Posts für Suchanfrage Evil Dead 2013 werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Evil Dead 2013 werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 20. April 2023

Evil Dead Rise (2023)

https://www.imdb.com/title/tt13345606/

Beth (Lily Sullivan) reist nach Los Angeles, um ihre ältere Schwester Ellie (Alyssa Sutherland) zu besuchen. Dort angekommen, trifft sich voller Freude auf die drei Kinder von Ellie. Die total vernachlässigte Wohnung, aber auch ein seltsames Buch, das in den Mauern des Gebäudes versteckt war, bereiten ihr jedoch große Sorgen. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Es handelt sich dabei um das Necronomicon Ex-Mortis oder anders gesagt das Buch der Toten, welches das Böse heraufbeschwört und Dämonen auf die Einwohner loslässt. Beth und Ellie werden fortan mit ihren schlimmsten Albträumen konfrontiert, die sich als sogenannte Deadites manifestieren. Die Wesen, die sich an den Seelen lebender Kreaturen ergötzen, verlangen den Frauen alles ab. Doch nicht nur das: Als der Punkt gekommen ist, an dem sich beide Schwestern entzweien, muss Beth all ihre Grenzen überwinden, um sich und die Kinder beschützen zu können... 

Mit dem neuesten Teil im "Evil Dead"-Franchise startet das diesjährige FantasyFilmFest nights gleich mit einem Film, der rein gar nichts an Schockwerte und Horror vermissen lässt. Und das hat Tradition, denn zumindest die "Evil Dead"-Filme waren schon immer umstritten. Der ursprüngliche "Evil Dead" war in Deutschland aufgrund seiner grausamen Gore-Effekte jahrelang indiziert und war, neben "Muttertag", "Ein Zombie hing am Glockenseil" und "Man-Eater: Der Menschenfresser", einer der Filme, die die Diskussion über Gewaltfilme anheizten und schließlich zu einer Verschärfung der Mediengesetze in Deutschland und einem größeren Einfluss der BPjS führten. "Tanz der Teufel" wurde etwa ein halbes Jahr nach Veröffentlichung beschlagnahmt und diese Beschlagnahmung erst im Juli 2016 wieder aufgehoben. Der Film bekam nach einer Neuprüfung die Freigabe "ab 16 Jahren". Das gleichnamige Remake von 2013 hatte es dann nicht minder leichter: es wurde zunächst als NC-17 eingestuft, bevor der blutige Horror herausgeschnitten wurde, um ein vertraglich vorgeschriebenes R-Rating zu erhalten. Irgendwie verständlich, wenn man weiß, dass immerhin 70.000 (ja, siebzigtausend) Gallonen (Kunst-)Blut für vor allem die Finalszene verwendet wurden.

Der neue "Evil Dead"-Film ist jedoch weit davon entfernt, sich der Nostalgie der 80er Jahre hinzugeben, und hat eine noch extremere, schockierendere Wendung genommen als alle früheren Filme der Reihe, da es sich um einen "Evil Dead"-Film mit Kindern in der Hauptrolle handelt. In der Vergangenheit haben die "Evil Dead"-Filme erwachsene Männer und Frauen in Stücke gehackt, aber immerhin Kinder aus dem Gemetzel herausgehalten, was "Evil Dead Rise" bereits mit einem besonders gruseligen Teaser-Trailer ad acta legte, der eine besessene Mutter zeigt, die versucht, ihre eigenen Kinder anzugreifen. Und das hebt die Anspannung (vor allem bei Eltern), denn schließlich sind die "Evil Dead"-Filme voll von massiv blutigem Horror und nihilistischem schwarzen Humor, was diese Welt für Kinder denkbar ungeeignet macht. Auch wenn "Army Of Darkness" der vergleichsweise lustigste Film der Reihe ist, so hat diese Fortsetzung doch ein unerbittlich düsteres, gemeines Ende, während in "Evil Dead II" jede Figur tot oder dem Untergang geweiht war. Die jungen Darsteller von "Evil Dead Rise" verleihen dem Franchise völlig neue Emotionen, aber dies geschieht zu einem Preis, der schon beinahe zu hoch erscheint. Gruselige Kinder sind eine Sache, aber dass unschuldige Kinder von dämonisch besessenen Eltern angegriffen werden, ist eine Hardcore-Horror-Prämisse, die "Evil Dead Rise" zum extremsten Teil der Reihe macht. Dass die Helden Kinder sind, erhöht dann auch automatisch den Einsatz, da sie sich nicht selbst verteidigen können, und es ist viel erschütternder, sie sterben zu sehen.

"Evil Dead Rise" stellt jedenfalls die Talente seines vielversprechenden Regisseurs zur Schau, während er den Vorgängern reichlich Tribut zollt. Gore, Blut, unruhige Perspektiven und starke Leistungen von Alyssa Sutherland und Lily Sullivan machen diesen Film zu einem würdigen Einstieg in das Franchise. Sutherland und Sullivan spielen Ellie bzw. Beth, zwei Schwestern, deren Beziehung je nach Tourneeplan und Kinderbetreuungspflichten auf und ab schwankt. Beth ist Bühnentechnikerin für Bands (obwohl ihre Schwester sie insgeheim und auf grausame Weise als Groupie bezeichnet) und Ellie ist Tätowiererin und lebt mit ihren drei Kindern in Los Angeles. Ihre Beziehung steht auf einem liebevollen Fundament, aber unter der Oberfläche zeigen sich Risse, weil die Kommunikation zwischen den beiden nicht stimmt. Auf Tour verpasst Beth, die vom Tourleben eingenommen ist, oft die Anrufe von Ellie, die eine unerwartete Scheidung durchmacht. Cronins Drehbuch zeichnet die Beziehung der beiden in groben, aber effizienten Zügen, indem es die Dynamik zwischen der älteren, verantwortungsvolleren Figur (Ellie) und der jüngeren, ständig Rat suchenden Schwester (Beth) aufzeigt. In gewisser Weise ist "Evil Dead Rise" sowohl eine Hommage als auch ein Korrektiv zu Raimis ursprünglichem Low-Budget-Film, der für seine oberflächliche und frauenfeindliche Behandlung von Frauen kritisiert wurde. Sie werden nicht nur weitgehend als unterbewertet angesehen, sondern müssen auch die sadistischsten Szenen über sich ergehen lassen. Die Frauen, die Cronins Film bevölkern, leiden nicht weniger unter den dämonischen Geistern, aber zumindest haben sie die Chance, sich selbst zu retten.

Nach einer angemessen beunruhigenden Eröffnungssequenz beginnt "Evil Dead Rise" mit einer ängstlichen Beth, die in einem düsteren Nachtclub einen Schwangerschaftstest macht. Ein Klopfen an der Tür unterbricht sie kurz, aber Beth ist mehr mit dem Ergebnis ihres Tests beschäftigt. Man sieht nicht, was darauf steht, aber man kann es erahnen, spätestens wenn die jüngere Schwester an der Tür ihrer älteren Schwester auftaucht. Nahaufnahmen von Ellies Tätowierungen und Tintenstationen führen uns in ihr ruhiges Leben in L.A. ein. Ihre drei Kinder - Danny (Morgan Davies), Bridget (Gabrielle Echols) und Kassie (Nell Fisher) - schwirren um sie herum und gehen ihren eigenen Beschäftigungen nach. Sie sind ein vielseitiger Haufen, deren Interessen den vertrauensvollen Erziehungsstil ihrer Mutter widerspiegeln: Danny, ein DJ, legt in seinem Zimmer auf, seine Schwester Bridget gestaltet Plakate für eine Demonstration, und Kassie, die Jüngste, enthauptet eine Puppe. Fans der Reihe können sich schon denken was passiert, wenn ein Erdbeben eine unterirdische Gruft unter Ellies Wohnblock mit Abbruchcharakter zum Vorschein bringt: die Neugierde überkommt ihre Kinder. Danny ist besonders scharf darauf, die geheimnisvollen Schränke und staubigen Artefakte in der darunterliegenden Gruft zu erkunden. Gegen die Proteste seiner Schwester Bridget schnappt sich der Audiophile ein paar Schallplatten und das Necronomicon - jenes bekannte fleischgebundene Buch. Cronin nutzt alle Möglichkeiten der Effekte, um fast jedes Element von "Tanz der Teufel" aufzuwerten, einschließlich des Buches, das Seiten mit blutverschmierten Zeichnungen enthält und dessen Beschwörungsformeln nur mit den beiliegenden Vinylscheiben enthüllt werden. 

Cronin siedelt seine Version von "Evil Dead" in Ellies Stadtwohnung an und schafft so einen eher klaustrophobischen, kammerspielartigen Horror. Sein Stil - eine destabilisierende Mischung aus Kameraschwenks und Zooms, eine Farbpalette, die von einer unheimlichen Mischung aus Blau und Rot dominiert wird - beschwört eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens herauf. Auch das Sounddesign (von Peter Albrechtsen), das zwischen grellen Geräuschen und völliger Stille schwankt, ist ein eindringliches, stakkatoartiges Experiment. Aber es sind die Leistungen seiner Darsteller, die dem Film Ballast verleihen. Sullivan spielt Beth als eine angespannte Figur - eine Person, deren kühles Äußeres ausgefranste Nerven und allgemeine Unsicherheit verrät. Als sie bei Ellie vor der Tür steht, sucht sie Rat und Trost bei ihrer älteren Schwester, die nach ihren Worten immer weiß, was zu tun ist. Sutherland ist sicher in der Rolle der abgeklärten älteren Schwester, aber noch besser ist sie als dämonische Mutter. Der entfesselte Geist ergreift sofort Besitz von Ellie, und während der 97-minütigen Laufzeit des Films verwandelt sich Sutherland in einen mütterlichen Albtraum. Die besessene Ellie schleppt sich mit bedrohlich dröhnenden Schritten zurück in die Wohnung und begibt sich direkt in die Küche, wo sie methodisch Eier in eine gusseiserne Pfanne knallt. In Cronins Drehbuch gibt es nur wenig Charakterentwicklung, aber es besteht ein sichtlich großes Interesse daran die Schrecken der Mutterschaft herauszuarbeiten. Die satanischen Geister in Ellie manipulieren die Bindung zwischen Mutter und Kindern, um Danny, Bridget und Kassie auszutricksen. Das Kochen, das Singen von Schlafliedern und die Badezeit erhalten durch Sutherlands geschmeidige und beängstigende Darstellung einen unheimlichen Unterton.

Cronins geschickte Regie geht über seine Schauspieler hinaus. Es wäre kein "Evil Dead"-Film ohne ein Maximum an Gore und Blut, und der Regisseur enttäuscht nicht. Er steigert die Spannung, indem er jeden Folterakt genialer gestaltet als den letzten. Kochgeschirr und andere Küchenutensilien werden zu perversen Werkzeugen für die Verstümmelung von Fleisch und die Umgestaltung von Menschen. Jeder Raum in der Wohnung schwankt zwischen sicherem Zufluchtsort und Kriegsschauplatz hin und her. Blut ist überall - es durchdringt die Wände eines Fahrstuhls und tropft aus verschiedenen Öffnungen. "Evil Dead Rise" ist auf diese Weise unerbittlich, auch wenn es einen Hauch von Humor gibt, der den Druck zumindest etwas mildert. Cronins Film ist ein wunderbar kranker Einstieg in die Serie, der geschickt kalibriert ist, um Fans zu befriedigen und Uneingeweihte zu traumatisieren. Und das Ende lässt auf mehr hoffen. Es wäre wünschenswert.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Evil Dead (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1288558/

Mia (Jane Levy) ist eine junge Frau, die mit ihrem Bruder David (Shiloh Fernandez) und ihren Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) zu einer entlegenen Waldhütte aufbricht, um dort ein paar freie Tage zu verbringen. Sie finden dort das seltsame "Buch des Todes" und rufen damit ungewollt düstere Dämonen herbei. Ein erbitterter Kampf ums Überleben beginnt, denn durch das Vorlesen aus dem "Buch des Todes" wurden blutrünstige und abscheuliche Kreaturen freigesetzt, die es alle nur auf eines abgesehen haben: Sie haben das Ziel, die Teenager psychisch und körperlich zu vernichten. Die Teenies müssen sich nun alleine zu helfen wissen, denn in der abgelegenen Waldhütte wird ihnen niemand anderes beistehen...

Der wohl am Meisten erwartete Horrofilm der letzten Jahre. "Evil Dead" ist ein Remake des Horrorfilms "Tanz der Teufel" aus dem Jahr 1981. Natürlich schielt man immer mal wieder während der Sichtung mit einem Auge auf das Original - und findet so allerhand Gemeinsamkeiten, Anspielungen und sogar Requisiten. Natürlich ist das Remake moderner, eben an die Zeit angepasst. Ansonsten ist die Geschichte so ziemlich gleich. Es geht zwar hier nicht um eine Party in der ominösen Holzhütte im Wald, hier geht es um kalten Entzug. Die Hauptdarstellerin nämlich ist fest entschlossen, ihrer Kokainsucht ein Ende zu bereiten und ihre Freunde bieten dafür genau die Unterstützung, die sie dafür braucht. Auch trifft sie so ihren lange nicht mehr gesehenen Bruder wieder: perfekt. Leider ist das nicht ganz so perfekt, denn - wie könnte es anders sein? - durch einen widerlichen Geruch aus dem Keller begeben sich die Freunde in das untere Gewölbe und finden das "Buch des Blutes". Als dann noch einer der Freunde daraus vorliest bricht plötzlich die Hölle los. Man sieht: sehr eng am Original, nur eben vorstellbarer.

Im Gegensatz zum Original ist der Humor dem Blutgehalt gewichen - selbst Slapstickeinlagen bleiben aus. Hier hat man einen reinen Splatterfilm vorliegen, der gehörig am Gewaltgrad schraubt - kein Wunder also, warum einige Szenen der FSK sicher sauer aufstießen und sie deswegen die Freigabe verweigerten. Ist aber auch nicht weiter schlimm, SPIO/JK-Fassungen bekommt man hierzulande als Erwachsener zumindest auf Nachfrage unter der Ladentheke. Das Blut fließt also Eimerweise und in der Tat sind die Splattereffekte recht nett. Allerdings - und vielleicht kommt es mir ja nur so vor - wurde viel aus anderen Horrorfilmen geklaut. So richtig weh tut der Film eigentlich nie - dafür sind die Darsteller zu blass und austauschbar. Ein paar schmerzhafte Szenen gibt es zwar, jedoch fallen sie dem Moment zum Opfer. Man denkt zwar "Autsch!", aber so richtig leiden tut man nicht. Hier tappt "Evil Dead" leider in die Klischeefalle. Des Öfteren sind die Handlungen der Akteure schwer bis überhaupt nicht nachvollziehbar, wodurch das Mitfiebern äußerst schwer fällt. Hier hagelt es Stereotypen, so das naive Blondchen, der zögernde Held und der wissende Nerd.

Ganz am Ende kommt dann erst die Splatterszene schlechthin - und lässt einen schon mal die Augen aufreißen und näher hinschauen. Okay, gar nicht schlecht. Der Score ist unauffällig und schleicht nebenbei mit, viel mehr Wert wurde offenbar auf Knarren und Knarzen, sowie die Stimmenverzerrung gelegt, die gut passt. Die handgemachten Effekte sind absolute Weltklasse. Produzent Sam Raimi hat es tatsächlich geschafft die Atmosphäre noch etwas dichter wirken zu lassenund fast völlig auf CGI zu verzichten - das ist schon etwas wert und dafür zolle ich auch den dementsprechenden Respekt. Nach dem Abspann kommt dann sogar noch einmal ganz kurz Ash (Bruce Campbell) zu Wort - auch sehr nett. Passt zwar nicht, aber nett. Alles in allem ist "Evil Dead" also ein gutes Remake, wenngleich ich den Film gern eigenständig betrachten würde. Er bietet auf jeden Fall feinster Splatterhorror ohne viel Geschnörkel und Humor - und kann dabei auf seinen knapp 91 Minuten ohne viele Pausen und/oder langatmige Szenen unterhalten. Gut.

7,5/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungeschnitten/unrated in der Kino- und Extended Cut-Fassung im auf 1.500 Stück limitierten Blu-ray-Mediabook:


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Sony Pictures

Freitag, 11. August 2017

Evil Dead (Extended Cut) (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1288558/

Mia (Jane Levy) ist eine junge Frau, die mit ihrem Bruder David (Shiloh Fernandez) und ihren Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) zu einer entlegenen Waldhütte aufbricht, um dort ein paar freie Tage zu verbringen. Sie finden dort das seltsame "Buch des Todes" und rufen damit ungewollt düstere Dämonen herbei. Ein erbitterter Kampf ums Überleben beginnt, denn durch das Vorlesen aus dem "Buch des Todes" wurden blutrünstige und abscheuliche Kreaturen freigesetzt, die es alle nur auf eines abgesehen haben: Sie haben das Ziel, die Teenager psychisch und körperlich zu vernichten. Die Teenies müssen sich nun alleine zu helfen wissen, denn in der abgelegenen Waldhütte wird ihnen niemand anderes beistehen...

Sam Raimi hat mit Sicherheit im Traum nicht daran gedacht, dass sein Low-Budget-Splatterfilm "Tanz der Teufel" Anfang der 80er zu einem weltweiten Hit werden würde, welcher mittlerweile absoluten Kultstatus erreicht hat. Das Publikum liebte den Film. Ganz im Gegensatz zu den Zensurbehören. Im Laufe der Jahre folgten zwei Fortsetzungen, welche jedoch den Fokus mehr auf den Komödien-Anteil legten, anstatt Splatterexzesse abzuliefern. Ein weiteres Sequel wurde immer wieder von Raimi oder Bruce Campbell angekündigt, aber es blieb stets bei Ankündigungen und Gerüchten. Umso überraschender, dass dann letztendlich ein Remake in Produktion ging. Newcomer Fede Alvarez nahm auf dem Regiestuhl Platz, Raimi und Campbell produzierten. Schon früh gab man bekannt, dass man sich in Sachen Gewaltdarstellung nicht zurückhalten würde und deshalb ein R-Rating anstrebt. Man hielt Wort und der Film fiel so drastisch aus, dass es sogar ein NC-17-Rating von der MPAA gab. Für eine Kinoauswertung allerdings problematisch, weshalb Alvarez einige leichte Zensuren vornehmen musste, bis es dann im Endeffekt das R-Rating gab. Es wurde zwar eine Unrated-Fassung für den Heimkinomarkt in Aussicht gestellt, aber veröffentlicht wurde diese erst einmal nicht.

Zumindest nicht auf einem dieser Medien. Denn ohne vorherige Ankündigung lief im Januar 2015 spät Nachts ein "Extended Cut" von "Evil Dead" im britischen Fernsehen auf Channel 4. Diese enthält neben zusätzlichen Handlungsszenen auch einiges mehr an blutigen Bildern. So wurden unter anderem offensichtliche MPAA-Cuts rückgängig gemacht und auch die berühmte Kettensägen-Szene aus dem Trailer, welche von vielen in der Kinofassung vermisst wurde, ist wieder enthalten. Zusätzlich wurde im Abspann noch ein alternatives Ende drangehängt. Die verlängerte Fassung ist auf jeden Fall lohnenswert und läuft ca. 5 Minuten länger als die Kinofassung. An der Wertung ändert sich zwar aufgrund der (was man kaum glauben mag) noch härteren Bilder nur ein halber Punkt nach oben, aber am Funfaktor, was Splatter und Gore anbelangt ändert sich einiges. Junge, Junge. Einen ausführlichen Schnittberichte zwischen Kino- und Extended Cut gibt es wie immer hier: schnittberichte.com.

8/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungeschnitten/unrated in der Kino- und Extended Cut-Fassung im auf 1.500 Stück limitierten Blu-ray-Mediabook:



Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Sony Pictures

Mittwoch, 14. August 2024

Alien: Romulus (2024)

https://www.imdb.com/title/tt18412256/

Eine Gruppe junger Abenteurerinnen und Abenteurer, die das Weltall nach allem durchsuchen, was man mitnehmen und vielleicht zu Geld machen kann, glaubt, den Jackpot getroffen zu haben. Rain (Cailee Spaeny), Andy (David Jonsson), Tyler (Archie Renaux), Kay (Isabela Merced), Bjorn (Spike Fearn) und Navarro (Aileen Wu) sind auf eine scheinbar völlig verlassene Station im All gestoßen, die offenbar reich an wertvollen Schätzen ist. Doch sie ahnen nicht, was sich dort wirklich herumtreibt und dafür verantwortlich ist, dass keine Menschenseele hier mehr am Leben ist. Schon sehr bald werden sie Bekanntschaft mit der gefährlichsten und furchteinflößendsten Kreatur machen, die es im ganzen Universum gibt...

Es ist so sehr, sehr lange her, seit wir die Chance hatten, einen wirklich großartigen Alien-Film zu erleben, so lange, dass man leicht vergisst, wie er sich eigentlich anfühlt. Das schleichende Gefühl der Angst, der eklige Body-Horror, die Angst vor dem Unbekannten. Von allen Horrorerlebnissen übertrifft doch eigentlich nichts die Vorstellung, mit etwas Unbekanntem im Weltraum festzusitzen, das in einem eindringt und den Körper des Wirts als Brutkasten für seinen Nachwuchs nutzt, der dann auch noch mit einer tödlichen Explosion aus Fleisch und Blut aus dem Wirtskörper herausbricht. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, stellt das Exterminieren dieser großen Viecher auch noch vor eine Herausforderung, denn das Säure-artige Blut frisst sich durch alles, was mit ihm in Berührung kommt. Leider haben eine Reihe schlechter Fortsetzungen und überambitionierter Spin-offs von Ridley Scotts Originalfilm "Alien" von 1979 und seiner bombastischen Fortsetzung "Aliens" von 1986 von James Cameron haben das Franchise im Laufe der Zeit zu einem weiteren Science-Fiction-Verlierer degradiert.

Auftritt des uruguayischen Filmemachers Fede Alvarez, der dank seines wirkungsvollen "Evil Dead"-Remakes von 2013 und des schaurigen und spannenden "Don't Breathe" von 2016 bereits seit geraumer Zeit als aufstrebender Horrorfilm-Spezialist gilt. Ohne zu viel zu verraten, ist klar, dass dieser Film nicht weiter von den bedeutungsvollen, prätentiösen Prequel-Filmen "Prometheus" und "Alien: Covenant" entfernt sein könnte, mit ihrer gemeinsamen Entschlossenheit, langsam alle finsteren Details des "Alien"-Universums zu entdecken. "Alien: Romulus" spielt etwa zwei Jahrzehnte nach "Alien", also etwa 40 Jahre vor "Aliens". Alvarez schwärmte auf einer Pressekonferenz davon, Mitglieder des ursprünglichen Stan Winston-Teams zurückzubringen, das an "Alien" und "Aliens" gearbeitet hatte, sprach über den Einsatz von Animatronik und Miniaturen, um ein Gefühl von altmodischem Realismus zu erzeugen, und gab zu, dass er keine Angst hatte, sich selbst die Hände schmutzig zu machen. "Alien: Romulus" fühlt sich auch nicht wie ein Möchtegern-Blockbuster mit großem Budget an, der in ein paar Jahren in die Bedeutungslosigkeit abdriften wird. In dieser Welt des endlosen Franchise-Aufbaus - man sollte im Hinterkopf behalten, dass in Kürze Noah Hawleys "Alien"-Fernsehserie in die heimischen Wohnzimmer gestreamt werden kann - könnte es am Ende doch erfrischend sein, einen Alien-Film zu finden, der in seiner eigenen Entschlossenheit schwelgt. Und genau das macht "Alien: Romulus".

Von oben bis unten zeigt "Alien: Romulus" ein beispielhaftes Produktionsdesign, das zwar auf das anspielt, was in den in der Zukunft spielenden "Aliens" kommen wird, aber viel mehr den totemähnlichen Texturen von Ridley Scotts Originalfilm verdankt. Der industrielle Futurismus von Michael Seymours Originalsets wird in der defekten Renaissance-Station, die in die Segmente "Romulus" und "Remus" aufgeteilt ist, wunderbar nachgeahmt, die durch rote Warnlichter und Schwarztöne von H.R. Gigers Xenomorphologie gefärbt ist, während sie sich so bedrohlich wie eh und je in diese Ästhetik einfügen und teilweise bedrohlich an Videospiele wie "Doom" oder "Dead Space" erinnern. "Alien: Romulus" stellt auch die unbestreitbar stimmigste Mischung aus computergenerierten und praktischen Techniken des Franchises dar, die eingesetzt werden, um seine Schauplätze, Kreaturen und Verletzungseffekte zum Leben zu erwecken. Es heißt, dass die beste Computergrafik die ist, die man nicht bemerkt, und das Team hat hier eine weitgehend nahtlose Mischung all dieser Elemente erreicht. Die Ironie dabei ist, dass ich mir sofort selbst widersprechen muss: Es gibt ein paar Stellen, wo die CGI deutlich unangemessen wirken - eine wirklich schauderhaftes Wiedersehen mit einer alten Figur, deren CGI aber wirklich nicht gut ist und man sich fragen darf, warum das in der Post-Produktion nicht auffiel und ein dritter Akt, in dem man sehr deutlich merkt, wenn Álvarez zu Nahaufnahmen von Xenomorph-Köpfen schneidet, die in Stücke gesprengt werden. Aber diese Momente oder die Stellen, an denen man sieht, wie eine Miniatur verwendet wird, erinnern ebenso sehr an die ersten beiden Filme der Reihe wie jeder ikonische One-Liner oder jede nachgestellte Einstellung.

Álvarez lässt "Alien: Romulus" im ersten Akt atmen und nimmt sich Zeit, die zentrale Beziehung zwischen Rain (Cailee Spaeny) und dem Androiden Andy (Daniel Jonsson) zu etablieren, die als Geschwister in Schuldknechtschaft auf Weyland-Yutanis Jackson’s Star-Kolonie leben. Rain und Andy wollen unbedingt der ewig sonnenlosen Düsternis der Kolonie entkommen - die Álvarez als metallene Höllenlandschaft darstellt - und treffen sich wieder mit ihren alten Plünderer-Kumpels, der Besatzung der Corbelan IV. Rains einfallsreiche Natur und ihr Beschützerinstinkt gegenüber ihrem synthetischen Bruder ziehen das Publikum schnell auf ihre Seite, und als Darstellerin leistet Spaeny großartige Arbeit, indem sie Rain glaubhaft in den Horror eines jungen Erwachsenen einbettet, der seinen ersten Ausflug in die große, furchteinflößende Welt unternimmt und feststellt, dass sie schlimmer ist, als er es sich hätte vorstellen können. Rain ist stark lösungsorientiert, was ihr im Verlauf des Films viele Heldenmomente beschert, aber das Drehbuch von Álvarez und Co-Autor Rodo Sayagues lässt ihr nicht viel Raum, sich im Laufe des Films zu ändern oder zumindest hervorzuheben, was sie überhaupt so widerstandsfähig macht. Jonsson muss in seiner Darstellung die schwierigste Gratwanderung bewältigen, indem er ständig kindliches Zögern mit kalter Effizienz ausbalanciert und zusammenträgt, welche Informationen er anbieten und welchen seiner grundlegenden Anweisungen er folgen soll. Aber Jonsson trifft den Kern von Andy gut, sobald dieser Konflikt zentral für die Handlung wird. Die damit einhergehenden unvorhersehbaren Veränderungen in Andys Persönlichkeit dienen nicht nur dazu, die Spannung zu steigern, sondern auch als Spiegel, in dem sich die menschlichen Charaktere selbst sehen.

Was die Crew der Corbelan betrifft - die Geschwister Tyler (Archie Renaux) und Kay (Isabela Merced) sowie Bjorn (Spike Fearn) und Navarro (Aileen Wu) -, verwenden Álvarez und Sayagues Archetypen, die Fans sofort vertraut sein werden. Während zahlreiche Filme des Franchise mit Slasher-Konventionen flirten, verpflichtet sich "Alien: Romulus" stärker als je zuvor zur typischen Struktur des Subgenres. Durch diese Struktur kann das Publikum der Handlung gelegentlich vorauseilen, doch Álvarez lässt genügend Überraschungen aufkommen und führt den Zuschauer in die Irre, um das auszugleichen. Álvarez etabliert das Ensemble sparsam, insbesondere während Corbelans Reise in die Renaissance, wo Schnitte zu jeder Figur zeigen, wie sie in Stresssituationen reagiert, und diese Archetypen verstärken. Kay bekommt das persönlichste Material, verbringt einen Großteil des Films getrennt von der Hauptgruppe und versucht, auf zunehmend schreckliche Weise aufzuholen. Während diese Schnitte als eigene kleine Alien-Story gut funktionieren, sollte beachtet werden, dass sie, wenn sie im zweiten Akt auftauchen, den Fokus ein wenig zersplittern und zu "Alien: Romulus"' einzigen echten Tempoproblemen führen. Das heißt jedoch nicht, dass die Art und Weise, wie diese Zeit verbracht wird, keinen Nutzen hat: Kays Plan ist komplizierter als der ihrer Freunde, was nicht nur die Tür seiner unverschämtester Themenarbeit öffnet (deren Natur hier nicht gespoilert wird), sondern auch für späte Wendungen, die den kühnen und unerträglich angespannten Showdown des Films einleiten.

"Alien: Romulus" scheut sich selten davor, seine Vorgänger zu feiern, meist im Guten, aber in einem bedeutenden Fall definitiv im Schlechten. Álvarez versteht genau, wie und wann er die ikonischsten Bilder von Alien einsetzen muss. Obwohl die anfängliche Erkundung der verlassenen Renaissance durch die Plünderer eine ruhige, angespannte Angelegenheit ist, kann man unter der Oberfläche spüren, wie Álvarez‘ Hand den Raum einrichtet wie ein Kind, das einem mit einem Mal alle seine Spielzeuge vorführt, bevor es sich entscheidet, welches es zuerst mit einem teilen möchte. Kanalsysteme, Luftschleusen, Elektroschockstäbe, Bewegungssensoren, ein toter Kunststoff, vielleicht hier und da die eine oder andere Änderung von Flammen- zu Gefrierschleuder. Aber Álvarez verbringt nicht zu viel Zeit damit, diese leblosen Objekte zu fetischisieren; sie sind rein funktional und haben daher nicht das Gefühl, dass sie die Grenze zum Fanservice um des Fanservices willen überschreiten.

"Alien: Romulus" findet sogar Zeit, um Elemente des hervorragenden Spiels "Alien: Isolation" einzubauen. Ob es nun die Registrierungspunkte sind, die Álvarez einsetzt oder die Leuchtraketen, die zu cleveren praktischen und defensiven Zwecken eingesetzt werden, ein Ethos, das den ganzen Film vorantreibt und seine schockierendsten erzählerischen Wendungen freisetzt. Natürlich bringt "Alien: Romulus" auch seine eigenen neuen Spielzeuge und Tricks mit, von denen der bedeutendste die Schwerelosigkeit ist. Es ist verblüffend, wenn man bedenkt, dass das Franchise die Schwerelosigkeit in der Vergangenheit nicht wirklich stärker genutzt hat, und sie wird hier gut eingesetzt, nicht nur um einige Begegnungen mit Xenomorphs aufzupeppen, sondern auch wiederholt als tickendes Hindernis, das die Plünderer aufgrund des nicht funktionierenden Schwerkraftantriebs der Renaissance umgehen müssen. Und doch kann "Alien: Romulus", wie es Weyland-Yutani bekannt ist, einige Ideen nicht aufgeben, die auf den ersten Blick ein unschönes Ende zu nehmen scheinen. "Alien: Romulus" beschwört die genetische Spielkarte herauf, die in diesen Filmen immer Unheil bedeutet, und ist eine schlanke, gemeine, chimäre Schönheit. Fede Álvarez beweist, dass sein "Evil Dead"-Remake kein Zufall war: Der Regisseur greift nahtlos die erzählerischen und ästhetischen Eckpfeiler der Reihe auf und führt sie zu atemberaubenden Enden. "Alien: Romulus" biegt tempomäßig gelegentlich in eine Sackgasse ab - und leider ist seine kühnste Brücke in die Vergangenheit der Reihe extrem wackelig - aber diese Fehltritte sind verzeihlich, wenn man bedenkt, wie selbstbewusst und umsichtig Álvarez sie an anderer Stelle handhabt. Unterstützt von einem talentierten Ensemble junger Schauspieler und einem Produktionsdesign in Referenzqualität, bringt "Alien: Romulus"' Back-to-Basics-Ansatz zum Blockbuster-Horror alles, was die Fans an der klanglich fließenden Reihe lieben. Nun muss man sich für "Alien" und "Aliens" am Stück mehr Zeit nehmen, denn "Alien: Romulus" passt perfekt dazwischen..

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Twentieth Century Studios
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox/Disney