Mittwoch, 18. Februar 2026

Salem’s Lot - Brennen muss Salem (1979)

https://www.imdb.com/title/tt0079844/

Der Schriftsteller Ben Mears (David Soul) kehrt in seine alte Heimatstadt Salem's Lot zurück, in der seine Kindheit verbracht hat, um dort in Ruhe an seinem neuen Roman zu schreiben. Über der Stadt liegt auf einem Hügel das mysteriöse Marsten-Haus, in das sich ein gewisser Richard Striker (James Mason) und der unheimliche Kurt Barlow (Reggie Nalder) einquartiert haben. Gemeinsam betreiben sie ein Antiquitätengeschäft in Salem's Lot. Ben interessiert sich zunehmend für die beiden Neulinge, da in der Kleinstadt schon bald merkwürdige Dinge vor sich gehen. So verschwinden immer mehr Menschen und werden später mit merkwürdigen Spuren am Hals tot aufgefunden oder tauchen plötzlich wieder mit verändertem Gemütszustand auf. Schon bald scheint die Stadt wie ausgestorben und Ben plant mit seinem Gefährten Mark Petrie (Lance Kerwin), dem Schrecken ein Ende zu bereiten.

"Brennen muss Salem" ist eine jener Verfilmungen, die weniger wie ein Film als wie ein langsamer, schleichender Albtraum wirken. Tobe Hooper verwandelt Stephen Kings gleichnamigen Roman in ein zweiteiliges Fernsehereignis (ähnlich wie später Tommy Lee Wallace mit "Es"), das nicht auf Schockeffekte setzt, sondern auf das beharrliche Einsickern des Bösen in eine Kleinstadt, deren Normalität schon bald nur noch wie ein dünner Vorhang vor dem Unheimlichen wirkt. Die größte Stärke dieser Adaption liegt in ihrer Atmosphäre. Hooper versteht, dass Vampirgeschichten nicht nur von Zähnen und Blut leben, sondern von Nachbarschaften, Vorhängen, schmalen Gassen und dem Gefühl, dass das Vertraute plötzlich aufhört, sicher zu sein. Das Haus der Marsten, die nächtlichen Straßen, die langsam leerer werdenden Wohnungen - all das wird mit einer geduldigen, fast unheilvollen Ruhe erzählt. Statt hastiger Schreckmomente bekommt man hier ein stetig wachsendes Unbehagen, und genau deshalb bleiben einzelne Bilder so hartnäckig im Kopf hängen.

Besonders wichtig ist dabei die Figur des Bösen selbst. Der Vampir Kurt Barlow (gespielt von Reggie Nalder) wird nicht als glänzender Verführer, sondern als fremdartige, fast mythische Bedrohung inszeniert, und in Kombination mit Richard Strakers (gespielt von James Mason) unheimlicher Gelassenheit entsteht ein Gefühl von altem, hartnäckigem Verfall. Das ist keine elegante, romantische Vampirgeschichte, sondern eine über das Eindringen von Verderbnis in eine Gemeinschaft, die viel zu lange geglaubt hat, sie könne sich mit Gewohnheit schützen. Gleichzeitig hat "Brennen muss Salem" auch die typischen Grenzen des Fernsehformats seiner Zeit. Manche Passagen wirken heute etwas behäbig, und nicht jede Nebenfigur bekommt die Tiefe, die der Stoff verdient hätte. Trotzdem ist gerade diese Langsamkeit Teil seines Charmes: Der Film lässt die Bedrohung wachsen, anstatt sie zu erklären. Und wenn am Ende die Nacht wirklich über die Stadt fällt, dann fühlt man, dass hier nicht einfach ein Monsterfilm, sondern ein kleines, schauriges, blutdürstiges Volksstück erzählt wurde. 

"Brennen muss Salem" ist ein Film, der weniger wegen seiner Effekte als wegen seiner Stimmung funktioniert. Er will nicht ständig schreien, sondern unter der Haut sitzen. Und genau deshalb hat "Brennen muss Salem" von 1979 bis heute etwas von einem Musterbeispiel: Er zeigt, wie effektiv Horror sein kann, wenn er nicht hastet, sondern sich Zeit nimmt (und das tut er mit 183 Minuten durchaus), das Dunkel in die Räume zu stellen. 

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

Sonntag, 15. Februar 2026

I Am Legend (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0480249/

Robert Neville (Will Smith) ist der letzte lebende Mensch, nachdem ein vermeintliches Wundermittel nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Der Großteil der Infizierten ist gestorben, eine Minderheit zu lichtscheuen, instinktgesteuerten Kreaturen mutiert. Robert lebt nun also im verlassenen New York, bei ihm nur sein sein treuer Schäferhund Sam. Tagsüber streift der Militärwissenschaftler durch die Gegend, macht Jagd auf Antilopen und sendet Funksprüche in der Hoffnung, andere Überlebende zu erreichen. Nachts verbarrikadiert er sich in seinem Nobelheim vor den Monstern draußen und arbeitet mit seinen bissigen Laborratten an einem Impfstoff. Als Robert jedoch das Alpha-Weibchen (Joanna Numata) der Zombie-Vampire zu Forschungszwecken einfängt, entwickeln die Kreaturen unter der Führung des Alpha-Männchens (Dash Mihok) plötzlich eine Form von Intelligenz und greifen härter an als jemals zuvor...

Größe liegt manchmal doch in der Reduktion: in einem Mann, einem Hund und einer entvölkerten Stadt, die langsam zu einer Art seelischem Spiegel wird. Francis Lawrence inszeniert mit dem Remake "I Am Legend" Will Smith nicht als Actionfigur, sondern als letzten Zuschauer einer Welt, die sich selbst aus dem Programm genommen hat - und genau darin liegt die besondere Wucht dieses Films. Als Virologe Robert Neville streift Smith durch ein überwuchertes New York, jagt Rehe auf der Fifth Avenue und grüßt Schaufensterpuppen wie Stammgäste in einer Bar; jede Routinehandlung ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Selbsttherapie. Die Szenen, in denen er mit seiner Hündin Sam spricht, sind der emotionale Kern des Films - in ihrem Fell liegt mehr Menschlichkeit als in allen flashbackartigen Erinnerungen an die untergegangene Zivilisation. 

Die wahre zweite Hauptfigur ist New York. Eine Stadt, die von Gras überwuchert, von Wildtieren durchstreift und von Plakaten einer untergegangenen Konsumkultur gesäumt ist. Die Produktion investierte Millionen in die Sperrung und Inszenierung der Brooklyn Bridge und anderer Schauplätze, um einen glaubhaft vernarbten Schauplatz der Apokalypse zu schaffen - ein Aufwand, der sich in jeder Totale auszahlt. Wenn Löwen durch Manhattan ziehen und Autos wie Fossilien in der Straße stecken bleiben, dann wirkt das nicht wie Effektgier, sondern wie eine stille Chronik des Verschwindens. Die Infizierten - hier eher vampirische "Darkseekers" als klassische Zombies - sind weniger Monster als physisch gewordene Fehlkonstruktionen eines zu optimistischen Fortschrittsglaubens. Der von Menschen erfundene Virus, ursprünglich als Heilmittel gedacht, hat die Menschheit dezimiert und eine neue, aggressive Spezies geschaffen, gegen die Neville um ein Gegenmittel ringt; seine Forschungslabore voller Versuchskörper sind wie ein Schuldarchiv der modernen Wissenschaft. Der Film spielt geschickt mit religiösen und moralischen Untertönen - vom verfremdeten Michelangelo‑Motiv auf einem Poster bis zum Bob‑Marley‑Monolog über das "Licht in der Dunkelheit", der Neville als jemanden zeigt, der seinen verlorenen Glauben durch Arbeit ersetzt. 

"I Am Legend" ist ein teurer, effektverstärkter Studioblockbuster, aber seine stärksten Momente sind die leisesten: ein Mann, der in einer Videothek überlegt, ob er einer Puppe endlich seinen Namen sagen soll; ein improvisiertes Abendessen mit imaginären Gästen; eine Trance vor einem alten "Shrek"-Dialog, den Neville auswendig mitspricht, um sich zu vergewissern, dass Sprache noch existiert. Die Actionsequenzen - die Angriffe der Darkseekers, das Belagerungsszenario im Haus, die Flucht‑Rückblenden - liefern die erwartete Spannung, aber sie funktionieren vor allem, weil der Film zuvor die Stille so sorgfältig gebaut hat. Man kann nun über den letzten Akt streiten, über das Ausmaß der CGI‑Monster und über die Frage, ob der Film den radikal ambivalenten Kern von Richard Mathesons Romanvorlage entschärft. Aber selbst dort, wo er konventioneller wird, bleibt er getragen von der Grundidee: einem Mann, der beweisen will, dass die Menschheit mehr ist als ihr Fehlversuch im Labor - und der dabei vielleicht selbst zur Legende wird, weniger als Held denn als letzte, hartnäckige Erinnerung an das, was wir hätten sein können. "I Am Legend" ist damit zwar kein unerreichbares Meisterwerk, aber doch einer jener Genrefilme, die lange nachwirken, nicht wegen ihres Lärms, sondern wegen der Einsamkeit zwischen zwei Herzschlägen in einer leeren Stadt.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Village Roadshow Pictures/Weed Road Pictures/Heyday Films/Original Film/Overbrook Entertainment

Freitag, 13. Februar 2026

지구를 지켜라! - Save The Green Planet! (2003)


Byeong-Gu (Shin Ha-Kyun) ist der festen Überzeugung, dass die Aliens schon längst die Erde erobert haben und unter uns leben. Kurzerhand kidnappt er einen der nichtsahnenden südkoreanischen Industriellen, die wegen ihrer Menschenmisshandlungen einfach Aliens sein müssen und planen, die Erde zu vernichten. Byeong-Gus Freundin hilft ihm, zweifelt aber langsam an seinen Geschichten, als er anfängt, einen isolierten Kellerposten zu errichten, um von dort aus die "Wahrheit" ans Licht zu bringen. Kann es sein, dass seine schreckliche Kindheit ihn traumatisiert hat? 

"Save The Green Planet!" ist einer jener wilden, genreübergreifenden Filme, die aus dem Nichts kommen und einen mit ihrer absurden Energie in den Bann schlagen - ein südkoreanisches Debüt, das 2003 mit Sci-Fi, Horror, Komödie und Thriller jongliert, als gäbe es kein Morgen. Lee Byeong-gu (Shin Ha-Kyun), ein paranoider Verschwörungstheoretiker mit traumatischer Kindheit, entführt Kang Man-shik (Baek Yoon-sik), einen Pharma-Manager, den er für den Kommandanten der Andromedaner hält, die die Erde zerstören wollen. Im Keller seines Verstecks foltert er Kang mit skurrilen Methoden - von Kopf rasieren gegen Telepathie bis zu Abschrubben mit einem Peeling-Handschuh -, während seine kindliche Zirkusliebste Su-ni (Hwang Jeong-min) hilft und die Polizei nachforscht. Die Story enthüllt schrittweise Byeong-gus Hintergrund: ein misshandeltes Kind, gewalttätige Schule, die Vergiftung seiner Mutter durch Kangs Firma - was Paranoia und Rache zu einer einzigen, verzerrten Wahrheit verschmilzt. Der Höhepunkt spielt sich in Kangs Fabrik ab, wo Rollen kippen und die Frage nach Realität und Wahn eskaliert, bis zu einem nihilistischen Twist, der den Zuschauer mit offenen Fragen zurücklässt. Es ist kein linearer Plot, sondern ein chaotisches Mosaik, das wie ein Bong Joon-ho-Vorläufer wirkt - voll mit Schocks, Slapstick und sozialer Satire.

2003, im Jahr von "Oldboy" und "Memories Of Murder", markierte Jang Joon-hwans Debüt den Aufstieg der Koreanischen New Wave: ein Low-Budget-Werk, das Hollywood-Klischees mit koreanischer Gesellschaftskritik vermengt - Korruption, Umweltzerstörung, mentale Gesundheit. Der Film floppte an den Kassen, wurde aber bald zum Kult durch seine innovative Hybridform mit seinem hypnotischen Blaustich, der kühnen Montage und wie er Unterhaltung mit Tiefe verbindet, ohne je prätentiös zu werden. Shin Ha-kyun als Byeong-gu ist ein Tornado aus Manie und Verletzlichkeit - ein Mann, der lacht, während er foltert, und weint, wenn seine Wahnvorstellungen bröckeln. Baek Yun-shik als Kang balanciert Arroganz und Mitgefühl; er ist nicht das Monster, das man erwarten würde, sondern ein Spiegel für Byeong-gus Abgründe. Su-ni (Hwang Jung-min) bringt kindliche Unschuld in den Wahnsinn, was den Film irgendwie emotional erdet. Jang dreht mit visueller Erfindungskraft - blaue Töne für Paranoia, cartoonhafte Gore für Komik -, die den Film zu einer einzigartigen Seherfahrung macht, denn unter der Absurdität pulsiert ein menschliches Herz, das über Fanatismus und Realität nachdenken lässt. Man lacht, ekelt sich, staunt - und geht aus dem Film mit dem Gefühl, dass manchmal die Spinner die Einzigen sind, die die Welt wirklich sehen. "Save The Green Planet!" ist definitiv kein Film für Jedermann, sondern für jene, die das Chaotische lieben - ein früher Beweis, dass koreanisches Kino irgendwann die Welt erobern würde. 

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Sidus Pictures

Donnerstag, 12. Februar 2026

The Life Of Chuck (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt12908150/

In einer amerikanischen Kleinstadt lebt Charles "Chuck" Krantz (Tom Hiddleston), ein gewöhnlicher Buchhalter, dessen Gesicht aus Werbung und Fernsehen bekannt ist. Während die Welt außerhalb von Naturkatastrophen und technologischen Zusammenbrüchen erschüttert wird, bleibt in der Stadt vor allem eines bestehen: eine tiefe Dankbarkeit gegenüber Chuck. Doch wer ist dieser Mann, den niemand wirklich zu kennen scheint? Die Spur führt in seine Kindheit, zu seiner Großmutter (Mia Sara), die ihm ihre Leidenschaft für das Tanzen vermittelte, und zu seinem Großvater (Mark Hamill), der ihm nicht nur das Handwerk der Buchhaltung beibrachte, sondern auch ein Geheimnis rund um eine verschlossene Dachkammer hütete. Die Geschichte wirft eine zentrale Frage auf: Kann das Leben eines Einzelnen den Verlauf der ganzen Welt beeinflussen?

"The Life Of Chuck" ist einer dieser seltenen Stephen‑King‑Filme, die nicht in den Abgrund, sondern ins Licht blicken - und Regisseur Mike Flanagan, der ein angeborenes Talent für King-Verfilmungen zu haben scheint, inszeniert ihn mit einer Zärtlichkeit, die anmutet, als hätte ein Horrorregisseur beschlossen, seinen eigenen Abschiedsbrief an das Leben zu drehen. Flanagan erzählt Chucks Leben rückwärts: von einem sterbenden Mann im Krankenhaus zurück zu einem Jungen, der in einem alten Haus aufwächst und im Dachboden buchstäblich seine eigene Sterblichkeit erblickt. Die erste Episode - eine Welt, die sich merklich auflöst, während überall rätselhafte "Danke, Chuck!"-Botschaften auftauchen - beginnt wie eine leise Apokalypse und endet als Offenbarung, dass das Ende des Universums nichts anderes ist als das Erlöschen eines individuellen Bewusstseins. Der Mittelteil, "Lang lebe die Straßenmusik", ist ein Stück reines Lebensglück: ein Banker, der auf offener Straße zu den Beats einer Straßenmusikerin zu tanzen beginnt, als hätte er plötzlich verstanden, dass jeder Tag eine letzte Chance sein könnte. Und im letzten Akt, "Ich enthalte Vielheiten", verdichtet sich alles: das Kind, das seine Eltern verliert, der Großvater, der trinkt, die Großmutter, die ihm das Tanzen und die Vorstellung vermittelt, dass ein Mensch viele Widersprüche in sich tragen darf. Und am Ende, dem eigentlich Beginn der Geschichte, begreifen wir, was Flanagan in Interviews über King sagt: Horror ist bei King nur die Verpackung - im Kern schreibt er über Liebe und Menschlichkeit, und genau das destilliert dieser Film in seine reinste Form.

Tom Hiddleston spielt Chuck als gewöhnlichen Mann, der sich anfühlt wie jemand, den man kennt, vielleicht wie der stille Kollege im Großraumbüro, dem man nie eine ganze Filmhandlung zugetraut hätte. Er verzichtet auf große Gesten, seine Präsenz besteht aus Blicken, kleinen Zögern, einem Lächeln, das immer ein bisschen so aussieht, als würde er sich gerade von etwas verabschieden. In den jüngeren Versionen von Chuck - verkörpert von Jacob Tremblay und Benjamin Pajak - erkennt man dieselbe Mischung aus Schüchternheit und innerer Glut; es ist, als würden drei Schauspieler gemeinsam eine einzige, brüchige Seele spielen. Chiwetel Ejiofor als Marty, der Lehrer im kollabierenden Universum, trägt den Eröffnungsteil mit einer ruhigen Verzweiflung, die nie in Hysterie kippt; er ist unsere Identifikationsfigur, die sich fragt, wer dieser Chuck eigentlich ist, während überall sein Gesicht auftaucht. Mark Hamill als Großvater Albie ist ein kleines Wunder: ein Mann, der seinen Schmerz in Zynismus und Alkohol ertränkt, und doch in jeder Szene verrät, dass er seinen Enkel mehr liebt, als er sich selbst erlaubt. Die Nebenfiguren - von Karen Gillan bis zu den wiederkehrenden Flanagan‑Stammschauspielern - haben oft nur wenige Szenen, aber genau jene Schärfe, die King‑Figuren auszeichnet: mit wenigen Strichen so lebendig, dass man das Gefühl hat, sie schon lange zu kennen. 

"The Life Of Chuck" ist strukturell wagemutig: Drei Akte, rückwärts montiert, die vom kosmischen Maßstab der Vernichtung zum intimen Blick auf ein Kinderzimmer schrumpfen. Was auf dem Papier nach intellektueller Spielerei klingt, erweist sich filmisch als emotionaler Sog - der Film beginnt als Endzeitdrama und verwandelt sich langsam in etwas, das beschwingt und oft wunderbar wirkt, sowie lebensbejahend; ein Werk, das sich seinen Pessimismus erlaubt, ohne seine letztendliche Zuversicht zu verraten. Flanagan arbeitet hier mit derselben Sorgfalt wie in seinen Horrorgeschichten, nur verschiebt er das Gewicht: Statt Schreckmomenten gibt es eine fast Spielberg'sche Verwunderung über das Alltägliche - eine Mall‑Tanzszene, ein stilles Familiengespräch, ein Blick in den Sternenhimmel. Der deutsche Synchronsprecher Tom Vogt (im Original Nick Offerman) legt seine Stimme so einnehmend und warm wie eine Decke über den Film und erinnert an die lyrische Prosa der Vorlage, ohne je sentimental zu werden. Wenn am Ende klar wird, dass all diese Episoden nur Funken in einem einzigen Menschenleben sind, trifft der Film weniger wie ein Schlag, sondern wie ein stilles Begreifen: Es reicht, wenn wir unsere 39 Jahre gut nutzen. 

Auf dem Papier wirkt "The Life Of Chuck" wie ein Ausreißer in Kings Bibliographie, doch Flanagan betont, dass der Autor schon immer über Mitgefühl geschrieben habe - der Horror sei nur der Rahmen. Der Film bleibt der Struktur der Novelle treu, indem er diese drei Stationen eines Lebens nicht als klassische Biografie erzählt, sondern als Mosaik, das sich erst aus der Distanz erschließt. Die Nostalgie, die amerikanischen Alltagsdetails, der leise Absurditäts‑Faktor - all das markiert den Stoff unübersehbar als King, nur eben ohne Clown, Dämon oder Overlook‑Hotel. Es ist, als hätten King und Flanagan gemeinsam beschlossen, einmal ganz ohne Schrecken zu zeigen, was ihre Geschichten im Innersten immer verhandeln: wie zerbrechlich der Mensch ist  sind - und wie wunderbar. "The Life Of Chuck" ist kein Film, der laut um Aufmerksamkeit schreit; er ist einer, der bleibt. Man schließt den Film nicht mit dem Drang, sich umzusehen, ob etwas im Schatten lauert, sondern mit dem Wunsch, jemanden anzurufen, mit dem man lange nicht mehr gesprochen hat. In der Karriere von Mike Flanagan wirkt dieser Film wie ein Wendepunkt: weniger als Horrorregisseur, mehr als Chronist der menschlichen Fähigkeit, Sinn zu finden - selbst im Angesicht des Nichts. Es gibt ja auch viele Filme, die den Zuschauer berühren und "The Life Of Chuck" ist genau das: eine zweistündige Erinnerung daran, dass jedes Leben - auch ein unscheinbares - ein eigenes Universum ist, dessen Ende ein kleines Big Bang in umgekehrter Richtung bedeutet.

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Intrepid Pictures/Red Room Pictures

Cobra Kai, Season 06 (2025)


Die Handlung von Cobra Kai setzt 34 Jahren nach den Geschehnissen des ersten Karate Kid-Films ein. Daniel LaRusso (Ralph Maccio) hat eine steile Karriere hingelegt und schwimmt gerade auf einer Welle des Erfolgs. Für seinen einstigen Rivalen Johnny Lawrence (William Zabka) sieht die Welt dafür ganz anders aus. Geplagt von Schuldgefühlen eröffnet er das Cobra Kai wieder. Früher oder später treffen die alten Kontrahenten erneut aufeinander. Dieses Mal soll sich in ihrer Beziehung jedoch alles verändern. Beide Männer müssen lernen, die Dämonen vergangener Tage zu adressieren, um aus ihren Fehlern zu lernen. Nur so können sie in Zukunft miteinander auskommen und ihre gemeinsame Leidenschaft, Karate, ausführen... 

6.1 Friedliche Zeiten im Tal (Peacetime In The Valley)
Nach dem Untergang von Cobra Kai bereiten sich die Schüler von Miyagi-Do und Eagle Fang auf das Sekai Taikai vor. Nach Meinungsverschiedenheiten über ihre Trainingsstile fordern Johnny und Chozen sich gegenseitig zum Kampf heraus. Daniel erfährt, dass Chozens Stolz verletzt wurde, als Terry Silver ihn hinterrücks erstach und Kumiko nicht auf seine Sprachnachrichten reagierte. Miguel versucht, die Spannungen zwischen Tory und Sam zu lösen, während Robby sich mit Kenny versöhnen will. Dabei trifft er auf Shawn, der ihm rät, Kenny in Ruhe zu lassen. Robby und Miguel stellen sich Shawn entgegen, während Tory und Sam vergeblich versuchen, Kenny zum Beitritt in ihr Dojo zu bewegen. Nachdem Johnny eine SMS erhalten hat, begibt er sich zum Coyote Creek, wo Stingray ihm rät, die Marke Cobra Kai zurückzuerobern, da Kreese und Silver tot sind. Am nächsten Morgen gibt Johnny nach und erklärt Daniel, dass Miyagi-Do das Recht hat, die Schüler im Sekai Taikai zu vertreten, er und Chozen aber trotzdem noch gegeneinander kämpfen werden. Nach einem Gespräch mit Shawn darüber, wie Silvers Lehren ihn verderben, tritt Kenny dem Miyagi-Do bei. Unterdessen betritt Kreese Kim Da-Euns Dojo und verkündet den Schülern die Rückkehr von Cobra Kai. - 7,5/10

6.2 Der Preis (The Prize)
Kreese schlägt Meister Kim Sun-Yung vor, sein Dojo als Vertreter von Cobra Kai im Sekai Taikai zu positionieren. Sun-Yung lehnt jedoch ab, nachdem Da-Euns vorherige Partnerschaft mit Silver gescheitert ist. Daraufhin willigt Sun-Yung ein, wenn Kreese zu einer abgelegenen Insel reist und dort in einer Höhle das alte Familienmesser Eunjangdo birgt. Kreese findet das Eunjangdo, wird aber von einer Albino-Kobra gebissen und hat daraufhin Halluzinationen von Silver und Johnny. Unterdessen entdeckt Miguel, dass Kyler von einer Studentenverbindung, die ihn nicht aufnehmen will, schikaniert wird. Mit der Hilfe von Miguel, Hawk, Demetri und Brucks gelingt es Kyler, die Verbindung auf ihrer Party zu besiegen und in eine andere aufgenommen zu werden. Nachdem die Wohnung der Diaz-Familie aufgrund verstopfter Abwasserrohre ein undichtes Dach hat, nimmt Johnny einen Verkäuferjob bei der LaRusso Auto Group an, um für ein neues Haus zu sparen. Nachdem Kreese seine inneren Dämonen besiegt und seine einzige Schwäche vernichtet hat, enthauptet er die Kobra und kehrt mit dem Eunjangdo und dem Kopf der toten Kobra zu Sun-Yung zurück, fest entschlossen, sich von niemandem von seinem Ziel abbringen zu lassen – nicht einmal von Johnny. - 8/10

6.3 Pyjamaparty (Sleeper)
Kreese übernimmt das Training im Kim-Dojo und konzentriert sich auf den Problemfall Kwon Jae-Sung, den er formt. In der Nacht, nachdem Kreese ihn dazu angehalten hat, seine Wut sinnvoll einzusetzen, besiegt Kwon Yoon Do-Jin, den besten Schüler des Dojos, im Kampf und reißt sich das Königskobra-Abzeichen als persönliches Souvenir ab, um seine Rolle als Anführer zu bekräftigen. Zurück in Amerika erfahren Johnny und Carmen, dass Carmen ein Mädchen erwartet, nachdem die Geschlechtsenthüllung Daniel mit rosa Farbe bespritzt hat. Im Haus der Miyagis entdecken Daniel, Amanda und Chozen eine unter dem Fußboden versteckte Truhe. Als sie diese öffnen, finden sie heraus, dass Mr. Miyagi Mitbesitzer eines Boxstudios war und angeblich 1947 nach China geflohen ist, nachdem er wegen Körperverletzung und Raub gesucht wurde. Nachdem Johnny bemerkt hat, dass die Freundschaft zwischen Sam und Tory sie im Training schwächt, lädt er sie zu einer Pyjamaparty zu Devon ein. Obwohl Johnnys Plan scheitert, geraten Sam und Tory plötzlich in einen Streit, bevor sie sich gegenseitig für ihr Fehlverhalten entschuldigen. Am nächsten Tag erfährt das Miyagi-Do-Dojo, dass das Sekai Taikai in Barcelona stattfinden wird und dass nur sechs Kämpfer jedes Dojo vertreten dürfen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt31076428/
6.4 Underdogs (Underdogs)
Um die sechs Kämpfer zu bestimmen, die Miyagi-Do im Sekai Taikai vertreten sollen, holen Daniel und Johnny Mike Barnes ins Boot, um für faire Bedingungen zu sorgen. Barnes wählt Hawk, Robby, Miguel, Sam, Tory, Mitch, Kenny, Nate, Chris, Demetri, Devon und Anthony für die zweite Ausscheidungsrunde aus. Am nächsten Tag treten die besten Zwölf in einem Battle Royale gegeneinander an, bei dem jeder Schüler einem anderen die Flagge abnehmen muss. Tory, Robby, Sam und Miguel kommen sofort weiter. Anthony zweifelt an sich, nachdem er im Battle Royale von Kenny eine blutige Nase abbekommen hat und ausgeschieden ist. Johnny konfrontiert Barnes, als er erfährt, dass Devon es nicht geschafft hat. Am nächsten Morgen lässt Barnes Hawk, Demetri, Kenny und Devon durch den Wald laufen und zwei Flaggen erobern, um die endgültige Aufstellung zu bestimmen. Devon erobert die erste Flagge, nachdem Kenny plötzlich Durchfall bekommt, während Demetri Hawk besiegt und sich so einen Platz im Team sichert. Kenny beschuldigt Anthony, sein Wasser mit Mitchs Abführmittel versetzt zu haben, obwohl es in Wirklichkeit Devon war, während Daniel vermutet, dass Johnny daran beteiligt war, Devon in die Mannschaft zu bringen. - 8/10

6.5 Die Besten der Besten (Best Of The Best)
Auf dem Rückweg vom Medical Center trifft Tory auf Kreese, die sie davor warnt, Miyagi-Do zu vertrauen. Daniel und Johnny beschließen, Sam, Tory, Miguel und Robby gegeneinander antreten zu lassen, um die Plätze als Teamkapitäne zu sichern. Tory kehrt nach Hause zurück und erfährt, dass ihre Mutter an einer unentdeckten Lungenembolie gestorben ist. Am Wettkampftag besiegt Robby Miguel und wird Kapitän der Männer. Torys Anwesenheit hilft ihm, sich besser zu konzentrieren und den Rückstand, den Miguel mit zwei Punkten aufgeholt hat, aufzuholen. Während des Kampfes der Mädchen zeigt Tory Aggressivität und ist kurz davor, gegen Sam zum 2:2 auszugleichen, als Daniel eingreift. Bevor sie jedoch allen vom Tod ihrer Mutter erzählt, verlässt sie das Team und verliert den Platz als Kapitänin an Sam. Dieser Vorfall führt zu einem Streit zwischen Johnny und Daniel darüber, wie sie die Situation hätten handhaben sollen. Nach dem Turnier brechen sie im Streit zusammen und sprechen nie wieder miteinander, nachdem Daniel Johnny schlägt, weil dieser Mr. Miyagi wegen der Truhe der Geheimnisse beleidigt hat. Hawk wird ausgewählt, Torys Platz im Team einzunehmen, was Demetri etwas missfällt. Als Robby und Sam ihre Kapitänsstirnbänder erhalten, erkennt Daniel plötzlich ein ähnliches Stirnband von Mr. Miyagis Brust wieder und realisiert, dass sein Sensei ebenfalls als Teamkapitän im Sekai Taikai gekämpft hat und dass dessen Stirnband an den Enden blutbefleckt war. Dies lässt Daniel seine Überzeugungen hinterfragen. Das Miyagi-Do-Team reist zum Turnier nach Barcelona, ​​wo es – sehr zu Robbys Entsetzen – auf Kreese und Da-Euns neues Cobra Kai trifft, das Südkorea unter der Führung von Kwon und Tory vertritt. - 8,5/10

6.6 Benvinguts a Barcelona (Benvinguts A Barcelona)
Die Teams werden in Barcelona herzlich empfangen und haben am ersten Tag Zeit, die Stadt zu erkunden, bevor am nächsten Tag der Wettkampf beginnt. Robby versucht vergeblich, mit Tory über ihre Entscheidung, wieder Cobra Kai beizutreten, zu sprechen. Robby und Demetri verlieren ihre Hotelzimmer an Kwon, nachdem sie eine Wette verloren haben, und müssen sich ein Zimmer mit Miguel und Hawk teilen. Die Miyagi-Dos sind verärgert, als sie erfahren, dass Robby wusste, dass Kreese vor dem Tod ihrer Mutter mit Tory gesprochen hatte, und es ihnen verschwiegen hat. Tory bittet Robby um eine Auszeit; sie findet, es sei das Beste, da sie sich beide auf den Wettkampf konzentrieren müssen. Daniel und Johnny versuchen, sich mit den anderen Senseis und Sponsoren zu verstehen, doch die Situation spitzt sich zu, als Johnny beinahe mit einem anderen Gast, Wolf, aneinandergerät, der sich als Sensei des Hong Kong Dojos Iron Dragons entpuppt. Chozen kommt betrunken und enttäuscht an, nachdem er in Japan nach Kumiko gesucht hat, da er glaubt, sie sei mit einem anderen Mann liiert; sein Verhalten führt dazu, dass die drei hinausgeworfen werden. Am ersten Turniertag nehmen alle Teams am „Kapitänskrieg“ teil. Dabei treten jeweils vier Teams gleichzeitig auf der Matte an und müssen ihre Kapitäne beschützen, während sie versuchen, die Kapitäne der gegnerischen Teams auszuschalten. Miyagi-Do trifft auf Cobra Kai, die Iron Dragons und Falchi Della Notte. Robby lässt sich während des Wettkampfs ablenken und verliert gegen Kwon, wodurch Miyagi-Do die Runde verliert. Nachdem Falchi Della Notte ausgeschaltet ist, treten Tory, Kwon und Yoon gegen das letzte verbliebene Team an: die Iron Dragons, die noch alle sechs Mitglieder im Kampf haben. Die Kapitäne der Iron Dragons, Zara Malik und Axel Kovačević, treten allein gegen das Trio von Cobra Kai an und besiegen sie mühelos. - 7,5/10

6.7 Auf den Hund gekommen (Dog In The Fight)
Johnny und Daniel haben Schwierigkeiten, das Team zu motivieren, da Miyagi-Do beim zweiten Turnierwettbewerb schlecht abschneidet und dringend Punkte braucht, um nicht auszuscheiden. Daniel erhält eine Nachricht von Serrano, einem ehemaligen Teilnehmer des Sekai Taikai, der behauptet, Miyagi gekannt zu haben. Er beschließt, ihn an der angegebenen Adresse aufzusuchen, um Antworten zu erhalten. Dort wird er jedoch von Schlägern entführt, von denen einer ein Cobra-Kai-Tattoo auf dem Arm trägt. Dadurch verpasst er den nächsten Turnierwettbewerb, und Johnny muss das Team alleine trainieren. Die Spannungen zwischen Miguel und Robby verschärfen sich, als Miguel ihm vorwirft, seine Chance auf die Kapitänsrolle zu verspielen, da seine Probleme mit Tory seine Kämpfe deutlich beeinträchtigt haben. Er fordert Robby auf, entweder Verantwortung zu übernehmen oder die Kapitänsrolle abzugeben. Nach einem Streit im Umkleideraum wegen ihrer schlechten Leistung gesteht die reumütige Devon Johnny, dass sie beim Team-Ausscheidungskampf geschummelt und Kenny sabotiert hat. Er ermutigt sie jedoch, trotzdem ihr Bestes zu geben und verspricht, nichts zu verraten. Dank Miguels Sieg gegen zwei Kämpfer des Dublin Thunder Dojos kommt Miyagi-Do in die nächste Runde. Doch dann erhalten er und Johnny einen Anruf von Rosa, die ihnen mitteilt, dass Carmen Komplikationen in ihrer Schwangerschaft hat und im Krankenhaus ist. Daraufhin kehren sie kurzerhand nach Hause zurück. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt31076432/
6.8 Ein Flug mit Hindernissen (Snakes On A Plane)
Nach Miguels Abreise bittet Johnny Amanda, Kenny zu kontaktieren und ihn zu überzeugen, Miguel zu ersetzen. Kenny erklärt Amanda jedoch, dass er kein Interesse daran hat, Teil des Teams zu sein, da er immer noch glaubt, dass Anthony ihm die Abführmittel verabreicht hat. Miguel und Johnny streiten sich im Flugzeug, da Miguel Johnny vorwirft, ihn im Turnier nicht unterstützt zu haben. Zara wird eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die Tory von den anderen Teilnehmern erhält, und schläft mit Robby, nachdem dieser in einer Bar betrunken war. Tory beobachtet am nächsten Morgen einen Kuss zwischen den beiden. Amanda lässt Anthony versuchen, sich bei Kenny zu entschuldigen, doch stattdessen geraten sie in Streit. Johnny entschuldigt sich bei Miguel, und sie versöhnen sich, nachdem Miguel einen nervigen Passagier geschlagen hat. Sam und Axel treffen sich am Strand, und er versucht, sie nach einem Streit mit Kwon und Yoon zu küssen, geht aber enttäuscht weg, als er erfährt, dass sie einen Freund hat. Yasmine trennt sich von Demetri, nachdem Hawk Moon angerufen und versehentlich Demetri beim Tanzen mit einem spanischen Mädchen in der Bar gezeigt hat. Um ihre Schuldgefühle zu lindern, nachdem Hawk frustriert darüber ist, dass Demetri sich weigert, die Verantwortung für sein Verhalten gegenüber Yasmine zu übernehmen, ruft Devon Kenny an und gesteht, dass sie ihm während des Team-Probetrainings Abführmittel in sein Getränk gemischt hat. Kenny versöhnt sich mit Anthony und nimmt die Reise nach Barcelona an. Johnny und Miguel erfahren, dass Carmens Probleme gelöst wurden, und sie fordert sie auf, nach Barcelona zurückzukehren und zu gewinnen. Chozen und Da-Eun haben eine sexuelle Begegnung und finden zusammen mit Daniel und Kreese heraus, dass Sensei Wolf und der Schläger, der Daniel entführt hat, beide für Terry Silver arbeiten. - 8/10

6.9 Bis aufs Blut (Blood In Blood Out)
Drei Monate vor dem Sekai Taikai taucht Silver in Bangkok unter, um einer Verhaftung zu entgehen. Nachdem sein Anwalt die Anklage fallen lassen konnte, heuert Silver Sensei Wolf an, indem er ihm verspricht, seine Schulden zu begleichen, wenn dieser ihm im Gegenzug das Dojo der Iron Dragons kauft und Miyagi-Do während des Sekai Taikai demütigt. In der Gegenwart stellt sich heraus, dass der Schläger, der Daniel entführt hat, Dennis De Guzmán ist, ein ehemaliger Handlanger von Mike Barnes. Johnny kehrt mit Miguel und Kenny, der Devon ersetzt, nach Barcelona zurück. Sie entschuldigt sich bei Kenny, und die beiden versöhnen sich. Hawk und Demetri misstrauen Kenny, da sie vermuten, dass er heimlich mit Silver zusammenarbeitet. Deshalb weigern sie sich, ihn beim nächsten Wettkampf einzusetzen, was zu ihrer Niederlage führt. Silver bietet Kenny einen Platz in seinem Dojo an, doch dieser lehnt ab und zeigt ihm den Mittelfinger, nachdem er Miyagi-Do zum Sieg beim nächsten Wettkampf verholfen hat, nachdem Robby ihn eingewechselt hat. Das Team feiert. Um Silver zu ärgern, beschließen Johnny und Chozen, Kreese zu provozieren, indem sie ihm sein Eunjangdo aus dem Spind stehlen und es durch einen Spa-Gutschein ersetzen, um Silver die Schuld in die Schuhe zu schieben. Daraufhin schlägt Kreese wütend auf Silver ein. Da-Eun beschuldigt Chozen des Diebstahls und warnt ihn, das Eunjangdo zurückzugeben, um Kreese vor noch größerem Wahnsinn zu bewahren. Miyagi-Do trifft in der zweiten Ausscheidungsrunde auf Cobra Kai, und Tory konfrontiert Robby wegen dessen Affäre mit Zara. Er erfährt, dass Kwon ihn manipuliert und ihn glauben lassen hat, Tory habe Robby für Kwon verlassen. Im entscheidenden Punkt besiegt Robby Kwon, wodurch Miyagi-Do ins Turnier der Champions einzieht und Cobra Kai ausscheidet. Silver übergibt Daniel einen Umschlag mit Aufzeichnungen über Mr. Miyagis Teilnahme am Sekai Taikai, die belegen, dass er seinen Gegner während eines Kampfes getötet hat. Nachdem der rachsüchtige Kreese sein Eunjangdo wieder im Spind findet, erklärt er, dass die Sache erst vorbei ist, wenn er es sagt. - 8/10

6.10 Eunjangdo (Eunjangdo)
Daniel hat einen Albtraum, in dem er im Finale eines vergangenen Sekai Taikai gegen einen jüngeren Mr. Miyagi kämpft. Dieser behauptet, er habe Daniel nie alles über seine Vergangenheit erzählt, da er nie stark genug gewesen sei, die Wahrheit zu akzeptieren. Turnierdirektor Gunther Braun bestätigt Daniel, dass Silvers Informationen über Mr. Miyagi stimmen. Die Spannungen sind zum Greifen nah, als Cobra Kai nach ihrem Ausscheiden die Heimreise antreten will. Doch dann erhält das russische Dojo Tiger Strike, das sich für das Turnier der Champions qualifiziert hatte, eine zweite Chance, da vier seiner Schüler positiv auf Steroide getestet wurden. Das Turnier der Champions, in dem nur die Kapitäne der vier besten Teams – Miyagi-Do, Cobra Kai, Iron Dragons und Furia de Pantera – gegeneinander antreten, beginnt mit den Duellen Kwon gegen den männlichen Kapitän von Furia de Pantera, Zara gegen die weibliche Kapitänin, Robby gegen Axel und Tory und Sam gegeneinander. Kwon und Zara gewinnen ihre jeweiligen Kämpfe mühelos, wobei Kwons entscheidender K.o. Cobra Kai zusätzliche Punkte einbringt. Im Kampf zwischen Robby und Axel wird Robby jedoch von Axel in die Gruppe der Cobra-Kai-Schüler gestoßen, woraufhin Kwon ihm mit einem hinterhältigen Ellbogenstoß in die Rippen rammt. Als Miguel ihm zu Hilfe eilen will, wird er von Axel niedergeschlagen, der ihn beneidet, weil er Sams Freund ist. Gunther warnt alle Wettkämpfer, die Matten zu verlassen, wird aber selbst von Sensei Ivanov von Tiger Strike bewusstlos geschlagen. Dies entfacht eine Schlägerei zwischen allen Wettkämpfern und Senseis, in der Johnny und Daniel gegen Wolf antreten. Robby kämpft gegen fast alle Mitglieder von Cobra Kai, mit Ausnahme von Tory, der gegen Zara antritt. Miguel und Axel duellieren sich, und Sam, nachdem sie Dublin Thunder-Kapitän Cara besiegt hat, hilft Robby und Tory, mehrere Iron-Dragons-Schüler auszuschalten, die Zara unterstützen. Kreese greift Silver mit seinem Eunjangdo an, doch im Getümmel rutscht es ihm unter dem Gürtel hervor. Als er dies bemerkt, kämpft Kreese im Nahkampf gegen Silver. Der Kampf verläuft ausgeglichen, bis Silver sich versteckt und Kreese mit einem Überraschungsschlag niederstreckt. Silver übernimmt daraufhin die Oberhand und hat Kreese in Bedrängnis, bis Johnny eingreift und seinen ehemaligen Sensei rettet. Als Kwon Sam angreift, unterbricht Axel seinen Kampf mit Miguel und attackiert Kwon, indem er ihn gegen eine Kamera schleudert. Kwon bemerkt daraufhin das Eunjangdo, schnappt es sich und geht auf Axel los. Doch Axel wehrt seine Angriffe ab und tritt ihn in der Luft, wodurch Kwon auf das Messer stürzt und sich tödlich in die Brust sticht. Während alle schockiert und entsetzt zusehen, befiehlt Gunther, die Fernsehübertragung abzuschalten. - 8/10

6.11 Feuerprobe (Into The Fire)
Nach dem Vorfall beim Sekai Taikai findet in Südkorea eine Beerdigung für Kwon statt. Als sie das Training wieder aufnehmen, zwingt Sun-Yung Yoon, seine Teamkameraden brutal zu verprügeln. Zurück in der Heimat hat Robby Schwierigkeiten, einen Studienplatz zu bekommen, und Daniel ist von den Ereignissen in Barcelona verstört. Silver versucht, Gunther zur Wiederaufnahme des Sekai Taikai zu bewegen; Gunther willigt ein, sofern alle Senseis zustimmen. Johnny willigt ebenfalls ein, zum Sekai Taikai zurückzukehren, Daniel jedoch nicht. Kreese teilt Sun-Yung mit, dass Cobra Kai nicht zum Sekai Taikai zurückkehren wird. Silver spricht mit Johnny, um Daniel zur Rückkehr ins Turnier zu bewegen. Johnny beruft ein Treffen mit Daniel und Silver ein; Silver offenbart, dass er vor seinem Tod an seiner unheilbaren Krankheit noch einen Sieg erringen möchte, und Daniel willigt schließlich ein, erneut teilzunehmen. Da-Eun, die unbedingt Meisterin des Dojos werden will, tötet ihren Großvater und schwört, künftig friedlicher zu lehren. Kreese beschließt, ins Tal zurückzukehren, um noch offene Rechnungen zu begleichen. - 8/10

6.12 Verunsichert (Rattled)
Die Sekai Taikai hat zugestimmt, den Rest des Turniers im Tal auszutragen, wodurch Miyagi-Do einen Heimvorteil erhält. Hawk und Demetri entwickeln eine KI-Trainingssimulation, um Robby auf seinen Kampf gegen Axel vorzubereiten. Robby ist jedoch nach seiner Erfahrung gegen Axel in Barcelona noch immer verunsichert, bis Miguel ihm Mut zuspricht. Sam bietet Tory ihre Hilfe beim Training an und versucht gleichzeitig, sie zur Rückkehr ins Turnier zu bewegen. Sam gibt zu, dass sie UCLA ablehnen und stattdessen ein Jahr in Okinawa verbringen möchte. Als Chozen endlich eine Antwort von Kumiko erhält und diese ihm gesteht, dass sie ihn nur freundschaftlich liebt, nehmen Daniel und Amanda ihn mit auf einen Ausflug nach Ojai, um ihn mit Moons Mutter Winnie zu verkuppeln – was jedoch katastrophal endet. Johnny plant unterdessen einen Heiratsantrag für Carmen, wird aber von den einsetzenden Wehen unterbrochen. Schließlich heiraten sie spontan im Krankenhaus, die Trauung wird von Johnnys altem Freund Bobby vollzogen, bevor Carmen ihre Tochter Laura zur Welt bringt, die nach Johnnys Mutter benannt ist. - 8/10

6.13 Die Leichen im Keller (Skeletons)
Alle Dojos bereiten sich auf die Wiederaufnahme des Sekai Taikai vor, wobei Zweifel bestehen, ob alle Mitglieder von Cobra Kai anwesend sein werden. Kreese trifft sich mit Tory und erklärt ihr, dass er das Dojo nur neu registriert hat, damit sie gewinnen kann. Er entschuldigt sich für alles, was er ihr und Kwon angetan hat. Am Tag des Halbfinales der Männer versucht Kreese auch, sich bei Johnny zu entschuldigen, doch Johnny weist ihn zurück. Der Kampf zwischen Robby und Axel wird mit einer ausgeglichenen ersten Runde fortgesetzt. In der zweiten Runde findet Axel seinen Rhythmus und besiegt Robby mühelos. Daniel ermutigt Robby zum Sieg, doch Axel bricht Robbys Knie und zieht ins Finale ein. Sam zögert, gegen Tory anzutreten, und entscheidet sich schließlich dagegen. Daniel unterstützt diese Entscheidung. Er hatte einen Traum, in dem Mr. Miyagi ihn vor Skelett-Schlägern (ähnlich wie Johnny und seine Freunde von Cobra Kai) rettete und Daniel daran erinnerte, dass er ihm das Kämpfen beigebracht hatte, damit er nicht kämpfen muss. Nach Sams Rückzug zieht sich Miyagi-Do aus dem Turnier zurück, und Axel soll nach Kwons Ausscheiden zum Herrenmeister gekürt werden. Johnny und Kreese treffen nach ihrer turbulenten Vergangenheit wieder aufeinander und umarmen sich. Schließlich übernimmt Johnny die Führung von Cobra Kai zurück, mit Tory und Miguel (der Kwon ersetzt) ​​als Kapitäne, nachdem Kreese seinen Posten an Johnny abgibt – sehr zum Schock und Zorn von Wolf und Silver. - 8/10

6.14 Als Letzter angreifen (Strike Last)
Daniel kauft Johnny das alte Cobra Kai Dojo, damit dieser Miguel und Tory vor dem Sekai Taikai-Finale trainieren kann. Johnny rät Miguel, nach allem, was er durchgemacht hat, in erster Linie für sich selbst zu kämpfen. Im Finale will Cobra Kai den Punkterückstand zu den Iron Dragons verringern. Im ersten Finale, dem Frauenfinale, gewinnt Zara die erste Runde mühelos, nachdem sie Tory provoziert hat. Robby spricht mit Tory, und die beiden küssen sich. Dadurch konzentriert sich Tory und besiegt Zara mühelos durch K.o. Im Männerfinale gewinnt Miguel überraschend die erste Runde gegen Axel. Nach einem Gespräch mit Wolf besiegt er Miguel jedoch in der zweiten Runde und vergrößert so den Punkterückstand. Wolf fordert Axel auf, Miguel das Rückgrat zu brechen. Axel weigert sich, und Miguel gewinnt den Kampf. Angewidert von Wolfs Taktik tritt Axel aus den Iron Dragons aus. Nach dem Finale stehen Cobra Kai und die Iron Dragons gleichauf, und das Sieger-Dojo wird in einem Duell zwischen ihren Senseis ermittelt. Silver plant auf seiner Yacht und befiehlt Dennis, Carmen und ihre Tochter zu entführen. Dennis wird von Kreese getötet, und es kommt zum Kampf zwischen ihm und Silver, wobei ein Treibstoffbehälter umkippt. Silver überwältigt Kreese und beginnt, ihn zu würgen. Kreese kann jedoch die brennende Zigarre, die er fallen gelassen hat, aufgreifen und in den Treibstoff werfen. Die Yacht explodiert, und beide sterben. - 8/10

6.15 Verwahrlost war einmal (Ex Degenerate)
Johnny bereitet sich mit Daniel und Chozen auf seinen Kampf gegen Sensei Wolf vor. Daniel erklärt ihm, dass er, egal ob er gewinnt oder verliert, bereits eine Familie hat und im Leben schon gewonnen hat. Sie beginnen zu trainieren. Am Kampftag beschimpft Wolf Johnny in der Umkleidekabine. Johnny versucht, ihn zu schlagen, doch Wolf überwältigt ihn mühelos und lenkt ihn ab, indem er davon spricht, ihn und seine Familie zu besiegen. Vor dem Kampf versöhnen sich Demetri und Yasmine und kommen wieder zusammen. Im Kampf der Senseis dominiert Wolf Johnny zunächst und erzielt zwei Punkte, obwohl er illegale Techniken anwendet, die Johnny schwächen. Daniel hält Johnny eine Rede im Cobra-Kai-Stil, die ihm Selbstvertrauen gibt und ihn dazu bringt, sich Wolf zu stellen. Johnny und Wolf liefern sich einen Schlagabtausch, in dem Johnny den Siegpunkt erzielt und Cobra Kai zum Champion-Dojo des Sekai Taikai erklärt. Einige Zeit später zieht Johnny mit Carmen und Laura in ein neues Haus, während Miguel, Sam, Robby, Tory, Hawk und Demetri ihre jeweiligen Wege weitergehen. Chozen reist nach Korea, um Da-Eun wiederzusehen. Johnny und Daniel arbeiten als Senseis mit ihren Schülern zusammen, um sie gleichzeitig in Cobra Kai und Miyagi-Do zu trainieren. - 8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Dienstag, 10. Februar 2026

Speak No Evil (2024)


Natürlich kann die amerikanische Familie bei diesem Angebot einfach nicht widerstehen: Eine Familie aus Großbritannien, die sie erst kurz vorher im Urlaub kennengelernt und sich ziemlich gut mit ihnen angefreundet haben, lädt sie ein, gemeinsam übers Wochenende im Haus auf dem malerischen britischen Land zu entspannen. Doch von Entspannung kann schnell keine Rede mehr sein, als die Stimmung nach einem Vorfall kippt, sich menschliche Abgründe auftun und aus dem ländlichen Paradies ein albtraumhafter Ort wird…

Das Remake "Speak No Evil" zum gleichnamigen dänischen Film von 2022 ist ein hochprofessionell inszenierter, aber deutlich domestizierter Albtraum: ein Studio-Remake, das das Gift des dänischen Originals verdünnt, ohne seinen Nachgeschmack ganz zu verlieren. Diese Version folgt der amerikanischen Familie Dalton - Ben (Scoot McNairy), Louise (Mackenzie Davis) und Tochter Agnes -, die im Toskana-Urlaub ein scheinbar sympathisches britisches Paar kennenlernt: Paddy (James McAvoy) und Ciara (Aisling Franciosi) mit ihrem stummen Sohn Ant. Aus der Urlaubsbekanntschaft wird eine Einladung auf den abgelegenen Landsitz; dort beginnt eine langsame Verschiebung von kleinen Unhöflichkeiten zu offener Bedrohung, bis sich der Film im letzten Akt in einen klassischen Home-Invasion-Thriller verwandelt. Das Drehbuch fügt dem Gerüst des Originals ein paar Motive hinzu: Paddy und Ciara bekommen eine klar formulierte finanzielle Motivation, wodurch sie weniger wie abstrakte Inkarnationen des Bösen und mehr wie reale Täter mit greifbaren Zielen erscheinen. Zugleich rahmt der Film die Reise der Daltons stärker ein - etwa durch Bens berufliche Krise und die angespannte Ehe -, sodass ihre Entscheidung, die Einladung anzunehmen und zu bleiben, psychologisch plausibler wirkt.

Das Herzstück des Remakes ist James McAvoy als Paddy, ein Chamäleon aus jovialer Gastfreundschaft und latentem Sadismus, dessen Charme wie eine Hand wirkt, die sich langsam um den Hals des Gastes schließt. McAvoy spielt keinen Comic-Psychopathen, sondern einen Mann, der seine Gewalt in herablassender Männlichkeit badet; gerade die Szenen, in denen er Bens Unsicherheit ausnutzt, haben etwas unerbittlich Peinliches. Mackenzie Davis zeichnet Louise als moralischen Seismographen des Films: Sie spürt früh, dass etwas nicht stimmt, und verkörpert eine Mischung aus Fürsorge, Wut und Selbstanklage, wenn ihre Warnungen ignoriert werden. Scoot McNairy gibt Ben als passiven Mitläufer, der sich von Paddys Freiheit angezogen fühlt und dessen Unentschlossenheit zur stärksten Anklage des Films wird - weniger gegen das Böse, mehr gegen den Wunsch, Konflikte um jeden Preis zu vermeiden. Die Kinder, Agnes (Alix West Lefler) und der stumme Ant (Dan Hough), bekommen deutlich mehr Raum; ihr Misstrauen und ihre stille Allianz verleihen der Geschichte eine zusätzliche, melancholische Spannung.

Der dänische Film von Christian Tafdrup ist dennoch der bessere Film. Er ist ein wesentlich kälteres, grausameres Werk über Höflichkeit als Todesurteil: Das Paar Bjørn und Louise folgt einer niederländischen Familie in deren Landhaus, wo passive Aggression und entgrenzte Gastfreundschaft in eine der unerbittlichsten Schlusssequenzen des modernen Horrorkinos münden. Die Täter im Original - Patrick und Karin - bleiben fast metaphysische Figuren, eher Verkörperungen einer enthemmten, nihilistischen Bosheit als psychologisch erklärbare Menschen; ihr berüchtigter Satz "Weil du es zugelassen hast." schließt den Film wie ein eisiges moralisches Statement. Das Remake macht aus dieser fatalistischen Thesis eine eher konventionelle Genre-Argumentation: Die Bösewichte haben Motive, die Kinder werden zu aktiven Akteuren der Handlung, und das Ende schlägt einen deutlich weniger nihilistischen, beinahe optimistischen Ton an. Wo das Original seine Zuschauer mit der Frage entlässt, wie weit Höflichkeit und Konfliktvermeidung wirklich gehen würden, bietet die US-Version einen kathartischeren, actionbetonten Showdown, in dem das Böse nicht unantastbar bleibt.

Visuell wirkt das Remake glatter: größeres Budget, klarere Ausleuchtung, sorgfältig komponierte Bilder, in denen das Landhaus eher wie eine trügerische Idylle denn wie ein moralischer Abgrund erscheint. Der dänische Film hingegen benutzt seine eher nüchterne, manchmal unangenehm dunkle Bildgestaltung wie einen Schlag in den Magen - nichts wirkt stilisiert, alles fühlt sich wie eine feuchte, zu enge Ferienwohnung an, aus der es keinen höflichen Ausweg gibt. In diesem Sinne ist das Remake die deutlich Zuschauerfreundlicher Version der Geschichte. Sie erklärt ihre Figuren, sie erlaubt Wut und Widerstand, und sie schenkt dem Publikum ein Gefühl von Handlungsspielraum, das das Original bewusst verweigert. Dafür verliert sie etwas von jener gnadenlosen moralischen Klarheit, die Tafdrups Film so schwer verdaulich macht; der finale Satz ist dort ein Urteil über eine ganze Kultur, im Remake eher eine Genre-Zutat in einem ansonsten routiniert aufgebauten Finale. Als eigenständiger Film ist "Speak No Evil" ein stark gespielter, angespannt erzählter Thriller, getragen von McAvoys unheimlicher Präsenz und den stillen Verzweiflungstönen von Davis und McNairy. Im direkten Vergleich bleibt das dänische Original jedoch das unbequemerere, mutigere Werk - weniger unterhaltsam, viel unangenehmer, aber näher an jener Art von Kino, das nicht loslässt, weil es den Zuschauer nicht nur erschreckt, sondern auch anklagt.

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork

Primate (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt33028778/

Das erste Jahr am College ist geschafft! Lucy (Johnny Sequoyah) fährt deshalb zurück in die Heimat, um dort ihre Familie zu besuchen. Doch Entspannung und Harmonie sind Worte, die schnell kürzer treten müssen. Denn zu Lucys Familie gehört auch der Schimpanse Ben (Miguel Torres Umba). Und Ben hat sich mit dummerweise Tollwut infiziert. Aus dem eigentlich harmlosen Menschenaffen wird so schnell ein blutrünstiges Biest, das es auf Lucy, ihre Familie und ihre beste Freundin Hannah (Jessica Alexander) abgesehen hat. Alle springen in den Pool, weil sie glauben, dass Ben nicht schwimmen kann und sie dort sicher sind. Aber weit gefehlt...

"Primate" ist ein schlanker, erstaunlich altmodischer Creature‑Feature‑Horrorfilm, der so tut, als ginge es um Familie - und dann sehr schnell klarstellt, dass es eigentlich um Zähne, Krallen und herumfliegende Körperteile geht. Wer wissen will, wie weit ein Studio 2026 noch mit einem tollwütigen Killer-Affen-Konzept kommen kann, bekommt hier die ziemlich blutige Antwort. Die Handlung spielt auf einer abgelegenen Insel in Hawaii, wo College-Studentin Lucy für den Sommer zu ihrer Familie zurückkehrt – inklusive des adoptierten Haus-Schimpansen Ben. Aus der sonnigen Pool-Party wird Horror, als Ben nach einem Biss mit Tollwut infiziert wird und sein vertrautes Haustier-Image in brutale, unkontrollierbare Aggression umschlägt. Regisseur Johannes Roberts nutzt das tropische Anwesen geschickt als klaustrophobische Arena: Gläserne Fronten, Pool, Palmen - alles, was nach Ferienkatalog aussieht, wird zur Fallenlandschaft, in der es kaum sichere Räume gibt. Die Natur-Idylle wirkt wie ein ironischer Kontrapunkt zur eskalierenden Gewalt; man spürt, wie dünn die zivilisatorische Fassade ist, sobald ein Tier aus diesem Familien-Setting ausbricht.

Horrorfilme mit Affen sind ja nun auch recht rar gesät und setzen traditionell auf drei Ängste: die unberechenbare Intelligenz, die körperliche Überlegenheit und den Moment, in dem "haustierhafte" Vertrautheit kippt. "Primate" hakt alle drei Punkte ab: Ben ist keine anonymer Kreatur, sondern ein bekanntes Familienmitglied, dessen Angriff dadurch intimer und unangenehmer wirkt. Die Tollwut ist ein cleverer, wenn auch nicht wirklich subtiler oder schon gar erfrischend neuer erzählerischer Motor: Aber sie rechtfertigt den rasenden, fast zombieartigen Furor und erlaubt dem Film, ohne großen metaphysischen Überbau einfach auf physische, animalische Bedrohung zu setzen. Gleichzeitig spielt Roberts mit dem klassischen "wir haben das Tier vermenschlicht"-Motiv - die Figuren haben Ben in die Familie integriert, wodurch jede Attacke wie ein Verrat an dieser Illusion wirkt. 

Johnny Sequoyah trägt als Lucy den Film solide: Sie beginnt als typische College-Heimkehrerin und wächst in eine glaubwürdige Final-Girl-Rolle hinein, in der Überforderung, Schuldgefühle und Überlebenswille nebeneinander stehen. Jessica Alexander gibt der Figur Hannah eine scharfkantigere, bissigere Note, die den Gruppendynamiken in den Konfliktmomenten guttut. Scene-Stealer ist aber Troy Kotsur als Lucys Vater Adam: Seine ruhige Präsenz und der Einsatz von Gebärdensprache bringen eine unerwartete Erdung in einen sonst sehr pulpigen Film, und sein Schutzinstinkt verleiht dem Chaos immer wieder emotionale Peaks. Die jungen Nebendarsteller - Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng - funktionieren vor allem als glaubwürdige Freunde, deren Beziehungen schnell skizziert werden, damit ihre Panik in der zweiten Hälfte umso unmittelbarer wirkt.

Wer für die Gewalt kommt, wird nicht lange warten müssen: "Primate" eröffnet mit einer markanten Cold-Open-Killszene, die den Ton klar auf körperlich spürbar setzt. Danach steigert der Film das Level an Blut und zermalmten Gliedmaßen kontinuierlich; Ben tötet meist mit bloßen Händen und Zähnen, was die Attacken persönlicher und unangenehmer wirken lässt als ein generisches Slasher-Arsenal. Roberts verlässt sich stark auf klassische praktische Effekte, unterstützt von dezentem VFX, und genau hier glänzt der Film: Viele Kills haben diese Art Qualität, bei der der Zuschauer instinktiv  aus purem Schmerz zusammenzuckt. Es ist grafisch, aber nicht in einer manierierten Torture-Porn-Ästhetik - eher die lustvoll überzogene Blutorgie eines Regisseurs, der weiß, wie man Genre-Publikum zum Johlen bringt, ohne völlig ins Ekeltheater abzurutschen. 

"Primate" ist damit kein großer, vielschichtiger Horrorfilm, aber ein sehr effektiver: ein straff inszenierter, blutig verspielter Affen-Schocker, der genau weiß, welche Knöpfe er beim Publikum drücken will. Er recycelt etliche bekannte Tropen des Tierhorrors, macht daraus aber eine energiegeladene Genre-Attraktion - mehr Achterbahn als Arthaus, aber mit genug Stil und Charakter, um nicht wie reine Wegwerfware zu wirken. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/18hz Productions