effektiv inszeniert werden. Humor ist ein wesentlicher Bestandteil. Manchmal etwas zu affektiert, meist jedoch nicht übertrieben und dank der liebevoll, grundsätzlich vernünftig und nachvollziehbar charakterisierten Figuren im Gesamtbild rund.

Der übergroße Christopher Walken ist der Platzhirsch, Denis Leary der selten so gute Kronprinz, da stinken die jungen Wilden Jay Mohr, Sean Patrick Flannery, Henry Thomas, Jeremy Sisto und Johnny Galecki natürlich gegen ab, doch insgesamt ein harmonisches, gut gewähltes Ensemble. Trotz Abstrichen, so sieht grundsätzlich gutes, kleines B-Kino aus, bei dem sich Mühe gegeben wurde und selbst bei wiederholter Sichtung immer noch Spaß macht. Wer ihn immer noch nicht kennt, der Blick lohnt sich. Und wenn es nur wegen Walken ist.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film im auf 500 Stück limitierten Mediabook auf BD in HighDefintion.

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