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Mittwoch, 23. Mai 2018

Solo: A Star Wars Story (2018)

https://www.imdb.com/title/tt3778644/

Han Solo (Alden Ehrenreich), der sich ohne Eltern in den rauen Straßen seines Heimatplaneten Corellia durchschlagen musste und später von der imperialen Flugakademie geworfen wurde, hat seinen eigenen Kopf. Den versucht er sich genauso zu bewahren wie seinen Idealismus. „Vertraue niemandem“, rät ihm dagegen sein Mentor Tobias Beckett (Woody Harrelson) – bevor ihn ein anderer zwielichtiger Gangster, Dryden Vos (Paul Bettany), für einen Zugüberfall rekrutiert. Begleitet wird Han dabei unter anderem von seinem neuen, treuen Freund Chewbacca (Joonas Suotamo) und von mehr oder weniger vertrauenswürdigen Kumpanen. Darunter sind Qi'Ra (Emilia Clarke), die für eine Gang auf Corellia arbeitet und Han von früher kennt, und Val (Thandie Newton), eine Meisterin am Blaster-Gewehr. Außerdem mischt Schmuggler Lando Calrissian (Donald Glover) mit, der Besitzer des Millennium Falken…

Seitdem Disney den Deal mit LucasFilm einging und das "Star Wars"-Franchise erwarb, feuert das Unternehmen aus allen Rohren. Gefühlt jedes halbe Jahr kommt ein neuer Streifen aus dem "Star Wars"-Universum, sehr zur Freude der einen Fans, zum Leid der anderen. Hatten sich viele Fans jahrelang beklagt, dass aus "Star Wars" viel mehr herauszuholen wäre und die Filme nur tröpfchenweise in den Kinos auftauchten, ist es nun eine wahre Flut. Und dieselben, die sich damals beschwerten, dass es zu wenige Filme gab, sind oft heute auch die, die sich beschweren, dass es zu viel wird. Man kann es eben nicht allen recht machen. Der neueste Ableger, "Solo: A Star Wars Story", führt den Zuschauer in diese weit entfernte Galaxis zurück in die Zeit etwa 10 Jahre vor "Eine neue Hoffnung" und die Frage ist: kann man sich mit Alden Heidenreich, der die ikonische Rolle des jungen Han Solo, in den alten Filmen so wunderbar verkörpert durch Harrison Ford, spielt, anfreunden und - mehr noch - ihm den jungen Han abnehmen?


Der 1977er "Star Wars" gehört sicher zu den Filmen, die die Leidenschaft für Film und Fantasie, Science-Fiction und Abenteur in vielen Menschen weckte und auch heute, fast 40 Jahre später, gehört "Star Wars" immer noch zu den Lieblingsgeschichten vieler Cineasten. Der Punkt ist, dass viele "Star Wars" einfach lieben, obgleich sie natürlich auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Filmen und ihren unterschiedlichen Niveaus an technischem Können und Storytelling erkennen. Sie sind auch willens, sich über Fehler zu beschweren und einigen Filmen gemischte Empfehlungen in ihren Reviews zu geben, auch wenn sie immer noch alle irgendwie mögen und wirklich jedem Teil zumindest eine Kleinigkeit abgewinnen können. Das bedeutet aber auch, dass die Reaktion auf "Solo: A Star Wars Story" sowohl in der Liebe zur Reihe als auch in einem starken Bewusstsein dafür, wie sich alles verändert hat und wie die Qualität der Filme variiert, verwurzelt ist. Die Voreingenommenheit, die  man nun auch immer für die Reihe hat, wird also zumindest ein wenig durch Erwartungen widerlegt, dass die Filme ihrem Versprechen und der Größe, die das "Star Wars"-Universum für diesen großäugigen kleinen Jungen vor vierzig Jahren ins Leben gerufen hat, gerecht werden. Und in diesem Sinne kann man auch bereits folgendes sagen: "Solo: A Star Wars Story" ähnelt nicht annähernd einem der bekannten "Star Wars"-Filme. Er gehört nun zum Universum, aber er offenbarte auch eine neuartige kreative Vision, die das alles vorantreibt. 


Während es hier und da ein paar kleine Patzer gibt, über die man sich ärgern könnte (und ich werde sie in diesem Review noch erwähnen), nimmt der Film einen aber auf überwältigende Art und Weise mit, sodass "Solo" ein großer Gewinn für das "Star Wars"-Franchise ist - eine mitreißendes Abenteuer mit einem passenden ud nicht übertriebenen Sinn für Humor, großartiger Action, einer ordentlichen Handlung und - nicht zuletzt - einer durchweg charismatischen Besetzung. Während einige der letzten "Star Wars"-Filme für einige Fans und Zuschauer etwas verstrickter und Ebenenreicher waren, wird "Solo" wieder mehr in der Form des früheren, einfacheren Storytelling-Ansatzes erzählt.

Und Alden Ehrenreich ist so großartig in der Hauptrolle, wie man es sich nur erhoffen konnte. So liegt nahe, dass das Drehbuch die Figur Han Solo auf eine bestimmte Art und Weise porträtierte und in gewisser Weise auf Ehrenreich zugeschnitten wurde, einfach weil er optisch gut in die Rolle passte. Lange stand nämlich auch ein anderer hinter vorgehaltener Hand im Gespräch, der ebenso gut in die Rolle gepasst hätte: Chris Pratt. Er bewies bereits in "Guardians Of The Galaxy", dass er das Zeug dazu hat und auch gut in die Rolle eines jungen Han Solo gepasst hätte. Vermutlich wäre der Film dann aber noch etwas komödiantischer, satirischer geworden. Dies war vielleicht auch die Vision, die die Regisseure Phil Lord und Chris Miller hatten, bevor Disney sie kurz vor der Fertigstellung des Projekts feuerte und durch Ron Howard ersetzte, der nun den Film fertigstellte und eine nicht geringe Anzahl an Reshoots anordnete. Was auch immer hier vor sich ging ist letztlich nicht entscheidend, denn Howards resultierender Film ist ein weiterer großer Erfolg für Disney/Lucasfilms "Star Wars"-Franchise. Und Ehrenreichs Performance ist genau das, was der Film braucht, um dem Zuschauer zu liefern, was immer für möglich gehalten wurde. Allein der Versuch, zu viel von Fords bekannter Darstellung nachzumachen, wäre fehlgeschlagen, auch wenn es im Allgemeinen eine anständige Imitation gewesen wäre; eine Version von Han Solo, die sofort als der Schmuggelschurke bekannt ist, den der Zuschauer kennt und liebt, aber auch so einzigartig, dass das Publikum etwas Neues mit dem Charakter erlebt und der Darsteller sich von nun an die Rolle zu Eigen machen kann.

Ehrenreichs Performance erinnert sehr daran, wie es wäre, einen jungen Dennis Quaid zu sehen, von seinem Aussehen bis hin zu seiner Körpersprache. Googlet man die Worte "Dennis Quaid" und "1978" und schaut Sie sich Bilder des jungen Quaid an, wird schnell verständlich, wie groß die Ähnlichkeit ist. Und dann stelle man sich vor, dass der junge Quaid Zeilen wie "Kind, ich bin von einer Seite dieser Galaxie zur anderen geflogen. Ich habe viele seltsame Dinge gesehen, aber ich habe noch nie etwas gesehen, das mich glauben lässt, dass eine allmächtige Kraft alles kontrolliert. Es gibt kein mystisches Energiefeld, das mein Schicksal steuert." von sich gibt. Aber dies nur am Rande.


Und so erhält man einen neuen "Star Wars", der gleichzeitig vertraut ist mit allem, was man an der klassischen Trilogie liebte und doch einen tieferen Einblick in einen Hauptcharakter bietet. Das ist der junge Han Solo, und während man anfänglich vielleicht anfängt zu jammern (auch über die in der deutschen Synchronisation etwas unpassende Stimme, die interessanterweise wohl darauf zugeschnitten wurde, auf den alten Han Solo zu passen, aber nicht so recht auf Ehrenreich), jemanden zu sehen, der nicht Harrison Ford ist, der diese, seine, Rolle spielt, kommt man schnell über die Trennung hinweg und umarmt sie, weil es einfach so gut funktioniert. Ehrenreich verdient einen großen Applaus für die Portraitierung der Figur, die fast ein No-Win-Szenario war. Emilia Clarke spielt Qi'ra, eine der neuen Figuren in Han's Welt, in einer Performance, die eine bereits gut geschriebene Rolle übernimmt und ihrem Charakter zusätzliche Nuancen verleiht. Vieles über Qi'ra ist entweder unbekannt oder wird nur angedeutet, und Clarke lässt zu Recht diese Ungewissheiten in der Luft hängen. Ihre Vergangenheit und Geheimnisse werden im Film an gewissen Stellen angedeutet, ohne diese aber näher zu beleuchten. So bleibt die Figur geheimnisvoll, bis kleinere Enthüllungen gerade genug Einblick geben, dass alles ein Ganzes ergibt. Ihre Verbindung zu Han ist real, aber wie viel davon existiert wirklich noch? Es ist aufregend, diese Frage nicht nur zu stellen, sondern sich viel mehr um die Antwort zu kümmern, als man es normalerweise für neue Nebenfiguren tut, die in einem Film mit alteingesessenen Ikonen auftreten.

Donald Glover als Lando Calrissian ist natürlich ein Szene-Stealer in seiner anschaulich perfekten Darstellung eines Fan-Lieblingscharakters. Sein Lando ist ein herrlicher, aalglatter Schurke und hat aufschlussreiche Momente, in denen sich seine "Devil-May-Care"-Haltung zumindest teilweise als Fassade entpuppt, die die starke emotionale Bindungen abschirmt, welche ihn kopfüber in ernsthafte Probleme reißen könnten. Es gibt Ähnlichkeiten zwischen Lando und Han, aber auch große Unterschiede - Han versucht nur zu überleben und hat persönliche, kleinere Ziele für sein Leben, aber er gerät immer wieder in ein größeres Schicksal; Lando hingegen sieht sich immer als einen Mann von Bedeutung, den ein größeres Schicksal erwartet. Man kann - ähnlich wie bei Ehrenreich - froh sein, dass Glover Lando so deutlich portraitiert - gerade auch in seiner Manier, Haltung und Persönlichkeit - als eine frühere, weniger raffinierte und doch endlos selbstbewusste, protzige Version des Mannes, der er in "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" eine so entscheidende Rolle spielte. Es wäre ein Fehler gewesen, ihn als Geschäftsinhaber mit vielen Verbindungen zur Unterwelt zu etablieren. Glover lässt in schwierigen Momenten oder wenn sein Selbstvertrauen getestet wird, kleine Zweifel an seiner Härte aufblitzen. Der Film lässt die Tür offen für seine unvermeidliche Rückkehr in zukünftige "Star Wars"-Veröffentlichungen, sei es eine Solo-Fortsetzung oder ein eigenständiger Lando-Film.


Phoebe Waller-Bridges L3-37 ist dann die erste Roboterfigur, die mit den Droiden C-3PO und R2-D2 konkurrieren kann. Selbst BB-8s niedliche Tour und die Fähigkeit, einen urkomischen Daumen nach oben zu geben, sind nicht gleichzusetzen mit der Droiden-Persönlichkeit von Waller-Bridge. Es ist kaum ohne Spoiler begreiflich zu machen, aber L3-37 ist witzig ohne sich im geringsten darüber bewusst zu sein und strahlt einen selbstbewussten Stolz aus, der selbst die enormen Egos von Han und Lando herausfordert. L3-37 hat auch ihre eigenen Pläne, und wenn es um deren Verwirklichung geht, ist sie großartig, selbstgerecht und manchmal auch "leicht" hysterisch. Die Interaktionen zwischen ihr und Lando gehören damit zu den Höhepunkten des Films. Woody Harrelson war eine gute Wahl für Tobias Beckett, einen Verbrecher, der ohne Umschweife kriminell ist und dessen einzige Sorge sich selbst und seiner Frau Val, gespielt von Thandie Newton, gilt. Es gibt klare Grenzen, innerhalb derer Tobias operiert, und man sieht hier und da Einblicke in seinen "Kodex", wenn Situationen schwierige oder harte Entscheidungen erfordern. Harrelson ist aber auch ein sehr guter Schauspieler, der es mit seiner Vielseitigkeit und seiner Fähigkeit immer schafft, dass sein Charakter einen Hauch von Sympathie und Anziehungskraft behält, selbst wenn er unappetitliche oder geradezu schlechte Menschen porträtiert. Er ist gut darin, böse Menschen darzustellen, die gute Dinge tun, oder gute Menschen, die schlechte Dinge tun, und man wünschte sich, er würde dafür mehr Anerkennung bekommen. Vorhergehendes kann man also auch sagen, denn Tobias ist definitiv entweder ein schlechter Typ, der vielleicht manchmal gute Dinge tut, oder ein guter Typ, der definitiv die meiste Zeit moralisch zweifelhafte oder böse Dinge macht, aber es ist nicht ganz sicher auf welcher Seite er wirklich steht, und er scheint sich der Antwort oft selbst nicht sicher zu sein. Aber er ist sympathisch, er versucht, Han Weisheit und Lebenslektionen zu vermitteln und er liebt Val, also mag man ihn, auch wenn man ihm nicht ganz vertraut.

Jonas Suotamo tritt bewundernswert in die Rolle von Chewbacca ein. Ja, es ist eine etwas stillere Rolle, aber die Körpersprache ist alles, wenn es darum geht, einen Wookie zu portraitieren und Suotamo gibt Chewie eine enorme Menge an emotionaler Resonanz und persönlichem Antrieb in "Solo". Er ist hier mehr als der gewöhnliche Kumpel und die zusätzlichen Dimensionen, die diese Geschichte für seine Beziehung zu Han bietet, sind willkommene Ergänzungen zu den "Star Wars"-Mythen. Paul Bettanys baufälliger Dryden hat nur ein paar Szenen, aber Bettany macht das Beste daraus. Die skrupellose Verbrecherboss-Figur ist in einer Geschichte wie dieser immanent, aber selten besitzt solch ein Charakter die Präsenz, die Bettany in seine Rolle einbringt. Die Art, wie er es genießt, sowohl das Ego eines anderen zu streicheln als auch mit ihnen zu flirten, dann die Decke unter ihnen wegzuziehen oder beiläufige Drohungen mit einem Hauch von Belustigung auszusprechen, verwandelt etwas, das leicht zu einem Standard-Charakter hätte werden können, in etwas weit besseres. Jon Favreau liefert die Stimme des CGI-Alien Rio, und obwohl es eine der kleineren Rollen ist, ist Rio eine Quelle von Humor und ein paar netten Gags.

Zusammen mit einem Drehbuch, das zu Recht als eines der besten der "Star Wars"-Universum galt, und das immense Filmemachentalent von Ron Howard ist "Solo: A Star Wars Story" ein Film, der trotz seiner problematischen Produktion so exzellent, originalgetreu und unterhaltsam ist, wie man es nur hoffen konnte. Howard bringt "Solo" das richtige Gleichgewicht zwischen Nostalgie und Neuerung: eine "Star Wars"-Geschichte, mit zurückhaltenden Referenzen an vorhergehende Filme. Und das Ergebnis ist eines der spannendsten und aufregendsten in der "Star Wars"-Saga. "Solo" fühlt sich mehr nach der Original-Trilogie an als die meisten anderen Filme, die nach den ersten dreien veröffentlicht wurden.


Die Action passt und fährt mit dem Zuschauer in einigen Szenen richtiggehend Achterbahn, zwischen denen gelegentliche Verlangsamungen gerade für einen noch größeren, schnelleren Spin herhalten. Einige der Szenen sind wirklich lobenswert und treiben einen ein fettes Grinsen ins Gesicht, aber der größte Teil des Films befasst sich mit Hans Geschichte und liefert dem Zuschauer eine wirklich gute Origin-Story. Die visuellen Effekte sind natürlich so beeindruckend, wie man es mittlerweile von diesem Franchise erwarten würde, gerade auch die Flüge mit dem Falken oder der Raubüberfall mit dem Zug. In einigen Szenen tauchen sogar altbekannte Joahn Williams-Themen im Score auf, der passend von John Powell adaptiert wurde. Letztlich könnte man am Film selbst eigentlich nur kleine Nebensächlichkeiten bemängeln (die fehlende, ikonische Laufschrift zu Beginn, kleinere Ungereimtheiten hier und da), aber diese verschwinden im hellen, euphorischen Licht von allem, was der Film so richtig hinbekommt. "Solo: A Star Wars-Story" ist genau das, was man sich erhoffen konnte. Er ist ein Wiedersehen mit alten Freunden mit einer ganz neuen Geschichte und einer Menge Geheimnisse, die es noch zu enthüllen gilt. Er wird Fans des Franchises sicher gefallen und eventuell sogar einige brandneue Fans gewinnen. "Solo" startet in eine ganz neue Ecke des "Star Wars"-Universums und letztlich kann man es kaum erwarten, wieder dorthin zurück zu kehren.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/Lucasfilm

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Rogue One: A Star Wars Story - Star Wars: Rogue One (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3748528/

Schwere Körperverletzung, Besitz gestohlener Güter, Fälschung imperialer Dokumente – Jyn Erso (Felicity Jones) legt sich mit Imperium und Widerstand an, ganz egal. Sie ist alles andere als eine Heilige, als sie von den Rebellen gefangengenommen wird. Andererseits: Der Kampf gegen das Imperium wird nicht mit Samthandschuhen gewonnen, das wissen die Widerstandskämpfer um Mon Mothma (Genevieve O'Reilly). Und außerdem war Jyns Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) maßgeblich daran beteiligt, die neue Superwaffe des Imperiums zu bauen, weswegen sein Insiderwissen und Jyns Verbindung zu ihm wertvoll sind. Insofern ist die undisziplinierte junge Frau, die sich seit ihrem 15. Lebensjahr allein durchschlägt, genau die Richtige für ein Team, das Galen finden und eine Himmelfahrtsmission ausführen soll: Das Imperium will den Todesstern testen und die Rebellen wollen wissen, was genau die Waffe kann – und wie man sie zerstört. Zusammen mit ihrer Gruppe, darunter ihr Aufpasser Captain Cassian Andor (Diego Luna), der blinde Krieger Chirrut Imwe (Donnie Yen) und dessen Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) sowie der umprogrammierte Ex-Sicherheitsdroide K-2SO (Alan Tudyk), zieht Jyn los. Der imperiale Militärdirektor Krennic (Ben Mendelsohn) aber will den Leak um jeden Preis verhindern, auch weil er Darth Vader im Nacken hat...

Nostalgische Momente und ein Todesstern. Die "Star Wars"-Maschinerie läuft seit knapp 2 Jahren endlich wieder auf Hochtouren und das erste Spin-off liefert exakt das was auch angekündigt wurde: eine Mischung aus Kriegsfilm und Heist-Movie, als organisch-grobkörniges Drama erzählt, mit eigener Ästhetik und Relevanz. Es mag sich anfangs komisch anhören, dass die Handlung von "Rogue One: A Star Wars Story" zwischen Episode III und Episode IV angesiedelt ist, aber es bietet auch neue Perspektiven und Möglichkeiten. Da aber damit der Plot auch bekannt ist, bleibt nur die Flucht nach vorn. Denn zwangsläufig bietet die Geschichte über den Diebstahl der Todesstern-Pläne (um seine Achillesferse zu finden und ihn zu zerstören) keinen breiten oder gar epischen Rahmen, dafür ist allerdings genug Anlass für bildgewaltige Schlachten. Der Verlauf ist vorherbestimmt, jeder "Star Wars"-Fan kennt das Ende, welches, nebenbei bemerkt, wohl eines der besten Übergänge zu dem bekannten "Star Wars" liefert, die man sich hätte vorstelen können. Plötzlich ist "Krieg der Sterne" ein homogenes Teil eines Ganzen und nicht mehr der Beginn einer Trilogie, die von einet Prequel-Trilogie angeführt wurde, um dann in einem Sequel ihren vorläufigen Höhepunkt zu finden.


Aber eben diesen Drahtseilakt zwischen 'bekannt' und 'neu' bewältigt Regisseur Gareth Edwards gekonnt mit einigen herrlichen Verweisen auf das bekannte Universum, bekannten Hintergrundfiguren aus den "alten" Filmen und archetypischen Figuren, die von Familie, Erlösung und Aufopferung geprägt sind. Universelle Motive des heldenhaften Kriegsfilms - nur hier eben im "Star Wars"-Universum angesiedelt. Edwards Regie ist mitunter auch anzumerken, dass er immer wieder unterschiedliche Interessen verfolgen muss. Der Prolog baut nämlich als düsterer, spannender Einstieg ein ordentliches narratives Fundament, nach zwanzig Minuten wird jedoch bereits neues Personal an vier weiteren Schauplätzen etabliert, die in der Folge teils nie wieder besucht werden. Das ist etwas zu hurtig und sprunghaft, sodass man, wenn man nicht von Anfang an am Ball bleibt, zumindest hier kurz den Überblick verlieren kann. Auch den humorvollen Ton seiner Vorgänger nimmt er im ersten und zweiten Akt zunächst an, obwohl Edwards im dritten und letzten Akt letzendlich mehr daran gelegen scheint, einen düsteren Kriegsfilm in einer weit entfernten Galaxie zu erzählen. Erzählerisch ist dieser Wandel etwas holprig, aber spannend und mitreißend und überaus cool.


Aber die grundlegende Prämisse von "Rogue One", die ja bereits in "Star Wars: Episode III: Die Rache der Sith" angedeutet wurde und die als "Bekannt" abgestempelte Basis für "Star Wars: Episode IV: eine neue Hoffnung", ist auch klar: eine Gruppe von Kämpfern will mit ihrem Himmelsfahrtkommando einen Völkermord abwenden. Dieser Hoffnungsschimmer ist das emotionale Herzstück von "Rogue One". Dazu muss zunächst von Planet zu Planet gehüpft werden. Zukunft trifft auf Vergangenheit in einem mehr als ansprechenden, beinahe fühlbar wirkenden Design und Setting. Jeder Charakter bekommt eine kurze, eigene Geschichte. Das ist knapp und effizient bzw. funktional gehalten, aber je mehr der Film dann auf sein Finale zusteuert, verliert er seine Figuren emotional aus den Augen. Stattdessen wandelt er triumphierend durch die Schatzkammer nostalgischen Reichtums, den "Star Wars" nun mal als filmhistorisches Meisterwerk anbietet. Die emotionalen Konflikte der Figuren verblassen im Vergleich zum Höhepunkt des Films, dem dritten Akt, wenn der gesamte Krieg vor tropischer Kulisse und im Weltall mündet. Wo sich allerdings "Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht" gern auf die glühende Lumineszenz des Lichtschwerter-Fan-Services ausruhte, findet "Rogue One" seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Identität, seinen eigenen Stil. Und der liegt sicherlich nicht im Storytelling oder empathischen Mithecheln um seine Figuren, sondern in seinen atemberaubenden Effekten, kraftvoll inszenierten Kämpfen und seiner überraschend düster-schmierigen Optik, die ja bereits von einer noch düsteren Version 5 Monate vor Kinorelease auf Anweisung des neuen Rechteinhabers Disney etwas familientauglicher zurechgestutzt wurde. Zumindest ist damit die FSK12-Freigabe mehr als berechtigt.


Etwaige subtile Zwischentöne, wie ein Diskurs über die schmutzigen Handlungen von Widerstand oder ein möglicher Kommentar zu aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen werden erschlagen vom intensiven und dreckigen Schlachtengemälde. Allerdings waren politische und anti-kriegerische Analogien oder Diskurse nie die allgemeine Botschaft der "Star Wars"-Filme. Frei von metaphysischen und spirituellen Diskurs, beinahe gänzlich frei von irgendwelchen Jedi-Kräften, brettert der Streifen mit der puren Willenskraft des Widerstandes auf sein tragisches Ende zu. Das ist im Jahr 2016  natürlich politisch-korrekter, multikulturell und Geschlechtertechnisch-sauber besetzt und erzählt mit einem typischen Soundtrack. Diesen sollte ursprünglich übrigens Alexandre Desplat komponieren, im September 2016 wurde jedoch bekannt, dass Michael Giacchino seine Arbeit übernimmt, der bereits die Musik für den Film "Star Trek: Into Darkness" komponiert hatte und im Film "Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht" in einem Cameo-Auftritt zu sehen war. Giacchino hatte die Filmmusik nach eigenen Aussagen in nur vier Wochen komponiert. Das merkt man ihr nicht an. Es ist eine nahezu perfekte Adpation von Williams klassischem Score, dessen Themen in Giacchinos Werk immer wieder Anklang finden.

Insgesamt schafft es der Film also, sowohl "Star Wars"-Fans zu beeindrucken, wie auch Leute, die einfach nur die große Action und Ballerei sehen wollen. Manchmal bricht "Rogue One" bewusst die Traditionen des Franchises, dann bedient er wieder die etablierten Regeln. Der Film ist ein kleiner, mutiger Schritt in die richtige Richtung und sticht in diesem bis auf wenige Ausnahmen recht schwachen Kinojahr durchaus als imposanter, außergewöhnlich inszenierter und ungewohnt düsterer Blockbuster hervor. Vor allem die pausenlose, dreckige Action und die detailverliebten Szenerien auf den verschiedenen Planeten, an denen man sich dank Greig Frasers hervorragender Kamerarbeit nicht satt sehen kann, wissen zu begeistern. "Rogue One" ist ein überraschend cleverer Cocktail aus den besten Elementen der Originale, mit eigenständigen Genre-Ideen und Spezialeffekte auf modernsten Niveau. Und er schafft es an das Feeling der Original-Trilogie anzudocken, die fast unmittelbar nach dem Ende des Films beginnt. Hervorragend!

8,5/10 

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/Lucasfilm

Samstag, 30. Mai 2026

Star Wars: The Mandalorian And Grogu - The Mandalorian & Grogu (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30825738/

Nach dem Sturz des Dunklen Imperiums haben sich die verbliebenen Kriegsherren in der Galaxis zerstreut. Während die aus den Trümmern errichtete Neue Republik versucht, die hart erkämpften Errungenschaften der erfolgreichen Rebellion zu bewahren, erhält sie Unterstützung von Din Djarin (Pedro Pascal), einem erfahrenen mandalorianischen Kopfgeldjäger, und seinem jungen Schützling Grogu. Die beiden bekommen den Auftrag Rotta den Hutten (Jeremy Allan White) zu retten, während die paar versprengten Warlords des zerschlagenen Imperiums weiterhin versuchen, an der neuen Ordnung zu rütteln und selbst wieder zu Macht zu gelangen.

"The Mandalorian And Grogu" ist der erste "Star Wars"-Kinofilm seit fast sieben Jahren - und er kommt nicht wie ein episches Vehikel, sondern wie eine verlängerte, aber gut inszenierte Doppelfolge der gleichnamigen Serie. Jon Favreau, der Schöpfer der Serie, führte Regie, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Dave Filoni und produzierte den Film - eine Kontinuität, die Fans vollends entlohnt, die aber auch die Grenzen des Projekts deutlich macht: 

Der Film ist zweigeteilt: Die erste Hälfte ähnelt einer Ansammlung von Fetch-Quests, die sich um die Verfolgung imperialer Überreste drehen; die zweite Hälfte kehrt zur Serie zurück, zu jenen Stellen, wo sie am besten war - Abenteuer, bei denen Mando und Grogu gemeinsam kämpfen und Lehren über Familie lernen. Der Film bietet explosive Action, fantastische Anspielungen, Cameos und Hommagen, gigantische Kampf-Szenen und schöne Bilder aus der "Star Wars"-Welt. Die Action-Beats kommen alle paar Minuten, damit niemand einschläft. Grogu, der eukalyptusfarbene Lehrling - zierlich, animatronisch, mit faltigem Gesicht und wackelnden Ohren - kontrastiert mit der sonstigen glatten Ästhetik. Seine ausdrucksstarken Augen und lebendigen Ohren sind voll sichtbar, und er bleibt nach wie vor entzückend charmant. Die Beziehung zwischen Mando und Grogu trägt den Film - sie kämpfen gemeinsam, lernen voneinander, und die Familien-Botschaft ist hier glaubwürdiger als in der dritten Staffel der Serie. Pedro Pascal spielt Mando mit schneller Intensität, robuster Stärke und unerschütterlichem Stoizismus, auch wenn er immer maskiert bleibt und gerade mal 5 Minuten sein Gesicht zeigen darf. Sigourney Weaver ist offenbar auf Autopilot, aber ihre Präsenz wirkt. Martin Scorsese spricht ein paar Zeilen mit story-relevanten Informationen - ein herrlicher Moment, gerade weil Scorsese 2019 noch zum Disney/MARVEL/Star Wars-Franchise sagte, dass sich solch ein Kino wie ein "Freizeitpark" anfühle und "kein echtes Kino" sei. Das macht seine Aussage im Film, als Mando seine Figur, das Ardennianer-Alien und Sandwich-Koch Hugo Durant, großzügig bezahlt ("Dafür erzähle ich euch was immer ihr wollt") besonders amüsant. Auch amüsant sind die kleinen Anspielungen und Szenen, die Favreau bewusst in den Film einbaute: Eine der markantesten Verfolgungsjagden im Film ist eine direkte Hommage an William Friedkins berühmten Crime-Klassiker von 1971: "Brennpunkt Brooklyn", eines der Gebäude  Ein Gebäude auf Shakari, welcher derb an "Blade Runner" erinnert, trägt den Namen "Weathers Apollo", eine direkte Widmung an den 2024 verstorbenen Schauspieler, der in der Serie den Greef Karga spielte. Die Arena-Kämpfe scheinen direkt aus "Gladiator" zu stammen und dass die Arena "rein zufällig" wie das Schachspiel aus "Star Wars: Epsiode IV: Eine neue Hoffnung" aussieht und dann auch noch dieselben Kreaturen auftauchen ist auch kein Zufall. Auch Jonny Coynes Darstellung des Janu ist stark von Telly Savalas selbstgefälliger, charismatischer Interpretation von Bonds größtem Widersacher Ernst Stavro Blofeld beeinflusst, und die verschneite Kulisse scheint auch die Schauplätze für den epischen Auftakt von "The Mandalorian and Grogu" inspiriert zu haben, in dem Din Djarin - genau wie James Bond in "James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät" - einen Berg hinabfährt, um die Welt zu retten. Nur dass Din das mit einem imperialen AT-RT tut (es ist schließlich immer noch "Star Wars"). Din Djarins Kopfgeldjäger-Gegner Embo (gesprochen von Co-Autor Dave Filoni, der auch in der Bar ein eindeutiges Cameo hat) ist ein Kyuzo, eine außerirdische Spezies, die nach dem Schwertmeister aus "Die sieben Samurai" benannt wurde, gespielt von Seiji Miyaguchi. Kurosawas Held tritt zwar würdevoller auf als der skrupellose Söldner aus "The Mandalorian And Grogu", ist aber genauso tödlich. Und vergessen wir mal nicht die Aufnahmen von X-Wings und Kampfpiloten vor dem sonnendurchfluteten Horizont. Die Bilder sind beeindruckend, was vor allem daran liegt, dass sie aus Tony Scotts Blockbuster "Top Gun" von 1986 stammen. 

Und dies sind Punkte, die einem Filmfan das Herz höher schlagen lassen. Klar, "The Mandalorian And Grogu" fühlt sich immer noch sehr wie zwei verlängerte Episoden der Serie an, die an einem Punkt zusammengenäht wurden. Die erste Hälfte ist intermittierend unterhaltsam, aber auch irgendwie mühsam. Trotz gestochen scharfer Aufnahmen wirkt das Bild zu dunkel und zu schlammig. Action-Sequenzen sind fast verdeckt, einzelne Beats schwer zu entziffern. Der Film ist zudem sehr laut - ich habe noch nie so extravagante Blaster-Geschosse gehört. Es toppt nicht die seismische Bombe, die Jango Fett in "Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger" zündet, doch es rummst ordentlich. Und apropos rummst: Der Score von Ludwig Göransson ist der eigentliche Star des Films. Elektronische Klänge, vermischt mit klassischen Tönen - das passt wunderbar und bleibt im Ohr. Das Ergebnis ist damit kaum langweilig, aber nicht so begeisternd, wie Favreau, Filoni und Noah Kloor vielleicht beabsichtigt hatten. Man kann nur noch einmal betonen: Es wirkt alles oft weniger als ein Film, als eine verlängerte Folge der Serie. Doch alldem zum Trotz fühlt sich "The Mandalorian And Grogu" auch sehr richtig an. Er ist ein charmantes "Star Wars"-Kino-Comeback nach fast sieben Jahren. Er bietet explosive Action, eine Prise Humor, Emotionen und Abenteuer - und er ist wirklich spaßig trotz kleinerer Mängel, Logiklöcher (die sogar Kindern auffallen) und Ungereimtheiten. Doch er spielt wie eine mittelbeste Doppelfolge der Serie, und ich bin nicht sicher, ob er der begeisternde Hit ist, den Disney braucht, um das Kinoerlebnis für das "Star Wars"-Franchise wiederzubeleben. Viele werden den Kinobesuch vermeiden und auf den Stream warten. Bei Kindern, für die dieser Film eindeutig gemacht ist, wird er wahrscheinlich sehr gut ankommen - und für eine Generation, die noch nicht die Freude von "Star Wars" auf der großen Leinwand erlebt hat, ist er wahrscheinlich gut genug - ein unterhaltsamer, actionreicher Weltraum-Western, der nicht den Sprung zum echten Kinofilm schafft. Er ist gut genug für eine neue Generation - aber vielleicht nicht der alles-begeisternde Hit, den Disney oder das "Star Wars"-Franchise braucht.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney/Lucasfilm

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Star Wars: Episode VII: The Force Awakens - Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2488496/

Mehr als drei Jahrzehnte nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" wurde das Imperium durch die "Erste Ordnung" abgelöst, eine ebenfalls diktatorische Organisation mit anderem Namen, die Krieg gegen den Widerstand führt. Von großer Politik aber weiß Rey (Daisy Ridley) auf dem Wüstenplaneten Jakku zunächst nicht viel. Die junge Frau verbringt ihre Tage damit, die karge Landschaft nach Schrott abzusuchen, den sie danach verkauft. Sie ist allein, wartet auf ihre Familie - bis sie die Bekanntschaft von Finn (John Boyega) macht, einem ehemaligen Sturmtruppler, den die Untaten der Ersten Ordnung abgeschreckt haben. Er hat nach einer besonders brutalen Invasion Fahnenflucht begangen und dabei gleich noch dem Widerstand geholfen, durch die Befreiung des gefangenen Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac). Finn, Poe und mit ihnen auch Rey geraten ins Visier des sinisteren Kylo Ren (Adam Driver), der dem machtvollen Strippenzieher Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) dient und die Mission vollenden will, die Darth Vader einst begann. Eine Flucht nimmt ihren Lauf, die das Helden-Trio mitten in den Kampf zwischen Erster Ordnung und Widerstand bringt, Seite an Seite mit den legendären Rebellenhelden Han Solo (Harrison Ford) und Generalin Leia (Carrie Fisher)...

Das Licht ist aus. Absolute Stille im Kino. Keine 20th Century Fox-Fanfare, logisch. Es beginnt mit dem Logo von Lucasfilm und der Bildschirm wird schwarz. Pause. Eine Posaune durchbricht diese Dunkelheit und ein Gefühl eines "Nach-Hause-Kommens" nach langer Abwesenheit, pures Glück und Zufriedenheit, durchflutet den Körper des Zuschauers. Die altbekannten Klänge spielen und man liest: "Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis..."

Endlich. Nach über 10 Jahren und eigentlich 32 Jahren ist "Star Wars" zurück auf der großen Leinwand. Stilgerecht, stilecht und mit Erfolgsgarant J.J. Abrams auf dem Regiestuhl ist der siebte Ausflug in die Welt der Jedi ein lange erwartetes Stück Kino gewesen. Schon der erste Trailer wusste ganz genau, wie man einen Fan (also auch mich) abholt und wie man eben jenem eine Träne aus dem Auge quetscht, wenn man als Abschluß der zweiminütigen Vorschau Chewbacca sanft brüllen hört und ein gealterter Han Solo aus dem Dunkel auftaucht und sagt: "Chewie... we are home." Auch die Tatsache, dass Lawrence Kasdan, verantwortlich für solche Filme wie "Das Imperium schlägt zurück", "Jäger des verlorenen Schatzes" oder "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" das Drehbuch zum siebten Teil der "Star Wars"-Saga schrieb, stimmte einen unglaublich hoffnugsvoll.

Nun ist man zurück im "Star Wars"-Universum. Und "Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht" ist ein typischer J.J.Abrams-Streifen. Visuell opulent und knallig, mit viel explosivem Effekt und vielen geschickt eingesetzten (und dazu gelungenen) Gags, überaus sympathischen Figuren, perfektem Setting, beeindruckender Ausstattung und über die volle Laufzeit wunderbar unterhaltsam. Aber es mangelt deutlich an einem, nämlich Substanz. Wer "Star Wars: Episode IV: Eine neue Hoffnung" gesehen hat, kennt auch diesen Film. Wieder ein neuer Todesstern (der sich hier nur Starkiller nennt), wieder eine Person, die sich mit der Macht vertraut machen muss, wieder ein Bösewicht mit Maske. Okay, letzteres gehört dann doch irgendwie zu "Star Wars" wie das Salz in die Suppe. Aber man hätte sich - gerade in Anbetracht zu Abrams sehr gelungenem "StarTrek"-Reboot - ein wenig mehr Idee gewünscht. Ein wenig mehr Mut, etwas Innovation - vielleicht sogar ein wenig Bruch mit Altbekanntem.

Dabei sind die Protagonisten gut gewählt. Daisy Ridley als Müllsammlerin Rey und John Boyega als Ex-Stormtrooper Finn sind von Anfang an sympathisch und tragen - auch ohne Unterstützung von Harrison Ford oder Carrie Fisher - den ganzen Film. Natürlich ist es mehr als nur nett, die beiden Letztgenannten wieder zu sehen. Gerade Fords erster Auftritt zusammen mit Chewbacca ist echt toll und ruft ein unglaublich schönes, wohliges Gefühl hervor. Da ist der von Fisher schon fast erwartungsgemäß kühl. Im Verhältnis etwas im Hintergrund bleibt Oscar Isaac, der nämlich über weite Strecken abwesend ist, aber vor allem zu Beginn und Ende zeigt, dass er noch wichtig werden will und kann. Sein Charakter, Poe Dameron, als bester Pilot der Rebellenallianz ist auch ein ganz klarer Gewinn. Er ist charismatisch und hat einfach das Zeug zum Anführer. Genau wie auf der Gegenseite Andy Serkins, der dem komplett digitalem Supreme Leader Snorke dank seines ihm eigenen Motion-Capturings dieselbe Echtheit verleiht wie einst Gollum in der "Der Herr der Ringe"-Trilogie. Sogar Max von Sydow, der den Anführer der "Kirche der Macht" Lor San Tekka auf dem Planeten Jakku spielt, ist irgendwie passend. Allein der Bösewicht - Kylo Ren - gespielt von Adam Driver geht gar nicht. Und das auch nur, weil er sich viel zu früh demaskiert und damit dem Zuschauer eine gewisse Illusion nimmt, die zwar einerseits in den Kontext der Geschichte passt, nicht jedoch in das Bild, welches die vorigen Teile von einem ultimativen Bösewicht aufbauen konnten. Driver ist einfach zu weich, hat nicht das richtige Gesicht eines Bösewichts - da hilft es auch nicht viel, dass er schwarz gekleidet ist und schwarzes Haar hat. Aber positiv ist auch der kleine Sidekick-Droide namens BB-8, von dem man hätte befürchten können, dass er der neue "Jar Jar Binks" des Films wird. Doch weit gefehlt. BB-8 ist eine kleine niedliche Knutschkugel, der mit seiner Gestik und seinem Gepiepse und einfach seiner herrlich freundlichen, beinahe kindlichen Art sofort alle Herzen erobern kann.

Und der Fan-Service funktioniert: das hervorragend eingebrachte Wiedersehen mit dem Falken und alten Bekannten, die beiläufigen Hintergrundfiguren, R2-D2 und C-3PO und die Suche nach Luke sind alles perfekte Komponenten für einen solchen Film. Auch ist es schön zu sehen, dass die Stormtrooper ein wenig an Erfahrung gewonnen haben und eben nicht mehr strunzdumm ins Feuer laufen. Nein, sie kämpfen, sie nutzen verschiedene Waffen und scheuen sich nicht auch mal Ärger aus dem Weg zu gehen. Kurzum: sie sind intelligenter und damit gefährlicher. Ein großer Pluspunkt im Vergleich zu den alten Filmen. Was dann wieder zu Minuspunkten fehlt ist die mangelnde Logik und die unzähligen Plotholes. Da greifen 8 X-Wing den Todesstern an. Acht. Und was passierte mit Captain Phasma? Wieso teilt sich plötzlich ein ursprünglich gebündelter abgefeuerter Energiestrahl auf und vernichtet so vier Planeten statt einem? Und wieso kratzt das keinen? Warum kommt der innerlich zerrissene Kylo Ren immer überall so schnell hin und warum dann nicht gleich früher? Auch hat man das Gefühl, dass trotz besser inszenierter (weil viel dynamischer) Kämpfe die Action durch die Bank weg recycelt ist. X-Wing gegen Tie-Fighter. Und während Rey die in ihr erwachte Macht gegen Kylo Ren ausprobiert und diesen erstaunlicherweise sogar in echte Bedrängnis bringt verlässt einen spätestens beim Durchflug des Grabens am neuen Todesstern das Interesse. Weil man eben weiß, wie zumindest dieser Kampf ausgehen wird. Auch die offensichtlichen und damit unnötigen Referenzen, dass die „First Order“ wirklich böse ist hätten nun wirklich nicht sein gemusst. Da braucht es keine Rede und keine in die Höhe gereckte linke Faust der Sturmtruppen, denn die an alte deutsche Uniformen angelehnte Kleidung des Imperiums unterstreicht schon seit "Eine neue Hoffnung" deren Charakter.


Der Soundtrack von John Williams ist bekannt und daher nahezu unauffällig. Kurzum: er ist nicht so präsent wie in der Original-Trilogie. Auch wenn man diese alten Melodien liebt, so wären neue Themen etwas besser gewesen. Allein "Rey’s Theme" und "The Starkiller" heben sich etwas aus dem gewohnten Klangbild ab.

"Star Wars: The Force Awakens" ist also ein handwerklich gut gemachtes, technisch erstklassiges Weltraum-Spektakel mit starken Schauwerten, außerdem gibt es zahlreiche charmante Referenzen an die Vorgänger und der Film liefert das, was man von einem "Star Wars"-Film erwartet. Das ist jedoch auch der große Schwachpunkt von "Episode VII": Er bietet nicht viel Neues, sondern fühlt sich streckenweise wie eine Nacherzählung der vorherigen Trilogie an. "The Force Awakens" ist zwar Nostalgie pur und es ist großartig, die alten Darsteller noch mal zu sehen (Harrison Ford glänzt als Han Solo), die Musik von John Williams klingt selbstverständlich immer noch klasse und der Film ist insgesamt ein würdiger Beitrag zum "Star Wars"-Franchise, aber den Spagat zwischen Tradition und Moderne schafft der Film nicht so gut wie erhofft. Man vermisst einfach den Fortschritt, der eine weitere Trilogie rechtfertigt. Die neu eingeführten Charaktere sind mehr oder weniger Epigonen der alten Figuren, die bei all der angestrebten Nostalgie natürlich nicht fehlen dürfen. Nach einem starken Auftakt weicht die Originalität der erzählten Geschichte zunehmend, zudem wirkt die Story zum Ende hin überfrachtet und manche Entwicklungen sind arg unglaubwürdig. Aber es ist nun wie es ist und im Grunde stellt sich während des Films auch ein wohliges "Star Wars"-Feeling ein. Und das ist die Hauptsache.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/Lucasfilm

Donnerstag, 8. Juni 2017

Fanboys (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0489049/

1998: Der Kinostart von "Star Wars: Episode I: Die dunkle Bedrohung", liegt noch sechs Monate entfernt. Für Fans ist das, worauf sie sehnsüchtig warten, viel mehr als bloß ein Film. Es ist ein Wendepunkt des Lebens, an dem sie endlich wieder in die von Jedi-Rittern und exotischen Aliens bevölkerte, weit, weit entfernte Galaxis eintauchen dürfen. Linus (Chris Marquette), Windows (Jay Baruchel) und Hutch (Dan Fogler) sind die größten Krieg der Sterne-Fans unter der Sonne. Eric (Sam Huntington) gehörte einst zu ihnen, verkauft aber mittlerweile lieber Autos in der Firma seines Vaters. Als er jedoch erfährt, dass Linus bald sterben und deshalb die Premiere des neuen "Star Wars"-Films nicht mehr miterleben wird, zaubert er einen wagemutigen Plan aus der Schublade: Es gilt, 2.000 Meilen nach Texas fahren, um dort in die Ranch von "Star Wars"-Schöpfer George Lucas einzubrechen und eine Kopie des Films zu stehlen. Doch das ist einfacher gesagt als getan: "Star Trek"-Fans, schwule Biker und die Internet-Ikone Harry Knowles (Ethan Suplee) drohen, der Mission ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Mit der handfesten Unterstützung von Fangirl Zoe (Kristen Bell) gelingt es dem Quartett schließlich, bis vor die Tore der legendären Skywalker-Ranch zu gelangen...

"Fanboys" bietet waschechten "Star Wars"- Fans eine herrliche Story, die durchaus auch im dramatischen Aspekt eine nicht zu verleugnende Qualität besitzt und neben vielen grandiosen Gastauftritten auch ein Gespür für die passenden humoristische Untermalung hat. Besonders schön und witzig ist die uralte Rivalität zwischen "Star Wars" und "Star Trek" die hier in einigen saukomischen Momenten thematisiert wird. Wenn man die Fanbrille einmal abnimmt fällt es durchaus negativ ins Gewicht dass nicht alle Gags besonders hochwertig oder originell sind und so einige Hampeleien des Darstellers Dan Fogler wirken sehr antiquiert. Auch die ganz großen Seitenhiebe gegen die neue "Star Wars"-Trilogie bleiben aus (bis auf ein bissiges „What if the movie sucks?“ am Ende). Der Konflikt mit den Trekkies wirkt nur trotz der Gags gezwungen lustig, die Charaktere bleiben klischeehafte Stereotypen, und als Road Movie taugt "Fanboys" auch nicht so richtig.

Aber was soll's: Sobald Carrie Fisher und Billy Dee Williams ihre Cameos haben, ist das alles egal. Einige Anspielungen erfreuen dann doch noch die Fanboy-Seele, und spätestens, wenn einer der Charaktere gefragt wird, wer denn in "Episode V" Regie geführt hat und der Zuschauer synchron mit den Fanboys "Irvin Kershner" antworten, weiß man: das ist ein Film für Fans. Denn selbst mit den oben beschriebenen Makeln ist "Fanboys" für "Star Wars"-Neulinge ein großer Spaß, nur wer überhaupt keine Ahnung vom Sternenkrieg hat oder sich komplett der Crew der Enterprise verschworen hat, sollte mit diesem Film für Fans von Fans nicht viel anfangen können. Als Fan von Han Solo, Luke Skywalker und Darth Vader bleibt letztlich nur noch eines zu sagen: vielen Dank für einen wirklich herzigen, erfrischenden und witzigen Film. 

7,5/10

Von CAPELIGHT PICTURES kommt der Film in deutscher Erstveröffentlichung in HD im Mediabook mit 24-seitigem Booklet: 


Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Star Wars: The Last Jedi - Star Wars: Die letzten Jedi (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2527336/

In einer entscheidenden Schlacht gegen die Erste Ordnung hat der Widerstand die Superwaffe Starkiller-Basis vernichtet. Der Triumph währt jedoch nicht lange, denn der von General Leia (Carrie Fisher) angeführte Widerstand gerät schnell wieder in große Bedrängnis. Nach dem Versagen seines Lehrlings Kylo Ren (Adam Driver) im Duell gegen Rey (Daisy Ridley) übernimmt der Oberste Anführer Snoke (Andy Serkis) mit seiner weit überlegenen Flotte höchstpersönlich die Jagd auf die Rebellen. Ein Großangriff auf deren Hauptbasis soll den Widerstand endgültig auslöschen. Zwar kann die galaktische Resistance dank mutigen Einsatzes des Piloten-Asses Poe Dameron (Oscar Isaac) mit knapper Not entkommen, doch die Erste Ordnung heftet sich prompt an ihre Fersen. Die letzte Hoffnung des Widerstandes liegt beim Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill). Doch als Rey ihn in seinem Versteck auf einem abgeschiedenen Planeten aufspürt, ist der einsiedlerisch lebende, desillusionierte Luke wenig begeistert von der Ruhestörung. Er weigert sich kategorisch, an dem Konflikt teilzuhaben oder die machtsensible Rey auszubilden. Während dem Widerstand die Zeit davonläuft, unternehmen der bekehrte Stormtrooper Finn (John Boyega) und Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen verzweifelten Rettungsversuch...

"This is not going to go the way you think!"

Dieses Zitat stammt von Luke Skywalker, das dem "Star Wars"-Fanboy schon im Trailer intensiv in die Ohren drang, und es fasst den gesamten Film eigentlich perfekt zusammen. Was man sich auch wünscht, vorstellt und ausmalt, es wird alles doch irgendwie anders kommen.

Doch von vorn. Als "Das Erwachen der Macht" vor fast genau zwei Jahren in den Kinos anlief, entfachte J.J. Abrams, der schon erfolgreich das "Star Trek"-Franchise wiederbelebte, mit seinem Film den "Star-Wars"-Hype neu und so wie man ihn seit den Achtzigern nicht mehr kannte. Disney und LucasFilm erfüllten ihr Versprechen, kehrten zu den Wurzeln der Reihe zurück und lieferten eine Fortsetzung, auf die die Fans seit über 30 Jahren gewartet haben. Obwohl die Reaktionen unter Zuschauern und Kritikern zunächst überwältigend positiv waren, wurden gerade in den Fankreisen kurz nach dem Start enttäuschte Stimmen laut, die Abrams vorwarfen, mit seinem Film die Reihe nicht voranzubringen, sondern stattdessen den allerersten Film, "Eine neue Hoffnung", zu kopieren und trotz abgewandelter Form nahezu 1:1 auf die Leinwand - natürlich mit 2015er Technik - zu bringen. Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, wo eine Hommage bzw. eine Verbeugung endet und ein Plagiat beginnt. Es stimmt, Abrams und seine Autoren "borgten" sich viele Ideen aus der Original-Trilogie von George Lucas. Vor allem folgten sie jedoch im Geiste den Vorbildern und deren universellem Thema von jungen Träumern, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, unglaubliche Abenteuer erleben und Heldentaten vollbringen - perfekte Identifikationsfiguren für die jungen Zuschauer der Filme. Durch die Rückbesinnung auf die Stärken der ersten "Star-Wars"-Filme führte "Das Erwachen der Macht" neue Charaktere und Handlungsstränge in eine vertraute Welt fließend ein und schaffte damit das notwendige Fundament für weitere Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Und diese wird mit dem zweiten Kapitel der neuen Trilogie, "Die letzten Jedi" fortgeführt. Der Hype mag nun insgesamt etwas schwächer sein, doch zumindest Fanboys haben dem Teil enorm entgegengefiebert. Schließlich hatte "Das Erwachen der Macht" bei all den Wiederholungen doch auch eine Menge Neues gebracht – und damit offene Fragen. Was hat Luke all die Jahre getrieben? Wer sind die Eltern von Rey? Wie sieht der geheimnisvolle Snoke im wahren Leben aus? Und tatsächlich liefert Regisseur Rian Johnson, der mit dem Film "Looper" auf sich aufmerksam machte, auf all diese Fragen eine Antwort. Es sind nur nicht unbedingt die Antworten, die erwartet oder gar erhofft wurden. Die große Stärke des nunmehr achten Teils ist es dann auch, wie sehr er mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Im einen Moment erfüllt er sie, im nächsten stellt er alles auf den Kopf. Aber er liefert über all das hinaus immer wieder großartigen Fan-Service.


Der Wermutstropfen zuerst: mit über 150 Minuten ist die neunte Episode deutlich zu lang geraten. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. So erweist sich ein ganzer Handlungsstrang als regelrecht unnötig, wenn Autor Johnson sein Script etwas sorgfältiger ausgearbeitet hätte. Zwar gibt es innerhalb dieser Plotline mit Benicio Del Toro einen neuen Charakter, der durchaus stimmig ist und etwas Würze ins Universum bringt, das ändert aber nichts daran, dass das ganze Drumherum bei genauerer Betrachtung eigentlich keinerlei Sinn ergibt. Das soll nicht heißen, dass der Film "leiert", zäh oder gar langweilig ist, ganz im Gegenteil. Es bleibt nur das Gefühl, dass er unnötig aufgebauscht ist. Daneben gibt es diverse Plotholes, unzählige Logikfehler und man hat mehr als einmal das Gefühl, dass gerade "zufällig" die überleben, die das Script später noch braucht.

Fehlende Sorgfalt lässt sich auch beim Aufbau der Erzählstruktur erkennen. Das Pacing von "Die letzten Jedi" hat nämlich mehr als einmal so seine Probleme. Es ist vor allem Anfangs nahezu eine Katastrophe. Das Narrative springt da etwas unharmonisch zwischen den einzelnen Erzählsträngen umher und gerade wenn eine Plotline mal so richtig in Fahrt kommt, wechselt der Film zur nächsten. Das kann schon mal frustrieren, vor allem wenn so versucht wird, Spannungsmomente zu generieren, aber eigentlich damit das Gegenteil erreicht wird. Auch bei den Figuren läuft nicht alles glatt. So bleibt Schurke Kylo Ren (Adam Driver) die wohl interessanteste Figur der neuen Trilogie, aber es verwundert schon, dass seine Fähigkeiten und Kräfte immer gerade so stark sind, wie es das Script gerade erfordert. Er schien bereits in "Das Erwachen der Macht" nicht so recht in die Rolle des Gegenspielers und Neu-Darth-Vaders zu passen. Daran ändert auch "Die letzten Jedi" vielleicht nichts, zumindest darf Driver aber zeigen, wie viel schauspielerische Intensität in ihm schlummert. Und diese Weiterentwicklung ist echt gut.

Spannend sind zudem die gemeinsamen Auftritte von ihm und Daisy Ridley. Ridley beweist wieder einmal, was für ein Glücksgriff die Newcomerin im Franchise war und beeindruckt mit einer Performance, deren anfängliche Begeisterung über ihr neues Schicksal langsam dem Frust und der Enttäuschung über Lukes Widerwillen, sie zu unterrichten, weicht. Wie schon im ersten Film durchmacht Ridleys Charakter Rey auch in "Die letzten Jedi" die größte Entwicklung durch und diese bleibt zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. Natürlich werden im Handlungsstrang um Luke und Rey Erinnerungen an "Das Imperium schlägt zurück" wach, in dem ebenfalls der junge Protagonist bei einem alten Meister in die Lehre geht. Dass hier der Schüler von einst nun das Sagen hat, schließt schön den Bogen. Gleichzeitig weicht diese Konstellation beim späten Nachkommen aber deutlich von dem ab, was sich 1980 noch auf Dagobah zugetragen hat. Zusätzlich zu den düsteren Szenen, die auch in einem Horrorfilm nicht deplatziert wirken würden, wendet sich Johnson den seelischen Abgründen zu. Es sind die packendsten Momente in dem Streifen, nicht zuletzt der Besetzung wegen: Mark Hamill zeigt sich hier in Bestform. Es ist eine reine Freude.

So interessant es ist, was Johnson mit Luke Skywalker, Rey und Kylo Ren anstellt, so langweilig ist ein Großteil des Rests. Mit Finn wusste er beispielsweise gar nichts anzufangen, Poe Dameron (Oscar Isaac) wird zu einem kopflosen Draufgänger degradiert, BB-8 ist nur noch ein Schatten seiner selbst und das neue Widerstandsmitglied Rose Tico (Kelly Marie Tran) wird nur mit viel Schmalz und Getue in die Story gequetscht. Besonders schlimm hat es aber General Hux (Domhnall Gleeson) erwischt, der von einem beinahe schon faschistischem General in "Das Erwachen der Macht" zu einer kümmerlichen Witzfigur mutiert, die von ihren Gegner schon gar nicht mehr als ernste Bedrohung empfunden wird. Und auch sonst ist das mit der Komik von "Die letzten Jedi" so eine Sache. Sicher, Humor hat es immer in "Star Wars" gegeben. Die Original-Trilogie hatte witzige Momente. Die Prequels ebenfalls - mal beabsichtigt, mal weniger. Auch in "Das Erwachen der Macht" und in "Rogue One: A Star Wars Story" durfte mitunter gelacht werden. Das Vorhandensein von Witzen ist also nicht per se falsch. Sie sind oft sogar tatsächlich auch witzig. Sie passen nur so gar nicht in den Film. Die frechen One-Liner und humorigen Momente wirken wie aus einem Superheldenfilm und beißen sich gehörig mit dem Rest. Als hätte sie ein artfremder Autor in das Drehbuch geschmuggelt. Ganz besonders schlimm und vor allem deplatziert wirkt da noch (vor allem im Finale) der Running Gag mit Leias neuer Frisur.


"Die letzten Jedi" hat also einige Makel unumstößlich vorzuweisen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass Johnson es versteht, die von vielen geliebte und verehrte Welt der Jedi, Sith, Rebellen und der First Order fortzusetzen. Dabei greift der Regisseur gerne in die Referenzkiste, vertraut aber nicht nur blind und gehörig auf Nostalgie, sondern versteht es, teils sogar exzellent, das "Star Wars"-Universum zu erweitern. Dabei wird Johnson aber wohl einige vor den Kopf stoßen, denn es gibt Momente, die gewiss für Unmut, Kopfschütteln und Unverständnis sorgen werden. Genau diese sind es aber, die "Die letzten Jedi" dazu verhelfen, dass die Karten im dritten Teil, der 2019 kommen soll, neu gemischt und vergeben werden könnten.

Auch das wird gewiss nicht allen gefallen. Genau wie der Humor des Films. Die ersten Bilder und Filmausschnitte versprachen ein durchaus düsteres Abenteuer, aber eigentlich erweist sich "Die letzten Jedi" als eher dem Humor zugetanes Werk. Johnson benutzt diesen viel zu gern dafür, um überdramatische Epik zu kontern. Gerade in den Szenen zwischen Rey und Luke Skywalker gibt es immer wieder Momente, in der aufkeimender Pathos durch Amüsement zum Schweigen gebracht wird. Und das passt oft gar nicht. Auf der anderen Seite wiederum hält der Film durchaus die Balance. Zu sehen ist das u.a. bei den kleinen Inselbewohnern namens Porgs. Die wurden im Marketing ziemlich omnipräsent dargestellt. Zum Glück bleiben sie aber eine niedliche Randnotiz und verbleiben sicher als käufliches Gimmick, welches wohl jeder neue (und junge) "Star Wars"-Fan haben wollen wird.

Kurzum: "Die letzten Jedi" ist wie die Macht. Es gibt eine helle und eine dunkle Seite. Welcher man sich anschließt, liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Diese Kritik hier tendiert klar zur hellen Seite, denn trotz einer zu sprunghaften Erzählweise, die noch dazu zu lang geraten ist, wird das Universum schön und teils überraschend weiter geformt. "Die letzten Jedi" ist kein "Das Imperium schlägt zurück" (auch wenn man dies unter Umständen erwarten würde), aber es ist klar das Werk eines Filmemachers, der sich vor der Nostalgie verbeugt, ohne ihr zu verfallen und gerade mit der letzten Szene gelingt Johnson eine der schönsten des Jahres. Warum? Weil darin wunderbarer Optimismus enthalten ist, genau wie ein deutlicher Meta-Kommentar zur Liebe der Fans für das Produkt und das ist ein großes Märchen, ein Sci-Fi-Spektakel, ein Fantasy-Abenteur: Es ist immer noch "Star Wars".

8/10 

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox/Lucasfilm