Robert Neville (Will Smith) ist der letzte lebende Mensch, nachdem ein vermeintliches Wundermittel nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Der Großteil der Infizierten ist gestorben, eine Minderheit zu lichtscheuen, instinktgesteuerten Kreaturen mutiert. Robert lebt nun also im verlassenen New York, bei ihm nur sein sein treuer Schäferhund Sam. Tagsüber streift der Militärwissenschaftler durch die Gegend, macht Jagd auf Antilopen und sendet Funksprüche in der Hoffnung, andere Überlebende zu erreichen. Nachts verbarrikadiert er sich in seinem Nobelheim vor den Monstern draußen und arbeitet mit seinen bissigen Laborratten an einem Impfstoff. Als Robert jedoch das Alpha-Weibchen (Joanna Numata) der Zombie-Vampire zu Forschungszwecken einfängt, entwickeln die Kreaturen unter der Führung des Alpha-Männchens (Dash Mihok) plötzlich eine Form von Intelligenz und greifen härter an als jemals zuvor...
Größe liegt manchmal doch in der Reduktion: in einem Mann, einem Hund und einer entvölkerten Stadt, die langsam zu einer Art seelischem Spiegel wird. Francis Lawrence inszeniert mit dem Remake "I Am Legend" Will Smith nicht als Actionfigur, sondern als letzten Zuschauer einer Welt, die sich selbst aus dem Programm genommen hat - und genau darin liegt die besondere Wucht dieses Films. Als Virologe Robert Neville streift Smith durch ein überwuchertes New York, jagt Rehe auf der Fifth Avenue und grüßt Schaufensterpuppen wie Stammgäste in einer Bar; jede Routinehandlung ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Selbsttherapie. Die Szenen, in denen er mit seiner Hündin Sam spricht, sind der emotionale Kern des Films - in ihrem Fell liegt mehr Menschlichkeit als in allen flashbackartigen Erinnerungen an die untergegangene Zivilisation.
Die wahre zweite Hauptfigur ist New York. Eine Stadt, die von Gras überwuchert, von Wildtieren durchstreift und von Plakaten einer untergegangenen Konsumkultur gesäumt ist. Die Produktion investierte Millionen in die Sperrung und Inszenierung der Brooklyn Bridge und anderer Schauplätze, um einen glaubhaft vernarbten Schauplatz der Apokalypse zu schaffen - ein Aufwand, der sich in jeder Totale auszahlt. Wenn Löwen durch Manhattan ziehen und Autos wie Fossilien in der Straße stecken bleiben, dann wirkt das nicht wie Effektgier, sondern wie eine stille Chronik des Verschwindens. Die Infizierten - hier eher vampirische "Darkseekers" als klassische Zombies - sind weniger Monster als physisch gewordene Fehlkonstruktionen eines zu optimistischen Fortschrittsglaubens. Der von Menschen erfundene Virus, ursprünglich als Heilmittel gedacht, hat die Menschheit dezimiert und eine neue, aggressive Spezies geschaffen, gegen die Neville um ein Gegenmittel ringt; seine Forschungslabore voller Versuchskörper sind wie ein Schuldarchiv der modernen Wissenschaft. Der Film spielt geschickt mit religiösen und moralischen Untertönen - vom verfremdeten Michelangelo‑Motiv auf einem Poster bis zum Bob‑Marley‑Monolog über das "Licht in der Dunkelheit", der Neville als jemanden zeigt, der seinen verlorenen Glauben durch Arbeit ersetzt. "I Am Legend" ist ein teurer, effektverstärkter Studioblockbuster, aber seine stärksten Momente sind die leisesten: ein Mann, der in einer Videothek überlegt, ob er einer Puppe endlich seinen Namen sagen soll; ein improvisiertes Abendessen mit imaginären Gästen; eine Trance vor einem alten "Shrek"-Dialog, den Neville auswendig mitspricht, um sich zu vergewissern, dass Sprache noch existiert. Die Actionsequenzen - die Angriffe der Darkseekers, das Belagerungsszenario im Haus, die Flucht‑Rückblenden - liefern die erwartete Spannung, aber sie funktionieren vor allem, weil der Film zuvor die Stille so sorgfältig gebaut hat. Man kann nun über den letzten Akt streiten, über das Ausmaß der CGI‑Monster und über die Frage, ob der Film den radikal ambivalenten Kern von Richard Mathesons Romanvorlage entschärft. Aber selbst dort, wo er konventioneller wird, bleibt er getragen von der Grundidee: einem Mann, der beweisen will, dass die Menschheit mehr ist als ihr Fehlversuch im Labor - und der dabei vielleicht selbst zur Legende wird, weniger als Held denn als letzte, hartnäckige Erinnerung an das, was wir hätten sein können. "I Am Legend" ist damit zwar kein unerreichbares Meisterwerk, aber doch einer jener Genrefilme, die lange nachwirken, nicht wegen ihres Lärms, sondern wegen der Einsamkeit zwischen zwei Herzschlägen in einer leeren Stadt.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen