Posts für Suchanfrage Die sieben Samurai werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Die sieben Samurai werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Samstag, 6. Juni 2026

七人の侍 - Shichinin no samurai - Seven Samurai - Die sieben Samurai (Original Version) (1954)

https://www.imdb.com/de/title/tt0047478/

Im Japan des späten 16. Jahrhunderts sieht sich eine Dorfgemeinde von Reisbauern seit Jahren den Angriffen und Plünderungen von skrupellosen Banditen ausgesetzt. Doch eines Tages haben sie von der ständigen Angst und Unterdrückung genug. Kurz vor der Erntezeit schicken sie einige Bewohner in die große Stadt, um dort ungebundene Samurai zur Verteidigung des Dorfes anzuwerben. Obwohl sie außer Nahrung und Unterkunft nichts bieten können, gelingt es sieben Samurai unterschiedlichster Herkunft unter der Führung des alternden, aber weisen Kambei Shimada (Takashi Shimura) für ihre Sache zu gewinnen. Die sieben Samurai machen sich auf den Weg in das Dorf, wo sie zunächst sehr skeptisch und ängstlich empfangen werden. Dennoch bereiten sie die Verteidigung vor und geben den Einwohnern grundlegende Kampfanweisungen mit Speeren, Stöckern und Klingen. Die Zeit drängt, denn nicht lange nach ihrer Ankunft, werden die ersten Späher der Banditen gesichtet...

Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" ist ein Film, der zu den Klassikern gehört. Ein Film, der als Blaupause für viele nachfolgende Streifen herhält und der in vielen Produktionen referenziert, gewürdigt oder zitiert wird und in der Tat scheint fast jeder spätere genreübergreifende Actionfilm, vom Western bis zum modernen Blockbuster, etwas von diesem Film geerbt zu haben. Es ist auch kein Film, den man einfach sieht; man durchlebt ihn. Kurosawa schuf 1954 ein Werk, das zugleich Abenteuerfilm, Kriegsfilm, Gesellschaftsstudie und moralische Meditation ist - und das alles mit einer solchen erzählerischen Sicherheit, dass selbst seine Überlänge niemals wie Übermaß wirkt, sondern wie eine unbedingte Notwendigkeit. 

Die Ausgangslage der Story ist brillant schlicht: Ein Dorf wird von Banditen bedroht und heuert sieben Ronin (den alternden Samurai Kambei Shimada (Takashi Shimura), den jungen Sohn einer Samurai-Familie Katsuhiro, Shichiroji (Isao Kimura), einen Freund Kambeis, den Möchtegern-Samurai Kikuchiyo (Toshirō Mifune), den Bogenschützen Gorobei Katayama (Yoshio Inaba), den schweigsamen Kyuzo (Seiji Miyaguchi), der von Katsuhiro bewundert wird, Heihachi Hayashida (Minoru Chiaki) und Shino (Keiko Tsushima), die einzige Frau) an, um die Ernte und damit sein Überleben zu sichern. Daraus entwickelt Kurosawa ein komplexes Geflecht aus Klassenunterschieden, Ehre, Angst und Zusammenarbeit. Die Bauern sind nicht bloß dankbare Schutzbefohlene, sondern Menschen, die von Verzweiflung und Misstrauen geprägt sind. Die Samurai wiederum sind keine makellosen Helden, sondern Individualisten mit sehr unterschiedlichen Temperamenten, Fähigkeiten und Lebenslagen. Gerade diese Vielfalt macht den Film so reich: Er ist nie nur die Geschichte einer Mission, sondern immer auch die Geschichte eines kleinen, vorübergehenden sozialen Bündnisses. Dabei ist Takashi Shimura als Kambei der ruhende Pol des Films. Er wirkt nicht wie ein triumphaler Anführer, sondern wie ein Mann, der schon viel zu viel gesehen hat und deshalb weiß, dass jede echte Verteidigung mit Demut beginnt. Toshirō Mifune dagegen bringt die wilde, fast überschäumende Energie hinein, die den Film immer wieder an die Kante des Chaos bringt. Zwischen diesen Polen entfaltet sich unter den weiteren 5 Ronin eine Dynamik, die den Film lebendig hält: Disziplin gegen Impuls, Strategie gegen Stolz, Erfahrung gegen Feuer. 

Kurosawas Inszenierung ist dabei von einer Präzision, die bis heute staunen lässt. Die berühmten Actionszenen sind nicht einfach spektakulär, sondern räumlich klar und emotional aufgeladen. Regen, Schlamm, Pferde, Holzpalisaden, rennende Körper, schnelle Blicke - alles ist so organisiert, dass man jederzeit versteht, wo sich wer befindet und was auf dem Spiel steht. Besonders die Kämpfe im Regen gehören zu den eindrucksvollsten Szenen der Filmgeschichte, weil sie die physische Härte der Auseinandersetzung mit einer fast musikalischen Form verbinden. Und das ist der entscheidende Punkt, an dem der Film über all seine Genre hinauswächst. Er ist nicht nur aufregend, sondern menschlich. Man spürt, wie die Männer einander misstrauen, sich bewähren, scheitern, lernen und vor allem: wie das Dorf nicht einfach gerettet wird, sondern nur für einen Moment überlebt. Die berühmte Schlussfolgerung des Films ist deshalb so bittersüß, weil sie die Samurai nicht zu Gewinnern macht. Sie haben nicht für Ruhm gewonnen, sondern für andere - und genau darin liegt ihre Tragik. 

Auch seine Länge von über 3 Stunden in der japanischen Originalfassung wird oft diskutiert, doch sie ist Teil seines Wirkungsprinzips. Kurosawa braucht diese Zeit, um aus einer schlichten Bedrohung ein lebendiges System von Beziehungen zu formen. Das Dorf, die Felder, die Vorbereitungen, die Rekrutierung der Samurai, die kleinen Gespräche, das Warten auf den Angriff - all das ist nicht Verzögerung, sondern Aufbau. Der Film versteht, dass Spannung nicht schneller wird, wenn man sie kürzt - im Gegenteil: sie wird stärker, wenn man sie ernst nimmt. Am Ende bleibt "Die sieben Samurai" ein Monument des Kinos, weil er so viele Dinge zugleich kann: aufregend und nachdenklich sein, episodisch und präzise, spektakulär und intim. Er hat das Actionkino nicht nur geprägt, sondern ihm eine moralische und emotionale Tiefe gegeben, die bis heute selten erreicht wird. Und wie bei jedem großen Film hat man am Ende nicht das Gefühl, etwas gesehen, sondern etwas verstanden zu haben - über Loyalität, Gemeinschaft und die Kosten des Überlebens. 

9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Toho Studios

Mittwoch, 5. Oktober 2016

The Magnificent Seven - Die glorreichen Sieben (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2404435/

Angst, Schrecken, Tod - der fiese Geschäftsmann Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) herrscht mit eiserner Kontrolle über die Stadt Rose Creek. Weil sie seine Drangsalierungen nicht länger ertragen können, engagieren die Einwohner in ihrer Verzweiflung sieben Männer mit fragwürdigen Geschäftsfeldern: den Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington), den Spieler Josh Faraday (Chris Pratt), den Gesetzlosen Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), den Fährtenleser Jack Horne (Vincent D'Onofrio), den Scharfschützen Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), den Krieger Red Harvest (Martin Sensmeier) und den Auftragskiller Billy Rocks (Byung-Hun Lee). Die sieben Herren sollen Bogue ausschalten. Doch noch während sie die Stadt auf eine Schlacht einschwören, finden die Söldner heraus, dass für sie weit mehr als nur Geld auf dem Spiel steht...

Der Westernklassiker "Die glorreichen Sieben" von 1960 dürfte so ziemlich jedem Filmfan ein Begriff sein. Auch wenn dieser nur ein auf Amerika gebürstetes Remake von Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" ist, zählt er immer noch zu den großen Vertretern des Genres Western. Ein Klassiker, wenn man so will. Nun erscheint erneut ein Remake dieses wirklich tollen Streifens, bei dem der Regie-Handwerker Antoine Fuqua für die Inszenierung zuständig war und sein Film - genau wie das 1960er Remake - auf Kurosawas Screenplay basiert. Die Autoren Richard Wenk und Nic Pizzolatto modernisieren lediglich Kurosawas Story und bringen sie geschickt in das Jahr 2016. Und wenn Actionspezialist Fuqua zudem noch seinen Liebling Denzel Washington ins Feld schickt, ist das immer ein Grund mal reinzuschauen, auch wenn das Westerngenre 2016 nach wie vor nicht viele Leute hinter dem Ofen hervorlockt. Fuqua experimentiert im Remake des Klassikers "Die glorreichen Sieben" von 1960 auch nur wenig, sondern beschränkt sich darauf, auf den altbekannten Pfaden des Genres zu wandeln und die Figuren für sich sprechen zu lassen. Das funktioniert bisweilen sehr gut, denn der Cast ist großartig. Neben Denzel Washington geben sich (ein herrlich spitzbübischer) Chris Pratt, (ein etwas alt gewordener) Ethan Hawke und (ein ganz großartiger) Vincent D'Onofrio die Ehre, die erwartungsgemäß ein sympathisches Ensemble abgeben. Auch Peter Sarsgaard als fieser Bösewicht Bartholomew Bogue (mit leider zu wenig Screentime) überzeugt voll und ganz.

Man kann somit sagen, dass an dem neuen "Die glorreichen Sieben" erstmal nichts verkehrt ist, aber auch nichts besonders hervorstechend oder gar meisterlich. Es ist ein grundsolide inszenierter Western, der durch seinen Mix aus klassischen und modernen Elementen des Westerngenres alle Generationen erneut ins Kino locken will. Und Fuqua schafft auch in seinem 133 Minuten langem Spektakel eine hervorragende Popcorn-Unterhaltung mit herrlicher Western-Atmosphäre. "Die glorreichen Sieben" ist durch die Bank weg rasant in Szene gesetzt und spart erwartungsgemäß auch nicht in Sachen Action. Vor allem der finale Showdown ist ziemlich bleihaltig geraten und geht auch in Sachen Gewaltdarstellung sogar etwas weiter als sein Pendant. Nebenbei finden sich außerdem viele Querverweise auf "Die glorreichen Sieben" von 1960 wieder, die in Szenen oder auch Dialogen ihren Ausdruck finden. Auch der passend eingestreute Humor findet immer wieder auflockernden, zynischen und deswegen herrlichen Anklang. Kulissen, Stimmung, Kostüme, all diese Dinge vermitteln ein gutes Gefühl.

Handwerklich und auch vom Setting her überzeugt der Streifen also auf ganzer Linie. Auch der (nun letzte) Filmscore von Komponist James Horner (der durch Simon Franglen unterstützt wird) lässt noch einmal so richtig Wehmut in Sachen orchestraler Soundtrack aufkommen. Zwar verzichtet Horner zumindest im Film gänzlich auf das bekannte Thema der "Glorreichen Sieben" von Elmer Bernstein (erst im Abspann kommt es voll zur Geltung), trifft aber mit seiner Eigenkomposition durchaus auch den klassischen Westernstil. Die Crew rund um Fuqua weiß also mit dem großen Erbe richtig umzugehen. Technisch bewegt sich der Streifen sich auf gewohnt hohem-Niveau mit viel handgemachter Action. Im Showdown feuert Fuqua aus allen Rohren und setzt seiner kurzweiligen und nie langatmigen Interpretation des Stoffes die (ebenfalls erwartungsgemäß überbordernde) Krone auf. Letztendlich das dritte Remake der "Glorreichen Sieben" Popcorn-Kino nach bewährtem Schema mit knapper Story und gradlinigem Verlauf. Aber Cast und die Optik reißen noch einiges raus. "Die glorreichen Sieben" ist sicher nicht der Film des Jahres, aber er ist auch eine mehr als nur gute Wiederbelebung des Genres auf der großen Leinwand. Eben Hollywood-Kino, wie man es öfters sehen sollte.

8/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: MGM
Poster/Artwork: Columbia Pictures / Sony / MGM

Sonntag, 11. Februar 2018

The Magnificent Seven - Die glorreichen Sieben (1960)

http://www.imdb.com/title/tt0054047/

Ein kleines mexikanisches Dorf wird jedes Jahr von einer Räuberbande unter der Führung des Banditen Calvera (Eli Wallach) überfallen und all seiner Habseligkeiten beraubt. Das wollen sich die Dorfbewohner nicht mehr länger gefallen lassen und beschließen, einen Trupp Revolverhelden zu engagieren, die sie vor der raubenden, brandschatzenden und vergewaltigenden Horde beschützen soll. Mit Müh und Not schaffen sie es, sieben Männer unter der Führung des Revolverhelden Chris (Yul Brynner) davon zu überzeugen, diese lebensgefährliche und profitlose Aufgabe zu übernehmen. Seine sechs Gefährten sind alte Weggefährten wie der fruchtlose Vin (Steve McQueen) oder der gutherzige Bernardo (Charles Bronson), aber auch neue Abenteurer wie der junge Chico (Horst Buchholz). Sie stellen sich der Überzahl der Banditen in der Hoffnung, das kleine Dorf endlich befreien zu können...

Was für ein Aufgebot: Charles Bronson, Steve McQueen, Eli Wallach und James Coburn sind Namen, die jedem Filmfan auf der Zunge zergehen. Umso erstaunlicher ist es, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1960 keiner der Genannten die Hauptrolle in "Die glorreichen Sieben" übernahm. Aus heutiger Sicht unverständlich, damals war eben ein gewisser Yul Brynner der Star im Aufgebot. Und das nicht ohne Grund, denn er spielt seinen Part großartig, wirkt in jeder Einstellung souverän als Anführer der "Sieben".


Ein James Coburn wirkt dagegen unscheinbar, einzig Charles Bronson und Steve McQueen merkt man ihr Können bereits deutlich an. Die Weltkarriere stand den Beiden damals aber noch bevor. Der Deutsche Horst Buchholz spielt den unbeholfenen Chico auffällig, wirkt jedoch hin und wieder ungewollt komisch. Eli Wallach tritt mit solider Leistung als Anführer der Banditen in Erscheinung, jedoch ohne auch nur annähernd sein ganzes Können unter Beweis zu stellen. Hierzu fehlte ihm wohl die darstellerische Freiheit, die er erst in "Zwei glorreiche Halunken" von Sergio Leone zugesprochen bekam. 

Bekannt sein dürfte, dass "Die glorreichen Sieben" ein amerikanisches Remake des japanischen Films "Die sieben Samurai" von Akira Kurosawa ist und schon die Titelmelodie dürfte auch dem noch so größten Westernfeind bekannt sein. Und schon dort wird einem klar, dass es nur klasse werden kann, was man jetzt vor sich hat. Obwohl oder gerade weil der Film in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der beliebten Italo-Western gesehen werden kann, offenbart ein Vergleich mit den Größen des Sub-Genres gleichzeitig auch die Schwachstellen des Helden-Epos. So wirken die Kulissen gerade bei Nachtsequenzen altbacken und primitiv. Die zahlreichen, schauspielerisch mitunter mäßig interpretierten Nebenrollen lassen zudem wenig Platz für charakterliche Tiefe der Hauptfiguren, was sehr schade ist - angesichts aller anderen cineastischer Komponenten. Mit der heldenhaften Musik amerikanischer Western-Klassiker muss man sich hingegen anfreunden können, allerdings gelingt es Bernstein, sich hin und wieder von der klischeehaften Musik zu lösen und in spannenden Situationen sogar sehr passende, tiefere Klänge einzubauen, die beinahe schon an Altmeister Ennio Morricone erinnern.

Seine ganze Stärke offenbart der Film erst in den Actionszenen. Die Kamerafahrten sind spektakulär und lassen den Zuschauer mitten im Geschehen teilhaben, wenn es zur Sache geht. Gerade bei dem ersten Aufeinandertreffen der Banditen mit den "Sieben" im Dorf wird deutlich, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Auch die Schießereien sehen super aus, was für die damalige Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine weitere große Stärke des Klassikers ist die Story, die man wohl als absolut zeitlos bezeichnen muss: Ein mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande überfallen und engagiert sieben Männer, die sie vor ihnen beschützen sollen. Simpel aber gut. Einer der großen Western-Klassiker. Die fantastische Ensemble-Leistung der Darsteller, die tolle Kamera-Arbeit und die makellose Regie von John Sturges machen "Die glorreichen Sieben" auch heute noch zu einem unterhaltsamen Film.

8/10  

Quellen: 
Inhaltsangabe: MGM
Poster/Artwork: United Artists / MGM

Samstag, 10. August 2024

Rebel Moon Part One: A Child Of Fire - Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut) (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14998742/

Vor Jahren strandete Kora (Sofia Boutella) in einem Raumschiff auf dem Mond Veldt irgendwo am Rande des Universums. Die Einheimischen nahmen sie freundlich auf, befürchteten aber schon immer, dass Kora von einer Welt stammt, mit der sie lieber niemals Kontakt haben würden. Sie sollen Recht behalten, denn eines Tages taucht der grausame Admiral Noble (Ed Skrein) auf, ein Abgesandter des tyrannischen Imperium-Herrschers Balisarius (Fra Fee), der Veldt unterjochen und ausbeuten möchte, wie er es schon auf vielen weiteren Planeten und Monden zuvor getan hat. Doch die Invasoren haben ihre Rechnung ohne die kämpferische Kora gemacht, die ursprünglich aus ihren eigenen Reihen stammt. Gemeinsam mit dem kriegerisch gänzlich unerfahrenen Bauern Gunnar (Michiel Huisman) bricht sie zu verschiedenen Nachbargestirnen auf, um die dortigen Bewohner davon zu überzeugen, sich einer Rebellion gegen das Imperium anzuschließen. 

Wenn man etwas über Zack Snyder sagen kann, dann, dass er noch nie einen Director’s Cut gemacht hat, der nicht gleichzeitig auch die bessere Version des Films war. Filme wie "Watchmen" (3 Stunden und 35 Minuten), "Batman v Superman: Dawn Of Justice" (3 Stunden und 2 Minuten) und "Zack Snyder's Justice League" (4 Stunden und 2 Minuten) sind allesamt Werke, die die Drei-Stunden-Grenze locker überschritten, im offensichtlichen Interesse, die übergroßen Visionen und Ambitionen des Filmemachers zu verwirklichen und zum Leben zu erwecken. Tatsächlich wäre es schwierig, nicht zu behaupten, dass die breitere Palette eines Director’s Cut in jedem einzelnen Fall das Werk wesentlich verbessert; wobei die damit einhergehende Verlängerung der Dauer ein grundlegendes Element der Verbesserung darstellt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Veröffentlichungen der Director's Cuts von Snyders zweiteiligem Netflix-Originalfilm "Rebel Moon", die zusammen satte 6 Stunden und 17 Minuten lang sind, kaum.

In ihrer anfänglichen "gekürzten" (sprich 4 Stunden und 16 Minuten) Form erzählten "Rebel Moon Teil Eins: Ein Kind des Feuers" und "Rebel Moon Teil Zwei: Die Narbenmacherin" eine aufgezwungene Variation von "Sieben Samurai", was zwar sicherlich eine gewisse Inspiration für die Werbung war und wahrscheinlich sogar die Schnitte strukturierte, aber im Vergleich letztlich keinen Vorteil brachte - immerhin sprechen wir hier von einem klinisch fokussierten 3 Stunden und 30 Minuten langen Meisterwerk - und die schiere Breite von Snyders Wundertüte an Hinweisen und Referenzen unterschätzte: ein Merkmal der beiden Filme, das jedem klar wurde, der mit dem Regisseur oder den im Werk offensichtlichen Kürzungen vertraut war. Während die anfänglichen Teile von "Rebel Moon", ähnlich wie Kurosawas Meisterwerk, ihre Vorgehensweise darin fanden, dass eine ausgestoßene Kriegerin (Sofia Boutella) weitere Krieger (Djimon Hounsou, Doona Bae, Staz Nair und Elise Duffy) um sich scharte, um ein kleines Dorf vor einer weit überlegenen und aggressiven äußeren Macht zu verteidigen, ist dies in den neuen Kapiteln ein gemeinsamer roter Faden, aber schon in den ersten Momenten des Films wird deutlich, dass sie nur ein Strang einer viel umfassenderen, weitläufigeren Betrachtung imperialer Gewalt und der alles verzehrenden Phase sind, in die sie in ihrem Spätstadium eintritt, wenn sie beginnt, die Biomacht nicht nur in ihren Kolonien, sondern auf allen Gebieten, einschließlich ihres eigenen Kerns, zu kannibalisieren.

Um konkreter zu werden: Die versprochenen R-Rated-Verfilmungen, die wir hier haben, beginnen mit einem völlig neuen Szenario, das etwa 20 der zusätzlichen 85 Minuten von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut)" einnimmt. Darin verwüstet das Imperium - der militärische Arm der Mutterwelt, regiert vom Tyrannen Balisarius (Fra Fee), der den König (Cary Elwes) in einem Staatsstreich abgesetzt hat - eine Welt, die die Anführer einer militanten Rebellenbewegung (Ray Fisher und Cleopatra Coleman) beherbergt hat, indem es den Anführern auf brutale Weise die Gehirne ausgießt und die hilflose Bevölkerung mit Phasern verdampft, bevor es den Planeten selbst in Asche verwandelt (denken Sie an den Todesstern, aber ohne die Gnade eines einzigen Schusses, der die Arbeit erledigt), und das alles auf Befehl seines skrupellosen Admirals (Ed Skrein). Diese Ergänzung fügt hilfreich die genauen Einsätze und psychologischen Qualen der Helden ein, die der Film schließlich zusammenstellen wird, und bereitet gleichzeitig die Bühne für die sorgfältiger erforschte Mythologie hinter den früheren wohlwollenden (tatsächlich magischen) Monarchen dieser Welt und die Abweichung, die ihr Regierungsapparat durch diese Usurpatoren erfahren hat. In diesem Sinne werden die verbleibenden Ränder der breiteren unzensierten Ränder der neuen Kapitel weiter ausgefüllt mit einem größeren Interesse an Sex, Fluchen, einem durch und durch blutigeren Kampfgefühl und einer freien Formgebung von Snyders Bereitschaft, seine Lieblingsinteressen mit Zeit zu referenzieren, die er in Nebenhandlungen mit Robotern und orkähnlichen Bestien verbringt, um einen riesigen Graphic Novel-Wandteppich von lächerlichen Ausmaßen zusammenzufügen.

Es wäre lohnenswert, dies nun einer Analyse zu unterziehen: Funktioniert diese erweiterte Form von Snyders Leidenschaftsprojekt oder hilft sie, die ursprünglichen Teile zu verbessern, die insgesamt von den Kritikern durchweg negativ und vom Publikum mit grundsätzlicher Ambivalenz aufgenommen wurden? Etwas. Was früher gut gelungen ist, wird nur verbessert, da mehr Zeit darauf verwendet wird, die Action zu stärken und ungezügelt zu lassen, die Snyder schon immer hervorragend beherrschte; während der größere Umfang dieser Leinwand es dem Regisseur ermöglicht, seine ursprünglicheren archetypischen Interessen mit Nachdruck zu erkunden. Was die Director’s Cuts beispielsweise deutlich machen, ist, dass dies zwar sehr wohl eine Anspielung auf Kurosawas "Sieben Samurai" und Lucas' "Star Wars" als Ganzes sein kann. Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der es keine Zeit für Subtilität gibt, und Snyder verzichtet größtenteils darauf, was bedeutet, dass es weiterhin Schwächen in der Erklärung gibt, wenn die Krieger in einer Reihe versammelt sind oder ihre Hintergrundgeschichten auf die gleiche Weise erzählen; dennoch kann Snyder so auch zeigen, was er erzählen möchte, und das Gladiatoren- oder Fantastische ebenso erforschen wie den einsamen Schwertkämpfer oder den Aristokraten.


Insofern der Zuschauer also das Gefühl haben soll, dass dies ein Universum ist, in dem das Imperium alles bei lebendigem Leibe auffrisst, sollte es nicht überraschen, dass dies buchstäblich der Fall ist; Snyder gehört einer Schule der Mythenbildung an, in der der Körper ein Konzept ist und Konzepte verkörpert werden müssen: Die Kriegsmaschinen werden mit Leichen gefüttert und diese Maschinen weinen, während die Situation einer Bauerngemeinschaft, die die Ernte oder Kampfbereitschaft mit ritualisiertem freiem Sex feiert, für eine Figur zu einer Möglichkeit wird, ihre Gefühle in Bezug auf ihren Platz in dieser Gemeinschaft im Hinblick auf die Kontrolle auszudrücken, die sie beim Geschlechtsverkehr behält oder aufgibt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Ansatz nicht jedermanns Sache ist. Snyder stellt seinen Ansatz eindeutig in die Tradition der Stummfilmepen, während er sich daneben kreuz und quer von allem bedient, was er will - nichts ist ausgeschlossen, wenn es eine Idee und das Gefühl dahinter zum Leben erweckt.

Die Reaktionen auf diesen Ansatz sind normalerweise gemischt, und in diesen neuen Kapiteln wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern, selbst in Bezug auf die aufgemotzte, hypergewalttätige Action, die manche letztlich eher betäubend finden werden. Snyders Arbeit als sein eigener Kameramann war ebenfalls ein Bereich der Bestürzung, aber hier werden die Bilder insgesamt mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Schärfe behandelt. Im eigentlichen Sinne ist die Verwendung ansonsten unauffälliger neuer Musik vielleicht die deutlichste Schwäche; aber selbst dies wird manchmal durch ziemlich mitreißende Verwendungen von diegetischem Sound und Snyders neu entdecktes Interesse an der Einbeziehung von Liedern als Teil seiner Bemühungen, das Ursprüngliche in der Charakterisierung von Einzelpersonen oder Gemeinschaften hervorzurufen, ausgeglichen.

Trotzdem ist es vielleicht am besten, sich auf die großen Konturen dieses Projekts zu konzentrieren, um zu versuchen, eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu erreichen. Im Wesentlichen könnte man "Rebel Moon" am besten als eine vollständig realisierte Graphic Novel bezeichnen, ähnlich wie "Zack Snyder's Justice League" sein Versuch war, einen Film aus Comic-Panels zu machen. Als Übung in ästhetischer Bombast gibt es nur wenige zeitgenössische Filmemacher, die bereit sind, alle möglichen Mittel zu finden, um alles auszuloten, was in einem Werk von Blockbuster-Ausmaßen möglich ist. Ganz zu schweigen von den grundlegenden antiimperialistischen Gefühlen eines Werks, in dem Guerilla-Widerstand als uneingeschränkt gut angesehen wird, koloniale Kriegsmaschinen das Gefüge von Raum und Zeit mit den Knochen der Besiegten zerreißen und die Tränen der Kinder und die bloße Idee jeglicher Art von falscher Ausgewogenheit einfach dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen. All dies mag sehr wohl kitschig sein, es mag sogar etwas simpel manichäisch sein, und doch hat Snyder hier eine großartige Vision des Kampfes zusammengetragen, die in einem Verständnis der Art und Weise verwurzelt ist, wie ungezügelte, schwindende Macht alles kannibalisiert, was sie sieht. Dieses Gefühl moralischer Klarheit verstärkt nur die Stärke der visionären Exzentrizität und der kolossalen Vorstellungskraft, die Snyder in seine groß angelegten Projekte einfließen lässt. Wird jeder sechs oder mehr Stunden davon brauchen? Sicherlich nicht. Aber man kann nur hoffen, dass einer unserer interessantesten zeitgenössischen Filmemacher weiterhin so unheilbar eigenwillig sein kann.

6/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Sonntag, 11. August 2024

Rebel Moon Part Two: The Scargiver - Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin (Director's Cut) (2024)

https://www.imdb.com/title/tt23137904/

Nach den Ereignissen aus "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" treten Kora (Sofia Boutella) und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sie auf verschiedenen Planeten für ihre Rebellion gegen das tyrannische Imperium gewinnen konnte, auf dem Mond Veldt in einer großen Entscheidungsschlacht gegen ihre übermächtig erscheinenden Feinde an. Der imperiale Admiral Noble (Ed Skrein) erweist sich dabei einmal mehr als fieser Manipulator, während sich die Frauen und Männer auf Koras Seite mit ihrer jeweiligen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, wenn sie den Kampf für sich entscheiden wollen...

Wenn man etwas über Zack Snyder sagen kann, dann, dass er noch nie einen Director’s Cut gemacht hat, der nicht gleichzeitig auch die bessere Version des Films war. Filme wie "Watchmen" (3 Stunden und 35 Minuten), "Batman v Superman: Dawn Of Justice" (3 Stunden und 2 Minuten) und "Zack Snyder's Justice League" (4 Stunden und 2 Minuten) sind allesamt Werke, die die Drei-Stunden-Grenze locker überschritten, im offensichtlichen Interesse, die übergroßen Visionen und Ambitionen des Filmemachers zu verwirklichen und zum Leben zu erwecken. Tatsächlich wäre es schwierig, nicht zu behaupten, dass die breitere Palette eines Director’s Cut in jedem einzelnen Fall das Werk wesentlich verbessert; wobei die damit einhergehende Verlängerung der Dauer ein grundlegendes Element der Verbesserung darstellt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Veröffentlichungen der Director's Cuts von Snyders zweiteiligem Netflix-Originalfilm "Rebel Moon", die zusammen satte 6 Stunden und 17 Minuten lang sind, kaum.

In ihrer anfänglichen "gekürzten" (sprich 4 Stunden und 16 Minuten) Form erzählten "Rebel Moon Teil Eins: Ein Kind des Feuers" und "Rebel Moon Teil Zwei: Die Narbenmacherin" eine aufgezwungene Variation von "Sieben Samurai", was zwar sicherlich eine gewisse Inspiration für die Werbung war und wahrscheinlich sogar die Schnitte strukturierte, aber im Vergleich letztlich keinen Vorteil brachte - immerhin sprechen wir hier von einem klinisch fokussierten 3 Stunden und 30 Minuten langen Meisterwerk - und die schiere Breite von Snyders Wundertüte an Hinweisen und Referenzen unterschätzte: ein Merkmal der beiden Filme, das jedem klar wurde, der mit dem Regisseur oder den im Werk offensichtlichen Kürzungen vertraut war. Während die anfänglichen Teile von "Rebel Moon", ähnlich wie Kurosawas Meisterwerk, ihre Vorgehensweise darin fanden, dass eine ausgestoßene Kriegerin (Sofia Boutella) weitere Krieger (Djimon Hounsou, Doona Bae, Staz Nair und Elise Duffy) um sich scharte, um ein kleines Dorf vor einer weit überlegenen und aggressiven äußeren Macht zu verteidigen, ist dies in den neuen Kapiteln ein gemeinsamer roter Faden, aber schon in den ersten Momenten des Films wird deutlich, dass sie nur ein Strang einer viel umfassenderen, weitläufigeren Betrachtung imperialer Gewalt und der alles verzehrenden Phase sind, in die sie in ihrem Spätstadium eintritt, wenn sie beginnt, die Biomacht nicht nur in ihren Kolonien, sondern auf allen Gebieten, einschließlich ihres eigenen Kerns, zu kannibalisieren.

Um konkreter zu werden: Die versprochenen R-Rated-Verfilmungen, die wir hier haben, beginnen mit einem völlig neuen Szenario, das etwa 20 der zusätzlichen 85 Minuten von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut)" einnimmt. Darin verwüstet das Imperium - der militärische Arm der Mutterwelt, regiert vom Tyrannen Balisarius (Fra Fee), der den König (Cary Elwes) in einem Staatsstreich abgesetzt hat - eine Welt, die die Anführer einer militanten Rebellenbewegung (Ray Fisher und Cleopatra Coleman) beherbergt hat, indem es den Anführern auf brutale Weise die Gehirne ausgießt und die hilflose Bevölkerung mit Phasern verdampft, bevor es den Planeten selbst in Asche verwandelt (denken Sie an den Todesstern, aber ohne die Gnade eines einzigen Schusses, der die Arbeit erledigt), und das alles auf Befehl seines skrupellosen Admirals (Ed Skrein). Diese Ergänzung fügt hilfreich die genauen Einsätze und psychologischen Qualen der Helden ein, die der Film schließlich zusammenstellen wird, und bereitet gleichzeitig die Bühne für die sorgfältiger erforschte Mythologie hinter den früheren wohlwollenden (tatsächlich magischen) Monarchen dieser Welt und die Abweichung, die ihr Regierungsapparat durch diese Usurpatoren erfahren hat. In diesem Sinne werden die verbleibenden Ränder der breiteren unzensierten Ränder der neuen Kapitel weiter ausgefüllt mit einem größeren Interesse an Sex, Fluchen, einem durch und durch blutigeren Kampfgefühl und einer freien Formgebung von Snyders Bereitschaft, seine Lieblingsinteressen mit Zeit zu referenzieren, die er in Nebenhandlungen mit Robotern und orkähnlichen Bestien verbringt, um einen riesigen Graphic Novel-Wandteppich von lächerlichen Ausmaßen zusammenzufügen.

Es wäre lohnenswert, dies nun einer Analyse zu unterziehen: Funktioniert diese erweiterte Form von Snyders Leidenschaftsprojekt oder hilft sie, die ursprünglichen Teile zu verbessern, die insgesamt von den Kritikern durchweg negativ und vom Publikum mit grundsätzlicher Ambivalenz aufgenommen wurden? Etwas. Was früher gut gelungen ist, wird nur verbessert, da mehr Zeit darauf verwendet wird, die Action zu stärken und ungezügelt zu lassen, die Snyder schon immer hervorragend beherrschte; während der größere Umfang dieser Leinwand es dem Regisseur ermöglicht, seine ursprünglicheren archetypischen Interessen mit Nachdruck zu erkunden. Was die Director’s Cuts beispielsweise deutlich machen, ist, dass dies zwar sehr wohl eine Anspielung auf Kurosawas "Sieben Samurai" und Lucas' "Star Wars" als Ganzes sein kann. Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der es keine Zeit für Subtilität gibt, und Snyder verzichtet größtenteils darauf, was bedeutet, dass es weiterhin Schwächen in der Erklärung gibt, wenn die Krieger in einer Reihe versammelt sind oder ihre Hintergrundgeschichten auf die gleiche Weise erzählen; dennoch kann Snyder so auch zeigen, was er erzählen möchte, und das Gladiatoren- oder Fantastische ebenso erforschen wie den einsamen Schwertkämpfer oder den Aristokraten.


Insofern der Zuschauer also das Gefühl haben soll, dass dies ein Universum ist, in dem das Imperium alles bei lebendigem Leibe auffrisst, sollte es nicht überraschen, dass dies buchstäblich der Fall ist; Snyder gehört einer Schule der Mythenbildung an, in der der Körper ein Konzept ist und Konzepte verkörpert werden müssen: Die Kriegsmaschinen werden mit Leichen gefüttert und diese Maschinen weinen, während die Situation einer Bauerngemeinschaft, die die Ernte oder Kampfbereitschaft mit ritualisiertem freiem Sex feiert, für eine Figur zu einer Möglichkeit wird, ihre Gefühle in Bezug auf ihren Platz in dieser Gemeinschaft im Hinblick auf die Kontrolle auszudrücken, die sie beim Geschlechtsverkehr behält oder aufgibt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Ansatz nicht jedermanns Sache ist. Snyder stellt seinen Ansatz eindeutig in die Tradition der Stummfilmepen, während er sich daneben kreuz und quer von allem bedient, was er will - nichts ist ausgeschlossen, wenn es eine Idee und das Gefühl dahinter zum Leben erweckt.

Die Reaktionen auf diesen Ansatz sind normalerweise gemischt, und in diesen neuen Kapiteln wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern, selbst in Bezug auf die aufgemotzte, hypergewalttätige Action, die manche letztlich eher betäubend finden werden. Snyders Arbeit als sein eigener Kameramann war ebenfalls ein Bereich der Bestürzung, aber hier werden die Bilder insgesamt mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Schärfe behandelt. Im eigentlichen Sinne ist die Verwendung ansonsten unauffälliger neuer Musik vielleicht die deutlichste Schwäche; aber selbst dies wird manchmal durch ziemlich mitreißende Verwendungen von diegetischem Sound und Snyders neu entdecktes Interesse an der Einbeziehung von Liedern als Teil seiner Bemühungen, das Ursprüngliche in der Charakterisierung von Einzelpersonen oder Gemeinschaften hervorzurufen, ausgeglichen.

Trotzdem ist es vielleicht am besten, sich auf die großen Konturen dieses Projekts zu konzentrieren, um zu versuchen, eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu erreichen. Im Wesentlichen könnte man "Rebel Moon" am besten als eine vollständig realisierte Graphic Novel bezeichnen, ähnlich wie "Zack Snyder's Justice League" sein Versuch war, einen Film aus Comic-Panels zu machen. Als Übung in ästhetischer Bombast gibt es nur wenige zeitgenössische Filmemacher, die bereit sind, alle möglichen Mittel zu finden, um alles auszuloten, was in einem Werk von Blockbuster-Ausmaßen möglich ist. Ganz zu schweigen von den grundlegenden antiimperialistischen Gefühlen eines Werks, in dem Guerilla-Widerstand als uneingeschränkt gut angesehen wird, koloniale Kriegsmaschinen das Gefüge von Raum und Zeit mit den Knochen der Besiegten zerreißen und die Tränen der Kinder und die bloße Idee jeglicher Art von falscher Ausgewogenheit einfach dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen. All dies mag sehr wohl kitschig sein, es mag sogar etwas simpel manichäisch sein, und doch hat Snyder hier eine großartige Vision des Kampfes zusammengetragen, die in einem Verständnis der Art und Weise verwurzelt ist, wie ungezügelte, schwindende Macht alles kannibalisiert, was sie sieht. Dieses Gefühl moralischer Klarheit verstärkt nur die Stärke der visionären Exzentrizität und der kolossalen Vorstellungskraft, die Snyder in seine groß angelegten Projekte einfließen lässt. Wird jeder sechs oder mehr Stunden davon brauchen? Sicherlich nicht. Aber man kann nur hoffen, dass einer unserer interessantesten zeitgenössischen Filmemacher weiterhin so unheilbar eigenwillig sein kann.

6/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Samstag, 30. Mai 2026

Star Wars: The Mandalorian And Grogu - The Mandalorian & Grogu (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30825738/

Nach dem Sturz des Dunklen Imperiums haben sich die verbliebenen Kriegsherren in der Galaxis zerstreut. Während die aus den Trümmern errichtete Neue Republik versucht, die hart erkämpften Errungenschaften der erfolgreichen Rebellion zu bewahren, erhält sie Unterstützung von Din Djarin (Pedro Pascal), einem erfahrenen mandalorianischen Kopfgeldjäger, und seinem jungen Schützling Grogu. Die beiden bekommen den Auftrag Rotta den Hutten (Jeremy Allan White) zu retten, während die paar versprengten Warlords des zerschlagenen Imperiums weiterhin versuchen, an der neuen Ordnung zu rütteln und selbst wieder zu Macht zu gelangen.

"The Mandalorian And Grogu" ist der erste "Star Wars"-Kinofilm seit fast sieben Jahren - und er kommt nicht wie ein episches Vehikel, sondern wie eine verlängerte, aber gut inszenierte Doppelfolge der gleichnamigen Serie. Jon Favreau, der Schöpfer der Serie, führte Regie, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Dave Filoni und produzierte den Film - eine Kontinuität, die Fans vollends entlohnt, die aber auch die Grenzen des Projekts deutlich macht: 

Der Film ist zweigeteilt: Die erste Hälfte ähnelt einer Ansammlung von Fetch-Quests, die sich um die Verfolgung imperialer Überreste drehen; die zweite Hälfte kehrt zur Serie zurück, zu jenen Stellen, wo sie am besten war - Abenteuer, bei denen Mando und Grogu gemeinsam kämpfen und Lehren über Familie lernen. Der Film bietet explosive Action, fantastische Anspielungen, Cameos und Hommagen, gigantische Kampf-Szenen und schöne Bilder aus der "Star Wars"-Welt. Die Action-Beats kommen alle paar Minuten, damit niemand einschläft. Grogu, der eukalyptusfarbene Lehrling - zierlich, animatronisch, mit faltigem Gesicht und wackelnden Ohren - kontrastiert mit der sonstigen glatten Ästhetik. Seine ausdrucksstarken Augen und lebendigen Ohren sind voll sichtbar, und er bleibt nach wie vor entzückend charmant. Die Beziehung zwischen Mando und Grogu trägt den Film - sie kämpfen gemeinsam, lernen voneinander, und die Familien-Botschaft ist hier glaubwürdiger als in der dritten Staffel der Serie. Pedro Pascal spielt Mando mit schneller Intensität, robuster Stärke und unerschütterlichem Stoizismus, auch wenn er immer maskiert bleibt und gerade mal 5 Minuten sein Gesicht zeigen darf. Sigourney Weaver ist offenbar auf Autopilot, aber ihre Präsenz wirkt. Martin Scorsese spricht ein paar Zeilen mit story-relevanten Informationen - ein herrlicher Moment, gerade weil Scorsese 2019 noch zum Disney/MARVEL/Star Wars-Franchise sagte, dass sich solch ein Kino wie ein "Freizeitpark" anfühle und "kein echtes Kino" sei. Das macht seine Aussage im Film, als Mando seine Figur, das Ardennianer-Alien und Sandwich-Koch Hugo Durant, großzügig bezahlt ("Dafür erzähle ich euch was immer ihr wollt") besonders amüsant. Auch amüsant sind die kleinen Anspielungen und Szenen, die Favreau bewusst in den Film einbaute: Eine der markantesten Verfolgungsjagden im Film ist eine direkte Hommage an William Friedkins berühmten Crime-Klassiker von 1971: "Brennpunkt Brooklyn", eines der Gebäude  Ein Gebäude auf Shakari, welcher derb an "Blade Runner" erinnert, trägt den Namen "Weathers Apollo", eine direkte Widmung an den 2024 verstorbenen Schauspieler, der in der Serie den Greef Karga spielte. Die Arena-Kämpfe scheinen direkt aus "Gladiator" zu stammen und dass die Arena "rein zufällig" wie das Schachspiel aus "Star Wars: Epsiode IV: Eine neue Hoffnung" aussieht und dann auch noch dieselben Kreaturen auftauchen ist auch kein Zufall. Auch Jonny Coynes Darstellung des Janu ist stark von Telly Savalas selbstgefälliger, charismatischer Interpretation von Bonds größtem Widersacher Ernst Stavro Blofeld beeinflusst, und die verschneite Kulisse scheint auch die Schauplätze für den epischen Auftakt von "The Mandalorian and Grogu" inspiriert zu haben, in dem Din Djarin - genau wie James Bond in "James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät" - einen Berg hinabfährt, um die Welt zu retten. Nur dass Din das mit einem imperialen AT-RT tut (es ist schließlich immer noch "Star Wars"). Din Djarins Kopfgeldjäger-Gegner Embo (gesprochen von Co-Autor Dave Filoni, der auch in der Bar ein eindeutiges Cameo hat) ist ein Kyuzo, eine außerirdische Spezies, die nach dem Schwertmeister aus "Die sieben Samurai" benannt wurde, gespielt von Seiji Miyaguchi. Kurosawas Held tritt zwar würdevoller auf als der skrupellose Söldner aus "The Mandalorian And Grogu", ist aber genauso tödlich. Und vergessen wir mal nicht die Aufnahmen von X-Wings und Kampfpiloten vor dem sonnendurchfluteten Horizont. Die Bilder sind beeindruckend, was vor allem daran liegt, dass sie aus Tony Scotts Blockbuster "Top Gun" von 1986 stammen. 

Und dies sind Punkte, die einem Filmfan das Herz höher schlagen lassen. Klar, "The Mandalorian And Grogu" fühlt sich immer noch sehr wie zwei verlängerte Episoden der Serie an, die an einem Punkt zusammengenäht wurden. Die erste Hälfte ist intermittierend unterhaltsam, aber auch irgendwie mühsam. Trotz gestochen scharfer Aufnahmen wirkt das Bild zu dunkel und zu schlammig. Action-Sequenzen sind fast verdeckt, einzelne Beats schwer zu entziffern. Der Film ist zudem sehr laut - ich habe noch nie so extravagante Blaster-Geschosse gehört. Es toppt nicht die seismische Bombe, die Jango Fett in "Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger" zündet, doch es rummst ordentlich. Und apropos rummst: Der Score von Ludwig Göransson ist der eigentliche Star des Films. Elektronische Klänge, vermischt mit klassischen Tönen - das passt wunderbar und bleibt im Ohr. Das Ergebnis ist damit kaum langweilig, aber nicht so begeisternd, wie Favreau, Filoni und Noah Kloor vielleicht beabsichtigt hatten. Man kann nur noch einmal betonen: Es wirkt alles oft weniger als ein Film, als eine verlängerte Folge der Serie. Doch alldem zum Trotz fühlt sich "The Mandalorian And Grogu" auch sehr richtig an. Er ist ein charmantes "Star Wars"-Kino-Comeback nach fast sieben Jahren. Er bietet explosive Action, eine Prise Humor, Emotionen und Abenteuer - und er ist wirklich spaßig trotz kleinerer Mängel, Logiklöcher (die sogar Kindern auffallen) und Ungereimtheiten. Doch er spielt wie eine mittelbeste Doppelfolge der Serie, und ich bin nicht sicher, ob er der begeisternde Hit ist, den Disney braucht, um das Kinoerlebnis für das "Star Wars"-Franchise wiederzubeleben. Viele werden den Kinobesuch vermeiden und auf den Stream warten. Bei Kindern, für die dieser Film eindeutig gemacht ist, wird er wahrscheinlich sehr gut ankommen - und für eine Generation, die noch nicht die Freude von "Star Wars" auf der großen Leinwand erlebt hat, ist er wahrscheinlich gut genug - ein unterhaltsamer, actionreicher Weltraum-Western, der nicht den Sprung zum echten Kinofilm schafft. Er ist gut genug für eine neue Generation - aber vielleicht nicht der alles-begeisternde Hit, den Disney oder das "Star Wars"-Franchise braucht.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney/Lucasfilm

Freitag, 22. Dezember 2023

Rebel Moon Part One: A Child Of Fire - Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14998742/

Vor Jahren strandete Kora (Sofia Boutella) in einem Raumschiff auf dem Mond Veldt irgendwo am Rande des Universums. Die Einheimischen nahmen sie freundlich auf, befürchteten aber schon immer, dass Kora von einer Welt stammt, mit der sie lieber niemals Kontakt haben würden. Sie sollen Recht behalten, denn eines Tages taucht der grausame Admiral Noble (Ed Skrein) auf, ein Abgesandter des tyrannischen Imperium-Herrschers Balisarius (Fra Fee), der Veldt unterjochen und ausbeuten möchte, wie er es schon auf vielen weiteren Planeten und Monden zuvor getan hat. Doch die Invasoren haben ihre Rechnung ohne die kämpferische Kora gemacht, die ursprünglich aus ihren eigenen Reihen stammt. Gemeinsam mit dem kriegerisch gänzlich unerfahrenen Bauern Gunnar (Michiel Huisman) bricht sie zu verschiedenen Nachbargestirnen auf, um die dortigen Bewohner davon zu überzeugen, sich einer Rebellion gegen das Imperium anzuschließen. 

Zack Snyder macht selten halbe Sachen. Nachdem mit "Army Of The Dead" bereits ein Netflix-Universum im Gange ist, bringt er mit "Rebel Moon Teil 1: Ein Kind des Feuers" ein zweites Universum auf den Markt. Und wenn man Berichten Glauben schenken mag, so ist die unverhohlen an "Star Wars" angelehnte (und oft sogar dreist kopierte) SciFi-Opera eine Idee aus Snyders College-Zeiten und hätte sogar - mit der enstprechenden Rückendeckung - sehr gut in eben jenes Universum integriert werden können. Doch dieser Wurf landete nicht bei Lucasfilm, also tat sich Snyder erneut mit Netflix zusammen, um "Rebel Moon" in ein eigenes, einzigartiges Universum zu verwandeln, das mit einer zweiteiligen Geschichte beginnt, bevor es sich möglicherweise weiter ausdehnt.

Nach einer Eröffnungssequenz (die erste von vielen) über die Mutterwelt treffen wir Kora (Sofia Boutella) zum ersten Mal auf dem Planeten Veldt, wo sie nach einer Bruchlandung auf Veldt Mitglied der dortigen Bauerngemeinschaft geworden ist. Ihre Hoffnungen auf ein Leben in Frieden werden zunichte gemacht, als Admiral Noble (Ed Skrein), treuer Diener des tyrannischen Regenten Balisarious (Fra Fee), auf Veldt ankommt. Er will die Ernte, um seine Armee zu ernähren, während sie Jagd auf eine Gruppe von Rebellen machen, angeführt von Darian und Devra Bloodaxe (Ray Fisher und Cleopatra Coleman). Es überrascht nicht, dass Nobles Bitte eher eine Forderung als eine Bitte ist, und als sich Soldaten der Mutterwelt auf Veldt niederlassen, ist Kora nicht bereit, tatenlos zuzusehen und eine andere Gruppe von Menschen leiden zu lassen. Allerdings kann Kora die Mutterwelt nicht alleine bekämpfen, also begibt sie sich mit Hilfe von Gunnar (Michiel Huisman) auf eine Reise in verschiedene Welten, um eine Gruppe von Kriegern zu finden, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um Koras Volk zu verteidigen. Klingt nicht neu? Nö, ist es auch nicht und ist eigentlich sogar der langweiligste Standrad-Aufhänger aller Zeiten - mittlerweile. Wer an die Ameisen und die Heuschrecken denkt, der hat eigentlich schon den gesamten Film erfasst.

Angesichts der Idee, die Snyder nun seit Jahrzehnten im Kopf herumschwirrt, ist es immerhin keine Überraschung, dass "Rebel Moon" in einer sehr detaillierten Welt spielt. Von den Welten selbst bis hin zu den Kostümen der Charaktere gibt es überall Hintergrundgeschichten - auch wenn diese nicht immer offensichtlich sind. Das Problem ist, dass die Handlung, die Snyder sich für den Film "ausgedacht" hat, bei weitem nicht so interessant ist wie die Welt, in der er spielt. Es ist eine sehr unkomplizierte "Die sieben Samurai"-Geschichte, in der es darum geht, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe zusammenzubringen, um ein größeres Übel zu bekämpfen - und das ist fast auch der Fall. Für eine Laufzeit von etwas mehr als zwei Stunden passt auch sehr viel rein. Doch dies hinterlässt bei "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" ein episodisches Gefühl, da der Film, nachdem er im ersten Akt eine lange Zeit auf Veldt verbracht hat, immer hektischer von Planet zu Planet springt, um die verschiedenen Krieger aufzusammeln, ohne dem Zuschauer wirklich zu zeigen, wer von ihnen wirklich der Held ist. Kora bekommt als Hauptdarstellerin die meiste Entwicklungzeit, aber der Film ist so sehr in Bewegung, dass ihre Hintergrundgeschichte in zwei schier endlos langen Expositionen erzählt wird. Man darf sich sicher sein, dass dieses Problem durch einen bereits geplanten Director's Cut, der angeblich eine Stunde länger sein wird, abgemildert werden könnte, allerdings wünschte man sich, Snyder hätte sich auf eine Version des Films konzentriert, da "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" in seiner aktuellen Form heillos überladen und unendlich gehetzt wirkt.

Jeder Planet ermöglicht es Snyder immerhin, verschiedene Genres auf seine eigene Weise zu interpretieren. Beispielsweise ist die Hafenstadt Providence auf Veldt, in der sie Kai (Charlie Hunnam) treffen, eine zwielichtigere Version der Mos Eisley Cantina, während Tarak (Staz Nair) in Neu-Wodi eine greifähnliche Kreatur namens Bennu zähmt, bevor er sich der anschließt Team in einem "Avatar"-artigen Moment. Der beeindruckende Aufbau der Welt führt dazu, dass sich die Planeten deutlich voneinander unterscheiden, und der Fokus auf praktische Effekte, wo immer möglich, verleiht ihnen ein lebendiges Gefühl. Allerdings sind die Versatzstücke meist überflüssig und bevor man es merkt, ist man am Höhepunkt von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers", ohne diesen wirklich kommen zu sehen. Das liegt hauptsächlich daran, dass es sich hier um eine in zwei Teile zerlegte Geschichte handelt, wobei jeder dieser Teile (laut Berichten) für die Veröffentlichung gekürzt wurde. Der große Kampf steht noch bevor und Teil Eins hätte einen stärkeren Abschluss gehabt, wenn Snyder nicht eine unnötige Coda eingebaut hätte, die sich um das Schicksal einer wichtigen Figur dreht.

Trotz des Umfangs und des Aufbaus der Welt ist  "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" äußerst unbefriedigend und oft langweilig. Das bedeutet, dass man nicht umhin kann, sich auf die bekannten Schwächen von Snyder zu konzentrieren, etwa auf die Notwendigkeit, Hintergrundgeschichten zu zeigen und zu erzählen, sowie darauf, dass eine weitere weibliche Hauptfigur durch sexuelle Übergriffe motiviert ist. Wie bei "Army Of The Dead" sind die Beweise dafür vorhanden, dass "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" ein stärkerer Film war, als er sich herausstellte. Es ist visuell beeindruckend und die Actionsequenzen sind gut inszeniert, auch wenn die Zeitlupe überbeansprucht ist (wie es mittlerweile ja auch von einem Snyder-Film zu erwarten ist), und man darf auch durchaus gespannt sein, wie es im April mit dem zweiten Teil weitergeht. Die Enttäuschung hier liegt darin, dass Netflix Snyder anscheinend erlaubte, zu tun, was er wollte, und er sich nicht einfach für die geplante Fassung als einzige Version des Films entschieden hat, eine Entscheidung, die seine größten Probleme hätte lösen können. So wie es ist, trägt "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" alle bekannten Züge eines Zack-Snyder-Films - von den guten bis zu den schlechten - und wenn man nicht sowieso Symphathien und Vorschußlorbeeren für den Regisseur aufgrund seiner bisherigen Arbeiten mit sich bringt, dann wird man von diesem Film arg enttäuscht sein. Als Snyder-Fan ist man es fast noch mehr.

5,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Sonntag, 24. Februar 2013

Per Un Pugno Di Dollari - A Fistful Of Dollars - Für eine Handvoll Dollar (1964)

http://www.imdb.com/title/tt0058461/

In dem abgelegenen Dorf San Miguel in New Mexico werden die Einwohner von zwei rivalisierenden Gangsterfamilien, den angloamerikanischen Baxters und den mexikanischen Rojos, terrorisiert. Ein einsamer, schießfertiger Reiter (‘Joe’, gespielt von Clint Eastwood) kommt in das Dorf und bietet beiden Familien an, für sie zu arbeiten. Er kassiert von beiden eine ansehnliche Bezahlung. Der Anführer der Rojos, Ramón (Gian Maria Volonté) entdeckt den Betrug und lässt Joe brutal foltern. Joe gelingt die Flucht. Die Rojos schlachten daraufhin die Baxters ab, weil sie sie verdächtigen, Joe zu verstecken. In einer aufgelassenen Mine erholt sich Joe und kehrt nach San Miguel zurück, um mit den Rojos, speziell mit Ramón, abzurechnen.


Sergio Leone hat mit "Für eine Handvoll Dollar" den Western auf den Kopf gestellt - und damit das Genre des Italowestern erst begründet. Natürlich wurden schon vorher Western in Europa gedreht. Spanien war von den Amis als kostengünstiger Drehort entdeckt worden. Es entstand eine Reihe von B-Western in amerikanisch-spanischer Co-Produktion. Schon bald mischten die Italiener mit. Vor Leones Quantensprung waren 25 Italowestern entstanden, die sich aber vollständig am amerikanischen Vorbild mit glatt rasierten und moralisch integren Helden orientierten. Bei Leone war alles anders. Als Regisseur war er zwar kein Nobody mehr, aber allzu viel Vertrauen hatten die Produzenten nicht. Was sich im Budget des Films widerspiegelte. Es gab halt nur eine Handvoll Lire. Leone hatte als Second-Unit-Regisseur bei großen Hollywood-Produktionen wie "Ben Hur" und "Quo Vadis" Erfahrungen gesammelt, mit "Die letzten Tage von Pompeii" und "Der Koloss von Rhodos" bereits zwei Filme selbst gedreht. Doch jetzt wollte er offenbar eingetretene Pfade verlassen.

"Für eine Handvoll Dollar" war nur das Nebenprodukt, eine Art Resteverwertung eines anderen Westerns. Doch Die letzten Zwei vom Rio Bravo von Mario Caiano mit dem auch schon damals nicht mehr allzu hell strahlenden US-Star Rod Cameron ist heute so gut wie vergessen. Leone wollte mit seinem Film den japanischen Streifen "Yojimbo - Der Leibwächter" von Akira Kurosawa in ein Westernszenario überführen. John Sturges hatte das mit "Die glorreichen Sieben" nach Kurosawas "Die sieben Samurai" erfolgreich vorgemacht. Leone und seine Produzenten hatten sich jedoch nicht um die Rechte gekümmert. Vielleicht dachten sie ja, der Japaner würde den Film ohnehin nie zu sehen bekommen. Bekam er aber. Und schickte seine Anwälte. Die Einigung sicherte Kurosawa die Rechte für den asiatischen Raum. Womit er schließlich mehr verdienen sollte, als mit seinen eigenen Film.

Egal wie billig die Produktion war, sie brauchte einen amerikanischen Hauptdarsteller. Schon damals dachte Leone an Henry Fonda oder Charles Bronson. Fonda war viel zu teuer. Bronson hielt das Drehbuch für das schlechteste, das man ihm je anzubieten gewagt hätte. Egal. Clint Eastwood schlug zu und begnügte sich mit 15.000 Dollar Gage. Immerhin bekam er eine kostenlose Überfahrt nach Old Europe und ein paar Wochen Spanienurlaub. Eastwood war bis dahin nur als Cowboy Rowdy Yates in der TV-Westernserie "Tausend Meilen Staub" bekannt geworden, hatte von diesem Staub aber genug in die Nase bekommen. Er wollte mal was anderes machen. Und da kam Leones radikales Experiment offenbar ganz recht. Eastwoods Einfluss auf den Film und seine Stilelemente sind dabei nicht zu verachten. Schon damals hat er also dem Kino wichtige Impulse verliehen. Gesichert ist, dass er seine Pistole samt Gurt vom "Tausend Meilen Staub"-Set mitbrachte. Auch Schaffelljacke, Hemd und Jeans soll er selbst besorgt haben. Strittig ist, ob er auch den ikonischen Poncho mitbrachte. Hoch anzurechen ist ihm jedenfalls die Opferbereitschaft, mit der er als Nichtraucher virtuos seine Zigarillos zwischen den Zähnen hin und herrollen lässt. In den 60ern galt das als obercool. Eastwoods schlaksige Figur, der langsame Gang, die lakonische Sprechweise, die sparsame aber betont und exakt auf den Punkt gebrachte Mimik kreierten einen völlig neuen Typus von Westernhelden jenseits allen Edelkitsches Hollywoods. Man hätte seiner Figur abgenommen, nur mit Blicken töten zu können. Eastwood kürzte auch seinen Drehbuchtext teils drastisch ein, um seine Figur noch mysteriöser zu gestalten. Im Kontrast zur zurückhaltenden Darstellung des Amerikaners lag die gelegentlich ausufernde Theatralik des italienischen Theaterschauspieler Gian Maria Violonté als Ramon Rojo. Der 1994 mit 61 Jahren viel zu früh verstorbene Schauspieler war einer der größten Charakterdarsteller Italiens (Sacco und Vanzetti, Luck Luciano, Christus kam nur bis Eboli). Und sollte noch manchem Highlight des Genres sein markantes Gesicht verleihen. In einer Nebenrolle als Marisol brilliert auch Marianne Koch. Heute eher als engagierte Ärztin bekannt, war sie damals einer der beliebtesten Filmstars Deutschlands, wenn auch auf eher seichte Stoffe und Heimatfilme abonniert. Zu der Rolle in Leones Film hatte sie auch erst getragen werden müssen. Doch noch Jahrzehnte später erinnerte sie sich mit viel Freude an dieses Erlebnis, wie sie mir am Rande eines Interviews zu einem anderen Thema vor etlichen Jahren verriet.

Schon in der ersten Szene wird klar, dass Sergio Leone hier keinen klassischen Western abliefern wollte. Sein Held reitet kein stolzes Ross, sondern einen alten Klepper, einen Maulesel. Er trägt einen Dreitagebart, seine Klamotten sind alt, zerschlissen und dreckig. Ein Look, der realistischer wirken sollte. Auf seine Art aber auch nur einen neuen Mythos schuf, eben einen dreckigeren. Der Fremde beobachtet ungerührt, wie das Kind von Marisol misshandelt und ihr Mann verprügelt wird. Ein strahlender Hollywood-Held hätte einschreiten müssen. Doch der Fremde ist nicht nur ein Mann ohne Namen, sondern auch ohne Moral. Für ihn zählt nur sein eigener Vorteil, und das am besten in Gold und Dollar. Das wird nur durchbrochen, als er Marisols Familie zur Flucht verhilft. Die Zwischenhandlung um Marisols "heilige Familie" - ihr Sohn heißt Jesus, ihr Mann Jakob - wirkt in diesem Sujet seltsam fehl am Platz. Sie erklärt sich nur im Zusammenhang mit der durchgängigen christlichen Ikonographie. Denn nur in einem katholischen Land wie Italien konnte ein solcher Film entstehen. Ein Gelage im Hof der Rojos erinnert nicht zufällig an Da Vincis Abendmahl. An dessen Ende beginnt die Passionsgeschichte des Fremden, als er gefasst und gefoltert wird. Dass er, der Totgeglaubte, am Ende wie zu Ostern aufersteht, schließt sich nahtlos an. Das Auftauchen aus einer Staubwolke verdichtet den mythologischen Gehalt der Szene. Der Held als von den Toten Wiederkehrender - auch dies wird zum Topos etlicher filmischer Nachfolger. Viele Szenen spielen auf Friedhöfen, Kreuze und Särge gehören zum wesentlichen Inventar. Doch damit haben sich Leones filmische Mittel längst nicht erschöpft. Spannung baut er betont langsam auf, auch dies war zuvor so noch nicht gesehen worden. Gefühlt minutenlang wechseln sich Gesichter in Großaufnahmen mit Details von noch in Halftern steckenden Revolvern ab, bis die Action explodiert und die Leichen durch die Gegend fliegen. Damals bedeutete "Für eine Handvoll Dollar" auch in der Gewaltdarstellung einen Dammbruch.

Dann wieder gibt es reine Actionszenen. Alle zehn Minuten passiert irgendetwas, damit niemals Langeweile aufkommt. Das aber ist auch die größte Schwäche dieses ersten Teils der Dollar-Trilogie. Der Rhythmus wirkt mitunter holprig. Und wegen des geringen Budgets wurden Nachtszenen am Tage gedreht, aber mit so einfachen Filtern, dass es allzu deutlich wird. Doch das ist schon alles, was negativ ins Gewicht fällt. Das Schlussduell unterscheidet sich in seinem Aufbau ebenfalls stark von den klassischen Vorbildern. Es hat noch nicht den vollendeten Kreischarakter wie etwa in Zwei glorreiche Halunken, deutet dies aber schon an. Das finale Sterben ist große Oper und erinnert eher an Verdi als an Ford. Doch ob "Für eine Handvoll Dollar" ohne das Soundesign und die Musik Ennio Morricones ein solcher Erfolg geworden wäre, mag bezweifelt werden. Auch Morricone ging hier, in enger Abstimmung mit Leone, neue Wege. Statt eines orchestralen oder folkloristischen Sounds verband er Geräusche von Peitschen, Schüssen und Glocken, die monotonen Klänge einer Maultrommel, Pfeifen und menschliche Stimmen zu einer ganz eigenen und einzigartigen Musik, die den Szenen besondere emotionale Tiefe verliehen. Besonders intensiv mit dem Trompetenklang in Duellszenen, die sich an das mexikanische Todeslied, dem Deguelleo aus John Fords Rio Bravo anlehnten. Auch die Geräusche haben dramaturgische Bedeutung. Die Pistolenschüsse klingen wie Gewehre, Gewehrschüsse wie Kanonen. Alles, auch das Wiehern der Pferde oder das Krähen eines Hahns, verbindet sich mit der Musik zu einer Symphonie des Todes. Effekte, die beim zweiten Teil der Dollar-Trilogie, "Für ein paar Dollar mehr", noch stärker zum tragen kommen sollten.

Sergio Leone schuf mit diesem ersten Film der Dollar-Trilogie noch kein Meisterwerk. Die sollten folgen. "Für eine Handvoll Dollar" war ein Anfang, und als solcher ein Meilenstein der Filmgeschichte. Trotz kleinerer Schwächen sollte ihn sich kein Westernfan entgehen lassen. Für filmhistorisch interessierte ohnehin ein Muss.

9/10 

Quellen: 
Inhaltsangabe: Universum Film