http://www.imdb.com/title/tt0083658/
In der Zukunft im Jahr 2019 sieht die
Erde nicht mehr so aus, wie wir
sie heute kennen. Die Menschheit wird von Dauerregen heimgesucht und die
Städte sind dreckig und viel zu dicht besiedelt. Tiere gibt es fast
keine mehr, dafür umso mehr künstliche Wesen. Einen Lichtschimmer bringt
der Ausblick auf das Leben auf einem fremden Planeten, der bald
bevölkert werden soll und durch sogenannte Replikanten gefunden wurde.
Diese verfügen über große Kräfte und entwickeln von alleine Gefühle,
sodass sie nur bis zu vier Jahre alt werden können. Außerdem ist es
ihnen verboten, die Erde zu betreten. Inmitten dieser Welt lebt Rick
Deckard (Harrison Ford),
der als Blade Runner die Aufgabe hat, Replikanten aufzuspüren und sie
anschließend auszulöschen. Eigentlich hat Deckard vor, seinen Job
aufzugeben, doch muss er noch einen letzten Auftrag ausführen. Fünf
Replikanten unter der Führung von Roy Batty (Rutger Hauer) und dessen
Freundin Pris (Daryl Hannah) befinden sich in einem gestohlenen
Raumschiff auf dem Weg zur Erde. Zusammen mit seinem zwielichtigen
Kollegen Gaff (Edward James Olmos) soll er sie finden und 'in den
Ruhestand versetzen'. Während seinen Ermittlungen trifft Deckard auf
Rachael (Sean Young) und verliebt sich in sie. Doch dann kommt er
dahinter, dass sie selbst auch eine Replikantin ist.
In den früheren Rezensionen von Ridley Scotts "Blade Runner" schrieb ich: "Ridley Scotts Neo-Noir-Drama "Blade Runner" ist ein unvergleichliches Beispiel für sich selbst treues
Geschichtenerzählen. Erzählen einer Geschichte über die Freiheit des
Individuums und die Arroganz des Menschen. Angenommen der Mensch wäre
nun auch Schöpfer, an dieser Grundlage orientiert sich die düster
inszenierte Auseinandersetzung. In von Licht- und Schatten geprägten Bildern verläuft sich die
Handlung von einer Geschichte über einen Jäger, dem "Blade Runner",
anfangs noch dem Plot und Trott einer Kriminalfilmhandlung folgend,
schließlich zu einer weit tiefgreifenderen Geschichte, jenseits von Gut
und Böse.". Diese Aussage wird auch die erneute Sichtung in der letzten, finalen Version nicht ändern. "Blade Runner" sieht nun noch fabelhafter aus und benutzt grandiose Spezialeffekte, um eine eigene neue Welt zu schaffen. Vieles in dem Film dreht sich darum, wer ein Mensch ist und wer nicht, und was es überhaupt bedeutet, ein Mensch zu sein. Sogar eine Figur, von der wir mit Sicherheit annehmen können, dass sie menschlich ist, der Reptilianer Tyrell, Chef des gleichnamigen Konzerns, der Replikanten herstellt, könnte ein Replikant sein. Und über den Helden Deckard (Harrison Ford) können wir mit Sicherheit nur sagen, dass Regisseur Ridley Scott in verschiedenen Versionen seines Films Hinweise hinterlassen hat, mit denen sich beweisen lässt, dass Deckard ein Mensch ist - oder ein Replikant.
Doch was ist ein Replikant? Das wurde bisher noch gar nicht besprochen. Es ist ein Tribut an den Einfluss und die Reichweite von "Blade Runner", dass 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung praktisch jeder, der dies liest, über Replikanten Bescheid weiß. Es ist ein bahnbrechender Film, der auf älteren Klassikern wie "Metropolis" (1926) aufbaut, aber einen allgegenwärtigen Blick in die Zukunft entwirft, der die Science-Fiction-Filme seither beeinflusst hat. Seine wichtigsten Vermächtnisse sind: Gigantische Weltkonzerne, Umweltzerfall, Überbevölkerung, technologischer Fortschritt an der Spitze, Armut oder Sklaverei an der Basis - und seltsamerweise fast immer eine Vision des Film Noir. "Dark City", "Total Recall", "12 Monkeys" oder "Gattaca" an - sie alle sind "nur" Nachkommen. Die größte Änderung, die Scott in früheren Versionen vorgenommen hat, war das Streichen der Voice-Over-Erzählung aus dem Original von 1982. Die von Ford gesprochene und von Philip Marlowe kanalisierte Erzählung erklärte die Dinge im Namen eines Studios, das nervös war, dass der Zuschauer den Film nicht verstehen würdn. Da ein Großteil des Interesses an dem Film durch etwas erzeugt wurde, von dem sie nicht sicher waren, ob es verstanden werden würde, stellte sich dies als unproblematisch heraus. Das Ende wurde von düster über romantisch bis hin zu existenziell auf eine Auswahl der oben genannten Aspekte abgestimmt, und Aufnahmen kamen und gingen.
Scott hat der Versuchung widerstanden, zurück zu gehen und analoge Spezialeffekte durch neue GCI-Arbeiten zu ersetzen (was viele Fans von George Lucas' "Star Wars" auf die Plame brachte) und hat Douglas Turnbulls virtuose Original-Spezialeffekte beibehalten, während er gleichzeitig Bild und Ton verbessert, restauriert, gereinigt und geschrubbt hat, so dass der Film einen höheren technischen Standard widerspiegelt als je zuvor. Aber die Geschichte profitiert auch davon, dass sie mehr in ihrer Welt zu leben scheint, als dass sie auf ihr liegt. Die Handlung folgt Deckard, einem "Blade Runner", der den Auftrag hat, sechs rebellische Replikanten aufzuspüren und zu töten, die illegal aus Off-Welten auf die Erde zurückgekehrt sind und sich vermutlich in Los Angeles befinden. (Tatsächlich handelt der Film jedoch nie von mehr als fünf Replikanten, es sei denn, Deckard könnte, wie oft spekuliert wird, der sechste sein). Replikanten sind Androiden, die "mehr Mensch als Mensch" sind, hergestellt, um auf Erdkolonien qualifizierte Sklavenarbeit zu verrichten. Sie werden voll ausgebildet geboren, mit künstlichen Erinnerungen an ihre "Vergangenheit" versorgt und brechen nach vier Jahren zusammen, weil sie nach diesem Zeitpunkt so klug sind, dass sie dazu neigen, menschliche Emotionen und Gefühle zu entwickeln, und die Kühnheit besitzen, sich selbst für menschlich zu halten. Vieles davon stammt aus der Originalgeschichte von Philip K. Dick, "Do Androids Dream of Electric Sheep?".
Da Replikanten im Allgemeinen nicht wissen, dass sie Replikanten sind, kann es in ihrem Leben eine echte Tragödie geben. Das Mitgefühl des Zuschauers gilt insbesondere einer Person, Rachael (Sean Young), die sich in eine Romanze mit Deckard verwickelt sieht. Er liebt sie, obwohl er Grund zu der Annahme hat, dass sie ein Replikant ist, aber ein sehr guter, fast unmöglich zu entdecken. Es stellt sich dem Zuschauer die Frage: Warum hat die Tyrell Corporation ihre Androiden so lebensecht gemacht hat. Warum ihnen nicht vier Arme geben und mehr Arbeitskraft aus ihnen herausholen? Besteht die verborgene Möglichkeit, dass Tyrells langfristiger Plan darin besteht, die Menschen ganz zu ersetzen? Ist die ganze Kapriole des "Blade Runner" nur ein Deckmantel für seinen Plan? Aber das ist egal. Was für den Zuschauer zählt, ist, dass die Grundregeln vorhanden zu sein scheinen und in einer der außergewöhnlichsten Welten gelten, die je in einem Film geschaffen wurden.
Der Himmel ist in diesem Los Angeles der Zukunft immer dunkel und schmutzig. Normalerweise regnet es. Die Infrastruktur sieht aus wie heute, nur älter und überfüllter und mit riesigen Zeppelinen, einzelnen fliegenden Autos und turmhohen Gebäuden von unvorstellbarer Größe. Beeindruckend sind die riesigen Werbetafeln mit sich bewegenden, sprechenden Gesichtern, auf denen für Coca-Cola und andere Produkte geworben wird. Heute sind diese fast Allgegenwärtig. Die "menschliche Geschichte" beinhaltet praktische Tests, um festzustellen, ob eine Person ein Replikant ist oder nicht, und unpraktische Tests (wie z.Bsp. Liebe), um festzustellen, wie wichtig das für Menschen ist, wenn sie in einen Replikanten verliebt sind, und Replikanten, wenn sie wissen, dass sie Replikanten sind. Dies war schon immer ein erfundenes Problem, das in praktischer Hinsicht leicht zu vermeiden ist, es sei denn, die Tyrell Corporation hat mehr als ein As im Ärmel. Aber über Handlungslogik zu stolpern, erscheint absurd in einem Film, in dem es mehr um Visionen geht. Und es ist nach wie vor faszinierend, wie der Film Noir, ein Genre, das in den 1940er Jahren geboren wurde, einen solchen Einfluss auf die Zukunft hat. Ridley Scott ist ein beachtlicher Regisseur, der keine kleinen Weltemn schafft. Er hat die Gabe, Handlungen in großem Maßstab verständlich erscheinen zu lassen. "Blade Runner" ist sicher keine leichte Kost und es ist nur verständlich, wenn man nicht sofort Zugang zu diesem Werk findet. Wenn man sich nu die Frage stellt, warum Ridley Scott weiter an ihm herumgebastelt und nun seine fünfte Version herausgebracht hat, kommt man nicht umhin, zu denken, dass dies nur menschlich ist.
"I've seen things you people wouldn't believe. Attack
ships on fire off the shoulder of Orion. I watched c-beams glitter in
the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."
10/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
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Montag, 14. September 2020
Blade Runner (The Final Cut) (1982)
Donnerstag, 5. Oktober 2017
Blade Runner 2049 (2017)
http://www.imdb.com/title/tt1856101/
Im Jahr 2023 wird die Herstellung von Replikanten – künstlichen Menschen, die zum Einsatz in den Weltall-Kolonien gezüchtet werden – nach mehreren schwerwiegenden Vorfällen verboten. Als der brillante Industrielle Niander Wallace (Jared Leto) ein neues, verbessertes Modell, den "Nexus 9", vorstellt, wird die Produktion 2036 jedoch wieder erlaubt. Um ältere und somit nicht zugelassene Replikanten-Modelle, die sich auf der Erde verstecken, aufzuspüren und zu eliminieren, ist weiterhin die sogenannte "Blade Runner"-Einheit des LAPD im Einsatz, zu der auch K (Ryan Gosling) gehört. Bei seiner Arbeit stößt K auf ein düsteres, gut gehütetes Geheimnis von enormer Sprengkraft, das ihn auf die Spur eines ehemaligen Blade Runners bringt: Rick Deckard (Harrison Ford), der vor 30 Jahren aus Los Angeles verschwand...
1982 brachte Regisseur Ridly Scott einen Science-Fiction-Thriller in die Kinos, der so visionär, so bahnbrechend, optisch brillant und hochgradig philosophisch war, dass das Publikum den Film mit eher mäßigen Kritiken abstrafte, weil es für so eine Art von Film ganz offensichtlich noch nicht bereit war. Auch ein nicht unerheblicher Teil der namhaften Kritiker hinterließen eher mittelmäßige Rezensionen und auch die Einspielergebnisse der Kinos blieben äußerst verhalten. "Blade Runner" hieß dieser Film, dessen Genialität erst viele Jahre später erkannt und entsprechend gewürdigt wurde und von dem es satte 5 Versionen gibt. Über die bis heute unzählige Genre-Beiträge prägende Gestaltung des futuristischen Los Angeles herrschte Einigkeit, während sich andere an der spürbaren emotionalen Kälte der Geschichte störten oder vom aufdringlichen Voice-Over des Protagonisten Deckard (verkörpert durch Harrison Ford) irritiert waren. "Blade Runner" war einfach ein audiovisueller Meilenstein, dessen Zusammenspiel von Akustik und Optik in Perfektion harmonierten. Seiner Zeit meilenweit voraus, reifte die intelligente Zukunftsvision über die Jahre zum Kultfilm und dem vielleicht relevantesten Genre-Werk überhaupt. Mit Themen wie dem technologischen Fortschritt, der revolutionären Gentechnik und der zunehmenden Macht von Großkonzernen ist der Inhalt heute sogar aktueller als zur Zeit der Erstaufführung.
2017 und knapp 35 Jahre später macht sich nun der kanadische Regisseur Denis Villeneuve auf, in die Fußstapfen Scotts zu treten und in "Blade Runner 2049" die Ursprungsgeschichte zugleich fortzusetzen und dieser ein modernes, sowohl optisch als auch Noir-lastiges Update zu verpassen. Und wer sich bereits im Vorfeld optimal auf das Werk einstellen will, dem sei übrigens die Sichtung der drei veröffentlichten Kurzfilme "2036: Nexus Dawn", "2048: Nowhere To Run" und vor allem des die Zwischenhandlung erklärenden Animes "Blade Runner Black Out 2022" empfohlen, die das auch so schlüssige Werk zusätzlich bereichern.
In einer Zeit, in der
3D-Drucker, Künstliche Intelligenz und selbstfahrende Autos nicht mehr nur der Phantasie von Enthusiasten entspringen, sondern sich infolge der
Digitalisierung immer stärker in das Leben der Menschen drängen,
inszeniert Ausnahmetalent Denis Villeneuve mit "Blade Runner 2049" weit mehr als einen
futuristisch angehauchten Blockbuster. Wie schon in Ridley Scotts
Vorgänger wird hier das Grundgerüst von einer dystopischen und daher melancholischen
Noir-Atmosphäre bestimmt und die ambitionierte, sehr ruhig erzählte Geschichte in Form einer
klassischen Detektivstory präsentiert. Allerdings sollte der Zuschauer keinesfalls
den Fehler begehen und lediglich auf die Entwicklung der etwas vorhersehbaren, gradlinigen, aber spannend erzählten Handlung
schauen. Allein die sagenhaften Bilder von Kameramann Roger Deakins vermitteln noch eine ganz andere Ebene. So beispielsweise,
wenn das nächtliche Los Angeles wie eine flache und allein dem Zweck
dienende Leiterplatine erscheint, in deren Schluchten das Aufleuchten von
Neon-Reklame schwache Lebensfunken signalisieren und lediglich die Firmensitze wie
gigantische, finstere Türme in den Himmel ragen. Die Stadt symbolisiert die
westliche Welt und in dieser Welt sind selbst menschliche Freuden beinahe ausschließlich nur
noch digitaler Natur. Der einsame K (Ryan Gosling) etwa findet seinen privaten
Ausgleich bei dem intelligenten und mit emotionalen Ausprägungen
ausgestatteten Hologramm Joi (Ana de Armas). Es ist ein Trugbild, mit
dem sich der Replikant ein winziges Stück Glück gönnt und das von seiner
Perspektive einer wahren Liebe gleicht, ähnlich wie auch die in Spike
Jonzes großartiger Sci-Fi-Romanze "Her" von Scarlett Johansson
gesprochene Samatha. In einer wunderbar sinnlich gestalteten Szene wird
ein intimer Wunsch K's kurz gar physische Realität. Es ist eine der intensivsten Szenen im Film und man starrt gebannt auf die Szenerie, die so surreal und gleichzeitig phantastisch ist, dass es einem den Atem verschlägt.
In dem auf dem Roman "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick basierenden Original spielten auch in "Blade Runner 2049" Träume und das Unterbewusstsein eine tragende Rolle. Um seinen Geschöpfen menschliche Eigenschaften zu verleihen, musste der gottgleiche Dr. Eldon Tyrell (1982 gespielt von Joe Turkel) diese mit Erinnerungen füttern, deren Kenntnis zugleich ihrer Detektion nützen konnte. Hier ist es Jared Leto als Niander Wallace, der als Hauptfigur im Hintergrund agiert, dessen Auftritt aber umso bedrohlicher wirkt. Hier leistet Leto einmal mehr einen guten Job und spielt seinen Charakter unglaublich stark. Aber auch die Leistungen von Ryan Gosling, Ana de Armas, Robin Wright und besonders Sylvia Hoeks als Handlangerin/Gegenspielerin Luv sind grandios in diesem wortkargen und trotzdem vielsagenden Krimi-Thriller.
Der Score von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer ist beinahe über jeden Zweifel erhaben. Er muss sich eben gefallen lassen, dass er zwangsläufig mit dem kongenialen Vangelis-Score des 1982er Originals verglichen wird, der ohne jeden Zweifel erhaben und damit unerreicht ist. Es ist trotzdem ein großartiger Soundtrack, düster, basslastig, bei dem sphärische, sanfte, langgezogene und warme Klänge dominieren, der auch viele Themen von Vangelis aufgreift, diese nach 2017 transportiert und den Film verdammt genial begleitet.
"Blade Runner 2049" lädt die Zuschauer zu einer Reise zu den
Ursprüngen dieser Träume und Erinnerungen ein, die auch eine Reise zu
den Wurzeln der Menschlichkeit ist. Sind es lediglich
die wenigen Aminosäuresequenzen, die einen Menschen von einem Individuum aus dem
Labor trennen, oder ist es womöglich das Vorhandensein einer Seele?
Doch wenn es eine Seele gibt, wo sitzt sie und woher kommt sie? Mit
diesen spannenden Fragen und mehr sieht man sich konfrontiert, wenn man
sich das bildgewaltige und sorgfältig erzählte Werk im Kino anschaut.
Wer dagegen nur ein retromanisches Treffen der Generationen mit spektakulären Effekten und Daueraction erwartet, wird
sich während der knapp 163-minütigen Laufzeit vermutlich unbefriedigt den
Hintern plattsitzen. Freilich kommt es auch in "Blade Runner 2049" auch zu
brutalen Kämpfen, peitschenden, urplötzlichen, lautstarken Gewaltausbrüchen und adrenalinhaltigen Höhepunkten. Allerdings sind
diese Momente nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ergeben sich homogen
aus der epischen Geschichte. Denis Villeneuve vollbringt
mit seinem nicht minder betörenden Sequel zwar nicht das eigentlich
ohnehin unmögliche Kunststück, Ridley Scotts zeitlosen Klassiker in den
Schatten zu stellen, doch seine enorm starke und passionierte Vision
verbeugt sich einerseits ergeben vor seinem Schöpfer und schreitet
andererseits selbstbewusst in eine düstere Zukunft gerichteten
Pfad weiter. Am Ende bleibt ein kurz aufflackerndes Licht der Hoffnung. Und einer der besten
Filme eines insgesamt famosen Kinojahres.
9,5/10
Von SONY Pictures kommt der Film in 4K Ultra HD im limitierten Steelbook:
Im Jahr 2023 wird die Herstellung von Replikanten – künstlichen Menschen, die zum Einsatz in den Weltall-Kolonien gezüchtet werden – nach mehreren schwerwiegenden Vorfällen verboten. Als der brillante Industrielle Niander Wallace (Jared Leto) ein neues, verbessertes Modell, den "Nexus 9", vorstellt, wird die Produktion 2036 jedoch wieder erlaubt. Um ältere und somit nicht zugelassene Replikanten-Modelle, die sich auf der Erde verstecken, aufzuspüren und zu eliminieren, ist weiterhin die sogenannte "Blade Runner"-Einheit des LAPD im Einsatz, zu der auch K (Ryan Gosling) gehört. Bei seiner Arbeit stößt K auf ein düsteres, gut gehütetes Geheimnis von enormer Sprengkraft, das ihn auf die Spur eines ehemaligen Blade Runners bringt: Rick Deckard (Harrison Ford), der vor 30 Jahren aus Los Angeles verschwand...
1982 brachte Regisseur Ridly Scott einen Science-Fiction-Thriller in die Kinos, der so visionär, so bahnbrechend, optisch brillant und hochgradig philosophisch war, dass das Publikum den Film mit eher mäßigen Kritiken abstrafte, weil es für so eine Art von Film ganz offensichtlich noch nicht bereit war. Auch ein nicht unerheblicher Teil der namhaften Kritiker hinterließen eher mittelmäßige Rezensionen und auch die Einspielergebnisse der Kinos blieben äußerst verhalten. "Blade Runner" hieß dieser Film, dessen Genialität erst viele Jahre später erkannt und entsprechend gewürdigt wurde und von dem es satte 5 Versionen gibt. Über die bis heute unzählige Genre-Beiträge prägende Gestaltung des futuristischen Los Angeles herrschte Einigkeit, während sich andere an der spürbaren emotionalen Kälte der Geschichte störten oder vom aufdringlichen Voice-Over des Protagonisten Deckard (verkörpert durch Harrison Ford) irritiert waren. "Blade Runner" war einfach ein audiovisueller Meilenstein, dessen Zusammenspiel von Akustik und Optik in Perfektion harmonierten. Seiner Zeit meilenweit voraus, reifte die intelligente Zukunftsvision über die Jahre zum Kultfilm und dem vielleicht relevantesten Genre-Werk überhaupt. Mit Themen wie dem technologischen Fortschritt, der revolutionären Gentechnik und der zunehmenden Macht von Großkonzernen ist der Inhalt heute sogar aktueller als zur Zeit der Erstaufführung.
2017 und knapp 35 Jahre später macht sich nun der kanadische Regisseur Denis Villeneuve auf, in die Fußstapfen Scotts zu treten und in "Blade Runner 2049" die Ursprungsgeschichte zugleich fortzusetzen und dieser ein modernes, sowohl optisch als auch Noir-lastiges Update zu verpassen. Und wer sich bereits im Vorfeld optimal auf das Werk einstellen will, dem sei übrigens die Sichtung der drei veröffentlichten Kurzfilme "2036: Nexus Dawn", "2048: Nowhere To Run" und vor allem des die Zwischenhandlung erklärenden Animes "Blade Runner Black Out 2022" empfohlen, die das auch so schlüssige Werk zusätzlich bereichern.
In einer Zeit, in der
3D-Drucker, Künstliche Intelligenz und selbstfahrende Autos nicht mehr nur der Phantasie von Enthusiasten entspringen, sondern sich infolge der
Digitalisierung immer stärker in das Leben der Menschen drängen,
inszeniert Ausnahmetalent Denis Villeneuve mit "Blade Runner 2049" weit mehr als einen
futuristisch angehauchten Blockbuster. Wie schon in Ridley Scotts
Vorgänger wird hier das Grundgerüst von einer dystopischen und daher melancholischen
Noir-Atmosphäre bestimmt und die ambitionierte, sehr ruhig erzählte Geschichte in Form einer
klassischen Detektivstory präsentiert. Allerdings sollte der Zuschauer keinesfalls
den Fehler begehen und lediglich auf die Entwicklung der etwas vorhersehbaren, gradlinigen, aber spannend erzählten Handlung
schauen. Allein die sagenhaften Bilder von Kameramann Roger Deakins vermitteln noch eine ganz andere Ebene. So beispielsweise,
wenn das nächtliche Los Angeles wie eine flache und allein dem Zweck
dienende Leiterplatine erscheint, in deren Schluchten das Aufleuchten von
Neon-Reklame schwache Lebensfunken signalisieren und lediglich die Firmensitze wie
gigantische, finstere Türme in den Himmel ragen. Die Stadt symbolisiert die
westliche Welt und in dieser Welt sind selbst menschliche Freuden beinahe ausschließlich nur
noch digitaler Natur. Der einsame K (Ryan Gosling) etwa findet seinen privaten
Ausgleich bei dem intelligenten und mit emotionalen Ausprägungen
ausgestatteten Hologramm Joi (Ana de Armas). Es ist ein Trugbild, mit
dem sich der Replikant ein winziges Stück Glück gönnt und das von seiner
Perspektive einer wahren Liebe gleicht, ähnlich wie auch die in Spike
Jonzes großartiger Sci-Fi-Romanze "Her" von Scarlett Johansson
gesprochene Samatha. In einer wunderbar sinnlich gestalteten Szene wird
ein intimer Wunsch K's kurz gar physische Realität. Es ist eine der intensivsten Szenen im Film und man starrt gebannt auf die Szenerie, die so surreal und gleichzeitig phantastisch ist, dass es einem den Atem verschlägt.In dem auf dem Roman "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick basierenden Original spielten auch in "Blade Runner 2049" Träume und das Unterbewusstsein eine tragende Rolle. Um seinen Geschöpfen menschliche Eigenschaften zu verleihen, musste der gottgleiche Dr. Eldon Tyrell (1982 gespielt von Joe Turkel) diese mit Erinnerungen füttern, deren Kenntnis zugleich ihrer Detektion nützen konnte. Hier ist es Jared Leto als Niander Wallace, der als Hauptfigur im Hintergrund agiert, dessen Auftritt aber umso bedrohlicher wirkt. Hier leistet Leto einmal mehr einen guten Job und spielt seinen Charakter unglaublich stark. Aber auch die Leistungen von Ryan Gosling, Ana de Armas, Robin Wright und besonders Sylvia Hoeks als Handlangerin/Gegenspielerin Luv sind grandios in diesem wortkargen und trotzdem vielsagenden Krimi-Thriller.
Der Score von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer ist beinahe über jeden Zweifel erhaben. Er muss sich eben gefallen lassen, dass er zwangsläufig mit dem kongenialen Vangelis-Score des 1982er Originals verglichen wird, der ohne jeden Zweifel erhaben und damit unerreicht ist. Es ist trotzdem ein großartiger Soundtrack, düster, basslastig, bei dem sphärische, sanfte, langgezogene und warme Klänge dominieren, der auch viele Themen von Vangelis aufgreift, diese nach 2017 transportiert und den Film verdammt genial begleitet.
"Blade Runner 2049" lädt die Zuschauer zu einer Reise zu den
Ursprüngen dieser Träume und Erinnerungen ein, die auch eine Reise zu
den Wurzeln der Menschlichkeit ist. Sind es lediglich
die wenigen Aminosäuresequenzen, die einen Menschen von einem Individuum aus dem
Labor trennen, oder ist es womöglich das Vorhandensein einer Seele?
Doch wenn es eine Seele gibt, wo sitzt sie und woher kommt sie? Mit
diesen spannenden Fragen und mehr sieht man sich konfrontiert, wenn man
sich das bildgewaltige und sorgfältig erzählte Werk im Kino anschaut.
Wer dagegen nur ein retromanisches Treffen der Generationen mit spektakulären Effekten und Daueraction erwartet, wird
sich während der knapp 163-minütigen Laufzeit vermutlich unbefriedigt den
Hintern plattsitzen. Freilich kommt es auch in "Blade Runner 2049" auch zu
brutalen Kämpfen, peitschenden, urplötzlichen, lautstarken Gewaltausbrüchen und adrenalinhaltigen Höhepunkten. Allerdings sind
diese Momente nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ergeben sich homogen
aus der epischen Geschichte. Denis Villeneuve vollbringt
mit seinem nicht minder betörenden Sequel zwar nicht das eigentlich
ohnehin unmögliche Kunststück, Ridley Scotts zeitlosen Klassiker in den
Schatten zu stellen, doch seine enorm starke und passionierte Vision
verbeugt sich einerseits ergeben vor seinem Schöpfer und schreitet
andererseits selbstbewusst in eine düstere Zukunft gerichteten
Pfad weiter. Am Ende bleibt ein kurz aufflackerndes Licht der Hoffnung. Und einer der besten
Filme eines insgesamt famosen Kinojahres.9,5/10
Von SONY Pictures kommt der Film in 4K Ultra HD im limitierten Steelbook:
Mittwoch, 11. Januar 2017
Blade Runner (International Theatrical Version) (1982)
http://www.imdb.com/title/tt0083658/
In der Zukunft im Jahr 2019 sieht die Erde nicht mehr so aus, wie wir sie heute kennen. Die Menschheit wird von Dauerregen heimgesucht und die Städte sind dreckig und viel zu dicht besiedelt. Tiere gibt es fast keine mehr, dafür umso mehr künstliche Wesen. Einen Lichtschimmer bringt der Ausblick auf das Leben auf einem fremden Planeten, der bald bevölkert werden soll und durch sogenannte Replikanten gefunden wurde. Diese verfügen über große Kräfte und entwickeln von alleine Gefühle, sodass sie nur bis zu vier Jahre alt werden können. Außerdem ist es ihnen verboten, die Erde zu betreten. Inmitten dieser Welt lebt Rick Deckard (Harrison Ford), der als Blade Runner die Aufgabe hat, Replikanten aufzuspüren und sie anschließend auszulöschen. Eigentlich hat Deckard vor, seinen Job aufzugeben, doch muss er noch einen letzten Auftrag ausführen. Fünf Replikanten unter der Führung von Roy Batty (Rutger Hauer) und dessen Freundin Pris (Daryl Hannah) befinden sich in einem gestohlenen Raumschiff auf dem Weg zur Erde. Zusammen mit seinem zwielichtigen Kollegen Gaff (Edward James Olmos) soll er sie finden und 'in den Ruhestand versetzen'. Während seinen Ermittlungen trifft Deckard auf Rachael (Sean Young) und verliebt sich in sie. Doch dann kommt er dahinter, dass sie selbst auch eine Replikantin ist.
Von dem Film existieren 5 Fassungen. Die Ursprungsfassung, die auch als Workprint bezeichnet wird, wurde 1982 im Kino einem Testpublikum vorgeführt. Die Kritik und Reaktionen waren allerdings alles andere als gut und so schnitt man den Film um und zeigte ihn erneut einem Testpublikum. Die Kritiken fielen dieses Mal besser aus. Allerdings störte man sich an den Gewaltszenen und man beschloss daraufhin, diese besser vor der Veröffentlichung in den landesweiten Kinos zu entfernen. Man schnitt die besagten Gewaltszenen raus und fertig war die zweite offizielle Fassung, die hier besprochene US-Kinoversion, die dann dem breiten US-Publikum im Kino 1982 vorgeführt wurde.
Für die internationale Fassung (und den dazugehörigen Markt) entschied man sich dann, die vollständige Fassung zu veröffentlichen, die nun auch wieder alle Gewaltszenen aufzeigt, die für das US-Kino heraus gekürzt wurden. Diese Fassung war allerdings nicht nur für den Internationalen Markt bestimmt, sondern war auch in den USA auf VHS und Laserdisc stärker vertreten als die US-Kinofassung. Nun muss man auch sagen, dass sich durch die wieder eingefügten Gewaltszenen nicht gleich der ganze Film ändert, er macht ihn auch nicht runder oder gar (noch) besser. Letzteres ist wohl kaum möglich. Dennoch hat man im Vergleich zur US-Kinoversion das Gefühl eine vollständigere Fassung des "Blade Runners" zu sehen.
Vangelis soghafter, sternengleicher Score vermag auch in jeder anderen Szene von Scotts Meisterwerk zu gleißen und zu vereinnahmen. Die durchgängig düstere, aber gleichzeitig sensible Atmosphäre wird durch ein perfektes Schattenspiel und einen Blick der Kamera für Emotionen und Momentaufnahmen erzeugt. Scott hat mit "Blade Runner" ein zeitloses Kunstwerk erschaffen, das hoffentlich nie wie Tränen im Regen in Vergessenheit geraten wird.
"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched c-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."
10/10
In der Zukunft im Jahr 2019 sieht die Erde nicht mehr so aus, wie wir sie heute kennen. Die Menschheit wird von Dauerregen heimgesucht und die Städte sind dreckig und viel zu dicht besiedelt. Tiere gibt es fast keine mehr, dafür umso mehr künstliche Wesen. Einen Lichtschimmer bringt der Ausblick auf das Leben auf einem fremden Planeten, der bald bevölkert werden soll und durch sogenannte Replikanten gefunden wurde. Diese verfügen über große Kräfte und entwickeln von alleine Gefühle, sodass sie nur bis zu vier Jahre alt werden können. Außerdem ist es ihnen verboten, die Erde zu betreten. Inmitten dieser Welt lebt Rick Deckard (Harrison Ford), der als Blade Runner die Aufgabe hat, Replikanten aufzuspüren und sie anschließend auszulöschen. Eigentlich hat Deckard vor, seinen Job aufzugeben, doch muss er noch einen letzten Auftrag ausführen. Fünf Replikanten unter der Führung von Roy Batty (Rutger Hauer) und dessen Freundin Pris (Daryl Hannah) befinden sich in einem gestohlenen Raumschiff auf dem Weg zur Erde. Zusammen mit seinem zwielichtigen Kollegen Gaff (Edward James Olmos) soll er sie finden und 'in den Ruhestand versetzen'. Während seinen Ermittlungen trifft Deckard auf Rachael (Sean Young) und verliebt sich in sie. Doch dann kommt er dahinter, dass sie selbst auch eine Replikantin ist.
Von dem Film existieren 5 Fassungen. Die Ursprungsfassung, die auch als Workprint bezeichnet wird, wurde 1982 im Kino einem Testpublikum vorgeführt. Die Kritik und Reaktionen waren allerdings alles andere als gut und so schnitt man den Film um und zeigte ihn erneut einem Testpublikum. Die Kritiken fielen dieses Mal besser aus. Allerdings störte man sich an den Gewaltszenen und man beschloss daraufhin, diese besser vor der Veröffentlichung in den landesweiten Kinos zu entfernen. Man schnitt die besagten Gewaltszenen raus und fertig war die zweite offizielle Fassung, die hier besprochene US-Kinoversion, die dann dem breiten US-Publikum im Kino 1982 vorgeführt wurde.
Für die internationale Fassung (und den dazugehörigen Markt) entschied man sich dann, die vollständige Fassung zu veröffentlichen, die nun auch wieder alle Gewaltszenen aufzeigt, die für das US-Kino heraus gekürzt wurden. Diese Fassung war allerdings nicht nur für den Internationalen Markt bestimmt, sondern war auch in den USA auf VHS und Laserdisc stärker vertreten als die US-Kinofassung. Nun muss man auch sagen, dass sich durch die wieder eingefügten Gewaltszenen nicht gleich der ganze Film ändert, er macht ihn auch nicht runder oder gar (noch) besser. Letzteres ist wohl kaum möglich. Dennoch hat man im Vergleich zur US-Kinoversion das Gefühl eine vollständigere Fassung des "Blade Runners" zu sehen.
Vangelis soghafter, sternengleicher Score vermag auch in jeder anderen Szene von Scotts Meisterwerk zu gleißen und zu vereinnahmen. Die durchgängig düstere, aber gleichzeitig sensible Atmosphäre wird durch ein perfektes Schattenspiel und einen Blick der Kamera für Emotionen und Momentaufnahmen erzeugt. Scott hat mit "Blade Runner" ein zeitloses Kunstwerk erschaffen, das hoffentlich nie wie Tränen im Regen in Vergessenheit geraten wird.
"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched c-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."
10/10
Mittwoch, 2. Januar 2013
Blade Runner (US Theatrical Version) (1982)
In der Zukunft im Jahr 2019 sieht die Erde nicht mehr so aus, wie wir sie heute kennen. Die Menschheit wird von Dauerregen heimgesucht und die Städte sind dreckig und viel zu dicht besiedelt. Tiere gibt es fast keine mehr, dafür umso mehr künstliche Wesen. Einen Lichtschimmer bringt der Ausblick auf das Leben auf einem fremden Planeten, der bald bevölkert werden soll und durch sogenannte Replikanten gefunden wurde. Diese verfügen über große Kräfte und entwickeln von alleine Gefühle, sodass sie nur bis zu vier Jahre alt werden können. Außerdem ist es ihnen verboten, die Erde zu betreten. Inmitten dieser Welt lebt Rick Deckard (Harrison Ford), der als Blade Runner die Aufgabe hat, Replikanten aufzuspüren und sie anschließend auszulöschen. Eigentlich hat Deckard vor, seinen Job aufzugeben, doch muss er noch einen letzten Auftrag ausführen. Fünf Replikanten unter der Führung von Roy Batty (Rutger Hauer) und dessen Freundin Pris (Daryl Hannah) befinden sich in einem gestohlenen Raumschiff auf dem Weg zur Erde. Zusammen mit seinem zwielichtigen Kollegen Gaff (Edward James Olmos) soll er sie finden und 'in den Ruhestand versetzen'. Während seinen Ermittlungen trifft Deckard auf Rachael (Sean Young) und verliebt sich in sie. Doch dann kommt er dahinter, dass sie selbst auch eine Replikantin ist.
Soweit die Ausgangslage der Welt von "Blade Runner", deren System zu Filmbeginn bereits zur Gänze ausgeführt ist und routiniert abläuft. Die 4 wichtigsten Charaktere in der Geschichte, die uns in diesem Universum erzählt wird, sind Rick Deckard, ein Blade Runner, Roy und Pris, zwei Replikanten, die auf die Erde gelangt sind, um nach einem Weg zu suchen, ihr Leben zu verlängern, und Rachel, welche eine auf der Erde lebende Replikantin ist, sich diesem Umstand allerdings nicht bewusst ist.
Die Schicksale dieser Personen sind eng miteinander verknüpft und werden im Laufe immer weiter aufeinander abfärben, diese komplett unterschiedlichen Weltanschauungen, diese unterschiedlichen Arten des Lebens und Auffassungen, Bewusstsein und Denkweise, werden nach dem intensiven Aufeinanderprall nicht unangekratzt bleiben können. Es ist eine andere Welt. "Blade Runner", das Kabinett der verlorenen Seelen. In einer dystopischen Zukunft, in der sich die Menschheit selbst abschafft, sich selbst ablösen lässt durch die anderen Menschen, aus der anderen Welt. Die Androiden, im Film genannt "Replikanten". Natürlich ist das eine artifizielle Eule. Das Bewusstsein hat sich verändert, es ist in Richtung Abgrund geströmt. Denn dieser tut sich im Fortschreiten immer auf, zu jeder Seite, zu jeder Zeit. Die Welt, irgendwie verseucht, sie drängt sich selbst nicht mehr auf – überall wird eine Reise, ein Umzug zu den Kolonien angepriesen. Nicht hierbleiben, sonst geht es ins Verderben, sonst stirbt man mit der Welt. Die Menschheit, rührselig gefangen in der Melancholie des schlichten Daseins - kein Ausweg, keine Antwort.
Genau wie Protagonist Deckard, der Blade Runner, vielleicht selbst ein Replikant, dazu auserkoren, die ankommenden Ausreißer, denen nur fünf Jahre Lebenszeit vergönnt sind, in den "Ruhestand zu versetzen". Regisseur Ridley Scott hat hier ein Meisterwerk geschaffen, einzig in seiner Art, einzig in seiner Wirkung. Selten war eine visionäre, zukünftige Welt so komplett - sie zieht den Zuschauer in den Bann, sie saugt jegliche Euphorie in sich auf. Und doch ist der Film mehr wie ein verlassenes, düsteres Kunstmuseum, in das nicht jedem Einlass gewährt werden kann. Nicht jeder kann sich hier zurecht finden. Aber die Motive sind so erschreckend, wie heutzutage beinahe real. "Blade Runner", der Science-Fiction-Film, der Maßstäbe gesetzt hat, wie fast kein zweiter. Das Vorbild für so viele folgende Vertreter.
Von dem Film existieren 5 Fassungen. Die Ursprungsfassung, die auch als Workprint bezeichnet wird, wurde 1982 im Kino einem Testpublikum vorgeführt. Die Kritik und Reaktionen waren allerdings alles andere als gut und so schnitt man den Film um und zeigte ihn erneut einem Testpublikum. Die Kritiken fielen dieses Mal besser aus. Allerdings störte man sich an den Gewaltszenen und man beschloss daraufhin, diese besser vor der Veröffentlichung in den landesweiten Kinos zu entfernen. Man schnitt die besagten Gewaltszenen raus und fertig war die zweite offizielle Fassung, die hier besprochene US-Kinoversion, die dann dem breiten US-Publikum im Kino 1982 vorgeführt wurde.
"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched c-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."
10/10
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Und deshalb ist "Blade Runner" ein höchst emotionaler Film, dessen Verlauf wir zunächst durch Augen einer emotional abgestumpften Person folgen. Das endgültige Konzept ist die Umkehrung des Gedanken, dass der Mensch Mensch ist und der Replikant eben nur eine Maschine. So erleben wir die tiefsten Gefühle in Roy Batty und seiner Gefährtin. Er hält den Jägern am Ende den Spiegel vor. Er macht Deckard zum Gejagten und er zeigt ihm an sich selbst das Tier im Menschen. Mit Wolfsgeheul und selbstzerstörerischer Leidenschaft lässt er dessen zynisch naive Loyalität verstummen. Und er zeigt Gnade. Die ambivalente 'Tears in the Rain'-Szene gehört zu den schönsten, magischsten Szenen im Kosmos und Rutger Hauers unfassbares Schauspiel macht dies erst möglich.
"Blade Runner" ist zweifelsohne ein Meisterwerk. Und noch dazu eines, was für sich selbst steht und im Grunde bis heute unerreicht für sein Genre ist. Hier passt alles. Schauplätze, Cast, Musik, Aussage, Story. Noch dazu hält der Film einige ikonische Monologe bereit, die so viel Metaphorik beinhalten, dass einem beinahe schwindlig wird. Aber "Blade Runner" ist nicht nur ein spezieller Kandidat, wenn es um Genialität geht. Nein, Ridley Scotts Klassiker ist zudem einer der wenigen Filme, um deren Version es ein regelrechtes Wirrwarr gibt.