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Donnerstag, 15. Mai 2014

Crank 2 - High Voltage (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1121931/

Der coole Gangster und Profikiller Chev Chelios ist zurück. Und er hat plötzlich ein Herz. Ein falsches! Triadenganove Johnny Vang hat ihm ein Kunstherz eingepflanzt und will mit Chevs Organ seinem schwächelnden Oberboss zu neuer Lebenskraft verhelfen. Chev will sein Herz zurück und begibt sich auf eine wilde Jagd nach Vang. Dabei verliert er die drahtlose Batterie, die das Kunstherz am Laufen hält. Chev muss sich nun ständig mit Strom versorgen und wagt sogar den tödlichen Griff in die Starkstromleitung.

Wer dachte das es nicht abgedrehter und verstörter als im ersten Teil zugehen konnte, musste sich mit "Crank 2: High Voltage" eines Besseren belehren lassen. "Crank 2 - High Voltage" setzt gegenüber seinem Vorgänger in nahezu jedem Bereich noch eine Schippe drauf, was dem Film allerdings auch nicht immer gut tut. Wo dieser Film zu Beginn noch auf dem Niveau des Vorgängers ist und den Zuschauer mit einer Menge Action, Humor und Tempo richtig gut unterhält, lässt er mit zunehmender Laufzeit doch leider immer mehr nach.

Einige Szenen wie Chelios Talkshowbesuch oder der Kampf gegen Johnny Vang wirken ziemlich deplatziert bzw. sehen zu sehr nach Lückenfüllern aus, auf die man getrost hätte verzichten können. Gegen Ende driftet der Film dann fast schon ins Lächerliche ab, da er noch abgefahrener daherkommen will als schon zuvor. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Statham macht seinen Job allerdings wie bereits aus Teil 1 gewohnt richtig gut und es macht Spaß ihm zuzusehen, mit Ling Bai in ihrer Rolle der Ria ist jedoch eine Figur hinzugekommen, die in vielen Situationen ziemlich nervig daherkommt. Im Großen und Ganzen hat "Crank 2" also seine Stärken, besonders in der ersten Hälfte des Films, aber auch seine Schwächen (wer kam denn bloß auf die Idee mit "Ganzkörpertourette"!?), die sich zum Ende hin immer mehr entblößen. Insgesamt kann der Film das Niveau des Vorgängers daher leider nicht halten, man kann sich den Streifen aber dennoch  ansehen, besonders wenn man "Crank" schon mochte.

6,5/10

Von INFINITY PICTURES kommt der Film im "Limited Uncut Edition" Mediabook:


Quellen: 
Inhaltsangabe: Universum Film

Crank (Extended Version) (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0479884/

Das ist nicht Chev Chelios’ (Jason Statham) Tag: Da er sich entschlossen hat, seine Karriere als Auftragskiller an den Nagel zu hängen, wurde ihm von seinem Konkurrenten Victor eine Dosis tödlichen Gifts verabreicht. Alles, was Chev nun tun kann, um seinen sofortigen Tod zu verhindern, ist seinen Adrenalinspiegel auf ausgesprochen hohem Niveau zu halten. Als hilfreich erweist sich hier, dass ihm eine ganze Menge übler Schergen auf den Fersen sind. Seine Freundin Eve (Amy Smart) scheut sich auch vor öffentlichem Sex nicht, um ihm die lebenswichtige Aufregung zu verschaffen. Und schließlich gibt es noch eine Rechnung mit Victor zu begleichen.

"Crank" gehört zu der Sorte Film, die eine sehr spezielle Machart besitzen. Ganz eigener Stil, die verschiedensten Kameraperspektiven, immer wiederkehrender Splitscreen, die verschiedensten Effekte und eine ganze Menge anderer Spielereien. Dabei kommt der Zuschauer kaum zur Atempause, denn der Film legt von beginn an ein so rasantes Tempo an den Tag, so dass nie Langeweile aufkommt oder gar Ruhe einkehrt. Unterlegt wird die ganze raserei von einem rockigen Soundtrack, der auch ganz wunderbar zu dem Film passt.

Auf der Suche nach seinen "Mördern" und beim Aufrechthalten seines (erhöhten) Adrenalinspiegels schreckt Chelios vor rein gar nichts zurück, es werden eine ganze Menge Kugeln abgefeuert, Leute verhauen, Fahrzeuge verschrottet und andere Verbrechen begangen. "Crank" übertreibt maßlos, aber genau das ist es, was der Film will und was letztendlich auch eine ganze Menge Spaß macht. Von daher sollte man keinen Film erwarten der auf Logik oder Realitätsnähe setzt, denn da ist man bei "Crank" definitiv falsch. An manchen Stellen ist der Film für meinen Geschmack aber etwas zu abgefahren bzw. übertreibt er etwas zu viel, trotz alle dem macht er aber eine Menge Spaß, was unter anderem auch an Jason Statham liegt, der richtig gut in diese Rolle passt. In diesem Sinne einfach mal zurücklehnen und diesen kurzweiligen, rasanten Film genießen, der an Action, Humor und Tempo keinesfalls spart.

7/10

Von INFINITY PICTURES kommt der Film im "Limited Uncut Edition" Mediabook:


Quellen: 
Inhaltsangabe: Universum Film

Donnerstag, 5. März 2020

Mom And Dad (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5462326/

Mom und Dad sind normalerweise für Kinder die besten Menschen auf der ganzen Welt. Das ändert sich allerdings für eine Jugendliche und ihren kleinen Bruder, als eine weltweite Massenpanik unbekannten Ursprungs bewirkt, dass Eltern sich plötzlich gewaltsam einen Tag lang gegen ihre eigenen Kinder wenden. Und auch die Mutter Kendall (Selma Blair) und der Vater Brent (Nicolas Cage) des Geschwisterpaars Carly (Anne Winters) und Josh (Zackary Arthur) sind betroffen. Als jedoch unerwartet Brents Eltern vor der Tür stehen, wendet sich das Blatt - nun werden er und Kendall zu Gejagten...

Man stelle sich vor, man hat ein Kind oder auch zwei oder mehr. Vielleicht befindet sich eins davon, oder noch schlimmer - zwei oder mehr, gerade mitten in der Spitzenzeit der Pubertät. Passiert täglich überall auf der Welt. Alle kneifen die Arschbacken zusammen und sagen sich nur: Augen zu und durch. Irgendwann hat auch der schlimmste Albtraum ein Ende. Also, alles ganz normal, wenn man so will, aber nicht hier. In diesem speziellen Fall mutieren nicht die lieben Kleinen zu blutrünstigen Monstern, sondern die Eltern. Man weiß nicht wieso, warum oder weshalb dem so ist, aber das muss man ja auch nicht, dachte sich wohl der ein oder andere Filmschaffende. Es ist nicht wichtig zu wissen, wieso die Mutter mit dem Fleischhammer auf ihre Tochter und warum der Vater mit der abgebrochenen Schnapsflasche auf den fürsorglichen Sohn losgeht oder weshalb ein Elternpaar seine Kinder, die im Keller festsitzen, ausräuchern möchte, um sie nach draußen zu treiben, wo sie diese bereits mit der Allzwecksäge erwarten.

Kurz: Filme wie "Mom And Dad" sieht man sich nicht wegen des tieferen Sinns an, aber ein paar minimalistisch gehaltene Informationen sind doch nicht zu viel verlangt, oder? Warum drehen die Eltern durch? Was bringt sie dazu, sich gegen die eigenen Kinder zu richten? Und das der ganze Spuk in 24 Stunden vorbei sein soll, wird nirgendwo erwähnt, außerdem würde das bedeuten, dass danach alles wieder gut ist, aber auch dies kommt zu keiner Zeit im Film vor.


Kurz und schmerzlos wie der Film selbst mit seiner überschaubaren Laufzeit von nicht einmal 90 Minuten. "Mom and Dad" ist die erste alleinige Regie von Brian Taylor, der bislang immer nur im Doppelpack mit Mark Neveldine als Duo Taylor/Neveldine arbeitete und sich für Filme wie "Crank" und dessen Fortsetzung sowie "Gamer" verantwortlich zeigt. Und auch "Mom And Dad" kommt mit den für Taylor bekannten visuellen und akustischen Spielereien daher und wird dominiert von seiner für ihn typischen Stakkato-Inszenierung, ist laut und grell, aber nicht so arg überladen wie beispielsweise "Crank". Taylor fährt auch ohne Erklärung eine knackige erste Hälfte auf und verliert erst mit der zweiten Hälfte etwas an Schwung, Tempo und auch Spannung, wenn sich das Geschehen in das Haus der Familie Ryan verlagert. Auch lässt es sich Taylor nicht nehmen, die eine oder andere hübsch ätzend zynische Spitze zum immerzu währenden Generationenkonflikt in seine Dialoge einzubauen. Nicolas Cage darf sich wieder einmal dem schauspielerischen Irrsinn hingeben, liefert seine gewohnt überdrehte Performance und ihm dabei zuzusehen macht einfach Spaß. Auch Selma Blair macht ihre Sache gut, bloß die Kinder bewegen sich allenfalls im darstellerischen Mittelfeld, aber um die Idee hinter "Mom And Dad" umzusetzen reicht das vollkommen. So ist der Film letztlich ziemlich genau das, was man von Brian Taylor erwarten würde, wenn man seine Arbeiten kennt: schnell, laut, hektisch, manchmal überladen und voller visueller und akustischer Spielereien. Kein "Crank", aber doch ein Film, den man durchaus schauen kann, wenn man denn diesen Stil der Inszenierung mag.

6/10

Sonntag, 23. März 2025

Novocaine - Mr. No Pain (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt29603959/

Der unscheinbare Nate Caine (Jack Quaid) arbeitet als stellvertretender Filialleiter in einer Bank in San Diego. Doch gerade als durch eine frische Beziehung zu seiner Kollegin Sherry (Amber Midthunder) etwas Aufregung in sein langweiliges Leben kommt, wird die Bank von drei Weihnachtmänner überfallen und Sherry entführt. Da sieht Nate keine andere Wahl, als sich auf eine gefährliche Rettungsmission zu begeben. Was zunächst nach einer hoffnungslosen Aufgabe aussieht, wird zu seinem Vorteil, als er eine ungewöhnliche Fähigkeit entdeckt: Er kann auf Grund einer seltenen Erbkrankheit keinen Schmerz empfinden. Diese besondere Stärke gibt Nate den Mut, sich über alle Hindernisse hinwegzusetzen, um das Leben der Frau, die ihm alles bedeutet, zu retten. Unterstützung erhält er dabei nicht nur von den Polizist*innen Coltraine (Matt Walsh) und Mincy (Betty Gabriel), sondern auch von seinem einzigen Freund Roscoe (Jacob Batalon).

In einer Post-"John Wick"-Ära, die das Actionkino unzweifelhaft modernisierte, nähert sich der Nervenkitzel des Genres seltsamerweise immer mehr dem ältesten aller Kinovergnügen an: dem Slapstick. Besonders im Subgenre des Actionfilms, wo auch die Gewalt immer absurder wird, beginnen diese Filme, das alte Format zu wiederholen. Und je kreativer und ungeheuerlicher der Schmerz, desto intensiver scheint das Vergnügen. Das ist im Wesentlichen die Art von albernem, blutigem Spaß die in "Mr. No Pain" ("Nococaine") unter der Regie von Robert Olsen und Dan Berk, der dieses Verständnis so offen wie möglich aufgreift. Der Schlüssel liegt in einer Art Unbesiegbarkeitsklausel. Wenn der Actionheld praktisch unzerstörbar ist, können der Schmerz und seine verrückten Folgen endlos sein. Nate (Jack Quaid) kann nämlich aufgrund einer genetischen Störung keinen Schmerz empfinden, da sein Nervensystem solche Gefühle überhaupt nicht wahrnimmt. Das Konzept erscheint ideal, bis man erfährt, dass er sich für den Toilettengang einen Timer im Drei-Stunden-Takt stellt (damit seine Blase nicht platzt) und sich ausschließlich von Flüssigkeiten ernährt (um sich nicht unwissentlich die Zunge abzubeißen). Sein Zustand ist unangenehm und schränkt ihn ein, bis er die seltene, erstklassige Gelegenheit erhält, ihn zu nutzen, um ein "Punisher" für Arme zu werden. Andere Filme haben diese Idee auf einzigartige und oft alberne Weise interpretiert (von Jason Statham in "Crank" bis Logan Marshall-Green in "Upgrade"), doch dieser Film treibt sie mit dieser fast schon dämlich-simplen Prämisse auf die Spitze. Und da sind so viele Möglichkeiten, wie man versuchen kann, diese heraufzubeschwören.

Nate, der schüchterne, dürre stellvertretende Geschäftsführer einer örtlichen Bank, ist außerdem in eine der Angestellten verknallt, die quirlige, schlagfertige Sherry (Amber Midthunder). Die hübsche und extrovertierte Sherry ist die erste Person, die Nate aus seinem Schneckenhaus lockt, und nach einer leidenschaftlichen gemeinsamen Nacht ist er mehr als nur hingerissen. Als Räuber (darunter ein wahnsinnig hinterhältiger Ray Nicholson) in Weihnachtsmannkostümen und mit gezogenen Waffen die Bank stürmen, entkommen sie nicht nur mit Bargeld, sondern auch mit Sherry als Geisel. Nate, der bereits hoffnungslos verliebt ist, überwindet in der Not seine Mitleidslust und ist fest entschlossen, seine Geliebte mit allen Mitteln zurückzuholen. Was folgt, ist eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt mit zahlreichen Boxenstopps voller Schüsse, geballter Fäuste, Sprengfallen, Verbrennungen und Blut, das Nate ständig eindrucksvoll einsteckt.

"Mr. No Pain" ist an mancher Stelle echt schwer anzusehen, aber eben auch genau so, wie man es sich im Grunde seines Herzens wünscht. Die Brutalität hält sich nicht zurück und bricht selten in den Momenten ab, in denen man sich selbst in stellvertretender Verteidigung an den eigenen Körper klammert. Es ist herrlich unnötig. Die Verletzungen, die Nate sich teilweise selbst zufügt und von anderen erleidet, reichen von urkomisch bis erschütternd, von schmerzhaft bis eklig und Lars Jacobsons klug geschriebenes Drehbuch jongliert gekonnt mit dem Spektrum der Tonalität. Hautblasen verursachende, knochenbrechende Traumata werden nicht nur für Humor und Action, sondern auch für die Struktur der Geschichte genutzt. Geschickte Versatzstücke halten das rasante Tempo des Films aufrecht, ohne dass Details über Bord geworfen werden. Doch trotz Nates fast schon mitleiderregender Hingabe an Sherry, die als Zentrum seiner Sehnsucht dient, bleibt die Chemie zwischen Quaid und Midthunder hinter Seifenopern zurück. Während die Intention des Genre-Mixes von "Mr. No Pain" darin besteht, Nate als liebeskranken Trottel darzustellen (der komödiantische Kern) und diesen mit seiner Jagd nach den Tätern (der Achse der Handlung) zu untergraben, ist die Romanze der Hauptdarsteller die treibende Kraft des rasenden Blutbads, ohne in der sich steigenden Handlung fesselnd zu sein. Es gibt immerhin einen schwachen Versuch, die Tiefe ihrer Affäre mit dem Entblößen verborgener Narben zu verknüpfen, doch ironischerweise ist dies das flüchtigste Detail des Drehbuchs. Die Liebesgeschichte darf konzeptionell roboterhaft und banal sein - das trägt zum albernen Kern des Films bei -, doch die Umsetzung hätte einen schmerzlich vermissten Funken zwischen den Hauptdarstellern gebraucht, um die darauffolgende lächerliche, abgedroschene Absurdität zu vermitteln.

In einem Film dieser Art wäre es einfach, Eingeweide an die Wand zu werfen und zu sehen, was hängen bleibt, doch hier wird bodenständiges Handwerk gezeigt. Man könnte die Prämisse als Spielerei bezeichnen, aber der Film hat genug Fantasie, um daraus eine lockere Achterbahnfahrt zu machen, bei der der Spaß darin liegt, dass der Zuschauer zusammenzuckt. Und das, obwohl die Actionsequenzen selbst, abgesehen von all den extremen Schmerzmomenten, in Choreografie und Kameraführung eigentlich recht banal sind und es ihnen an dem druckvollen, kinetischen Flair mangelt, das zum Markenzeichen moderner Actionfilme geworden ist. Doch diese Szenen zwingen einen, sich ganz hineinzustürzen und dann wieder zurückzulehnen. Stattdessen lebt die brutale Komödie vor allem von Quaid, der das komische Paradoxon eines unfreiwilligen Helden, der einfach nicht aufgeben will, natürlich und geschickt verkörpert. Quaid ist fantastisch in der Rolle, erfindet das Rad des charmanten Trottels zwar auch nicht gerade neu, fügt aber eine Prise autonomer Badass-Attitüde hinzu, die der Zuschauer selbst in seiner ähnlichsten (und berühmtesten) Rolle in der Serie "The Boys" noch nicht aufblühen sah. Quaid verkörpert einen Cocktail aus schriller Panik und fehlgeleitetem Elan mit einer gut durchdachten Geschichte, aber dennoch eine liebenswerte Darstellung, die bis zum Schluss fesselt. Er ist einfach der sympathische, mitleiderregende Trottel, den man sofort ins Herz schließt und ihn einfach nur wünscht, dass er durchkommt. Egal wie.

Nimmt man alles zusammen ist "Mr. No Pain" rasendes, ausgelassenes Schauspiel: Ein Film, in dem der Held der Geschichte seinen Titel trotz wiederholter Prügel verteidigt. Berk und Olsen schaffen eine beeindruckende, unterhaltsame Actionkomödie ohne nennenswerte Längen, die ihre Torture-Porn-Wurzeln in Neonlicht und Humor gleichermaßen zur Schau stellt. Während Blut spritzt und Körper sich verbiegen, Knochen knacken und sich Gelenke winden, sorgt "Mr. No Pain" für Lachen, Grimassen und Zusammenzucken, auch wenn Nate nichts davon tut.

7/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount Pictures
Poster/Artwork: Paramount Pictures

Freitag, 19. März 2021

Sons Of Anarchy, Season 04 (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1124373/

Die vierte Staffel der Serie beginnt mit der Haftentlassung der Gruppe 14 Monate später. Hauptkonfliktlinie sind die sich verschärfenden Spannungen innerhalb der Gruppe. Als neue Figuren treten der ruhig und überlegt vorgehende Staatsanwalt Lincoln Potter (gespielt von Ray McKinnon), der neue Deputy Chief Eli Roosevelt (Rockmond Dunbar) sowie der mexikanische Waffenhändler Romero "Romeo" Parada (Danny Trejo) auf. Zu Beginn vereinbaren Clay und Jax einen Waffenstillstand. Inhalt: Jax unterstützt Clay unter der Bedingung, dass dieser ihm den Ausstieg aus der Gruppe ermöglicht. Der kriminelle Handlungsstrang wird mehr und mehr zu einem Spiel über Bande mit mehreren Beteiligten: lokalen Ablegern der russischen Mafia, der Real IRA, dem Galindo-Kartell von "Romeo" Parada, dem Konkurrenzsyndikat Lobo-Sonora-Kartell sowie dem desolaten Chapter der Sons of Anarchy im benachbarten Bundesstaat Arizona. Beim entscheidenden Zugriff der Bundespolizei stellt sich allerdings heraus, dass eines der Kartelle direkt vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA betrieben wird. Der interne Konflikt innerhalb der Gruppe spitzt sich zu – unter anderem aufgrund der Informationen, die Maureens Briefe enthalten. Clay ermordet ein Gruppenmitglied, damit seine Beteiligung am Tod von John Teller nicht publik wird. Am Ende der Staffel liegt neben dem persönlichen auch ein ermittlungstechnischer Scherbenhaufen: Staatsanwalt Potter hat sein Ziel, das Charming-Chapter der Sons of Anarchy dingfest zu machen, nicht erreicht...

https://www.imdb.com/title/tt1989270/
4.1 Blutige Hochzeit (Out)
Clay, Jax, Bobby, Juice, Tig und Happy werden nach 14 Monaten Knast entlassen. Inzwischen hat Bürgermeister Hale einen neuen Sheriff in Charming eingesetzt – Lieutenant Eli Roosevelt. Doch nicht nur er hat die SOA auf den Kieker. Auch der Bundesstaatsanwalt Potter will dem Motorradclub mit seinen Machenschaften den Garaus machen, ebenso wie der True IRA und den Russen. Mit beiden nehmen die SOA bereits wieder die Geschäfte auf... Opie und Lyla wollen indes endlich heiraten. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt1974884/
4.2 Kokain (Booster)
Nachdem sie die Russen umgelegt haben, verkaufen die Sons of Anarchy die Waffen der Iren an das mexikanische Galindo-Kartell. Der Deal beinhaltet, dass die SOA als Gegenleistung Kokain transportieren, das für Alvarez, den Boss der Mayans, bestimmt ist. Jax will nur unter einer Bedingung mitmachen: Clay soll seinen Ausstieg aus dem Club nicht behindern. Gemma fürchtet derweil, dass ihr Sohn Jax und seine Verlobte Tara die Wahrheit über den Tod von Jax’ Vater John herausfinden. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1989269/
4.3 Ameisen (Dorylus)
Die SOA haben ihre Waffen bei Happys Tante versteckt. Als sie auf den Lkw geladen werden, kapern zwei Ghetto-Kids den Transporter und machen sich mit einer Kiste Waffen davon. Indes ist noch unklar, wie die Clubmitglieder zu dem Deal mit den Mexikanern stehen, an die die Waffen geliefert werden sollen. Im Gegenzug würden die SOA Koks transportieren, doch damit sind nicht alle einverstanden. Clay muss obendrein mit den Wahewa-Indianern verhandeln, die die Munition herstellen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1977537/
4.4 Dealer (Una Venta)
Die Sons of Anarchy machen sich mit einem Lkw voller Waffen auf den Weg zur Auto- und Motorrad-Show in Tuscon. Sie wollen sich mit dem dortigen Chapter SAMTAZ treffen, damit diese sie bei der Übergabe unterstützen. Wie sich herausstellt dealen die längst nicht mehr mit Waffen, sondern mit Crank, unreinem Crystal Meth. Es ist nicht der einzige Regelverstoß der SAMTAZ... Als Gegenleistung für die Waffen sollen Jax und Co. schließlich 30 Kilo Koks über die Grenze transportieren. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt1989268/
4.5 Neunundzwanzig (Brick)
Otto hat im Gefängnis von Staatsanwalt Potter erfahren, dass seine Frau Luann kurz vor ihrem Tod eine Affäre mit Bobby hatte. Er will, dass die Sons of Anarchy nun ihren Mörder finden. Piney droht Clay, den anderen zu erzählen, dass der ehemalige Club-Boss John Teller ermordet wurde, wenn der Club nicht aus dem Drogengeschäft aussteigt. Clay und Gemma beauftragen daraufhin Unser, Tara die belastenden Briefe zu stehlen. Die SOA wickeln indes den nächsten Kokain-Deal ab. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt2016680/
4.6 Sündenbock (With An X)
Bei der Übergabe an das Galindo Kartell fehlte ein Kilo Kokain. Die Sons of Anarchy nehmen zunächst ihre Prospects Phil und Rat ins Visier. Sie leugnen den Diebstahl, doch Clay will sie trotzdem aus dem Weg räumen, um Romeo Parada, den Obersten des Kartells, zu besänftigen. Der Club-Boss steht zudem unter Druck, da die Wahrheit über den Tod seines Vorgängers John Teller aufzufliegen droht. Er gibt den Auftrag, Tara zu töten – die Verlobte seines Ziehsohnes Jax weiß zu viel. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt2010656/
4.7 Unter Beschuss (Fruit For The Crows)
Nachdem Tara eine Morddrohung erhalten hat, sind die Sons of Anarchy in Alarmbereitschaft. Sie haben keine Ahnung, wer der Verlobten des Vizepräsidenten Jax nach dem Leben trachtet. Derweil gerät der Club bei einem Besuch bei den Mayans und deren Kokainlager unter Beschuss. Wer die Schützen sind, steht ebenfalls infrage. Und SOA-Mitglied Juice übergibt eine Probe des von den Sons gedealten Koks an den Polizeiboss Eli Roosevelt und gerät damit immer mehr unter Druck. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt2021956/
4.8 Familienrezept (Family Recipe)
Die Abstimmung über einen neuen Boss der Sons of Anarchy wird von einem Kugelhagel unterbrochen: Drei Männer stürmen mit einem Pickup das Gelände und feuern auf das Clubhaus. Einer der Schützen bleibt verletzt zurück – er trägt das Tattoo des feindlichen Kartells Lobos Sonora. Außerdem hinterlassen die Unbekannten eine Tasche mit abgetrennten Köpfen. Einer gehört dem Präsidenten der SOA aus Tucson, die den Koks-Transport mit Clay und seinen Männern abgewickelt haben. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt2050258/
4.9 Krieg der Kartelle (Kiss)
Den Sons ist das feindliche Lobos-Kartell auf die Pelle gerückt, das in ihrem Chapter ebenfalls mit Koks handelt. Damit sie ihren eigenen Deal mit dem Galindo-Kartell fortsetzen können, schmieden Clay und seine Männer eine neue Allianz: Sie überzeugen die Niners, sich auf ihre Seite zu stellen. Gemma entdeckt indes, dass Clay Piney getötet hat, damit der die belastenden Briefe nicht rausgibt. Und Juice teilt Roosevelt mit, dass er nicht mehr für die Cops spitzeln will. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt2049291/
4.10 Hände (Hands)
Clay hat einen Auftragsmörder auf Tara angesetzt: Die Verlobte seines Vize Jax soll sterben, weil sie belastende Briefe über ihn besitzt. Der Killer soll sie töten, als sie auf dem Weg zu einer Konferenz nach Oregon ist. Clay erfährt zu spät, dass Jax mit ihr unterwegs ist. Es gelingt ihm nicht, die Sache abzublasen, also lässt Clay es so aussehen, als seien die Lobos an dem Angriff schuld – das Kartell, mit dem das mit den Sons verbündete Galindo-Kartell verfeindet ist. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt2085522/
4.11 Minenfeld (Call Of Duty)
Nicht nur damit, dass er seine Frau Gemma zusammengeschlagen hat, macht sich SOA-Boss Clay unbeliebt bei seinen Männern. Mit seiner harten Tour im Drogengeschäft bringt er auch einmal mehr deren Leben in Gefahr... Auch Georgie, der Mörder von Luann, soll endlich dran glauben. Deren Witwer Otto bekommt im Gefängnis derweil erneut Besuch von Staatsanwalt Potter: Der unterbreitet dem zum Tode verurteilten SOA-Mitglied ein Angebot, damit er gegen den Club auspackt. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt2083709/
4.12 Rachedurst (Burnt And Purged Away)
Jax bereitet die Sons darauf vor, aus dem Drogengeschäft mit dem Kartell auszusteigen. Noch zwei hochkarätige Deals – und dann soll die Sache gelaufen und sein Ausstieg aus dem Club besiegelt sein. Doch die Zukunft der SOA ist gefährdet: Otto hat gegenüber Staatsanwalt Potter ausgepackt. Und Opie, der Wind bekommen hat, dass Clay nicht nur seine große Liebe, sondern auch seinen Vater auf dem Gewissen hat, sinnt auf Rache. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt2105914/
4.13 Schmerzliche Wahrheit (To Be, Act 1)
Opie hat Clay mit zwei Schüssen niedergestreckt. Mit Unsers Hilfe lassen er und Clay es so aussehen, als wären die Niners dafür verantwortlich. Während der Boss der SOA im Krankenhaus behandelt wird, startet der nichts von dem wahren Täter ahnende Tig einen tödlichen Rachefeldzug gegen Laroys Gang. Gemma erklärt Tara indes, dass Clay nicht nur Piney getötet hat, sondern auch für ihren schweren Unfall verantwortlich ist. Und auch ihren Sohn Jax muss Gemma einweihen... - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt2105915/
4.14 Machtwechsel (To Be, Act 2)
Die CIA verhagelt Staatsanwalt Potter seinen großen Coup. Er wollte einen Waffen-Deal zwischen dem Galindo Kartell, den Sons und den Iren hochgehen lassen. Doch wie sich herausstellt arbeiten hochrangige Männer des Kartells mit der CIA zusammen. Romero und Torres geben sich auch gegenüber Jax als Agenten zu erkennen. Sie wollen, dass Clay stirbt und Jax die Führung des MC übernimmt – sonst sollen die SOA zerschlagen werden. Doch die Sache muss geheim bleiben. - 9,5/10

Von Twentieth Century Fox kommt die komplette Serie auf Blu-ray in einer streng limitierten Sammelbox aus Holz, deren Aussehen dem Tisch der SAMCRO nachempfunden ist.

Quellen: 
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/FX Network

Donnerstag, 30. Juli 2026

Mayhem (2017)

https://www.imdb.com/de/title/tt4348012/
https://letterboxd.com/film/mayhem-2017/

Was für ein Tag: Derek Cho (Steven Yeun) wird von einem Kollegen verleumdet und daraufhin zu Unrecht von seinem Arbeitgeber gefeuert. Kurze Zeit später bricht im Gebäude ein gefährliches Virus aus, welches bewirkt, dass die Infizierten willenlos ihren niedersten Impulsen folgen und selbst eine kleine Streiterei in Mord und Totschlag enden kann. Da der Komplex rasch zur Quarantänezone erklärt wird, ist auch Cho in den Büroräumen gefangen und muss jetzt nicht mehr nur um seinen Job, sondern vor allem ums nackte Überleben kämpfen. Gemeinsam mit der in Verzug geratenen Kreditnehmerin Melanie Cross (Samara Weaving), die genauso wie er eine Stinkwut auf die Firma hat, greift er sich alles, was man irgendwie als Waffe benutzen kann und fängt an, zu metzeln…

Was passiert, wenn sämtliche gesellschaftlichen Hemmungen plötzlich wegfallen und aus einem gewöhnlichen Bürogebäude ein Schlachtfeld wird? Genau diese ebenso absurde wie reizvolle Prämisse verfolgt Regisseur Joe Lynch mit "Mayhem". Der Film verbindet Action, Horror, schwarze Komödie und bissige Gesellschaftssatire zu einem blutigen Genremix, der sich unverkennbar gegen die Auswüchse moderner Leistungsgesellschaft richtet. Das Ergebnis ist ebenso unterhaltsam wie chaotisch - allerdings nicht immer so clever, wie es seine Ausgangsidee vermuten lässt.

Steven Yeun beweist hier bereits sein Talent für die Mischung aus Sympathie, trockenem Humor und körperlicher Präsenz. Samara Weaving steht ihm in nichts nach und entwickelt gemeinsam mit Yeun eine Dynamik, die den Film auch in ruhigeren Momenten trägt. Gerade ihr Zusammenspiel gehört zu den größten Pluspunkten der Produktion. Joe Lynch inszeniert das Geschehen mit viel Energie. Die Action ist temporeich, die Gore-Effekte erfreulich handgemacht und die Kamera hält das Geschehen stets übersichtlich. Dabei erinnert "Mayhem" immer wieder an Filme wie "The Belko Experiment", "Crank" oder "The Conference" - allerdings mit deutlich mehr Blut und schwarzem Humor. Die Satire auf toxische Unternehmenskulturen, Ellenbogenmentalität und entfesselten Kapitalismus verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene, die über den reinen Splatter hinausgeht. 

Doch seine Gesellschaftskritik ist oft plakativ und wird zugunsten der nächsten blutigen Auseinandersetzung nicht konsequent weiterentwickelt. Auch das Drehbuch setzt eher auf Tempo als auf Figurenentwicklung. Manche Dialoge wirken überzeichnet, und gegen Ende verliert die Geschichte etwas an Überraschung, weil das Grundprinzip bereits früh vollständig ausgespielt ist. Dennoch besitzt "Mayhem" eine ansteckende Energie, der man sich nur schwer entziehen kann. Die Mischung aus Horror, Action und bitterböser Arbeitsplatzsatire funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut und sorgt dafür, dass die knapp 90 Minuten wie im Flug vergehen. Unterm Strich also ein wuchtiger, blutiger und herrlich überdrehter Genre-Mix, der mit Steven Yeun und Samara Weaving zwei hervorragend aufgelegte Hauptdarsteller bietet. Die clevere Grundidee, das hohe Erzähltempo und der anarchische Humor machen den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen. Dass die Satire letztlich oberflächlich bleibt und das Drehbuch nicht jede Chance nutzt, verhindert zwar den ganz großen Wurf – als kompromissloses Horror-Action-Spektakel mit Biss funktioniert "Mayhem" jedoch ausgezeichnet.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Circle of Confusion/Royal Viking Entertainment/Avva Pictures/Shudder/RLJ Entertainment/RLJE Films

Sonntag, 20. Januar 2013

Ghost Rider: Spirit Of Vengeance (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1071875/

Einige Jahre sind vergangen seit der ehemalige Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) den Pakt mit dem Teufel (Ciarán Hinds) geschlossen hat und als Ghost Rider auf dem Motorrad durch die Nacht jagte. Er lebt mittlerweile in selbstauferlegter Isolation in Ost-Europa, seine übernatürlichen und unkontrollierbaren Fähigkeiten sind ihm längst zum Fluch geworden. Doch dann bittet ihn ein Klosterorden um Hilfe. Der zehnjährige Danny (Fergus Riordan) wird von finsteren Mächten verfolgt, denn er soll dem Teufel zu einem menschlichen Körper verhelfen. Um ihn und die gesamte Welt zu beschützen, muss Blaze erneut seine Verwandlung in den Ghost Rider zulassen und gemeinsam mit Dannys schöner Mutter Nadya (Violante Placido) sowie dem schlagkräftigen und trinkfreudigen Mönch Moreau (Idris Elba) dem Bösen entgegentreten. 

"Worst fucking deal I ever made."

Großartig. Schon den ersten Teil war gar nicht mal so schlecht, konnte aber von der recht poppigen Aufmachung und dem sehr plastikartigen Look des Films nur "ganz gut" unterhalten. Ganz anders dafür der Nachfolger: Bereits nach wenigen Sekunden merkt man die typische Neveldine & Taylor Handschrift und so fühlt sich "Ghost Rider: Spirit Of Vengeance" oftmals wie ein inoffizielles "Crank"-Sequel mit Nicolas Cage hat, was aber beileibe nicht negativ zu sehen ist. Der neue Look des Bikes und das dreckige, raue Design vom Rider wirken erwachsener und homogener als im Vorgänger. Klar, man merkt das deutlich geringere Budget, wobei es beachtlich ist, was man dennoch teilweise visuell abliefern konnte. Einige Szenen sind deutliche Lückenfüller um irgendwie Budget zu sparen und Laufzeit zu generieren, dafür entschädigen Neveldine & Taylor mit abgefahrenen Ideen direkt aus der Hölle: Wenn Cage mit irrem Gesicht und verzerrten Bildern overacten darf oder genüsslich einen feurigen Schauffelbagger bedient, dann kann man schon einem genüsslich applaudieren und Spaß haben.

Den generell so vernichtende Tenor des Publikums ist unverständlich: natürlich ist es nicht die beste Umsetzung der Marvel-Vorlage, aber dafür eine verdammt Unterhaltsame. Cage ist die Idealbesetzung, Neveldine & Taylor holen das Beste aus dem Budget raus und verlieren damit nicht das Gefühl dafür aus den Augen, hier einen bewegten Comic abliefern zu müssen, der auch gerne mal Szenen "zwischen den Bildern" zeigt und auch mutig hier und da visuell gerne mal die beiden Medien verschwimmen lässt.

Denn immerhin kann der Film (vor allem auch in 3D) gut unterhalten - und die Action kam, gepaart mit den flammenden Rider-Effekten, auch nicht zu kurz. Christopher Lambert als Methodius hätte ich beinahe nicht erkannt. Mann, ist der alt geworden!

"Roadkill." 

6,5/10 

Quellen:
Inhaltsangabe
: Universum Film

Sonntag, 10. Dezember 2017

Drive Angry (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1502404/

John Milton (Nicolas Cage) ist zwar seit Jahren tot. Doch das hindert den Schwerkriminellen keineswegs darin, aus der Hölle auszubüchsen und sich an die Fersen einer satanischen Sekte unter der Führung des irrsinnigen Apokalyptikers Jonah King (Billy Burke) zu heften. Die nämlich haben nicht nur seine Tochter verführt und schlussendlich umgebracht, sondern wollen nun gleich noch seine kleine Enkeltochter auf den Opfer-Altar bringen, um so den Leibhaftigen auf die Erde zu rufen. Der ärgert sich derweil enorm über Miltons Ausbruch und hetzt ihm seine rechte Hand hinterher – den „Buchhalter“ (William Fichtner). Dem rätselhaften Hölleburschen fällt es leicht, der Spur der Verwüstung zu folgen, die Milton und seine Begleiterin Piper (Amber Heard) derweil angerichtet haben. Dann schaltet sich auch noch die Polizei ein...

Ein Film wie ein Sampler. Er stopft Elemente von Filmhits aus den letzten Jahren ineinander: das ganze hat Anteile von "Death Proof", "Shoot 'em Up", "Crank" und diversem Fantasykram. Heraus kommt eine wilde Mischung, die man hemmungslos genießen kann wenn man ein paar Abstriche macht: zum Beispiel Nicolas Cage. Mit der schlechtesten Frisur überhaupt (dagegen war selbst die "Con Air"-Matte kleidsam) gibt er den eiskalten Rächer, was aber nicht viel mit Schauspielerei zu tun hat und wäre der Film nicht aufwendig genug fürs Kino wäre dies die Eintrittskarte in die "Direct-to-DVD"-Hölle.


In der Tat ist eine ganze Menge zusammengeklaut, insbesondere die Szene in der Cage Sex hat während drum herum die Schurken einfallen und er den Beischlaf nicht unterbricht während er in alle Richtungen ballert – das wirkt wie Copy and Paste aus "Shoot 'em Up". Aber die Pluspunkte überwiegen trotzdem: Amber Heard hat zwar eigentlich nur die klassische Rolle der Frau, ist aber als flotter Hingucker atemberaubend und gibt einen höchst sympathischen Charakter mit Seele, William Fichtner hat scheinbar einen Heidenspaß als fieser Höllenvollstrecker und kann sich das fröhliche Grinsen kaum aus dem Gesicht wischen - und dann ist da noch der "Rausch": der Film setzt auf ein hohes Tempo und zieht den Zuschauer geradezu mit, das Actionlevel ist hoch und der Adrenalinrausch immens.

Da muss man es auch verkraften dass es - gelinde gesagt -ultra-brutal zugeht; man kann es kaum anders beschreiben. Insbesondere kommt die Nummer natürlich gut in 3D. Da fliegen Körperteile aus der Leinwand das es eine wahre Freude ist. Unterm Strich ist der Film hochpolierter Edeltrash: übelst mies eigentlich, aber spannend, vergnüglich und mitreißend. Auch wenn die Szene mit dem Tanklaster der übelste Spezialeffekt sei langem ist. Hirnverbrannt und dumm, aber irgendwie ein Heidenspaß.

6/10

Freitag, 9. September 2016

Hardcore Henry - Hardcore (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3072482/

Das Moskau der Zukunft: Henry stand an der Schwelle zwischen Leben und Tod, seine Frau Estelle (Haley Bennett) wurde entführt und er hat keine Ahnung, wer genau er eigentlich ist – jetzt, wo er frisch in eine kybernetische Kampfmaschine umfunktioniert wurde. Immerhin hat er so die passenden Fähigkeiten, es mit dem psychopathischen Söldnerboss Akan (Danila Kozlovsky) aufzunehmen, der massig seiner Soldaten auf Henry hetzt und große Pläne verfolgt: die Produktion einer Armee biotechnisch aufgerüsteter Soldaten. Gut, dass Henry den schrägen Jimmy (Sharlto Copley) an seiner Seite weiß. Gemeinsam stürzt man sich in den wilden Kampf, in dem Henry ordentlich austeilt und auch echte Nehmerqualitäten beweist. Wieder und wieder rappelt er sich auf, bis auch der wirklich letzte Gegner plattgemacht ist...

"Hardcore Henry" ist irgendwie wie "Crank" - nur eben als Ego-Shooter. Und das scheint auf den ersten Blick das einzig Bahnbrechende an "Hardcore Henry" zu sein. Mal eben einen Action-Marathon durch die Augen des Helden erleben. Allen voran sind das natürlich extrem flashige Bilder von Endlos-Geballer und eben auch ein kleiner Hauch von "kennt man schon". Doch wer sich darauf einkässt, erlebt mit "Hardocore Henry" das vielleicht erste, wahrhaftig fleisch- und filmgewordene Action-Game. Selbstredend bietet die Story um den in einen Cyborg umgebauten Henry, der seine Braut, die Wissenschaftlerin und Lebens-Retterin, Estelle aus den Klauen des Psycho-Baddies Akan retten will, den simplen Vorwand für eine selbstvergessene Baller- und Schlacht-Orgie. In einem Rausch aus unverständlichem Russisch, Parkour-Kletterei durch Moskaus Innenstadt - oft nicht ganz schwindelfrei - , Luft-Sprüngen, Keilereien und eben wilden Herumgeballer - in "Hardcore Henry" wird erschossen, malträtiert, gesprengt, geschnetzelt und verstümmelt.

Jedoch offenbart "Hardcore Henry" allen Spieler-Nerds eine ebenso tiefsitzende Liebe der Macher für die Funktionsweise von Videogames. Wie "Super Mario" hechtet Henry seiner Geliebten durch immer neue Levels und Sub-Quests hinterher. Und wie in jedem guten Titel wird diese ihm auch wieder entrissen, wenn sich Henry endlich am Ziel wähnt. Wie eine Spielfigur muss sich Cyborg-Henry zwischendurch Upgrades verschaffen und die Power-Taste durchdrücken. Während natürlich Bösewicht Akan mit seiner teils erlesenen Wortwahl und Aussprache den Prototyp des telekinetischen Arschlochs mit abwertender Sprach-Funktion gibt. Ein Wichser, zu dem sich Henry am Ende schließlich regelrecht hochhüpfen muss. Was diesen GoPro-Wahnsinn aber erst so richtig durchdrehen lässt, ist der Einsatz von  "District 9"-Liebling Sharlto Copley. Als Partner im Co-Op-Modus darf Copley in immer neuer Charakteristika sein schauspielerisches Talent entfalten. Ob als Jeansjacken-tragender Punk, Kiffer-Biker mit Freudschem Vokabular oder als britischer Soldat; Copley dabei zu beobachten, wie er Koks durch die Nase zieht und gleich darauf in einem Bordell die Schwarte krachen lässt - das macht einen großen Teil des Fun-Faktors dieses Films aus.

Da stört es sogar weniger, dass "Hardcore Henry" mehr für seine Exekutionen gefeiert werden darf, denn echte Innovation gibt es (mal ganz von der Perspektive abgesehen) nicht. Eher funktioniert der Film wie die große Träumerei eines Nerd-Teams, das einfach sämtliche Versatz-Stücke von Super-Soldaten, Macho-Sprüchen und Videspiel-Referenzen zusammen gebündelt hat. Genauer ausgedrückt bedeutet das, bei "Hardcore Henry" werden Gegener per Bullet-Time ins Visier gekickt, wo sie laut schreiend ihrer Gliedmaßen beraubt werden. Oder per Granat-Wurf meterhoch durch die Gegend geschleudert werden. Teilweise auch unter Einsatz eines gloriosen, rockigen Soundtracks und actionlastigen Scores.

Mag es damit nun auch nicht gerade der beste Action-Streifen sein, "Hardcore Henry" hat so seine Momente allzu ersichtlicher Digi-Effekte. Die unechten Einschuss-Löcher und Explosionen sollen dabei noch nicht mal stören. "Hardcore Henry" ist einerseits völlig hirnlos und ein riesiger Game-Irrsinn ohne Mitspielmöglichkeit. Andererseits bleibt der Film konsequent in seiner Machart und bietet einige schöne Querverweise für alle, die sich schon mal im Netzwerk-Match von feindlichen Truppen haben umpusten lassen. Und ganz ehrlich gesagt, gibt es ja kaum eine andere denkbare Zielgruppe für einen Film wie "Hardcore Henry". Hier heißt es Anschnallen und Luft anhalten. Hirn gibts woanders.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES kommt der Film ungeschnitten und ab 18 in der "3-Disc Limited Collector's Editon" im Mediabook mit Soundtrack und 48-seitigem Booklet, inklusive Comic:

Montag, 29. Juni 2020

Guns Akimbo (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6902676/

Miles (Daniel Radcliffe) ist ein echter Loser, der bislang einfach nur in den Tag hineingelebt hat. Doch das ändert sich, als er von der gnadenlosen Organisation "Skizm" gezwungen wird, in einem modernen Gladiatorenkampf mitzumachen, bei dem Menschen sich gegenseitig bekämpfen müssen, während die brutalen Kämpfe live im Internet übertragen werden. So wird auch bei ihm eine automatische Waffe an jeder Hand befestigt und schon sieht er sich auf einmal der tödlichen Gladiatorin Nix (Samara Weaving) gegenüber, die er töten muss, wenn er nicht selbst sterben will. Statt zu kämpfen tritt Miles zwar zunächst lieber die Flucht an, aber weil er seine Ex-Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) retten will, ist er schlussendlich doch gezwungen, bei dem Kampf auf Leben und Tod mitzumischen...

Allein schon die Grundprämisse von "Guns Akimbo" macht deutlich Lust auf mehr, denn man stelle sich vor: Eines Morgens wacht man auf und jemand hat einem dicke Schrauben durch die Fingergelenke gebohrt, um damit zwei fette Knarren - mit jeweils exakt 50 Schuss Munition - an den Händen zu befestigen. Und als wäre das nicht schon genug, sind damit alltägliche Dinge, wie Hosen anziehen, Türen (an denen nur ein Knauf befestigt ist) öffnen oder nur ein Handy bedienen, plötzlichr richtig kompliziert. Aber der wahre Albtraum beginnt ohnehin erst auf der Toilette: Nicht nur kriegt man seinen Penis nicht richtig zu fassen, man muss auch höllisch aufpassen, sich nicht selbst die Kronjuwelen wegzuschießen. Mehr als zehn Jahre nach "Crank" und "Shoot 'Em Up" legt der neuseeländische Filmemacher Jason Lei Howden mit "Guns Akimbo" nun einen eigenen hyperkinetischen, superbrutalen High-Concept-Actioner vor, der zunächst einmal mit seiner völlig abgefahrenen Pistolenhand-Prämisse aufhorchen lässt. Aber selbst wenn die folgenden eineinhalb Stunden mit einigen schön kranken Ideen und einer kaum noch nachzuvollziehenden Anzahl von Kopfschüssen aufwarten, erreicht "Guns Akimbo" niemals ganz diesen unwiderstehlichen frenetischen Fluss, der die oben genannten Vorbilder auszeichnete.

Der Film spielt in "Shrapnel City" - angelehnt an die gleichnamige fiktive Stadt aus dem Ego-Shooter "Duke Nukem 3D". Trotzdem erinnert die erste Szene, in der Nix und ihre "Skizm"-Gegner aus Autos unter anderem mit einer Minigun herumballern, viel mehr an die neueren Vertreter des Mega-Franchises "Grand Theft Auto". Selbst wenn im Wohnzimmer von Miles ein "Rambo II"-Poster hängt und ihm ein Van Damme-Actioner an anderer Stelle sogar das Leben rettet, zelebriert Jason Lei Howden auf anderem visuellen Level vor allem die gängigen Stilmittel von Videospielen - von freidrehenden Kamerafahrten über virtuelle Einblendungen bis hin zu extremen Zeitlupen. Dies aber geschieht etwas uneinheitlich und so entwickelt sich kaum ein durchgängiger inszenatorischer Fluss. Auch die viel zu hektischen Schnitte lassen den Zuschauer mehr als einmal die Orientierung verlieren. Die Videospiel-Ästhetik hingegen wird auch bei den Gewaltdarstellungen übernommen - so spritzen in den Shootout-Szenen meist sich stark ähnelnde CGI-Blutfontänen durch die Luft. Grundsätzlich passt diese Entscheidung sicherlich ins visuelle Konzept, aber so nutzt sich die Provokation natürlich auch ziemlich schnell ab und nach dem fünften Kopfschuss verliert die ausgestellte Hypergewalt drastisch an Wirkung. Was nicht heißt, dass "Guns Akimbo" deswegen schlecht ist, nur gänzlich neue Ideen bleiben aus.

Zum Glück nimmt sich "Guns Akimbo" aber selbst zu keiner Sekunde ernst - vor allem nicht, wenn man Miles mit Pistolenhänden zwischen einer ausgeleckten Meth-Packung und einem gebrauchten Kondom nach einem halben weggeworfenen Hotdog stochern sieht. So ist das Ganze angemessen kurzweilig, auch wenn einige Albernheiten wie etwa das Unterlegen der Actionszenen mit bewusst unpassenden Popsongs ganz schön strapaziert werden und Gags, in denen einer der Beteiligten gar nicht mitbekommt, wie um ihn herum das ganze Büro in Einzelteile zerballert wird, während er sich in voller Lautstärke "You Spin Me Round" anhört, auch nicht mehr ganz frisch sind. Daniel Radcliffe nimmt man den Part als programmierender Popkultur-Nerd definitiv ab, zudem ist Miles lange Zeit glaubhaft überfordert mit den Pistolen an seinen Händen - auch wenn er später bei der Stürmung des "Skizm"-Unterschlupfs plötzlich und ohne Erklärung präzise einen Kopfschuss nach dem anderen setzt. Auch hier etablieren sich spätestens weitere Filmfehler, über die man bisher noch großzügig hinwegsehen konnte. "Ready Or Not"-Shooting-Star Samara Weaving hat hingegen eine ziemlich undankbare Rolle: Nachdem Nix erst einmal als Bad-Ass-Braut mit Minigun etabliert ist, wird ihr auf der Zielgeraden noch ein dramatischer Hintergrund angedichtet, den der Film aber selbst nicht ernst nimmt, weshalb die angepeilte Tragik vollkommen wirkungslos direkt wieder verpufft. Am ehesten in Erinnerung bleibt deshalb der krass tätowierte Charakterkopf von Ned Dennehy, der sich hier nach seinem Part als Brother Swan in dem psychedelischen Fiebertraum "Mandy" nachdrücklich für weitere Psycho-Rollen empfiehlt.

7/10

Der Film ist von LEONINE auch im limitierten Mediabook erhältlich:

Quellen: 
Inhaltsangabe: Leonine

Sonntag, 19. September 2021

Kate (2021)

https://www.imdb.com/title/tt7737528/

Für Auftragskillerin Kate (Mary Elizabeth Winstead) ist kein Job zu gefährlich, keine Mission unlösbar. Ihre akribische Art und ihre Perfektion machen sie zur ultimativen Tötungsmaschine, die nicht aufzuhalten ist. Allerdings gerät ein Auftrag in Tokio außer Kontrolle und führt dazu, dass Kate vergiftet wird. Innerhalb der nächsten maximal 15 Stunden wird sich der schleichende Tod durch ihre Adern bewegen und das Leben von Kate beenden. Für Kate ist die aussichtslose Lage dennoch kein Grund aufzugeben: Um sich an den Tätern und ihren Feinden zu rächen, verbündet sie sich mit der Tochter eines ihrer früheren Opfer und zieht in einen Krieg, der keine Gnade kennt. Bevor sie stirbt, will Kate ihren letzten Auftrag so ausführen, wie man es von ihr gewohnt ist: mit Perfektion, Zielsicherheit und eiskaltem Kalkül. 

"Kate" ist ein solider Actioner, nicht mehr und nicht wneiger. Eine Mischung aus "Crank" und "John Wick", wobei "Kate" aber in den Actionszenen nie den Style eines "John Wick" erreicht. Doch ein paar der Actionszenen sind ganz gut gemacht und halten den Zuschauer bei der Stange. Mit Tokio als Schauplatz bekommt "Kate" zudem ein tolles Setting spendiert, dass aber auch nicht mehr so unverbraucht ist, wie es sein sollte. Als kurzweiliger sowie überdrehter Actionhappen hätte "Kate" gut funktioniert, jedoch kämpft man außerhalb der Action aufgrund des generischen und überraschungsfreien Handlungsverlaufs mit einer überhöhten Ermüdungsgefahr und der plötzlich auftretende Kitsch-und Rührseligkeitsfaktor gegen Ende bremste den Film noch weiter aus. "Kate" kommt zwar schleppend, aber immerhin konsequent ins Ziel. Doch die angenehm kurze Laufzeit sorgt dafür, dass man sich quasi nie langweilt. Die Schauspieler machen einen guten Job, allen voran Mary Elizabeth Winstead, die als weibliche Kampfmaschine überzeugt. Das rettet ihn aber auch nicht mehr vor der Belanglosigkeit.

5,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix

Dienstag, 27. Juli 2021

Jolt (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10228134/

Die Türsteherin Lindy (Kate Beckinsale) hat ein Aggressionsproblem und ist bekannt dafür, eine ziemlich kurze Zündschnur zu haben. Um sich unter Kontrolle zu halten, trägt sie eine mit Elektroden gefütterte Weste. Immer, wenn sie kurz davor ist, gemeingefährlich zu werden, kann sie sich mit ihrer Jacke wieder in die Normalität schocken. Nachdem Justin (Jai Courtney), der erste Kerl, in den sie sich je verliebt hat, ermordet wird, begibt sie sich auf einen Rachefeldzug, um den Mörder zu finden, während die Cops sie als Hauptverdächtige verfolgen...

Nach einem kurzen erklärenden Intro wird der Zuschauer in diesen zusammenhangslosen B-Actioner geworfen, bei dem man sich freut, wenn man die billigen Settings verlässt und sich tatsächlich in einer Real-Life-Location wiederfindet. Dass sich "Jolt" ein Stück weit bei "Crank" und "Atomic Blonde" bedient hat wird schnell ofeensichtlich. "Jolt" ist optisch vernünftig produziert, reicht aber mit der arg konstruierten minimalistischen Handlung vorne und hinten nicht aus. Wenn man schon zu Beginn die dünne Vorgeschichte als Gute Nacht Story vorgetragen bekommt, kennt man die Ausrichtung des Streifens. Da kann auch Kate Beckinsale als sexy Hingucker nichts retten. Dazu kommt erschwerend, dass selbst Nebenfiguren wie Karikaturen wirken (besonders schlimm ist Detective Vicars (Bobby Cannavale) und seine Kollegin), die Dialoge sind zum Davonlaufen und hier und da bekommt der Zuschauer etwas halbherzig inszenierte Action. Der Film ist ein heilloses Chaos ohne jeden Sinn und beizeiten durch seinen überladene Möchtegerncoolness auch anstrengend, dafür jedoch erstaunlcherweise auch nie wirklich langweilig und auf eine abgefuckte Art stets unterhaltsam. Trotzdem bleibt am Ende dann nur das Gefühl, eine Pilotfolge für eine sehr kurzlebige 2000er Actionserie gesehen zu haben. Dafür kann man beim besten Willen keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Leonine

Freitag, 12. August 2022

카터 - Kateo - Carter (2022)

https://www.imdb.com/title/tt21237030/

Agent "Carter" (Joo Won) weiß nicht mehr, wer er ist oder wo er ist. Er wacht in einem leeren Motelzimmer auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Eine Stimme in seinem Ohr hat eine Botschaft für ihn: "Ihr Name ist Carter. Bitte vertrauen Sie mir, wenn Sie wollen, dass wir hier alle lebend herauskommen." Wenn er am Leben bleiben möchte, muss er tun, was ihm gesagt wird. Denn in seinem Mund wurde eine Bombe platziert, die jederzeit hochgehen kann, wenn er den Anweisungen nicht Folge leistet. Angetrieben durch Angst und die Frage nach seiner Existenz begibt er sich auf eine gefährliche Mission. Er soll ein Mädchen retten, das das einzige Gegenmittel für die tödliche Pandemie darstellt, die die USA und Nordkorea schwer erschütterte. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, das er gewinnen muss, denn das Schicksal vieler Menschen hängt von ihm ab. 

Der südkoreanische Actioner "Carter" ist ein visueller Amoklauf irgendwo zwischen "Crank" und "Hardcore" mit einer völlig entfesselten Wackelkamera, die über weite Strecken suggerieren will, dass der Film als One-Take gedreht worden ist, auch wenn man deutlich merkt, dass da ganz oft neu angesetzt worden ist. Bereits nach 5 Minuten wird das Gaspedal voll durchgetreten. Hier wird fließig von vielen Genrekollegen recycelt mit einem aggressiven Schuss aus dem Infizierten-Genre. Allein das erste Drittel ist eine schwindelerregende Splatteractionorgie mit amateurhaften Schnitt, vogelwilden Stunts und furioser Kameraarbeit, eingebettet als derbes B-Movie im teils billigsten CGI-Look, dass man meinen könnte eher ein Videospiel zu sehen, was auch die viel zu vielen Katzenleben der Hauptfigur angeht. Alles inszeniert zwischen kreativ verspielt und dilettantisch. Aber zum Nachdenken über Logik und Sinn bleibt bei dem rasanten Tempo eh keine Zeit. Trotzdem entsteht so ein Fluss mit ziemlich irren Montagen am laufenden Band, die technisch zwischen "wow" und "grenzwertig" schwanken.

"Carter" ist sich für keinen so bekloppten Einfall zu schade, aufgrund der eigentlich ernsten Prämisse des Films wirkt es dadurch oftmals unfreiwillig komisch. Die eigentliche Handlung um einen Nord-Südkoreakonflikt inklusive Virusepedemie ist dabei nebensächlich bzw. dient nur dazu den Bodycount weiter in die Höhe zu treiben. Die Action steht klar im Vordergrund. Damit bietet "Carter" im Endeffekt über zwei Stunden lang teils ultrabrutale Videospielaction, die wenig mit den elegant inszenierten koreanischen Gangster-, Agenten- und Actionfilmen der letzten Jahre gemeinsam hat und von einigen vermutlich als Tortur empfunden werden dürfte. Schade nur, dass der Film trotz seiner simplen Prämisse unnötig verworren erzählt und schlicht auch 30 Minuten zu lang ist, denn schon bald wird die Abfolge von immer neu auftretenten Gegnerscharen auf Dauer schnell monoton, wiederholt sich und fügt nichts Neues mehr hinzu, allgemein ist der Film mit 130 Minuten unnötig gestreckt, denn dafür gibt der dünne Plot und die Figuren nichts her, was die lange Laufzeit rechtfertigt. Da kann es noch so krachen an allen Ecken und Enden, spätestens der finale Akt (gefühlt das letzte Drittel) hechelt förmlich nicht nur mühsam in sein Ziel, auch erweckt es den Eindruck, dass das Budget gegen Ende aufgebraucht war und die Filmemacher sich schwer taten, endlich ein Cut zu setzen.
So irre "Carter" begann, so erschöpft und lahm hört es leider auch auf. Kruder und irgendwie geiler Schwachsinn.

6,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix