Dienstag, 10. Februar 2026

Primate (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt33028778/

Das erste Jahr am College ist geschafft! Lucy (Johnny Sequoyah) fährt deshalb zurück in die Heimat, um dort ihre Familie zu besuchen. Doch Entspannung und Harmonie sind Worte, die schnell kürzer treten müssen. Denn zu Lucys Familie gehört auch der Schimpanse Ben (Miguel Torres Umba). Und Ben hat sich mit dummerweise Tollwut infiziert. Aus dem eigentlich harmlosen Menschenaffen wird so schnell ein blutrünstiges Biest, das es auf Lucy, ihre Familie und ihre beste Freundin Hannah (Jessica Alexander) abgesehen hat. Alle springen in den Pool, weil sie glauben, dass Ben nicht schwimmen kann und sie dort sicher sind. Aber weit gefehlt...

"Primate" ist ein schlanker, erstaunlich altmodischer Creature‑Feature‑Horrorfilm, der so tut, als ginge es um Familie - und dann sehr schnell klarstellt, dass es eigentlich um Zähne, Krallen und herumfliegende Körperteile geht. Wer wissen will, wie weit ein Studio 2026 noch mit einem tollwütigen Killer-Affen-Konzept kommen kann, bekommt hier die ziemlich blutige Antwort. Die Handlung spielt auf einer abgelegenen Insel in Hawaii, wo College-Studentin Lucy für den Sommer zu ihrer Familie zurückkehrt – inklusive des adoptierten Haus-Schimpansen Ben. Aus der sonnigen Pool-Party wird Horror, als Ben nach einem Biss mit Tollwut infiziert wird und sein vertrautes Haustier-Image in brutale, unkontrollierbare Aggression umschlägt. Regisseur Johannes Roberts nutzt das tropische Anwesen geschickt als klaustrophobische Arena: Gläserne Fronten, Pool, Palmen - alles, was nach Ferienkatalog aussieht, wird zur Fallenlandschaft, in der es kaum sichere Räume gibt. Die Natur-Idylle wirkt wie ein ironischer Kontrapunkt zur eskalierenden Gewalt; man spürt, wie dünn die zivilisatorische Fassade ist, sobald ein Tier aus diesem Familien-Setting ausbricht.

Horrorfilme mit Affen sind ja nun auch recht rar gesät und setzen traditionell auf drei Ängste: die unberechenbare Intelligenz, die körperliche Überlegenheit und den Moment, in dem "haustierhafte" Vertrautheit kippt. "Primate" hakt alle drei Punkte ab: Ben ist keine anonymer Kreatur, sondern ein bekanntes Familienmitglied, dessen Angriff dadurch intimer und unangenehmer wirkt. Die Tollwut ist ein cleverer, wenn auch nicht wirklich subtiler oder schon gar erfrischend neuer erzählerischer Motor: Aber sie rechtfertigt den rasenden, fast zombieartigen Furor und erlaubt dem Film, ohne großen metaphysischen Überbau einfach auf physische, animalische Bedrohung zu setzen. Gleichzeitig spielt Roberts mit dem klassischen "wir haben das Tier vermenschlicht"-Motiv - die Figuren haben Ben in die Familie integriert, wodurch jede Attacke wie ein Verrat an dieser Illusion wirkt. 

Johnny Sequoyah trägt als Lucy den Film solide: Sie beginnt als typische College-Heimkehrerin und wächst in eine glaubwürdige Final-Girl-Rolle hinein, in der Überforderung, Schuldgefühle und Überlebenswille nebeneinander stehen. Jessica Alexander gibt der Figur Hannah eine scharfkantigere, bissigere Note, die den Gruppendynamiken in den Konfliktmomenten guttut. Scene-Stealer ist aber Troy Kotsur als Lucys Vater Adam: Seine ruhige Präsenz und der Einsatz von Gebärdensprache bringen eine unerwartete Erdung in einen sonst sehr pulpigen Film, und sein Schutzinstinkt verleiht dem Chaos immer wieder emotionale Peaks. Die jungen Nebendarsteller - Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng - funktionieren vor allem als glaubwürdige Freunde, deren Beziehungen schnell skizziert werden, damit ihre Panik in der zweiten Hälfte umso unmittelbarer wirkt.

Wer für die Gewalt kommt, wird nicht lange warten müssen: "Primate" eröffnet mit einer markanten Cold-Open-Killszene, die den Ton klar auf körperlich spürbar setzt. Danach steigert der Film das Level an Blut und zermalmten Gliedmaßen kontinuierlich; Ben tötet meist mit bloßen Händen und Zähnen, was die Attacken persönlicher und unangenehmer wirken lässt als ein generisches Slasher-Arsenal. Roberts verlässt sich stark auf klassische praktische Effekte, unterstützt von dezentem VFX, und genau hier glänzt der Film: Viele Kills haben diese Art Qualität, bei der der Zuschauer instinktiv  aus purem Schmerz zusammenzuckt. Es ist grafisch, aber nicht in einer manierierten Torture-Porn-Ästhetik - eher die lustvoll überzogene Blutorgie eines Regisseurs, der weiß, wie man Genre-Publikum zum Johlen bringt, ohne völlig ins Ekeltheater abzurutschen. 

"Primate" ist damit kein großer, vielschichtiger Horrorfilm, aber ein sehr effektiver: ein straff inszenierter, blutig verspielter Affen-Schocker, der genau weiß, welche Knöpfe er beim Publikum drücken will. Er recycelt etliche bekannte Tropen des Tierhorrors, macht daraus aber eine energiegeladene Genre-Attraktion - mehr Achterbahn als Arthaus, aber mit genug Stil und Charakter, um nicht wie reine Wegwerfware zu wirken. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/18hz Productions

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