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Freitag, 6. September 2013

The Little Mermaid - Arielle, die Meerjungfrau (1989)

http://www.imdb.com/title/tt0097757/

Tief unten in der Stille des Ozeans befindet sich ein Königreich, von dem die Menschen nichts wissen. Dort lebt Arielle, die Meerjungfrau. Sie ist die Tochter von Triton, dem Unterwasserkönig, aber anstatt ihren höfischen Pflichten nachzukommen, geht sie lieber zusammen mit dem kleinen Fisch Fabius auf Entdeckungsreise an die Oberfläche und sammelt Schätze von den Menschen. Arielle wünscht sich nämlich heimlich selbst ein Mensch zu sein. Bei einem Unwetter rettet Arielle Prinz Eric das Leben und von da an ist es dann um sie geschehen. Jetzt ist sie bereit alles zu opfern um ihren Traum wahr zu machen...

Walt Disneys "Arielle, die Meerjungfrau" ist eine fröhliche und einfallsreiche Zeichentrickfantasie - ein Film, der so kreativ ist und so viel Spaß macht, dass er den Vergleich mit den besten Disney-Werken der Vergangenheit verdient. "Arielle, die Meerjungfrau" basiert auf dem Märchen von Hans Christian Andersen über eine Meerjungfrau, die sich in einen Prinzen verliebt, aber die Disney-Animatoren haben eine ganze Reihe neuer Nebenfiguren hinzugefügt, darunter eine Krake namens Ursula, die ihre überzeugendste Bösewichtin seit der Hexe in "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ist. Schaut man sich "Arielle, die Meerjungfrau" an, bekommt man das Gefühl, dass die Magie des Zeichentrickfilms von vorher wiederhergestellt worden war. Nach den frühen Jahren von Walt Disneys bahnbrechenden abendfüllenden Zeichentrickfilmen begann ein langes, dunkles Zeitalter, in dem die Bild-für-Bild-Animation zu teuer war, und selbst das große Disney-Animationsteam begann, Vorlagen wiederzuverwenden. Heutzutage haben fast überall Computer die Arbeit aus den teuren Händen der Menschen genommen, die nun die Freiheit haben, selbst die aufwändigsten Fantasien zu verwirklichen. Und genau das tun sie auch in diesem Film.

Der Film beginnt weit unter dem Meer, wo der Gott Triton über sein Unterwasserkönigreich herrscht. Alle gehorchen seinen Befehlen - bis auf seine Tochter Arielle, eine Meerjungfrau, die von fernen Ländern träumt. Eines Tages macht Arielle einen verbotenen Besuch an der Meeresoberfläche, und dort sieht sie zum ersten Mal einen Menschen: einen hübschen, jungen Prinzen. Er hört ihren Gesang und verliebt sich in ihre Stimme. Triton ist wütend über Ariels Ungehorsam, aber sie kann an nichts anderes denken als an den Prinzen, und schließlich schließt sie einen unklugen Handel mit der bösen Ursula, einer Krake, die sich in viele verschiedene Gestalten verkleiden kann. Ursula wird Arielle den Schwanz abnehmen und ihr menschliche Beine geben, damit sie dem Prinzen auf das Land folgen kann, aber wenn der Prinz sie nicht innerhalb von zwei Tagen küsst, muss sie ihre eindringliche Gesangsstimme der Krake geben.


Zwei Schlüsselelemente der Erzählung heben "Die kleine Meerjungfrau" von weniger bekannten Animationsfilmen ab. Zum einen ist Arielle eine vollwertige weibliche Figur, die eigenständig denkt und handelt, ja sogar rebellisch ist, anstatt passiv zuzusehen, wie das Schicksal über ihr Schicksal entscheidet. Weil sie klug ist und für sich selbst denkt, hat der Zuschauer Sympathie für ihre Intrigen. Das zweite Element ist die Handlung selbst: Sie ist knifflig und clever und beinhaltet eine gewisse Spannung, als Arielle ihre Stimme verliert und beinahe ihren Prinzen an die teuflische Ursula verliert (die die Form einer Femme fatale annimmt und Arielles schöne Stimme entführt).

Während sich die Handlung verdichtet und sich das Melodrama entspinnt, führen die Animatoren eine Reihe neuer Figuren ein, die sofort ins Herz geschlossen werden. So wird Arielle an den meisten Stellen von Sebastian begleitet, einer Krabbe mit außergewöhnlicher Weisheit, und von Fabius, einem Fisch, auf den man sich nicht immer verlassen kann. Sie sorgen für komische Abwechslung, vor allem in einer Sequenz, in der sich in bester Disney-Tradition Komik und Gefahr vermischen, als Sebastian von einem französischen Koch gefangen genommen wird, der versucht, den kleinen Kerl zu kochen und zu servieren. Das Beste an "Arielle, die Meerjungfrau" ist aber der visuelle Einfallsreichtum, mit dem die Abenteuer gezeichnet sind. Die Schauplätze haben eine gewisse Leichtigkeit und Freiheit - von Tritons Unterwasser-Thronsaal über Stürme auf dem Meer bis hin zu Ursulas Garten der gefangenen Seelen. Die Farben sind leuchtend, das Wasser glitzert im reflektierten Licht, und man hat das Gefühl, dass kein einziges Bild wegen der Kosten für die Animation beeinträchtigt wurde.

Selbst die Songs sind gut. "Arielle, die Meerjungfrau" enthält einige der besten Disney-Musikstücke seit den glorreichen alten Tagen. Wohl aller Lieblingssong ist die entspannte Reggae-Nummer namens "Under The Sea", gesungen von Samuel E. Wright in einer so großartigen Mischung aus Animation und Musik. Der Film wurde von John Musker und Ron Clements geschrieben und inszeniert, die auch den unterhaltsamen "Basil, der große Mäusedetektiv" gemacht haben, und die Lieder stammen von Alan Menken und dem Co-Produzenten Howard Ashman. In all diesen Männern und den Animationsregisseuren, mit denen sie zusammengearbeitet haben, scheint etwas ausgebrochen zu sein: Hier gibt es endlich wieder die Art von befreiendem, originellem, fröhlichem Disney-Zeichentrick, die man als Fan von Disney-Zeichentrickfilmen von "Schneewittchen", "Pinocchio" und den anderen Klassikern der ersten Generation kennen.

Seit einiger Zeit hat sich ja auch die Auffassung durchgesetzt, dass Zeichentrickfilme nur etwas für Kinder sind. Aber warum eigentlich? Die Kunst des Zeichentrickfilms hat eine Klarheit und eine Kraft, die jeden ansprechen kann, wenn sie nur nicht an eine schwachsinnige Geschichte gekoppelt ist. Es ist einer der schönsten Filme von Disney und ein wunderschöner Disneyfilm, mit allem was man sich wünschen kann, "Arielle, die Meerjungfrau" bietet viel Humor, stimmige Animation, nette Lieder und viel fürs Herz. Und auf der neuen Blu-ray sogar mit der originalen Kinosynchronisation von 1989, die ich als Kind erlebt habe und nie mehr missen möchte.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Disney

Donnerstag, 7. September 2023

The Little Mermaid - Arielle, die Meerjungfrau (2023)

https://www.imdb.com/title/tt5971474/

Die Meerjungfrau Arielle (Halle Bailey) ist die Lieblingstochter von König Triton (Javier Bardem), aber auch der eigensinnigste Spross des Herrschers. Immer wieder bricht das junge Mädchen mit der schönen Stimme die Regeln und nähert sich der Welt der Menschen, was in Tritons Reich unter dem Meer streng verboten ist. Ihre Sammlung von Gegenständen, die von den Menschen stammen und sie auf dem Meeresboden gefunden hat, machen sie nur noch neugieriger. Als ein Schiff in Seenot gerät, rettet sie den Prinzen Eric (Jonah Andre Hauer-King) vor dem Ertrinken und verliebt sich in ihn. Auch er verliebt sich in sie, vor allem in ihre zauberhafte Stimme. Damit die beiden eine Zukunft haben, muss Arielle aber an Land. Sie bittet die Meereshexe Ursula (Melissa McCarthy), ihr Beine zu geben. Diese stimmt zu, will aber als Pfand Arielles Stimme. Da Eric Arielle ohne ihre schöne Stimme nicht erkennt, wird sie mit der wohl wichtigsten Entscheidung in ihrem Leben konfrontiert.

Disneys Live-Action-Remakes ihrer allseits beliebten Zeichentrick-Klassiker wirken manchmal lediglich wie eine schamlose Geldbeschaffungsmaßnahme mit genauso uneinheitlichen Ergebnissen. Anstatt originelle Inhalte zu produzieren, scheint man sich im Hause Disney gedacht zu haben: "Wir haben ja noch etwas, was die Leute bereits mögen. Geben wir es ihnen einfach noch einmal in einer etwas anderen Form!". Nun muss man zugeben, dass einige von diesen Realverfilmungen wirklich magisch waren (David Lowerys "Elliot, der Drache", Jon Favreaus "Das Dschungelbuch"), während andere leere Übungen in glänzenden, computergenerierten Bildern waren (beispielsweise der grauenhafte "Pinocchio" vom letzten Jahr). 2023 nahm sich Disney nun eines weiteren Klassikers des Zeichentrickfilms an und was wurde nicht über die Realverfilmung von dem 1989 erschienenen Zeichentrickfilm "Arielle, die Meerjungfrau",  der auf dem Märchen "Die kleine Meerjungfrau" von Hans Christian Andersen basiert, im Vorfeld gesprochen. Vor allem rassistische Kack-Scheiße, die die Schauspielerin Halle Bailey, die afroamerkianischer Abstammung ist, über sich ergehen lassen musste.

"Die kleine Meerjungfrau" ist trotzdem (oder vielleicht sogar deshalb) besser als die allermeisten der Realverfilmungen, denn er bleibt dem Kern dessen treu, was die Menschen am Original von 1989 geliebt haben, und erweitert gleichzeitig die Geschichte und die Charaktere auf die richtige und notwendige Art und Weise. Die buchstäbliche Fisch-aus-dem-Wasser-Geschichte einer Meerjungfrau, die einen Faust'schen Handel eingeht, um die menschliche Welt zu erkunden und die wahre Liebe zu finden, wirkt im Nachhinein dennoch ein wenig archaisch. Doch Arielle ist ein wissbegieriger und rebellischer Teenager, aber im Grunde wird sie von der Königstochter zur Frau eines Prinzen. Die klassischen Melodien von Howard Ashman und Alan Menken, die das Herz und das Rückgrat des Films bilden, sind hier größtenteils erhalten geblieben, einschließlich des wahnsinnig eingängigen, Oscar-prämierten "Under The Sea". Aber in der Version von Regisseur Rob Marshall hat Ariel mehr Tiefe und Komplexität, und die junge Frau, die sie spielt, ist der Herausforderung mehr als gewachsen.

Ja, Halle Bailey strahlt in der Titelrolle: Ausdrucksstark, energiegeladen und unendlich sympathisch, mit einer Mischung aus mädchenhafter Niedlichkeit und weiblichem Rückgrat. Sie findet erfrischend neue Wege zu Liedern, Handlungssträngen und sogar zu bestimmten Dialogzeilen, die langjährige Fans aus dem Original schätzen. Und ihre Interpretation von "Part Of Your World", einer Melodie, die man schon unzählige Male gehört hat, ist unerwartet mitreißend. Bailey ist allem gewachsen, was diese Rolle von ihr verlangt, sowohl körperlich als auch emotional, und sie verdient es, ein großer Star zu werden.

Sie profitiert sehr von der Tatsache, dass dieser "Kleine Meerjungfrau" eine tiefere Charakterentwicklung sowohl für Arielle als auch für Prinz Eric bietet, wodurch ihre Beziehung über eine schnelle, oberflächliche Anziehung hinaus einen wirklichen Sinn ergibt. Diese Erweiterung führt auch dazu, dass der Film fast eine Stunde länger ist als das Original, aber er bewegt sich in einem anständigen Tempo. Das Drehbuch von David Magee zeigt Parallelen darin, wie beide versuchen, sich von den Erwartungen ihrer beschützenden Eltern zu lösen und ihre eigenen Identitäten und Ambitionen durchzusetzen. Jonah Hauer-King bekommt als Eric sogar seinen eigenen "I Want"-Song, und er hat so viel mehr zu bieten als den typisch gut aussehenden Disney-Prinzen, der sonst üblicherweise zum Tragen kommt.

Die Geschichte der kleinen Meerjungfrau sollte ja hinlänglich bekannt sein. In dieser Version des Märchens werden Arielles Tapferkeit und Großherzigkeit noch deutlicher herausgestellt. Außerdem kann sie mehr Zeit mit Eric verbringen - der sie für ein betäubtes Schiffbrüchiges hält und nicht weiß, dass sie ihn gerettet hat - und eine engere Beziehung zu ihm aufbauen. Dass Arielle dem erfahreneren Eric Dinge über den Ozean erklärt, sogar wortlos, ist eine geniale Idee. Ebenso wie die Tatsache, dass sie die unbequemen, hochhackigen Stiefel, die sie im Schloss erhalten hat, gegen ein Paar bequeme Sandalen eintauschen darf. Einer der cleveren Kniffe ist, dass Arielle in ihrem Kopf weiter singen kann, so dass sie während ihrer Zeit an der Oberfläche nicht völlig stumm ist. Und die Art und Weise, wie sie Eric dazu bringt, ihren Namen herauszufinden, sorgt für einen der vielen Lacher des Films.

Die Nebendarsteller schlüpfen alle auf lebhafte Art und Weise in ihre Rollen. Wie immer hat Daveed Diggs als Krabbe Sebastian, der im Auftrag von König Triton ein Auge auf seine Tochter werfen soll, ein großartiges Timing und eine tolle Darstellung. Javier Bardem verleiht der Rolle des Königs Ausstrahlung, Ernsthaftigkeit und Zärtlichkeit. Awkwafina musste in große Fußstapfen treten, als sie die Rolle von Buddy Hackett, der witzigen Möwe Scuttle, übernahm, und sie bringt ihre typische, aber leider auch nervige Klugscheißer-Persönlichkeit mit - was aber wieder hervooragend zu Scuttle passt. Melissa McCarthy spielt die Rolle der Ursula, die für die legendäre Synchronsprecherin Pat Carroll eingesprungen ist, mit Bravour und verleiht der Rolle ihre eigene Note. Melissa McCarthy steht eigentlich nicht auf der Liste meiner Top-10-Akteure, aber hier macht sie einen guten Job.

Leider sind gerade die visuellen Effekte, in der der Film hätte glänzen könne, ja, müssen, die größte Schwäche des Films. Regisseur Rob Marshall kennt sich, mit Verlaub, bestens mit knalligen Musicals aus (immerhin wurde er für seinen "Chicago" für einen Academy Award nominiert) und bewies auch in "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten", dass er gut (zwar nicht meisterhaft, aber gut) inszenieren kann.  Aber die Unterwasserbewegungen in "Arielle, die Meerjungfrau" wirken oft so flach und künstlich, dass man sich davon immer wieder distanziert. Das gilt besonders für den Versuch, das Gefühl zu erwecken, dass die langen, glänzenden Haare der Meerjungfrauen um sie herum wehen. Die "Under The Sea"-Produktionsnummer strotzt nur so vor leuchtenden Farben, und die ausgefeilte Choreografie der Meerestiere ist ein Genuss. Aber das Gefühl, unter dem Meer zu sein, wird nicht wirklich eingefangen. Fabius, gesprochen von Jacob Tremblay, passt besonders schlecht in die Live-Action-Kulisse, vor allem über der Wasseroberfläche.

Was Unterwasserwelten angeht, so kann man, wenn man einmal auf Pandora war, nirgendwo anders hingehen. Aber die fiktive Karibikinsel, auf der "Die kleine Meerjungfrau" spielt, ist immerhin eine gute Alternative, wenngleich nicht ganz so lebendig. Der Film jedenfalls macht in vielerlei Hinsicht alles richtig, hat seine Stärken und Schwächen und ist durchaus eine Empfehlung wert. Warum man sich an dem Aussehen oder der Herkunft von Schauspieler*innen stört, werde ich wohl nie wirklich nachvollziehen können, solange das Auftreten zu der Rolle passt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Disney

Samstag, 10. Mai 2025

Mermaid (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt34435532/

Doug (Johnny Pemberton) verliert seinen Job in einem Nachtclub, in dem er sich um ein überdimensioniertes Aquarium kümmern sollte – ein Projekt, das der Besitzer längst abgeschrieben hat. Auf die Kündigung reagiert er mit auffälliger Gleichgültigkeit. Hinter seiner Lethargie steckt mehr: Eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln hat ihn innerlich abstumpfen lassen. Der Zustand wirkt sich nicht nur auf seinen Alltag aus, sondern auch auf das angespannte Verhältnis zu seiner Grundschultochter und seiner früheren Partnerin. Eines Tages findet er eine verletzte Meerjungfrau – gerade in dem Moment, als er selbst kaum noch Halt im Leben findet. Ihre Anwesenheit wird zu seinem letzten Anker, doch das ungewöhnliche Wesen bleibt nicht lange unbemerkt. Als Gerüchte die Runde machen, setzt er alles daran, sie vor der Außenwelt zu schützen...

Autor und Regisseur Tyler Cornack liefert in seinem dritten Spielfilm, "Mermaid", schräge Ideen und eine noch schrägere, aber dennoch urkomische Sicht auf die Welt ab. "Mermaid" ist ein pastell- und blutgetränkter Liebesbrief an Florida und all seine Eigenheiten, von seiner natürlichen Schönheit bis zu seinen drogenabhängigen Bewohnern. Oh ja, und jede Menge Fische und Stripperinnen. Mit seinem neuesten Film erschafft Cornack eine seltsame Version von "Arielle, die Meerjungfrau": nur ist Prinz Eric Tablettensüchtig, während Arielle aus einem Atomkraftwerk kommt und eigentlich nicht Teil dieser Welt sein kann. Es ist eine leidig unterhaltsame Interpretation der Meerjungfrau, die Florida so sehr liebt und gleichzeitig erkennt, dass es einer der seltsamsten Orte der Welt ist.

Pembertons Darstellung von Doug ist eine quälend lähmende Mischung aus einem Vollidioten und einem Mann, der Tabletten nimmt, um seinen Selbsthass zu beruhigen. Doug ist zweifelsohne ein einfühlsamer Mensch, den man am liebsten zu einer guten (und schnellen) Entscheidung bewegen würde. Seine ausdruckslosen Blicke veranlassen den Zuschauer aber weniger dazu, dass er einem leidtut - viel eher möchte man ihn vor sich hertreiben und ihm zu rufen "Jetzt mach doch endlich!". Und dann ist da noch die Meerjungfrau selbst, eine wütende Sirene des Meeres, die mehr Fisch als Frau ist. Ja, man merkt, dass etwas Humanoides in ihrer DNA steckt, aber sie ist geradezu monströs, geschwollen und vernarbt, erinnert fast an Frankensteins Monster, ist aber mit Schuppen bedeckt. Das alles ist praktisch umgesetzt, sodass sie extrem real wirkt und tatsächlich Raum einnimmt, anstatt wie eine nachträglich erstellte digitale Kreation. Einer der wenigen Lichtblicke in diesem Streifen.

"Mermaid" ist trotz allem amüsant und versucht nie, sich vor der sengenden Sonne Floridas zu verstecken. Die Produktion und das Kostümbild unter der Leitung von Allie Leone und Sara Lukaszewski unterstreichen die unbestrittene Liebe und Sorgfalt, mit der der Film zum Leben erweckt wurde. Jedes Outfit ist das eines ewigen Strandgängers mit fließenden Hemden und Cargo-Shorts. Robert Patricks Ron hat die typischste Haut eines Sonnenanbeters (ledrig und braun gebrannt, mit Augen, die ein bisschen wie Arschlöcher aussehen). Cornack macht aus alle dem irgendetwas, das - zugegeben - manchmal urkomisch als auch herzzerreißend ist, während der Zuschauer Doug dabei zusieht, wie er versucht, das Richtige zu tun. Wäre er nicht so lahm und so nichtssagend, hätte das echt ein guter Film werden können. Aber so...

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork
Bad Grey/Candy Pictures/Pilot Moon Films

Montag, 30. März 2020

DuckTales The Movie: Treasure Of The Lost Lamp - DuckTales: Der Film: Jäger der verlorenen Lampe (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0099472/

Dagobert Duck, die beliebteste und reichste Ente der Welt, ist zusammen mit seinen cleveren Neffen Tick, Trick und Track, deren zauberhaften Freundin Webby und dem tollkühnen Quax auf der Suche nach dem größten Geheimnis des Morgenlandes - dem sagenumwobenen Schatz des Collie Baba. An ihre Fersen haben sich der Zauberer Merlock und seine Gehilfin Dijon geheftet, die den Ducks den gerade gefundenen Schatz wieder entreißen. Die fünf "Glücksritter" aus Entenhausen können lediglich Collie Babas legendäre Wunderlampe retten. Mit dem plötzlich befreiten Lampengeist Genie beginnt für die Ducks das unglaublichste Abenteuer ihres Lebens...

Fernsehen war lange unter der Würde von Disney, man war - völlig zurecht - stolz auf die Produktion der großen Kinofilme. In den 80ern änderte sich das jedoch, auch der Konzern musste einsehen, dass man mit billiger produzierten TV-Geschichte wie "Disneys Gummibärenbande" oder "DuckTales" eine ganze Menge Geld verdienen kann. Und wo Geld ist, da muss noch mehr sein. Also gründete man 1988 die Disney MovieToons, um ein Bindeglied herzustellen zwischen den alten Kinoproduktionen und den neuen fürs Fernsehen. Das erste Ergebnis, das 1990 in den Kinos gestartete "DuckTales: Der Jäger der verlorenen Lampe", liegt dann qualitativ auch irgendwo dazwischen. Mit den tatsächlichen Disney-Meisterwerken kann man es hier nicht aufnehmen, über TV-Niveau liegt die Zusammenarbeit mit dem französischen Disney-Studio dann aber doch. Es gibt hübsche Hintergründe, dazu mit der Pyramide und Dagoberts Anwesen zwei grundverschiedene Schauplätze, die Animationen sind zumindest in Ordnung.

Gesungen wird hier, anders als bei den meisten Filmen aus der 1989 mit "Arielle, die Meerjungfrau" gestarteten, sogenannten "Disney Renaissance" übrigens nicht. Stattdessen wird eine Mischung aus simplen Abenteuern im Stil von "Indiana Jones" und ebenfalls einfach gehaltenen Slapstickeinlagen geboten, wie man sie aus dem Samstagmorgenfernsehen so kennt. Während der erste Teil des Films auch erwachsenen Zuschauern etwas bietet, ist die Zeit mit dem Dschinn dann doch recht eindeutig auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten, das sich daran erfreut, wenn jeder erfüllte Wunsch zu neuem Chaos führt.

Über mangelndes Tempo kann man sich hier dann auch nicht beklagen, ständig passiert etwas, geht etwas zu Bruch, gibt es Verfolgungsjagden und ähnliches. Auf größere Überraschungen sollte man hierbei aber nicht hoffen, bis hin zu dem obligatorischen etwas rührseligen Ende folgt "DuckTales: Der Jäger der verlorenen Lampe" inhaltlich keinen wirklich abenteuerlichen Pfaden. Von den Kultbüchern von Carl Barks, die als Inspiration dienten, ist kaum mehr etwas zu spüren. Stattdessen hielt man sich an das, was die Serie zum Erfolg werden ließ - abgesehen davon, dass Bruchpilot Quax später leider keine wirkliche Rolle mehr spielt. Erfolgreich war der insgesamt nette und kurzweilige Film übrigens weniger, weshalb die geplanten weiteren "DuckTales"-Filme wieder gestrichen wurden, das später in DisneyToon Studios umbenannte Animationsstudio zudem dazu verdammt wurde, billige Fortsetzungen bekannter Disney-Klassiker zu produzieren ("Bambi 2", "Das Dschungelbuch 2", usw.), die es nur noch selten in die Kinos schafften und als DTV-Veröffentlichungen auf dem Grabbeltisch landeten.

Der Kinofilm zur beliebten Disneyserie sieht zwar etwas besser aus, hält sich ansonsten aber eng an deren Erfolgsrezept. Erwachsene werden sich eventuell noch an den simplen Abenteuereinlagen erfreuen, der Humor ist dann aber doch zu sehr auf ein jüngeres Zielpublikum zugeschnitten.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Disney+

Freitag, 21. Dezember 2018

Aquaman (2018)

https://www.imdb.com/title/tt1477834/

Aquaman (Jason Momoa), der mit bürgerlichem Namen Arthur Curry heißt, ist als Sohn seines menschlichen Vaters Tom Curry (Temuera Morrison) und seiner atlantischen Mutter Atlanna (Nicole Kidman) berechtigt, den Thron von Atlantis zu besteigen. Doch aktuell regiert sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) das Unterwasserkönigreich und dieser möchte auch die anderen sechs Königreiche der Meere um sich scharen, um gemeinsam einen Krieg gegen die Menschen an der Erdoberfläche zu führen, die seit vielen Jahren die Ozeane verschmutzen. Gemeinsam mit Mera (Amber Heard) macht sich Aquaman auf die Suche nach dem Dreizack des ersten Königs von Atlantis, der seinen Anspruch auf den Thron untermauern würde. Doch das kann Orm nicht zulassen und so hetzt er den beiden den Piraten David Kane alias Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II) auf den Hals, der mit Aquaman noch eine Rechnung zu begleichen hat...

"Aquaman" - der Hawkeye des DC-Universums, zumindest wird er mit diesem oft scherzhaft so verglichen. Ein gehasster und geliebter Superheld. Gleichermaßen. Und irgendwie eine Randerscheinung - so gemein das auch klingen mag. Und nun sein erster Solo-Film. Nachdem im letzten Jahr die "Justice League" den Aquaman recht schnell, überhastet und kaum logisch als Teil der Gerechtigkeitsliga einführte, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die Origin-Story nachgeschoben wurde. Doch genau hier liegt wieder einmal der Hase im Pfeffer. Origin-Stories sollte niemals nachgeschoben werden. Und das hat auch einen Grund: die meisten Zuschauer gehen nämlich mit einer gewissen Erwartungshaltung und einem Vorwissen aus dem Mash-up in diesen Streifen. Damit verbaut man sich Möglichkeiten der Entfaltung, weil irgendwo alles schon vordefiniert sein muss. Natürlich ist irgendwo klar, dass der Held (nahezu) immer als Sieger hervorgeht, hier ist der Weg das Ziel. Trotzdem ist die Vorgehensweise von DC/Warner nicht gerade sehr geschickt - um das mal vorsichtig auszudrücken.

Mit James Wan fand man immerhin einen erfahrenen Regisseur, der zwar ursprünglich aus dem Segment Horror-/Gruselfilm kommt, aber mit "Fast & Furious 7" bewiese, dass er auch Action kann.Und wie. Man stelle sich vor, jemand würde die größten Action-Sequenzen der letzten Jahrzehnte Hollywoods zusammenschneiden, was zu einem Brei aus "Tron: Legacy", "Avatar", "Clash Of The Titans", "Superman", "Jurassic Park" und "Gladiator" führte. Man stelle sich einen Film vor, in dem ein Oktopus ein Schlagzeugsolo bekommt und dies eben nicht zu den verrücktesten Momenten zählt. Willkommen bei "Aquaman", wo man anfangs schon keine Ahnung hat, was hier los ist, aber auch aus unerfindlichen Gründen nicht wegschauen kann. Und eigentlich ist "Aquaman" auch keine Origin-Story, sondern knüpft an "Justice League" an, um, gespickt mit vielen kleinen Rückblenden, zu erzählen, wie aus Arthur Curry der König von Atlantis wird.

Der Held ist der titelgebende Aquaman , bzw. sein Alter Ego Arthur Curry, ein reines Porträt eines Superhelden, der anfänglich noch mit seinem Vater in einer Bar herumhängt, über und über tätowiert, immer einen locker-flockigen Spruch auf den Lippen und irgendwie auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Zumindest sorgen seine Aussagen im Film teilweise für ungläubiges Kopfschütteln. Doch Schwamm drüber, denn das Mitglied der "Justice League" (was im Film glücklicherweise kaum erwähnt wird) muss ja erst einmal über sich hinauswachsen, die Welt retten und über wie unter Wasser kräftig aufräumen, damit Frieden herrscht. Jason Momoas Version des Arthur Curry wirkt, als wäre er gerade aufgestanden, zum Strand gefahren, auf dem Surfbrett über ein paar Wellen geritten und dann direkt zum Set gefahren - und komischerweise passt das wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Dabei ist Momoa kein wirklich guter Schauspieler. Er wirkt durch Präsenz, Physis und Aussehen. Dass er - ohne Frage - ein sympathischer Typ ist, spiegelt sich zwar in seinem Charakter wieder, und das hilft auch dem Film ungemein weiter. Trotzdem holpert er wieder etwas. Und das liegt auch am Aufbau. Denn gerade wenn der Film Hunger auf mehr macht, gibt es einen harten Cut und man befindet sich in einem ermüdenden und schier endlosen politischen Entscheidungsfindungsprozess in Atlantis.


Und auch one Gegenspieler geht es nicht. Und "Aquaman" hat gleich zwei davon. Patrick Wilsons' König Orm, Arthurs Halbbruder, schwebt mit seinem an einen Plesiosaurus erinnernden Kreatur (warum auch nicht?) durch die Tiefsee und will einen Krieg mit der Menschheit entfesseln. Er führt also einen U-Boot-Angriff auf Atlantis unter falscher Flagge durch - just in dem Moment, an dem sich die anderen Herrscher der Unterwasservölker gerade einig waren, dass ein krieg gegen die Menschen Unsinn wäre. Gutes Timing. Allein dies könnte einen anderen Helden auf eine filmlange Suche führen, um die Unschuld der Menschheit zu beweisen, aber hier wird es kaum noch erwähnt. Es ist einfach wie es ist und Arthur Curry muss diesem Möchtegern-König das Handwerk legen - und dann schwimmen ja noch größere, *hüstel*, Fische im Teich.

Also befinden wir uns auf zwei parallelen, aber gleichermaßen knackigen Quests. Orm muss sein Königreich Atlantis mit den Armeen aus Dolph Lundgrens Seepferdchen, Djimon Hounsous Meermännern und Brian Blessed's Krabbenviechern zu vereinen. In der Zwischenzeit muss Arthur in feinster "Tomb Raider"-Manier dem mystischen Geheimnis hinterher jagen, um den verborgenen Dreizack von Atlantis zu finden, um sich damit den Thron als rechtmäßiger Erbe zu verdienen und den Krieg zu beenden. Seine vorwiegend menschliche Erziehung bedeutet auch, dass er nach dem Verschwinden seiner Mutter Atlanna (Nicole Kidman) erst einmal wieder mit dem Wasser und seiner wahren Natur auseinandersetzen muss. Um diesen Quests noch ein wenig Orientierung, Witz und Sinn zu verleihen, verlässt sich Arthur ausschließlich auf seinen Sidekick Mera, gespielt von Amber Heard, die wie der Cosplayer der kleinen Meerjungfrau Arielle aussieht und seinen Dreh- und Angelpunkt darstellt.


Die Handlung ist damit und ehrlich gesagt ein reines Chaos, dazu übertrieben kompliziert und trotzdem vorhersehbar. Was den Film passiv unterhaltsam macht, ist, dass Regisseur James Wan erstaunlich viel Action und unglaublich geile Szenen auf die Leinwand wirft und vieles davon bleibt als "Wow, cool!" tatsächlich im Gedächtnis haften. Es ist diese Art an Unterhaltung, die hervortritt, wenn man etwas so unverschämt Übertriebenes sieht, wie ein Milchlastwagen, der unter Wasser explodiert. Gerade wenn man glaubt, man hätte alles gesehen, setzt Wan noch einen drauf und etwas noch bizzareres passiert. Allein der Angriff der Trench ist so fetzig und voller wuchtiger Bildgewalt, dass man glaubt es geht nicht mehr, nur um dann zu sehen, wie ein riesiges Monster, dass aus einem der "Godzilla"-Film entsprungen sein könnte, in der finalen Schlacht unter allen Parteien aufräumt oder eine Schlacht auf dem Meeresboden, die mehr an "Star Wars" erinnert, als an irgendetwas anderes. Fernab davon haben es die Amerikaner mit Geografie offenbar nicht so, denn an welchen Orten einzelne Szenen stattfinden (und vor allem innerhalb welchen Zeitraums), kann einfach nicht stimmen. Aber auch hier: Schwamm drüber.


Denn das ist alles so quietschbunt und atemlos, dass es erstaunlicherweise von vorn bis hinten Spaß macht. Trotz völliger Überlagerung der Szenerie, des Chaos und dem CGI-Overkill, schafft Wan es, den Zuschauer über die zweieinhalb Stunden Laufzeit bestens zu unterhalten. Der Soundtrack von Harry Gregson-Williams ist ungewohnt elektrolastig (auch für einen Superheldenfilm) und erinnert über kleine Strecken immer mal wieder an die Klänge von Daft Punk aus "Tron: Legacy". Dafür ist das von Pitbull gecoverte "Africa" (Original von Toto) wohl nur im Film, um diese grausame Verstümmelung von Liedgut zu promoten. Es passt sogar irgendwie rein, will aber nicht fetzen.

Natürlich nimmt Momoa jeden Zentimeter Raum ein, den ihm der Film gibt, und legt nochmal eine ganze Schippe auf seinen sowieso schon schelmischen Charme. Es ist wie es ist: Wan ist ein ausreichend begabter Action-Regisseur, der nicht nur mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt, sondern auch weiß, wie man diesen regelmäßig überraschen kann. Letztlich ist zwar alles zu viel und wer nach diesem Film eine Ruhepause mit Ambientmusik in einem dunklen Zimmer braucht, dem sei gesagt: er ist nicht allein, aber "Aquaman" ist nach "Wonder Woman" endlich mal wieder eine fetzige Comic-Verfilmung. Und die Post-Credit-Sequenz legt den Grundstein für eine weitere Verfilmung mit dem Aquaman. Und warum auch nicht? Wenn es läuft...

8/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment kommt der Film auch als "Limited 2-Disc-Edition" mit Ultra HD Blu-ray und Blu-ray im Steelbook.


Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.