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Mittwoch, 24. November 2021

Nobody (2021)

https://www.imdb.com/title/tt7888964/

Familienvater Hutch (Bob Odenkirk) ist ein Niemand. Der Vorstadt-Familienvater wird von den meisten Leuten einfach ignoriert und zieht auch niemals die Aufmerksamkeit auf sich. Als zwei Verbrecher eines Nachts in sein Haus einsteigen, sieht er sich außerstande, sich oder seine Familie zu verteidigen. Schließlich will er Gewalt um jeden Preis verhindern. Sein Sohn Brady (Gage Munroe) wendet sich daraufhin enttäuscht von seinem Vater ab. Seine Frau Becca (Connie Nielsen) tut es ihm gleich und zieht sich noch mehr zurück. Doch der Einbruch löst bei Hutch etwas aus. Er sieht plötzlich rot und enthüllt eine dunkle Seite, die ihn auf einen Pfad der Gewalt schickt: Einst arbeitete der vermeintliche Versager nämlich als Killer für die Mafia. Und von nun an stellt er mit allen Mitteln sicher, dass seiner Familie nie wieder etwas geschehen und er als Niemand so schnell nicht mehr unterschätzt wird...

Kein "John Wick", dafür fehlt ihm die Coolness und der Drive, gepaart mit den genialen Action-Ste-Pieces und der herrlichen Dynamik, aber dennoch ein ansprechender Actionfilm mit einem Bob Odenkirk, dem diese Rolle auf den Leib geschneidert scheint. Aber bei "John Wick" ist alles im Vergleich zu "Nobody" steril und sauber. Die Action, die Choreographie und die Kulissen sind alle blitzeblank poliert und selbst beim Auftreten von Keanu Reeves hat man direkt das Gefühl das er eine Bedrohung verkörpert ohne großartig zu agieren. Bei "Nobody" ist diesbezüglich genau das Gegenteil der Fall. Haus und Familie sind recht durchschnittlich, sein Leben als Familienvater hat mehr Bezug zu einem Mittelklassearbeiter als das eines der gefährlichsten Männer der Welt.

Erwartungsgemäß schlägt der Stil den Inhalt um Längen und der Film punktet mehr oder weniger ausschließlich auf der Unterhaltungsebene - und das nicht zu knapp. Die Story von "Nobody" ist ähnlich kreativ wie der Filmtitel, doch angesichts der kurzweiligen Inszenierung fällt das auch gar nicht weiter ins Gewicht. Die Story ist somit lediglich notwendiges Beiwerk, folgt nicht immer der Logik und doch oft vorhersehbar - trotzdem sehr solide. Die Kampfchoreografien sind großartig und werden von einer guten Kamera mit tollem Schnitt untermalt. Die große Stärke des Films ist der derbe Humor, die Abgedroschenheit des Protagonisten und einige Szenen, die man so bei Genrevertretern noch nicht gesehen hat. Nun erfüllt "Nobody" zwar mal wieder alle Klischees dieses Sub-Ggenres, aber das macht er auf sehr unterhaltsame Art und Weise und immer mit einem Augenzwinkern. Der Cast, allen voran natürlich Odenkirk,  spielt fantastisch auf, doch Christopher Lloyd stiehlt in seiner Nebenrolle als Vater allen die Show. Nicht zu vergessen, der Soundtrack ist superb. "Nobody" ist damit sehr gute Unterhaltung und am Ende ist man irgendwie bereit für eine etwaige Fortsetzung.

7,5/10 

Der Film ist von UNIVERSAL PICTURES auch im limitierten Steelbook erhältlich:

Quellen: 
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork: Universal Pictures

Montag, 24. November 2025

Nobody 2 (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt28996126/

Nach einem verhängnisvollen Vorfall mit der russischen Mafia vor vier Jahren hat Hutch noch immer eine Schuldenlast von 30 Millionen Dollar, die er mit einer Reihe gefährlicher Aufträge gegen internationale Gangster abbaut. Trotz des Nervenkitzels, den seine „Arbeit“ mit sich bringt, kämpfen er und seine Frau Becca (Connie Nielsen) mit der Belastung ihres Lebensstils und entfremden sich zunehmend. Um Abstand zu gewinnen, beschließen sie, zusammen mit ihren Kindern (Gage Munroe, Paisley Cadorath) einen Kurzurlaub im Wild Bill's Majestic Midway and Waterpark zu verbringen – dem einzigen Ort, an dem Hutch und sein Bruder Harry (RZA) als Kinder Ferien gemacht haben. Mit Hutchs Vater (Christopher Lloyd) an ihrer Seite erreicht die Familie die kleine Stadt Plummerville, voller Hoffnung auf Entspannung und gemeinsame Zeit. Doch als eine scheinbar harmlose Auseinandersetzung mit einigen Einheimischen sie in Konflikt mit einem korrupten Freizeitparkbesitzer (John Ortiz) und seinem zwielichtigen Sheriff (Colin Hanks) bringt, gerät Hutch unversehens in den Fokus einer gefährlichen Verbrecherbossin (Sharon Stone). 

"Nobody 2" ist eine solide bis gute Fortsetzung, die sich dem Rezept des Vorgängers verschreibt und dabei genau das liefert, was Fans erwarten: kompromisslose, kreative Action und einen erneut starken Bob Odenkirk als Hutch Mansell. Regisseur Timo Tjahjanto setzt weniger auf Innovation als auf die Weiterentwicklung der bekannten Formel: Die Handlung bleibt zweckdienlich und simpel, das Tempo hoch, und die Gewalt ist häufig grotesk und stets überzeichnet. Erneut steht der ganz normale Familienvater im Zentrum, der in absurden Situationen immer wieder zur brachialen Killermaschine mutiert. Der Film packt seine Action oft in originelle Settings wie eine Spielhalle oder einen Wasserpark, was für einige auffallende "Aua-Momente" sorgt.

Die Stärken liegen klar in der Choreografie der Kämpfe und im lakonischen Humor, den Odenkirk perfekt dosiert einstreut; Schwächen zeigt "Nobody 2" hingegen in der Charakterentwicklung, die leider kaum über das bekannte Flachbild hinausreicht. Wo "Nobody" den Überraschungseffekt des "Everyman als Actionheld" ausspielte und Genregrößen wie "John Wick" ironisch zitierte, bleibt die Fortsetzung im eigenen Fahrwasser und verzichtet auf echte Tiefe. Der Film startet zwar recht hektisch und die Kamera wirkt anfangs unübersichtlich, berappelt sich aber und liefert später saubere, dichte Bilder. Die Musik und das Sounddesign sind funktional und unterstützen die Action, ohne außergewöhnlich hervorzustechen. Im Vergleich zum ersten Teil fehlt dem Sequel der frische Überraschungsmoment, und die Story ist fast schon selbstreferenziell konstruiert, um möglichst viel Handlung in möglichst viel Action zu verpacken. Trotzdem bleibt "Nobody 2" sehenswert - nicht zuletzt, weil Odenkirk, der Cast und das kreative Team mit sichtbarer Freude am Genre ans Werk gehen. Für alle, die sich am Mix aus blutiger Komik, absurden Einfällen und handfester Action begeistern können, bietet der Film genug Unterhaltungswert, um als okay durchzugehen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Mittwoch, 2. September 2026

Normal (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31195136/
https://letterboxd.com/film/normal-2025/

Aushilfssheriff Ulysses (Bod Odenkirk) springt auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit immer in den Kleinstädten ein, in denen gerade Not am Mann ist. Als der eigentliche Sheriff der Kleinstadt Normal stirbt, hilft er in dem auf den ersten Blick so verschlafenen Örtchen aus. Dort sollte doch eigentlich wenig zu tun sein? Falsch gedacht. Denn als die lokale Bank von Verbrechern von außerhalb überfallen wird, entdeckt Ulysses, dass dahinter viel mehr steckt. Normal ist fest im Griff einer kriminellen Verschwörung und alle Einwohner*innen – vom Barbetreiber bis zum Priester – scheinen Teil davon zu sein.

Ben Wheatleys "Normal" ist eine herrlich schräge Mischung aus Kleinstadtkrimi, schwarzer Komödie und blutigem Actionfilm. Bob Odenkirk spielt den vorübergehenden Sheriff Ulysses, der im verschneiten Normal eigentlich nur etwas Ruhe sucht, bis ein Banküberfall die scheinbare Idylle zerlegt. Was zunächst an "Fargo" erinnert, entwickelt sich zunehmend zu einer grotesken Gewaltorgie – inklusive einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Odenkirk trägt den Film mit seiner gewohnt trockenen Präsenz und macht Ulysses gerade dadurch sympathisch, dass er kein unbesiegbarer Superheld ist. Auch Lena Headey und Henry Winkler sind gut aufgelegt, bekommen von Drehbuchautor Derek Kolstad allerdings deutlich weniger zu tun, als ihre Namen vermuten lassen. Die eigentliche Stärke liegt ohnehin in Wheatleys Inszenierung: präzises Timing, verschrobene Figuren und überraschend kreative Action verbinden sich zu einem angenehm eigenwilligen Genre-Mix.

Allerdings braucht "Normal" etwas zu lange, um aus seiner ruhigen Ausgangssituation herauszukommen. Einige Wendungen sind vorhersehbar, die Charakterzeichnung bleibt stellenweise oberflächlich und der schwarze Humor trifft nicht immer ins Ziel. Sobald jedoch die Eskalation einsetzt, dreht Wheatley ordentlich auf: Schießereien, Explosionen und makabre Zufälle sorgen für genau jene überzeichnete Brutalität, die den Film von einem gewöhnlichen Odenkirk-Actioner abhebt. Damit erfindet "Normal" den Kleinstadt-Actionthriller nicht neu, macht aus seinen bekannten Zutaten aber einen kurzweiligen und angenehm bizarren Genre-Cocktail. Zwischen "Fargo", "Hot Fuzz" und "Nobody" findet Wheatley seinen eigenen, ziemlich blutigen Ton. Nicht jede Pointe sitzt und die erste Hälfte könnte straffer sein – doch Odenkirk, die schräge Atmosphäre und das furiose Finale machen den Film sehenswert.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Aperture Media Partners/QWGmire/Odenkirk Provissiero Entertainment/Le Foole/Tradecraft/Normal Films