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Mittwoch, 28. Mai 2014

Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo - The Good The Bad And The Ugly - Zwei glorreiche Halunken (Director's Cut) (1966)

http://www.imdb.com/title/tt0060196/

Ein mysteriöser Fremder (‘Blondie’ Clint Eastwood - der Gute), der skrupellose Setenza (Lee Van Cleef - der Böse) und der mexikanische Revolverschütze Tuco (Eli Wallach - der Hässliche) sind auf der Jagd nach einer Geldkassette. Inhalt: 200.000 Dollar. Die drei Desperados haben untereinander nichts gemeinsam - werden aber zu Komplizen, wenn es die Situation erfordert. Doch jeder verfolgt nur ein Ziel: Die Geldkassette. Und keiner von ihnen ist bereit zu teilen.

Ganze Bücher sind über diesen stilprägenden Western geschrieben worden. Und ebenso über die geniale Filmmusik. Sergio Leone und Ennio Morricone, eines der großen Dreamteams der Filmgeschichte. Mehr als bloße Arbeitskollegen, gab es eine tiefe Verbundenheit und innige Freundschaft zwischen den beiden italienischen Meistern. Auf dieser Basis entstanden so Werke von so symbolträchtiger Größe, dass man beim ersten Bild oder beim ersten Ton in einen ganzen Strudel von Erinnerungen gezogen wird.

Sergio Leones Klassiker von 1966 ist eines der Urgesteine schlechthin, das dem Genre Italo-Western, oder auch Spaghetti-Western, zum Durchbruch verhalf. Leone hatte es zwei Jahre zuvor mit dem ersten Teil seiner Dollar-Trilogie "Für eine Handvoll Dollar" begründet. "Zwei glorreiche Halunken", so der deutsche Titel, der Abschluss der Reihe, bietet all dievorher so sorgsam zurechtgelegten Zutaten nun  in Perfektion, die hunderte Nachfolger mehr oder weniger erfolgreich wieder aufgriffen: Extrem-Close-Ups, Antihelden, auf den Kopf gestellte Westernwerte, ein Dreier statt Zweier-Finale und die illusionslose, brutale Filmsprache. Sie sorgten beim Publikum sofort für Riesenerfolg, während die Kritik die Nase rümpfte und den innovativen Stil nicht richtig einordnen konnte (oder wollte). Eine Filmrevolution, die an der Kinokasse stattfand und nicht in den Kritiken. 

Clint Eastwood wurde dadurch zur Legende, seine Figuren des wortkargen namenlosen Fremden sind Kult und Kopierfolie bis heute. Ganz groß ist wieder einmal die akustische Begleitung aus der Feder von Ennio Morricone. Seine Stücke entwickelte er zusammen mit den beiden anderen Soundtracks der Trilogie nicht nur zu einem neuen Stil und prägte somit ein ganzes Genre, sondern brannte sich derart in die Popkultur ein, dass sie in den 70er und 80er Jahren sogar für Werbespots im Kino genutzt wurden. Eine derart unvergessliche Melodie mit gerade einmal zwei Noten zu bilden und bestimmte Instrumente den Figuren zuzuordnen grenzt fast schon an Wagnersche Ausmaße. Er kombinierte klassische mit folkloristischen Elementen und Soundschnipseln aus der Natur mit Tierlauten und Werkzeug-Geräuschen. Im Finale wird in enger Verbindung mit Leones Regie dadurch eine Spannung aufgebaut, die so faszinierend wie auf die Spitze getrieben ist. Herausragend an dem gesamten Soundtrack ist die große Intensität. Sie basiert auf der völligen Gleichberechtigung der Musik in Bezug zu Leones Bildern. Die Musik kündigt teilweise bereits an, was eine einzelne Figur spürt oder sagt und wird somit zum wichtigen Charakterisierungsmittel. Dies war ein völlig neuer Ansatz, den die beiden Ausnahmetalente zwei Jahre später in ihrem Jahrhundertwerk "Spiel mir das Lied vom Tod" in opernhafter Weise perfektioniert haben.

Der letzte Film der Dollar Trilogie ist mir vermutlich deshalb in Erinnerung geblieben, da die Charaktere auch endlich ein wenig Menschlichkeit einsehen lassen. Zu bemerken ist auch der spöttische Humor in der ganzen Geschichte, der einfach zu jeder Zeit unterhält. Dabei spielt sich niemand als Held auf und es ist dem Zuschauer überlassen mit welchen Halunken er jetzt mitfiebert, dabei ist die Geschichte von Tuco eine gelungene Abwechslung zu den Wortkargen Antihelden aus den vergangenen Filmen. Nicht nur die Handlungstränge sind ausgeklügelter auch der Western hat viele moderne Ansätze und traut sich einfach mehr als die wegweisenden Vorgänger. Die Gefühle werden endlich vom Film getragen, es ist einfach keine bloße Beseitigung von emotionslosen langweiligen Störenfrieden mehr.

Sergio Leone macht schon zu Beginn klar, wer die Hauptcharaktere sind. Clint Eastwood ist der Gute und damit der abgeklärteste und zynischste Typ im Wilden Westen. Eli Wallach ist der Hässliche, ein Schlitzohr ohne Gleichen, natürlich immer in einem mehr oder weniger lockeren Bündnis mit dem Guten oder wahlweise dem Bösen, der von Lee Van Cleef verkörpert wird und dessen Darstellung der deutsche Titel schon irgendwie verschweigt. Schließlich geht es im Endeffekt um drei Halunken, von denen einer weniger glorreich ist, den Titel aber verdient. Allesamt sind ausgekocht, stets auf den eigenen Vorteil aus und jagen nach den vergrabenen Dollars. Dieser Italo-Western, an dem sich alle anderen messen lassen müssen ist so legendär, wie die Darstellung von Clint Eastwood. Meine Lieblingsszenen im Film sind die letzten beiden, ab dem Moment, indem Eastwood zu dem jungen Soldaten geht und den Poncho entdeckt. Dann als Tuco über den Friedhof läuft und "L’estasi dell‘oro" erklingt, von da an erlebe ich Gänsehautfeeling pur. Diese Szene kombiniert mit dem finalen Duell in diesem kreisförmigen Arena-Gelände zählt für mich einfach zu den besten der Filmgeschichte. Hier zeigt Leone ganz großes Kino. Hierfür wurde Kino gemacht, das ist pure Kinomagie. Film in reinster Perfektion.

Ganz klar einer der besten Filme aller Zeiten, glänzt "Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ sowohl mit einem grandiosen Hauptdarsteller-Trio, als auch mit der phänomenalen Filmmusik. Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: "Es gibt zwei Arten von Filmen in der Welt, solche die Meisterwerke sind, und solche die keine sind. Der Film ist eines."

10/10

Endlich, endlich... gibt es den legendären Director's Cut neu und in 4K abgetatstet und in nahezu perfekter Bild- und Tonqualität zu kaufen. Unsere Nachbarn in Großbritannien haben noch dazu eine "Limited Edition" im Steelbook herausgebracht:

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Samstag, 2. März 2013

Per Qualche Dollaro In Più - For A Few Dollars More - Für ein paar Dollar mehr (1965)

http://www.imdb.com/title/tt0059578/

Der Kopfgeldjäger und Ex-Offizier der Unionstruppen im Bürgerkrieg, Colonel Douglas Mortimer (Lee Van Cleef), begibt sich auf die Jagd nach dem Ganoven Cavanagh. Doch Monco (Clint Eastwood), ebenfalls ein Kopfgeldjäger, kommt ihm zuvor. Um das Kopfgeld gebracht, kommt es zu Reibereien zwischen den beiden Revolverhelden. Trotz der Spannungen beschließen Mortimer und Monco gemeinsame Sache zu machen, als sie erfahren, dass El Indio, der meistgesuchte Verbrecher im westlichen Territorium, aus dem Gefängnis entflohen ist und auf seinen Kopf 10.000 Dollar ausgesetzt sind. Gemeinsam gelingt es dem Duo, die Bande El Indios zu unterwandern und den Gangster nach einem furiosen Banküberfall zum entscheidenden Showdown zu stellen...


Sergio Leone lässt sich in diesem Sequel von "Für eine Handvoll Dollar" dankenswerter Weise sehr viel Zeit, bevor er die eigentliche Geschichte erzählt. Erst nach rund zwanzig Minuten treffen die beiden so unterschiedlichen Kopfgeldjäger in El Paso aufeinander. In einer Art Duell lernen sich beide kennen. Wenn man so will, inszenierte Leone mit diesem Film eine Art Dreiecksgeschichte. Drei Jäger - Monco, Mortimer und El Indio - jagen sich gegenseitig: El Indio will die beiden Kopfgeldjäger los werden, die er von Anfang an als solche erkannt hat. Mortimer (Lee van Cleef) will Monco für seine Zwecke einsetzen und Monco (Eastwood) jagt El Indio, während Mortimer ihm dabei im Weg ist. Doch alle drei irren sich bezüglich des Ausgangs der Jagd. Und Leone benutzt diese Jagd einmal mehr, um sowohl seinen Stil zu verfeinern, als auch um dem klassischen Western und seiner idyllischen Darstellung des Helden den Garaus zu machen.

Dabei stellt El Indio einen gewalttätigen Psychopathen dar, Mortimer, der vordergründig als nichts anderes als ein in gute Kleider gesteckter Kopfgeldjäger erscheint, ist ein intelligenter, kühl kalkulierender Mann und Monco ist einmal mehr einer, der angesichts der Brutalisierung einer Gesellschaft, in der ein Leben keinen Pfifferling wert ist, sein Glück im Jagen von Gesetzlosen sieht und dieses Ziel ebenso listig wie skrupellos verfolgt. Für alle drei scheint auf jede Art erzieltes Geld der einzige Lebenszweck zu sein.

Zu den schönsten, ganz in Leones Stil gedrehten Szenen gehören u.a. das Scheinduell zwischen Monco und Mortimer, bei dem man zunächst nicht weiß, wie es ausgeht und dass es in einem Vertrag mündet, an den beide sich später nur vage halten; eine Szene, in denen sich beide durch ein Fernglas über die Straße aus ihren Hotels beobachten; die Schlussszene des Duells zwischen Monco, Mortimer und El Indio, die u.a. über Mortimers Motive der Verfolgung von El Indio Aufschluss gibt. besser als der erste Teil und ebenfalls ein Meisterwerk.

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universum Film

Sonntag, 24. Februar 2013

Per Un Pugno Di Dollari - A Fistful Of Dollars - Für eine Handvoll Dollar (1964)

http://www.imdb.com/title/tt0058461/

In dem abgelegenen Dorf San Miguel in New Mexico werden die Einwohner von zwei rivalisierenden Gangsterfamilien, den angloamerikanischen Baxters und den mexikanischen Rojos, terrorisiert. Ein einsamer, schießfertiger Reiter (‘Joe’, gespielt von Clint Eastwood) kommt in das Dorf und bietet beiden Familien an, für sie zu arbeiten. Er kassiert von beiden eine ansehnliche Bezahlung. Der Anführer der Rojos, Ramón (Gian Maria Volonté) entdeckt den Betrug und lässt Joe brutal foltern. Joe gelingt die Flucht. Die Rojos schlachten daraufhin die Baxters ab, weil sie sie verdächtigen, Joe zu verstecken. In einer aufgelassenen Mine erholt sich Joe und kehrt nach San Miguel zurück, um mit den Rojos, speziell mit Ramón, abzurechnen.


Sergio Leone hat mit "Für eine Handvoll Dollar" den Western auf den Kopf gestellt - und damit das Genre des Italowestern erst begründet. Natürlich wurden schon vorher Western in Europa gedreht. Spanien war von den Amis als kostengünstiger Drehort entdeckt worden. Es entstand eine Reihe von B-Western in amerikanisch-spanischer Co-Produktion. Schon bald mischten die Italiener mit. Vor Leones Quantensprung waren 25 Italowestern entstanden, die sich aber vollständig am amerikanischen Vorbild mit glatt rasierten und moralisch integren Helden orientierten. Bei Leone war alles anders. Als Regisseur war er zwar kein Nobody mehr, aber allzu viel Vertrauen hatten die Produzenten nicht. Was sich im Budget des Films widerspiegelte. Es gab halt nur eine Handvoll Lire. Leone hatte als Second-Unit-Regisseur bei großen Hollywood-Produktionen wie "Ben Hur" und "Quo Vadis" Erfahrungen gesammelt, mit "Die letzten Tage von Pompeii" und "Der Koloss von Rhodos" bereits zwei Filme selbst gedreht. Doch jetzt wollte er offenbar eingetretene Pfade verlassen.

"Für eine Handvoll Dollar" war nur das Nebenprodukt, eine Art Resteverwertung eines anderen Westerns. Doch Die letzten Zwei vom Rio Bravo von Mario Caiano mit dem auch schon damals nicht mehr allzu hell strahlenden US-Star Rod Cameron ist heute so gut wie vergessen. Leone wollte mit seinem Film den japanischen Streifen "Yojimbo - Der Leibwächter" von Akira Kurosawa in ein Westernszenario überführen. John Sturges hatte das mit "Die glorreichen Sieben" nach Kurosawas "Die sieben Samurai" erfolgreich vorgemacht. Leone und seine Produzenten hatten sich jedoch nicht um die Rechte gekümmert. Vielleicht dachten sie ja, der Japaner würde den Film ohnehin nie zu sehen bekommen. Bekam er aber. Und schickte seine Anwälte. Die Einigung sicherte Kurosawa die Rechte für den asiatischen Raum. Womit er schließlich mehr verdienen sollte, als mit seinen eigenen Film.

Egal wie billig die Produktion war, sie brauchte einen amerikanischen Hauptdarsteller. Schon damals dachte Leone an Henry Fonda oder Charles Bronson. Fonda war viel zu teuer. Bronson hielt das Drehbuch für das schlechteste, das man ihm je anzubieten gewagt hätte. Egal. Clint Eastwood schlug zu und begnügte sich mit 15.000 Dollar Gage. Immerhin bekam er eine kostenlose Überfahrt nach Old Europe und ein paar Wochen Spanienurlaub. Eastwood war bis dahin nur als Cowboy Rowdy Yates in der TV-Westernserie "Tausend Meilen Staub" bekannt geworden, hatte von diesem Staub aber genug in die Nase bekommen. Er wollte mal was anderes machen. Und da kam Leones radikales Experiment offenbar ganz recht. Eastwoods Einfluss auf den Film und seine Stilelemente sind dabei nicht zu verachten. Schon damals hat er also dem Kino wichtige Impulse verliehen. Gesichert ist, dass er seine Pistole samt Gurt vom "Tausend Meilen Staub"-Set mitbrachte. Auch Schaffelljacke, Hemd und Jeans soll er selbst besorgt haben. Strittig ist, ob er auch den ikonischen Poncho mitbrachte. Hoch anzurechen ist ihm jedenfalls die Opferbereitschaft, mit der er als Nichtraucher virtuos seine Zigarillos zwischen den Zähnen hin und herrollen lässt. In den 60ern galt das als obercool. Eastwoods schlaksige Figur, der langsame Gang, die lakonische Sprechweise, die sparsame aber betont und exakt auf den Punkt gebrachte Mimik kreierten einen völlig neuen Typus von Westernhelden jenseits allen Edelkitsches Hollywoods. Man hätte seiner Figur abgenommen, nur mit Blicken töten zu können. Eastwood kürzte auch seinen Drehbuchtext teils drastisch ein, um seine Figur noch mysteriöser zu gestalten. Im Kontrast zur zurückhaltenden Darstellung des Amerikaners lag die gelegentlich ausufernde Theatralik des italienischen Theaterschauspieler Gian Maria Violonté als Ramon Rojo. Der 1994 mit 61 Jahren viel zu früh verstorbene Schauspieler war einer der größten Charakterdarsteller Italiens (Sacco und Vanzetti, Luck Luciano, Christus kam nur bis Eboli). Und sollte noch manchem Highlight des Genres sein markantes Gesicht verleihen. In einer Nebenrolle als Marisol brilliert auch Marianne Koch. Heute eher als engagierte Ärztin bekannt, war sie damals einer der beliebtesten Filmstars Deutschlands, wenn auch auf eher seichte Stoffe und Heimatfilme abonniert. Zu der Rolle in Leones Film hatte sie auch erst getragen werden müssen. Doch noch Jahrzehnte später erinnerte sie sich mit viel Freude an dieses Erlebnis, wie sie mir am Rande eines Interviews zu einem anderen Thema vor etlichen Jahren verriet.

Schon in der ersten Szene wird klar, dass Sergio Leone hier keinen klassischen Western abliefern wollte. Sein Held reitet kein stolzes Ross, sondern einen alten Klepper, einen Maulesel. Er trägt einen Dreitagebart, seine Klamotten sind alt, zerschlissen und dreckig. Ein Look, der realistischer wirken sollte. Auf seine Art aber auch nur einen neuen Mythos schuf, eben einen dreckigeren. Der Fremde beobachtet ungerührt, wie das Kind von Marisol misshandelt und ihr Mann verprügelt wird. Ein strahlender Hollywood-Held hätte einschreiten müssen. Doch der Fremde ist nicht nur ein Mann ohne Namen, sondern auch ohne Moral. Für ihn zählt nur sein eigener Vorteil, und das am besten in Gold und Dollar. Das wird nur durchbrochen, als er Marisols Familie zur Flucht verhilft. Die Zwischenhandlung um Marisols "heilige Familie" - ihr Sohn heißt Jesus, ihr Mann Jakob - wirkt in diesem Sujet seltsam fehl am Platz. Sie erklärt sich nur im Zusammenhang mit der durchgängigen christlichen Ikonographie. Denn nur in einem katholischen Land wie Italien konnte ein solcher Film entstehen. Ein Gelage im Hof der Rojos erinnert nicht zufällig an Da Vincis Abendmahl. An dessen Ende beginnt die Passionsgeschichte des Fremden, als er gefasst und gefoltert wird. Dass er, der Totgeglaubte, am Ende wie zu Ostern aufersteht, schließt sich nahtlos an. Das Auftauchen aus einer Staubwolke verdichtet den mythologischen Gehalt der Szene. Der Held als von den Toten Wiederkehrender - auch dies wird zum Topos etlicher filmischer Nachfolger. Viele Szenen spielen auf Friedhöfen, Kreuze und Särge gehören zum wesentlichen Inventar. Doch damit haben sich Leones filmische Mittel längst nicht erschöpft. Spannung baut er betont langsam auf, auch dies war zuvor so noch nicht gesehen worden. Gefühlt minutenlang wechseln sich Gesichter in Großaufnahmen mit Details von noch in Halftern steckenden Revolvern ab, bis die Action explodiert und die Leichen durch die Gegend fliegen. Damals bedeutete "Für eine Handvoll Dollar" auch in der Gewaltdarstellung einen Dammbruch.

Dann wieder gibt es reine Actionszenen. Alle zehn Minuten passiert irgendetwas, damit niemals Langeweile aufkommt. Das aber ist auch die größte Schwäche dieses ersten Teils der Dollar-Trilogie. Der Rhythmus wirkt mitunter holprig. Und wegen des geringen Budgets wurden Nachtszenen am Tage gedreht, aber mit so einfachen Filtern, dass es allzu deutlich wird. Doch das ist schon alles, was negativ ins Gewicht fällt. Das Schlussduell unterscheidet sich in seinem Aufbau ebenfalls stark von den klassischen Vorbildern. Es hat noch nicht den vollendeten Kreischarakter wie etwa in Zwei glorreiche Halunken, deutet dies aber schon an. Das finale Sterben ist große Oper und erinnert eher an Verdi als an Ford. Doch ob "Für eine Handvoll Dollar" ohne das Soundesign und die Musik Ennio Morricones ein solcher Erfolg geworden wäre, mag bezweifelt werden. Auch Morricone ging hier, in enger Abstimmung mit Leone, neue Wege. Statt eines orchestralen oder folkloristischen Sounds verband er Geräusche von Peitschen, Schüssen und Glocken, die monotonen Klänge einer Maultrommel, Pfeifen und menschliche Stimmen zu einer ganz eigenen und einzigartigen Musik, die den Szenen besondere emotionale Tiefe verliehen. Besonders intensiv mit dem Trompetenklang in Duellszenen, die sich an das mexikanische Todeslied, dem Deguelleo aus John Fords Rio Bravo anlehnten. Auch die Geräusche haben dramaturgische Bedeutung. Die Pistolenschüsse klingen wie Gewehre, Gewehrschüsse wie Kanonen. Alles, auch das Wiehern der Pferde oder das Krähen eines Hahns, verbindet sich mit der Musik zu einer Symphonie des Todes. Effekte, die beim zweiten Teil der Dollar-Trilogie, "Für ein paar Dollar mehr", noch stärker zum tragen kommen sollten.

Sergio Leone schuf mit diesem ersten Film der Dollar-Trilogie noch kein Meisterwerk. Die sollten folgen. "Für eine Handvoll Dollar" war ein Anfang, und als solcher ein Meilenstein der Filmgeschichte. Trotz kleinerer Schwächen sollte ihn sich kein Westernfan entgehen lassen. Für filmhistorisch interessierte ohnehin ein Muss.

9/10 

Quellen
Inhaltsangabe: Universum Film