Donnerstag, 16. November 2017

The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0092076/

Seit einem Jahrzehnt versucht Texas Ranger Lefty Enright den grausamen Mord an seiner Familie durch die "legendäre" Sawyer-Familie zu rächen. Die Radiomoderatorin Vantia Block wird am Telefon Zeugin, wie zwei Jugendliche, die sie angerufen haben, getötet werden. Lieutenant Enright, dessen Neffen vor zehn Jahren von dem wahnsinnigen Kettensägenmörder getötet wurden, sieht in diesem Fall einen Zusammenhang mit den Geschehnissen von damals, und bittet die Techniker, den mitgeschnittenen Anruf auszusrahlen. Keine gute Idee, denn dadurch wird der Killer angelockt - und begibt sich geradewegs zum Sender, wo er alle, die Zeugen des Anrufs waren, mit seiner Kettensäge behandeln will. Bald finden sich alle in der Metzgerei der Sawyers wieder. Dort beginnt eine Schlacht von epischem Ausmaß...

Starke Fortsetzung, die zwar nicht an den unumstritten großartigen Erstling heranreicht, aber den Mut aufbringt, den nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten herausragend verwirklichten Erstling stilistisch in das komplette Gegenteil zu verkehren. Es ist (bis heute) eine extrem gewagte Fortsetzung von Regisseur Tobe Hooper, denn statt subtilem Psychoterror wird gemetzelt, und zwar auf unvergleichlich grenzdebile Art und Weise. Bereits der Opener auf der Brücke ist legendär, zwar unglaublich sinnfrei aber einfach toll gemacht. Was an "Blutgericht in Texas", diesem schroffen, so vielseitigen Blick in eine verstörende Americana-Finsternis, alles brillant war, muss an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, gerade weil es der freidrehende Nachfolger auch von vornherein untersagt, den zwanghaften Vergleich zu forcieren – und in diesem Punkt sollte man ihm, gerade für das Ausreizen der immersiven Wirkung, unbedingt seine Aufmerksamkeit schenken.

"Texas Chainsaw Massacre 2" ist ein irrsinniger, ein in schmuddeligem braun gehaltener Exzess, der in diesem gewagten Eigensinn nur dem feurigen Canon-Köcher entsprungen sein kann.  Nicht nur, dass "Texas Chainsaw Massacre 2" den Aspekt um die aus der gesellschaftlichen Mitte verstoßenen Familie noch viel extremer ins Satirische überhöht, Tobe Hooper setzt sich auch ganz explizit mit der in der nationalen Identität Amerikas verwurzelten Leidenschaft für abtrünnige Gewalt auseinander. Dieses Muster setzt sich über die gesamte Laufzeit fort, der Film wirkt zeitweise wie eine Parodie auf das Original. Fans des ersten Teils seien also gewarnt, hier besteht durchaus auch Hassfilm-Potenzial. Verdrängung und Faszination bilden hier ein reziprokes Verhältnis und synchronisieren sich in ihrer Parallelität immer dort, wo das eine das andere auszuhebeln scheint. Vielmehr fördert die Angst eine neue Dimension der entarteten Lust empor. Gewalt ist ein ansteckender Akt, einmal mit ihr in Kontakt geraten, befällt sie die Seele wie ein dunkler Schatten. Und Leatherface ist die tragische Figur im grellen Geschehen, die sich nur nach fleischlicher Liebe verzehrt und doch nur töten kann. Im Rattern der ewigen Kettensägenmassaker finden urmenschliche Sehnsüchte ihren pervertierten Abglanz.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.