Dienstag, 8. September 2026

Fackham Hall (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt29008225/
https://letterboxd.com/film/fackham-hall/

1931 in Fackham Hall, einem großzügigen Herrenhaus, in dem die Familie Davenport seit vielen Generationen residiert: Lord Humphrey (Damien Lewis) und Lady Prudence (Katherine Waterston) sorgen sich allerdings um den Fortbestand der Dynastie. Gibt es doch keinen männlichen Erben. Wenigstens hat ihre jüngste Tochter Poppy (Emma Laird) zugestimmt, ihren reichen Cousin Archibald (Tom Felton) zu heiraten, sodass Fackham Hall zumindest irgendwie in der Familie bleiben würde. Poppys mit 23 Jahren bereits als alte Jungfer geltende Schwester Rose (Thomasin McKenzie) bereitet den Eltern indes weiterhin Sorgen. Da taucht Eric Noone (Ben Radcliffe) im Haus auf – ein Kleingauner, der Lord Humphrey eigentlich nur eine Nachricht überbringen soll. Aufgrund einer Verwechslung, die er nicht richtigstellt, erhält Eric jedoch eine Anstellung als Bediensteter – was er gern nutzen würde, um einige Wertsachen zu stehlen. Während Poppys Hochzeitstag in einem Desaster endet, entwickelt Eric dann aber Gefühle für Rose – wodurch seine kriminellen Pläne erschwert werden. Ebenso wie der sich auf dem Grundstück ereignende Mord, weshalb nun die Polizei aufkreuzt…

"Fackham Hall" ist genau die Sorte Film, die sich eigentlich längst überlebt haben sollte - und gerade deshalb überraschend viel Spaß macht. Jim O’Hanlons Komödie (und dem Drehbuch unter anderem von Jimmy Carr) nimmt sich "Downton Abbey" und andere britische Kostümdramen zur Brust und kombiniert deren herrschaftliche Anwesen, steife Etikette und standesbewusste Intrigen mit dem anarchischen Humor von "Die nackte Kanone", "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und Filmen von Monty Python. Das Ergebnis ist eine rasante, bewusst alberne Parodie, die nicht jeden Gag trifft, aber konsequent genug ist, um immer wieder zu überraschen. 

Im Mittelpunkt stehen der Kleinganove Eric Noone (Ben Radcliffe) und Rose Davenport (Thomasin McKenzie), die sich im titelgebenden Herrenhaus begegnen. Rund um die Familie Davenport entwickelt sich eine Mischung aus verbotener Romanze, Mordfall und Standeskomödie. Die Handlung ist dabei vor allem ein Gerüst für Pointen - und das ist durchaus Absicht. Mit hoher Gagdichte und einer Mischung aus Slapstick, Wortspielen und Genreparodie arbeitet sich der Film durch seine Story und versteht es, dem Zuschauer immer wieder einen Lacher zu entlocken. Die Besetzung ist einer der großen Pluspunkte. Thomasin McKenzie und Ben Radcliffe spielen ihre Liebesgeschichte erfreulich ernsthaft, während Damian Lewis, Katherine Waterston, Tom Felton und Anna Maxwell Martin mit sichtlicher Freude an der absurden Situation agieren. Entscheidend ist, dass die Darsteller ihre Figuren nicht als Parodie spielen: Sie behandeln selbst den dümmsten Dialog mit maximaler aristokratischer Ernsthaftigkeit. Genau das funktioniert. Der Humor ist allerdings eine klare Geschmacksfrage. Neben cleveren Wortspielen und gut getimten visuellen Gags gibt es reichlich Fäkal-, Sex- und Körperhumor. Manche Pointen sind brillant vorbereitet, andere wirken wie Nummern, die aus einem Sketch stammen und für einen Spielfilm etwas zu oft wiederholt werden. 

Handwerklich ist "Fackham Hall" erstaunlich liebevoll. Ausstattung, Kostüme, Kamera und Musik reproduzieren die gediegene Ästhetik des britischen Period Dramas so überzeugend, dass die Kontraste zum primitiven Humor umso besser funktionieren. Gerade diese detailreiche Oberfläche ist mehr als bloße Kulisse: Der Film braucht die Würde und Schönheit seiner Welt, damit die folgenden absurden Zerstörungen und Wortspiele überhaupt ihren Effekt haben. Was fehlt, ist die Präzision der großen Vorbilder. "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" oder "Die nackte Kanone" konnten aus ihren absurden Gags einen nahezu perfekten Rhythmus entwickeln. "Fackham Hall" erreicht diese Klasse nur punktuell. Einige Sequenzen sind herrlich, andere ziehen sich, und die 97 Minuten fühlen sich trotz des hohen Tempos gelegentlich länger an. Genau hier liegt der Abstand zu den Klassikern, die der Film offensichtlich verehrt.

Letztlich ist Fackham Hall" keine neue "Die nackte Kanone", aber eine sympathisch respektlose Erinnerung daran, wie viel Spaß eine klassische Spoof-Komödie machen kann. Die Gagdichte ist hoch, die Besetzung bestens aufgelegt und die liebevolle Nachahmung des britischen Kostümdramas bildet die perfekte Grundlage für den absurden Humor. Nicht jeder Witz sitzt, manches ist pubertär und die Dauerfeuer-Methode nutzt sich ab - trotzdem gibt es genügend wirklich gute Treffer, um den Film über seine Schwächen hinwegzutragen. Wer mit britischen Period Dramas und hemmungslosem Slapstick etwas anfangen kann, bekommt hier 97 Minuten angenehm anspruchslosen Unsinn. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMews Films/Elysian Film Group/Two & Two Pictures/Vacancy Films/Anonymous Content

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