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Donnerstag, 4. August 2016

Batman v Superman: Dawn Of Justice (Extended Cut) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2975590/

Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von "Man Of Steel" Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe "Justice League" formieren...

Wenn man sich den Werdegang der beiden großen Comic-Studios betrachtet fällt eines sofort ins Auge. Nämlich, dass DC Comics im Vergleich zu den Marvel Studios den Einstieg in ein DC Cinematic Universe nicht nur ein wenig verschlafen hat. Während Marvel bereits im Jahr 1998 mit kleinen, vorsichtigen Schritten ihre Comiccharaktere nach und nach auf die Leinwand brachte, verpasste DC Comics diesen Zug nicht nur einmal. Im Jahr 2003 hatte Marvel schon 5 Filme auf den Markt geworfen und damit auch mehr oder weniger 5 Treffer gelandet. Währenddessen dümpelte man im DC Universum ein wenig vor sich hin und hielt sich mit der (gleichwohl sehr guten Serie) "Smallville" über Wasser. Erst 2 Jahre später, im Jahr 2005, bekam DC mit "Batman Begins" endlich einen Fuß in die Tür und landete auf Anhieb einen großen Erfolg. Da war es aber schon fast zu spät. Mit dem 2006er "Superman Returns" von Bryan Singer vergraulte man aufgrund der für einen Superman-Film unwürdigen Story schon wieder viele Fans und hätte 2008 nicht Christopher Nolan mit seinem "The Dark Knight" seinen Erfolg von 2005 übertrumpft, wer weiß dann schon, was aus DC geworden wäre? 2008 war zudem die Sternstunde von Marvel Enterprises, die mit ihrem "Iron Man" nun erst so richtig ins "Marvel Cinematic Universe" einstiegen. Und was hatte DC? Einen Helden quasi schon zu den Akten gelegt und einen zweiten, der nun auf dem Höhepunkt seines Schaffens nur noch einen Film vor sich hatte, denn Nolan hatte zu dem Zeitpunkt bereits angekündigt, dass er maximal eine Trilogie unter seiner Regie veröffentlichen würde.

Erst im Jahr 2013 und mit dem Erfolg von Zack Snyders "Man Of Steel" kündigte man plötzlich und - wohl für viele unerwartet - ein eigenes DC Cinematic Universe und in diesem Zusammenhang eine ganze Wagenladung Filme an. Viele Zweifel gab es wohl nicht, dass man bei DC krampfhaft versucht, das von Marvel mittlerweile komplett etablierte Konzept zu kopieren. Von daher wirkte gerade diese Aussage reichlich holprig, fast sogar schon aufgesetzt und als Versuch, auf den fahrenden Zug noch aufzuspringen. Da Nolans "Batman"-Trilogie nicht zum Repertoire des neuen DC-Universums gehören sollte benötigte man also wieder eine Neuinterpretation des Charakters inklusive neuen Hauptdarstellers. Als bekannt wurde, dass die Wahl hierbei auf Ben Affleck fiel, war die Skepsis bei Fans wie auch distanzierteren Betrachtern gleichermaßen ausgeprägt. Affleck hatte nicht zuletzt im Jahr 2004 noch den Marvel-Charakter "Daredevil" kinotechnisch vorläufig zu Grabe getragen. Dass darüber hinaus direkt ein Duell zwischen Batman und Superman ausgetragen werden sollte, wirkte für viele erst mal als zu unausgegorene und hektische Entscheidung seitens DC und dem produzierenden Studio Warner Bros. Es wirkte nicht sonderlich planvoll, was da in die Realität umgesetzt werden sollte, zumal es keine so strenge inhaltliche Steuerung wie bei Marvel mit CEO Kevin Feige geben sollte.

Nun kam im März 2016 das finale Produkt in die Lichtspielhäuser und spaltete erneut die Gemüter. Marvel hatte zu diesem Zeitpunkt bereits über 30(!) Filme in die Kinos gebracht, von denen der überwiegende Teil dem Zuschauer großartige Unterhaltung und dem Studio entsprechende Einspielergebnisse brachte. Aber nun hatte man erst mal "Batman v Superman: Dawn of Justice", der auf der Ankunft von und den Zerstörungen durch Superman in "Man Of Steel" aufbaut. Stilistisch sieht man ganz klar, dass der bereits in jenem Film angeschlagene Ton seine Weiterführung findet. DC will als grimmige, düstere und ernsthaftere Comicwelt im Vergleich zum häufig als Popcornkino auftretenden Marvel-Universum wahrgenommen werden. Das gelingt zweifellos, doch wirklich neu sind die Grabenkämpfe um die Allmächtigkeit von Superhelden nicht, ist dies doch beispielsweise das zentrale Thema der "X-Men". Und dadurch, dass "Batman v Superman" den Spagat schaffen muss, einerseits einen neuen Batman einzuführen (der von einem angegrauten Affleck übrigens durchaus ansprechend dargestellt wird), den Konflikt mit Superman zu kreieren, Wonder Woman vorzustellen, um irgendwie auch das Grundgerüst für den ersten Kombifilm "Justice League" zu legen und gleichzeitig noch dafür zu sorgen, dass die Feindschaft am Ende in einem Bündnis mündet, wirkte das Werk in der Kinofassung doch reichlich gestopft und überladen, zugleich aber auch elendig lückenhaft. Die Kritiken waren dementsprechend auch lauwarm, genauso wie der Umsatz an den Kinokassen. Mit einem Budget von ca. 250 Millionen Dollar spielte man in den USA um die 330 Millionen ein, weltweit erreichte man 873 Millionen. Man holte die Kosten also zwar wieder herein, aber im Vergleich mit anderen Kassenschlagern war es für DC ein kleines Desaster. Zur Einordnung: "The Dark Knight" und "The Dark Knight Rises" erreichten jeweils über eine Milliarde in den weltweiten Kinos, eine Summe, die man sich zweifellos auch für das Aufeinandertreffen der beiden Ikonen gewünscht hätte. Dass man in den USA am Ende sogar vom R-Rated-Funfilm "Deadpool" (363 Mio.) und – wohl noch viel schmerzvoller – vom anderen "Held gegen Held"-Titel "The First Avenger: Civil War" (407 Mio. USA, 1,15 Mrd. weltweit) des großen Konkurrenten Marvel geschlagen wurde, dürfte die CEOs bei DC und Warner auch nicht gerade in Feierstimmung versetzt haben.

Um die Grundhaltung der Kinogänger, die schon vor Erscheinen des Streifens eifrig diskutierten, zu besänftigen und (was viel wahrscheinlicher ist) den in "Deadpool" angeschlagenen raueren und beim Publikum mehr als gut angekommenenen Ton einzuflechten, gab Warner schon vor dem Kinorelease bekannt, dass es für die Heimkinoauswertung eine erweiterte Fassung (die hier besprochene "Ultimate EditioN") mit zirka 30 Minuten zusätzlichem Material geben würde. Daraufhin lies Regisseur Zack Snyder verkünden, dass dies eigentlich seine Kinofassung gewesen wäre, was auch durchaus glaubhaft ist, denn viele der Erweiterungen wirken einfach nicht wie nachträglich eingefügtes Bildmaterial vom Boden des Schneideraumes, sondern wie teils schmerzliche Verluste in erzählerischer Hinsicht, die zugunsten einer fürs Kinositzfleisch erträglicheren Laufzeit von immer noch saftigen 151 Minuten weichen mussten. Wie an den zahlreichen Änderungen zu erkennen ist, stellt der "Extended Cut" ohne Frage die bessere Version des Films dar, verschlechtert die oft kritisierte Struktur des Films aber dabei auch zwangsläufig.

Durch viele Erweiterungen in der ersten Filmhälfte kommt die eigentliche Story von "Batman v Superman" erst nach knapp 90 Minuten mit der Capitol-Szene ins Rollen. Und hier bleibt dann - ebenfalls von vielen kritisiert - wirklich nicht genug Zeit für das Duell der beiden Giganten, bevor es zum gemeinsamen Finale gegen 'Doomsday' kommt. Wenn auch im Verhältnis zum Rest viel zu lang, wird die Aufwärmphase im "Extended Cut" nun aber wesentlich nachvollziehbarer und für den Zuschauer befriedigender präsentiert. Die Verschwörung, wie Superman durch den Afrikavorfall ins Kreuzfeuer geriet und Clark Kents Nachforschungen kamen in der Kinofassung viel zu kurz. Auch spätere Dinge wie die kurze, mysteriöse Einführung von 'Steppenwolf' als Fingerzeig zur "Justice League" oder auch die rückgängig gemachte Zensur, die dem Extended Cut das amerikanische R-Rating zurecht einbringt, ohne aber einen übermäßig brutalen Film aus ihm zu machen, machen das hier vorliegende Endprodukt zu einer weitaus runderen Sache. Dabei finden sich nun knapp 100 Unterschiede im Vergleich zur Kinofassung, davon ca. 60 erweiterte Szenen, ca. 40 zusätzliche Szenen oder Szenen mit alternativem Bildmaterial und tatsächlich eine rückgängig gemachte Tonzensur (Als Superman den ersten von Batmans Söldnern mit seinem Laserblick tötet, geschieht dies in der Kinofassung völlig geräuschlos. In der erweiterten Fassung hört man den Mann qualvoll schreien.). Der "Extended Cut" läuft final 29 Minuten und 54 Sekunden länger als die Kinofassung. Einen ausführlichen und bebilderten Schnittbericht gibt es wie immer hier: schnittberichte.com.

7,5/10

In der "ULTIMATE EDITION" erschien der Film in der Kinofassung und der Extended Fassung im Steelbook. Exklusiv bei amazon.de erhältlich.

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Mittwoch, 23. März 2016

Batman v Superman: Dawn Of Justice (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2975590/

Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von "Man Of Steel" Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe "Justice League" formieren...

3 Jahre nach "The Dark Knight Rises", dem großartigen und meiner Ansicht nach weit unterschätzten Ende Nolans Batman-Trilogie, und dem sehr guten "Man Of Steel" treffen nun schon die beiden größten Helden des DC-Universums aufeinander. Zack Snyder, der auch schon für "Man Of Steel" verantwortlich zeichnete, zeigt mit "Batman v Superman: Dawn Of Justice" - so verrät schon der Titel - die Anfänge der "Justice League". Zumindest wollte er das. Denn das, wofür sich das Marvel Cinematic Universe über Jahre, beinahe schon ein Jahrzehnt Zeit gelassen hat (den ersten "Hulk" rechnet man gern mit ein), soll nun in einem - mit einer Laufzeit von 152 Minuten zwar beachtlichen - aber trotzdem viel zu kurzem Film an die Fans getragen werden. Und damit haben wir schon das erste und größte Problem. Die Zeit. Die reicht nämlich einfach nicht aus, um allein schon den "neuen" Batman einzuführen. Da bringt auch die gefühlt tausendste Wiederholung der Ermordung von Bruce' Eltern und sein Fall in die Fledermaushöhle nichts. Gut, Affleck soll offenbar das Werk von Bale weiterführen, okay. Aber daraus ergibt sich bereits das nächste Problem: Kontinuität. Denn diese geht bei dieser Fledermaus völlig den Bach herunter, war doch Bale am Ende von "The Dark Knight Rises" quasi zurückgetreten und gab sein Erbe an jemand anderen weiter. Hm. Na gut.


Immerhin bietet Ben Affleck (und das hätte man so wohl nicht vermutet) einen charmanten Bruce Wayne und einen wahllos brutalen Batman, der seiner anfänglich gepredigten Linie (zivile Opfer) im Verlauf des Films immer untreuer wird. Bruce Wayne wird so eine glaubwürdige Motivation spendiert, die innerhalb von Sekunden einfach revidiert wird. Das treibt einem die Fragezeichen ins Hirn. Jeremy Irons liefert nach Michael Caine eine sehr gute Interpretation des Butlers Alfred ab. Er ist herrlich und erfrischend zynisch, hat immer einen Spruch auf Lager und man besann sich wohl mit ihm auf die ganz alten Werte seines Charakters - nämlich dass er auch mal aktiv ins Geschehen eingreift. Wenn auch nur Remote. Henry Cavill spielt erneut solide in seinen beiden Rollen als "Superman" und Redakteur. Ihm nimmt man als einzigem Helden seine Rolle auch wirklich ab, während die Auftritte von Amy Adams' Lois Lane einfach nur nervig sind. Gleiches gilt für Jesse Eisenbergs überdrehten Lex Luthor. Eisenberg ist ein hervorragender Schauspieler und wird von mir hochgeschätzt, aber seine Interpretation des Luthor ist nicht die, die man erwarten würde, sondern eher ein milderer Joker. Und das passt leider gar nicht. Ganz anders ist da die toughe Diane Prince, gespielt von Gal Gadot. Sie hat zwar vergleichweise wenig Screentime und ihre Origin-Story (die 2017 in die Kinos kommen soll) hätte mal besser vor dem Film gezeigt werden sollen, aber im Rahmen der Gesamtidee ist es in Ordnung, obwohl gleichzeitig ein wenig verschenkt. Immerhin kann man schon ein paar Infos (unter anderem zur Besetzung, wenn man die noch nicht kannte) zum kommenden "Wonder Woman" erhaschen wenn man ganz genau hinschaut.


Bis es aber zum finalen Kampf kommt, springt Snyder ein wenig zu wild zwischen den Geschehnissen hin und her. Die Geschichte hüpft von Ort von Ort, zu Logiklücke und Plothole hin zur nächsten albernen Traumsequenz. Da gibt es welche, die wohl nur eingebaut wurden, um ein wenig mehr "Epicness" in den ersten drögen Teil des Films zu bringen, denn wenn man ganz ehrlich ist passiert da eigentlich nicht viel. Auch Luthors Motivation als Gegenspieler geht verlustig. Dass er wahnsinnig ist kann man zwar hinnehmen, aber warum man deswegen gleich so einen Plan schmiedet, der final die Erweckung von dem in "Man Of Steel" besiegten General Zod und damit Doomsday zur Folge hat, erschließt sich nicht. Da wurden auch im DC Universum schon weitaus bösere Gegner besser eingeführt und erklärt. Und damit hätten wir das dritte Problem, an dem viele Superheldenfilme knabbern müssen und nur (und ironischerweise) das MCU nicht krankt: die Überlastung durch Charaktere. Denn während Batman nach dem "falschen Gott" in Lex' Archiven sucht, findet er gleich mal noch streng geheime Dokumente über "The Flash", "Aquaman" und "Cyborg", die man dann auch ganz kurz zu Gesicht bekommt. Das ist sicherlich nett und treibt einem schon ein Lächeln ins Gesicht, aber reicht eben auch nicht als Origin-Story für eine kommende "Justice League" aus. Gut, zumindest bei "The Flash" gibt es eine großartige Serie.

Und während der Film spätestens am Ende mit großartigen Effekten (und teils wirklich epischen Bildern) punkten kann, versagt die Kamera komplett. Kaum ein Kampf wird eingefangen, immer geht es wild von hier nach da, sodass man schnell die Übersicht verliert. Was man deutlich merkt sind auch die krassen, schnellen und harten Schnitte, wenn es zur Sache geht. Konnte Snyder in "Sucker Punch" und "Man Of Steel" noch sein Talent in punkto Action zeigen, sind weder eine Autoverfolgungsjagd oder der Kampf der beiden Helden, noch der Endkampf gegen Doomsday mitreißend. Ja, und da ist Problem Nummer 4, denn die Trailer verrieten wirklich schon alles, was man über den Film wissen musste: Luthor, Doomsday, Kampf zwischen Batman und Superman. Hier hätte man sich eben nicht nur auf die Gesichter der "Justice League" als Überraschung beschränken dürfen.

Bereits vor Kinostart wurde ja - vermutlich auch wegen dem R-Rated-Erfolg von "Deadpool" - eine verlängerte, härtere Fassung angekündigt. Wenn dies sich nicht nur auf Fight und 'Ka-wumm' beschränkt und den Charakteren etwas mehr Freiraum zur Entfaltung gewährt, ein paar Logiklöcher und Plotholes ausbügelt, dann ja dann könnte diese tatsächlich die bessere Version des Films sein. Die Kinofassung enttäuscht jedenfalls etwas.

6,5/10

In der "ULTIMATE EDITION" erschien der Film in der Kinofassung und der Extended Fassung im Steelbook. Exklusiv bei amazon.de erhältlich.

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Mittwoch, 2. März 2022

The Batman (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1877830/

Seit zwei Jahren kämpft der Milliardär Bruce Wayne (Robert Pattinson) als rächender Vigilant Batman für eine bessere Welt in seiner Heimatstadt Gotham City. Doch es ist ein einsamer Kampf, den nur wenige Verbündete wie sein Butler Alfred Pennyworth (Andy Serkis) und der aufrichtige Polizist Lt. James Gordon (Jeffrey Wright) unterstützen. Denn Gotham ist ein Moloch, zerfressen von einem korrupten Netzwerk, in das fast alle Beamten der Stadt und auch die reichen Eliten involviert sind. Doch als ein mysteriöser Killer diese ins Visier nimmt und eine Reihe sadistischer und tückischer Anschläge verübt, sind Batmans Detektiv-Fähigkeiten gefragt. Die zahlreichen kryptischen Hinweise führen ihn immer tiefer in die Unterwelt, wo zwielichtige Figuren wie Selina Kyle alias Catwoman (Zoë Kravitz), Oswald Cobblepot alias Pinguin (Colin Farrell), Mafiaboss Carmine Falcone (John Turturro) und Edward Nashton alias Riddler (Paul Dano) zu Hause sind. Doch die Spuren führen Batman auch zu ihm selbst und seiner Vergangenheit...

Auch "The Batman" hat eine wilde Geschichte hinter sich. Bereits im Juli 2015 wurde ein Solofilm über die Figur Batman angekündigt, welches nach den Ereignissen der Filme "Batman v Superman: Dawn Of Justice" und "Justice League" spielen sollte. Als Regisseur und Hauptdarsteller sollte Ben Affleck fungieren, der gemeinsam mit Geoff Johns auch für das Drehbuch vorgesehen war. Im März 2016 wurde ferner bekannt gegeben, dass das Skript bereits verfasst wurde. Affleck gab bekannt, dass er sich für "The Batman" von den Comics inspirieren ließ, die Handlung jedoch eine gänzlich neue Geschichte sei und der Film den Arbeitstitel "The Batman" trägt. Doch entgegen den ursprünglichen Planungen wurde am 30. Januar 2017 bekannt gegeben, dass Affleck nicht weiter als Regisseur von "The Batman" zuständig ist. Bis Januar 2017 sollen Affleck und das Studio jedoch die Entscheidung getroffen haben, dass jemand anderes das Projekt leiten soll. Begründet wurde sein Rückzug damit, dass er sich auf seine Funktion als Darsteller konzentrieren möchte. Stattdessen gab es Bestrebungen, dass bevorzugt Matt Reeves oder alternativ Matt Ross Affleck als Regisseur ersetzen. Das ursprüngliche Originaldrehbuch wurde von Chris Terrio umgeschrieben. Schließlich wurde am 23. Februar 2017 bestätigt, dass Reeves einen Vertrag als Regisseur und als Co-Produzent für "The Batman" unterzeichnet hat. Allerdings verschob sich die Produktion, da Reeves noch die Produktion des Films "Planet der Affen: Survival" bis Juni 2017 vollenden musste. Reeves ließ verlauten, dass er den Fokus auf Batman als Detektiv in "The Batman" legen möchte. Um die Vision von seinem Film realisieren zu können, schrieb Reeves das Drehbuch erneut um, wie im Juli 2017 bekannt gegeben wurde. 

Im selben Monat wurde auch bekannt gegeben, dass nun unklar sei, ob Affleck weiterhin die Titelrolle verkörpert. Im Januar 2019 bestätigte Affleck schließlich, dass er nicht weiter in "The Batman" zu sehen sei. Er wurde im Mai 2019 durch Robert Pattinson ersetzt, wodurch der Film fortan nicht mehr zum DC Extended Universe gezählt wurde. Neben Pattinson waren auch Nicholas Hoult, Armie Hammer und Aaron Taylor-Johnson für die Rolle im Gespräch. Im Oktober 2019 wurde bestätigt, dass die Schauspielerin Zoë Kravitz die Rolle der Catwoman und Paul Dano die des Riddlers übernehmen wird. Wenig später wurde Jeffrey Wright als Commissioner Gordon verpflichtet. Andy Serkis wurde von Matt Reeves als Alfred Pennyworth bestätigt. John Turturro soll hingegen den Gangsterboss Carmine Falcone verkörpern. Außerdem wurde berichtet, dass sich Colin Farrell in Verhandlungen für die Rolle des Pinguin befinden soll. Die Filmmusik komponiert Oscar-Preisträger Michael Giacchino. Die Dreharbeiten begannen am 27. Januar 2020 in London, wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie allerdings Mitte März 2020 unterbrochen. Die erst zu einem Viertel erfolgten Filmaufnahmen wurden Anfang September 2020 in den Warner Bros. Studios Leavesden nahe London fortgesetzt, anstatt den Drehort wie ursprünglich geplant zu wechseln. Nach nur drei Tagen mussten die Filmaufnahmen aufgrund der COVID-19-Infektion von Hauptdarsteller Robert Pattinson erneut für zwei Wochen unterbrochen werden. Mitte Oktober 2020 wurden die Dreharbeiten nach Liverpool verlagert; zuvor drehte man im Februar bereits in Glasgow. Für einzelne Szenen kam die von Industrial Light & Magic entwickelte StageCraft-Technik zum Einsatz, die erstmals bei "The Mandalorian" verwendet wurde und bei der zuvor aufgenommene Hintergrundaufnahmen zu einem virtuellen Raum zusammengefügt und im Anschluss über große LED-Videowände direkt am Filmset, der Kameraperspektive angepasst, abgespielt werden. Am 13. März 2021 wurden die Dreharbeiten offiziell abgeschlossen.

Der Film sollte ursprünglich am 24. Juni 2021 in die deutschen und am darauffolgenden Tag in die US-amerikanischen Kinos kommen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie wurde der US-amerikanische Starttermin zunächst auf den 1. Oktober 2021 und später auf den 4. März 2022 verschoben.

Nun ist das Reboot um den "Dunklen Ritter" im Kino angekommen. Bereits 2019 deutete Todd Phillips' grandioser "Joker" auf eine noch bedrohlichere Zukunft des DC-Universums hin, in der Superheldenfilme aller Größenordnungen so sehr zum modernen Kino gehören würden, dass sie gar keine Superheldenfilme im klassischen Sinne mehr sein müssen. Und auch Matt Reeves' "The Batman" ist kein Superheldenfilm. Nicht wirklich. Zwar sind alle Merkmale vorhanden: das Batmobil, der ikonische Anzug und natürlich die Gadgets, die der treue Butler Alfred zur Verfügung stellt. Und natürlich steht der dunkle Ritter mit dem schwarzen Umhang selbst im Mittelpunkt: nachdenklich, wortkarg, gequält und stets auf der Suche nach seiner eigenen Art von Gerechtigkeit in einem Gotham City, das in Elend und Verfall versinkt. Aber unter der Regie von Matt Reeve fühlt sich das alles in seiner Trostlosigkeit atemberaubend lebendig und neu an. Als Regisseur und Co-Autor hat er aus einer scheinbar vertrauten Geschichte eine epische, beinahe sogar opernhafte Story gemacht. Sein "The Batman" ähnelt eher einem arg düsteren Kriminaldrama aus den 70er Jahren als einem schwungvollen und mitreißenden Blockbuster der Neuzeit (wie ihn mancher vielleicht erwarten würde). Mit seiner kinetischen, unvorhersehbaren Action und mit einer Reihe von aufsehenerregenden Morden, die die Handlung vorantreiben, fühlt es sich manchmal an, als würde der Killer aus "Zodiac" oder "Se7en" die Bürger von Gotham City terrorisieren.

Dies ist nicht "Captain America: The Winter Soldier", der sich als Verschwörungsthriller der 1970er Jahre aufspielt, oder ein "Logan", der sich nur halbwegs zu seinem Western-Herz bekennt, und es ist auch kein simpler Rückgriff auf die Christopher Nolan-Trilogie um den dunklen Ritter, die Bruce Wayne in einem greifbaren Gotham verankerte und sich dennoch weitgehend an die für das Genre erwarteten Handlungsstränge und Spektakel hielt. Nein, dieser Batman hier gehört zu einem ganz anderen Genre, denn Reeves verzichtet hartnäckig auf den üblichen Schnickschnack und setzt stattdessen auf einen knallharten Mordfall als Grundstein, in dem der größte Detektiv der Welt zufällig ein (äusserst) gequälter Milliardär mit einer Vorliebe für Fledermäuse ist. Reeves schafft hier das, was er bereits mit seinen fesselnden Beiträgen zum "Planet der Affen"-Franchise geschafft hat: ein elektrisierendes, unterhaltsames Spektakel, das aber auch auf echten, emotionalen Einsätzen beruht. Dies ist ein Batman-Film, der sich seines eigenen Platzes innerhalb der fragilen Popkultur bewusst ist. Er erkennt die Entstehung der Comicfigur an, um sie dann zu untersuchen und auf eine Weise neu zu erfinden, die sowohl substanziell als auch gewagt ist. Das Drehbuch von Reeves und Peter Craig zwingt nicht nur den Helden, seine Geschichte zu hinterfragen und sich mit seiner Bestimmung auseinanderzusetzen, er eröffnet auch den Zuschauern dieselbe Möglichkeit.

Robert Pattinson, der die Rolle des Bruce Wayne übernimmt, war sicher eine gewagte Wahl. Noch immer haftet ihm das Image des "Glitzervampirs" aus der "Twilight"-Saga an. Doch Pattinson hat vor allem in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass er zu mehr fähig ist. Zu viel mehr. Mit ihm haben wir einen Schauspieler, der nicht nur bereit, sondern auch hungrig ist, die unheimlichen, dunklen Instinkte der titelgebenden Figur zu erkunden. Er scheint am besten zu sein, wenn er Figuren spielt, in denen man sich unwohl fühlt. Er spielt nicht den verwegenen Erbe eines Vermögens, der in einem coolen Kostüm herumläuft und die Leute verprügelt. Das ist Travis Bickle im Fledermauskostüm, distanziert und desillusioniert. Seit zwei Jahren ist er Batman und verfolgt die Verbrecher von oben im gotisch angelegten Wayne Tower - eine passende, aber gewöhnungsbedürftige Abwechslung zu dem weitläufigen Wayne Manor, welches eine noch größere Isolation von der Gesellschaft suggeriert. "Sie denken, ich verstecke mich in den Schatten", sagt er im Off-Kommentar, der stark an Walter Kovacs/Rorschach aus "Watchmen" erinnert, "Aber ich bin der Schatten." Im grellen Tageslicht gibt Pattinson den verkatert wirkenden Indie-Rockstar mit Emo-Anleihen. Das will nicht so recht passen. Aber in der Nacht kann man den Rausch förmlich spüren, den er bekommt, wenn er seine Rache ausübt, selbst mit seiner taktischen Ausrüstung und der Maske. Und diese Sequenzen überwiegen und machen die Figur des Bruce Wayne mehr als wett.

Mehr noch als Christian Bale in der Rolle, versteht es Pattinson, seine schönen, kantigen Gesichtszüge beunruhigend wirken zu lassen. Wenn er also zum ersten Mal die sexy Zoe Kravitz als Selina Kyle erspäht, die in ihre ledernen Motorradklamotten schlüpft und auf ihrer eigenen Jagd nach nächtlicher Gerechtigkeit die Feuertreppe hinunterschlittert, ist da ein unverkennbares Aufflackern in seinen Augen, der in gewisser Weise sogar den Joker zitiert: "Sie ist ein Freak... wie ich". Pattinson und Kravitz haben eine richtig gute Chemie miteinander - sie ist ihm körperlich und emotional auf Schritt und Tritt ebenbürtig. Sie ist keine Schmusekatze: Sie ist eine Kämpferin und eine Überlebenskünstlerin mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit. Jeffrey Wright spielt Commissioner Gordon und ist die seltene Stimme des Idealismus und des Anstands in dieser Welt. John Turturro ist als Verbrecherboss Carmine Falcone unaufdringlich schmierig und gleichzeitig bedrohlich. Andy Serkis bringt als Alfred väterliche Weisheit und Wärme mit. Colin Farrell ist in der Rolle des schäbigen, schurkischen Oswald Cobblepot, besser bekannt als Pinguin, nicht wiederzuerkennen unter gefühlt 50 Pfund Makeup und Kostüm. Doch Paul Dano ist als Riddler, dessen eigener Rachefeldzug das Rückgrat dieser Geschichte bildet, schlichtweg furchterregend. Er geht hier auf eine Weise zum Äußersten, die an seinen verblüffenden Auftritt in "There Will Be Blood" erinnert. Sein Wahnsinn ist so intensiv, wie man ihn eigentlich vom Joker hätte erwarten können und er erzeugt damit eine immense Spannung. Und es gibt rein gar nichts Amüsantes an seiner Darstellung; Dano gibt einem das Gefühl, einen Mann zu sehen, der wirklich zutiefst gestört ist. Allein Werdegang zeugt von einem Riddler, der irgendwie gleichzeitig der Joker und Jigsaw zu sein scheint.

Damit entfaltet sich ein überlanger Superheldenkrimi, der trotz seiner Laufzeit von fast drei Stunden durchweg fesselnd ist. Das neue Batmobil ist bodenständiger und etwas zurückgenommener als der Tumbler aus der Nolan-Verfilmung, aber es ist genauso ein muskulöses Fahrzeug, das direkt aus "Mad Max: Fury Road" (oder sogar dem "Fast"-Fanchise) stammen könnte - und spielt eine wichtige Rolle in einer der besten Sequenzen des Films. Es handelt sich dabei um eine ausgeklügelte, aber stets realitätsnahe Verfolgungsjagd und einen Crash, der eine Kettenreaktion auslöst und in einem Feuerball endet. Bei einer Schlägerei in einem pulsierenden Nachtclub, die von pulsierenden roten Lichtern untermalt wird, kann man jeden Schlag und Tritt spüren. Und hier wird auch verdeutlicht, dass Batman eben nicht unbesiegbar ist. Auch ist eine Schießerei in einem stockdunklen Gang, der nur vom Mündungsfeuer der Maschinenpistolen beleuchtet wird, sowohl kraftvoll als auch visuell umwerfend. Die Kraft solcher Szenen wird durch den Score von Michael Giacchino noch verstärkt. Er schafft perkussive und bläserlastige Musik, die sich massiv und anspruchsvoll anfühlt, und die man tief in seinem Inneren spürt und ein wohliges Gefühl des Unbehagens generiert. Selbst der relativ vertraute Höhepunkt des Films ist unangenehm, weil er all die üblichen Kämpfe vor einem erkennbaren Hintergrund des realen Horrors inszeniert.

In Zusammenarbeit mit seinem Team, die allesamt auf höchstem Niveau und mit einer ordentlichen Portion Präzision gearbeitet haben, hat Reeves einen Film geschaffen, der es fertig bringt, gleichzeitig authentisch und gewichtig, substanziell und impressionistisch zu sein. Kameramann Greig Fraser gelingt derselbe atemberaubende Zaubertrick wie bei seiner Oscar-nominierten Arbeit in Denis Villeneuves "Dune": Durch strömenden Regen und Neonlicht wirkt seine Bildsprache sowohl durchsichtig als auch kräftig. Sein Einsatz von Schatten und Silhouetten ist meisterhaft und trägt viel dazu bei, ein Gefühl der (dunklen) Vorahnung und Spannung zu vermitteln. Allein der vielfältige Einsatz der Farbe Rot im Film, die Energie, Gefahr und sogar Hoffnung suggeriert, ist grandios. Seine stygische Farbpalette dehnt Bruces persönliche Hölle auf ganz Gotham aus in einem Maße, das sie wie eine verbrannte Erde als Widerlegung der gezuckerten Ästhetik der meisten anderen Superheldenfilme erscheinen lässt. Und das Kostümdesign der großartigen Jacqueline Durran - mit Dave Crossman und Glyn Dillon, die Pattinsons rauen Batsuit entworfen haben - gibt der coolen, kantigen Stimmung des Films genau den richtigen Schliff. Während sich Reeves in den letzten Szenen leider in die Sicherheit des Franchise-Aufbau-Modus zurückzieht, gelingt es "The Batman", das Bat-Signal in ein Leuchtfeuer der Hoffnung zu verwandeln, anstatt es zu fürchten. Doch unterm Strich ist dies vielleicht der düsterste und hoffnungsloseste Batman-Film, den man je gesehen hat - auch wenn es eigentlich gar kein herkömmlicher Batman-Film ist.

8,5/10

In der "3-Disc Limited Steelbook Edition" erschien der Film als 4K Ultra HD im Steelbook. 

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia

Sonntag, 11. August 2024

Rebel Moon Part Two: The Scargiver - Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin (Director's Cut) (2024)

https://www.imdb.com/title/tt23137904/

Nach den Ereignissen aus "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" treten Kora (Sofia Boutella) und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sie auf verschiedenen Planeten für ihre Rebellion gegen das tyrannische Imperium gewinnen konnte, auf dem Mond Veldt in einer großen Entscheidungsschlacht gegen ihre übermächtig erscheinenden Feinde an. Der imperiale Admiral Noble (Ed Skrein) erweist sich dabei einmal mehr als fieser Manipulator, während sich die Frauen und Männer auf Koras Seite mit ihrer jeweiligen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, wenn sie den Kampf für sich entscheiden wollen...

Wenn man etwas über Zack Snyder sagen kann, dann, dass er noch nie einen Director’s Cut gemacht hat, der nicht gleichzeitig auch die bessere Version des Films war. Filme wie "Watchmen" (3 Stunden und 35 Minuten), "Batman v Superman: Dawn Of Justice" (3 Stunden und 2 Minuten) und "Zack Snyder's Justice League" (4 Stunden und 2 Minuten) sind allesamt Werke, die die Drei-Stunden-Grenze locker überschritten, im offensichtlichen Interesse, die übergroßen Visionen und Ambitionen des Filmemachers zu verwirklichen und zum Leben zu erwecken. Tatsächlich wäre es schwierig, nicht zu behaupten, dass die breitere Palette eines Director’s Cut in jedem einzelnen Fall das Werk wesentlich verbessert; wobei die damit einhergehende Verlängerung der Dauer ein grundlegendes Element der Verbesserung darstellt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Veröffentlichungen der Director's Cuts von Snyders zweiteiligem Netflix-Originalfilm "Rebel Moon", die zusammen satte 6 Stunden und 17 Minuten lang sind, kaum.

In ihrer anfänglichen "gekürzten" (sprich 4 Stunden und 16 Minuten) Form erzählten "Rebel Moon Teil Eins: Ein Kind des Feuers" und "Rebel Moon Teil Zwei: Die Narbenmacherin" eine aufgezwungene Variation von "Sieben Samurai", was zwar sicherlich eine gewisse Inspiration für die Werbung war und wahrscheinlich sogar die Schnitte strukturierte, aber im Vergleich letztlich keinen Vorteil brachte - immerhin sprechen wir hier von einem klinisch fokussierten 3 Stunden und 30 Minuten langen Meisterwerk - und die schiere Breite von Snyders Wundertüte an Hinweisen und Referenzen unterschätzte: ein Merkmal der beiden Filme, das jedem klar wurde, der mit dem Regisseur oder den im Werk offensichtlichen Kürzungen vertraut war. Während die anfänglichen Teile von "Rebel Moon", ähnlich wie Kurosawas Meisterwerk, ihre Vorgehensweise darin fanden, dass eine ausgestoßene Kriegerin (Sofia Boutella) weitere Krieger (Djimon Hounsou, Doona Bae, Staz Nair und Elise Duffy) um sich scharte, um ein kleines Dorf vor einer weit überlegenen und aggressiven äußeren Macht zu verteidigen, ist dies in den neuen Kapiteln ein gemeinsamer roter Faden, aber schon in den ersten Momenten des Films wird deutlich, dass sie nur ein Strang einer viel umfassenderen, weitläufigeren Betrachtung imperialer Gewalt und der alles verzehrenden Phase sind, in die sie in ihrem Spätstadium eintritt, wenn sie beginnt, die Biomacht nicht nur in ihren Kolonien, sondern auf allen Gebieten, einschließlich ihres eigenen Kerns, zu kannibalisieren.

Um konkreter zu werden: Die versprochenen R-Rated-Verfilmungen, die wir hier haben, beginnen mit einem völlig neuen Szenario, das etwa 20 der zusätzlichen 85 Minuten von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut)" einnimmt. Darin verwüstet das Imperium - der militärische Arm der Mutterwelt, regiert vom Tyrannen Balisarius (Fra Fee), der den König (Cary Elwes) in einem Staatsstreich abgesetzt hat - eine Welt, die die Anführer einer militanten Rebellenbewegung (Ray Fisher und Cleopatra Coleman) beherbergt hat, indem es den Anführern auf brutale Weise die Gehirne ausgießt und die hilflose Bevölkerung mit Phasern verdampft, bevor es den Planeten selbst in Asche verwandelt (denken Sie an den Todesstern, aber ohne die Gnade eines einzigen Schusses, der die Arbeit erledigt), und das alles auf Befehl seines skrupellosen Admirals (Ed Skrein). Diese Ergänzung fügt hilfreich die genauen Einsätze und psychologischen Qualen der Helden ein, die der Film schließlich zusammenstellen wird, und bereitet gleichzeitig die Bühne für die sorgfältiger erforschte Mythologie hinter den früheren wohlwollenden (tatsächlich magischen) Monarchen dieser Welt und die Abweichung, die ihr Regierungsapparat durch diese Usurpatoren erfahren hat. In diesem Sinne werden die verbleibenden Ränder der breiteren unzensierten Ränder der neuen Kapitel weiter ausgefüllt mit einem größeren Interesse an Sex, Fluchen, einem durch und durch blutigeren Kampfgefühl und einer freien Formgebung von Snyders Bereitschaft, seine Lieblingsinteressen mit Zeit zu referenzieren, die er in Nebenhandlungen mit Robotern und orkähnlichen Bestien verbringt, um einen riesigen Graphic Novel-Wandteppich von lächerlichen Ausmaßen zusammenzufügen.

Es wäre lohnenswert, dies nun einer Analyse zu unterziehen: Funktioniert diese erweiterte Form von Snyders Leidenschaftsprojekt oder hilft sie, die ursprünglichen Teile zu verbessern, die insgesamt von den Kritikern durchweg negativ und vom Publikum mit grundsätzlicher Ambivalenz aufgenommen wurden? Etwas. Was früher gut gelungen ist, wird nur verbessert, da mehr Zeit darauf verwendet wird, die Action zu stärken und ungezügelt zu lassen, die Snyder schon immer hervorragend beherrschte; während der größere Umfang dieser Leinwand es dem Regisseur ermöglicht, seine ursprünglicheren archetypischen Interessen mit Nachdruck zu erkunden. Was die Director’s Cuts beispielsweise deutlich machen, ist, dass dies zwar sehr wohl eine Anspielung auf Kurosawas "Sieben Samurai" und Lucas' "Star Wars" als Ganzes sein kann. Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der es keine Zeit für Subtilität gibt, und Snyder verzichtet größtenteils darauf, was bedeutet, dass es weiterhin Schwächen in der Erklärung gibt, wenn die Krieger in einer Reihe versammelt sind oder ihre Hintergrundgeschichten auf die gleiche Weise erzählen; dennoch kann Snyder so auch zeigen, was er erzählen möchte, und das Gladiatoren- oder Fantastische ebenso erforschen wie den einsamen Schwertkämpfer oder den Aristokraten.


Insofern der Zuschauer also das Gefühl haben soll, dass dies ein Universum ist, in dem das Imperium alles bei lebendigem Leibe auffrisst, sollte es nicht überraschen, dass dies buchstäblich der Fall ist; Snyder gehört einer Schule der Mythenbildung an, in der der Körper ein Konzept ist und Konzepte verkörpert werden müssen: Die Kriegsmaschinen werden mit Leichen gefüttert und diese Maschinen weinen, während die Situation einer Bauerngemeinschaft, die die Ernte oder Kampfbereitschaft mit ritualisiertem freiem Sex feiert, für eine Figur zu einer Möglichkeit wird, ihre Gefühle in Bezug auf ihren Platz in dieser Gemeinschaft im Hinblick auf die Kontrolle auszudrücken, die sie beim Geschlechtsverkehr behält oder aufgibt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Ansatz nicht jedermanns Sache ist. Snyder stellt seinen Ansatz eindeutig in die Tradition der Stummfilmepen, während er sich daneben kreuz und quer von allem bedient, was er will - nichts ist ausgeschlossen, wenn es eine Idee und das Gefühl dahinter zum Leben erweckt.

Die Reaktionen auf diesen Ansatz sind normalerweise gemischt, und in diesen neuen Kapiteln wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern, selbst in Bezug auf die aufgemotzte, hypergewalttätige Action, die manche letztlich eher betäubend finden werden. Snyders Arbeit als sein eigener Kameramann war ebenfalls ein Bereich der Bestürzung, aber hier werden die Bilder insgesamt mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Schärfe behandelt. Im eigentlichen Sinne ist die Verwendung ansonsten unauffälliger neuer Musik vielleicht die deutlichste Schwäche; aber selbst dies wird manchmal durch ziemlich mitreißende Verwendungen von diegetischem Sound und Snyders neu entdecktes Interesse an der Einbeziehung von Liedern als Teil seiner Bemühungen, das Ursprüngliche in der Charakterisierung von Einzelpersonen oder Gemeinschaften hervorzurufen, ausgeglichen.

Trotzdem ist es vielleicht am besten, sich auf die großen Konturen dieses Projekts zu konzentrieren, um zu versuchen, eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu erreichen. Im Wesentlichen könnte man "Rebel Moon" am besten als eine vollständig realisierte Graphic Novel bezeichnen, ähnlich wie "Zack Snyder's Justice League" sein Versuch war, einen Film aus Comic-Panels zu machen. Als Übung in ästhetischer Bombast gibt es nur wenige zeitgenössische Filmemacher, die bereit sind, alle möglichen Mittel zu finden, um alles auszuloten, was in einem Werk von Blockbuster-Ausmaßen möglich ist. Ganz zu schweigen von den grundlegenden antiimperialistischen Gefühlen eines Werks, in dem Guerilla-Widerstand als uneingeschränkt gut angesehen wird, koloniale Kriegsmaschinen das Gefüge von Raum und Zeit mit den Knochen der Besiegten zerreißen und die Tränen der Kinder und die bloße Idee jeglicher Art von falscher Ausgewogenheit einfach dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen. All dies mag sehr wohl kitschig sein, es mag sogar etwas simpel manichäisch sein, und doch hat Snyder hier eine großartige Vision des Kampfes zusammengetragen, die in einem Verständnis der Art und Weise verwurzelt ist, wie ungezügelte, schwindende Macht alles kannibalisiert, was sie sieht. Dieses Gefühl moralischer Klarheit verstärkt nur die Stärke der visionären Exzentrizität und der kolossalen Vorstellungskraft, die Snyder in seine groß angelegten Projekte einfließen lässt. Wird jeder sechs oder mehr Stunden davon brauchen? Sicherlich nicht. Aber man kann nur hoffen, dass einer unserer interessantesten zeitgenössischen Filmemacher weiterhin so unheilbar eigenwillig sein kann.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/ArtworkNetflix

Samstag, 10. August 2024

Rebel Moon Part One: A Child Of Fire - Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut) (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14998742/

Vor Jahren strandete Kora (Sofia Boutella) in einem Raumschiff auf dem Mond Veldt irgendwo am Rande des Universums. Die Einheimischen nahmen sie freundlich auf, befürchteten aber schon immer, dass Kora von einer Welt stammt, mit der sie lieber niemals Kontakt haben würden. Sie sollen Recht behalten, denn eines Tages taucht der grausame Admiral Noble (Ed Skrein) auf, ein Abgesandter des tyrannischen Imperium-Herrschers Balisarius (Fra Fee), der Veldt unterjochen und ausbeuten möchte, wie er es schon auf vielen weiteren Planeten und Monden zuvor getan hat. Doch die Invasoren haben ihre Rechnung ohne die kämpferische Kora gemacht, die ursprünglich aus ihren eigenen Reihen stammt. Gemeinsam mit dem kriegerisch gänzlich unerfahrenen Bauern Gunnar (Michiel Huisman) bricht sie zu verschiedenen Nachbargestirnen auf, um die dortigen Bewohner davon zu überzeugen, sich einer Rebellion gegen das Imperium anzuschließen. 

Wenn man etwas über Zack Snyder sagen kann, dann, dass er noch nie einen Director’s Cut gemacht hat, der nicht gleichzeitig auch die bessere Version des Films war. Filme wie "Watchmen" (3 Stunden und 35 Minuten), "Batman v Superman: Dawn Of Justice" (3 Stunden und 2 Minuten) und "Zack Snyder's Justice League" (4 Stunden und 2 Minuten) sind allesamt Werke, die die Drei-Stunden-Grenze locker überschritten, im offensichtlichen Interesse, die übergroßen Visionen und Ambitionen des Filmemachers zu verwirklichen und zum Leben zu erwecken. Tatsächlich wäre es schwierig, nicht zu behaupten, dass die breitere Palette eines Director’s Cut in jedem einzelnen Fall das Werk wesentlich verbessert; wobei die damit einhergehende Verlängerung der Dauer ein grundlegendes Element der Verbesserung darstellt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Veröffentlichungen der Director's Cuts von Snyders zweiteiligem Netflix-Originalfilm "Rebel Moon", die zusammen satte 6 Stunden und 17 Minuten lang sind, kaum.

In ihrer anfänglichen "gekürzten" (sprich 4 Stunden und 16 Minuten) Form erzählten "Rebel Moon Teil Eins: Ein Kind des Feuers" und "Rebel Moon Teil Zwei: Die Narbenmacherin" eine aufgezwungene Variation von "Sieben Samurai", was zwar sicherlich eine gewisse Inspiration für die Werbung war und wahrscheinlich sogar die Schnitte strukturierte, aber im Vergleich letztlich keinen Vorteil brachte - immerhin sprechen wir hier von einem klinisch fokussierten 3 Stunden und 30 Minuten langen Meisterwerk - und die schiere Breite von Snyders Wundertüte an Hinweisen und Referenzen unterschätzte: ein Merkmal der beiden Filme, das jedem klar wurde, der mit dem Regisseur oder den im Werk offensichtlichen Kürzungen vertraut war. Während die anfänglichen Teile von "Rebel Moon", ähnlich wie Kurosawas Meisterwerk, ihre Vorgehensweise darin fanden, dass eine ausgestoßene Kriegerin (Sofia Boutella) weitere Krieger (Djimon Hounsou, Doona Bae, Staz Nair und Elise Duffy) um sich scharte, um ein kleines Dorf vor einer weit überlegenen und aggressiven äußeren Macht zu verteidigen, ist dies in den neuen Kapiteln ein gemeinsamer roter Faden, aber schon in den ersten Momenten des Films wird deutlich, dass sie nur ein Strang einer viel umfassenderen, weitläufigeren Betrachtung imperialer Gewalt und der alles verzehrenden Phase sind, in die sie in ihrem Spätstadium eintritt, wenn sie beginnt, die Biomacht nicht nur in ihren Kolonien, sondern auf allen Gebieten, einschließlich ihres eigenen Kerns, zu kannibalisieren.

Um konkreter zu werden: Die versprochenen R-Rated-Verfilmungen, die wir hier haben, beginnen mit einem völlig neuen Szenario, das etwa 20 der zusätzlichen 85 Minuten von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut)" einnimmt. Darin verwüstet das Imperium - der militärische Arm der Mutterwelt, regiert vom Tyrannen Balisarius (Fra Fee), der den König (Cary Elwes) in einem Staatsstreich abgesetzt hat - eine Welt, die die Anführer einer militanten Rebellenbewegung (Ray Fisher und Cleopatra Coleman) beherbergt hat, indem es den Anführern auf brutale Weise die Gehirne ausgießt und die hilflose Bevölkerung mit Phasern verdampft, bevor es den Planeten selbst in Asche verwandelt (denken Sie an den Todesstern, aber ohne die Gnade eines einzigen Schusses, der die Arbeit erledigt), und das alles auf Befehl seines skrupellosen Admirals (Ed Skrein). Diese Ergänzung fügt hilfreich die genauen Einsätze und psychologischen Qualen der Helden ein, die der Film schließlich zusammenstellen wird, und bereitet gleichzeitig die Bühne für die sorgfältiger erforschte Mythologie hinter den früheren wohlwollenden (tatsächlich magischen) Monarchen dieser Welt und die Abweichung, die ihr Regierungsapparat durch diese Usurpatoren erfahren hat. In diesem Sinne werden die verbleibenden Ränder der breiteren unzensierten Ränder der neuen Kapitel weiter ausgefüllt mit einem größeren Interesse an Sex, Fluchen, einem durch und durch blutigeren Kampfgefühl und einer freien Formgebung von Snyders Bereitschaft, seine Lieblingsinteressen mit Zeit zu referenzieren, die er in Nebenhandlungen mit Robotern und orkähnlichen Bestien verbringt, um einen riesigen Graphic Novel-Wandteppich von lächerlichen Ausmaßen zusammenzufügen.

Es wäre lohnenswert, dies nun einer Analyse zu unterziehen: Funktioniert diese erweiterte Form von Snyders Leidenschaftsprojekt oder hilft sie, die ursprünglichen Teile zu verbessern, die insgesamt von den Kritikern durchweg negativ und vom Publikum mit grundsätzlicher Ambivalenz aufgenommen wurden? Etwas. Was früher gut gelungen ist, wird nur verbessert, da mehr Zeit darauf verwendet wird, die Action zu stärken und ungezügelt zu lassen, die Snyder schon immer hervorragend beherrschte; während der größere Umfang dieser Leinwand es dem Regisseur ermöglicht, seine ursprünglicheren archetypischen Interessen mit Nachdruck zu erkunden. Was die Director’s Cuts beispielsweise deutlich machen, ist, dass dies zwar sehr wohl eine Anspielung auf Kurosawas "Sieben Samurai" und Lucas' "Star Wars" als Ganzes sein kann. Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der es keine Zeit für Subtilität gibt, und Snyder verzichtet größtenteils darauf, was bedeutet, dass es weiterhin Schwächen in der Erklärung gibt, wenn die Krieger in einer Reihe versammelt sind oder ihre Hintergrundgeschichten auf die gleiche Weise erzählen; dennoch kann Snyder so auch zeigen, was er erzählen möchte, und das Gladiatoren- oder Fantastische ebenso erforschen wie den einsamen Schwertkämpfer oder den Aristokraten.


Insofern der Zuschauer also das Gefühl haben soll, dass dies ein Universum ist, in dem das Imperium alles bei lebendigem Leibe auffrisst, sollte es nicht überraschen, dass dies buchstäblich der Fall ist; Snyder gehört einer Schule der Mythenbildung an, in der der Körper ein Konzept ist und Konzepte verkörpert werden müssen: Die Kriegsmaschinen werden mit Leichen gefüttert und diese Maschinen weinen, während die Situation einer Bauerngemeinschaft, die die Ernte oder Kampfbereitschaft mit ritualisiertem freiem Sex feiert, für eine Figur zu einer Möglichkeit wird, ihre Gefühle in Bezug auf ihren Platz in dieser Gemeinschaft im Hinblick auf die Kontrolle auszudrücken, die sie beim Geschlechtsverkehr behält oder aufgibt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Ansatz nicht jedermanns Sache ist. Snyder stellt seinen Ansatz eindeutig in die Tradition der Stummfilmepen, während er sich daneben kreuz und quer von allem bedient, was er will - nichts ist ausgeschlossen, wenn es eine Idee und das Gefühl dahinter zum Leben erweckt.

Die Reaktionen auf diesen Ansatz sind normalerweise gemischt, und in diesen neuen Kapiteln wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern, selbst in Bezug auf die aufgemotzte, hypergewalttätige Action, die manche letztlich eher betäubend finden werden. Snyders Arbeit als sein eigener Kameramann war ebenfalls ein Bereich der Bestürzung, aber hier werden die Bilder insgesamt mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Schärfe behandelt. Im eigentlichen Sinne ist die Verwendung ansonsten unauffälliger neuer Musik vielleicht die deutlichste Schwäche; aber selbst dies wird manchmal durch ziemlich mitreißende Verwendungen von diegetischem Sound und Snyders neu entdecktes Interesse an der Einbeziehung von Liedern als Teil seiner Bemühungen, das Ursprüngliche in der Charakterisierung von Einzelpersonen oder Gemeinschaften hervorzurufen, ausgeglichen.

Trotzdem ist es vielleicht am besten, sich auf die großen Konturen dieses Projekts zu konzentrieren, um zu versuchen, eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu erreichen. Im Wesentlichen könnte man "Rebel Moon" am besten als eine vollständig realisierte Graphic Novel bezeichnen, ähnlich wie "Zack Snyder's Justice League" sein Versuch war, einen Film aus Comic-Panels zu machen. Als Übung in ästhetischer Bombast gibt es nur wenige zeitgenössische Filmemacher, die bereit sind, alle möglichen Mittel zu finden, um alles auszuloten, was in einem Werk von Blockbuster-Ausmaßen möglich ist. Ganz zu schweigen von den grundlegenden antiimperialistischen Gefühlen eines Werks, in dem Guerilla-Widerstand als uneingeschränkt gut angesehen wird, koloniale Kriegsmaschinen das Gefüge von Raum und Zeit mit den Knochen der Besiegten zerreißen und die Tränen der Kinder und die bloße Idee jeglicher Art von falscher Ausgewogenheit einfach dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen. All dies mag sehr wohl kitschig sein, es mag sogar etwas simpel manichäisch sein, und doch hat Snyder hier eine großartige Vision des Kampfes zusammengetragen, die in einem Verständnis der Art und Weise verwurzelt ist, wie ungezügelte, schwindende Macht alles kannibalisiert, was sie sieht. Dieses Gefühl moralischer Klarheit verstärkt nur die Stärke der visionären Exzentrizität und der kolossalen Vorstellungskraft, die Snyder in seine groß angelegten Projekte einfließen lässt. Wird jeder sechs oder mehr Stunden davon brauchen? Sicherlich nicht. Aber man kann nur hoffen, dass einer unserer interessantesten zeitgenössischen Filmemacher weiterhin so unheilbar eigenwillig sein kann.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/ArtworkNetflix