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Nach unzähligen erfolglosen Versuchen, den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote genug von den Produkten der ACME Corporation, die seine Pläne immer wieder scheitern lassen. Überzeugt davon, dass der Konzern für seine zahlreichen Misserfolge verantwortlich ist, beschließt er, rechtliche Schritte einzuleiten. Unterstützung erhält er dabei vom Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sich auf den ungewöhnlichen Fall einlässt und ACME vor Gericht herausfordert. Die Auseinandersetzung wird zusätzlich erschwert, weil ausgerechnet der frühere Vorgesetzte des Juristen inzwischen als Geschäftsführer der ACME Corporation (John Cena) auf der Gegenseite steht. Während sich der Rechtsstreit zuspitzt, entwickelt sich zwischen Wile E. Coyote und seinem Anwalt eine enge Freundschaft. Gemeinsam stellen sie sich dem einflussreichen Unternehmen und kämpfen dafür, den Prozess zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Was wäre, wenn Wile E. Coyote irgendwann einfach genug davon hätte, von seinen eigenen ACME-Produkten in die Luft gesprengt zu werden - und den Hersteller verklagen würde? Aus diesem herrlich absurden Gedanken macht Dave Green eine überraschend clevere Mischung aus Live-Action-Komödie, Looney-Tunes-Slapstick, Gerichtsfilm und Konzernsatire. Wile E. Coyote zieht gemeinsam mit dem erfolglosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte) gegen den übermächtigen ACME-Konzern vor Gericht, vertreten durch John Cena. Die Grundidee geht auf Ian Fraziers satirischen "New Yorker"-Text von 1990 zurück. Das Bemerkenswerte ist, wie gut der Film seine beiden Welten zusammenführt. Wile E., Road Runner, Bugs Bunny, Daffy Duck und zahlreiche weitere Looney-Tunes-Figuren bewegen sich selbstverständlich durch eine ansonsten reale Welt. Die Animation fügt sich erstaunlich sauber in die Live-Action-Bilder ein, während Green die klassische Cartoon-Physik respektiert: Körper dürfen explodieren, Raketen funktionieren grundsätzlich nie und ein Sturz aus großer Höhe ist eher ein vorübergehendes Ärgernis als eine tödliche Angelegenheit. Gerade die Rückkehr zu diesem anarchischen Regelwerk macht den Film sympathisch.
Will Forte bildet dazu einen angenehm bodenständigen Kontrapunkt. Sein Kevin Avery ist kein genialer Superanwalt, sondern ein sympathischer Loser, der plötzlich eine Sache bekommt, für die es sich zu kämpfen lohnt. John Cena hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als aalglatter Vertreter von ACME und versteht es, die Figur zwischen überzogenem Comic-Bösewicht und klassischem Konzernanwalt anzusiedeln. Die menschlichen Figuren funktionieren gerade deshalb, weil sie den Cartoon-Wahnsinn nicht permanent kommentieren. Lana Condor ergänzt das Ensemble als Averys Nichte und bringt zusätzlich eine familiäre Ebene in die Geschichte. Die eigentliche Überraschung ist jedoch das Drehbuch von Samy Burch. Hinter dem Slapstick steckt eine erstaunlich deutliche Konzernkritik. ACME ist längst nicht mehr nur der Hersteller von Raketen, Sprungfedern und Dynamit, sondern ein gigantisches Unternehmen, das nahezu jeden Lebensbereich kontrolliert. Aus dem Kampf eines einzelnen Kojoten gegen einen Hersteller wird damit eine David-gegen-Goliath-Geschichte über Monopole, Machtkonzentration und die Frage, was passiert, wenn ein Konzern praktisch über dem Gesetz steht. Dabei vergisst "Coyote vs. Acme" nie, dass es in erster Linie Spaß machen möchte. Die zahlreichen Cameos und Easter Eggs sind nicht bloß Pflichtprogramm für Fans, sondern werden häufig tatsächlich in die Handlung integriert. Besonders die absurden Zeugenaussagen und die Verwendung weniger offensichtlicher Looney-Tunes-Figuren sorgen für einige der besten Gags. Auch die wiederkehrenden ACME-Pannen funktionieren erstaunlich gut, weil der Film Wile E.s jahrzehntelanges Scheitern nicht einfach wiederholt, sondern daraus eine Art Lebensphilosophie macht: Entscheidend ist nicht, wie oft man fällt, sondern dass man wieder aufsteht. Ganz auf dem Niveau der klassischen Kurzfilme ist das allerdings nicht. Die alten Road-Runner-Cartoons waren in ihrer Kürze gnadenlos präzise und entwickelten aus wenigen Sekunden Vorbereitung eine geradezu explosive Pointe. "Coyote vs. Acme" muss dagegen eine komplette Spielfilmhandlung tragen. Dadurch entstehen zwangsläufig Längen, und nicht jeder Gag besitzt die anarchische Energie seiner Vorbilder. Auch die Gerichts- und Konzernhandlung ist nicht durchgehend so bissig, wie sie sein könnte. Manchmal wird die Satire zugunsten einer sehr konventionellen Underdog-Dramaturgie zurückgenommen. Emotional funktioniert das zwar, nimmt dem Film aber etwas von seiner anarchischen Schärfe. Dafür gelingt ihm etwas, woran viele moderne Franchise-Filme scheitern: Er behandelt seine Figuren nicht bloß als nostalgische Markenmaskottchen, sondern versucht tatsächlich zu verstehen, warum Wile E. Coyote als Figur seit Jahrzehnten funktioniert.Und natürlich ist die Geschichte hinter dem Film selbst beinahe schon Teil seiner Handlung. Das bereits fertiggestellte Projekt wurde von Warner Bros. 2023 zunächst eingestampft und sollte als Steuerabschreibung verschwinden. Erst der spätere Verkauf an Ketchup Entertainment ermöglichte die Veröffentlichung. Dass ausgerechnet ein Film über einen hoffnungslos unterlegenen Außenseiter, der sich gegen einen mächtigen Konzern stellt, diesen Weg genommen hat, verleiht dem Ganzen eine fast schon absurde Metaebene. "Coyote vs. Acme" ist beileibe keine perfekte Rückkehr der Looney Tunes, aber eine ausgesprochen charmante. Die Mischung aus Cartoon-Chaos, Buddy-Komödie, Gerichtsfilm und Konzernsatire funktioniert erstaunlich gut, Will Forte und John Cena sind bestens aufgelegt und die Animation respektiert den Geist der klassischen Figuren. Zwar fehlt über die gesamte Laufzeit die irrwitzige Präzision der alten Kurzfilme und die Geschichte wird gelegentlich etwas zu sentimental und konventionell. Trotzdem ist das Ergebnis deutlich besser, als ein Film über einen von ACME verfolgten Kojoten eigentlich sein dürfte. Ein überraschend intelligenter, sehr unterhaltsamer und vor allem liebevoller Looney-Tunes-Film - und vielleicht der seltene Fall, in dem ein Film über das Scheitern selbst zum kleinen Triumph wird.



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