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Mittwoch, 15. November 2017

Justice League (2017)

http://www.imdb.com/title/tt0974015/

Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman hat wieder Vertrauen in die Menschheit – auch dank Superman (Henry Cavill), der im Kampf gegen das Monster Doomsday wahre Selbstlosigkeit bewies und sich opferte. Als sich das mächtige außerweltliche Wesen Steppenwolf (Ciarán Hinds) mit einer Armee Paradämonen anschickt, die Erde zu überfallen, wendet sich Batman an Diana Prince (Gal Gadot), besser bekannt unter dem Namen Wonder Woman, die gegen Doomsday eindrucksvoll zeigte, was sie kann. Gemeinsam rekrutieren sie ein Team von Superhelden, bestehend aus den Metamenschen, auf die die beiden bereits aufmerksam geworden sind: Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) verbünden sich mit Batman und Wonder Woman, aber der Angriff auf die Erde scheint dennoch nicht mehr zu verhindern sein...

Gut ein Jahr ist es her, da kam mit "Batman v Superman" ein langerwartetes Treffen zweier Helden-Giganten in die Lichtspielhäuser. Batman traf auf Superman. Lange wurde auf dieses Treffen gewartet, legt es doch den Grundstein für die hiesige "Justice League", viel wurde spekuliert, die großartigen Trailer versprachen gigantisch viel. Umso enttäuschter waren die Fans, denn die Kinofassung lies vieles vermissen, was die Story hätte zumindest rund wirken lassen. Vom enttäuschenden Handshake ("Martha") beider Helden mal abgesehen, denn das war so unglaubwürdig wie nie zuvor, war auch das Storytelling extremst holprig und in Bezug auf Kontinuität und Abholen der Zuschauer wurde kaum bis gleich gar keinen Wert mehr gelegt. Sicher, das alles war überaus opulent und gewaltig inszeniert, aber es reichte eben nicht aus, um das Aufeinandertreffen der beiden Figuren zu einem Meilenstein der Superheldenfilmgeschichte zu machen. Und so wurde "Batman v Superman" somit das neue Symbol für alles, was in einem Hollywood-Comicfilm-Spektakel schief gehen konnte. Der Film war schwerfällig und aufgeblasen, seine Logik passte nicht, er hatte einen Batman, dessen heiserer Glitzer ihn zu keinem Ersatz für andere (bessere) Batmans machte; er hatte einen Bösewicht, der ein einziges Klischee war - und mehr noch, denn es sickerte eine Art ernsthafter überreifer "Dunkelheit" durch, die zwar beabsichtigt war um Integrität herzustellen, aber tatsächlich zu bitter herüber gebracht wurde. Der finale Todesstoß für das Studio war dann noch, dass der Film an der Kinokasse unterdurchschnittliche Ergebnisse einbrachte.

Nun ging es mit "Wonder Woman", der lang erwarteten Origin-Story um Diana Prince, ein Stück bergauf und DC, obwohl noch längst nicht auf dem unterhaltsamen Niveau eines MARVEL-Films angekommen, machte bei den Fans etwas Boden gut. Nun sollte trotzdem angemerkt werden, dass sämtlicher Spott teilweise auch übertrieben war. "Batman v Superman" machte in der "Extended Version" ebenfalls einige Fehler der Kinofassung wett, und war effektiv kein schlechter Film. Selbiges gilt übrigens für den eigentlich lausigen "Suicide Squad", der aber immerhin den Kinoaugust 2016 gerettet hat. Okay, genug gemeckert, kommen wir zum neuesten Streich aus dem Hause DC, kommen wir zu "Justice League".


Superheldenfilme sollen ja allen voran einfach nur eines: liefern. Liefern, was der Fan erwartet. Das kann man nun von "Justice League" leider nicht zu voller Gänze behaupten. Nach einem Vier-Film-Aufbau, der vor vier Jahren mit "Man Of Steel" begann, sollte sich die "Justice League" wie ein Höhepunkt anfühlen, mit Batman und Wonder Woman, die neue Helden rekrutieren und ebenfalls Superman zurückbringt, um eine neue außerirdische Invasion abzuwehren. So wie es die "Avengers" 2012 für MARVEL getan haben. Und der Film liefert auch das, nur leider wieder zu überhastet, zu schnell, ohne wirklichen charakterlichen Heldenbezug (bis auf die drei üblichen Verdächtigen) und mit nur wenig elementarer Erkenntnis für nicht-eingefleischte DCU-Kenner.

"Justice League", so hat man das Gefühl, wurde in jedem einzelnen Frame konzipiert, um die Sünden von "Batman v Superman" zu korrigieren. Es ist nicht nur eine Fortsetzung - es ist irgendwie ein Akt der Franchise-Buße. Der Film, der ein halbes Dutzend Comic-Unsterbliche zusammenfasst und sie auf einen gemeinsamen Weg bringt, ist in seinem Aufbau auch niemals unordentlich oder richtig bombastisch. Es ist leicht und sauber und einfach (manchmal fast zu einfach), mit teilweise schon witziger Schlagfertigkeit und guten Kampfduellen, die dieses Mal auch nicht überbordern und zu lange dauern. Der Bösewicht ist wieder ein strenger CGI-Krieger aus dem Mittelalter (Motion-gecaptured von Ciarán Hinds), der 'Steppenwolf' heißt. Er hatte 1972 seinen ersten Auftritt in den DC-Comics, hätte sich aber auch, so klischeehaft und motivationslos er erneut gezeichnet wurde, auch über Nacht von einem x-beliebigen Drehbuchautoren hätte erfinden lassen können. Ein Problem, welches nicht nur DC hat, dasselbe Problem hat MARVEL - sie verpacken es nur etwa besser. Zudem hat "Justice League" auch einige Logiklöcher inne, die teilweise so peinlich und gleichzeitig groß sind, dass man meint, es wäre gewollt.

Zack Snyder führte erneut Regie, musste sich aber aus privaten Gründen (im März nach dem tragischen Selbstmord seiner Tochter) von dem Projekt verabschieden. Ungefähr 4/5 des Drehs waren zu dem Zeitpunkt abgeschlossen und der Postproduktionsprozess (einschließlich des restlichen Drehs) wurde von Joss Whedon beaufsichtigt - eine perfekte Wahl, obwohl es kaum ironischer hätte sein können, war Whedon doch mit "The Avengers" ein direkter Konkurrent. "Justice League" ist dahingehend so nahtlos, dass es schwer ist zu sagen, wo der eine Filmemacher aufhört und der andere beginnt. Aber der Film schmeichelt dann doch mehr Whedon als Snyder, dessen Pop-Grandiosität radikal heruntergespielt wird. Jeder Moment fühlt sich so an, als sei er zum Vergnügen des Zuschauers geschrieben worden. Als ein Produkt ist "Justice League" damit schon mal besser als "Batman v Superman", aber dennoch fühlt er sich generisch an. Es gibt kaum eine Szene darin, die man so noch nie gesehen hat. An einer Stelle fühlt man sich sogar an die "Herr der Ringe"-Trilogie erinnert - und das nicht zu knapp.


"Ein Mann, den ich kannte, pflegte zu sagen, dass Hoffnung wie ein Autoschlüssel ist", witzelt Superman (Henry Cavill) sinngemäß am Anfang des Films, in eine Handykamera, das von ein paar Fans im Schuljungenalter aufgenommen wird. "Er ist leicht zu verlieren, aber wenn ihr um euch herum sucht, ist er doch in der Nähe." - der Grundton des Films spiegelt sich allein in dieser Aussage wieder.

Ben Affleck spielt souverän und sicher diesem Film, wissend, dass viele Leute sein Debüt als "Dunkler Ritter" hassten, was ihn in eine schwierige Lage brachte. Und so beschreitet er - wie fast alles andere in der "Justice League" - einen vorsichtigen Mittelweg. Er spielt Bruce Wayne / Batman in einer sehr zurückhaltenden Version und auf eine Art und Weise, die einfach genug ist, um damit auch noch durchzukommen. Es hilft, dass er sich mit Gal Gadot kokettieren kann und auf seinem Gast-Auftritt in "Wonder Woman" aufbaut. Das Clark Kent / Superman natürlich nicht tot ist, sollte für niemanden ein Geheimnis mehr sein, wo doch selbst Warner auf den Postern sein Logo verwendete und damit selbst einen riesigen Spoiler in die Welt setzte. Nun gut, geschenkt. Henry Cavill macht aber seinen Job gut, genau wie Butler Alfred, gespielt von Jeremy Irons, der dem Film den nötigen humoristischen Sidekick außerhalb der Superheldenliga gibt und immer wieder für einen herrlich-lockeren Spruch gut ist. Es ist kein Michael Caine, dessen würdevolle Art und Weise einen deutlich besseren Butler zeichnete, aber Irons passt zumindest ins hier gezeigte Bild. Verschenkt sind Ray Fisher als Victor Stone / Cyborg und Jason Momoa als Arthur Curry / Aquaman, was in beiden Fällen zu verschmerzen ist. Amy Adams als Lois Lane ist etwas in den Hintergrund gerückt und Laurence Fishburne als Perry White sucht man vergeblich - was etwas schade ist. Ezra Millers Szenen als "The Flash" sind cool, reichen aber lange nicht an die eines Quicksilver heran, und wenn er früh im Film seinen Vater (gespielt von Billy Crudup) im Gefängnis besucht, gibt es zumindest einen Hauch von Hintergrundgeschichte - leider wird sein Charakter im Verlauf des Films zur nervenden Witzfigur im Superhelden-Team reduziert.

Snyder macht wie immer ansprechende Vorspann-Credits und bietet hier nicht weniger als eine Palette aus 5 Einführungsszenen, unterlegt mit einer Soft-Rock-Version von Leonard Cohens "Everybody Knows" (interpretiert von der norwegischen Sängerin Sigrid), um dramatisieren zu können, wie schlecht es doch Amerika seit Supermans Tod gegangen ist. Es geht von Batman, der sich gegen eine geflügelte, metallische Bestie wehrt - es stellt sich als einer von Steppenwolfs Armee von Paradämonen heraus - bis hin zu Wonder Woman, die einen Terroranschlag in London vereitelt, indem sie eine ganze Salve von Maschinengewehrschüssen abwehrt und dabei ihren felsenfesten Killerblick beibehält. Naja. Im Hintergrund tönt unauffällig Danny Elfmans Partitur, die John Williams "Superman"-Thema von 1978, Elfmans eigenes "Batman"-Motiv aus den Tim Burton-Jahren und das "Wonder Woman"-Cello-Riff von Hans Zimmer und Junkie XL in einem Ensemble, dass beim Publikum nach einem Strohhalm der Gunst greift, aber damit in einer kleinen Diskrepanz zu Snyders Bildern steht.

Im Fokus von "Justice League" finden sich immer wieder Batman und Wonder Woman. Jetzt, da Superman nicht mehr da ist, ist es diesen beiden zu verdanken, eine Liga von Superhelden zusammenzustellen, auch wenn der Zuschauer diese rituellen Assemblagen schon zu oft durchgemacht hat - in den Filmen "The Avengers" und "X-Men" In "Guardians Of The Galaxy" und den aktuellen "Thor: Ragnarok" - um nur wenige zu nennen. "Justice League" hinterlässt im Gegensatz zu all diesen vorgenannten Filmen den Eindruck, dass es tendenziell besser geht. Die letzte Szene, in der diese 300-Millionen-Dollar-Blockbusterproduktion mündet, legt den Grundstein für mehr, macht aber den Weg nicht ebener, sondern eher holpriger. Die zwei Post-Credits-Szenen bringen da pflichtschuldig etwas mehr, aber das Herz des Films ist einfach nicht mehr drin. "Justice League" ist ein immerhin noch durchaus sehenswerter Film, aber eben auch kein so grandioser Spaß wie bei nahezu allen Werken, die der große Konkurrent MARVEL abliefert.

5,5/10

In der "2-Disc Limited Steelbook Edition" erschien der Film als 4K Ultra HD im Steelbook. Exklusiv bei MediaMarkt erhältlich.   


Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Donnerstag, 8. Juli 2021

Zack Snyder's Justice League - Zack Snyder: Justice League - Justice League (The Snyder Cut) - #ReleaseTheSnyderCut (2021)

https://www.imdb.com/title/tt12361974/

Superman (Henry Cavill) ist tot. Um die Menschheit steht es nach dem Dahinscheiden des mächtigen Superhelden schlechter als je zuvor, zumal Batman (Ben Affleck) auch entdeckt, dass der Erde eine Invasion durch eine außerirdische Macht bevorsteht: Der mächtige Darkseid (Ray Porter) und sein nicht minder gefährlicher Handlanger Steppenwolf (Ciarán Hinds) sehen nun ihre Chance gekommen, die drei Mutterboxen zurückzuerobern, mächtige Artefakte, die Darkseid vor vielen Tausend Jahren auf der Erde zurückgelassen hat. Gemeinsam mit Wonder Woman (Gal Gadot) versucht Batman eine Truppe von anderen Helden zusammenzutrommeln, um den Angreifern entgegenzutreten. Doch selbst gemeinsam mit Einzelgänger Aquaman (Jason Momoa), der die Meere beherrscht, dem blitzschnellen Außerseiter The Flash (Ezra Miller) und dem technikaffinen Cyborg (Ray Fisher) scheinen sie Steppenwolf und seiner Armee nicht gewachsen zu sein...  

Bereits während der Produktion von "Justice League" wollte der Distributor Warner Bros., dass der Film gegenüber "Man Of Steel" und "Batman v Superman" eine deutlich weniger düstere Tonalität erhält, sodass Snyder mit Drehbuchautor Chris Terrio das Drehbuch entsprechend anpasste. Nachdem Snyder den Film weitestgehend vollendet hatte und nur noch diverse visuelle Effekte eingearbeitet werden mussten, trat er aus familiären Gründen aus der Produktion zurück. An seiner Stelle wurde Joss Whedon damit beauftragt, die Postproduktion zu beenden, wobei berichtet wurde, dass Warner Bros. mit Snyders Fassung unzufrieden war. Daher wurde Whedon, der für den Konkurrenten Marvel bei den Filmen Marvel’s "The Avengers" und "Avengers: Age Of Ultron" Regie führte, bereits vorher damit beauftragt, das Drehbuch zu "Justice League" zu überarbeiten und die Nachdrehs zu begleiten. Snyder sollte dabei jedoch Regie führen. Ferner gab Warner Bros. unter anderem vor, dass der Film eine Laufzeit von 2 Stunden nicht überschreiten durfte.

Nachdem Snyder das Projekt verließ, übernahm Whedon die vollständige Verantwortung für den Film. Er fügte dem Drehbuch 80 neue Seiten bei und setzte zweimonatige Nachdrehs an. Diese Szenen waren heller, humorvoller und weniger brutal als Snyders Version. Um die Anforderungen an die Laufzeit zu erfüllen, kürzte Whedon 90 Minuten Material, das Snyder produziert hatte. 

Gemäß Kameramann Fabian Wagner wurden etwa 90 % des Materials, das Snyder für seine Fassung vorgesehen hatte, in der finalen Kinofassung verworfen. Ebenfalls wurde als Komponist Junkie XL, der seine Arbeit bereits vollendet hatte, durch Danny Elfman ersetzt. Einem Testpublikum wurde am Ende sowohl Snyders als auch Whedons Rohfassungen präsentiert, wobei Whedons Version besser abschnitt. Daher entschied Warner Bros., diese Version zu vollenden.

Kurz nach der Veröffentlichung von "Justice League" bemängelten Snyder-Fans jedoch, dass der Film offenbar Whedons statt Snyders Werk war, und starteten eine Online-Petition mit etwa 180.000 Unterschriften, bei der die Veröffentlichung des Snyder-Cuts gefordert wurde. Aus der Forderung entwickelte sich unter dem Hashtag #ReleaseTheSnyderCut in den Sozialen Medien eine Bewegung, obwohl noch gar nicht bestätigt war, dass eine andere Fassung des Films als die veröffentlichte Version existierte. Bestätigt wurde ihre Vermutung jedoch durch Stab-Mitglieder des Films wie Aquaman-Darsteller Jason Momoa, Cyborg-Darsteller Ray Fisher und Steppenwolf-Schauspieler Ciarán Hinds, die die Fans unterstützten. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung haben zahlreiche Cast-Mitglieder geschlossen die Veröffentlichung des Snyder-Cuts gefordert.

Auch die Bewegung #ReleaseTheSnyderCut verstummte nicht und führte diverse Kampagnen durch, bei denen sie die Veröffentlichung des Snyder-Cuts forderten. So forderten sie im Juli 2019 bei einem Massenbriefschreiben an Warner-Bros.-Geschäftsführerin Ann Sarnoff die Veröffentlichung des Snyder-Cuts. Ebenfalls 2019 startete ein Fan eine Crowdfunding-Kampagne. 50 Prozent des Erlöses gab er für eine Werbekampagne zur Veröffentlichung des Snyder-Cuts aus und mietete dafür während der San Diego Comic-Con Werbetafeln und ein Flugzeug, an dem ein Werbebanner hing. Die andere Hälfte wurde an die American Foundation for Suicide Prevention gespendet. Eine ähnliche Kampagne folgte im selben Jahr auf der New York Comic-Con. Regisseur Zack Snyder unterstützte diese und ähnliche Bemühungen und bestätigte im März 2019, dass es die von den Fans geforderte Fassung des Films gibt. Er ergänzte jedoch, dass es die Entscheidung von Warner Bros ist, ob diese Fassung veröffentlicht wird. Im Dezember 2019 veröffentlichte Snyder ein Bild mit der Aufschrift Z.S. J.L Director’s Cut und untertitelte die Frage "Is it real? Does it exist? Of course it does." (deutsch: "Ist er echt? Gibt es ihn? Natürlich gibt es ihn."). Allerdings ging er davon aus, dass seine Fassung unveröffentlicht bleibt und möglicherweise Ausschnitte irgendwann in einer Dokumentation veröffentlicht werden.

Bereits im Juli 2019 kündigte WarnerMedia mit HBO Max eine hauseigene Streaming-Plattform an. Nachdem die Fanproteste für die Veröffentlichung von Snyders-Fassung nicht verebbten, kamen bei WarnerMedia ab Ende 2019 Gespräche auf, den Snyder-Cut tatsächlich zu Ende zu produzieren und zu veröffentlichen. Im Februar 2020 fällte das Unternehmen schließlich die Entscheidung, sich mit Snyder bezüglich seiner Fassung in Kontakt zu setzen. Snyder stellte anschließend den Verantwortlichen von Warner Bros., HBO Max und DC seine Fassung vor und konnte sie überzeugen, sodass die Verantwortlichen ihm die Erlaubnis erteilten, seine Vision des Films zu vollenden. Bei der Vorstellung präsentierte Snyder auch die Möglichkeit, den Film als Miniserie zu veröffentlichen. Eine Woche vor der Veröffentlichung der Streaming-Plattform HBO Max kündigte Snyder schließlich an, dass auch seine Schnittfassung von "Justice League" 2021 auf der Streaming-Plattform erscheinen wird. Im August 2020 gab Snyder ferner bekannt, dass seine Fassung zunächst als vierteilige Miniserie mit je 60 Minuten pro Folge erscheinen werde. Anschließend solle die Miniserie auch als vierstündiger Film veröffentlicht werden. Im Januar 2021 bestätigte Snyder jedoch auf eine Fan-Frage hin, dass die neue Fassung nun doch nicht als Serie, sondern als vierstündiger Film erscheinen wird. Zudem werde der Film voraussichtlich einen anderen Titel erhalten.

Für die Fassung wird jedoch nicht nur Material verwendet, das für den ursprünglich vorgesehenen Kinofilm "Justice League" gedreht wurde, sondern fanden seit dem 6. Oktober 2020 zusätzlich Nachdrehs statt. Die Nachdrehs ergänzen die bisherigen 214 Minuten um 4 weitere Minuten mit komplett neuem Material. Das Budget für die Snyder-Fassung soll 70 Millionen US-Dollar betragen. "Zack Snyder’s Justice League" debütierte letztlich am 18. März 2021 in den Vereinigten Staaten auf HBO Max.

Dabei ist interessant: Vier Stunden Film können also tatsächlich als kurz empfunden werden. Das der Plot der ersten Version von "Justice League" mit Zack Snyder's Version nicht komplett auf den Kopf gestellt werden würde, war aber auch klar. Doch tatsächlich sind nur wenige der Bilder identisch, sodass der Film auch über einen iegenen Eintrag in der International Movie Database bekam - was man nicht gerade von vielen Versionen von Filmen sagen kann. Es gilt somit prinzipiell: Wer die Kinofassung von 2017 schon mochte, für den gibt es hier eine deutlich stärker in den Bann ziehende Version, und erzählerisch zu den meisten Charakteren ordentlich Nachschlag, was vor allem dem Gegener Steppenwolf, aber auch den bisher wneige beachteten mitgliedern der "Justice Leage" Cyborg The Flash zugute kommt. Dieses 'mehr' an Hintergrund funktioniert allerdings längst nicht immer, denn so mancher Moment driftet allzu sehr ins Gefühlige ab. Exakt dann entstehen die einzigen wirklichen Längen des Films. Doch insgesamt punktet der Film durch einen viel glaubwürdigere Bedrohung, mehr Figurentiefe und einen grandiosen Score.

Trotz Schwächen ist der Snyder Cut ein guter Film mit klarer, einheitlicher Vision von einem Mann und seiner Crew. Der Film ergibt viel mehr Sinn, verzichtet größtenteils vollständig auf nervigen Teenager Humor und ist viel spannender. Die Schauspieler, insbesondere Ben Affleck, erhielten die Möglichkeit, eine viel bessere Performances abzugeben als noch im Whedon Cut. Cyborg bekommt eine sinnvolle Vorgeschichte, die Chemie im Team ist besser und Flash hat eine wesentlich coolere Rolle. Auch sein Nerv-Faktor ist abgemildert. Auch das Pacing passt nun. Das Finale ist wie zu erwarten episch und viel packender als das im Whedon Cut. Stellenweise erkennt man aber auch Lücken im Drehbuch, gerade wenn es um Teamarbeit innerhalb der Justice League geht. Das tut aber dem endlich epischen Finale aber keinen Abbruch. Man kann selbstverständlich auch hier über Logiklöcher meckern, doch im Endeffekt ist "Zack Snyder's Justice League" einfach ein sehr unterhaltsamer und cooler Superhelden-Film, der es mit Stringenz nicht ganz so ernst nimmt.Aber welcher Superheldenfilm tut das schon?

"Zack Snyder's Justice League" ist sicher die bessere und weitsichtigere Version, aber am Ende ist sie sehr offensichtlich vor allem eine überlange Einleitung für eine noch viel größere Geschichte, die bedauerlicherweise in dieser Form wohl nie verwirklicht werden wird. Daran ist Snyder nicht gänzlich unschuldig, weil er nach dem dezent überambitionierten "Batman v Superman" bereits angezählt war und seine klar vorhandene Vision weder den Fans noch dem Studio angemessen vermitteln konnte. Hier ist sie erkennbar, leider zu spät. Nach seinem unfreiwilligen Rückzug wurde er offenkundig nicht mal mehr zurate gezogen, stattdessen zog man bei DC lieber gleich die Notbremse. Jetzt rebootet man unter dem Deckmantel des Multiversums einfach so lange, bis dabei mal etwas herauskommt, was irgendwie (fast) allen gefällt. Flickschusterei eben. Sehr schade, denn besonders der überlange Epilog, der fast so wirkt, als wollte Snyder partout nicht zum Ende kommen, liefert ein paar sehr interessante Elemente, die sich wirklich für eine Weiterverfolgung lohnen würden. Der neuerliche Ausflug in die Knightmare-Welt, die in "Batman v Superman" noch gewaltige Fragezeichen hinterließ, ist hier hinsichtlich der Story und der abenteuerlichen Allianz hochinteressant und hätte es absolut verdient vollständig erzählt zu werden. Doch es wird wohl ein Traum bleiben.

Für Snyder dürfte es eine späte Genugtuung sein zu sehen, dass die Fans ganz plötzlich mehrheitlich doch Gefallen an seinen Ideen finden und seine Rückkehr ins DCEU fordern. Da man im Studio aber in Panik verfallen ist und nahezu alles umgeworfen hat, weil man an den Kinokassen nicht mit Marvel, wo man Milliardenerfolge praktisch im Vorbeigehen einsackt, mithalten konnte, dürfte das Universum, wie Snyder es sich vorgestellt hat, mehr oder weniger tot sein. 

Die Geschichte der Justice League" ist hier wie da an sich nichts besonderes und wartet auch nicht mit komplexen Handlungsverläufen auf, sondern folgt eher dem klassischen Superheldenfilm Schema. Die Handlung wirkt schlüssiger, die Figuren erhalten mehr Tiefe, die Dialoge und der Humor sind nicht mehr peinlich und die Optik deutlich angenehmer. Aber was Zack Snyder überdurchschnittlich gut schafft, ist Momente zu schaffen. Emotionale Momente. Man merkt, dass Zack Snyder mit diesem Film auch eine persönliche Tragödie verarbeitet und das Thema Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Und das ist der größte Unterschied zur Kinoversion. Der Snyder Cut lässt einen - ganz im Gegensatz zur Kinoversion - nicht kalt. Im Gegenteil. Er berührt. 

9/10

In der "Limited 4-Disc Steelbook Edition" erschien der "Snyder Cut" als 4K Ultra HD im Steelbook.

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia

Mittwoch, 23. März 2016

Batman v Superman: Dawn Of Justice (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2975590/

Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von "Man Of Steel" Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe "Justice League" formieren...

3 Jahre nach "The Dark Knight Rises", dem großartigen und meiner Ansicht nach weit unterschätzten Ende Nolans Batman-Trilogie, und dem sehr guten "Man Of Steel" treffen nun schon die beiden größten Helden des DC-Universums aufeinander. Zack Snyder, der auch schon für "Man Of Steel" verantwortlich zeichnete, zeigt mit "Batman v Superman: Dawn Of Justice" - so verrät schon der Titel - die Anfänge der "Justice League". Zumindest wollte er das. Denn das, wofür sich das Marvel Cinematic Universe über Jahre, beinahe schon ein Jahrzehnt Zeit gelassen hat (den ersten "Hulk" rechnet man gern mit ein), soll nun in einem - mit einer Laufzeit von 152 Minuten zwar beachtlichen - aber trotzdem viel zu kurzem Film an die Fans getragen werden. Und damit haben wir schon das erste und größte Problem. Die Zeit. Die reicht nämlich einfach nicht aus, um allein schon den "neuen" Batman einzuführen. Da bringt auch die gefühlt tausendste Wiederholung der Ermordung von Bruce' Eltern und sein Fall in die Fledermaushöhle nichts. Gut, Affleck soll offenbar das Werk von Bale weiterführen, okay. Aber daraus ergibt sich bereits das nächste Problem: Kontinuität. Denn diese geht bei dieser Fledermaus völlig den Bach herunter, war doch Bale am Ende von "The Dark Knight Rises" quasi zurückgetreten und gab sein Erbe an jemand anderen weiter. Hm. Na gut.


Immerhin bietet Ben Affleck (und das hätte man so wohl nicht vermutet) einen charmanten Bruce Wayne und einen wahllos brutalen Batman, der seiner anfänglich gepredigten Linie (zivile Opfer) im Verlauf des Films immer untreuer wird. Bruce Wayne wird so eine glaubwürdige Motivation spendiert, die innerhalb von Sekunden einfach revidiert wird. Das treibt einem die Fragezeichen ins Hirn. Jeremy Irons liefert nach Michael Caine eine sehr gute Interpretation des Butlers Alfred ab. Er ist herrlich und erfrischend zynisch, hat immer einen Spruch auf Lager und man besann sich wohl mit ihm auf die ganz alten Werte seines Charakters - nämlich dass er auch mal aktiv ins Geschehen eingreift. Wenn auch nur Remote. Henry Cavill spielt erneut solide in seinen beiden Rollen als "Superman" und Redakteur. Ihm nimmt man als einzigem Helden seine Rolle auch wirklich ab, während die Auftritte von Amy Adams' Lois Lane einfach nur nervig sind. Gleiches gilt für Jesse Eisenbergs überdrehten Lex Luthor. Eisenberg ist ein hervorragender Schauspieler und wird von mir hochgeschätzt, aber seine Interpretation des Luthor ist nicht die, die man erwarten würde, sondern eher ein milderer Joker. Und das passt leider gar nicht. Ganz anders ist da die toughe Diane Prince, gespielt von Gal Gadot. Sie hat zwar vergleichweise wenig Screentime und ihre Origin-Story (die 2017 in die Kinos kommen soll) hätte mal besser vor dem Film gezeigt werden sollen, aber im Rahmen der Gesamtidee ist es in Ordnung, obwohl gleichzeitig ein wenig verschenkt. Immerhin kann man schon ein paar Infos (unter anderem zur Besetzung, wenn man die noch nicht kannte) zum kommenden "Wonder Woman" erhaschen wenn man ganz genau hinschaut.


Bis es aber zum finalen Kampf kommt, springt Snyder ein wenig zu wild zwischen den Geschehnissen hin und her. Die Geschichte hüpft von Ort von Ort, zu Logiklücke und Plothole hin zur nächsten albernen Traumsequenz. Da gibt es welche, die wohl nur eingebaut wurden, um ein wenig mehr "Epicness" in den ersten drögen Teil des Films zu bringen, denn wenn man ganz ehrlich ist passiert da eigentlich nicht viel. Auch Luthors Motivation als Gegenspieler geht verlustig. Dass er wahnsinnig ist kann man zwar hinnehmen, aber warum man deswegen gleich so einen Plan schmiedet, der final die Erweckung von dem in "Man Of Steel" besiegten General Zod und damit Doomsday zur Folge hat, erschließt sich nicht. Da wurden auch im DC Universum schon weitaus bösere Gegner besser eingeführt und erklärt. Und damit hätten wir das dritte Problem, an dem viele Superheldenfilme knabbern müssen und nur (und ironischerweise) das MCU nicht krankt: die Überlastung durch Charaktere. Denn während Batman nach dem "falschen Gott" in Lex' Archiven sucht, findet er gleich mal noch streng geheime Dokumente über "The Flash", "Aquaman" und "Cyborg", die man dann auch ganz kurz zu Gesicht bekommt. Das ist sicherlich nett und treibt einem schon ein Lächeln ins Gesicht, aber reicht eben auch nicht als Origin-Story für eine kommende "Justice League" aus. Gut, zumindest bei "The Flash" gibt es eine großartige Serie.

Und während der Film spätestens am Ende mit großartigen Effekten (und teils wirklich epischen Bildern) punkten kann, versagt die Kamera komplett. Kaum ein Kampf wird eingefangen, immer geht es wild von hier nach da, sodass man schnell die Übersicht verliert. Was man deutlich merkt sind auch die krassen, schnellen und harten Schnitte, wenn es zur Sache geht. Konnte Snyder in "Sucker Punch" und "Man Of Steel" noch sein Talent in punkto Action zeigen, sind weder eine Autoverfolgungsjagd oder der Kampf der beiden Helden, noch der Endkampf gegen Doomsday mitreißend. Ja, und da ist Problem Nummer 4, denn die Trailer verrieten wirklich schon alles, was man über den Film wissen musste: Luthor, Doomsday, Kampf zwischen Batman und Superman. Hier hätte man sich eben nicht nur auf die Gesichter der "Justice League" als Überraschung beschränken dürfen.

Bereits vor Kinostart wurde ja - vermutlich auch wegen dem R-Rated-Erfolg von "Deadpool" - eine verlängerte, härtere Fassung angekündigt. Wenn dies sich nicht nur auf Fight und 'Ka-wumm' beschränkt und den Charakteren etwas mehr Freiraum zur Entfaltung gewährt, ein paar Logiklöcher und Plotholes ausbügelt, dann ja dann könnte diese tatsächlich die bessere Version des Films sein. Die Kinofassung enttäuscht jedenfalls etwas.

6,5/10

In der "ULTIMATE EDITION" erschien der Film in der Kinofassung und der Extended Fassung im Steelbook. Exklusiv bei amazon.de erhältlich.

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Mittwoch, 2. März 2022

The Batman (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1877830/

Seit zwei Jahren kämpft der Milliardär Bruce Wayne (Robert Pattinson) als rächender Vigilant Batman für eine bessere Welt in seiner Heimatstadt Gotham City. Doch es ist ein einsamer Kampf, den nur wenige Verbündete wie sein Butler Alfred Pennyworth (Andy Serkis) und der aufrichtige Polizist Lt. James Gordon (Jeffrey Wright) unterstützen. Denn Gotham ist ein Moloch, zerfressen von einem korrupten Netzwerk, in das fast alle Beamten der Stadt und auch die reichen Eliten involviert sind. Doch als ein mysteriöser Killer diese ins Visier nimmt und eine Reihe sadistischer und tückischer Anschläge verübt, sind Batmans Detektiv-Fähigkeiten gefragt. Die zahlreichen kryptischen Hinweise führen ihn immer tiefer in die Unterwelt, wo zwielichtige Figuren wie Selina Kyle alias Catwoman (Zoë Kravitz), Oswald Cobblepot alias Pinguin (Colin Farrell), Mafiaboss Carmine Falcone (John Turturro) und Edward Nashton alias Riddler (Paul Dano) zu Hause sind. Doch die Spuren führen Batman auch zu ihm selbst und seiner Vergangenheit...

Auch "The Batman" hat eine wilde Geschichte hinter sich. Bereits im Juli 2015 wurde ein Solofilm über die Figur Batman angekündigt, welches nach den Ereignissen der Filme "Batman v Superman: Dawn Of Justice" und "Justice League" spielen sollte. Als Regisseur und Hauptdarsteller sollte Ben Affleck fungieren, der gemeinsam mit Geoff Johns auch für das Drehbuch vorgesehen war. Im März 2016 wurde ferner bekannt gegeben, dass das Skript bereits verfasst wurde. Affleck gab bekannt, dass er sich für "The Batman" von den Comics inspirieren ließ, die Handlung jedoch eine gänzlich neue Geschichte sei und der Film den Arbeitstitel "The Batman" trägt. Doch entgegen den ursprünglichen Planungen wurde am 30. Januar 2017 bekannt gegeben, dass Affleck nicht weiter als Regisseur von "The Batman" zuständig ist. Bis Januar 2017 sollen Affleck und das Studio jedoch die Entscheidung getroffen haben, dass jemand anderes das Projekt leiten soll. Begründet wurde sein Rückzug damit, dass er sich auf seine Funktion als Darsteller konzentrieren möchte. Stattdessen gab es Bestrebungen, dass bevorzugt Matt Reeves oder alternativ Matt Ross Affleck als Regisseur ersetzen. Das ursprüngliche Originaldrehbuch wurde von Chris Terrio umgeschrieben. Schließlich wurde am 23. Februar 2017 bestätigt, dass Reeves einen Vertrag als Regisseur und als Co-Produzent für "The Batman" unterzeichnet hat. Allerdings verschob sich die Produktion, da Reeves noch die Produktion des Films "Planet der Affen: Survival" bis Juni 2017 vollenden musste. Reeves ließ verlauten, dass er den Fokus auf Batman als Detektiv in "The Batman" legen möchte. Um die Vision von seinem Film realisieren zu können, schrieb Reeves das Drehbuch erneut um, wie im Juli 2017 bekannt gegeben wurde. 

Im selben Monat wurde auch bekannt gegeben, dass nun unklar sei, ob Affleck weiterhin die Titelrolle verkörpert. Im Januar 2019 bestätigte Affleck schließlich, dass er nicht weiter in "The Batman" zu sehen sei. Er wurde im Mai 2019 durch Robert Pattinson ersetzt, wodurch der Film fortan nicht mehr zum DC Extended Universe gezählt wurde. Neben Pattinson waren auch Nicholas Hoult, Armie Hammer und Aaron Taylor-Johnson für die Rolle im Gespräch. Im Oktober 2019 wurde bestätigt, dass die Schauspielerin Zoë Kravitz die Rolle der Catwoman und Paul Dano die des Riddlers übernehmen wird. Wenig später wurde Jeffrey Wright als Commissioner Gordon verpflichtet. Andy Serkis wurde von Matt Reeves als Alfred Pennyworth bestätigt. John Turturro soll hingegen den Gangsterboss Carmine Falcone verkörpern. Außerdem wurde berichtet, dass sich Colin Farrell in Verhandlungen für die Rolle des Pinguin befinden soll. Die Filmmusik komponiert Oscar-Preisträger Michael Giacchino. Die Dreharbeiten begannen am 27. Januar 2020 in London, wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie allerdings Mitte März 2020 unterbrochen. Die erst zu einem Viertel erfolgten Filmaufnahmen wurden Anfang September 2020 in den Warner Bros. Studios Leavesden nahe London fortgesetzt, anstatt den Drehort wie ursprünglich geplant zu wechseln. Nach nur drei Tagen mussten die Filmaufnahmen aufgrund der COVID-19-Infektion von Hauptdarsteller Robert Pattinson erneut für zwei Wochen unterbrochen werden. Mitte Oktober 2020 wurden die Dreharbeiten nach Liverpool verlagert; zuvor drehte man im Februar bereits in Glasgow. Für einzelne Szenen kam die von Industrial Light & Magic entwickelte StageCraft-Technik zum Einsatz, die erstmals bei "The Mandalorian" verwendet wurde und bei der zuvor aufgenommene Hintergrundaufnahmen zu einem virtuellen Raum zusammengefügt und im Anschluss über große LED-Videowände direkt am Filmset, der Kameraperspektive angepasst, abgespielt werden. Am 13. März 2021 wurden die Dreharbeiten offiziell abgeschlossen.

Der Film sollte ursprünglich am 24. Juni 2021 in die deutschen und am darauffolgenden Tag in die US-amerikanischen Kinos kommen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie wurde der US-amerikanische Starttermin zunächst auf den 1. Oktober 2021 und später auf den 4. März 2022 verschoben.

Nun ist das Reboot um den "Dunklen Ritter" im Kino angekommen. Bereits 2019 deutete Todd Phillips' grandioser "Joker" auf eine noch bedrohlichere Zukunft des DC-Universums hin, in der Superheldenfilme aller Größenordnungen so sehr zum modernen Kino gehören würden, dass sie gar keine Superheldenfilme im klassischen Sinne mehr sein müssen. Und auch Matt Reeves' "The Batman" ist kein Superheldenfilm. Nicht wirklich. Zwar sind alle Merkmale vorhanden: das Batmobil, der ikonische Anzug und natürlich die Gadgets, die der treue Butler Alfred zur Verfügung stellt. Und natürlich steht der dunkle Ritter mit dem schwarzen Umhang selbst im Mittelpunkt: nachdenklich, wortkarg, gequält und stets auf der Suche nach seiner eigenen Art von Gerechtigkeit in einem Gotham City, das in Elend und Verfall versinkt. Aber unter der Regie von Matt Reeve fühlt sich das alles in seiner Trostlosigkeit atemberaubend lebendig und neu an. Als Regisseur und Co-Autor hat er aus einer scheinbar vertrauten Geschichte eine epische, beinahe sogar opernhafte Story gemacht. Sein "The Batman" ähnelt eher einem arg düsteren Kriminaldrama aus den 70er Jahren als einem schwungvollen und mitreißenden Blockbuster der Neuzeit (wie ihn mancher vielleicht erwarten würde). Mit seiner kinetischen, unvorhersehbaren Action und mit einer Reihe von aufsehenerregenden Morden, die die Handlung vorantreiben, fühlt es sich manchmal an, als würde der Killer aus "Zodiac" oder "Se7en" die Bürger von Gotham City terrorisieren.

Dies ist nicht "Captain America: The Winter Soldier", der sich als Verschwörungsthriller der 1970er Jahre aufspielt, oder ein "Logan", der sich nur halbwegs zu seinem Western-Herz bekennt, und es ist auch kein simpler Rückgriff auf die Christopher Nolan-Trilogie um den dunklen Ritter, die Bruce Wayne in einem greifbaren Gotham verankerte und sich dennoch weitgehend an die für das Genre erwarteten Handlungsstränge und Spektakel hielt. Nein, dieser Batman hier gehört zu einem ganz anderen Genre, denn Reeves verzichtet hartnäckig auf den üblichen Schnickschnack und setzt stattdessen auf einen knallharten Mordfall als Grundstein, in dem der größte Detektiv der Welt zufällig ein (äusserst) gequälter Milliardär mit einer Vorliebe für Fledermäuse ist. Reeves schafft hier das, was er bereits mit seinen fesselnden Beiträgen zum "Planet der Affen"-Franchise geschafft hat: ein elektrisierendes, unterhaltsames Spektakel, das aber auch auf echten, emotionalen Einsätzen beruht. Dies ist ein Batman-Film, der sich seines eigenen Platzes innerhalb der fragilen Popkultur bewusst ist. Er erkennt die Entstehung der Comicfigur an, um sie dann zu untersuchen und auf eine Weise neu zu erfinden, die sowohl substanziell als auch gewagt ist. Das Drehbuch von Reeves und Peter Craig zwingt nicht nur den Helden, seine Geschichte zu hinterfragen und sich mit seiner Bestimmung auseinanderzusetzen, er eröffnet auch den Zuschauern dieselbe Möglichkeit.

Robert Pattinson, der die Rolle des Bruce Wayne übernimmt, war sicher eine gewagte Wahl. Noch immer haftet ihm das Image des "Glitzervampirs" aus der "Twilight"-Saga an. Doch Pattinson hat vor allem in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass er zu mehr fähig ist. Zu viel mehr. Mit ihm haben wir einen Schauspieler, der nicht nur bereit, sondern auch hungrig ist, die unheimlichen, dunklen Instinkte der titelgebenden Figur zu erkunden. Er scheint am besten zu sein, wenn er Figuren spielt, in denen man sich unwohl fühlt. Er spielt nicht den verwegenen Erbe eines Vermögens, der in einem coolen Kostüm herumläuft und die Leute verprügelt. Das ist Travis Bickle im Fledermauskostüm, distanziert und desillusioniert. Seit zwei Jahren ist er Batman und verfolgt die Verbrecher von oben im gotisch angelegten Wayne Tower - eine passende, aber gewöhnungsbedürftige Abwechslung zu dem weitläufigen Wayne Manor, welches eine noch größere Isolation von der Gesellschaft suggeriert. "Sie denken, ich verstecke mich in den Schatten", sagt er im Off-Kommentar, der stark an Walter Kovacs/Rorschach aus "Watchmen" erinnert, "Aber ich bin der Schatten." Im grellen Tageslicht gibt Pattinson den verkatert wirkenden Indie-Rockstar mit Emo-Anleihen. Das will nicht so recht passen. Aber in der Nacht kann man den Rausch förmlich spüren, den er bekommt, wenn er seine Rache ausübt, selbst mit seiner taktischen Ausrüstung und der Maske. Und diese Sequenzen überwiegen und machen die Figur des Bruce Wayne mehr als wett.

Mehr noch als Christian Bale in der Rolle, versteht es Pattinson, seine schönen, kantigen Gesichtszüge beunruhigend wirken zu lassen. Wenn er also zum ersten Mal die sexy Zoe Kravitz als Selina Kyle erspäht, die in ihre ledernen Motorradklamotten schlüpft und auf ihrer eigenen Jagd nach nächtlicher Gerechtigkeit die Feuertreppe hinunterschlittert, ist da ein unverkennbares Aufflackern in seinen Augen, der in gewisser Weise sogar den Joker zitiert: "Sie ist ein Freak... wie ich". Pattinson und Kravitz haben eine richtig gute Chemie miteinander - sie ist ihm körperlich und emotional auf Schritt und Tritt ebenbürtig. Sie ist keine Schmusekatze: Sie ist eine Kämpferin und eine Überlebenskünstlerin mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit. Jeffrey Wright spielt Commissioner Gordon und ist die seltene Stimme des Idealismus und des Anstands in dieser Welt. John Turturro ist als Verbrecherboss Carmine Falcone unaufdringlich schmierig und gleichzeitig bedrohlich. Andy Serkis bringt als Alfred väterliche Weisheit und Wärme mit. Colin Farrell ist in der Rolle des schäbigen, schurkischen Oswald Cobblepot, besser bekannt als Pinguin, nicht wiederzuerkennen unter gefühlt 50 Pfund Makeup und Kostüm. Doch Paul Dano ist als Riddler, dessen eigener Rachefeldzug das Rückgrat dieser Geschichte bildet, schlichtweg furchterregend. Er geht hier auf eine Weise zum Äußersten, die an seinen verblüffenden Auftritt in "There Will Be Blood" erinnert. Sein Wahnsinn ist so intensiv, wie man ihn eigentlich vom Joker hätte erwarten können und er erzeugt damit eine immense Spannung. Und es gibt rein gar nichts Amüsantes an seiner Darstellung; Dano gibt einem das Gefühl, einen Mann zu sehen, der wirklich zutiefst gestört ist. Allein Werdegang zeugt von einem Riddler, der irgendwie gleichzeitig der Joker und Jigsaw zu sein scheint.

Damit entfaltet sich ein überlanger Superheldenkrimi, der trotz seiner Laufzeit von fast drei Stunden durchweg fesselnd ist. Das neue Batmobil ist bodenständiger und etwas zurückgenommener als der Tumbler aus der Nolan-Verfilmung, aber es ist genauso ein muskulöses Fahrzeug, das direkt aus "Mad Max: Fury Road" (oder sogar dem "Fast"-Fanchise) stammen könnte - und spielt eine wichtige Rolle in einer der besten Sequenzen des Films. Es handelt sich dabei um eine ausgeklügelte, aber stets realitätsnahe Verfolgungsjagd und einen Crash, der eine Kettenreaktion auslöst und in einem Feuerball endet. Bei einer Schlägerei in einem pulsierenden Nachtclub, die von pulsierenden roten Lichtern untermalt wird, kann man jeden Schlag und Tritt spüren. Und hier wird auch verdeutlicht, dass Batman eben nicht unbesiegbar ist. Auch ist eine Schießerei in einem stockdunklen Gang, der nur vom Mündungsfeuer der Maschinenpistolen beleuchtet wird, sowohl kraftvoll als auch visuell umwerfend. Die Kraft solcher Szenen wird durch den Score von Michael Giacchino noch verstärkt. Er schafft perkussive und bläserlastige Musik, die sich massiv und anspruchsvoll anfühlt, und die man tief in seinem Inneren spürt und ein wohliges Gefühl des Unbehagens generiert. Selbst der relativ vertraute Höhepunkt des Films ist unangenehm, weil er all die üblichen Kämpfe vor einem erkennbaren Hintergrund des realen Horrors inszeniert.

In Zusammenarbeit mit seinem Team, die allesamt auf höchstem Niveau und mit einer ordentlichen Portion Präzision gearbeitet haben, hat Reeves einen Film geschaffen, der es fertig bringt, gleichzeitig authentisch und gewichtig, substanziell und impressionistisch zu sein. Kameramann Greig Fraser gelingt derselbe atemberaubende Zaubertrick wie bei seiner Oscar-nominierten Arbeit in Denis Villeneuves "Dune": Durch strömenden Regen und Neonlicht wirkt seine Bildsprache sowohl durchsichtig als auch kräftig. Sein Einsatz von Schatten und Silhouetten ist meisterhaft und trägt viel dazu bei, ein Gefühl der (dunklen) Vorahnung und Spannung zu vermitteln. Allein der vielfältige Einsatz der Farbe Rot im Film, die Energie, Gefahr und sogar Hoffnung suggeriert, ist grandios. Seine stygische Farbpalette dehnt Bruces persönliche Hölle auf ganz Gotham aus in einem Maße, das sie wie eine verbrannte Erde als Widerlegung der gezuckerten Ästhetik der meisten anderen Superheldenfilme erscheinen lässt. Und das Kostümdesign der großartigen Jacqueline Durran - mit Dave Crossman und Glyn Dillon, die Pattinsons rauen Batsuit entworfen haben - gibt der coolen, kantigen Stimmung des Films genau den richtigen Schliff. Während sich Reeves in den letzten Szenen leider in die Sicherheit des Franchise-Aufbau-Modus zurückzieht, gelingt es "The Batman", das Bat-Signal in ein Leuchtfeuer der Hoffnung zu verwandeln, anstatt es zu fürchten. Doch unterm Strich ist dies vielleicht der düsterste und hoffnungsloseste Batman-Film, den man je gesehen hat - auch wenn es eigentlich gar kein herkömmlicher Batman-Film ist.

8,5/10

In der "3-Disc Limited Steelbook Edition" erschien der Film als 4K Ultra HD im Steelbook. 

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia