https://www.imdb.com/de/title/tt11561116/https://letterboxd.com/film/the-whisper-man/Der Krimiautor Tom Kennedy (Adam Scott) hat den Tod seiner Frau kaum verarbeitet, da trifft ihn ein neuer Schicksalsschlag: Sein acht Jahre alter Sohn Jake verschwindet spurlos und vieles deutet darauf hin, dass der Junge entführt wurde. In seiner Not wendet Tom sich hilfesuchend an seinen Vater Pete (Robert De Niro), einen pensionierten Polizisten, mit dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Bei ihren gemeinsamen Ermittlungen bemerken Pete und Tom bald erschreckende Parallelen zum Fall des Serien-Kindermörders Frank Carter (Michael Keaton), der allerdings vor Jahren von Pete verhaftet wurde und seitdem im Gefängnis einsitzt. Doch egal, ob Jake sich in den Händen eines Nachahmungstäters befindet oder etwas ganz anderes hinter seinem Verschwinden steckt, klar ist, dass der Junge in höchster Lebensgefahr schwebt - können sein Vater und sein Großvater ihn retten?
James Ashcrofts "The Whisper Man" ist ein klassisch angelegter Serienkiller-Thriller, der unverkennbar in der Tradition von "Sieben", "Zodiac" und "Das Schweigen der Lämmer" steht - mit einer kleinen Prise Übernatürlichkeit. Nach der Entführung seines achtjährigen Sohnes Jake (Acston Luca Porto) nimmt der verwitwete Krimiautor Tom Kennedy (Adam Scott) Kontakt zu seinem entfremdeten Vater Peter Willis (Robert De Niro) auf, einem pensionierten Polizisten, der einst den berüchtigten Serienmörder "The Whisper Man" überführte. Als sich Hinweise auf eine Verbindung zu den damaligen Verbrechen ergeben, beginnt eine Suche, die nicht nur einen alten Fall, sondern auch die zerrüttete Beziehung zwischen Vater und Sohn wieder öffnet.
Ja, die Ausgangslage ist wirkungsvoll, aber keineswegs neu. Der Film kombiniert Kindesentführung, einen rätselhaften Serienmörder, familiäre Traumata und die Vorstellung eines möglicherweise imaginären Freundes zu einem vertrauten Genre-Puzzle. Gerade die Verbindung zwischen persönlicher Schuld und kriminalistischer Ermittlungsarbeit hätte das Potenzial für mehr psychologische Tiefe. Leider erklärt das Drehbuch vieles zu direkt und setzt häufig auf bekannte Thriller-Muster, statt seine Figuren wirklich auszuloten. Im Rahmen dieses Films fällt das aber auch gar nicht zu sehr ins Gewicht. Man weiß anfangs als Zuschauer bereits, worauf das hinauslaufen könnte und wird wenig überrascht, wenn das Kind verschwindet, Vater und Großvater sich zusammenraufen müssen und die Ermittlungsarbeiten nach und nach weitere, längst vergessene Spuren aus der Vergangenheit zu Tage fördern.
Adam Scott bemüht sich sichtbar, Tom als gebrochenen, latent-alkoholkranken Vater mit glaubwürdiger Verzweiflung zu gestalten. Seine Besetzung wirkt zunächst ungewöhnlich, funktioniert aber in den ruhigeren Momenten besser als in den dramatisch übersteigerten Szenen. Robert De Niro verleiht Peter Willis durch seine bloße Präsenz Gewicht, bleibt allerdings auffällig zurückgenommen und wird vom Drehbuch kaum gefordert. Michelle Monaghan ist als ermittelnde Amanda Beck solide, während Michael Keaton in seinen wenigen Szenen mit deutlich mehr Energie und Unberechenbarkeit auffällt. Dieses Star-Ensemble ist die größte Stärke des Films, jedoch müssen alle gegen ein etwas schematisches Skript anspielen.

Atmosphärisch präsentiert Ashcroft seinen "Der Kinderflüsterer" in einem passenden düsteren, kühlen Look. Die graublaue Farbgestaltung, die abgelegenen Schauplätze und die bedrohliche Geräuschkulisse erzeugen ein angemessen unheilvolles Umfeld und sorgen immer mal wieder für Unwohlsein. Auch einzelne Spannungsmomente und die Idee, den Serienkiller über Erinnerungen, Hinweise und psychologische Spuren präsent zu halten, funktionieren für mich hervorragend. Allerdings bleibt die Inszenierung insgesamt etwas zu glatt und visuell wenig eigenständig. Statt eine wirklich verstörende Atmosphäre aufzubauen, verlässt sich der Film oft auf vertraute Bilder und vorhersehbare Schockeffekte, sowie viel zu viele bekannte Versatzstücke. Ein Beispiel: Wenn Monaghans Amanda im Finale das Haus betritt ist dem Zuschauer längst klar, dass sie dem Entführer/Killer direkt gegenüber steht. Ihrer Figur hingegen nicht. Das kennt man, und weil man es kennt ist der Kniff nicht neu und mindert den Schock.
Das größte Problem des Films liegt daher letztlich in der Dramaturgie. Die Handlung schreitet zwar routiniert voran, entwickelt aber nur selten echte Überraschungen. Viele Hinweise werden dem Publikum frühzeitig präsentiert, während die Ermittler auffällig lange benötigen, um naheliegende Zusammenhänge zu erkennen. Gegen Ende verdichten sich die Unglaubwürdigkeiten, und die Auflösung wirkt eher konstruiert als zwingend. Auch die familiären Konflikte bleiben teilweise Behauptung, weil der Film ihnen nicht genügend Raum gibt, sich organisch zu entwickeln. Nett ist hingegen der Einschub, dass DeNiros Vaterfigur am Ende trotzdem nicht als der Workaholic, der sein Kind vernachlässigte dargestellt wird, sondern als liebender Vater, der sein Kind nur beschützen wollte. Auch das ist nicht neu und irgendwie sogar erwartbar, dennoch legt sich diese Erkenntnis wie eine warme Decke und den bis dahin fröstelnden Zuschauer.
"The Whisper Man" ist damit ein handwerklich ordentliches, stellenweise atmosphärisches Genreprodukt, das von seinem starken Cast und seinem nostalgischen Thriller-Ton der 1990er-Jahre profitiert. Für einen wirklich herausragenden Serienkillerfilm fehlt es ihm jedoch an Eigenständigkeit, psychologischer Präzision und erzählerischer Konsequenz. Die Inszenierung ist vollkommen solide, die Besetzung hebt einzelne Szenen deutlich über das Material hinaus und der Film kann trotz seiner Schwächen als düsterer Thriller unterhalten ohne zu langweilen. Er ist kein neuer Klassiker, aber ein passabler Rückgriff auf ein Genre, das schon deutlich originellere Vertreter hervorgebracht hat.
7/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: AGBO
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