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Freitag, 26. Januar 2018

Spider-Man 3 (Editor's Cut) (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0413300/

Im letzten Teil der Trilogie hat Peter Parker (Tobey Maguire) es endlich geschafft, seine Liebe zu Mary Jane (Kirsten Dunst) und seine Pflichten als Superheld in Einklang zu bringen. Doch schon ziehen am Horizont dunkle Wolken auf. Als sich Spider-Mans Anzug plötzlich pechschwarz verfärbt und ihm neue, ungeahnte Kräfte verleiht, verändert dies auch Peter und bringt die dunklen, rachsüchtigen Seiten seines Charakters ans Licht, Eigenschaften, die Peter bald nicht mehr kontrollieren und beherrschen kann. Unter dem Einfluss des Anzugs wird Peters Ego immer größer. Dabei vernachlässigt er zunehmend all die Menschen, denen er am meisten am Herzen liegt. Bald ist Peter gezwungen, sich zwischen der verführerischen Kraft des neuen Anzugs und dem mitfühlenden Helden, der er einst war, zu entscheiden. Peter muss seine persönlichen Dämonen bezwingen, während zwei der meist gefürchteten Schurken, Sandman (Thomas Haden Church) und Venom (Topher Grace), beispiellose Macht erlangen und in ihrer Rachsucht Peter und jeden, den er liebt, bedrohen...

Eins vorweg: der "Editor's Cut" macht den dritten Teil des "Spider-Man"-Franchise mit Tobey Maguire nicht besser oder schlechter. "Spider-Man 3" ist und bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Franchise gekonnt durch völlige Überlastung der Story und der zu schweren Sicht auf  den Kampf im Inneren des titelgebenden Helden, in den Sand setzen kann. Nach "Spider-Man" und "Spider-Man 2" spielen die Akteure sichtbar lustlos und unmotiviert. Aber der Hauptkritikpunkt ist Venom. Ein in den Comics so übermächtiger und abgrundtief-böser Gegner - im Film ein Gegner, der nebenbei auftaucht und quasi im Vorbeigehen (und damit viel zu leicht) plattgemacht wird. Dazu kommen der Sandman und (anfänglich) der neue grüne Kobold. Drei so große Gegner sind einfach zu viel für einen Film, selbst mit zwei Gegnern kratzt man schon an der Grenze des Möglichen. Dazu die Liebesschnulze, die vorhersehbaren Intrigen - so etwas passt so gar nicht in einen Superhelden-Film. Raimi wollte hier einfach zu viel - und das wirkt ungemein negativ auf das Gesamtbild.

Dafür sind die Animationen toll - gerade der Sandmann ist hervorzuheben - und die Story, bis auf den drögen Mittelteil immerhin spannend und interessant. Peters Selbstfindungsphase hingegen ist zu überkandidelt, zu übertrieben, schlicht zu blöd. Da hilft kein noch so beherzter Gag - im Gegenteil. Diese ziehen die ganze Geschichte sogar noch mehr ins Lächerliche. Zudem ist die ständig kreischende Mary-Jane offenbar nicht mal in der Lage, sich selbstständig aus Gefahrenzonenen zu bewegen. Nein, da muss immer und ständig Spider-Man antanzen, um ihr selbst dabei noch die Hand zu halten. So etwas nervt und hinterlässt ein flaues Gefühl. Das war zwar auch schon in den beiden Vorgängern so, aber hier wird maßlos übertrieben. So bleibt leider nur ein teilweise unterhaltsamer Blockbuster übrig, der zwar mit seinen klasse Actionszenen und Wow-Effekten punkten kann, aber ansonsten leider versagt. Der "Editor's Cut" fügt nun einige Handlungsszenen hinzu, um den Sadnmann näher zu beleuchten, beschränkt sich aber ansonsten auf Alternative Takes und Musik (die übrigens in der deutschen (Ton-)Fassung fehlen). Am Interessantesten ist da noch die Szenen aus dem Trailer, die nun endlich wieder eingfügt worden, in denen sich der schwarze Spider-Man durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt. Trotzdem bleibt "Spider-Man 3"der schlechteste Teil des Maguire-Franchise. Er unterhält zwar, aber eben nicht durchgängig.

6/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 2" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel

Mittwoch, 7. August 2013

Spider-Man 3 (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0413300/

Im letzten Teil der Trilogie hat Peter Parker (Tobey Maguire) es endlich geschafft, seine Liebe zu Mary Jane (Kirsten Dunst) und seine Pflichten als Superheld in Einklang zu bringen. Doch schon ziehen am Horizont dunkle Wolken auf. Als sich Spider-Mans Anzug plötzlich pechschwarz verfärbt und ihm neue, ungeahnte Kräfte verleiht, verändert dies auch Peter und bringt die dunklen, rachsüchtigen Seiten seines Charakters ans Licht, Eigenschaften, die Peter bald nicht mehr kontrollieren und beherrschen kann. Unter dem Einfluss des Anzugs wird Peters Ego immer größer. Dabei vernachlässigt er zunehmend all die Menschen, denen er am meisten am Herzen liegt. Bald ist Peter gezwungen, sich zwischen der verführerischen Kraft des neuen Anzugs und dem mitfühlenden Helden, der er einst war, zu entscheiden. Peter muss seine persönlichen Dämonen bezwingen, während zwei der meist gefürchteten Schurken, Sandman (Thomas Haden Church) und Venom (Topher Grace), beispiellose Macht erlangen und in ihrer Rachsucht Peter und jeden, den er liebt, bedrohen...

"Spider-Man 3" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Franchise gekonnt in den Sand setzen kann. Ironischerweise geschieht dies aber nicht durch den Gegner - den Sandmann - sondern durch völlige Überlastung der Story und der zu schweren Sicht auf  den Kampf im Inneren des titelgebenden Helden. Nach "Spider-Man" und "Spider-Man 2" spielen die Akteure recht lustlos und unmotiviert - zumindest kommt es einem so vor. Aber der Hauptkritikpunkt ist Venom. Ein in den Comics so übermächtiger und abgrundtief-böser Gegner - im Film ein Gegner, der nebenbei auftaucht und quasi im Vorbeigehen (und damit viel zu leicht) plattgemacht wird. Dazu kommen der Sandman und (anfänglich) der neue grüne Kobold. Drei so große Gegner sind einfach zu viel für einen Film, selbst mit zwei Gegnern kratzt man schon an der Grenze des Möglichen. Dazu die Liebesschnulze, die vorhersehbaren Intrigen - so etwas passt so gar nicht in einen Superhelden-Film. Raimi wollte hier einfach zu viel - und das wirkt ungemein negativ auf das Gesamtbild.

Dafür sind die Animationen toll - gerade der Sandmann ist hervorzuheben - und die Story, bis auf den drögen Mittelteil immerhin spannend und interessant. Peters Selbstfindungsphase hingegen ist mir zu überkandidelt, zu übertrieben, schlicht zu blöd. Da hilft kein noch so beherzter Gag - im Gegenteil. Diese ziehen die ganze Geschichte sogar noch mehr ins Lächerliche. Zudem ist die strunzdumme und ständig kreischende Mary-Jane offenbar nicht mal in der Lage, sich selbstständig aus Gefahrenzonenen zu bewegen. Nein, da muss immer und ständig Spider-Man antanzen, um ihr selbst dabei noch die Hand zu halten. So etwas nervt und hinterlässt ein flaues Gefühl. Das war zwar auch schon in den beiden Vorgängern so, aber hier wird maßlos übertrieben. So bleibt leider nur ein teilweise unterhaltsamer Blockbuster übrig, der zwar mit seinen klasse Actionszenen und Wow-Effekten punkten kann, aber ansonsten leider versagt.

6/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 2" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält. Diese Box enthält zusätzlich den "Editor's Cut" des Films auf Blu-ray.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures / Marvel

Mittwoch, 15. Februar 2023

Ant-Man And The Wasp: Quantumania (2023)

https://www.imdb.com/title/tt10954600/

Als Scott Langs (Paul Rudd) Tochter Cassie (Kathryn Newton) ein Gerät entwickelt, durch das eine Kommunikation mit dem Quantum-Reich möglich werden soll, ist das keine gute Idee. Und bald finden sich nicht nur Cassie, "Ant-Man" Scott und seine Mitstreiterin "The Wasp" Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) in dem mystischen Reich wieder. Gemeinsam mit Hopes Eltern Hank Pym (Michael Douglas) und Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) müssen sie einen Ausweg finden, doch bahnen sich erst einmal ihren Weg durch diese mysteriöse Welt, in welcher sie auf auf fremde Kreaturen und eine versteckte Zivilisation treffen. Dabei erfahren sie, dass viel mehr möglich ist, als sie jemals gedacht haben und auch Janet noch Geheimnisse aus ihren Jahrzehnten da unten hat. Und sie treffen auf einen so mysteriösen wie mächtigen Mann: Kang (Jonathan Majors)...

Es ist soweit: Phase 5 des MCU startet mit "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" und auch hier gab es im Vorfeld viel zu berichten. Unter anderem sprach Hauptdarsteller Paul Rudd über die Vorbereitungen für seine Rolle als Ant-Man im dritten Teil des Franchise und führte aus, dass er sich körperlich stark verändert und hart gearbeitet hat, um in Form zu kommen. Frühe Kritiker schrieben nach den ersten Presse-Screenings, dass der dritte Teil der "Ant-Man"-Reihe "wie eine psychedelische Achterbahn voller beängstigender und witziger Kuriositäten, plus einem sehr bedrohlichen Kang" sei. Zudem träfen wohl "große "Star Wars"-Vibes auf das MCU in seiner freakigsten und originellsten Form". Und nicht zuletzt berichteten die Reviewer von dem "Mechanical Organism Designed Only for Killing", kurz M.O.D.O.K., der im Jahr 2021 sein Debüt in seiner gleichnamigen, animierten Serie "M.O.D.O.K." feierte und über einen Jonathan Majors" in Höchstform.

Wenn man "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" sieht, fallen einem sofort zwei Dinge auf: Erstens lässt der Film San Francisco, den Schauplatz der früheren Ant-Man-Abenteuer ziemlich schnell hinter sich und begibt sich auf eine ausgedehnte Reise in die Geheimnisse und Wunder des Quantenreichs; und zweitens haben sich die Hauptdarsteller - Scott Lang / Ant-Man (Paul Rudd), Hope Van Dyne / The Wasp (Evangeline Lilly), Hank Pym (Michael Douglas), Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) und Cassie Lang (Kathryn Newton) - zu nichts Geringerem als einer echten, dynamischen Superheldenfamilie zusammengefunden. Das weckt wohl nicht ganz zufällig Erinnerungen an die Fantastischen Vier zu, die schon in den 1960er Jahren als solche bezeichnet wurden. Und obwohl noch zwei Jahre bis zu deren offiziellen Start im MCU vor uns liegen, haben einige Aspekte der Vier, wie die zänkische Familieneinheit und die Abenteuer in psychedelischen kosmischen Gefilden, ihren Weg in die "Ant-Man"-Filme gefunden, insbesondere in Quantumania. Das sollte allerdings keine große Überraschung sein. 

Der Regisseur der "Ant-Man"-Trilogie, Peyton Reed, entwickelte bereits 2003 einen "Fantastic Four"-Film für 20th Century Fox, Jahre bevor das MCU ins Leben gerufen wurde und sogar noch länger, bevor die Muttergesellschaft der Marvel Studios, Disney, Fox aufkaufte und die Rechte an den Vier zurücknahm. "Ich habe 'Fantastic Four' damals, ich glaube 2002 oder 2003, etwa ein Jahr lang entwickelt, lange vor dem MCU", erklärt Reed. "Und das habe ich absolut in diese Filme einfließen lassen, besonders in Quantumania. Ich bin mit der Liebe zu den 'Fantastic Four' aufgewachsen, und dann habe ich bei der 'Ant-Man'-Familie Regie geführt, und es gibt Ähnlichkeiten. Sie sind eine Art dysfunktionale Familie von Superhelden im Marvel-Universum. Und bei den Fantastischen Vier gingen sie in die Negative Zone, und hier ist es das Quantenreich." Reeds aufgegebener "Fantastic Four"-Film sollte in den 1960er Jahren spielen und das Team in seinem Alltag begleiten, aber seine Vision wurde vom damaligen Fox-Chef Tom Rothman zugunsten einer traditionelleren Ursprungsgeschichte in der Gegenwart verworfen. Unter der Regie von Tim Story wurde "Fantastic Four" 2005 mit mittelmäßigen Kritiken, aber soliden Einspielergebnissen veröffentlicht. Es folgte "Fantastic Four: Rise Of The Silver Surfer" im Jahr 2007 und ein katastrophales Reboot im Jahr 2015, bevor Marvel die Rechte zurückbekam.

Wenn es jedoch um die "Ant-Man"-Filmreihe geht, konnte man bereits 2015 das Potenzial sehen, das Edgar Wright in das Projekt einbrachte, bevor er den Regiestuhl an Peyton Reed übergab. In der Fortsetzung von 2018, einem Film, der eine Erkundung des faszinierenden und seltsamen Quantenreichs versprach, bekam man nur sehr wenig von diesem mysteriösen Gebiet zu sehen. Die Ant-Man-Filme gingen auch sparsam mit der fesselnden Technologie um, um die sich die Geschichte dreht, und sparten sich die großen Geschütze oft für klimatische Schlachten und gelegentliche Gags auf. Sogar Scott Langs (Paul Rudd) Lieblingsmomente als Held drehen sich selten um Ereignisse aus seinen eigenen Abenteuern, denn er spricht eher über den Kampf an der Seite von Captain America in "Civil War" oder als er half, Thanos zu besiegen, als über irgendetwas, das in Peyton Reeds Filmreihe passiert ist. Eine Zeit lang fühlt sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wie die Verwirklichung von Scott Langs Möglichkeiten an, da der dritte Film dieser Reihe endlich die Seltsamkeiten, die verrückte Technik und die Familienbande, die die ersten beiden Filme versprachen, aufgreift. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird zu einer Mischung aus Fantastic Voyage und den Knowhere-Segmenten aus "Guardians Of The Galaxy" - eine interessante Mischung, die den Film sofort von den bisherigen Abenteuern von Ant-Man und Wasp (Evangeline Lilly) abhebt. Ein Vibe von "Star Wars" und sogar "Starship Troopers" schwebt mit - das passt und gefällt.

Tatsächlich sieht man Kang (Jonathan Majors), der in der grandiosen Serie "Loki" eingeführt wurde, hier noch vor Scott Lang, denn "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" beginnt im Quantenreich, und wir erfahren, dass Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer), während sie dreißig Jahre lang in diesem subatomaren Universum festsaß, auch mit dem Mann zusammentraf, den man später als Kang kennenlernen wird. Bevor Scott und Hope überhaupt auftauchen können, hat Kang bereits Anspruch auf diesen Film erhoben. Zurück im normalen Universum in der Gegenwart ist Scott ein Star, der ständig auf der Straße gesehen wird, der kostenlosen Kaffee bekommt (obwohl der Barista in einer sentimental wirkenden Anspielung auf Stan Lees Cameos in den vorherigen Filmen des MCU bis zu seinem Tod, glaubt, er sei "Spider-Man") und der jetzt mit seinem Buch "Look Out For The Little Guy" ein Bestseller-Autor ist. Er ist endlich wieder mit seiner Freundin, der umwerfenden Tech-CEO Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), ihren Eltern Hank (Douglas) und Janet (Michelle Pfeiffer), die in "Ant-Man And The Wasp" von 2018 aus dem Quantenreich gerettet wurden, und seiner Tochter Cassie (Kathryn Newton) vereint. (Letztere ist zum Teenager gealtert, während er jenseits der Zeit festsaß und Hope, Hank und Janet aufgrund der Ereignisse von "Avengers: Infinity War" und "Avengers: Endgame".) Cassie arbeitet mit Hank Pym (Michael Douglas) und Hope an einem Weg, das Quantenreich zu erforschen, ohne jemals wieder hineingehen zu müssen. Cassie führt ihre Erfindung der ganzen Familie vor, und Janet bringt sie sofort dazu, das Gerät abzuschalten, da es ein Signal an ihren Standort sendet. Doch bevor sie das Signal abstellen können, werden Scott, Hope, Hank, Janet und Cassie in die Quantenwelt gesaugt und treffen bei ihrem erneuten Fluchtversuch auf die Kreaturen, die diese Welt bewohnen.

Die Ant-Man-Filme haben die verrückte Wissenschaft der Pym-Partikel nie vollständig in die Filme integriert, da wir meist nur einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten bekommen und wie Ant-Man hat sich auch das Quantenreich je nach Bedarf des MCU weiterentwickelt. Einst war es eine Leere zwischen Elementarteilchen, aus der noch nie jemand zurückgekehrt war, dann wurde es zu einem Zeitreise-McGuffin, und jetzt ist es ein ganzes Fantasy-Abenteuer-Universum, das in den mikroskopischen Räumen unseres eigenen existiert. Das ist ein Comic-Konzept, das noch nie einen Sinn ergeben hat und auch nie ergeben wird, und das deshalb ein zuverlässiges Vehikel für Spaß bleibt. Das Quantenreich ist ein Land, das weiter erforscht werden sollte, da man fast sofort eine solide Gruppe neuer Charaktere kennenlernt, darunter den telepathischen Quaz (William Jackson Harper), die Freiheitskämpferin Jentorra (Katy O'Brian) und einen riesigen Bottich voller Glibber, der von David Dastmalchian gesprochen wird. Schon nach ein paar Minuten im Quantenreich sehen wir, dass dies viel interessanter ist als alles in den beiden vorherigen "Ant-Man"-Filmen.

"Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gelingt es auch gut, die Dinge, die in den ersten beiden Filmen gut funktioniert haben, weiterzuentwickeln. Zum Beispiel wird die Technologie hier durchgehend auf lustige Weise eingesetzt. Es gibt intelligente Ameisen, verrückte Schiffe, die anscheinend von Schleimwürmern gesteuert werden, und jede Menge Possen, die die Größe verändern. Wir bekommen sogar die Rückkehr von Corey Stolls Darren Cross, der jetzt M.O.D.O.K. spielt, mit einem riesigen Kopf, der immer wieder beunruhigend gruselig ist. Die meisten der Ant-Man-Kräfte beschränken sich immer noch auf Scott, Hope und jetzt Cassie, die klein schrumpfen, jemanden schlagen und dann wieder groß werden, aber wenigstens sieht diese Welt endlich, welche Möglichkeiten sie hat. Aber Majors als Kang der Eroberer wirbelt das alles durcheinander - im Guten wie im Schlechten. Majors' Kang liefert eine ganz andere, aber nicht weniger unglaubliche Leistung ab. Er ist ein hervorragender Bösewicht, der seiner Figur Nuancen und Subtilität verleiht. Vor allem in den Rückblenden mit Janet sehen wir Kang als eine Figur, die unter der Last des Wissens um alles, was in der gesamten Zeit und in jedem Multiversum geschehen kann und wird, begraben scheint. Er glaubt, dass seine Handlungen gut sind, weil er weiß, wie sich alles entwickeln wird, doch die Zeitlinien sind durch sein Wissen zerstört worden. Majors macht diese Figur anfangs sympathisch, verbirgt aber auch nie die Bedrohung und den Schrecken, die er jederzeit auslösen kann. Wie man aus der Serie "Loki" gelernt hat, gibt es viele Kangs in der Welt, und dies wird in Zukunft sicherlich zu vielen Gelegenheiten für Majors führen, mit der Breite, den Details und den Schichten dieser Figur(en) zu spielen. Mehr als alles andere ist "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" eine großartige Einführung in die Arbeit von Majors mit dieser Figur, von der wir in den nächsten Jahren noch viel mehr sehen werden, und es ist wirklich aufregend zu sehen, was er mit dieser Figur in Zukunft machen wird.

Eine Variante dieses berüchtigten Marvel-Comic-Bösewichts hat man ja bereits in der Disney+ Show "Loki" kennengelernt, aber während "He Who Remains" extravagant und wild war, ist Kang stählern und finster. Majors trifft den facettenreichen Charakter von Kang voll und ganz, ein Mann, der sich mit der Zeit mit seiner Domäne belastet fühlt und dennoch den feurigen Willen hat, sie zu nutzen, um unvorstellbare Ziele zu erreichen. Es wird so viel Aufwand betrieben, um zu zeigen, wie mächtig und gefährlich Kang ist, dass die Ironie umso köstlicher wird, wenn er gegen den Trottel antreten muss, der mit Ameisen spricht. Zu sagen, dass die Kräfteverhältnisse zwischen Ant-Man und Kang ungleich sind, ist eine starke Untertreibung. In den Comics ist Kang eine Bedrohung auf Avengers-Niveau, die Thanos ebenbürtig ist - eine Bedrohung, bei der selbst ein komplettes Team der Avengers froh wäre, wenn es aus einem direkten Kampf als Sieger hervorgehen würde. Es ist also ein Verdienst von Drehbuchautor Jeff Loveness und Regisseur Peyton Reed, dass sie Wege gefunden haben, wie Ant-Man tatsächlich eine Chance hat, und diese Ideen sorgen für einige kreative Actionszenen. Allerdings werden die Einsätze in diesen Kämpfen oft zu kurz gegriffen, so dass die Gefahren, die aufgebaut werden, letztlich etwas zahnlos wirken.

Davon abgesehen ist das die primäre Funktion von "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" - die Einführung des nächsten großen Bösewichts für die nächsten Phasen des Masterplans des MCU. Obwohl die Geschichte mit der coolen Technologie und der Familiendynamik auf eine Art und Weise beginnt, die eindrucksvoller ist als in allen vorherigen Filmen, wird der Film schnell zur Kang-Show. Und das ist nicht unbedingt schlecht, denn Majors ist absolut das Beste an diesem Film, aber es fühlt sich an wie die Einführung eines Hauptcharakters, der sich auf die erste Scott-Lang-Geschichte stürzt, die tatsächlich weiß, was sie tun soll.

Darüber hinaus sind alle Zutaten für ein solides Scott Lang/Hope van Dyne-Familienabenteuer vorhanden, und die beiden Schauspieler liefern einige ihrer besten Leistungen im MCU ab, aber die Geschichte wird überholt. Während Scott schon immer von seiner Tochter motiviert wurde, steht hier Cassies und Scotts Bindung im Vordergrund, was zu einigen süßen Wortwechseln und Momenten führt, die Ant-Man das Gefühl geben, mehr ein Held zu sein als nur ein kleiner Witz. Es könnte auch ein ganzer Film mit Douglas und Pfeiffer sein, die hier beide hervorragend sind. Indem hier Douglas erlaubt wird, die seltsame Pym-Technologie zu übernehmen, bekommt man einige lustige Momente über seine Liebe zu Ameisen zu sehen, und Pfeiffer bekommt endlich die Gelegenheit, in diesem Universum etwas Zeit im Rampenlicht zu verbringen, vor allem, wenn man auf ihre Zeit im Quantenreich zurückblickt. Newton ist ebenfalls eine gute Ergänzung zu dieser Superheldenfamilie und stellt einen weiteren großartigen neuen Charakter im MCU dar, der leicht in die Fußstapfen eines unserer ursprünglichen Helden treten könnte. 

In "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gibt hier eine faszinierende Welt zu erkunden, und Ant-Man kommt endlich der vollen Entfaltung des Potenzials seiner Figur und dieses Konzepts nahe, aber leider wird das alles vom Eroberer Kang überholt. Fast die gesamte Geschichte spielt im Quantenreich, einem bizarren Ort, an dem die Wesen Brokkoli als Köpfe haben und fliegende Mitochondrien als Transportmittel benutzen. Es gibt zwar jede Menge noch nie dagewesenes Sci-Fi-Material zu bestaunen, jedoch wirkt alles etwas wie computergenerierte Dekoration, die nichts mit den Ereignissen zu tun hat. Über diese unübersehbaren Kleinigkeiten in den visuellen Effekten könnte man hinwegsehen, wenn sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" nicht so sehr auf das visuelle Spektakel als eines seiner Hauptmerkmale stützen würde. Das Tempo des Films ist geradezu halsbrecherisch. Doch auch wenn die Geschichte zwar etwas klobig wirkt, und der Look des Films selbstbewusst, sicher und fesselnd - das alles wirkt in sich rund. Zum Vergleich: In Disneys jüngstem Animationsfilm "Strange World" verirrt sich ebenfalls eine Familie in einer unheimlichen Sci-Fi-Landschaft - aber es gibt eine Erklärung, die all die Merkwürdigkeiten miteinander verbindet. In ähnlicher Weise treffen wir in der Quantenwelt auf eine Gruppe von Charakteren, aber genau wie ihre Heimat tragen sie nicht viel mehr zu "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" bei, außer ein paar Witzen und einer Möglichkeit, die Handlung voranzutreiben. Niemand verkörpert dieses Problem mehr als Bill Murrays Figur, dessen eine Szene völlig belanglos wirkt. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" ist damit ein vielversprechender Start für Phase 5 des Marvel Cinematic Universe, und es ist toll zu sehen, wohin die Reise gehen könnte.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Marvel / Disney
Quellen: DenOfGeek

Dienstag, 20. Juni 2023

The Flash (2023)

https://www.imdb.com/title/tt0439572/

Barry Allen alias The Flash (Ezra Miller) arbeitet mittlerweile als Kriminalermittler bei der Polizei von Central City. Als "The Flash" ist er außerdem ein Mitglied der Justice League - einem Team aus Superhelden rund um Batman mit Superman, Wonder Woman, Aquaman und Cyborg. Seine Superkraft besteht darin, dass er sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit durch Raum und Zeit bewegen kann. Damit plant er, die Vergangenheit zu manipulieren, um so den Tod seiner Mutter zu verhindern und die Unschuld des ursprünglich für den Mord an ihr verurteilten Vaters zu beweisen. Dabei verstellt Barry Allen jedoch aus Versehen eine Stellschraube in der Zukunft, sodass er in einer Realität landet, in der General Zod (Michael Shannon) mit der Vernichtung des Planeten droht. Das Problem: Viel Widerstand kann sich gegen diesen Plan nicht regen, denn in dieser Realität gibt es keine Superhelden, die Zod aufhalten könnten. Außer dieser eine Batman, der eigentlich schon lange im Ruhestand ist…

Bevor der Film "The Flash" in den Kinos erschien, gab es zahlreiche Ansätze, eine Kinoadaption mit der gleichnamigen Hauptfigur zu produzieren. So beauftragte Warner Bros. Ende der 1980er Jahre den Comicbuchautoren Jeph Loeb, ein Drehbuch zu einer Flash-Verfilmung zu schreiben. Doch dieses Projekt wurde nie verwirklicht. Im Jahr 2004 gab David S. Goyer bekannt, dass er beauftragt wurde, ein Drehbuch zu "The Flash" zu schreiben, nachdem Warner Bros. das Drehbuch zu "Batman Begins", der 2005 erschien, überzeugte. Er meinte, dass der Ton jenes Films nicht so düster wie Batman Begins werden sollte, sondern verglich diesen eher mit Sam Raimis Familienfilmen "Spider-Man" und "Spider-Man 2". Neben der Regie wurde bekannt gegeben, dass Goyer für den Film über The Flash auch Regie führen sowie der Produzent sein sollte. Anfang Februar 2007 gab Goyer jedoch bekannt, dass das Projekt gescheitert ist. Als Grund gab er an, dass er und Warner Bros. sich nicht einig waren, welche Richtung der Film einschlagen sollte. Ende Mai 2010 gab Barry Meyer, zu der Zeit Vorsitzender von Warner Bros., erneut bekannt, an einer Leinwandadaption zu "The Flash" zu arbeiten. Greg Berlanti war dabei als Regisseur vorgesehen. Am 9. Juni 2010 wurde er mit Michael Green und Marc Guggenheim, die zusammen auch das Drehbuch zum 2011 erschienenen Film "Green Lantern" verfassten, dazu beauftragt, eine Abhandlung über den geplanten Film zu schreiben. Das Drehbuch war bereits vollendet, doch entwickelte sich der Film "Green Lantern" zu einem finanziellen Misserfolg und das Projekt wurde eingestellt. 

Nachdem 2013 der Film "Man Of Steel" in den Kinos veröffentlicht worden war, gab Warner Bros. bekannt, dass dieser Film der Beginn eines Filmuniversums darstelle, in dem auch andere Figuren aus dem DC-Universum existieren. Bei einer Pressemitteilung am 15. Oktober 2014 kündigte Kevin Tsujihara, nun Vorsitzender von Warner Bros., zahlreiche Filme über das später als DC Extended Universe (DCEU) bekannte Filmfranchise bis einschließlich 2020 an, darunter zahlreiche Filme über einzelne Figuren wie "The Flash". Der Film über Flash wurde für 2018 als Nachfolger des Films "Justice League" angekündigt und setzt die Handlung des Films fort. Anfang Oktober 2015 wurde Seth Grahame-Smith als Regisseur für den Film "The Flash" bestätigt. Wegen kreativen Differenzen mit Warner Bros. verließ Grahame-Smith das Projekt jedoch Ende April 2016 wieder. Im Juni 2016 wurde Rick Famuyiwa als neuer Regisseur vorgestellt, der fünf Monate später das Projekt ebenfalls wegen kreativen Differenzen mit Warner Bros. verließ. Im März 2018 wurden schließlich John Francis Daley und Jonathan Goldstein für den Regieposten verpflichtet. Ein Jahr später wurde bekannt, dass beide auch für das Drehbuch verantwortlich sein werden, das vorher zunächst von Joby Harold und später auch von Dan Mazeau überarbeitet werden sollte. Da Daley und Goldstein allerdings einen eher lustigen Film im Stile von "Aquaman" machen wollen, bat Ezra Miller das Studio darum, ein eigenes, düstereres Drehbuch schreiben zu dürfen, woraufhin ihm Grant Morrison zur Seite gestellt wurde.

Im Juli 2019 wurde bekannt gegeben, dass Daley und Goldstein durch Andy Muschietti und Christina Hodson als Regisseur bzw. als Drehbuchautor ersetzt wurden, wobei Barbara Muschietti das Produktionsteam ergänzte. Zugleich wurde der Beginn der Vorproduktion für Januar 2020 angekündigt. Unter dem Titel "The Flash" wurde der Film im Oktober 2018 für 2021 angekündigt. Mit der Ankündigung des Films ließ Tsujihara verlauten, dass Flash von Ezra Miller verkörpert wird. Nachdem Affleck zwischenzeitlich verkündet hat, nicht mehr Batman zu verkörpern, wurde am 20. August 2020 bekannt gegeben, dass er in "The Flash" wieder die Rolle verkörpern wird. Zuvor, am 22. Juni 2019, wurde bekannt gegeben, dass Warner Bros mit Michael Keaton verhandelt, als Batman aufzutreten. Er verkörperte diese Rolle bereits in den Filmen "Batman" und "Batmans Rückkehr" von Tim Burton aus den Jahren 1989 und 1992. Später schlossen sich Maribel Verdú als Nora Allen, Sasha Calle als Supergirl und Kiersey Clemons erneut als Iris West der Besetzung an, und im Dezember 2021 bestätigte Warner Bros die Beteiligung von Michael Shannon und Antje Traue, die ihre jeweiligen Rollen aus dem Film "Man Of Steel" erneut übernehmen sollen.

Die Dreharbeiten sollten nun ursprünglich Anfang 2017 beginnen. Nach zahlreichen Verschiebungen wurde im Oktober 2018 schließlich angekündigt, dass der Film frühestens Ende 2019 gedreht werden soll und somit erst 2021 in die Kinos kommen kann. Der Grund dafür ist die Überschneidung der Dreharbeiten mit dem dritten Teil der "Phantastische Tierwesen"-Filmreihe, in dem Ezra Miller ebenfalls mitspielen sollte. Später wurde der Drehstart auf November 2019 und schließlich auf das erste Quartal 2021 konkretisiert. Die Dreharbeiten begannen Mitte April in London und sollen den Leavesden Studios fortgesetzt werden. Doch damit nicht genug. Wegen Millers Eskapaden, Prügeleien, gewalttätigkeiten und anderen strafrechtlich relevanten Delikten kam es erneut zum Stopp der Produktion. Als James Gunn jedoch als CEO die DC-Sparte bei Warner übernahm und den bereits fertigen Film sah, wurde erneut ein Starttermin festgelegt und nach diversen positiven Testscreenings sogar vorverlegt. Und nun ist der "schnellste Mann der Welt" endlich im Kino angekommen.

Hätte Warner Bros "The Flash" auf Eis legen sollen? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Die Berichte des Hauptdarstellers Ezra Miller und seine zweijährige Abwärtsspirale - die Vorwürfe der Belästigung, des Groomings und der körperlichen Gewalt einschließt - sind auf eine Weise erschütternd, die über jede kritische Analyse hinausgeht. Noch vor der Frage der Verantwortlichkeit muss die Frage gestellt werden, warum es kein Unterstützungssystem gab. Warum hatte niemand die Mittel oder die moralische Verpflichtung, in einer Situation einzugreifen, in der sich eine Person in einem so eindeutig gefährlichen Zustand befand? Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, dass irgendjemandem durch die Veröffentlichung oder den Abbruch von Millers Film geholfen werden würde. In beiden Fällen kann Warner Bros. jede Verantwortung von sich weisen und sich auf das Schicksal seines Produkts konzentrieren, nicht auf die Menschen, die es beschäftigt. Und obwohl der Schauspieler (wie seine Vertreter betonen) derzeit in Behandlung ist, bringt das Händeringen um eine geplante Fortsetzung die perverse Implikation mit sich, dass die Behandlung nicht dann endet, wenn die Ärzte es sagen, sondern wenn Hollywood entscheidet, dass es für Miller Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen. Die Geschichte in "The Flash" lehnt sich an die Handlung im Buch "Flashpoint" an, indem mehrere Figuren der DC Comics vorkommen. "The Flash", der sich also seit fast zehn Jahren in der Entwicklung befindet, kommt nun auch nach der Ankündigung, dass die neue Führung von DC, Peter Safran und James Gunn, größtenteils bei Null anfangen wird. Adieu, 10 Jahre unfähige Franchise-Entwürfe. Das bedeutet, dass der Film, der hier ankommt, ein seltsamer ist - verworren und unsicher in Bezug auf seine eigene Identität, gefärbt durch äußere Umstände, aber manchmal seltsam ergreifend. Er bewegt sich irgendwo zwischen zynischem Fanservice und der aufrichtigen Sehnsucht, aus einer Unternehmensstrategie Kunst zu machen.

Ein Großteil dieser Zweiteilung ist in der Handlung begründet, in der sich The Flash, alias Barry Allen, auf eine intime Reise mit metaphysischen Implikationen begibt. Als der Zuschauer ihn zum ersten Mal trifft (in einer - zugegeben - sehr coolen Sequenz), ist Barry frustriert über seinen Platz im Pantheon der Superheldenliga, da er im Grunde genommen "der Hausmeister der Justice League" geworden ist und für Batman (Ben Affleck) den Dreck weg räumt. Es schmerzt ihn auch, dass er nicht in der Lage ist, die Unschuld seines Vaters (Ron Livingston) am Mord an seiner Mutter (Maribel Verdú) zu beweisen. Und so nutzt er seine Kräfte, um die Zeit zurückzudrehen. Doch dabei gerät das Raum-Zeit-Kontinuum aus den Fugen - und Barry trifft auf eine jüngere Version seiner selbst, die weder denselben Verlust noch dieselben Heldentaten erlebt hat - und noch keine Kräfte hat. Die Drehbuchautorin Christina Hodson gelingt es dankenswerterweise, etwas Menschlichkeit aus diesem Meta-Menschen herauszukitzeln. Dies ist schließlich eine Geschichte über den Trauerprozess und eine wörtliche Umsetzung des Konzepts der Heilung des eigenen inneren Kindes. Barry erfährt, wer er ohne den persönlichen Schmerz gewesen wäre, und beginnt natürlich, sich über sein glücklicheres, unbeirrtes Ich zu ärgern. Miller findet mit diesen beiden, manchmal konkurrierenden Darbietungen stets das richtige Gleichgewicht - ein Fortschritt für eine Figur, deren einziges Merkmal bisher "nervig" war. Das soll aber nicht heißen, dass er nervigkeitsfaktor völlig ad acta gelegt wurde - es gibt durchaus Szenen, die den Zuschauer mit den Augen rollen lässt. Doch es insgesamt ist ein Produkt eines starken Drehbuches... wenn man es tatsächlich durch die Geräusche von Explosionen und die zahllosen Cameos hören kann.

Wie bereits bekannt, landet Barrys Zeitlinienschwindel in einem Universum, in dem Michael Keaton Batman ist, so wie er es in Tim Burtons Doppeldosis von Filmen 1989 und 1992 war. Keaton taucht mit dem gleichen gewinnenden Lächeln auf wie Andrew Garfield in "Spider-Man: No Way Home", wenn auch nicht mit dem gleichen emotionalen Abschluss. Regisseur Andy Muschietti hat hier wahrscheinlich den meisten Spaß, da er seinen Film enthusiastisch in die gotische, nebelverkrustete Ästhetik von Burtons Werk und die entsättigte Düsternis von Zack Snyders DC-Beiträgen einführt (Michael Shannons Zod aus "Man Of Steel" kehrt nämlich ebenfalls zurück). Außerdem gibt es zwei Flash-zentrierte Sequenzen, die eine unerwartete Hommage an die Looney Tunes darstellen, mit Babys, die aus Wolkenkratzern fallen, und Musikinstrumenten einer Band, die aus einem Lastwagen purzeln. Sie sind so selbstverliebt albern, dass sie irgendwie funktionieren. Vorausgesetzt, man ignoriert die völlig inkonsistenten Spezialeffekte. Und apropos Spezialeffekte: was die Macher wohl völlig vergessen haben, ist, neben den teilweise hervorragend animierten Auftritten des Flash in der "realen Welt", den CGI in der "Zeitreiseebene" eine finale Politur zu verpassen. Diese Effekte sind teilweise so dermaßen und vor allem sichtbar schlecht, dass sie schon eine Erwähnung wert sind.

Erwähnenswert sind dagegen auch die Handvoll Cameos, von denen manche das Fanherz höher schlagen lassen und man sich schon beinahe ein Grinsen verkneifen muss, und andere, die so lächerlich (und cool gleichzeitg) sind, dass man die Hartnäckigkeit der Macher fast bewundern muss. Der federleichte Auftritt von Sasha Calles Supergirl passt daher hervorragend rein. Es ist klar, dass DC nicht wirklich weiß, was sie hier würdigen, außer dem Wissen, dass es andere Comicverfilmungen gibt. "The Flash" ist, ähnlich wie Barry selbst, ohne wirklichen Sinn für die Geschichte gestrandet, und auch ohne wirklichen Sinn für die Zukunft. Er tut das Beste, was er kann. Ob das hier jemals fortgesetzt wird, scheint dennoch fragwürdig, da man unterm Strich zwar wunderbar unterhalten wird - mit ein paar kleineren Längen - aber letztlich wieder einen Superheldnfilm bekommt, bei dem sich alles irgendwie zusammengeklaut anfühlt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia