Samstag, 12. September 2026

In The Line Of Fire - In The Line Of Fire: Die zweite Chance (1993)

https://www.imdb.com/de/title/tt0107206/
https://letterboxd.com/film/in-the-line-of-fire/

Agent Frank Horrigan (Clint Eastwood) ist ein alter Hase beim Secret Service und gehörte zu den Leibwächtern von John F. Kennedy. Der Mord am Präsidenten beschäftigt ihn auch nach 30 Jahren noch. Dann erhält er einen seltsamen Anruf: Ein Fremder (John Malkovich), er nennt sich Booth, kündigt an, den Präsidenten zu töten. Horrigan nimmt diese Bedrohung ernst und setzt alles daran, dass nicht wieder ein US-Präsident ins Gras beißt, womöglich durch seine Schuld. Er nimmt seinen alten Dienst wieder auf - doch die Sicherheitsvorkehrungen werden durch das Wahlkampfprogramm des Präsidenten erheblich erschwert. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, gegen einen scheinbar perfekten Killer...

Wolfgang Petersens "In The Line Of Fire" ist ein Politthriller der alten Schule: geradlinig erzählt, hervorragend besetzt und vor allem deshalb spannend, weil er seine Action immer mit einem psychologischen Duell verbindet. Clint Eastwood spielt den Secret-Service-Agenten Frank Horrigan, der seit dem Kennedy-Attentat von 1963 mit dem Gefühl lebt, versagt zu haben. Als der psychopathische Attentäter Mitch Leary (John Malkovich) den amtierenden Präsidenten ins Visier nimmt und Horrigan telefonisch mit seinen Plänen provoziert, wird aus einem Sicherheitsauftrag eine persönliche Konfrontation. Die Prämisse ist nicht neu, aber Jeff Maguires Drehbuch nutzt sie erstaunlich effektiv. Statt sich ausschließlich auf spektakuläre Anschläge zu konzentrieren, macht der Film Horrigans Schuldgefühle zum emotionalen Motor. Leary kennt dessen Vergangenheit und benutzt sie als Waffe. Dadurch entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem beide Männer einander beobachten, analysieren und zunehmend persönlich herausfordern. 

Clint Eastwood ist dabei die ideale Besetzung. Seine altersbedingte Verletzlichkeit wird nicht kaschiert, sondern zum zentralen Bestandteil der Figur. Horrigan ist kein unbesiegbarer Actionheld mehr, sondern ein erfahrener Mann, der weiß, dass seine körperlichen Grenzen näher rücken. Gerade deshalb besitzt sein möglicher letzter Einsatz emotionales Gewicht. Rene Russo funktioniert als Kollegin Lilly Raines ebenfalls gut; ihre Beziehung zu Horrigan bringt etwas Leichtigkeit in den ansonsten düsteren Stoff, bleibt allerdings stärker Nebenhandlung als wirklich gleichwertiger Handlungsstrang. Der eigentliche Star auf der Gegenseite ist John Malkovich. Sein Mitch Leary ist kein brüllender Filmpsychopath, sondern höflich, kontrolliert und gerade deshalb beunruhigend. Malkovich spielt ihn mit einer Mischung aus Intelligenz, Ironie und völliger moralischer Kälte. Seine Telefongespräche mit Horrigan gehören zu den besten Szenen des Films. 

Petersen, der zuvor mit "Das Boot" seine Fähigkeit zu klaustrophobischer Spannung bewiesen hatte, inszeniert "In The Line Of Fire" bemerkenswert souverän. Washington wird nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum realistischen politischen Raum, durch den sich die Figuren bewegen. Paraden, Wahlkampfveranstaltungen, Flughäfen und Straßen verwandeln sich jederzeit in potenzielle Gefahrenzonen. Die Spannung entsteht dabei häufig aus der Frage, wo Leary zuschlagen könnte - und weniger aus dem eigentlichen Anschlag. Auch die technische Seite überzeugt. Die Kameraarbeit, die präzise Montage und Ennio Morricones Musik unterstützen die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders gelungen ist der Umgang mit Archivmaterial rund um John F. Kennedy: Horrigans persönliche Vergangenheit wird dadurch unmittelbar mit der Gegenwart verknüpft. Gleichzeitig ist gerade dieser Umgang mit dem Kennedy-Attentat nicht völlig unproblematisch, weil der Film reale Bilder teilweise sehr wirkungsvoll, aber auch ausgesprochen manipulativ für seine Dramaturgie einsetzt.

Die Handlung verlangt dem Zuschauer gelegentlich jedoch einiges an Gutgläubigkeit ab, und manche Elemente des Secret-Service-Apparats wirken erstaunlich inkompetent. Auch der romantische Subplot zwischen Eastwood und Russo bleibt etwas schematisch. Dafür besitzt der Film etwas, das vielen heutigen Thrillern fehlt: Geduld. Petersen lässt seine Figuren reden, beobachten und ermitteln. Die Action ist nicht permanent vorhanden, sondern wird vorbereitet. Wenn sie schließlich einsetzt, besitzt sie dadurch deutlich mehr Wirkung. Im Vergleich zu modernen Politthrillern wirkt der Film heute stellenweise konventionell, aber gerade darin liegt sein Reiz. Er erinnert an die großen Paranoia- und Verschwörungsthriller der 1970er, kombiniert diese aber mit der Starpower eines klassischen Hollywood-Thrillers. Und anders als viele reine Actionfilme interessiert er sich tatsächlich für die psychologischen Folgen seines zentralen Konflikts. "In The Line Of Fire" ist damit am Ende kein radikal innovativer Thriller, aber ein ausgesprochen souverän gemachter. Clint Eastwood und John Malkovich liefern sich ein großartiges Duell, Petersen hält das Tempo kontrolliert und das Drehbuch verbindet persönliche Schuld mit politischer Spannung. Einige Nebenhandlungen und logische Konstruktionen sind deutlich konventioneller, als die hervorragende Hauptgeschichte vermuten lässt. Trotzdem bleibt der Film ein Beispiel dafür, wie spannend ein klassischer Thriller sein kann, wenn Figuren, Schauspieler und Dramaturgie tatsächlich zusammenarbeiten.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCastle Rock Entertainment/Apple / Rose/Columbia Pictures

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