Der athenische Kriegsheld Darios (Rory Calhoun) reist nach Rhodos, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Kurz nach seiner Ankunft wird er Zeuge der Einweihung des riesigen Kolosses von Rhodos, einer gigantisches Statue des Sonnengottes Helios, die am Stadttor steht und als eines der antiken Weltwunder gilt. Schon bald gerät Darios in zwei parallele Verschwörungen, die sich gegen den herrschenden Tyrannen Peliocles (Georges Marchal) richten. Er trifft die schöne Dienerin Diala (Lea Massari), die ihn in den Palast von Peliocles führt. Dort wird er Zeuge, wie sich eine Gruppe von Widerstandskämpfern um Peliocles' eigenem Bruder Thar (Conrado San Martín) auf eine Verschwörung gegen die Tyrannei vorbereitet. Gleichzeitig wird Darios von Koros (Ángel Aranda), einem weiteren Verschwörer, angesprochen, der eine radikalere Variante der Befreiung vorsieht. Inmitten der Intrigen und rivalisierenden Pläne wird Darios zum zentralen Akteur, der mit seinem Mut und seiner Intelligenz entscheiden muss, welche der Widerstandsbewegungen er unterstützen soll. Er wird von der Täterin Mirte (Mabel Karr), von dem Krieger Ares (Mimmo Palmara) und von weiteren Figuren unterstützt, die alle unterschiedliche Interessen verfolgen...
"Der Koloß von Rhodos" ist einer dieser seltenen Filme, die man als Filminteressierter aus zwei Gründen sehen muss: wegen seiner Geschichte als Debütfilm und wegen seiner ungleichen Qualität, die zwischen raumgreifendem Stil und einer etwas mechanischer Erzählweise schwankt. Regisseur Sergio Leone, der später mit Western weltberühmt wurde, inszeniert hier 1961 seinen ersten eigenen Spielfilm im Genre des Sandalenfilms/antiken Monsterfilms, der in den 1950er und 1960er Jahren in Italien und Europa sehr beliebt war. Leone zeigt in seinem Debüt deutlich, dass er ein visuelles Talent hat, das später seine Western dominieren wird. Die Sequenz des Erdbebens und die große Kampfszene am Ende sind bemerkenswert stark inszeniert, und man spürt hier bereits die Fähigkeit des Regisseurs, Spannung mit großen Bildern aufzubauen. Dennoch ist der Film nicht ohne Schwächen. Die erste Hälfte wirkt aufgesetzt und mechanisch und darüber hinaus viel zu lang, die Mischung zwischen Ironie und epischer Intensität ist ebenfalls nicht immer perfekt, und die Geschichte folgt oft einer zu starren Struktur, die wenig Raum für echte emotionale Tiefe bietet. Das alles macht den Film eben nicht zum Meisterwerk, sondern zu einem ersten guten Versuch. Man merkt hier deutlich: zu dem von Leone bekannten Itolowestern war es noch ein weiter Schritt. Der Film ist auch von einem gewissen Stil geprägt, hat raumgreifende Bilder und eine gute Besetzung, aber er ist auch ein Werk, das noch nicht die volle Kraft zeigt, die Leone später in seinen Western entfalten wird. "Der Koloß von Rhodos" ist auch ein interessanter, aber eben nicht durchgehend guter Film. Er ist ein Werk, das zeigt, wie Leone sich in einem Genre, das er zudem nicht besonders mochte, entwickelte. Der Film ist ein Debüt, das nicht perfekt ist, aber es ist eines, das zeigt, dass Leone bereits ein Regisseur mit einem visuellen Instinkt war, der später seine Karriere dominieren würde. Und mit einem Sandalenfilm monumentalen Ausmaßes zu starten ist auch bemerkenswert.Montag, 8. Juni 2026
Il colosso di Rodi - The Colossus of Rhodes - Der Koloß von Rhodos (1961)
Sonntag, 7. Juni 2026
Giù la testa - Once Upon A Time ... The Revolution - Duck, You Sucker! - A Fistful of Dynamite - Todesmelodie (1971)
Der wortkarge Bandit Juan Miranda (Rod Steiger) und der gescheiterte irische Rebell John Mallory (James Coburn) treffen sich 1913 in den blutigen Wirren der mexikanischen Revolution. Juan sieht in dem Sprengstoffexperten den idealen Partner für einen Überfall auf die Bank von Mesa Verde, kann den Iren aber erst nach einiger Überzeugungsarbeit zur Teilnahme bewegen. In der Stadt angekommen, stellen sie fest, dass die Revolution bereits vor ihnen angekommen ist. Hinter den Panzertüren des Banktresors finden sie nicht etwa das erhoffte Gold, sondern eine Gruppe politischer Gefangener, die Juan sogleich nach ihrer Befreiung zum Revolutionshelden wider Willen erklären. Bald werden er und John zur Zielscheibe der brutalen Regierungstruppen und geraten immer tiefer in eine tödliche Spirale der Gewalt...
"Todesmelodie" ist Altmeister Sergio Leones vielleicht am meisten unterschätzter großer Film: ein Western, der sich in einen Revolutionsfilm verwandelt und dabei nie vergisst, dass politische Umwälzungen für die Menschen vor Ort vor allem Chaos, Verrat und Verlust bedeuten. Unter verschiedenen englischen Titeln bekannt - vor allem als "Duck, You Sucker!" oder "A Fistful Of Dynamite" - erzählt der Film von dem Banditen Juan Miranda und dem irischen Sprengstoffexperten John Mallory, die sich in den Wirren der mexikanischen Revolution widerwillig zusammentun und dabei immer tiefer in eine Geschichte geraten, die größer ist als ihr eigener Profit. Leone dreht hier nicht einfach einen weiteren Spätwestern, sondern eine bitter ironische Ballade über politische Instrumentalisierung. Juan (Rod Steiger) will Geld, Mallory (James Coburn) will sich eigentlich aus der Politik heraushalten, doch die Revolution macht keine solchen einfachen Absprachen. Aus dem geplanten Bankraub wird eine Befreiungsaktion, aus dem Überlebensinstinkt ein politisches Bekenntnis, und aus zwei cleveren Außenseitern werden Figuren, die sich an den Rand eines historischen Mahlstroms stellen, ohne ihn wirklich kontrollieren zu können.
Rod Steiger spielt Juan mit einer Mischung aus grober Komik, Eitelkeit und überraschender Verletzlichkeit. James Coburn verleiht Mallory eine kontrollierte Kälte, die erst im Lauf des Films Risse bekommt. Zwischen diesen beiden Männern entsteht eine seltsame, ungleiche Freundschaft, die den Film menschlich macht, ohne ihn sentimental werden zu lassen. Leone versteht sehr genau, dass große historische Filme dann am stärksten sind, wenn sie die Geschichte nicht von oben, sondern von zwei ziemlich unzuverlässigen, sehr konkreten Männern aus betrachten. Visuell ist "Todesmelodie" Leone pur. Die weiten Landschaften Spaniens, die lange Anstauung von Spannung, die plötzlichen Gewaltausbrüche und die oft fast opernhafte Inszenierung machen den Film zu einem Werk, das zugleich episch und intim wirkt. Morricones Musik trägt dazu entscheidend bei: Sie beginnt nicht einfach, sie baut sich auf, hält inne, schlägt zurück und wird so zum emotionalen Nerv des Films. Man kann kaum anders, als von einer Inszenierung zu sprechen, die Gewalt nicht ästhetisiert, sondern in eine traurige, fast erschöpfte Form von Spektakel verwandelt."Todesmelodie" ist aber auch ein Film, der sich weigert, Revolution als sauberen Mythos zu erzählen. Er zeigt, wie leicht Ideale von Geld, Misstrauen und persönlicher Geschichte verschluckt werden. Dabei ist er immer wieder auch überraschend komisch, dann wieder brutal und schließlich melancholisch; diese Tonwechsel sind nicht Schwäche, sondern Teil seines Charakters. Leone scheint zu sagen, dass Geschichte nicht von Helden gemacht wird, sondern von Menschen, die an dem Versuch, mit ihr mitzuhalten, beschädigt werden. Was den Film heute so stark macht, ist genau diese Mischung aus Wucht und Skepsis. Er hat die große Geste, die man von Leone erwartet, aber auch eine politische Bitterkeit, die ihn von reinen Genrestücken abhebt. "Todesmelodie" ist nicht der glatte, kultisch verehrte Leone-Western, sondern ein rauer, trauriger und manchmal sehr explosiver Film über Männer, die glauben, sie könnten die Geschichte für ihre Zwecke benutzen - und dann entdecken, dass sie selbst längst von ihr benutzt werden. Unterschätzt, hervorragend.
Mittwoch, 28. Mai 2014
Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo - The Good The Bad And The Ugly - Zwei glorreiche Halunken (Director's Cut) (1966)
Ein mysteriöser Fremder (‘Blondie’ Clint Eastwood - der Gute), der skrupellose Setenza (Lee Van Cleef - der Böse) und der mexikanische Revolverschütze Tuco (Eli Wallach - der Hässliche) sind auf der Jagd nach einer Geldkassette. Inhalt: 200.000 Dollar. Die drei Desperados haben untereinander nichts gemeinsam - werden aber zu Komplizen, wenn es die Situation erfordert. Doch jeder verfolgt nur ein Ziel: Die Geldkassette. Und keiner von ihnen ist bereit zu teilen.
Ganze Bücher sind über diesen stilprägenden Western geschrieben worden. Und ebenso über die geniale Filmmusik. Sergio Leone und Ennio Morricone, eines der großen Dreamteams der Filmgeschichte. Mehr als bloße Arbeitskollegen, gab es eine tiefe Verbundenheit und innige Freundschaft zwischen den beiden italienischen Meistern. Auf dieser Basis entstanden so Werke von so symbolträchtiger Größe, dass man beim ersten Bild oder beim ersten Ton in einen ganzen Strudel von Erinnerungen gezogen wird.
Sergio Leones Klassiker von 1966 ist eines der Urgesteine schlechthin, das dem Genre Italo-Western, oder auch Spaghetti-Western, zum Durchbruch verhalf. Leone hatte es zwei Jahre zuvor mit dem ersten Teil seiner Dollar-Trilogie "Für eine Handvoll Dollar" begründet. "Zwei glorreiche Halunken", so der deutsche Titel, der Abschluss der Reihe, bietet all dievorher so sorgsam zurechtgelegten Zutaten nun in Perfektion, die hunderte Nachfolger mehr oder weniger erfolgreich wieder aufgriffen: Extrem-Close-Ups, Antihelden, auf den Kopf gestellte Westernwerte, ein Dreier statt Zweier-Finale und die illusionslose, brutale Filmsprache. Sie sorgten beim Publikum sofort für Riesenerfolg, während die Kritik die Nase rümpfte und den innovativen Stil nicht richtig einordnen konnte (oder wollte). Eine Filmrevolution, die an der Kinokasse stattfand und nicht in den Kritiken.
Clint Eastwood wurde dadurch zur Legende, seine Figuren des wortkargen namenlosen Fremden sind Kult und Kopierfolie bis heute. Ganz groß ist wieder einmal die akustische Begleitung aus der Feder von Ennio Morricone. Seine Stücke entwickelte er zusammen mit den beiden anderen Soundtracks der Trilogie nicht nur zu einem neuen Stil und prägte somit ein ganzes Genre, sondern brannte sich derart in die Popkultur ein, dass sie in den 70er und 80er Jahren sogar für Werbespots im Kino genutzt wurden. Eine derart unvergessliche Melodie mit gerade einmal zwei Noten zu bilden und bestimmte Instrumente den Figuren zuzuordnen grenzt fast schon an Wagnersche Ausmaße. Er kombinierte klassische mit folkloristischen Elementen und Soundschnipseln aus der Natur mit Tierlauten und Werkzeug-Geräuschen. Im Finale wird in enger Verbindung mit Leones Regie dadurch eine Spannung aufgebaut, die so faszinierend wie auf die Spitze getrieben ist. Herausragend an dem gesamten Soundtrack ist die große Intensität. Sie basiert auf der völligen Gleichberechtigung der Musik in Bezug zu Leones Bildern. Die Musik kündigt teilweise bereits an, was eine einzelne Figur spürt oder sagt und wird somit zum wichtigen Charakterisierungsmittel. Dies war ein völlig neuer Ansatz, den die beiden Ausnahmetalente zwei Jahre später in ihrem Jahrhundertwerk "Spiel mir das Lied vom Tod" in opernhafter Weise perfektioniert haben.
Der letzte Film der Dollar Trilogie ist mir vermutlich deshalb in Erinnerung geblieben, da die Charaktere auch endlich ein wenig Menschlichkeit einsehen lassen. Zu bemerken ist auch der spöttische Humor in der ganzen Geschichte, der einfach zu jeder Zeit unterhält. Dabei spielt sich niemand als Held auf und es ist dem Zuschauer überlassen mit welchen Halunken er jetzt mitfiebert, dabei ist die Geschichte von Tuco eine gelungene Abwechslung zu den Wortkargen Antihelden aus den vergangenen Filmen. Nicht nur die Handlungstränge sind ausgeklügelter auch der Western hat viele moderne Ansätze und traut sich einfach mehr als die wegweisenden Vorgänger. Die Gefühle werden endlich vom Film getragen, es ist einfach keine bloße Beseitigung von emotionslosen langweiligen Störenfrieden mehr.
Sergio Leone macht schon zu Beginn klar, wer die Hauptcharaktere sind. Clint Eastwood ist der Gute und damit der abgeklärteste und zynischste Typ im Wilden Westen. Eli Wallach ist der Hässliche, ein Schlitzohr ohne Gleichen, natürlich immer in einem mehr oder weniger lockeren Bündnis mit dem Guten oder wahlweise dem Bösen, der von Lee Van Cleef verkörpert wird und dessen Darstellung der deutsche Titel schon irgendwie verschweigt. Schließlich geht es im Endeffekt um drei Halunken, von denen einer weniger glorreich ist, den Titel aber verdient. Allesamt sind ausgekocht, stets auf den eigenen Vorteil aus und jagen nach den vergrabenen Dollars. Dieser Italo-Western, an dem sich alle anderen messen lassen müssen ist so legendär, wie die Darstellung von Clint Eastwood. Meine Lieblingsszenen im Film sind die letzten beiden, ab dem Moment, indem Eastwood zu dem jungen Soldaten geht und den Poncho entdeckt. Dann als Tuco über den Friedhof läuft und "L’estasi dell‘oro" erklingt, von da an erlebe ich Gänsehautfeeling pur. Diese Szene kombiniert mit dem finalen Duell in diesem kreisförmigen Arena-Gelände zählt für mich einfach zu den besten der Filmgeschichte. Hier zeigt Leone ganz großes Kino. Hierfür wurde Kino gemacht, das ist pure Kinomagie. Film in reinster Perfektion.
Ganz klar einer der besten Filme aller Zeiten, glänzt "Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ sowohl mit einem grandiosen Hauptdarsteller-Trio, als auch mit der phänomenalen Filmmusik. Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: "Es gibt zwei Arten von Filmen in der Welt, solche die Meisterwerke sind, und solche die keine sind. Der Film ist eines."
10/10
Endlich, endlich... gibt es den legendären Director's Cut neu und in 4K abgetatstet und in nahezu perfekter Bild- und Tonqualität zu kaufen. Unsere Nachbarn in Großbritannien haben noch dazu eine "Limited Edition" im Steelbook herausgebracht:
Quellen:
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Montag, 12. Mai 2014
C'era una volta il West - Once Upon A Time In The West - Spiel mir das Lied vom Tod (Director's Cut) (1968)
Der skrupellose Eisenbahnunternehmer Morton (Gabriele Ferzetti) will entlang einer Eisenbahnstrecke zum Pazifik einen neuen Bahnhof bauen. Dafür engagiert er den Farmer McBain (Frank Wolff), der für ihn die Drecksarbeit erledigen soll. Falls er es nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen sollte, wird Morton dessen kompletter Besitz mitsamt der Farm zugesprochen. Einen Tag, bevor McBains Ehefrau Jill (Claudia Cardinale), an der Farm ankommt, werden McBain und seine drei Kinder von dem Killer Frank (Henry Fonda) erschossen. Jill, die ihren Mann kaum kannte, muss nun sein Erbe antreten und die Bahnstation fertig bauen. Zunächst glauben alle, dass Cheyenne (Jason Robards) der Mörder des Farmbesitzers ist, doch ein geheimnisvoller Mundharmonikaspieler (Charles Bronson), der in der Stadt auftaucht, bringt Licht in das Dunkel. Während er mit der Hilfe Cheyennes Jill hilft, den Bahnhof zu vollenden, führt ihn die Suche nach dem wahren Mörder in seine eigene Vergangenheit.
Ein mit atemberaubenden Bildern und einem unvergesslichen Score versehenes Meisterwerk - ich denke, dieser Satz beschreibt Sergio Leones "C'era una volta il West/Once Upon A Time In The West/Spiel mir das Lied vom Tod" am besten.
Regisseur Sergio Leone sagte über den Film: "Der Rhythmus des Films ist darauf angelegt, die Spannung der letzten Atemzüge eines Menschen kurz vor seinem Tod wiederzugeben. 'Spiel mir das Lied vom Tod' ist vom Anfang bis zum Ende ein Tanz mit dem Tod. Alle Charaktere des Films, mit der Ausnahme von Claudia, sind sich der Tatsache bewusst dass sie am Ende nicht überleben werden." Diese Motive sind durch den Film hindurch beinahe jederzeit erkennbar und um noch weiter darauf einzugehen, erinnere ich mich an Leones Zitat: "Wenn bei John Ford einer zum Fenster rausschaut, hat er den Blick in eine strahlende Zukunft. Wenn bei mir einer das Fenster aufmacht, weiß jeder: Der wird jetzt erschossen". Das sagte er über den Unterschied zwischen dem Italowestern und dem amerikanischen Western. Doch in den letzten Szenen und Minuten des Films erkennen wir ein ganz klares Ausbrechen aus diesen Genreregeln, die einst er, Sergio Leone, begründet hatte. Jill und Cheyenne sehen aus dem Fenster auf den Bahnhof der gerade gebaut wird - und können hoffen.
Aber der Film ist aber noch auf ganz andere Art und Weise absolut revolutionär. Es ist ein Italowestern mit einer Frau in der Hauptrolle. In der Dollar-Trilogie tauchten Frauen entweder als Huren oder als Madonnen auf, doch mit Jill McBaine, die von Claudia Cardinale so traumhaft schön und wunderbar gespielt wird, haben wir hier beides. Sie ist die Hure mit dem Herz aus Gold. Sie verzaubert die Männer in ihrer Umgebung, sie verzaubert den Zuschauer. Sie ist stark und kann sich in der Welt des Wilden Westens durchsetzen, sie ist die einzige Gewinnerin des Films.
Der Film wurde zum Teil in Amerika gedreht. Die großen Landschaftsaufnahmen des Monument Valleys stehen ganz im Sinne eines John Fords und die Referenz am Anfang auf "High Noon/Zwölf Uhr mittags" erinnern an große Vertreter jenes Genres, doch gleichzeitig dreht sich der Film auch um die typischen Motive des Italowesterns. Gier, Macht, Rache, Entrechtung und Demütigung. Doch das was im Film wirklich markant ist, ist, das beinahe alles zugrunde geht. Man hört das Rauschen des Ozeans und in einer Pfütze verreckt elendig Morton, der der unbedingt mit seiner Eisenbahn noch den Pazifik erreichen wollte.
Die Oper der Gewalt endet schließlich wieder in der Arena, untermalt durch die Mundharmonika-Musik, im Duell von Charles Bronson und Henry Fonda. Zwei wahrhaftig große Schauspieler, stehen sich hier gegenüber. Beide spielen im Film so grandios, beide beweisen, dass sie zu den größten aller Schauspieler gehören.
"Spiel mir das Lied vom Tod" ist definitv mein Lieblings-Western. Es ist einfach ein Meisterwerk, angefangen mit der Kamerführung, den Landschaftsaufnahmen und den vielen ruhigen Szenen, die teilweise die Spannung ins Unermessliche steigen lassen. Dreckige Dialoge, Staub, Wüste. Die Musik jagt mir einen Schauer über den Rücken; jedes Klicken der Revolvertrommeln, jeder Ton, jedes Schweigen, jedes Quietschen, jegliches Lachen ist so unglaublich perfekt inszeniert. Alles, einfach alles in diesem Film ist zu einem Gesamtmeisterwerk zusammengeführt. Es ist ein Film der Superlative. Ein Film über Leben und Sterben im Westen, der er einmal war.
9,5/10
Zu diesem Film gibt es eine Deluxe Edition, die dem Film mehr ls gerecht wird. Eine Holzbox mit eingebrannten goldenen Lettern, dem Titel des Films. Darin der Film (in der restaurierten Director's Cut-Fassung und in der Kinofassung) im Steelbook, eine Mundharmonika im Lederbeutel, ein Zippo Feuerzeug mit gelasertem Plakatmotiv, Setcards und ein (gefaltetes) Filmposter.
Quellen:
Inhaltsangabe: Paramount
Poster/Artwork: Paramount
Dienstag, 4. Juni 2013
Once Upon A Time In America - Es war einmal in Amerika (1984)
Mit "Es war einmal in Amerika" kommt nun der Abschluß der Amerika-Trilogie (Dazu zählen, obgleich es keine inhaltlichen Bezüge zueinander gibt "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969), "Todesmelodie" (1971) und "Es war einmal in Amerika" (1984)) von Sergio Leone, fabelhaft besetzt mit Robert DeNiro und trotz seiner abschreckenden Laufzeit von fast 4 Stunden ein Meisterwerk, das - natürlich - seine Längen hat, aber dafür auch mehr als entschädigt.
"Ich habe dir alles genommen, dein Geld, dein Mädchen. 35 Jahre hast du getrauert um deinen Freund."
Inhalt: Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. New York, Brooklyn. Anfang der zwanziger Jahre. Ein paar vernachlässigte Jugendliche in einem jüdischen Einwandererviertel finden sich in einer Straßengang zusammen. Es ist Amerika, es herrscht die Prohibition und Möglichkeiten auf die schiefe Bahn zu geraten, gibt es genug. Max, Noodles und ihre Freunde verdienen sich bereits als Kinder mit Erpressungen und Schmuggeleien den einen oder anderen Dollar dazu. Jahre später – Noodles wird nach einer langen Haftstrafe für einen Mord aus dem Gefängnis entlassen – haben es die Freunde von damals unter Max zu einem skrupellosen Gangstersyndikat gebracht. Doch Ehrgeiz und Habgier zerstören die jahrzehntelange Freundschaft und schließlich kommt es zu einem entsetzlichen Verrat...
Ich hab dieses Meisterwerk jetzt schon viel zu lange vor mir hergeschoben und wollte den Streifen eigentlich schon längst einmal wieder gesehen haben. Es ist ein Film über die Mafia, doch an den "Paten" wird er wohl nie herankommen. Was die Geschichte und ihre Erzählstruktur angeht, kann ich auch nur in den höchsten Tönen sprechen, denn ich liebe solche bis ins Extreme ausufernden Geschichten, die sich über Jahrzehnte hinwegziehen mit einem halben Dutzend Figuren, deren Beziehung sich zueinander bis zum Schluss enorm entwickelt. Und das hat man hier, eine Geschichte über Freundschaft, mit einer Gruppe von Jungs die im New York der zwanziger Jahre schon mal ein paar kleine Abzockereien durchziehen aber den Traum haben, ihr eigenes großes Mafiageschäft aufzuziehen. Das erzählt Regisseur Sergio Leone hier mit einer sehr intensiven Grundstimmung, die in ihrer Gesamtwirkung, trotz eines ruhigen Erzähltempos, auf das ich später noch eigehen möchte, schwer beeindruckt. Dazu kommt eine geniale Erzählweise für den Spannungsaufbau, so ist die Geschichte um Noodles und seine Gangsterfreunde nicht chronologisch erzählt, sondern springt von den 20ern in die 60er oder in die Blütezeit des Gangstergeschäftes der Freunde, die dreißiger Jahre. Wegen dieser Zeitsprünge entsteht hier eine ziemliche Spannung, man sieht wie sich die Beziehung der Freunde entwickelt, zu was das führt und das erst nach und nach aus diesen Kindern dekadente Konkurrenten wurden. Dieser Erzählstil ist grandios!
Von Anfang an beeindruckt einen Leone durch die Bildgewalt seines Films, durch herausragende Darsteller in Bestform und eine geniale Musikuntermalung von Ennio Morricone, der schon in zahllosen Western für die nötige Stimmung sorgte. Dazu kommen tolle und vor allem passende Bilder, noch bessere Darsteller, die bereits angesprochene verschachtelte Erzählweise und machen "Es war einmal in Amerika" zu einem brillanten Werk. Man muss vor den Machern wirklich den Hut ziehen, denn hier den Überblick zu behalten und doch alles bis ins Detail so perfekt so hinzubekommen, das ist schon eine Leistung. Aber genau da liegt auch das Problem: es ist nicht nur die reine Länge, sondern auch die epische, teilweise etwas überdramatisierte Erzählweise, die gewaltig Konzentration fordert. Aus dem Film hätte man locker eine Trilogie machen können. Ein höheres Tempo, oder eine straffere Inszenierung, auch wenn jede Szene von Bedeutung ist und in den Film gehört, hätten den Film insgesamt etwas knackiger gestalten können. Aber es gab auch immer wieder Stellen, in denen einen der Film in die Geschichte hinein zieht und man wie gebannt da sitzt und einfach nur zusieht, hört und ins Grübeln gerät. Szenen wie das Finale in Baleys Büro haben natürlich diesen epischen Anspruch verdient, brauchen ihn an diesen Stellen sogar und da funktioniert er auch wunderbar und treibt sogar den Puls ein wenig höher. Aber wenn man das Sitzfleisch und die nötige Langzeitkonzentration hat, dann erwartet einen hier großes Kino, eine gewaltige Geschichte um Freundschaft, Verrat, Gewalt, Korruption, Gier, Macht und Einsamkeit. So schafft es der Streifen mühelos im Gedächtnis bleiben und er ist ohne Zweifel einer der großer Klassiker der Filmgeschichte!
9/10
Samstag, 2. März 2013
Per Qualche Dollaro In Più - For A Few Dollars More - Für ein paar Dollar mehr (1965)
http://www.imdb.com/title/tt0059578/
Der Kopfgeldjäger und Ex-Offizier der Unionstruppen im Bürgerkrieg, Colonel Douglas Mortimer (Lee Van Cleef), begibt sich auf die Jagd nach dem Ganoven Cavanagh. Doch Monco (Clint Eastwood), ebenfalls ein Kopfgeldjäger, kommt ihm zuvor. Um das Kopfgeld gebracht, kommt es zu Reibereien zwischen den beiden Revolverhelden. Trotz der Spannungen beschließen Mortimer und Monco gemeinsame Sache zu machen, als sie erfahren, dass El Indio, der meistgesuchte Verbrecher im westlichen Territorium, aus dem Gefängnis entflohen ist und auf seinen Kopf 10.000 Dollar ausgesetzt sind. Gemeinsam gelingt es dem Duo, die Bande El Indios zu unterwandern und den Gangster nach einem furiosen Banküberfall zum entscheidenden Showdown zu stellen...
Sergio Leone lässt sich in diesem Sequel von "Für eine Handvoll Dollar"
dankenswerter Weise sehr viel Zeit, bevor er die eigentliche Geschichte
erzählt. Erst nach rund zwanzig Minuten treffen die beiden so
unterschiedlichen Kopfgeldjäger in El Paso aufeinander. In einer Art
Duell lernen sich beide kennen. Wenn man so will, inszenierte Leone mit
diesem Film eine Art Dreiecksgeschichte. Drei Jäger - Monco, Mortimer
und El Indio - jagen sich gegenseitig:
El Indio will die beiden Kopfgeldjäger los werden, die er von Anfang an
als solche erkannt hat. Mortimer (Lee van Cleef) will Monco für seine Zwecke
einsetzen und Monco (Eastwood) jagt El Indio, während Mortimer ihm
dabei im Weg ist. Doch alle drei irren sich bezüglich des Ausgangs der
Jagd. Und Leone benutzt diese Jagd einmal mehr, um sowohl seinen Stil zu
verfeinern, als auch um dem klassischen Western und seiner idyllischen
Darstellung des Helden den Garaus zu machen.
Dabei stellt El
Indio einen gewalttätigen Psychopathen dar, Mortimer, der vordergründig
als nichts anderes als ein in gute Kleider gesteckter Kopfgeldjäger
erscheint, ist ein intelligenter, kühl kalkulierender Mann und Monco ist
einmal mehr einer, der angesichts der Brutalisierung einer
Gesellschaft, in der ein Leben keinen Pfifferling wert ist, sein Glück
im Jagen von Gesetzlosen sieht und dieses Ziel ebenso listig wie
skrupellos verfolgt. Für alle drei scheint auf jede Art erzieltes Geld
der einzige Lebenszweck zu sein.
Zu den schönsten, ganz in
Leones Stil gedrehten Szenen gehören u.a. das Scheinduell zwischen Monco
und Mortimer, bei dem man zunächst nicht weiß, wie es ausgeht und dass
es in einem Vertrag mündet, an den beide sich später nur vage halten;
eine Szene, in denen sich beide durch ein Fernglas über die Straße aus
ihren Hotels beobachten; die Schlussszene des Duells zwischen Monco,
Mortimer und El Indio, die u.a. über Mortimers Motive der Verfolgung von
El Indio Aufschluss gibt. besser als der erste Teil und ebenfalls ein
Meisterwerk.
9/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Universum Film
Sonntag, 24. Februar 2013
Per Un Pugno Di Dollari - A Fistful Of Dollars - Für eine Handvoll Dollar (1964)
In dem abgelegenen Dorf San Miguel in New Mexico werden die Einwohner von zwei rivalisierenden Gangsterfamilien, den angloamerikanischen Baxters und den mexikanischen Rojos, terrorisiert. Ein einsamer, schießfertiger Reiter (‘Joe’, gespielt von Clint Eastwood) kommt in das Dorf und bietet beiden Familien an, für sie zu arbeiten. Er kassiert von beiden eine ansehnliche Bezahlung. Der Anführer der Rojos, Ramón (Gian Maria Volonté) entdeckt den Betrug und lässt Joe brutal foltern. Joe gelingt die Flucht. Die Rojos schlachten daraufhin die Baxters ab, weil sie sie verdächtigen, Joe zu verstecken. In einer aufgelassenen Mine erholt sich Joe und kehrt nach San Miguel zurück, um mit den Rojos, speziell mit Ramón, abzurechnen.
Sergio Leone hat mit "Für eine Handvoll Dollar" den Western auf den Kopf gestellt - und damit das Genre des Italowestern erst begründet. Natürlich wurden schon vorher Western in Europa gedreht. Spanien war von den Amis als kostengünstiger Drehort entdeckt worden. Es entstand eine Reihe von B-Western in amerikanisch-spanischer Co-Produktion. Schon bald mischten die Italiener mit. Vor Leones Quantensprung waren 25 Italowestern entstanden, die sich aber vollständig am amerikanischen Vorbild mit glatt rasierten und moralisch integren Helden orientierten. Bei Leone war alles anders. Als Regisseur war er zwar kein Nobody mehr, aber allzu viel Vertrauen hatten die Produzenten nicht. Was sich im Budget des Films widerspiegelte. Es gab halt nur eine Handvoll Lire. Leone hatte als Second-Unit-Regisseur bei großen Hollywood-Produktionen wie "Ben Hur" und "Quo Vadis" Erfahrungen gesammelt, mit "Die letzten Tage von Pompeii" und "Der Koloss von Rhodos" bereits zwei Filme selbst gedreht. Doch jetzt wollte er offenbar eingetretene Pfade verlassen.
"Für eine Handvoll Dollar" war nur das Nebenprodukt, eine Art Resteverwertung eines anderen Westerns. Doch Die letzten Zwei vom Rio Bravo von Mario Caiano mit dem auch schon damals nicht mehr allzu hell strahlenden US-Star Rod Cameron ist heute so gut wie vergessen. Leone wollte mit seinem Film den japanischen Streifen "Yojimbo - Der Leibwächter" von Akira Kurosawa in ein Westernszenario überführen. John Sturges hatte das mit "Die glorreichen Sieben" nach Kurosawas "Die sieben Samurai" erfolgreich vorgemacht. Leone und seine Produzenten hatten sich jedoch nicht um die Rechte gekümmert. Vielleicht dachten sie ja, der Japaner würde den Film ohnehin nie zu sehen bekommen. Bekam er aber. Und schickte seine Anwälte. Die Einigung sicherte Kurosawa die Rechte für den asiatischen Raum. Womit er schließlich mehr verdienen sollte, als mit seinen eigenen Film.
Egal wie billig die Produktion war, sie brauchte einen amerikanischen Hauptdarsteller. Schon damals dachte Leone an Henry Fonda oder Charles Bronson. Fonda war viel zu teuer. Bronson hielt das Drehbuch für das schlechteste, das man ihm je anzubieten gewagt hätte. Egal. Clint Eastwood schlug zu und begnügte sich mit 15.000 Dollar Gage. Immerhin bekam er eine kostenlose Überfahrt nach Old Europe und ein paar Wochen Spanienurlaub. Eastwood war bis dahin nur als Cowboy Rowdy Yates in der TV-Westernserie "Tausend Meilen Staub" bekannt geworden, hatte von diesem Staub aber genug in die Nase bekommen. Er wollte mal was anderes machen. Und da kam Leones radikales Experiment offenbar ganz recht. Eastwoods Einfluss auf den Film und seine Stilelemente sind dabei nicht zu verachten. Schon damals hat er also dem Kino wichtige Impulse verliehen. Gesichert ist, dass er seine Pistole samt Gurt vom "Tausend Meilen Staub"-Set mitbrachte. Auch Schaffelljacke, Hemd und Jeans soll er selbst besorgt haben. Strittig ist, ob er auch den ikonischen Poncho mitbrachte. Hoch anzurechen ist ihm jedenfalls die Opferbereitschaft, mit der er als Nichtraucher virtuos seine Zigarillos zwischen den Zähnen hin und herrollen lässt. In den 60ern galt das als obercool. Eastwoods schlaksige Figur, der langsame Gang, die lakonische Sprechweise, die sparsame aber betont und exakt auf den Punkt gebrachte Mimik kreierten einen völlig neuen Typus von Westernhelden jenseits allen Edelkitsches Hollywoods. Man hätte seiner Figur abgenommen, nur mit Blicken töten zu können. Eastwood kürzte auch seinen Drehbuchtext teils drastisch ein, um seine Figur noch mysteriöser zu gestalten. Im Kontrast zur zurückhaltenden Darstellung des Amerikaners lag die gelegentlich ausufernde Theatralik des italienischen Theaterschauspieler Gian Maria Violonté als Ramon Rojo. Der 1994 mit 61 Jahren viel zu früh verstorbene Schauspieler war einer der größten Charakterdarsteller Italiens (Sacco und Vanzetti, Luck Luciano, Christus kam nur bis Eboli). Und sollte noch manchem Highlight des Genres sein markantes Gesicht verleihen. In einer Nebenrolle als Marisol brilliert auch Marianne Koch. Heute eher als engagierte Ärztin bekannt, war sie damals einer der beliebtesten Filmstars Deutschlands, wenn auch auf eher seichte Stoffe und Heimatfilme abonniert. Zu der Rolle in Leones Film hatte sie auch erst getragen werden müssen. Doch noch Jahrzehnte später erinnerte sie sich mit viel Freude an dieses Erlebnis, wie sie mir am Rande eines Interviews zu einem anderen Thema vor etlichen Jahren verriet.
Schon in der ersten Szene wird klar, dass Sergio Leone hier keinen klassischen Western abliefern wollte. Sein Held reitet kein stolzes Ross, sondern einen alten Klepper, einen Maulesel. Er trägt einen Dreitagebart, seine Klamotten sind alt, zerschlissen und dreckig. Ein Look, der realistischer wirken sollte. Auf seine Art aber auch nur einen neuen Mythos schuf, eben einen dreckigeren. Der Fremde beobachtet ungerührt, wie das Kind von Marisol misshandelt und ihr Mann verprügelt wird. Ein strahlender Hollywood-Held hätte einschreiten müssen. Doch der Fremde ist nicht nur ein Mann ohne Namen, sondern auch ohne Moral. Für ihn zählt nur sein eigener Vorteil, und das am besten in Gold und Dollar. Das wird nur durchbrochen, als er Marisols Familie zur Flucht verhilft. Die Zwischenhandlung um Marisols "heilige Familie" - ihr Sohn heißt Jesus, ihr Mann Jakob - wirkt in diesem Sujet seltsam fehl am Platz. Sie erklärt sich nur im Zusammenhang mit der durchgängigen christlichen Ikonographie. Denn nur in einem katholischen Land wie Italien konnte ein solcher Film entstehen. Ein Gelage im Hof der Rojos erinnert nicht zufällig an Da Vincis Abendmahl. An dessen Ende beginnt die Passionsgeschichte des Fremden, als er gefasst und gefoltert wird. Dass er, der Totgeglaubte, am Ende wie zu Ostern aufersteht, schließt sich nahtlos an. Das Auftauchen aus einer Staubwolke verdichtet den mythologischen Gehalt der Szene. Der Held als von den Toten Wiederkehrender - auch dies wird zum Topos etlicher filmischer Nachfolger. Viele Szenen spielen auf Friedhöfen, Kreuze und Särge gehören zum wesentlichen Inventar. Doch damit haben sich Leones filmische Mittel längst nicht erschöpft. Spannung baut er betont langsam auf, auch dies war zuvor so noch nicht gesehen worden. Gefühlt minutenlang wechseln sich Gesichter in Großaufnahmen mit Details von noch in Halftern steckenden Revolvern ab, bis die Action explodiert und die Leichen durch die Gegend fliegen. Damals bedeutete "Für eine Handvoll Dollar" auch in der Gewaltdarstellung einen Dammbruch.
Dann wieder gibt es reine Actionszenen. Alle zehn Minuten passiert irgendetwas, damit niemals Langeweile aufkommt. Das aber ist auch die größte Schwäche dieses ersten Teils der Dollar-Trilogie. Der Rhythmus wirkt mitunter holprig. Und wegen des geringen Budgets wurden Nachtszenen am Tage gedreht, aber mit so einfachen Filtern, dass es allzu deutlich wird. Doch das ist schon alles, was negativ ins Gewicht fällt. Das Schlussduell unterscheidet sich in seinem Aufbau ebenfalls stark von den klassischen Vorbildern. Es hat noch nicht den vollendeten Kreischarakter wie etwa in Zwei glorreiche Halunken, deutet dies aber schon an. Das finale Sterben ist große Oper und erinnert eher an Verdi als an Ford. Doch ob "Für eine Handvoll Dollar" ohne das Soundesign und die Musik Ennio Morricones ein solcher Erfolg geworden wäre, mag bezweifelt werden. Auch Morricone ging hier, in enger Abstimmung mit Leone, neue Wege. Statt eines orchestralen oder folkloristischen Sounds verband er Geräusche von Peitschen, Schüssen und Glocken, die monotonen Klänge einer Maultrommel, Pfeifen und menschliche Stimmen zu einer ganz eigenen und einzigartigen Musik, die den Szenen besondere emotionale Tiefe verliehen. Besonders intensiv mit dem Trompetenklang in Duellszenen, die sich an das mexikanische Todeslied, dem Deguelleo aus John Fords Rio Bravo anlehnten. Auch die Geräusche haben dramaturgische Bedeutung. Die Pistolenschüsse klingen wie Gewehre, Gewehrschüsse wie Kanonen. Alles, auch das Wiehern der Pferde oder das Krähen eines Hahns, verbindet sich mit der Musik zu einer Symphonie des Todes. Effekte, die beim zweiten Teil der Dollar-Trilogie, "Für ein paar Dollar mehr", noch stärker zum tragen kommen sollten.
Sergio Leone schuf mit diesem ersten Film der Dollar-Trilogie noch kein Meisterwerk. Die sollten folgen. "Für eine Handvoll Dollar" war ein Anfang, und als solcher ein Meilenstein der Filmgeschichte. Trotz kleinerer Schwächen sollte ihn sich kein Westernfan entgehen lassen. Für filmhistorisch interessierte ohnehin ein Muss.
9/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Universum Film




















