Donnerstag, 26. April 2018

[KINO] Avengers: Infinity War - The Avengers: Infinity War 3D (2018)

http://www.imdb.com/title/tt4154756/

Während die Avengers immer wieder damit beschäftigt waren, die Welt vor Gefahren zu beschützen, mit denen ein einzelner Held alleine nicht fertig wird, ahnten sie nicht, dass im Schatten des Alls jemand die Strippen zog. Doch nun tritt dieser intergalaktische Despot ans Licht: Thanos (Josh Brolin) hat das Ziel, alle sechs Infinity-Steinen zu sammeln. Diese Artefakte würden ihm unglaubliche Macht verleihen und die Realität nachhaltig verändern. Iron (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth) und ihre Mitstreiter müssen erkennen, dass alles, wofür sie bislang gekämpft haben, in Gefahr ist. Das Schicksal der Erde hängt davon ab, dass sie sich trotz aller Differenzen und auch ausgetragener Kämpfe nicht nur noch einmal zusammenraufen, sondern auch neue Verbündete finden - etwa die Guardians Of The Galaxy um Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana) und Drax (Dave Bautista)…

Nachdem der letzte MARVEL-Film "Black Panther" allen Skeptikern ins Gesicht schlug und mal eben ein paar Rekorde, unter anderem als erfolgreichster (aber nicht bester!) MARVEL-Film einfuhr, warteten alle Fans nun gespannt auf den schon vor langer Zeit angekündigten Showdown in "Avengers: Infinty War". Und mit fast schon banaler Leichtigkeit schaffte es auch dieser Streifen im Vorfeld auf ein paar Rekorde zu brechen, denn die Vorverkaufszahlen schnellten nach Bereitstellung der Kinokarten in unermessliche Höhen und verwiesen erneut DC-Fanboys und gleichzeitige MARVEL-Hater in ihre Schranken, die über soziale Plattformen schon wieder zum Boykott des neuen Superlativenfilms aufgerufen hatten - und damit erneut kläglich scheiterten. Warum auch? Entweder ist ein Film gut oder schlecht - die Wertung ergibt sich von allein. Da ist weder Boykott noch willentlicher Hass notwendig, nur weil es MARVEL eben besser macht als DC. Aber na gut. Die Fangemeinde immerhin lies sich nicht darauf ein und bescherte "Avengers: Infinty War" einen grandiosen Kinostart.


"Wir sind jetzt im Endspiel", sagt Benedict Cumberbatchs Doctor Strange im letzten Abschnitt des bis dahin schon unbestreitbar epischen "Avengers: Infinity War" - und mehr als in jedem anderen von Comics abgeleiteten Superhelden-Gebräu, das man erwähnen könnte, gibt es auch nur einen Hauch einer ähnlichem Tragödie in einem Franchise, das für Millionen von Fans eine ähnliche Rolle zu spielen scheint wie die Mythologie für die Griechen. Dieser grandiose, brachiale (vorläufige) Abschluss zu einem für manche Kinogänger schon überfüllten Bereich des allgemeinen Superhelden-Universums ist eine Drei-Komponenten-Mischung aus großartigem Witz, spannender Dramatik und durchweg deterministischer Action, insgesamt eine Gleichung, die bis zum Finale komplett umgedreht wird und den wahrlich überraschenden, nahezu schockierenden Höhepunkt des Films bildet. "Think Big" war und ist zweifelsohne der passendste Satz hier - für Budget, Umfang, Bildgewalt und vermutlich auch Größe des globalen Publikums.

Zurück in Zeiten Hollywoods großer Studiohochzeiten rühmte sich die großartigste Gesellschaft von allen, MGM, einmal "mehr Sterne zu haben, als es im Himmel gibt". Nun, MARVEL könnte dieses Argument wohl heute ebenso machen, und dabei ist fast alles aus diesen Hause oft nur Vorgeplänkel gewesen, ausgerichtet auf größere filmische Abschlüsse, in denen sich dann Hauptcharaktere begegnen und deren erste Hälfte im Grunde lediglich darauf ausgerichtet ist, eine semikohärente Art zu finden, sie in dasselbe dramatische Kartendeck zu mischen. Aber wie schaffen es nun Ultra-Egoisten wie Benedict Cumberbatchs Doctor Strange, Iron Man von Robert Downey Jr., Thor von Chris Hemsworth, Chris Evans' Steve Rogers, Tom Hollands Spider-Man und sogar Chadwick Bosemans ruhigeren Black Panther sich das heroische Scheinwerferlicht miteinander zu teilen, während es hier auch einige Wagnisse und Heldentaten erfordert, die von mindestens einem weiteren Dutzend Charakteren mit ungewöhnlichen Talenten ausgeführt werden?


Die scharfsinnige Antwort der Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und der Regisseure Anthony und Joe Russo unter der Leitung von MARVEL-Film-Meister Kevin Feige ist es, diesen Stau der Egos anzuerkennen und das Publikum beim Aufeinandertreffen dieser Charaktere zum Lachen zu bringen. Dieser Effekt ist sowohl weit gestreut als auch präzise, kalkuliert und witzig genug, um zunächst entwaffnend und letztlich einschmeichelnd für den Zuschauer zu sein. Mit begrenzterer Bildschirmzeit als sie es vielleicht gewohnt sind und noch begrenzterem Bewegungsspielraum, bringen die Schauspieler und Charaktere One-Liner und scharfe Bemerkungen mit einer Extraschippe sarkastischer Verachtung. Sie schießen mit ihren heroischen Charakterzügen aber deswegen nicht übers Ziel hinaus, und darunter findet man doch weit mehr subtile Kommentare (nicht so subtil im Fall von Mark Ruffalos und Chris Evans' Rollen) über die Frustration, zwei unterschiedliche Persönlichkeiten im Leben zu sein. Allein mit dem Zusammentreffen der "Avengers" und den "Guardians Of The Galaxy" schlug MARVEL hier also erst einmal eine Richtung ein, die versucht, klamaukigen und sarkastischen Witz zu vereinen. Und dies gelingt mit nur einem Schriftzug.

Doch bei "Infinity War" ist längst nicht alles so witzig. Im Gegenteil. Schon sehr früh kommt auch das tragische Element zum Tragen, lässt so manchen Zuschauer sicher mit offenem Mund dasitzen und es multiplizieren sich nach und nach Vorahnungen, die Doctor Strange dann auch artikuliert. Für all die Action - und davon gibt es reichlich -, die die Superhelden hervorbringen, ist der Mann, der hier die Handlung steuert, der bisher immer nur angedeutete, aber nie zentrale Thanos, der hervorragend von Josh Brolin gespielt wird. Thanos, ein in sich brütender Titan - "The Mad Titan" -, dessen erklärtes Ziel es ist, die Ordnung im Universum wieder herzustellen, auch wenn das bedeutet, dass erst einmal 50% zufällig ausgewählter Wesen daran glauben müssen. Und genau für diesen Weg zur universellen Dominanz benötigt er sechs "Infinity-Steine". Jeder dieser verschiedenfarbigen Edelsteine verleiht unterschiedliche Kräfte - und fast jeder tauchte in einem der voran gegangenen MARVEL-Filme schon einmal auf. Und eines ist von Beginn an klar: wenn er sie bekommt (und mit seinen "Infinity-Gauntlet, einem riesigen metallenen Handschuh, vereint), wird er immer unschlagbarer. Aber Thanos ist nicht einfach nur stark, er bringt zusammen mit seiner Entschlossenheit und rohen Gewalt auch eine philosophische Intelligenz mit und verleiht sich selbst damit eine gewissen Tiefe, die für MARVEL-Bösewichter eigentlich eher ungewöhnlich ist.


Die imposante und unbestreitbare Gefahr, die Thanos damit darstellt, und die Art und Weise, wie er mit jedem Stein, den er erwirbt, exponentiell zunimmt, wird nach einiger Zeit ziemlich ernst. Was also als durchaus ernste Bedrohung beginnt (die End-Credits-Sequenz von "Thor: Ragnarok" hatte diese bereits angeteasert) - mit der riesigen Auswahl an Comicfiguren, die ihre Rollen tragen, inklusive eines Bruce Banners im mittleren Alter, der humorvoll so außer Übung ist, dass er sich gar nicht mehr in den Hulk verwandeln kann, oder eines Tony Stark, der noch einmal mit Gwyneth Paltrows Pepper Potts scherzt, oder sogar Tom Hollands Peter Parker, der hier wieder so kindisch aussieht, dass er sich zu fragen scheint, was er in dieser Gesellschaft macht. Dave Bautistas Drax stiehlt dafür erneut jede Szene, in der er ist; Scarlett Johansson und Don Cheadle bekommen absolut nichts Neues oder Originelles zu tun; Chris Evans versucht, seine "Captain America"-Zeit hinter sich zu lassen - verwandelt sich im Laufe des Films in etwas wirklich Bedrohliches und Grimmiges, etwas, das in der Tat ernst genommen werden muss - und sogar die Aussicht, dass das Böse gewinnen kann.

Markus und McFeely haben alle drei "Captain America"-Filme geschrieben und nun "Avengers: Infinity War" einen geschickten, witzigen, manchmal glitzernden Touch verliehen, der Humor verbreitet und verhindert, dass dieser lange Film jemals schwergängig wird. Die Russo-Brüder haben bei den letzten beiden "Captain America"-Filmen Regie geführt und bringen noch einen etwas fluffigen Ansatz dazu, der verhindert, dass die Action hier ernsthaft nachlässt. Und das Ausmaß dieser Action ist erstaunlich. Einige davon befindet sich im Weltraum oder in verschiedenen Bereichen desselben, während andere Szenen in New York und anderswo auf der Erde spielen. Wenn der intergalaktische Konflikt in Wakanda, der afrikanischen Heimat von Black Panther, endet, ist das ein kleiner Anfang, zumindest lässt sich das erhoffen, denn vermutlich wird jeder, der diesen Film gesehen hat, nach diesem Finale einen riesigen Diskussionsbedarf haben - auch wenn die nicht minder erschütternde After-Credits-Sequenz noch etwas Erfreuliches anteasert.


Aber ein weiterer dramatischer roter Faden, der sich durch die schon zu Beginn teilweise sehr überbordernde und daher manchmal unübersichtliche Handlung zieht, ist die bis dahin etwas in den Hintergrund gerückt Gestalt von Vision (Paul Bettany), der den letzten, entscheidenden Infinity-Stein besitzt und sich mit Elizabeth Olsens Wanda Maximoff / Scarlet Witch nach Schottland aufgemacht hat, bevor beide von der "Black Order", Thanos "Heeresleitung" aufgespürt wird. Die "Black Order" (oder auch "Thanos' Kinder") ist der größte Schwachpunkt der Story. Wer die Comics nicht kennt ist völlig aufgeschmissen, hat er doch kaum Möglichkeit zu erkennen, wer nun  Ebony Maw (Tom Vaughan-Lawlor),  Cull Obsidian (Terry Notary), Proxima Midnight (Carrie Coon) und Corvus Glaive (Michael James Shaw) überhaupt sind, wo sie herkommen und warum sie Thanos helfen. Vorher traten sie nie in Erscheinung und m an kann sie nun schulterzuckend einfach hinnehmen als das was sie sind: superböse Helfer des Titanen. Das ist etwas schade, denn gerade die "Black Order" hätte etwas mehr Hintergrund benötigt. Doch in dem mit 149 Minuten sowieso schon sehr langen (aber nie langatmigen!) Streifen... wo wäre dafür noch Platz gewesen? So kennt man die 4 Bösewichter im Film kaum beim Namen und wenn man ihn doch mal aufschnappt hat man ihn gleich wieder vergessen.

Aber nach Thanos ist die wichtigste Figur von allen, und die Figur, die der Geschichte in "Avengers: Infinity War" viel von ihrer tragischen Statur verleiht, Zoe Saldanas Gamora, die Adoptivtochter von Thanos. Die Beziehungskiste der beiden wird in Rückblenden erzählt, die allmählich aus dem fernen Hintergrund auftauchen und eine gewichtige Rolle spielen - sowohl in der Handlung als auch in der ultimativen thematischen Resonanz des Werkes. Die Art und Weise, wie Saldana hier ihre Gamora spielt, ist höchst dramatisch und zu dem Zeitpunkt, in der Thanos und Gamoras Beziehung wirklich in den Mittelpunkt rückt, hat sich der Film bereits ziemlich merkwürdig von einer leichtfüßigen, spaßigen Stimmung zu einer der klassischen Tragödie verschoben - eine nicht gerade unbedeutende Leistung in einer von Comics abgeleiteten Unterhaltung.


Und ohne spoilern zu wollen, ist dann auch das Finale von "Avengers: Infinity War" erschreckend, und kein MARVEL-Fan wird gehen, bevor der lange Abspann dem traditionellen Teaser am Ende Platz macht, was das Ende des Films an sich noch einmal verstärkt, indem er noch mehr Fragen aufstellt und tatsächlich keine Antworten liefert. Dies wird auch sicher das erwünschte Ergebnis erreichen, dass Millionen von Fans darüber diskutieren, was dies alles bis zum nächsten Film, der erst in einem Jahr, genauer: am 25. April 2019 in die Kinos kommt, bedeuten könnte. Alles, was der Zuschauer sicher weiß, ist, dass hier alles passieren kann. Und somit stellt sich keine Frage, denn kaum zwei Monate nach der Veröffentlichung von "Black Panther" ist MARVEL (und natürlich Disney) mit einem weiteren der teuersten Filme, die je produziert wurden, zurückgekehrt und hat einen weiteren der größten Werbespots aller Zeiten hervor gebracht. Dieses Franchise wird in absehbarer Zeit garantiert nicht verschwinden. So viel ist sicher.

9/10


Natürlich kommt auch der dritte Teil im Steelbook. Enthalten ist der Film auf 3D und 2D. Das Steelbook ist geprägt, gelackt und limitiert.