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Freitag, 20. Dezember 2013

Kick-Ass 2 (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1650554/

Die Story schließt direkt an den ersten Teil an: Dave (Aaron Taylor-Johnson) hat andere Leute dazu inspiriert, auch zu Amateur-Superhelden zu werden, wohingegen Red Mist (Christopher Mintz-Plasse) eine Gruppe von Amateur-Superschurken um sich versammelt und sich fortan The Motherfucker nennt. Hit-Girl (Chloë Grace Moretz) hingegen wird von Markus, einem Freund ihres Vaters, adoptiert, der ihr Superhelden-Dasein nicht toleriert. Ihnen zuliebe legt sie Cape und Maske ab. Während die Nachahmer von Kick-Ass in der vom ehemaligen Gangster Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) gegründeten Justice Forever-Vereinigung eine Anlaufstelle finden, bedient sich The Motherfucker der Dienste der eiskalten Söldnerin Mother Russia (Olga Kurkulina). Mit seinem mächtigen Verbrechersyndikat will er den Tod seines Vaters rächen. Dave schließt sich den Hobby-Helden an und mitten auf dem Time Square kommt es schließlich zum unvermeidlichen Kräftemessen. Schnell wird klar, dass The Motherfucker es todernst meint und auch vor kaltblütigem Mord nicht zurückschreckt. Kick-Ass braucht Hit-Girl. Wird Mindy ihr Versprechen brechen und Kick-Ass wieder hilfreich zur Seite stehen?

Natürlich wird sie das. Es dauert nur eben eine Weile, bis Hit-Girl wieder in Aktion tritt. Aber dann ist ihr Auftritt umso genialer und man freut sich richtig über ihre Aktionen. "Kick-Ass 2" hat leider das Problem vieler Sequels: sie müssen sich wie immer am großen Vorgänger orientieren und sich mit ihm messen lassen. Leider gelingt es auch diesem Nachfolger nicht, den hervorragenden Erstling zu übertrumpfen. Dabei ist der Film nicht schlecht, im Gegenteil: er hat Witz, Spannung, Action und dieses mal sogar richtig fiese und vor allem blutige Szenen zu bieten, die das Herz eines jeden Action-Superheldenfilms höher schlagen lassen. Aber er braucht eben eine ganze Weile, um in die Gänge zu kommen. Und wenn er dann einmal in Fahrt ist, dann ist er auch schon wieder vorbei. Hier hätte ich mir etwas mehr Action gewünscht.

Es gibt eine ganze Menge unfreiwillige Komik und einen derben Schlag in den Fäkalhumorbereich, der meiner Ansicht nach nicht hätte sein müssen.  Die Schauspieler machen ihre Sache mit viel Spaß an der Sache selbst - und das merkt man. Allen voran Aaron Taylor-Johnson und Chloë Grace Moretz, die beiden Protagonisten. Die Geschichte mag an sich erst einmal nicht schlecht klingen, vermag aber leider kaum zu fesseln. Die Probleme pubertierender Teenies mit ihrer Identität und ihrem Platz in der Highschool-Gesellschaft sind weder neu, noch besonders interessant und betten sich mehr schlecht als recht in die Superhelden-Geschichte ein. Der Einfallsreichtum und die erfrischende Neuheit des Stoffes aus dem ersten Teil sucht man in "Kick-Ass 2" vergeblich. Die Entwicklung der Charaktere wird leider zu zwanghaft und zu vorhersehbar vorangetrieben, da kann auch ein bärbeißiger und gut agierender Jim Carrey als Colonel Stars and Stripes und Donald Faison als Dr. Gravity nichts mehr retten. Trotzdem ist der Film kein schlechter: man wird über die 103 Minuten gut unterhalten, hat gelacht und einige WTF-Momente erlebt. Insgesamt also noch

7/10

Wow, das ging flott! Kaum war das limitierte und geprägte Steelbook einen Tag auf dem Markt, schon ist es wieder weg - und wird auf amazon.de Marketplace für Preise jenseits von Gut und Böse angeboten. Ist aber auch ein schickes Teil..


Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Montag, 12. August 2013

Kick-Ass (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1250777/

Irgendwann 2010 sah ich einen Trailer zu einem Film namens "Kick-Ass". Und der Trailer war... komisch. Ein kleines Mädchen und ein Typ als Superhelden verkleidet...? 'Das geht in die Hose', so dachte ich und ließ den Kinobesuch aus. Dann las ich eine Kritik nach der anderen, die den Film beinahe über alle Maßen in den Himmel lobten und ich kaufte mir "auf gut Glück" die Scheibe - sogar im limitierten Steelbook....

Fast unsichtbar in der Schule und mit einem Haufen Comics im Schrank ist Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) ein völlig durchschnittlicher Teenager – zumindest bis er die Entscheidung fällt, ein Superheld zu werden. Er schlüpft in ein grün-gelbes Ganzkörperkostüm, setzt sich eine Maske mit Schlitzen für Augen und Mund auf, schnappt sich zwei Bleirohrkampfknüppel und zieht als ‘Kick-Ass’ in den Kampf gegen das Böse. Das einzige Problem dabei ist allerdings, dass er auf seinen nächtlichen Patrouillen nicht mal ein winziges Fünkchen Superkraft zu bieten hat und sich vor Schurken in Acht nehmen muss, die etwas mehr Power aufweisen. Doch dann gelingt ihm tatsächlich sein erster großer Kampf und so wird er zum MySpace-Helden. Ebenfalls maskiert, aber schon länger mit todbringendem Ernst im Geschäft sind zwei andere selbst ernannte Rächer, auf die Kick-Ass bald trifft: eine unaufhaltsame 11-Jährige, die ihr rasiermesserscharfes Doppelschwert als Hit Girl (Chloë Grace Moretz) schwingt, sowie ihr panzerbrechender Vater (Nicolas Cage), der erbarmungslos als Big Daddy zupackt. Dazu gesellt sich mit Red Mist noch ein weiterer Superheldennachahmer. Diese eigenwillige und durchaus energische Allianz bekommt es aber schnell auch mit mächtigen Feinden zu tun und wird durch die heimtückischen Machenschaften von Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong) auf eine tödliche Probe gestellt.

Was für ein genialer Film. Es macht wahnsinnig Spaß mit anzusehen, wie Regisseur Matthew Vaughn mit jeder Erwartung des Zuschauers bricht und dem Superheldengenre tatsächlich etwas Neuartiges abgewinnt, indem er seine kleine Coming-Of-Age Stilblüte sehr sauber in die heutige YouTube Generation einarbeitet. Hier sind es im wahrsten Sinne des Wortes Antihelden, die sich durch Dreck und Blut kriechen um sich - erst am Ende - den Heldentitel auch verdient zu haben. Nicht nur die Erzählstruktur, nein, auch die Darsteller, die Choreografie, die Musik, der Humor - hier passt alles wie die Faust aufs Auge - und ist zudem so realistisch wie nur möglich erzählt. Der Humor ist teils so derb und böse, dass es eine wahre Freude ist - und wenn Hit-Girl loslegt, dann frage ich mich so amnches Mal ernsthaft, warum der Film "nur" eine 16er Freigabe erhalten hat, denn einige Szene sind äusserst graphisch und überlassen nichts der Phantasie. Dazu rockt der Soundtrack passend mit The Prodigy, Primal Scream, Ellie Goulding und sogar Ennio Morricone, dessen "Per Qualche Dollaro In Piu" ("Für ein paar Dollar mehr") gerade richtig kommt, als Hit-Girl aufräumt. Überhaupt kann man kaum ein negatives Argument finden, außer vielleicht die Liebesgeschichte. Aber die gehört auch wieder zum Kontext und ist so gesehen auch nicht schlimm... ach. So ist "Kick-Ass" eine Achterbahnfahrt, quasi ein "Watchmen" in niedlich. Genial.

Ich freue mich regelrecht auf "Kick-Ass 2", der in der nächsten Woche bei uns anläuft. Dieses Mal lasse ich den Kinobesuch nicht aus.

9/10

Zum ersten Teil gibt es ein limitiertes Steelbook, das mittlerweile wieder neu aufgelegt und nachproduziert wird. Die Erstauflage erkennt man allerdings am glänzenden Finish.


Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Samstag, 2. November 2013

Super (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1512235/

Im normalen Leben ist Frank das, was man landläufig als arme Sau bezeichnet würde: ein unter Depressionen und Neurosen leidender Schnellimbiss-Koch. Als seine Frau unter den Einfluss eines besonders fiesen Kleinverbrechers gerät und Frank verlässt, verschwindet auch das letzte Regulativ aus dem Leben des Verlierers. Fortan zwängt er sich allabendlich in sein mühselig zusammengeflicktes Kostüm – nicht unbedingt um Gutes zu tun und zu den Gewinnern zu gehören, sondern um endlich mal auf die Kacke zu hauen: Als Superheld “Der Blutrote Blitz” geht er unverdrossen seiner Arbeit nach. Beistand leistet ihm dabei bereitwilligst die nicht minder verstörende nymphomane Comic-Verkäuferin Libby als sein Sidekick “Blitzie”.

Billiger, trashiger und ein ganzes Stück brutaler als "Kick Ass"! Bis etwa zur Hälfte hätte ich auch gesagt realistischer, doch stimmt das nur bedingt: Im Gegensatz zum knallbunten Treiben von "Kick Ass", der seine Comicwurzeln nie verleugnet, offenbart "Super" (der übrigens mehr nach einer britischen als nach einer amerikanischen Produktion aussieht) zwar viel aus der Psyche seines heruntergekommenen Protagonisten (und hat insofern einen ernsthaften Ansatz), doch dreht er zum Ende hin (sicherlich auch im Rahmen des Budgets) in Sachen Gewalt und Action gehörig auf und bewegt sich damit auf konventionellen Bahnen (wenn auch immer mit dem Beigeschmack der satirischen Überspitzung).

Wo bei "Kick-Ass" der Protagonist tatsächlich als Held dargestellt wird, zeigt Super die harte und grausame Realität einer psychisch labilen Persönlichkeit, welche aufgrund von Visionen beginnt brutale Selbstjustiz auszuüben. Garniert wird das ganz jedoch nicht mit übertriebener Komik und überzogenen Späßen, sondern mit dunklem und traurigem Humor, als würde man über einen dreibeinigen Hund lachen, der hinfällt. Trotzdem wird man am Ende mit einem flauen Gefühl im Magen "belohnt", denn wo "Kick-Ass" behauptet, dass am Ende jeder ein Held sein kann, zeigt Super die Konsequenzen und die Realität, die eben nicht immer froh und bunt ist. Der Film selbst macht beim Schauen Spaß, stößt jedoch gleichzeitig ab.

Die Schauspieler sind wirklich gut und geben dabei keine Möglichkeit sich mit ihnen zu identifizieren. Das gesamte Geschehen scheint zwar real, baut jedoch komplett auf Figuren, wie Frank und Blitzi, sowie dem "bösen" Gegenspieler auf, sodass ihre Anwesenheit die Abgehobenheit mancher Szenen und Gewaltdarstellungen, in ein normales und dazugehörendes Licht rückt. Alles in allem, ist der Film jedem zu empfehlen und vielleicht grade denen, die keine Lust auf übertriebene Slapstick und Superheldenhumor besitzen.  Klasse!

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe:
Koch Films

Dienstag, 10. Januar 2023

Super-héros malgré lui - Superheroes Despite - Superheld wider Willen (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13774454/

Cédric (Philippe Lacheau), der sich als Schauspielstudent durchschlägt, bekommt endlich seine erste Rolle in einem Superheldenfilm. Eines Abends, als er sich ein Auto für die Dreharbeiten ausleiht, gerät er in einen Unfall, bei dem er sein Gedächtnis verliert. Als er wieder aufwacht, ist er überzeugt, dass er in seinem Superheldenaufzug und inmitten der Requisiten des Films zur Filmfigur geworden ist, die eine gefährliche Mission zu erfüllen hat. Aber nur, weil er unbedingt will, ist er noch lange kein Held - und schon gar kein Superheld...

Der französische Beitrag "Superheld wider Willen" zeigt, dass es möglich ist, eine überzeugenden Superheldenkomödie zu drehen, mit einem engagierten Regisseur, einer guten Besetzung und vor allem mit Spezialeffekten, die mit französischen Blockbustern locker mithalten können. Der Film unter der Regie von Philippe Lacheau scheint sich in Richtung einer Mischung aus Actionfilm, französischer Komödie und Post-"Kick-Ass"-Superheldenfilm zu bewegen (der Abspann bestätigt diese Inspiration mit einer Musik, die an den Abspann der beiden "Kick-Ass"-Filme angelehnt ist). Ebenso interessant sind die zahlreichen Anspielungen auf das "Batman"-Universum, aber auch auf die "Avengers", "Spider-Man" und sogar auf Stan Lee. Einmal mehr findet Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller Philippe Lacheau den richtigen Ansatz, um einen Film zu liefern, der sowohl eine Parodie auf die unbesiegbaren amerikanischen Superhelden als auch ein gekonnt inszenierter Actionfilm ist, ohne dabei den Sinn für Komik zu verlieren. Das Ergebnis ist eine Komödie, die so unwiderstehlich ist , dass man aus dem Lachen (mindestens Schmunzeln) nicht herauskommt.

Der Film ist wie ein Comicbuch geschnitten (sogar der Vorspann erinnert nicht ganz zufällig an die "MARVEL"-Filme), mit zahlreichen Szenen, in denen sich Humor mit Verfolgungsjagden und Kämpfen mischt. Hier stimmt einfach alles. Es ist zudem unmöglich, nicht den Willen der Macher zu erkennen, die Effizienz des amerikanischen Actionkinos wirkungsvoll einzubinden und vor allem mit schnellem Schnitt und einigen Aufnahmen, die den großen Blockbustern würdig sind, zu spielen. Natürlich sind die finanziellen Mittel nicht dieselben, aber dem Regisseur und Schauspieler Philippe Lacheau gelingt es, einen fesselnden Film abzuliefern, in dem man mit Vergnügen die Figur des Cedric bei seinen Abenteuern als "Badman" verfolgen. Lacheau zögert auch nicht, die französische Filmindustrie aufs Korn zu nehmen und sich über die Schauspieler lustig zu machen, die ein übergroßes Ego haben und außerhalb der realen Welt zu leben scheinen.

Trotz seiner kurzen LaufzeitLänge hat "Superheld wider Willen" ein solides Fundament und vermeidet, wie viele Filme, oberflächliche und überflüssige Szenen. Schon in den ersten Minuten wird der Rahmen abgesteckt und der Film findet seinen Rhythmus, wobei er einige Anspielungen auf die Filmreihe "American Pie" macht, insbesondere auf die Figur der Jeanine Stifler. Philippe Lacheau scheint also der würdige Erbe des ZAZ-Trios zu sein, bei denen die Regie und die Drehbücher inspiriert und die Besetzung perfekt war. "Superheld wider Willen" ist definitiv einer der Must-See-Filme des Jahres 2022.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Splendid

Mittwoch, 14. Januar 2026

Guns Up (2025)

https://www.imdb.com/title/tt28026215/

Ray Hayes (Kevin James) will seiner Familie mehr bieten als nur das Leben, das er sich als einfacher Polizist gerade so leisten kann - und trifft eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen: Er schließt sich tatsächlich dem organisierten Verbrechen an und arbeitet fortan als Schuldeneintreiber. Fünf Jahre später scheint der gemeinsame Traum mit Ehefrau Audrey (Christina Ricci), ein eigenes kleines Diner zu eröffnen, in greifbare Nähe zu rücken. Ray plant deshalb auch den Ausstieg aus dem kriminellen Milieu. Doch als der neue Boss Lonny (Timothy V. Murphy) die Geschäfte übernimmt, kippt die Lage plötzlich. Ein schiefgelaufener Auftrag macht Ray zur Zielscheibe der eigenen Leute. In einer Nacht voller Bedrohungen kämpfen Ray und Audrey um ihre Sicherheit – und um das Leben ihrer Kinder, die nichts von den dunklen Machenschaften ahnen. Schnell wird klar: Nicht nur Ray hat etwas zu verbergen.

"Guns Up" ist ein wilder, schmutziger Mix aus Actionkomödie und blutigem Rachefeldzug, der Kevin James als Familienvater mit dunkler Geheimidentität ins Rampenlicht stellt - ein Konzept, das auf dem Papier wie ein absurder Witz wirkt, aber im Chaos der Nacht oft genug zündet. Regisseur Edward Drake bastelt hier eine Hommage an die "John Wick"-Ära mit "Nobody"-Twist, bei der ein Ex-Cop als Mob-Schläger Wellen von Killern niedermäht, während er seine ahnungslose Familie rettet - und ja, es ist so überdreht, wie es klingt. Der Plot leiht sich bei Klassikern: die moralische Zerrissenheit von "Lethal Weapon", den Familien-Alarm von "Nobody" und die cartoonhafte Eskalation von B-Movies, doch Drake verwebt das zu einem rasanten, wenn auch logikwidrigen Rausch. Es geht weniger um Tiefe als um den Kick des Moments - ein Vater, der mit Fleischerbeil und One-Linern überlebt, während der Kodex der Mafia (zuerst unter Melissa Leos Michael) implodiert. 

Die Action setzt auf rohe, handgemachte Brutalität: Schlägereien mit Haushaltsgeräten, chaotische Schießereien und übertriebene Choreografien, die nie die Präzision von "John Wick" erreichen, aber mit Humor und Tempo entschädigen. Drakes Kamera tanzt nervös durch enge Räume, verstärkt den klaustrophobischen Druck einer Nacht, in der jeder Schatten ein Killer sein könnte - Low-Budget-Gegner stürmen herein wie Action-Statisten, was absichtlich komisch wirkt. Besonders stark: Szenen wie der Kitchen-Fight oder die Autoverfolgungen, die physisch greifbar sind und James’ bullige Statur nutzen, um ihn als zerbrechlichen Riesen zu zeigen. Schwächen gibt’s in der CGI-lastigen Eskalation und manchen Logiklücken, doch der Film weiß um seine Grenzen und feiert sie als pulpigen Spaß.

Kevin "Doug Heffernan" James überrascht als harter Brocken mit weichem Kern - er trägt die emotionale Last (Reue, Schutzinstinkt), ohne je lächerlich zu wirken, und liefert trockene One-Liner, die den Comedy-Anteil stemmen. Christina Ricci stiehlt die Show in der zweiten Hälfte: Ihre Alice mutiert von Hausfrau zur Kick-Ass-Kriegerin à la Uma Thurman, physisch beeindruckend und mit einem Twist, den man meilenweit gegen den Wind riecht - dennoch das heimliche Highlight. Timothy V. Murphy kühlt als Lonny ab: eiskalter Mobster mit Augenklappe, der pure Bedrohung ausstrahlt, unterstützt von soliden Nebenrollen wie Luis Guzman und Francis Cronin als bromantische Sidekicks. Die Chemie zwischen James und Ricci verleiht dem Ganzen Herz, ohne kitschig zu werden. "Guns Up" ist mit Sicherheit kein Meisterwerk, sondern ein okayes Vergnügen - ein Film, der den Zuschauer fragt, warum er überhaupt zuschaut, und dann mit Kugeln, Messern und Lachen antwortet. Er bietet rohen Nervenkitzel, bleibt aber stets oberflächlich. Perfekt für einen Actionabend: 92 Minuten purer, unreflektierter Adrenalinrausch, getragen von Darstellern, die ihr Potenzial ausreizen.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Millennium Films/BondIt Media Capital/Good Complex

Donnerstag, 14. März 2024

Damsel (2024)

https://www.imdb.com/title/tt13452446/

Prinzessin Elodie (Millie Bobby Brown) wird eines Tages an einen Prinzen namens Henry (Nick Robinson) aus einem rivalisierenden Königreich verheiratet, ohne dass sie weiß, was sie erwartet. Eine märchenhafte Zukunft steht ihr jedoch nicht bevor, eher das Gegenteil. Der König und die Königin (Robin Wright) des Nachbarlandes haben nämlich einen perfiden Plan ausgeheckt, in dem die Prinzessin ihr Leben hergeben soll, um das Reich vor dem Zorn eines gefräßigen Drachens zu retten. Als Elodie herausfindet, dass sie dem Untier geopfert werden soll, ist sie schockiert und landet auch schon bald in der großen Höhle des Monsters. Da es weit und breit keine wahren Ritter gibt, die sie retten könnten, nimmt Elodie ihr Schicksal kurzerhand selbst in die Hand und sucht nach einem Weg in die Freiheit.

"Es gibt viele Rittergeschichten, in denen der heldenhafte Ritter die Jungfrau in Not rettet. Dies ist keine von ihnen." So beginnt Millie Bobby Browns prächtiger neuer Fantasyfilm, und der Zuschauer ist gleich gefesselt, denn er weiß genau, dass hier einen Prinzessin in den Kick-Ass-Modus geht. Nach einem kurzen Prolog, in dem Ritter einem feuerspeienden Drachen gegenüberstehen, sieht man schon, wie Elodie (Brown) "Jahrhunderte später in einem fernen Land" Holz hackt. Sie und ihre jüngere Schwester Floria (eine süße Brooke Carter) leben in einer abgelegenen, verschneiten Gemeinde (aka "Winterfell"), in der sich eine schwierige Lage befindet. Sie müssen die Vorhänge in ihrem Schloss gegen Lebensmittel verkaufen. Doch dann kommt ein Bote mit einem Brief, verschlossen mit einem königlichen Siegel. Eine Königin schlägt vor, dass Elodie die Braut ihres Sohnes, des Prinzen, wird, mit einer stattlichen Mitgift, die ihrem Land wieder Wohlstand verschaffen wird. Elodie zögert, ist aber bereit, alles Notwendige zu tun, um ihrem Volk zu helfen. "Ich weiß, dass du schon immer reisen wolltest.", sagt ihr Vater (Leonine Ray Winstone als Lord Bayford) und versucht, die Zwangs-Aussicht attraktiver klingen zu lassen.

Elodie und Floria sind jedoch bald beeindruckt von der Wärme, der Großzügigkeit und dem Luxus des Hauses der Königin und ermutigend über ihren Empfang. Prinz Henry (Nick Robinson) scheint so charmant zu sein, wie man es von Märchenprinzen erwartet. Seine Mutter (Robin Wright als Isabelle) ist eine andere Geschichte, königlich, aber distanziert, und weist den Freundschaftsversuch von Elodies Stiefmutter Lady Bayford (einer wenig genutzten Angela Bassett) kühl zurück. Trotz Lady Bayfords wachsender Besorgnis, dass etwas nicht stimmt, findet die Hochzeit statt, mit all dem Pomp und den Umständen, die eine königliche Fantasiehochzeit verdient. Das Produktionsdesign von Patrick Tatopoulos und die Kostüme von Amanda Monk sind durchweg großartig. Die Hochzeitsszene ist spektakulär. Man sollte an dieser Stelle auf die Momente achten, in denen gezeigt wird, wie Elodie in ihr spektakuläres Brautkleid geholfen wird. Es ist nicht der übliche Moment, bei dem ein Wildfang zur Schönheitsverjüngungskur übergeht, und seine Bedeutung wird später enthüllt.

Nach der Hochzeit findet am Eingang einer Höhle eine seltsame Zeremonie statt. Unheilvollerweise sind die Höflinge maskiert. Isabelle fährt mit ihrem Dolch über die Handflächen des Brautpaares und vermischt ihr Blut. Und dann stellt sich heraus, dass Elodie dem Drachen in der Höhle geopfert werden soll, ein Teil der jahrhundertealten Vereinbarung, die den Drachen davon abhält, das Königreich in Grund und Boden zu stampfen.. Und so wechselt der Film vom "Cinderella"-(der sich übrigens wirklich, wirklich märchenhaft anfühlt) in den "Stirb langsam"-Modus in einer Höhle, während Elodie versucht, dem Drachen zu entkommen. Der Drache. Ja, der ist wiederum außergewöhnlich gut gestaltet und von Shohreh Aghdashloo mit herrlich rauchiger Bedrohlichkeit synchronisiert. Nun kommt das Kleid wieder ins Spiel, dass, so pompös es anfangs auch ausgestattet war, sich mit Geschick in alle möglichen Hilfsmittel, die Elodie benötigt, MacGyvern lässt. Es könnte genauso gut auch von James Bonds Q entworfen worden sein, denn Elodie verwandelt es in eine Überlebensausrüstung, indem sie beispielsweise einen Korsettbusch (das steife Brett, das am Oberteil festsitzt) heraustrennt und es gegen die Wand der Höhle kratzt, um daraus einen Dolch zu erschaffen. Außerdem nutzt sie einen Teil des Stoffes als Schutz und reißt einen großen Teil davon ab, um ihr mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Elodie findet in der Höhle auch einige Ressourcen sowie einige Leichen anderer Prinzessinnen. Eine ganze Wand ist mit ihren Namen bedeckt, auf denen geschrieben steht, wie verzweifelt sie an der Flucht waren. Sie entdeckt biolumineszierende Würmer, die ihr den Weg leuchten - und noch eine ganz andere Eigenschaft haben.

Dieser Abschnitt des Films spielt sich wie ein Videospiel ab, in dem Elodie einem Hindernis nach dem anderen gegenübersteht und einige Fortschritte macht, wie eine Art Quests, die interessanter und interessanter wird. Brown ist über weite Strecken auf sich allein gestellt und schafft es, Angst und Entschlossenheit abzuwechseln. Es gibt einige gruselige Überraschungen, insbesondere nachdem andere Charaktere in der Höhle ankommen. Auch helfen ihrem Charakter die Züge, die ihr die Drehbuchautoren auf den Leib geschrieben haben: Demütigkeit, Scharfsinn und eine Gespür für Gerechtigkeit. Es ist daher eigentlich sogar schade, dass "Damsel" nicht auf einer großen Leinwand gezeigt wird, denn die Schauplätze sind voller verlockender Details, die einige der Schwächen des Drehbuchs verdecken. Aber selbst auf der kleineren Leinwand ist die frische, von Frauen geführte Interpretation der traditionellen Geschichte, einschließlich einer kleinen Wendung, die Schwesternschaft ist mächtig, am Ende äusserst sehenswert.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Samstag, 23. Juli 2022

Blasted (2022)

https://www.imdb.com/title/tt14866710/

Die einstiegen Kindheitsfreunde Sebastian (Axel Bøyum) und Mikkel (Fredrik Skogsrud) treffen angesichts eines Junggesellenabschieds wieder aufeinander. Doch sie haben sich auseinandergelebt. Der angehende Bräutigam Sebastian ist nun ein Karrieremensch geworden, der selbst seinen Junggesellenabschied nutzen will, um einen Geschäftspartner zu umschwärmen. Mikkel hängt dagegen noch immer den alten Laser-Tag-Kämpfen aus Teenager-Zeiten nach. Als es während der Party-Nacht plötzlich zu einer Alien-Invasion kommt, ist aber genau dieses Talent wieder gefragt. Sebastian und Mikkel müssen wieder zum Kick-Ass-Laser-Tag-Duo alter Tage werden, um die Erde zu retten...

"Blasted" ist eine im Grunde wirklich sympathische Science-Fiction-Komödie aus Norwegen um eine etwas nerdige Junggesellentruppe, die plötzlich mitten in einer Alien-Invasion steckt. Der Film ist Stuss, aber sehenswerter Stuss - leider aber auch für den einmaligen Gebrauch. Dass sich die Norweger dabei noch zum großen Teil an britischen Komödien orientieren ist noch nicht einmal das Schlechteste an der ganzen Sache. Schlecht ist lediglich, dass die Macher nicht genügend Ideen hatten, wie sie die knapp zwei Stunden füllen wollen, weshalb vieles nur irgendwie nett vor sich hinplätschert. Die Figuren sind immerhin ganz sympathisch und im späteren Verlauf wird es gar sentimental, als das Erwachsensein und Freundschaft thematisiert werden, aber es langt eben nicht, um aus der Masse heraus zu stechen. Da die außerirdischen Invasoren in Menschengestalt auftreten und erst zum Schluss gegen ein passabel animiertes Alien-Monstrum gekämpft wird, kommt man in Sachen Creature Feature auch kaum auf seine Kosten. Selbst Gorehounds schauen in die Röhre, da mit Lasertag-Pistolen geschossen wird und die "Body Snatchers" mit den leuchtend grünen Augen bloß Schleim spucken. Die Lasertag-Ausrüstung ist das einzige wirkliche Highlight. Ansonsten ist alles nur ganz nett und die fast zwei Stunden Laufzeit fühlen sich letztlich länger an als sie in Wirklichkeit sind. Fühlt sich ein bissel verschenkt an.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Renfield (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt11358390/

Renfield (Nicholas Hoult) ist schon jahrhundertelang der gequälte Gehilfe des narzisstischen Dracula (Nicolas Cage). Anders als beim dunklen Graf wird Renfield eines Tages seinem Leben überdrüssig. Zu lange schon beschafft er die Beute seines Meisters und befolgt dessen Befehle, egal wie unwürdig diese auch ausfallen mögen. Er begibt sich daraufhin in eine Selbsthilfegruppe und versucht sein Leben in die Hand zu nehmen, um nicht länger im Schatten von Dracula verweilen zu müssen. Nachdem er feststellt, dass er auf ewig an den Fürsten der Finsternis gebunden ist, gilt es erst einmal herauszufinden, wie er diese Co-Abhängigkeit brechen kann. Unterstützung erhält er dabei von Rebecca Quincy (Awkwafina), die er aus der Selbsthilfegruppe kennt. Es folgt ein Kampf gegen die Zeit, um sich aus den Fängen seines Herrschers zu befreien.

In einer der vielen aufgemotzten, überbordernden Sequenzen, die "Renfield" prägen, taucht Dracula (Nicolas Cage) viel früher in den Film ein, als man es erwarten würde, und fügt in einer Montage, die darin gipfelt, dass Vorhänge aufgerissen werden, Sonnenlicht hereinströmt und der Vampir in seinem roten Bademantel in Flammen aufgeht - aber bis dahin so viel Kehlen aufschlitzt wie er nur kann. Es sieht aus wie der Höhepunkt vieler Vampirfilme und hinterlässt Dracula als verkohlte Hülle. Aber wurde er getötet? Auf keinen Fall! Wie Renfield (Nicholas Hoult), Draculas Diener und Schüler durch alle Jahrhunderte, dem Zuschauer im Voice-over erklärt, ist es, wenn so etwas passiert, eine Menge Arbeit, Dracula in seinen vorherigen Zustand zurückzuversetzen. Renfield muss viele neue Opfer für seinen Meister sammeln, von denen er sich ernähren kann. Doch mit genügend Blut und genügend Zeit kann Dracula seine alte, robuste untote Gestalt zurückgewinnen. Wenig später tritt Renfield, der sich von Draculas Kräften ernährt, in einer schäbigen Bar in New Orleans gegen einige Kriminelle an, und ein massiger Auftragsmörder in einer Henkermaske schlitzt Renfields Eingeweide mit einem Messer auf. Man könnte nun auch hier meinen, das wäre sein Ende, aber nein: Renfield isst einen Käfer, der seine Kräfte stärkt, und er springt wieder in Aktion wie ein Superheld, der kurzzeitig aus dem Takt geraten ist. Einer der vielen Reize des Vampirgenres ist, dass es in geistiger Nähe zum Tod operiert. Doch in "Renfield" mit seinen unruhigen, Gliedmaßen zerreißenden, in Zeitlupe hin und her gedrehten Kampfszenen, die an etwas aus einem splatterhafteren "Kick-Ass" erinnern, ist nichts am Tod besonders endgültig. Das Blut spritzt und fließt - und auch die Regeln erweisen sich als fließend. Der Einfluss eines Dracula-Films war einst mit der Aussicht verbunden, dass ein Pfahl durch Draculas Herz gestoßen wird (die Endgültigkeit), aber in "Renfield" gibt es keinen Pfahl. Und es steht nicht viel auf dem Spiel.

Aber macht es Spaß, Nicolas Cage zum ersten Mal seit "Vampire’s Kiss", dem Low-Budget-Indiefilm von 1988, in dem er sich im Wesentlichen als Method-Maniac des opernhaften Kitsch-Kabuki-Overactings inszenierte, als Vampir zu sehen? Ja, das macht es. In "Vampire’s Kiss" spielte Cage einen altmodischen New Yorker Literaturagenten, der sich für einen Vampir hielt, aber in "Renfield" ist er der volle, großartige Dracula selbst, mit teigig-fleckiger Haut, zurückgekämmtem Haar und einer furchteinflößenden Zahnreihe, von denen jedes ein glänzender, spitzer Fangzahn ist. Das Make-up und die Kostüme, wie Draculas Smokingjacke aus schwarzem Samt mit den dunklen Glitzerrevers, geben Cage die Freiheit, eine ausgefallene, aber vielschichtige Darstellung abzuliefern, die sich auf die gesamte geheiligte Geschichte der Draculas auf der Leinwand stützt. 

Es gibt eine Grundschicht von Bela Lugosi (schon früh sehen wir Cage und Hoult digitalisiert in Schwarz-Weiß-Bildern von Tod Brownings zeitloser Version von 1931), und in Cages starrem Grinsen gibt es eine Anspielung auf Lon Chaney aus "London After Midnight", sowie einen Unterton von Christopher Lees herrisch zähneknirschendem, lüstern blickendem Dracula der späten 50er und 60er Jahre. Darüber hinaus gibt es die Cage-Mystik. Seine pseudo-aristokratische Darstellung ist kein bloßes Ausrasten; er verbeißt sich in die Macht Draculas - die Sucht des Vampirs nicht nur nach Blut, sondern auch nach seinem eigenen Größenwahn, nach der Vorstellung, dass es sein unheiliges Recht ist, so zu leben. Aber natürlich hat die brodelnde Dynamik auch eine komische Seite. Cages Dracula, der Blut aus einem Martiniglas schlürft, ist so schnell, so in seiner Legende versunken, dass er Sie mit Sarkasmus zerschneidet. Es ist eine witzige und köstliche Darbietung, verrückt, aber nie außer Kontrolle, und sie hätte einen Film verdient, der als Podest für die erfahrene Extravaganz des Schauspielers dienen könnte.

"Renfield" hat jedoch kein Mysterium, keine Poesie, keine Erhabenheit. Es ist ein chaotischer Spaß voller "Ideen", von denen keine wirklich greift. Renfield, verkörpert von Nicholas Hoult, als wäre er der Hugh Grant der 90er Jahre, der einen neurasthenischen britischen Popstar der 80er Jahre spielt, wird bei einem 12-Punkte-Programm für Menschen in koabhängigen Beziehungen vorgestellt, und der übergreifende Witz des Films ist, dass Dracula ein missbräuchlicher Narzisst ist, dessen Macht über Renfield eine Form von Gaslighting ist. Dieses 12-Punkte-Programm sorgt für ein paar Kicherer, aber damit der Witz greifen konnte, hätte die Partnerschaft zwischen Dracula und Renfield mit mehr Tiefe gezeichnet werden müssen. Renfields Komplizenschaft in der Beziehung wird angedeutet, aber sie ist nicht wirklich Teil der Struktur. Er ist nur ein Opfer, das versucht, sich aus einer Vereinbarung herauszuwinden, die ihm zu langweilig ist.

Nachdem er dabei geholfen hat, Draculas Versteck (Kerzen, erbsengrünes Neonlicht, hängende Pints ​​mit Blut) in den Eingeweiden des alten Charity Hospital in New Orleans einzurichten, zieht Renfield in seine eigene Wohnung und verpasst sich ein neues Gesicht - einen konservativeren Haarschnitt und einen Pullover aus einer alten Benetton-Werbung. Er nimmt Abstand von Dracula und wird etwas langweiliger. Die Unterwelt-Familienhandlung fühlt sich an, als wäre sie einem anderen Film aufgepfropft worden. Das liegt daran, dass der Regisseur Chris McKay, der nach einem Drehbuch von Ryan Ridley arbeitet, alles nuancenfrei kursiv setzt und nie den organischen Genre-Mashup schafft, den er anstrebt. Die Familie Lobo, angeführt von der Matriarchin Ella (Shohreh Aghdashloo), mit ihrem tätowierten Hooligan-Sohn Teddy (Ben Schwartz) als Haupthandlanger, sind Drogendealer, die von der Polizei beschützt werden. Die Familie verbündet sich mit Dracula, doch Rebecca Quincy (Awkwafina), eine edle, abtrünnige Polizistin, will den Tod ihres Vaters, eines Polizisten, rächen, indem sie ihnen nachstellt. Awkwafina liefert eine stumpfe und übertriebene Darstellung, und die Verbindung, die sich zwischen Rebecca und Renfield entwickelt, bewegt sich in einer vagen Zone zwischen Romantik und logistischer Notwendigkeit.

Hoults Renfield ist ein schüchternes Veilchen, bewaffnet mit seinem Selbsthilfebuch über toxischen Narzissmus, doch in den Kampfszenen ist er ein Kamikaze, der triefende Gliedmaßen als Speere verwendet, Köpfe einschlägt oder Gesichter abreißt, während das Blut in hawaiianischen Punch-Geysiren spritzt. Er ist, was auch immer der Film von ihm verlangt. Die grundlegende Kalkulation von "Renfield" ist eine zynische: Die Filmemacher wissen, dass ein Actionfilm an den Kinokassen erfolgreicher sein wird als ein schräger Vampirfilm von und mit Nick Cage. Aber die hypomanische Gewalt in "Renfield" hilft viel, den Film zu verkaufen, lenkt aber von dem ab, was er ist. Wie kann man die Geschichte von jemandem erzählen, der sich aus einer co-abhängigen Beziehung mit Dracula befreit, und das tut, indem er genauso nonchalant mörderisch ist wie Dracula? "Renfield" ist ein so leichtfertiger Film, dass er Draculas gierigen Machtrausch menschlich erscheinen lässt. Aber irgendwo fetzt das.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork: Universal Pictures

Donnerstag, 21. September 2017

Kingsman: The Golden Circle (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4649466/

Nachwuchsspion Gary "Eggsy" Unwin (Taron Egerton) und sein Kollege Merlin (Mark Strong) werden mit einer neuen Gefahr konfrontiert: Die skrupellose Poppy (Julianne Moore) zerstört die Hauptquartiere ihrer Geheimorganisation Kingsman und hält die ganze Welt als Geisel. Doch glücklicherweise machen sie die Entdeckung, dass es noch eine weitere Spionageagentur wie die ihre gibt, die parallel in den USA gegründet wurde. Also verbünden sich mit der von Agent Champagne (Jeff Bridges) geleiteten Organisation Statesman, um Poppy das Handwerk zu legen und einmal mehr die Welt zu retten. Dafür müssen die britischen Spione mit ihren amerikanischen Kollegen Agent Tequila (Channing Tatum) und Agent Whiskey (Pedro Pascal) zusammenarbeiten und ihr ganzes Können aufbringen, aber zum Glück hat Eggsy ja schon jede Menge Erfahrung darin, die Welt zu retten...

Matthew Vaughn schafft es also auch nicht und scheitert an der goldenen Regel welche besagt, dass Fortsetzungen meist schlechter als ihre Vorgänger sind - Ausnahmen bestätigen hier die Regel. "Kingsman: The Golden Circle" tappt in die klassischen Fettnäpfchen von Fortsetzungen und liefert kaum neuen Ansätze. Der Bonus des Überraschungshits ist weitestgehend verspielt und man muss hier ernüchtert feststellen, dass eben nicht alles Gold ist was glänzt. Ist der neue "Kingsman" deswegen ein schlechter Film? Nein, beileibe nicht, denn Matthew Vaughn ist schon ein kleiner Gauner. Er etabliert in seinen Filmen immer die eine oder andere Figur, mit der man sich als Zuschauer zu Teilen identifizieren kann und reißt ihn so von Anfang an mit.  Das war schon bei "Der Sternwanderer" so, das klappte bei "Kick-Ass" und 2014 auch bei "Kingsman: The Secret Service", wo man sich von Anfang an in die Rolle des Gary "Eggsy" Unwin hineinversetzen konnte, so übertrieben und unglaublich diese auch angelegt war. Nun schrie ja quasi alles nach einem Nachfolger des übermäßig coolen, witzigen und actionreichen Vorgängers und mit "Kingsman: The Golden Circle" wird die Geschichte rund um den Agenten Eggsy beinahe nahtlos fortgeführt. Teilweise herrlich übertrieben, insgesamt pompös inszeniert und natürlich auch nach der Devise "packen wir halt noch eine Schippe drauf". Das funktioniert fast vollständig, obwohl der zweite Teil auf die "Freshness" des Vorgängers verständlicherweise verzichten muss, da hier schon alle Figuren etabliert sind und auch im Film vorausgesetzt wird, dass man "Kingsman: The Secret Service" bereits gesehen und nahezu verinnerlicht hat.


"Kingsman: The golden Circle" ist damit nach wie vor ein spaßiger Ritt über durchweg unterhaltsame 140 Minuten, welche die von vielen gefeierten Elemente aus dem Vorgänger beinhalten und von einem tollen Soundtrack begleitet werden. Man bekommt sehr gute Charaktere, spannend inszenierte Action, derbe Sprüche und so manche Parodie auf ähnlich gelagerte Agentenfilme an den Kopf geworfen. Aber wo der Erstling noch mit gewissen Dingen überraschen konnte und damit einen tollen Einstieg in diese neue Welt der Superagenten dargestellt hat, versucht Teil 2 einfach die bewährte Formel zu kopieren und gleichzeitig auf die Spitze zu treiben. Neue Ideen sucht man vergebens oder hat selbige bereits im Trailer zu Gesicht bekommen. Dazu gesellen sich ungewohnt einige Längen, was aber auch mit dem etwas zu dümmlichen Plot zu tun hat. Auch in "Kingsman: The Golden Circle" landet der Zuschauer mit voller Wucht im Geschehen, indem Vaughn gescheiterte Figuren aus dem Vorgänger als Gegner präsentiert und sich diese gleich mal mit dem Protagonisten eine mehrminütige Verfolgungsjagd durch die Londoner Innenstadt liefert. Hier versteckt sich aber auch gleich das erste Manko des Films, denn obwohl die Actionszenen grandios übertrieben sind und die Kamera beinahe beständig um das Geschehen herumfährt, so leicht ist es dann auch, hier ganz schnell den Überblick zu verlieren. Während nämlich die Kämpfe unglaublich übertrieben und gleichzeitig perfekt choreographiert wirken, zerstört die Kameraarbeit die Sichtweise und so manches Detail geht verloren, obwohl sich darauf versucht wurde, zu fixieren.


Die Fortsetzung versucht sich nun mit vielen Rückblenden an den Vorgänger zu klammern, macht selbigen aber gleichzeitig teilweise obsolet. Tote werden nach Belieben wieder zum Leben erweckt, was besonders schade ist. Denn gerade diese Kompromisslosigkeit wusste in "Kingsman" zu gefallen und sorgte so auch für eine der größten Überraschungen. So sehr man Colin Firth auch schätzen mag, er hätte tot bleiben dürfen. Vor allem da seine Figur hier völlig austauschbar ist. Dabei hätte man einen passenden Sidekick für Eggsy bereit gehabt, der auch im Trailer so suggeriert wurde. Nämlich Channing Tatum als Agent 'Tequila'! Wie doof es auch scheinen mag, dass das amerikanische Kingsman Pendant - die Statesman - sich ihre Namen von Hochprozentigem leihen, das Potenzial für eine herrliche Kollaboration dieser zwei Kulturen wäre vorhanden gewesen. Stattdessen verschwindet Tatum’s Charakter aber schneller als er gekommen ist und taucht erst gegen Ende für einen unnötigen Cliffhanger wieder auf. Die restlichen Statesman dienen nur noch für lustige One-Liner, vergnügliche Actionsequenzen oder mutieren gegen Ende auf seltsame Art sogar zu Bösewichten.

Diese Bösewichter allerdings sind (erneut) herrlich übertrieben und mit allerlei Gadgets ("Arm-ageddon" - Brüller!) ausgestattet und Julianne Moore als fanatisches 50er-Jahre Girl mit Roboterhunden, welche sich auf einer Insel das Set von "American Graffiti" im tiefsten Dschungel nachgebaut hat, ist zwar amüsant, aber leider auch austauschbar. Sie ist kein Vergleich zu Samuel L Jackson, welcher auch bei weitem besser geschrieben und dessen Plan nachvollziehbarer und teuflischer war. Und warum kidnappt eine Frau, welche explizit den 'American Way Of Life' zelebrieren möchte, ausgerechnet Elton John? Natürlich ist das irgendwo lustig, aber warum Elton John? Na weil Regisseur Matthew Vaughn das eben selbst lustig fand - aus keinem anderen Grund. Dass diese "Poppy" wohl nicht der stärkste Bösewicht sein wird, haben sich wohl auch die Autoren gedacht. Darum zog man noch den (neuen) US-Präsidenten auf die Seite der Antagonisten und torpediert die Geschichte damit gleich selber. Seine Motivation Böses zu tun ist weitaus nachvollziehbarer und man hätte sich gerne auf diesen Charakter fokussieren dürfen, ja ihn zum Haupt-Bösewichten machen müssen. Aber na gut.


In diesem Konstrukt hangeln sich die verbleibenden Protagonisten von Actionsequenz zu Actionsequenz, hechten, fluchen, schiessen oder quatschen. Eggsy ist zudem mit seinem Love-Interest vom Ende des ersten Films in einer recht unglaubwürdigen Beziehung. Und die Prinzessin scheint wie er selber ein Doppelleben zu führen, welches auch selbst überhaupt nicht glaubwürdig erscheint. Aber man musste dem Charakter wohl eine Motivation geben sich durch diese Fortsetzung auch bis zum Ende zu kämpfen. Und gekämpft wird zwischen viel Füllmaterial oft. Man versuchte die Bar-Szene mit einer neuen Figur zu kopieren. Aber einen echten Grund warum es dort zu einer Schlägerei kommt sucht man vergeblich. Die Macher kopieren hier nach Belieben, um den Fans das zu bieten was sie sich wünschen, dieselben Szenen wie beim Erstling. Wozu braucht es dann überhaupt eine Fortsetzung?
Aber man kann sich auch fragen, wozu steckt Julianne Moore Typen in einen Fleischwolf und lässt diesen zu einem Cheeseburger verarbeiten? Warum zerstört Sie nur die "Kingsman", hat aber sonst keine Sorgen mit anderen Geheimdiensten wie den "Statesman"? Warum vergiftete Sie ihre eigenen Konsumenten? Und warum will ein "Statesman" um jeden Preis erreichen, dass die Aktienpreise des Whiskeys steigen? Nur für einen geilen Schlussfight? Naja. Wozu die (zugegeben: coolen) Roboterhunde aber sonst keine Roboterkrieger? Warum sind da Landminen und da wieder nicht? Hm.

Mit all diesen Fragen im Gepäck muss man letztlich zu dem Schluss kommen, dass "Kingsman: The Golden Circle" ein zweiter Teil ohne Mut und scheinbar ohne Inspiration auf den tatsächlichen Stärken des Vorgängers aufzubauen, ist. Viele Gelegenheiten für eine erneut einzigartige Action-Agenten-Persiflage werden verschenkt. Man war sichtlich bemüht viel zu bieten, ist aber über das Ziel hinausgeschossen. Der Film fühlt sich einfach nicht mehr so frisch, so unberechenbar und so cool an. Denn wenn die größten Stärken eines Films seine Actionsequenzen sind, dann möchte man diesen auch möglichst schnell über den Weg laufen. Immerhin bekommt man am Ende noch eine (wenn auch etwas unnötige) Sequenz, die gleich mal noch die Doppeldeutigkeit des "Golden Circle" offenbart und damit immerhin noch ein Lächeln aufs Gesicht des Zuschauers zaubern kann. Warten wir also auf den (angekündigten) dritten Teil, der vielleicht das Niveau wieder hebt und zu alter Stärke zurück findet.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Twentieth Century Fox