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Dienstag, 20. Juni 2023

The Flash (2023)

https://www.imdb.com/title/tt0439572/

Barry Allen alias The Flash (Ezra Miller) arbeitet mittlerweile als Kriminalermittler bei der Polizei von Central City. Als "The Flash" ist er außerdem ein Mitglied der Justice League - einem Team aus Superhelden rund um Batman mit Superman, Wonder Woman, Aquaman und Cyborg. Seine Superkraft besteht darin, dass er sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit durch Raum und Zeit bewegen kann. Damit plant er, die Vergangenheit zu manipulieren, um so den Tod seiner Mutter zu verhindern und die Unschuld des ursprünglich für den Mord an ihr verurteilten Vaters zu beweisen. Dabei verstellt Barry Allen jedoch aus Versehen eine Stellschraube in der Zukunft, sodass er in einer Realität landet, in der General Zod (Michael Shannon) mit der Vernichtung des Planeten droht. Das Problem: Viel Widerstand kann sich gegen diesen Plan nicht regen, denn in dieser Realität gibt es keine Superhelden, die Zod aufhalten könnten. Außer dieser eine Batman, der eigentlich schon lange im Ruhestand ist…

Bevor der Film "The Flash" in den Kinos erschien, gab es zahlreiche Ansätze, eine Kinoadaption mit der gleichnamigen Hauptfigur zu produzieren. So beauftragte Warner Bros. Ende der 1980er Jahre den Comicbuchautoren Jeph Loeb, ein Drehbuch zu einer Flash-Verfilmung zu schreiben. Doch dieses Projekt wurde nie verwirklicht. Im Jahr 2004 gab David S. Goyer bekannt, dass er beauftragt wurde, ein Drehbuch zu "The Flash" zu schreiben, nachdem Warner Bros. das Drehbuch zu "Batman Begins", der 2005 erschien, überzeugte. Er meinte, dass der Ton jenes Films nicht so düster wie Batman Begins werden sollte, sondern verglich diesen eher mit Sam Raimis Familienfilmen "Spider-Man" und "Spider-Man 2". Neben der Regie wurde bekannt gegeben, dass Goyer für den Film über The Flash auch Regie führen sowie der Produzent sein sollte. Anfang Februar 2007 gab Goyer jedoch bekannt, dass das Projekt gescheitert ist. Als Grund gab er an, dass er und Warner Bros. sich nicht einig waren, welche Richtung der Film einschlagen sollte. Ende Mai 2010 gab Barry Meyer, zu der Zeit Vorsitzender von Warner Bros., erneut bekannt, an einer Leinwandadaption zu "The Flash" zu arbeiten. Greg Berlanti war dabei als Regisseur vorgesehen. Am 9. Juni 2010 wurde er mit Michael Green und Marc Guggenheim, die zusammen auch das Drehbuch zum 2011 erschienenen Film "Green Lantern" verfassten, dazu beauftragt, eine Abhandlung über den geplanten Film zu schreiben. Das Drehbuch war bereits vollendet, doch entwickelte sich der Film "Green Lantern" zu einem finanziellen Misserfolg und das Projekt wurde eingestellt. 

Nachdem 2013 der Film "Man Of Steel" in den Kinos veröffentlicht worden war, gab Warner Bros. bekannt, dass dieser Film der Beginn eines Filmuniversums darstelle, in dem auch andere Figuren aus dem DC-Universum existieren. Bei einer Pressemitteilung am 15. Oktober 2014 kündigte Kevin Tsujihara, nun Vorsitzender von Warner Bros., zahlreiche Filme über das später als DC Extended Universe (DCEU) bekannte Filmfranchise bis einschließlich 2020 an, darunter zahlreiche Filme über einzelne Figuren wie "The Flash". Der Film über Flash wurde für 2018 als Nachfolger des Films "Justice League" angekündigt und setzt die Handlung des Films fort. Anfang Oktober 2015 wurde Seth Grahame-Smith als Regisseur für den Film "The Flash" bestätigt. Wegen kreativen Differenzen mit Warner Bros. verließ Grahame-Smith das Projekt jedoch Ende April 2016 wieder. Im Juni 2016 wurde Rick Famuyiwa als neuer Regisseur vorgestellt, der fünf Monate später das Projekt ebenfalls wegen kreativen Differenzen mit Warner Bros. verließ. Im März 2018 wurden schließlich John Francis Daley und Jonathan Goldstein für den Regieposten verpflichtet. Ein Jahr später wurde bekannt, dass beide auch für das Drehbuch verantwortlich sein werden, das vorher zunächst von Joby Harold und später auch von Dan Mazeau überarbeitet werden sollte. Da Daley und Goldstein allerdings einen eher lustigen Film im Stile von "Aquaman" machen wollen, bat Ezra Miller das Studio darum, ein eigenes, düstereres Drehbuch schreiben zu dürfen, woraufhin ihm Grant Morrison zur Seite gestellt wurde.

Im Juli 2019 wurde bekannt gegeben, dass Daley und Goldstein durch Andy Muschietti und Christina Hodson als Regisseur bzw. als Drehbuchautor ersetzt wurden, wobei Barbara Muschietti das Produktionsteam ergänzte. Zugleich wurde der Beginn der Vorproduktion für Januar 2020 angekündigt. Unter dem Titel "The Flash" wurde der Film im Oktober 2018 für 2021 angekündigt. Mit der Ankündigung des Films ließ Tsujihara verlauten, dass Flash von Ezra Miller verkörpert wird. Nachdem Affleck zwischenzeitlich verkündet hat, nicht mehr Batman zu verkörpern, wurde am 20. August 2020 bekannt gegeben, dass er in "The Flash" wieder die Rolle verkörpern wird. Zuvor, am 22. Juni 2019, wurde bekannt gegeben, dass Warner Bros mit Michael Keaton verhandelt, als Batman aufzutreten. Er verkörperte diese Rolle bereits in den Filmen "Batman" und "Batmans Rückkehr" von Tim Burton aus den Jahren 1989 und 1992. Später schlossen sich Maribel Verdú als Nora Allen, Sasha Calle als Supergirl und Kiersey Clemons erneut als Iris West der Besetzung an, und im Dezember 2021 bestätigte Warner Bros die Beteiligung von Michael Shannon und Antje Traue, die ihre jeweiligen Rollen aus dem Film "Man Of Steel" erneut übernehmen sollen.

Die Dreharbeiten sollten nun ursprünglich Anfang 2017 beginnen. Nach zahlreichen Verschiebungen wurde im Oktober 2018 schließlich angekündigt, dass der Film frühestens Ende 2019 gedreht werden soll und somit erst 2021 in die Kinos kommen kann. Der Grund dafür ist die Überschneidung der Dreharbeiten mit dem dritten Teil der "Phantastische Tierwesen"-Filmreihe, in dem Ezra Miller ebenfalls mitspielen sollte. Später wurde der Drehstart auf November 2019 und schließlich auf das erste Quartal 2021 konkretisiert. Die Dreharbeiten begannen Mitte April in London und sollen den Leavesden Studios fortgesetzt werden. Doch damit nicht genug. Wegen Millers Eskapaden, Prügeleien, gewalttätigkeiten und anderen strafrechtlich relevanten Delikten kam es erneut zum Stopp der Produktion. Als James Gunn jedoch als CEO die DC-Sparte bei Warner übernahm und den bereits fertigen Film sah, wurde erneut ein Starttermin festgelegt und nach diversen positiven Testscreenings sogar vorverlegt. Und nun ist der "schnellste Mann der Welt" endlich im Kino angekommen.

Hätte Warner Bros "The Flash" auf Eis legen sollen? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Die Berichte des Hauptdarstellers Ezra Miller und seine zweijährige Abwärtsspirale - die Vorwürfe der Belästigung, des Groomings und der körperlichen Gewalt einschließt - sind auf eine Weise erschütternd, die über jede kritische Analyse hinausgeht. Noch vor der Frage der Verantwortlichkeit muss die Frage gestellt werden, warum es kein Unterstützungssystem gab. Warum hatte niemand die Mittel oder die moralische Verpflichtung, in einer Situation einzugreifen, in der sich eine Person in einem so eindeutig gefährlichen Zustand befand? Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass irgendjemandem durch die Veröffentlichung oder den Abbruch von Millers Film geholfen werden würde. In beiden Fällen kann Warner Bros. jede Verantwortung von sich weisen und sich auf das Schicksal seines Produkts konzentrieren, nicht auf die Menschen, die es beschäftigt. Und obwohl der Schauspieler (wie seine Vertreter betonen) derzeit in Behandlung ist, bringt das Händeringen um eine geplante Fortsetzung die perverse Implikation mit sich, dass die Behandlung nicht dann endet, wenn die Ärzte es sagen, sondern wenn Hollywood entscheidet, dass es für Miller Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen. Die Geschichte in "The Flash" lehnt sich an die Handlung im Buch "Flashpoint" an, indem mehrere Figuren der DC Comics vorkommen. "The Flash", der sich also seit fast zehn Jahren in der Entwicklung befindet, kommt nun auch nach der Ankündigung, dass die neue Führung von DC, Peter Safran und James Gunn, größtenteils bei Null anfangen wird. Adieu, 10 Jahre unfähige Franchise-Entwürfe. Das bedeutet, dass der Film, der hier ankommt, ein seltsamer ist - verworren und unsicher in Bezug auf seine eigene Identität, gefärbt durch äußere Umstände, aber manchmal seltsam ergreifend. Er bewegt sich irgendwo zwischen zynischem Fanservice und der aufrichtigen Sehnsucht, aus einer Unternehmensstrategie Kunst zu machen.

Ein Großteil dieser Zweiteilung ist in der Handlung begründet, in der sich The Flash, alias Barry Allen, auf eine intime Reise mit metaphysischen Implikationen begibt. Als der Zuschauer ihn zum ersten Mal trifft (in einer - zugegeben - sehr coolen Sequenz), ist Barry frustriert über seinen Platz im Pantheon der Superheldenliga, da er im Grunde genommen "der Hausmeister der Justice League" geworden ist und für Batman (Ben Affleck) den Dreck weg räumt. Es schmerzt ihn auch, dass er nicht in der Lage ist, die Unschuld seines Vaters (Ron Livingston) am Mord an seiner Mutter (Maribel Verdú) zu beweisen. Und so nutzt er seine Kräfte, um die Zeit zurückzudrehen. Doch dabei gerät das Raum-Zeit-Kontinuum aus den Fugen - und Barry trifft auf eine jüngere Version seiner selbst, die weder denselben Verlust noch dieselben Heldentaten erlebt hat - und noch keine Kräfte hat. Die Drehbuchautorin Christina Hodson gelingt es dankenswerterweise, etwas Menschlichkeit aus diesem Meta-Menschen herauszukitzeln. Dies ist schließlich eine Geschichte über den Trauerprozess und eine wörtliche Umsetzung des Konzepts der Heilung des eigenen inneren Kindes. Barry erfährt, wer er ohne den persönlichen Schmerz gewesen wäre, und beginnt natürlich, sich über sein glücklicheres, unbeirrtes Ich zu ärgern. Miller findet mit diesen beiden, manchmal konkurrierenden Darbietungen stets das richtige Gleichgewicht - ein Fortschritt für eine Figur, deren einziges Merkmal bisher "nervig" war. Das soll aber nicht heißen, dass er nervigkeitsfaktor völlig ad acta gelegt wurde - es gibt durchaus Szenen, die den Zuschauer mit den Augen rollen lässt. Doch es insgesamt ist ein Produkt eines starken Drehbuches... wenn man es tatsächlich durch die Geräusche von Explosionen und die zahllosen Cameos hören kann.

Wie bereits bekannt, landet Barrys Zeitlinienschwindel in einem Universum, in dem Michael Keaton Batman ist, so wie er es in Tim Burtons Doppeldosis von Filmen 1989 und 1992 war. Keaton taucht mit dem gleichen gewinnenden Lächeln auf wie Andrew Garfield in "Spider-Man: No Way Home", wenn auch nicht mit dem gleichen emotionalen Abschluss. Regisseur Andy Muschietti hat hier wahrscheinlich den meisten Spaß, da er seinen Film enthusiastisch in die gotische, nebelverkrustete Ästhetik von Burtons Werk und die entsättigte Düsternis von Zack Snyders DC-Beiträgen einführt (Michael Shannons Zod aus "Man Of Steel" kehrt nämlich ebenfalls zurück). Außerdem gibt es zwei Flash-zentrierte Sequenzen, die eine unerwartete Hommage an die Looney Tunes darstellen, mit Babys, die aus Wolkenkratzern fallen, und Musikinstrumenten einer Band, die aus einem Lastwagen purzeln. Sie sind so selbstverliebt albern, dass sie irgendwie funktionieren. Vorausgesetzt, man ignoriert die völlig inkonsistenten Spezialeffekte. Und apropos Spezialeffekte: was die Macher wohl völlig vergessen haben, ist, neben den teilweise hervorragend animierten Auftritten des Flash in der "realen Welt", den CGI in der "Zeitreiseebene" eine finale Politur zu verpassen. Diese Effekte sind teilweise so dermaßen und vor allem sichtbar schlecht, dass sie schon eine Erwähnung wert sind.

Erwähnenswert sind dagegen auch die Handvoll Cameos, von denen manche das Fanherz höher schlagen lassen und man sich schon beinahe ein Grinsen verkneifen muss, und andere, die so lächerlich (und cool gleichzeitg) sind, dass man die Hartnäckigkeit der Macher fast bewundern muss. Der federleichte Auftritt von Sasha Calles Supergirl passt daher hervorragend rein. Es ist klar, dass DC nicht wirklich weiß, was sie hier würdigen, außer dem Wissen, dass es andere Comicverfilmungen gibt. "The Flash" ist, ähnlich wie Barry selbst, ohne wirklichen Sinn für die Geschichte gestrandet, und auch ohne wirklichen Sinn für die Zukunft. Er tut das Beste, was er kann. Ob das hier jemals fortgesetzt wird, scheint dennoch fragwürdig, da man unterm Strich zwar wunderbar unterhalten wird - mit ein paar kleineren Längen - aber letztlich wieder einen Superheldnfilm bekommt, bei dem sich alles irgendwie zusammengeklaut anfühlt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia

Mittwoch, 2. März 2022

The Batman (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1877830/

Seit zwei Jahren kämpft der Milliardär Bruce Wayne (Robert Pattinson) als rächender Vigilant Batman für eine bessere Welt in seiner Heimatstadt Gotham City. Doch es ist ein einsamer Kampf, den nur wenige Verbündete wie sein Butler Alfred Pennyworth (Andy Serkis) und der aufrichtige Polizist Lt. James Gordon (Jeffrey Wright) unterstützen. Denn Gotham ist ein Moloch, zerfressen von einem korrupten Netzwerk, in das fast alle Beamten der Stadt und auch die reichen Eliten involviert sind. Doch als ein mysteriöser Killer diese ins Visier nimmt und eine Reihe sadistischer und tückischer Anschläge verübt, sind Batmans Detektiv-Fähigkeiten gefragt. Die zahlreichen kryptischen Hinweise führen ihn immer tiefer in die Unterwelt, wo zwielichtige Figuren wie Selina Kyle alias Catwoman (Zoë Kravitz), Oswald Cobblepot alias Pinguin (Colin Farrell), Mafiaboss Carmine Falcone (John Turturro) und Edward Nashton alias Riddler (Paul Dano) zu Hause sind. Doch die Spuren führen Batman auch zu ihm selbst und seiner Vergangenheit...

Auch "The Batman" hat eine wilde Geschichte hinter sich. Bereits im Juli 2015 wurde ein Solofilm über die Figur Batman angekündigt, welches nach den Ereignissen der Filme "Batman v Superman: Dawn Of Justice" und "Justice League" spielen sollte. Als Regisseur und Hauptdarsteller sollte Ben Affleck fungieren, der gemeinsam mit Geoff Johns auch für das Drehbuch vorgesehen war. Im März 2016 wurde ferner bekannt gegeben, dass das Skript bereits verfasst wurde. Affleck gab bekannt, dass er sich für "The Batman" von den Comics inspirieren ließ, die Handlung jedoch eine gänzlich neue Geschichte sei und der Film den Arbeitstitel "The Batman" trägt. Doch entgegen den ursprünglichen Planungen wurde am 30. Januar 2017 bekannt gegeben, dass Affleck nicht weiter als Regisseur von "The Batman" zuständig ist. Bis Januar 2017 sollen Affleck und das Studio jedoch die Entscheidung getroffen haben, dass jemand anderes das Projekt leiten soll. Begründet wurde sein Rückzug damit, dass er sich auf seine Funktion als Darsteller konzentrieren möchte. Stattdessen gab es Bestrebungen, dass bevorzugt Matt Reeves oder alternativ Matt Ross Affleck als Regisseur ersetzen. Das ursprüngliche Originaldrehbuch wurde von Chris Terrio umgeschrieben. Schließlich wurde am 23. Februar 2017 bestätigt, dass Reeves einen Vertrag als Regisseur und als Co-Produzent für "The Batman" unterzeichnet hat. Allerdings verschob sich die Produktion, da Reeves noch die Produktion des Films "Planet der Affen: Survival" bis Juni 2017 vollenden musste. Reeves ließ verlauten, dass er den Fokus auf Batman als Detektiv in "The Batman" legen möchte. Um die Vision von seinem Film realisieren zu können, schrieb Reeves das Drehbuch erneut um, wie im Juli 2017 bekannt gegeben wurde. 

Im selben Monat wurde auch bekannt gegeben, dass nun unklar sei, ob Affleck weiterhin die Titelrolle verkörpert. Im Januar 2019 bestätigte Affleck schließlich, dass er nicht weiter in "The Batman" zu sehen sei. Er wurde im Mai 2019 durch Robert Pattinson ersetzt, wodurch der Film fortan nicht mehr zum DC Extended Universe gezählt wurde. Neben Pattinson waren auch Nicholas Hoult, Armie Hammer und Aaron Taylor-Johnson für die Rolle im Gespräch. Im Oktober 2019 wurde bestätigt, dass die Schauspielerin Zoë Kravitz die Rolle der Catwoman und Paul Dano die des Riddlers übernehmen wird. Wenig später wurde Jeffrey Wright als Commissioner Gordon verpflichtet. Andy Serkis wurde von Matt Reeves als Alfred Pennyworth bestätigt. John Turturro soll hingegen den Gangsterboss Carmine Falcone verkörpern. Außerdem wurde berichtet, dass sich Colin Farrell in Verhandlungen für die Rolle des Pinguin befinden soll. Die Filmmusik komponiert Oscar-Preisträger Michael Giacchino. Die Dreharbeiten begannen am 27. Januar 2020 in London, wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie allerdings Mitte März 2020 unterbrochen. Die erst zu einem Viertel erfolgten Filmaufnahmen wurden Anfang September 2020 in den Warner Bros. Studios Leavesden nahe London fortgesetzt, anstatt den Drehort wie ursprünglich geplant zu wechseln. Nach nur drei Tagen mussten die Filmaufnahmen aufgrund der COVID-19-Infektion von Hauptdarsteller Robert Pattinson erneut für zwei Wochen unterbrochen werden. Mitte Oktober 2020 wurden die Dreharbeiten nach Liverpool verlagert; zuvor drehte man im Februar bereits in Glasgow. Für einzelne Szenen kam die von Industrial Light & Magic entwickelte StageCraft-Technik zum Einsatz, die erstmals bei "The Mandalorian" verwendet wurde und bei der zuvor aufgenommene Hintergrundaufnahmen zu einem virtuellen Raum zusammengefügt und im Anschluss über große LED-Videowände direkt am Filmset, der Kameraperspektive angepasst, abgespielt werden. Am 13. März 2021 wurden die Dreharbeiten offiziell abgeschlossen.

Der Film sollte ursprünglich am 24. Juni 2021 in die deutschen und am darauffolgenden Tag in die US-amerikanischen Kinos kommen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie wurde der US-amerikanische Starttermin zunächst auf den 1. Oktober 2021 und später auf den 4. März 2022 verschoben.

Nun ist das Reboot um den "Dunklen Ritter" im Kino angekommen. Bereits 2019 deutete Todd Phillips' grandioser "Joker" auf eine noch bedrohlichere Zukunft des DC-Universums hin, in der Superheldenfilme aller Größenordnungen so sehr zum modernen Kino gehören würden, dass sie gar keine Superheldenfilme im klassischen Sinne mehr sein müssen. Und auch Matt Reeves' "The Batman" ist kein Superheldenfilm. Nicht wirklich. Zwar sind alle Merkmale vorhanden: das Batmobil, der ikonische Anzug und natürlich die Gadgets, die der treue Butler Alfred zur Verfügung stellt. Und natürlich steht der dunkle Ritter mit dem schwarzen Umhang selbst im Mittelpunkt: nachdenklich, wortkarg, gequält und stets auf der Suche nach seiner eigenen Art von Gerechtigkeit in einem Gotham City, das in Elend und Verfall versinkt. Aber unter der Regie von Matt Reeve fühlt sich das alles in seiner Trostlosigkeit atemberaubend lebendig und neu an. Als Regisseur und Co-Autor hat er aus einer scheinbar vertrauten Geschichte eine epische, beinahe sogar opernhafte Story gemacht. Sein "The Batman" ähnelt eher einem arg düsteren Kriminaldrama aus den 70er Jahren als einem schwungvollen und mitreißenden Blockbuster der Neuzeit (wie ihn mancher vielleicht erwarten würde). Mit seiner kinetischen, unvorhersehbaren Action und mit einer Reihe von aufsehenerregenden Morden, die die Handlung vorantreiben, fühlt es sich manchmal an, als würde der Killer aus "Zodiac" oder "Se7en" die Bürger von Gotham City terrorisieren.

Dies ist nicht "Captain America: The Winter Soldier", der sich als Verschwörungsthriller der 1970er Jahre aufspielt, oder ein "Logan", der sich nur halbwegs zu seinem Western-Herz bekennt, und es ist auch kein simpler Rückgriff auf die Christopher Nolan-Trilogie um den dunklen Ritter, die Bruce Wayne in einem greifbaren Gotham verankerte und sich dennoch weitgehend an die für das Genre erwarteten Handlungsstränge und Spektakel hielt. Nein, dieser Batman hier gehört zu einem ganz anderen Genre, denn Reeves verzichtet hartnäckig auf den üblichen Schnickschnack und setzt stattdessen auf einen knallharten Mordfall als Grundstein, in dem der größte Detektiv der Welt zufällig ein (äusserst) gequälter Milliardär mit einer Vorliebe für Fledermäuse ist. Reeves schafft hier das, was er bereits mit seinen fesselnden Beiträgen zum "Planet der Affen"-Franchise geschafft hat: ein elektrisierendes, unterhaltsames Spektakel, das aber auch auf echten, emotionalen Einsätzen beruht. Dies ist ein Batman-Film, der sich seines eigenen Platzes innerhalb der fragilen Popkultur bewusst ist. Er erkennt die Entstehung der Comicfigur an, um sie dann zu untersuchen und auf eine Weise neu zu erfinden, die sowohl substanziell als auch gewagt ist. Das Drehbuch von Reeves und Peter Craig zwingt nicht nur den Helden, seine Geschichte zu hinterfragen und sich mit seiner Bestimmung auseinanderzusetzen, er eröffnet auch den Zuschauern dieselbe Möglichkeit.

Robert Pattinson, der die Rolle des Bruce Wayne übernimmt, war sicher eine gewagte Wahl. Noch immer haftet ihm das Image des "Glitzervampirs" aus der "Twilight"-Saga an. Doch Pattinson hat vor allem in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass er zu mehr fähig ist. Zu viel mehr. Mit ihm haben wir einen Schauspieler, der nicht nur bereit, sondern auch hungrig ist, die unheimlichen, dunklen Instinkte der titelgebenden Figur zu erkunden. Er scheint am besten zu sein, wenn er Figuren spielt, in denen man sich unwohl fühlt. Er spielt nicht den verwegenen Erbe eines Vermögens, der in einem coolen Kostüm herumläuft und die Leute verprügelt. Das ist Travis Bickle im Fledermauskostüm, distanziert und desillusioniert. Seit zwei Jahren ist er Batman und verfolgt die Verbrecher von oben im gotisch angelegten Wayne Tower - eine passende, aber gewöhnungsbedürftige Abwechslung zu dem weitläufigen Wayne Manor, welches eine noch größere Isolation von der Gesellschaft suggeriert. "Sie denken, ich verstecke mich in den Schatten", sagt er im Off-Kommentar, der stark an Walter Kovacs/Rorschach aus "Watchmen" erinnert, "Aber ich bin der Schatten." Im grellen Tageslicht gibt Pattinson den verkatert wirkenden Indie-Rockstar mit Emo-Anleihen. Das will nicht so recht passen. Aber in der Nacht kann man den Rausch förmlich spüren, den er bekommt, wenn er seine Rache ausübt, selbst mit seiner taktischen Ausrüstung und der Maske. Und diese Sequenzen überwiegen und machen die Figur des Bruce Wayne mehr als wett.

Mehr noch als Christian Bale in der Rolle, versteht es Pattinson, seine schönen, kantigen Gesichtszüge beunruhigend wirken zu lassen. Wenn er also zum ersten Mal die sexy Zoe Kravitz als Selina Kyle erspäht, die in ihre ledernen Motorradklamotten schlüpft und auf ihrer eigenen Jagd nach nächtlicher Gerechtigkeit die Feuertreppe hinunterschlittert, ist da ein unverkennbares Aufflackern in seinen Augen, der in gewisser Weise sogar den Joker zitiert: "Sie ist ein Freak... wie ich". Pattinson und Kravitz haben eine richtig gute Chemie miteinander - sie ist ihm körperlich und emotional auf Schritt und Tritt ebenbürtig. Sie ist keine Schmusekatze: Sie ist eine Kämpferin und eine Überlebenskünstlerin mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit. Jeffrey Wright spielt Commissioner Gordon und ist die seltene Stimme des Idealismus und des Anstands in dieser Welt. John Turturro ist als Verbrecherboss Carmine Falcone unaufdringlich schmierig und gleichzeitig bedrohlich. Andy Serkis bringt als Alfred väterliche Weisheit und Wärme mit. Colin Farrell ist in der Rolle des schäbigen, schurkischen Oswald Cobblepot, besser bekannt als Pinguin, nicht wiederzuerkennen unter gefühlt 50 Pfund Makeup und Kostüm. Doch Paul Dano ist als Riddler, dessen eigener Rachefeldzug das Rückgrat dieser Geschichte bildet, schlichtweg furchterregend. Er geht hier auf eine Weise zum Äußersten, die an seinen verblüffenden Auftritt in "There Will Be Blood" erinnert. Sein Wahnsinn ist so intensiv, wie man ihn eigentlich vom Joker hätte erwarten können und er erzeugt damit eine immense Spannung. Und es gibt rein gar nichts Amüsantes an seiner Darstellung; Dano gibt einem das Gefühl, einen Mann zu sehen, der wirklich zutiefst gestört ist. Allein Werdegang zeugt von einem Riddler, der irgendwie gleichzeitig der Joker und Jigsaw zu sein scheint.

Damit entfaltet sich ein überlanger Superheldenkrimi, der trotz seiner Laufzeit von fast drei Stunden durchweg fesselnd ist. Das neue Batmobil ist bodenständiger und etwas zurückgenommener als der Tumbler aus der Nolan-Verfilmung, aber es ist genauso ein muskulöses Fahrzeug, das direkt aus "Mad Max: Fury Road" (oder sogar dem "Fast"-Fanchise) stammen könnte - und spielt eine wichtige Rolle in einer der besten Sequenzen des Films. Es handelt sich dabei um eine ausgeklügelte, aber stets realitätsnahe Verfolgungsjagd und einen Crash, der eine Kettenreaktion auslöst und in einem Feuerball endet. Bei einer Schlägerei in einem pulsierenden Nachtclub, die von pulsierenden roten Lichtern untermalt wird, kann man jeden Schlag und Tritt spüren. Und hier wird auch verdeutlicht, dass Batman eben nicht unbesiegbar ist. Auch ist eine Schießerei in einem stockdunklen Gang, der nur vom Mündungsfeuer der Maschinenpistolen beleuchtet wird, sowohl kraftvoll als auch visuell umwerfend. Die Kraft solcher Szenen wird durch den Score von Michael Giacchino noch verstärkt. Er schafft perkussive und bläserlastige Musik, die sich massiv und anspruchsvoll anfühlt, und die man tief in seinem Inneren spürt und ein wohliges Gefühl des Unbehagens generiert. Selbst der relativ vertraute Höhepunkt des Films ist unangenehm, weil er all die üblichen Kämpfe vor einem erkennbaren Hintergrund des realen Horrors inszeniert.

In Zusammenarbeit mit seinem Team, die allesamt auf höchstem Niveau und mit einer ordentlichen Portion Präzision gearbeitet haben, hat Reeves einen Film geschaffen, der es fertig bringt, gleichzeitig authentisch und gewichtig, substanziell und impressionistisch zu sein. Kameramann Greig Fraser gelingt derselbe atemberaubende Zaubertrick wie bei seiner Oscar-nominierten Arbeit in Denis Villeneuves "Dune": Durch strömenden Regen und Neonlicht wirkt seine Bildsprache sowohl durchsichtig als auch kräftig. Sein Einsatz von Schatten und Silhouetten ist meisterhaft und trägt viel dazu bei, ein Gefühl der (dunklen) Vorahnung und Spannung zu vermitteln. Allein der vielfältige Einsatz der Farbe Rot im Film, die Energie, Gefahr und sogar Hoffnung suggeriert, ist grandios. Seine stygische Farbpalette dehnt Bruces persönliche Hölle auf ganz Gotham aus in einem Maße, das sie wie eine verbrannte Erde als Widerlegung der gezuckerten Ästhetik der meisten anderen Superheldenfilme erscheinen lässt. Und das Kostümdesign der großartigen Jacqueline Durran - mit Dave Crossman und Glyn Dillon, die Pattinsons rauen Batsuit entworfen haben - gibt der coolen, kantigen Stimmung des Films genau den richtigen Schliff. Während sich Reeves in den letzten Szenen leider in die Sicherheit des Franchise-Aufbau-Modus zurückzieht, gelingt es "The Batman", das Bat-Signal in ein Leuchtfeuer der Hoffnung zu verwandeln, anstatt es zu fürchten. Doch unterm Strich ist dies vielleicht der düsterste und hoffnungsloseste Batman-Film, den man je gesehen hat - auch wenn es eigentlich gar kein herkömmlicher Batman-Film ist.

8,5/10

In der "3-Disc Limited Steelbook Edition" erschien der Film als 4K Ultra HD im Steelbook. 

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia

Donnerstag, 8. Juli 2021

Zack Snyder's Justice League - Zack Snyder: Justice League - Justice League (The Snyder Cut) - #ReleaseTheSnyderCut (2021)

https://www.imdb.com/title/tt12361974/

Superman (Henry Cavill) ist tot. Um die Menschheit steht es nach dem Dahinscheiden des mächtigen Superhelden schlechter als je zuvor, zumal Batman (Ben Affleck) auch entdeckt, dass der Erde eine Invasion durch eine außerirdische Macht bevorsteht: Der mächtige Darkseid (Ray Porter) und sein nicht minder gefährlicher Handlanger Steppenwolf (Ciarán Hinds) sehen nun ihre Chance gekommen, die drei Mutterboxen zurückzuerobern, mächtige Artefakte, die Darkseid vor vielen Tausend Jahren auf der Erde zurückgelassen hat. Gemeinsam mit Wonder Woman (Gal Gadot) versucht Batman eine Truppe von anderen Helden zusammenzutrommeln, um den Angreifern entgegenzutreten. Doch selbst gemeinsam mit Einzelgänger Aquaman (Jason Momoa), der die Meere beherrscht, dem blitzschnellen Außerseiter The Flash (Ezra Miller) und dem technikaffinen Cyborg (Ray Fisher) scheinen sie Steppenwolf und seiner Armee nicht gewachsen zu sein...  

Bereits während der Produktion von "Justice League" wollte der Distributor Warner Bros., dass der Film gegenüber "Man Of Steel" und "Batman v Superman" eine deutlich weniger düstere Tonalität erhält, sodass Snyder mit Drehbuchautor Chris Terrio das Drehbuch entsprechend anpasste. Nachdem Snyder den Film weitestgehend vollendet hatte und nur noch diverse visuelle Effekte eingearbeitet werden mussten, trat er aus familiären Gründen aus der Produktion zurück. An seiner Stelle wurde Joss Whedon damit beauftragt, die Postproduktion zu beenden, wobei berichtet wurde, dass Warner Bros. mit Snyders Fassung unzufrieden war. Daher wurde Whedon, der für den Konkurrenten Marvel bei den Filmen Marvel’s "The Avengers" und "Avengers: Age Of Ultron" Regie führte, bereits vorher damit beauftragt, das Drehbuch zu "Justice League" zu überarbeiten und die Nachdrehs zu begleiten. Snyder sollte dabei jedoch Regie führen. Ferner gab Warner Bros. unter anderem vor, dass der Film eine Laufzeit von 2 Stunden nicht überschreiten durfte.

Nachdem Snyder das Projekt verließ, übernahm Whedon die vollständige Verantwortung für den Film. Er fügte dem Drehbuch 80 neue Seiten bei und setzte zweimonatige Nachdrehs an. Diese Szenen waren heller, humorvoller und weniger brutal als Snyders Version. Um die Anforderungen an die Laufzeit zu erfüllen, kürzte Whedon 90 Minuten Material, das Snyder produziert hatte. 

Gemäß Kameramann Fabian Wagner wurden etwa 90 % des Materials, das Snyder für seine Fassung vorgesehen hatte, in der finalen Kinofassung verworfen. Ebenfalls wurde als Komponist Junkie XL, der seine Arbeit bereits vollendet hatte, durch Danny Elfman ersetzt. Einem Testpublikum wurde am Ende sowohl Snyders als auch Whedons Rohfassungen präsentiert, wobei Whedons Version besser abschnitt. Daher entschied Warner Bros., diese Version zu vollenden.

Kurz nach der Veröffentlichung von "Justice League" bemängelten Snyder-Fans jedoch, dass der Film offenbar Whedons statt Snyders Werk war, und starteten eine Online-Petition mit etwa 180.000 Unterschriften, bei der die Veröffentlichung des Snyder-Cuts gefordert wurde. Aus der Forderung entwickelte sich unter dem Hashtag #ReleaseTheSnyderCut in den Sozialen Medien eine Bewegung, obwohl noch gar nicht bestätigt war, dass eine andere Fassung des Films als die veröffentlichte Version existierte. Bestätigt wurde ihre Vermutung jedoch durch Stab-Mitglieder des Films wie Aquaman-Darsteller Jason Momoa, Cyborg-Darsteller Ray Fisher und Steppenwolf-Schauspieler Ciarán Hinds, die die Fans unterstützten. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung haben zahlreiche Cast-Mitglieder geschlossen die Veröffentlichung des Snyder-Cuts gefordert.

Auch die Bewegung #ReleaseTheSnyderCut verstummte nicht und führte diverse Kampagnen durch, bei denen sie die Veröffentlichung des Snyder-Cuts forderten. So forderten sie im Juli 2019 bei einem Massenbriefschreiben an Warner-Bros.-Geschäftsführerin Ann Sarnoff die Veröffentlichung des Snyder-Cuts. Ebenfalls 2019 startete ein Fan eine Crowdfunding-Kampagne. 50 Prozent des Erlöses gab er für eine Werbekampagne zur Veröffentlichung des Snyder-Cuts aus und mietete dafür während der San Diego Comic-Con Werbetafeln und ein Flugzeug, an dem ein Werbebanner hing. Die andere Hälfte wurde an die American Foundation for Suicide Prevention gespendet. Eine ähnliche Kampagne folgte im selben Jahr auf der New York Comic-Con. Regisseur Zack Snyder unterstützte diese und ähnliche Bemühungen und bestätigte im März 2019, dass es die von den Fans geforderte Fassung des Films gibt. Er ergänzte jedoch, dass es die Entscheidung von Warner Bros ist, ob diese Fassung veröffentlicht wird. Im Dezember 2019 veröffentlichte Snyder ein Bild mit der Aufschrift Z.S. J.L Director’s Cut und untertitelte die Frage "Is it real? Does it exist? Of course it does." (deutsch: "Ist er echt? Gibt es ihn? Natürlich gibt es ihn."). Allerdings ging er davon aus, dass seine Fassung unveröffentlicht bleibt und möglicherweise Ausschnitte irgendwann in einer Dokumentation veröffentlicht werden.

Bereits im Juli 2019 kündigte WarnerMedia mit HBO Max eine hauseigene Streaming-Plattform an. Nachdem die Fanproteste für die Veröffentlichung von Snyders-Fassung nicht verebbten, kamen bei WarnerMedia ab Ende 2019 Gespräche auf, den Snyder-Cut tatsächlich zu Ende zu produzieren und zu veröffentlichen. Im Februar 2020 fällte das Unternehmen schließlich die Entscheidung, sich mit Snyder bezüglich seiner Fassung in Kontakt zu setzen. Snyder stellte anschließend den Verantwortlichen von Warner Bros., HBO Max und DC seine Fassung vor und konnte sie überzeugen, sodass die Verantwortlichen ihm die Erlaubnis erteilten, seine Vision des Films zu vollenden. Bei der Vorstellung präsentierte Snyder auch die Möglichkeit, den Film als Miniserie zu veröffentlichen. Eine Woche vor der Veröffentlichung der Streaming-Plattform HBO Max kündigte Snyder schließlich an, dass auch seine Schnittfassung von "Justice League" 2021 auf der Streaming-Plattform erscheinen wird. Im August 2020 gab Snyder ferner bekannt, dass seine Fassung zunächst als vierteilige Miniserie mit je 60 Minuten pro Folge erscheinen werde. Anschließend solle die Miniserie auch als vierstündiger Film veröffentlicht werden. Im Januar 2021 bestätigte Snyder jedoch auf eine Fan-Frage hin, dass die neue Fassung nun doch nicht als Serie, sondern als vierstündiger Film erscheinen wird. Zudem werde der Film voraussichtlich einen anderen Titel erhalten.

Für die Fassung wird jedoch nicht nur Material verwendet, das für den ursprünglich vorgesehenen Kinofilm "Justice League" gedreht wurde, sondern fanden seit dem 6. Oktober 2020 zusätzlich Nachdrehs statt. Die Nachdrehs ergänzen die bisherigen 214 Minuten um 4 weitere Minuten mit komplett neuem Material. Das Budget für die Snyder-Fassung soll 70 Millionen US-Dollar betragen. "Zack Snyder’s Justice League" debütierte letztlich am 18. März 2021 in den Vereinigten Staaten auf HBO Max.

Dabei ist interessant: Vier Stunden Film können also tatsächlich als kurz empfunden werden. Das der Plot der ersten Version von "Justice League" mit Zack Snyder's Version nicht komplett auf den Kopf gestellt werden würde, war aber auch klar. Doch tatsächlich sind nur wenige der Bilder identisch, sodass der Film auch über einen iegenen Eintrag in der International Movie Database bekam - was man nicht gerade von vielen Versionen von Filmen sagen kann. Es gilt somit prinzipiell: Wer die Kinofassung von 2017 schon mochte, für den gibt es hier eine deutlich stärker in den Bann ziehende Version, und erzählerisch zu den meisten Charakteren ordentlich Nachschlag, was vor allem dem Gegener Steppenwolf, aber auch den bisher wneige beachteten mitgliedern der "Justice Leage" Cyborg The Flash zugute kommt. Dieses 'mehr' an Hintergrund funktioniert allerdings längst nicht immer, denn so mancher Moment driftet allzu sehr ins Gefühlige ab. Exakt dann entstehen die einzigen wirklichen Längen des Films. Doch insgesamt punktet der Film durch einen viel glaubwürdigere Bedrohung, mehr Figurentiefe und einen grandiosen Score.

Trotz Schwächen ist der Snyder Cut ein guter Film mit klarer, einheitlicher Vision von einem Mann und seiner Crew. Der Film ergibt viel mehr Sinn, verzichtet größtenteils vollständig auf nervigen Teenager Humor und ist viel spannender. Die Schauspieler, insbesondere Ben Affleck, erhielten die Möglichkeit, eine viel bessere Performances abzugeben als noch im Whedon Cut. Cyborg bekommt eine sinnvolle Vorgeschichte, die Chemie im Team ist besser und Flash hat eine wesentlich coolere Rolle. Auch sein Nerv-Faktor ist abgemildert. Auch das Pacing passt nun. Das Finale ist wie zu erwarten episch und viel packender als das im Whedon Cut. Stellenweise erkennt man aber auch Lücken im Drehbuch, gerade wenn es um Teamarbeit innerhalb der Justice League geht. Das tut aber dem endlich epischen Finale aber keinen Abbruch. Man kann selbstverständlich auch hier über Logiklöcher meckern, doch im Endeffekt ist "Zack Snyder's Justice League" einfach ein sehr unterhaltsamer und cooler Superhelden-Film, der es mit Stringenz nicht ganz so ernst nimmt.Aber welcher Superheldenfilm tut das schon?

"Zack Snyder's Justice League" ist sicher die bessere und weitsichtigere Version, aber am Ende ist sie sehr offensichtlich vor allem eine überlange Einleitung für eine noch viel größere Geschichte, die bedauerlicherweise in dieser Form wohl nie verwirklicht werden wird. Daran ist Snyder nicht gänzlich unschuldig, weil er nach dem dezent überambitionierten "Batman v Superman" bereits angezählt war und seine klar vorhandene Vision weder den Fans noch dem Studio angemessen vermitteln konnte. Hier ist sie erkennbar, leider zu spät. Nach seinem unfreiwilligen Rückzug wurde er offenkundig nicht mal mehr zurate gezogen, stattdessen zog man bei DC lieber gleich die Notbremse. Jetzt rebootet man unter dem Deckmantel des Multiversums einfach so lange, bis dabei mal etwas herauskommt, was irgendwie (fast) allen gefällt. Flickschusterei eben. Sehr schade, denn besonders der überlange Epilog, der fast so wirkt, als wollte Snyder partout nicht zum Ende kommen, liefert ein paar sehr interessante Elemente, die sich wirklich für eine Weiterverfolgung lohnen würden. Der neuerliche Ausflug in die Knightmare-Welt, die in "Batman v Superman" noch gewaltige Fragezeichen hinterließ, ist hier hinsichtlich der Story und der abenteuerlichen Allianz hochinteressant und hätte es absolut verdient vollständig erzählt zu werden. Doch es wird wohl ein Traum bleiben.

Für Snyder dürfte es eine späte Genugtuung sein zu sehen, dass die Fans ganz plötzlich mehrheitlich doch Gefallen an seinen Ideen finden und seine Rückkehr ins DCEU fordern. Da man im Studio aber in Panik verfallen ist und nahezu alles umgeworfen hat, weil man an den Kinokassen nicht mit Marvel, wo man Milliardenerfolge praktisch im Vorbeigehen einsackt, mithalten konnte, dürfte das Universum, wie Snyder es sich vorgestellt hat, mehr oder weniger tot sein. 

Die Geschichte der Justice League" ist hier wie da an sich nichts besonderes und wartet auch nicht mit komplexen Handlungsverläufen auf, sondern folgt eher dem klassischen Superheldenfilm Schema. Die Handlung wirkt schlüssiger, die Figuren erhalten mehr Tiefe, die Dialoge und der Humor sind nicht mehr peinlich und die Optik deutlich angenehmer. Aber was Zack Snyder überdurchschnittlich gut schafft, ist Momente zu schaffen. Emotionale Momente. Man merkt, dass Zack Snyder mit diesem Film auch eine persönliche Tragödie verarbeitet und das Thema Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Und das ist der größte Unterschied zur Kinoversion. Der Snyder Cut lässt einen - ganz im Gegensatz zur Kinoversion - nicht kalt. Im Gegenteil. Er berührt. 

9/10

In der "Limited 4-Disc Steelbook Edition" erschien der "Snyder Cut" als 4K Ultra HD im Steelbook.

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia