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Samstag, 16. September 2017

The Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0072271/

18. August 1973, Texas: Ein Friedhof wurde geschändet, die Leichen aus ihren Gräbern entfernt und zu bizarren Figuren angeordnet. Sally Hardesty (Marilyn Burns) und ihr im Rollstuhl sitzender Bruder Franklin (Paul A. Partain) sind besorgt, dass auch das Grab ihres Großvaters verwüstet wurde. Also reisen sie mit Sallys Freund Jerry (Allen Danziger), ihrer besten Freundin Pam (Teri McMinn) und deren Freund Kirk (William Vail) nach Texas. Als sie feststellen, dass die Ruhestätte intakt ist, fahren sie weiter zu dem alten, verlassenen Hof der Familie Hardesty. Unterwegs nehmen sie einen etwas kauzigen Anhalter (Edwin Neal) mit, den die Gruppe aber aufgrund dessen merkwürdigen Verhaltens wieder auf die Straße setzt. Wenig später erreichen die Freunde eine Tankstelle. Dort bekommen sie zwar kein Benzin, dafür jedoch hat ein alter Mann (Jim Siedow) einen wichtigen Rat: sie sollen umkehren! Doch die jungen Leute schlagen die Warnung in den Wind. Schließlich entdecken Kirk und Pam ein Haus und wollen die Bewohner nach Benzin fragen. Sie ahnen nicht, dass dort das leibhaftige Grauen wohnt: eine degenerierte Sippe, die ihr Heim mit menschlichen und tierischen Überresten dekoriert. Ein Familienmitglied, Leatherface (Gunnar Hansen), trägt Maske und Kettensäge...

Frei nach den grausamen Taten des Massenörders Ed Gein, der in den USA der fünfziger Jahre aktiv war, schuf Tobe Hooper im Jahre 1974 den bis heute wohl bekanntesten aller Horrorfilme: "The Texas Chainsaw Massacre". Und was diesen Film bis zum heutigen Tag so verstörend macht, ist nicht der Gewalt zu verdanken, von der es in einem Film mit dem reißerischen Titel (übersetzt) "Kettensägenmassaker" überraschend wenig gibt, sondern an der nervenzerreißenden Atmosphäre und wie realistisch sich der Film im Vergleich zu so vielen anderen Slashern anfühlt. Schon in den ersten Minuten weiß Regisseur Tobe Hooper eine unvergleichlich ungemütliche Atmosphäre zu erzeugen, als eine Gruppe Freunde dazu einwilligen, einen Fremden auf der Straße in ihren Wagen zu lassen. Doch statt dass wir schon im Voraus wissen, was auf die jungen Erwachsenen zukommt, verzichtet der Regisseur weitestgehend auf gruselige, laute Musik, die dem Zuschauer direkt verrät, dass sie Gefahr erwartet. Genau wie die Gruppe hat das Publikum nicht die leiseste Ahnung, was auf es zukommt, es wirkt fast schon so, als würde man sie auf ihrem Horrortrip begleiten.


Selbst Leatherface, einer der berühmtesten Gesichter im Horror-Genre bekommt keinen großen Auftritt wie so viele andere Killer, sondern kommt ganz natürlich um die Ecke ohne einem aufgezwungenen Jumpscare-Soundeffekt und schlägt genau den Charakter zu Boden, von dem man bei jedem anderen Horrorfilm nicht erwartet hätte, dass er als erstes ins Gras beißt. Genau das macht "The Texas Chainsaw Massacre" so grandios: er hält sich an keine Horrorfilm-Formel, trotz der altbekannten Prämisse. Es gibt keine Heldenmomente; kein überzogenes Drama mit trauriger Musik, wenn einer der Hauptcharaktere weg vom Fenster ist, der ganze Film dreht sich nur darum, zu überleben und dem Wahnsinnigen mit der Kettensäge zu entkommen.


Nicht nur das Setting unterscheidet Hoopers Werk von vorherigen Produktionen, denn The Texas Chainsaw Massacre bricht konsequent mit konventionellen Strukturen und Strategien des Horrorgenres. Statt wohligen Grusel aufzubauen, prägte The Texas Chainsaw Massacre den Begriff des Terrorfilms, der sein Publikum mit größtmöglicher Eskalation konfrontiert, der nicht selten auch eine degenerierte Perversion innewohnt: wo Geister und Vampire noch als Werkzeuge höherer Mächte wirken und ihrem Tun zumindest eine immanente Logik zugrunde liegt, gebären im Terrorfilm Stumpfsinn und Wahnsinn der Menschen groteske Bluttaten, deren Wesen keinerlei Funktion mehr erfüllt, sondern vollkommen sinnlos erscheint. Wo altmodische Horrorfilme unsere Synapsen mit schemenhaften Gruselsymptomen lediglich anregen, agiert der Terrorfilm absolut konkret, überfährt und überfordert uns mit seiner so anarchischen wie stumpfen Direktheit.

Und trotz der über 40 Jahre, die der Film auf dem Buckel hat, gehört vor allem das letzte Drittel des Films zu einer der verstörendsten Sequenzen, die man je gesehen hat. Statt dass der Film den Zuschauer Luft lässt und nur mit seinen blutigen Toden unterhält (die man eigentlich so gut wie gar nicht sieht), wie es so viele Filme heutzutage tun und sich als Slasher ausgeben, terrorisiert der Film auch den Zuschauer selbst. Der Film ist ungemütlich, dreckig, nicht vorhersehbar und schlägt dem Zuschauer oft genug ins Gesicht, sodass man in den letzten Minuten verzweifelt hofft, dass sich für wenigstens eine Person alles zum Guten wendet. Selten fühlt sich ein Horrorfilm so echt an, selten wurde ein Slasher so unkonventionell erzählt und in Szene gesetzt. Hut ab!

8,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine

Montag, 24. August 2020

The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning - Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (Unrated) (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0420294/

In dem Sommer, den Bryan Adams rückblickend als besten seines Lebens besingt, machen vier Jugendliche einen Roadtrip durch den Süden der USA. Was Dean Hill (Taylor Handley), seine Freundin Bailey (Diora Baird), sein Bruder Eric (Matthew Bomer) und dessen Verlobte Chrissie (Jordana Brewster) dabei erleben, klingt aber so gar nicht wie ein fröhlicher Ausflug zur besten Zeit des Jahres, ganz im Gegenteil. In Texas treffen die vier zunächst einmal auf eine verrückte Rockerbraut, die die Gruppe mit ihrer abgesägten Schrotflinte zu überfallen versucht. Der selbsternannte Sheriff Hoyt (R. Lee Erney) aber weiß das auf blutige Art und Weise zu verhindern. Und ebenso blutig geht der Trip weiter: Kaum gerettet, finden sich die vier Teenager auch schon von einer inzestuösen Kannibalensippe verfolgt. Für die fachgerechte Schlachtung des Frischfleisches ist Neffe Thomas (Andrew Bryniarski), der später unter seinem Pseudonym "Leatherface" Bekanntheit erlagen wird, zuständig...

Deutlich im Budget gekürzt, spielt Regisseur Jonathan Liebesman gekonnt alle Stärken des Vorgängers aus. Wo er sich den düsteren Hochglanzlook von Marcus Nispels "Texas Chainsaw Massacre" nicht leisten kann, ersetzt er ihn durch schmierige Dreckigkeit. Das Teeny-Kanonenfutter ist nach wie vor gut gecastet und alle geben ihren im Grunde flachen Charakteren immer noch genügend Profil, was dann sowieso durch blanken Terror und Gore überspielt wird. Eigentliches Highlight des Remakes war sowieso R. Lee Ermey als Sheriff Hoyt, der hier folgerichtig mehr Screentime bekommt. Und weil es eine Vorgeschichte ist und die bösen Buben noch im Folgeteil herumlaufen müssen, darf die ganze Nummer auch schön böse enden. Inhaltlich ist es natürlich Jacke wie Hose, wann und warum überhaupt die Kannibalen in der alten, verlassenen Villa nun durchgedreht sind. Der Film überzeugt vor allem in seiner Tonalität. Wer das Remake nicht mochte, wird auch hiervon kein Freund werden. Wer aber nach dem ordentlichen Remake gern einen Nachschlag hätte, bekommt diesen mit "The Beginning" - und noch mehr. Denn "Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" ist nicht nur brutal, er grenzt an puren Sadismus - und er hat daher einen sehr starken Leidensweg hinter sich - zumindest in Deutschland. Bis heute ist nicht eine einzige Version dieses Films ungeschnitten zu bekommen, selbst die Kinoauswertung war um 49 Sekunden geschnitten.

Doch unterm Strich spielt "Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" in der Reihe definitiv weit oben mit, was der extrem ekligen Atmosphäre und der recht ungeschönten Gewaltdarstellung zu verdanken ist. Da es aber ein Prequel zum Remake ist, hat das Werk somit die typischen Remake-Probleme und man kennt somit mehr oder weniger die Ausgangslage der Handlung, sobald der Film startet.

7,5/10

Von WARNER Home Entertainment kommt der Film auch im auf 111 Stück limitierten Mediabook. Es enthält die Unrated Fassung auf DVD und Blu-ray in HD. 


Quellen: 
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Sonntag, 19. April 2015

The Texas Chainsaw Massacre - Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0324216/

Noch ist die Stimmung gut: Die Teenager Erin (Jessica Biel), Morgan (Jonathan Tucker), Pepper (Erica Leerhsen), Andy (Mike Vogel) und Kemper (Mike Vogel) waren gerade in New Mexiko und befinden sich nun auf dem Heimweg. Die Taschen sind voll Marihuana, die Karten fürs anstehende Lynard-Skynard-Konzert im Portemonnaie und die Sorgen der Welt weit weg. Doch als sie am Straßenrand die vollkommen verstörte Henrietta (Heather Kafka) aufgabeln, verfliegt die sorglose Stimmung schnell. Schon bald nämlich werden sie von einem maskierten Hinterwäldler verfolgt, dessen liebstes Spielzeug eine kreischende Kettensäge ist...

Normalerweise traut man Explosions- und Sonnenuntergangsspezialist Michael Bay ja keine wirklich gute Neuverfilmung eines Stoffes zu, bei dem es gerade auf die Fans ankommt. Umso mehr überrascht es, dass Bay als ausführender Produzent und Regisseur Marcus Nispel es tatsächlich gelungen ist, den düster-dreckigen Stoff quasi nur etwas aufzupeppen und einen extrem blutigen Horrorstreifen mit angenehm vielen Spannungs- und Schockmomenten zu schaffen. Das Remake des Kult-Horrorstreifens von Tobe Hooper beeindruckt mit der richtigen Stimmung, der richtigen Bande an Opfern und einer grandiosen Erzählung über die Hewitt-Familie, die grausamer und bösartiger kaum sein könnte. Auch punktet der Film allein schon aufgrund der Tatsache, dass hier ausnahmsweise und untypisch für einen (Mainstream-)Horrorfilm des 21. Jahrhunderts in keiner Szene auch nur ein Fitzelchen nackter Haut zu sehen ist und in dystopisch blassen Farben gehalten vermittelt der Streifen von Anfang an eine perfekte Grundstimmung. Schon am Anfang des Filmes drückt sich ebendiese bedrückende Stimmung durch, als die fünf Teenager ein junges verstörtes Mädchen von der Straße aufnehmen, das kurz darauf vor deren Augen eine Waffe zieht und sich in den Mund schießt. Und hier kommt gleich der nächste große Pluspunkt des Films: R. Lee Ermey als herumbrüllender, beleidigender und grober Mann. Diese Rolle stand ihm schon als Ausbilder in "Full Metal Jacket" - und man hat das Gefühl, dass der Mann tatsächlich in solchen Charakteren aufgeht - verkörpert er sie doch so gut.

Zwar fallen auch hier die Teenies beim Kampf gegen den Maskenträger auch ab und an mal hin, verhalten sich aber dennoch nicht völlig dämlich. Im Gegenteil, gerade die Performance von Jessica Biel, die hier wirklich einen großen Job macht: glaubhaft angsterfüllt flieht sie vor dem Kettensägenkiller, gibt sich ab mit beunruhigend entspannten Bewohnern in einem Wohnwagen ab und sorgt allgemein für einen Protagonisten, mit dem man mitfiebern kann. Zusammenfassend heisst das: "Texas Chainsaw Massacre" besticht hauptsächlich in der dreckigen, bedrückenden Stimmung, die den ganzen Film lang anhält und des hier wirklich starken Final Girls. Ein gutes Remake, ohne Frage.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 500 Stück limitierten "Double Feature"-Mediabook, zusammen mit "Texas Chainsaw":


Quellen: 
Inhaltsangabe: Nameless / Warner Bros.

Donnerstag, 16. November 2017

The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0092076/

Seit einem Jahrzehnt versucht Texas Ranger Lefty Enright den grausamen Mord an seiner Familie durch die "legendäre" Sawyer-Familie zu rächen. Die Radiomoderatorin Vantia Block wird am Telefon Zeugin, wie zwei Jugendliche, die sie angerufen haben, getötet werden. Lieutenant Enright, dessen Neffen vor zehn Jahren von dem wahnsinnigen Kettensägenmörder getötet wurden, sieht in diesem Fall einen Zusammenhang mit den Geschehnissen von damals, und bittet die Techniker, den mitgeschnittenen Anruf auszusrahlen. Keine gute Idee, denn dadurch wird der Killer angelockt - und begibt sich geradewegs zum Sender, wo er alle, die Zeugen des Anrufs waren, mit seiner Kettensäge behandeln will. Bald finden sich alle in der Metzgerei der Sawyers wieder. Dort beginnt eine Schlacht von epischem Ausmaß...

Starke Fortsetzung, die zwar nicht an den unumstritten großartigen Erstling heranreicht, aber den Mut aufbringt, den nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten herausragend verwirklichten Erstling stilistisch in das komplette Gegenteil zu verkehren. Es ist (bis heute) eine extrem gewagte Fortsetzung von Regisseur Tobe Hooper, denn statt subtilem Psychoterror wird gemetzelt, und zwar auf unvergleichlich grenzdebile Art und Weise. Bereits der Opener auf der Brücke ist legendär, zwar unglaublich sinnfrei aber einfach toll gemacht. Was an "Blutgericht in Texas", diesem schroffen, so vielseitigen Blick in eine verstörende Americana-Finsternis, alles brillant war, muss an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, gerade weil es der freidrehende Nachfolger auch von vornherein untersagt, den zwanghaften Vergleich zu forcieren – und in diesem Punkt sollte man ihm, gerade für das Ausreizen der immersiven Wirkung, unbedingt seine Aufmerksamkeit schenken.

"Texas Chainsaw Massacre 2" ist ein irrsinniger, ein in schmuddeligem braun gehaltener Exzess, der in diesem gewagten Eigensinn nur dem feurigen Canon-Köcher entsprungen sein kann.  Nicht nur, dass "Texas Chainsaw Massacre 2" den Aspekt um die aus der gesellschaftlichen Mitte verstoßenen Familie noch viel extremer ins Satirische überhöht, Tobe Hooper setzt sich auch ganz explizit mit der in der nationalen Identität Amerikas verwurzelten Leidenschaft für abtrünnige Gewalt auseinander. Dieses Muster setzt sich über die gesamte Laufzeit fort, der Film wirkt zeitweise wie eine Parodie auf das Original. Fans des ersten Teils seien also gewarnt, hier besteht durchaus auch Hassfilm-Potenzial. Verdrängung und Faszination bilden hier ein reziprokes Verhältnis und synchronisieren sich in ihrer Parallelität immer dort, wo das eine das andere auszuhebeln scheint. Vielmehr fördert die Angst eine neue Dimension der entarteten Lust empor. Gewalt ist ein ansteckender Akt, einmal mit ihr in Kontakt geraten, befällt sie die Seele wie ein dunkler Schatten. Und Leatherface ist die tragische Figur im grellen Geschehen, die sich nur nach fleischlicher Liebe verzehrt und doch nur töten kann. Im Rattern der ewigen Kettensägenmassaker finden urmenschliche Sehnsüchte ihren pervertierten Abglanz.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion. 


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Leatherface (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2620590/

Auf der Farm der Familie Sawyer wird im Sommer 1955 die Tochter des örtlichen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff) tot aufgefunden. Zwar kann den Sawyers der Mord nicht nachgewiesen werden, doch veranlasst Hartman aus Rache, dass Verna Sawyer (Lili Taylor) das Sorgerecht für ihren Sohn Jedidiah entzogen und dieser in eine Nervenheilanstalt gesteckt wird. Zehn Jahre später verhilft Verna dort einigen Insassen zur Flucht, um ihren Sohn endlich ganz im Sinne der Familientradition zum Killer erziehen zu können. Tatsächlich befindet er sich unter einer Gruppe von vier gefährlichen Jugendlichen, die mit der Krankenschwester Lizzy (Vanessa Grasse) als Geisel Reißaus nehmen. Bei welchem der Patienten es sich um ihn handelt, ist allerdings unklar, haben diese doch zu ihrem eigenen Schutz neue Namen verpasst bekommen. Sheriff Hartman nimmt die Verfolgung auf...

Das Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury kennt man im Horrorgenre bereits. Ihr  künstlerisches Schaffen ist ein Aushängeschild, wenn es darum geht, erbarmungsloses Schalchten stylistish und irgendwo auch ästehtisch dem Harcore-Splatter-Liebhaber schmackhaft zu machen um sie damit auch ein wenig zu berauschen. Bereits seit ihrem Debüt "Inside", dessen Klasse das Regie-Duo bisher nicht wieder erreichen konnte, weiß derZuschauer, wie außerordentlich kalt und gleichgültig sie in ihren Filmen die besonderen Noten verpasst.

In ihrem neuen Streifen "Leatherface", der das Prequel zu Tobe Hoopers Klasser "The Texas Chainsaw Massacre" bildet, zeigen beide erneut Talent, wenn es um möglichst blutige und schmerzhafte Bebilderung von Kills geht, jedoch mekt man auch recht schnell, dass ihr Talent hier einzig und allein hinter der Kamera lebt. Denn mit "The Texas Chainsaw Massacre" hat "Leatherface" kaum etwas gemein. Daher ist es durchaus auch ein wenig verständlich und sogar nachvollziehbar, dass der Streifen von den Fans des Kettensägenmassakers förmlich in der Luft zerrissen wurde. Dabei stützen sich Bustillo und Maury doch auf eine eigentlich recht interessante Story, die, wendungsarm und mit neutralem Spannungsbogen, von Kill zu Kill hechtet. Das klingt erst einmal sehr dröge, doch gemessen an der Laufzeit von knapp 87 Minuten in der ungeschnittenen Fassung ist dem nicht so. Im Gegenteil. Bewegt man sich gedanklich von Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" weg und betrachtet "Leatherface" als das, was er ist, dann bekommt der geneigte Horrorfan einen adäquaten Streifen serviert, der einmal mehr durch Optik und Effekt doch noch punkten kann. Dem Regie-Duo, das in der Vergangenheit in gemeinsamen Arbeiten vor allem durch bildstarke Horror-Impressionen auffiel, gelingt es aber nur in einigen wenigen Szenen, dem holprigen Drehbuch prägnante Einstellungen zu entlocken, die durch rücksichtslose Härte, handgemachte Gore-Effekte oder verspielte Bizarrheit bestechen.

Es ist wirklich kein Meisterwerk, das sicher nicht, aber auch kein so schlechter Film, wie er von vielen dargestellt wird. Als unentschiedene, zerfahrene Origin-Story einer die Zeit überdauernden Horror-Ikone, die ihren Schrecken gerade dadurch entfaltet, dass sie sich nicht konkret psychologisieren lässt, erweist sich Bustillo und Maurys Film spätestens im hilflosen Finale, das verzweifelt Horror-Mechanismen des bisherigen Franchise kopiert, als ein auch etwas gescheitertes Machwerk. Wer nämlich auf tiefgehende Einblicke und der Frage warum Leatherface zu diesem (späteren) Monster wurde, wartet, wird dies auch nur auf oberflächlichen Wege gezeigt bekommen. Vielleicht sollte man "Leatherface" einfach als das nehmen, was er vielleicht auch nur sein wollte: ein Horror-Splatter der äußerst harten Gangart mit losem Bezug zu Hoopers Original und mit neuen Ansätzen und Ideen. Dass er an Spannung und Wendungsreichtum krankt ist ihm da gerade noch zu verzeihen.

6,5/10 Punkten

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 1.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine

Freitag, 10. Mai 2013

Texas Chainsaw (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1572315/

Nachdem die junge Sally (Elena Sanchez) in den 70er Jahren dem mörderischen Sawyer-Clan entkommen konnte, brannte die alarmierte Stadtbevölkerung das Anwesen des Kannibalenstamms nieder, um die Terrorherrschaft der Familie ein für alle Mal zu beenden. Jahrzehnte später und viele hundert Meilen fernab dieses Geschehens erbt die junge Heather Miller (Alexandra Daddario) von einer Großmutter, von deren Existenz sie bis dahin gar nichts wusste, ein ausladendes viktorianisches Anwesen in Texas. Gemeinsam mit ihren Freunden macht sich die junge Frau auf den Weg, um ihren neugewonnenen Reichtum in aller Ruhe in Augenschein zu nehmen. Das Gebäude scheint ihnen zunächst verlassen zu sein, doch dann stellt sich heraus, dass in den feuchten Kellergewölben nichts als das nackte Grauen auf sie wartet...

Der neue Leatherface -Streifen macht seine Sache recht ordentlich, der Gore-Level ist selbst für FSK-18 beachtlich und dankenswerter Weise wird der Film auch nicht zu sehr in die Länge gezogen. Und obwohl kaum etwas an den Ur- "Texas Chainsaw Massacre" heran kommt, so ist es trotzdem ganz cool die Handlung direkt an dessen Ende anzuknüpfen. Besonders zu sehen, wie die Sippschaft Sawyer von einem Lynchmob fertig gemacht wird war einfach ein "Vergnügen". Eine recht spannende Szene ist die in der Leatherface eines seiner Opfer über einen gut besuchten Jahrmarkt verfolgt und sich kein bischen daran stört, dass überall Leute sind. Alles in allem sieht man auch, dass es sich vom technischen Aspekt aus betrachtet um etwas eher aufwendig Produziertes handelt. Aber was mich dann doch sehr stört ist , dass der Zuschauer akzeptieren soll, dass die Hauptdarstellerin, welche - abgesehen davon dass sie noch immer in den 20ern zu sein scheint (der Film ist eindeutig in der Gegenwart anzusiedeln) - bloß weil sie eine Blutsverwandte von Leatherface ist mal so einfach über die Tatsache hinweg sieht, dass ihr lieber Cousin zuvor all ihre Freunde zersägt hat und auch ihr mehrfach das Sägeblatt reinhauen wollte… und nicht nur das, nein, sie rettet ihm auch noch das Leben, und auch der Sheriff von einst der nicht wollte dass die Sache damals so eskalierte sieht mal eben darüber hinweg, denn in der Bibel heisst es ja auch "Auge um Auge"... wie meine Freundin schon öfters sehr treffend bemerkte: das kaufe ich dem Film nun überhaupt nicht ab.

Vom Spassfaktor mal abgesehen ist dies dann doch derart unlogisch, dass es mir absolut nicht in den Kram passt und ich es auch nicht akzeptieren möchte. Was zusätzlich stört, ist, dass es für einen Fan der beiden unter Michael Bays Aufsicht entstandenen 2003er und 2006er Reboots/Prequels schwer ist zu akzeptieren, dass Leatherface plötzlich "Jedidiah Sawyer" und nicht mehr "Thomas Hewitt" heisst… das ist in etwas so, als würde Michael Myers oder gar Freddy Krueger umbenannt werden. Dennoch: der sehr wohl enthaltene Unterhaltungsfaktor lässt darüber gerade noch so hinwegsehen. Aber es hätte - wie so oft - trotzdem noch so viel besser sein können und an die beiden vorangehenden Schocker kommt er nicht annähernd ran.

6/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 500 Stück limitierten "Double Feature"-Mediabook, zusammen mit "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre":


Quellen: 
Inhaltsangabe: Nameless / Warner Bros.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Texas Chainsaw (Director's Cut) (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1572315/

Nachdem die junge Sally (Elena Sanchez) in den 70er Jahren dem mörderischen Sawyer-Clan entkommen konnte, brannte die alarmierte Stadtbevölkerung das Anwesen des Kannibalenstamms nieder, um die Terrorherrschaft der Familie ein für alle Mal zu beenden. Jahrzehnte später und viele hundert Meilen fernab dieses Geschehens erbt die junge Heather Miller (Alexandra Daddario) von einer Großmutter, von deren Existenz sie bis dahin gar nichts wusste, ein ausladendes viktorianisches Anwesen in Texas. Gemeinsam mit ihren Freunden macht sich die junge Frau auf den Weg, um ihren neugewonnenen Reichtum in aller Ruhe in Augenschein zu nehmen. Das Gebäude scheint ihnen zunächst verlassen zu sein, doch dann stellt sich heraus, dass in den feuchten Kellergewölben nichts als das nackte Grauen auf sie wartet...

Auch im "Director's Cut" macht der neue Leatherface -Streifen seine Sache recht ordentlich, der Gore-Level ist selbst für FSK-18 beachtlich und dankenswerter Weise wird der Film auch nicht zu sehr in die Länge gezogen. Und obwohl kaum etwas an den Ur- "Texas Chainsaw Massacre" heran kommt, so ist es trotzdem ganz cool die Handlung direkt an dessen Ende anzuknüpfen. Besonders zu sehen, wie die Sippschaft Sawyer von einem Lynchmob fertig gemacht wird, war einfach ein "Vergnügen" - gerade in Anbetracht dessen, was diese Familie anderen Personen in den beiden ersten alten Teilen antat. Eine recht spannende Szene ist die, in der Leatherface eines seiner Opfer über einen gut besuchten Jahrmarkt verfolgt und sich kein bisschen daran stört, dass überall Leute sind. Alles in allem sieht man auch, dass es sich vom technischen Aspekt aus betrachtet um etwas eher aufwendig Produziertes handelt. Aber was mich dann doch sehr stört ist , dass der Zuschauer akzeptieren soll, dass die Hauptdarstellerin, welche - abgesehen davon dass sie noch immer in den 20ern zu sein scheint (der Film ist eindeutig in der Gegenwart anzusiedeln) - bloß weil sie eine Blutsverwandte von Leatherface ist mal so einfach über die Tatsache hinweg sieht, dass ihr lieber Cousin zuvor all ihre Freunde zersägt hat und auch ihr mehrfach das Sägeblatt reinhauen wollte… und nicht nur das, nein, sie rettet ihm auch noch das Leben, und auch der Sheriff von einst der nicht wollte dass die Sache damals so eskalierte sieht mal eben darüber hinweg, denn in der Bibel heisst es ja auch "Auge um Auge"... wie meine Freundin schon öfters sehr treffend bemerkte: das kaufe ich dem Film nun überhaupt nicht ab.

Vom Spassfaktor mal abgesehen ist dies dann doch derart unlogisch, dass es mir absolut nicht in den Kram passt und ich es auch nicht akzeptieren möchte. Was zusätzlich stört, ist, dass es für einen Fan der beiden unter Michael Bays Aufsicht entstandenen 2003er und 2006er Reboots/Prequels schwer ist zu akzeptieren, dass Leatherface plötzlich "Jedidiah Sawyer" und nicht mehr "Thomas Hewitt" heisst… das ist in etwas so, als würde Michael Myers oder gar Freddy Krueger umbenannt werden. Dennoch: der sehr wohl enthaltene Unterhaltungsfaktor lässt darüber gerade noch so hinwegsehen. Aber es hätte - wie so oft - trotzdem noch so viel besser sein können und an die beiden vorangehenden Schocker kommt er nicht annähernd ran.

6/10 

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 500 Stück limitierten "Double Feature"-Mediabook, zusammen mit "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre":


Quellen: 
Inhaltsangabe: Nameless / Warner Bros.

Sonntag, 1. September 2019

Pig Farm Massacre - Slaughterhouse (1987)

https://www.imdb.com/title/tt0093990/

Moderne Schlachthöfe und skrupellose Geschäftsmänner, wie Murdock und Sanford, sind Lester (Don Barrett) schon lange ein Dorn im Auge. Nun will die Stadt Lakeside auch sein altes, heruntergekommenes Schlachthaus konfiszieren, da er nicht mehr in der Lage ist, seiner Steuerpflicht nachzukommen. Aus Hass töten Lester und sein zurückgebliebener Sohn Buddy (Joe Barton) nacheinander alle involvierten Mitglieder. Auch potentielle Zeugen werden beseitigt, wie eine Gruppe von ahnungslosen Jugendlichen, die sich dort zufällig aufhält...

Die 80er-Jahre waren ein Paradies für alle Fans des Slashers. Gleichzeitig waren sie jedoch auch ein Fundus an abstrakten, abstrusen und immer bescheuerteren Ideen. Der amerikanische Slasher der 80er Jahre hat vor keiner noch so sinnlosen oder lächerlichen Prämisse halt gemacht. Hauptsache ein weiterer Kassenhit, am besten gleich ein ganzes Franchise war geboren. Und wenn nicht? Dann wird sich das Ding schon in den Videotheken absetzen lassen. Insbesondere deshalb ist "Slaughterhouse" ein perfektes Beispiel für den Genreprozess der glorreichen 80er. Das Grundprinzip ist bekannt. Ein böser Killer metzelt sündige Teenager ab. Die Variation? Der Killer grunzt, ist strohdumm und kuschelt gerne mit Schweinen. Fertig ist ein neuer Film. Das Drehbuch von Regisseur Rick Roessler legt nie einen Schwerpunkt auf Charakterentwicklung. Völlig beliebig austauschbar sind die Jungdarsteller, die im Vergleich zu anderen Slashern nicht mal besonders schick im Kameralicht ausschauen. Der Großteil der Darsteller hatte hier den ersten und letzten Auftritt im Filmbusiness, wie auch der Regisseur.

Die Sozialkritik von "Slaughterhouse" ist dreist aber auch würdigend vom "Texas Chainsaw Massacre" abgekupfert. Generell bedient sich Roessler häufig an seinem scheinbar großen Vorbild. Doch während das "Texas Chainsaw Massacre" völlig humorlos daher kommt, wandert "Slaughterhouse" zwischen düsterer Ernsthaftigkeit, vor allem in den Mordszenen und offensichtlicher Albernheit, was auch den manchmal nervtötenden Soundtrack erklärt. Wenn es dann mal wirklich zur Sache geht, kann "Slaughterhouse" auch kurzzeitig glänzen. Killer Buddy ist schon eine Wucht, vor der man trotz seines Schwachkopfes gehörig Respekt hat. Doch nur selten versteckt sich auch die eine oder andere clevere visuelle Idee in dem Slasher. Fazit: "Slaughterhouse" ist ein netter Slasher für Genrefans, aber auch nur für eben solche. Alle anderen sollten einen großen Bogen um Roesslers Streifen machen. Hier erkennt man, besonders nach dem viel zu plötzlichen Ende, dass hier eine Menge Potential auf der Strecke blieb. Wahrlich kein Klassiker, aber ein Musterexemplar des amerikanischen 80s-Slashers.

4/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 444 Stück limitierten Mediabook:

Freitag, 18. Februar 2022

Texas Chainsaw Massacre (2022)

https://www.imdb.com/title/tt11755740/

Influencerin Melody (Sarah Yarkin) macht sich zusammen mit ihrer kleinen Schwester Lila (Elsie Fisher) sowie ihren Freunden Dante (Jacob Latimore) und Ruth (Nell Hudson) auf den Weg in die weit abgelegene und fast ausgestorbene Stadt Harlow. Die Gruppe ist fest davon überzeugt, dass sie der texanischen Geisterstadt neues Leben einhauchen können. Doch sie ahnen nicht, an welchen Ort sie da gekommen sind. Denn hier trieb vor 50 Jahren der berüchtigte Serienkiller Leatherface sein Unwesen und hat die sorgfältig von der Außenwelt abgeschirmte Welt seitdem nie aus seinen blutigen Griffen gelassen. Doch mit der Ankunft der Neulinge ist es für ihn Zeit, aus seinem Versteck zu kommen und wieder zu töten. Wenn sie überleben wollen, brauchen Melody und Co. Hilfe – zum Beispiel von Sally Hardesty (Olwen Fouéré), die als Einzige das berüchtigte Massaker von 1973 überlebt habt. Und Sally ist nur zu gewillt, den Kampf aufzunehmen. Denn sie dürstet nach Rache...

Die Netflix-Produktion, für die der Regisseur David Blue Garcia noch im Vorfeld betonte, dass keinerlei Gewaltschnitte für eine Veröffentlichung vorgenommen werden mussten, knüpft als direkte Fortsetzung an Tobe Hoopers Horror-Meilenstein "Blutgericht in Texas" aus dem Jahre 1974 an. Die Aussage Garcias mag den einen oder anderen fragwürdig erscheinen, denn diese Aussage kann so viel bedeuten: einerseits, dass von vornherein eben nicht "genug" Gewalt im Film gezeigt wird oder eben keine explizite Gewalt. Man darf aber entwarnen. Der neueste Ableger aus der Horror-Reihe ist mindestens genauso brutal (wenn nicht sogar noch expliziter) wie seine Vorgänger und geizt nicht mit teilweise extrem blutigen Schauwerten, die in der Vergangenheit u.a. dafür sorgten, dass ein Film gar nicht erst ungeschnitten veröffentlicht wurde. 

Positiv ist zudem hervorzuheben, dass die Optik und das Setting passen, die austauschbaren Schauspieler machen ihre Sache im Rahmen der limitierten Handlung aber ganz ordentlich. So richtig sympathisch ist hier aber keiner, sodass sich das Mitfiebern, bis auf einige wenige der Situation geschuldeten spannenden Szenen, in Grenzen hält. Doch Leatherface (schweigsam und kompromisslos: Mark Burnham) sorgt mit reichlich plumper Brutalität für die ein oder andere Szene, die den Zuschauer durchaus veranlasst, durch zusammengebissene Zähne Luft einzusaugen oder vor Ekel die Mundwinkel zu verziehen. Doch es ist im Endeffekt genau das, was man von einem Film, der "Texas Chainsaw Massacre" heißt, auch erwartet. Hier geht es nicht darum, ein "Whodunnit"-Spiel zu spielen, hier geht es lediglich darum, seine eigene perverse Blutlust zu befriedigen. Und das kann man dem Streifen nicht absprechen - er liefert auf beinahe voller Länge. Trotzdem bleibt das Ganze nicht völlig sinnlos und die ein oder andere Überraschung, nämlich wer überlebt und wer stirbt, sorgt für Unterhaltung. Zugute halten muss man auch, dass sich der Film nicht ewig aufhält, sondern recht schnell zur Sache kommt und die Laufzeit von knapp 80 Minuten gibt der Geschichte von Fede Alvarez ("Evil Dead") den nötigen Pepp und spätestens wenn sich Leatherface durch einen Bus voller Teenies "arbeitet", dürfte auch der letzte bis dahin nicht überzeugte Gorehound freudig grinsen. Alles in allem genau das, was man erwarten konnte und sogar noch ein wenig mehr, inkl. Medienkritik als Randnotiz. Ja, in diesem Stil darf die Kettensäge gern weiter knattern.

7,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix

Donnerstag, 7. April 2022

X (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13560574/

Ein Filmteam, eine bunt zusammengewürfelte Bande von Pornofilmemachern, darunter der ehrgeizige Regisseur RJ (Owen Campbell) und seine schüchterne Freundin und Tontechnikerin Lorraine (Jenna Ortega), erreicht ein abgelegenes Bauernhaus im tiefsten Texas, um einen Erwachsenenfilm zu drehen. Ihre Gastgeber, ein isoliertes, älteres Ehepaar, legt besonders großen Wert darauf, dass es ihren Gästen gut. Als jedoch die Nacht hereinbricht, wird das schon leicht aufdringliche Verhalten des Paaren plötzlich zusehends gewalttätig...

Dass Ti Wests "X" eine Liebeserklärung an den Prozess des Filmemachens ist, steht außer Frage. Allein die Meta-Kommentare der Protagonisten, die einen Porno drehen wollen, aber in einem selbstreferentiellen Horrorfilm landen, steht nicht ganz zufällig offensichtlich für die vielen, oftmals dokumentierten Verschiebungen, die sich während eines Drehs nun mal zwangsläufig ergeben. "X" drückt die Protagonisten (und den Zuschauer) natürlich mit der Nase rein, doch damit entpuppt sich der Film als eine Art cleveres Experiment, welches aber eher wie ein abendfüllender Scherz für Horrorfans und Filmemacher wirkt, als dass er eine eigene Perspektive bietet. West zaubert mit der Expertise eines Genre-Enthusiasten einen fiesen Spaß aus dem Hut, bietet darüber hinaus aber nicht viel mehr.

Das braucht es aber auch nicht. "X" ist ein teilweise ekliger, aber sexy Spaß, der in erster Linie unterhalten soll. Die Zutaten für diesen Fleischwolf kommt in Form von Möchtegern-Pornoproduzent Wayne (Martin Henderson), seiner Freundin Maxine (Mia Goth), Burlesque-Tänzerin Bobby-Lynne (Brittany Snow) und Bobby-Lynnes Freund/Co-Star Jackson (Scott "Kid Cudi" Mescudi), zusätzlich zu RJ und Lorraine. Wir schreiben das Jahr 1979, und Wayne hat die Crew auf einer Farm außerhalb von Houston untergebracht, um den Film "The Farmer's Daughters" zu drehen, von dem er erwartet, dass er ein Hit auf dem dato aufstrebenden Heimkinovideomarkt sein wird. Wayne wählt als Drehort eine klapprige, alte Hütte, die Howard (Stephen Ure) gehört, einem alten Kauz, der Wayne und seine Crew ganz unverhohlen nicht mag. Howards kranke Frau Pearl (deren Besetzung an dieser Stelle nicht offenbart werden soll) beneidet die Gruppe um ihre Jugend, Schönheit  und Männlichkeit und fühlt sich besonders zu der entschlossenen, aber unsicheren Maxine hingezogen. Jeder, der die "The Texas Chainsaw Massacre"-Vibes wahrnimmt oder RJ und Lorraines "Psycho"-Diskussion etwa zur Mitte des Films zur Kenntnis nimmt, kann sehen, worauf das hinausläuft - die Zahl der Toten nimmt im Laufe des Abends beachtlich zu. 

Ti West erfreut sich sichtlich an der Atmosphäre seines Schauplatzes und an den historischen Merkmalen der reißerischen Kulissen, in denen er spielt. Sein Wissen und sein Humor zeigen sich in Haarstyling und Make-up, in der schweißtreibenden Hitze des texanischen Küstenortes und in Jacksons babyblauem Freizeitanzug und seinem perfekten Afro. Wenn sich der Schwerpunkt auf den puren Horror verlagert, ändert sich auch die Begeisterung und Hingabe von "X". Statt der Figuren, die dem Film bis dato Leben eingehaucht haben, ist es nun der Regisseur selbst, der Begeisterung  für sein Werk ausstrahlt, während "X" seine Protaginsten genüsslich einen nach dem anderen dezimiert. Es gibt Andeutungen auf Themen der Kommerzialisierung von Jugend und Schönheit. Doch Howard und Pearl fühlen sich wie verpasste Gelegenheiten an, da sie ein wenig in Genre-Stereotypen gepresst werden und die kulturellen Unterströmungen ignorieren, die dazu beigetragen haben, dass die Familie Sawyer aus "The Texas Chainsaw Massacre" und Norman Bates aus "Psycho" so ikonisch wurden.

Bei "X" geht es darum, sich zu amüsieren und die harte Arbeit, das Engagement und die Befriedigung des unabhängigen Filmemachens zu genießen, unabhängig vom Genre. Diese klare Freude ist bewundernswert, aber Wests Ode an den technischen und künstlerischen Einfallsreichtum unterschätzt den Kontext, der für den Erfolg der Filme, auf die er sich so liebevoll bezieht, eine wichtige Rolle spielte. "X" macht eine Menge Spaß, fühlt sich aber auch wie eine Kleinigkeit an, aus der man viel mehr hätte machen können.

7,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Capelight

Samstag, 31. Januar 2026

Dolly (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt32639175/

Im Zentrum steht Macy (Fabianne Therese), eine junge Frau, die mit ihrem Freund Chase ein romantisches Wochenende im Wald verbringt, bei dem er ihr einen Heiratsantrag machen will. Nach einem Spaziergang auf einem Naturpfad führt Chase sie zu seinem Lieblingsaussichtspunkt, bricht dann aber seine eigene Regel und verlässt den markierten Weg, als er ein unheimliches Geräusch und Musik aus einem Spielzeugradio hört. Chase kehrt nicht zurück, Macy macht sich auf die Suche - und stößt stattdessen auf eine riesenhafte, wortlose Gestalt (Max the Impaler) im Kleid und mit einer groben Porzellanpuppen-Maske, die später nur noch Dolly genannt wird. Diese Kreatur schlägt Macy bewusstlos und trägt sie tief in den Wald in ein abgelegenes, heruntergekommenes Haus. Macy erwacht in einem Obergeschoss, genauer: in einem grotesk überdimensionierten Kinderzimmer. Sie trägt Babykleidung, liegt in einem viel zu großen Stubenwagen und ist umgeben von verstörenden Puppenarrangements - ein Raum, der für ein Kind gedacht scheint, aber mit Obsession und Gewalt aufgeladen ist...

"Dolly" ist ein bewusst schmutziger, kompromisslos körperlicher Horrorthriller, der die Ikonen des 70er‑Jahre‑Slashers in die Gegenwart holt und daraus eine verstörende Studie über Zwangsfamilie, Regressionsfantasien und weibliches Überleben macht. Der Film funktioniert weniger als "Meta-Spiel" mit Nostalgie, sondern als ernst gemeinte, dichte Albtraum-Erfahrung, die das Publikum in eine einzige, eskalierende Situation einsperrt. Als Dolly in den Raum platzt, wird klar, was hier passiert: Diese monströse "Mutterfigur" will Macy (Fabianne Therese) nicht foltern oder töten, sondern als ihr Kind großziehen, als lebendige Puppe. Dazu gehören Füttern, Beruhigen, in den Schlaf wiegen, Zwang zur Hilflosigkeit - Handlungen, die im Alltag fürsorglich wären, hier aber zur reinen Machtausübung werden. Je länger der Film im Haus bleibt, desto bizarrer und brutaler wird das Geschehen. Dolly pendelt zwischen übergriffiger Zärtlichkeit und Selbsthass, zwischen kindlicher Kränkung und hemmungsloser Wut, die sich immer wieder in plötzlich aufflammender Gewalt entlädt. Die "Mutterliebe" ist unberechenbar: Ein falsches Wort, ein Fluchtversuch, ein abgewendeter Blick - und die Stimmung kippt in eine brutale Züchtigung, die zugleich die Illusion der perfekten Puppe wiederherstellen soll.

Macy entdeckt nach und nach Überreste früherer "Kinder": Blutspuren, Kleidungsstücke, Hinweise auf andere Opfer, die diese Rolle nicht überlebt haben. Dadurch verwandelt sich der Film in ein reines Survival-Szenario, in dem Macy jede Interaktion mit Dolly taktisch spielt - zwischen gespielter Unterwerfung und gezielten Versuchen, ihren Entführer körperlich und psychologisch aus dem Gleichgewicht zu bringen. Im letzten Drittel verlagert "Dolly" den Schwerpunkt stärker auf offene Konfrontation und Flucht. Macy nutzt jeden Bruch im Ritual - Momente, in denen Dolly sich in Selbsthass verliert oder das Haus verlassen muss - und verwandelt das Haus selbst in eine Waffe, als Schauplatz mehrerer brutaler Auseinandersetzungen. Die Flucht durch den Wald, mit Dolly im Rücken, bündelt das, was der Film die ganze Zeit vorbereitet: eine Art dreckige, physische Katharsis, in der die zähe, erfinderische Macy zum "Final Girl" im klassischen Sinn wird, ohne dass die Inszenierung sie zum coolen Actionstar verklärt. Spätestens hier erkennt der Zuschauer sehr direkte Bezüge zu Tobe Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" - von der Steigerungsdramaturgie im Haus bis zum verzweifelten Sprint in die vermeintliche Freiheit.

Macy ist die emotionale und moralische Achse des Films. Zu Beginn ist sie eine relativ normale junge Frau mit Zukunftsplänen, deren größtes Problem darin besteht, ob sie für einen Heiratsantrag bereit ist; in Dollys Haus wird sie zur Projektionsfläche eines völlig kranken Familienideals. Ihre Transformation zur Überlebenden verläuft nicht über coole One‑Liner, sondern über zunehmende Verzweiflung, Wut und einen sehr physischen Überlebenswillen, ganz genau wie Marilyn Burns' Performance in "The Texas Chainsaw Massacre" vergleichen. Dolly selbst gehört zu den eindrucksvollsten neuen Horrorfiguren des Films. Verkörpert von der Wrestlerin Max the Impaler, ist sie ein stummer, massiver Körper im zerrissenen Kleid mit starrem Puppengesicht, irgendwo zwischen Jason, Leatherface und einem pervertierten Muttergott. Dass Dolly nicht spricht, verstärkt die Lesbarkeit ihrer "Liebe" als reine Handlung: Füttern, Tragen, Schütteln, Bestrafen - alles körperliche Sprache, die von einem beschädigten Verständnis von Fürsorge erzählt. "Dolly" lässt sich als Horrorfilm über extreme Regression lesen: Die Fantasie, einen erwachsenen Menschen vollständig in den Zustand der Abhängigkeit zurück zu zwingen - emotional, körperlich, sozial. Horror entsteht hier nicht nur aus Gewalt, sondern aus der Auslöschung von Autonomie: Macy soll nicht einmal mehr eine Person mit Vergangenheit und Zukunft sein, sondern ein Ding, ein "Baby", das ausschließlich durch Dollys Bedürfnis definiert wird. Damit spielt der Film explizit mit Motiven toxischer Fürsorge und Besitzliebe. Dolly ist keine klassische Serienkillerin mit Kodex, sondern jemand, der Liebe mit Einverleibung verwechselt und Individualität als Bedrohung der eigenen Identität erlebt. In diesem Sinne ist Dolly weniger Monster als Spiegelbild jener Beziehungen, in denen eine Person die andere infantilisieren, kontrollieren, "retten" will, bis nichts von ihr übrig bleibt.

Formell positioniert sich Dolly klar als 70er‑Jahre‑Throwback: knapp 82 Minuten Laufzeit, niedrigeres Budget, körnige, griffige Ästhetik, weitgehend praktische Effekte und eine Faszination für körperlichen Schmerz und Schmutz. Leider nutzt der Film des begrenzten Budgets aber nicht, um Intimität und Intensität zu steigern, sondern kaschiert sie mit CGI. Die Gewalt ist nicht permanent, aber wenn sie kommt, dann hart, blutig und ohne ironischen Sicherheitsabstand - eine Mischung, die die "neue französische Härte" mit amerikanischen Slasher-Konventionen verbindet. Gleichzeitig durchzieht den Film ein sehr dunkler Humor, der eher nervöses Lachen provoziert als befreiende Gags; das groteske Puppen-Setting und die Überzeichnung von Dollys Ritualen machen klar, wie absurd diese "Familie" ist, ohne das Leid der Opfer zu relativieren. 

"Dolly" ist kein Meisterwerk, aber ein bemerkenswert konsequenter Film. Er nimmt sein pulpiges Konzept ernst, ohne es zu adeln, und fragt: Was passiert, wenn eine Figur, die nicht erwachsen sein kann oder will, sich eine Familie baut, in der niemand außer ihr handeln darf? Der Film lebt von der körperlichen Präsenz seiner Hauptdarstellerinnen - der verletzlichen, aber zähen Macy und der monströsen, zugleich bemitleidenswerten Dolly - und wie der Horror genau aus dieser Konstellation erwächst. "Dolly" ist kein subtiler Kommentarfilm, aber er ist ehrlich in seinem Schmutz: Er zeigt, wie Besitzansprüche, Fürsorgefantasien und das Bedürfnis nach absoluter Kontrolle in pure Gewalt kippen, wenn niemand da ist, der "Nein" sagt. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Gentile Entertainment Group/Mama Bear Studios/Set Point/Monarque Entertainment/Witchcraft Motion Picture Company

Montag, 19. Februar 2024

Honeydew - Honeydew: You Must Be Starving (2020)

https://www.imdb.com/title/tt10734864/

Rylie (Malin Barr) und Sam (Sawyer Spielberg) sind in den Südstaaten unterwegs, wo sie nach einem passenden Thema für ihre Doktorarbeit sucht. Nachdem sie mitten in der Nacht von ihrem Campingplatz auf dem Feld eines Bauern verscheucht werden, stellen sie fest, dass ihr Auto nicht anspringt und so landet das junge Paar schließlich bei einer merkwürdigen alten Frau namens Karen (Barbara Kingsley) und ihrem unheimlichen Sohn Gunni (Jamie Bradley). Während Rylie und Sam auf den Abschleppdienst warten, stellt sich schnell heraus, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und nach einem üppigen, selbstgekochten Mahl mit Fleisch aus zweifelhafter Herkunft, leiden beide an Halluzinationen...

"Honeydew" - geschrieben, inszeniert und geschnitten von Devereux Milburn (nach einer Geschichte, die er sich mit Dan Kennedy ausgedacht hat, der den Film gedreht hat) - ist ein arg seltsames Stück Horror, das in Teilen zwar an "The Texas Chainsaw Massacre" erinnert. Die ländliche Umgebung und die gruselige Einfältigkeit einiger Charaktere lassen an Elemente aus billigen Slashern denken. Es gibt eine ganze Reihe von Grindhouse-Schockern, die in die Handlung einfließen. Und ganz zu schweigen von der Bergmensch-Figur namens Gunni, ausgesprochen "Goonie". Ein junges Paar (Sawyer Spielberg und Malin Barr) sieht sich auf einem Campingausflug gezwungen, die Nacht in einem Bauernhaus unter der Herrschaft von Karen (Barbara Kingsley) zu verbringen, einer stets plappernden älteren Person mit großen Augen, die genau die Art Person ist, wenn man ihr in der Realität begegnen würde, sofort sagen würde: "Weißt du was, wir warten im Auto." 

Essen - die Zubereitung, der Verzehr und was auch immer die Zutaten sind - spielt in einer minimalistischen Handlung eine Rolle, die die Filmemacher auf vielfältige, aber letztendlich unscheinbare Weise aufblähen (insbesondere im Schnitt). Vor verschiedenen Enthüllungen, die den Magen umdrehen sollen, schwelgt der Film in schleimigen Atmosphären (Deckenisolierung, die aussieht, als würde sie atmen, ein tropfendes Rohr, statische Aufladung eines alten Röhrenfernsehers). Die Auffälligkeit endet sozusagen mit einer Menschenfeindlichkeit, die wahrscheinlich vo "The Texas Chainsaw Massacre" aus dem Jahr 1974 inspiriert wurde, aber um Längen langweiliger ist.

3,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: I-ON New Media
Poster/Artwork: Little Sky Film

Freitag, 11. März 2016

American Psycho (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0144084/

Der New Yorker Yuppie Patrick Bateman (Christian Bale) hat zwei Lebensfreuden: Zum einen liebt er den Luxus der 80er Jahre. Immer die neuesten Anzüge, immer die exklusivste Visitenkarte, immer eine Reservierung im besten Lokal der Stadt. Zum anderen erfreut er sich - und das wissen seine ebenso oberflächlichen Kollegen nicht - an sadistischen Morde, um die Leere in seinem Leben zu füllen. Hierfür bevorzugt er hübsche Frauen...

Oberflächlichkeit ist bestialisch. Und wenn er nicht gerade dabei ist Phil Collins' Werke inhaltlich bis ins Mark zu interpretieren und diese gefühlvollen Werke in Emotionen und Erlebtes aufzuspalten, nur um Oberflächlichkeit als etwas darzustellen, dass ihm nicht innewohnt, dann ist er in der Tat der saftloseste Typ, der durch die Straßen New Yorks wandelt: maßgeschneiderte Designeranzüge, fein gemaserte Visitenkarten mit gold-glänzenden Lettern, eine Dauerwelle, wie sie im Friseurhandbuch steht. Das ist die Welt von Patrick Bateman (Christian Bale in Bestform), dessen Leben ein Hohlraum darstellt, der sich mit nichts füllen lässt, außer rauem Gerede über Nichts. Frauen sind in seiner Welt nur fleischgewordene Befriedigung und selbst im Extasepunkt des sexuellen Aktes, besinnt sich Bateman mit grinsend-böser Fratze darauf, wie gerade seine Muskeln im Spiegel aussehen. Am Morgen danach werden dann 1000 Sit-Ups gemacht und im Fernseher daneben wird mit der Kettensäge massakriert in "Texas Chainsaw Massacre"/"Blutgericht in Texas". Narzismus und Wahnsinn in Reinform.

Diejenigen, die sich nach dem Nichts sehnen, welches sich hinter den ganzen gestählten Muskeln, den stilvollen Einrichtungen und all dem sinnlosen Schnickschnack befindet, den er besitzt, werden emotional niedergeschmettert oder direkt mit der Axt gespalten. Regisseurin Mary Harron malt ein übertriebenes Abbild einer Welt, die John Doe in "Sieben" schon verteufelt und abgestraft hat, als wäre sie selbst einer dieser emotionalen Menschen, die schon von der harten Hand des Pragmatismus geohrfeigt wurden. Dabei kehrt sie die abscheulichen Gedanken eines von außen glänzenden, makellosen Schönlings, der innerlich so verrucht wie nur irgend möglich ist, immer mehr nach außen und offenbart dem Zuschauer damit die dreckigen, versteckten Seiten unserer Welt und unseres Kapitalsystems. Das Einzige, was den in diesem System eingesperrten und darauf selbst reduzierten Patrick Bateman etwas anhaben kann, ist das er darin mit noch größeren Apartments, noch schöneren Visitenkarten und einem noch besseren Standing konfrontiert wird, das irgendwem anders gehören könnte, was in ihm einen grenzenlosen Hass auslöst, bis er schließlich dafür sorgt, dass die in seinen Augen niederen Menschen sterben müssen. Denn er will der Beste sein. Er will unfehlbar sein. Und dies ist Gesellschaftskritik auf oberstem Niveau.

"American Psycho" ist ein wahres Kleinod und findet seinen finalen Höhepunkt, wenn das System und sein ganzes Konstrukt in sich zusammenfällt und Patrick Bateman als Produkt dessen in seinem Selbstzweifel mitreißt - denn der Mensch ist alles andere als unfehlbar.
Wenn die tolle, glänzende Fassade in Form seiner morgendlichen Schönheitsmasken abbröckelt und eine widerliche, unwürdige Welt dahinter zum Vorschein kommt, an der wir uns als Zuschauer alle beteiligen, dann wissen wir, dass "American Psycho" mehr ist als nur einfache Unterhaltung. Der Film funktioniert als Spiegel unserer Gesellschaft, den man sich entweder vors Gesicht halten kann oder vor dem man die Augen verschließt. Letztlich ist es egal, denn diese Welt existiert, ob in abgeschwächter Form oder nicht.

8/10

Von KOCH Films erschien der Film in einer limitierten Box. Diese beinhaltet den ungeschnittenen Film auf 4K Ultra-HD Blu-ray, Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial und Gimmicks.

Quellen: 
Inhaltsangabe: Koch Films

Sonntag, 6. Februar 2022

Bloody Hell (2020)

https://www.imdb.com/title/tt9772374/

Nach acht Jahren wird Rex (Ben O’Toole) aus dem Gefängnis entlassen. Er entscheidet sich dazu, seiner Heimat Amerika den Rücken zu kehren, um einen Neuanfang in Finnland zu wagen. Obwohl seine innere Stimme ihm zu diesem Schritt rät – und auf diese konnte sich Rex eigentlich immer verlassen -, muss er schnell feststellen, dass es in diesem Fall etwas anders ist. Gerade in Helsinki gelandet, wird Rex von einer Horde Kannibalen entführt und in einen dunklen Keller gesperrt. Um nicht auf der Speisekarte zu landen, muss sich Rex schnellstmöglich einen Plan einfallen lassen, denn in wenigen Stunden bricht ein neuer Morgen an und seine Entführer haben Lust auf Menschenfleisch zum Frühstück!

Wenn man sich die Frage stellt: "Wie würde "Texas Chainsaw Massacre" als Komödie ausschauen?", dann bekäme man als Antwort: "Genau so!". "Bloody Hell" bietet jede Menge schwarzen Humor, eine mal so richtig absurde Story und ein herrlich sympathischer, sowie gleichwohl durchgeknallter Hauptdarsteller. Am besten sollte man sich diesen Film ohne jegliche Vorabinfos anschauen. Dann fetzt er auch richtig. 

"Bloody Hell" ist eine nette und gleichzeitig blutige Horrorkomödie um einen psychotischen Möchtegernhelden, der erst an Bankräuber gerät, dann an die Polizei, später an Paparazzi und schließlich an eine mörderische Familie. Das ist durch die vielen Zeitsprünge ein wenig wirr und im Verlauf nicht sonderlich zielführend. Dass der Film aber schon  durchweg unterhaltsam ist, fühlt man, auch weil Hauptdarsteller Ben O’Toole ganz offensichtlich selbst viel Spaß beim Dreh hatte. Vieles in "Bloody Hell" ist aber bei aller Liebe dennoch arg konstruiert und nur auf dem Papier sinnvoll wie logisch. Hat man sich damit aber arrangiert, lässt es sich mit der Hauptfigur und seinen Erlebnissen mit einer andersartigen finnischen Familie sehr viel Spaß haben. Das Ende kommt schnell und unvermittelt, passt jedoch gut in die Situation und wirkt glaubwürdig genug. "Bloody Hell" macht Spaß, ist kurzweilig und hat coole Hauptdarsteller. Kein unbedingtes "Must-See" aber eine nette Ablenkung und ein richtig guter Spaß.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Splendid