Dienstag, 15. September 2026

Mandibules - Eine Fliege kommt selten allein (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10375106/
https://letterboxd.com/film/mandibles/

Der nicht gerade intelligente Jean-Gab (David Marsais) und der noch einfältigere Manu (Grégoire Ludig) sind zwei kleinkriminelle Tagediebe im Süden Frankreichs. Eines Tages finden sie im Kofferraum eines von ihnen geklauten Autos eine riesige Fliege. Schnell kommt ihnen die Idee, das von ihnen auf den Namen Dominique getaufte, die Ausmaße eines mittleren Hundes habende Insekt für Banküberfälle abzurichten. Allerdings brauchen sie dazu zunächst mal einen Ort, an dem sie die Fliege dressieren können. Denn Manu ist gerade aus seiner Behausung geflogen und Jean-Gabs Eltern wären bestimmt auch nicht wirklich begeistert von einem weiteren Maul, das sie stopfen müssten. Da geht ihnen auch noch das Benzin aus. Zum Glück wird Manu von der vorbeikommenden Cécile (India Hair) mit einem alten Schulfreund verwechselt und zu sich eingeladen. So logieren die zwei die nächsten Tage in einer schicken Villa mit Swimmingpool, wo natürlich auch genügend Platz für die reingeschmuggelte Dominique ist. Allein Céciles etwas eigenwillige Freundin Agnès (Adèle Exarchopoulos) schöpft Verdacht und spürt, dass die beiden Kerle irgendetwas aushecken. Und dann ist plötzlich auch noch ihr geliebter Chihuahua spurlos verschwunden …

Quentin Dupieux setzt auch in "Eine Fliege kommt selten allein" auf sein bewährtes Prinzip, das Absurde mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit zu behandeln. Die Ausgangsidee - zwei nicht besonders helle Kleinkriminelle finden im Kofferraum eines gestohlenen Autos eine riesige Fliege und wollen sie für Banküberfälle dressieren - ist herrlich bescheuert. Entscheidend ist jedoch, dass Dupieux daraus keinen klassischen Monsterfilm macht, sondern eine lakonische Buddy-Komödie über Freundschaft, Dummheit und eine Aneinanderreihung immer neuer Missgeschicke. Die völlig unerschütterliche Naivität von David Marsais und Grégoire Ludig als wunderbar einfältiges Duo Jean-Gab und Manu ist gleichzeitig die größte Stärke des Humors: Die beiden akzeptieren selbst die absurdesten Situationen, ohne sie groß zu hinterfragen. Auch Adèle Exarchopoulos sorgt als ständig schreiende Agnès für einige der böseren und politisch unkorrekteren Momente. Gerade die Schauspieler verstehen es, Dupieux' trockenen Humor nicht zu überinszenieren. Visuell bleibt der Regisseur angenehm zurückhaltend. Die riesige Fliege ist bewusst nicht als spektakuläres CGI-Monster inszeniert, sondern fügt sich fast beiläufig in die ansonsten unspektakuläre Welt ein. Dieser Kontrast zwischen völlig alltäglicher Umgebung und vollkommen irrationaler Situation ist das eigentliche Stilprinzip des Films. Die 77 Minuten Laufzeit kommen dem minimalistischen Ansatz zugute, denn Dupieux verschwendet kaum Zeit mit Erklärungen oder überflüssigen Nebenhandlungen. 

Allerdings ist genau diese Konsequenz auch der größte Kritikpunkt, denn die Handlung entwickelt sich eher als lose Kette von Gags und absurden Situationen denn als wirklich ausgearbeitete Geschichte. Die ungewöhnliche Grundidee trägt nicht über die gesamte Laufzeit, doch gerade das ziellose Abschweifen macht einen Teil des Reizes des Films aus. Dadurch entsteht ein Film, der zwar regelmäßig amüsiert, aber nicht jede Pointe gleichermaßen zündet. Wer mit Dupieux' bewusst anti-dramatischer Erzählweise nichts anfangen kann, dürfte sich zudem schnell langweilen. "Eine Fliege kommt selten allein" ist aber unterm Strich für mich eine charmante, eigenwillige und angenehm kurze Absurditäten-Komödie, die ihre groteske Prämisse mit bemerkenswert trockenem Humor behandelt. Die beiden Hauptdarsteller funktionieren hervorragend, die Inszenierung besitzt einen klaren eigenen Stil und einige Einfälle sind tatsächlich zum Schreien komisch. Für eine höhere Wertung fehlt dem Film jedoch etwas erzählerische Substanz und Konstanz: Die absurde Idee trägt nicht durchgehend und wirkt gegen Ende zunehmend wie eine Aneinanderreihung von Sketchen. Damit bleibt "Eine Fliege kommt selten allein" ein sympathischer, ungewöhnlicher Dupieux - amüsant und originell, aber nicht ganz so treffsicher wie seine besten Arbeiten.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkChi-Fou-Mi Productions/Artémis Productions/Memento Films Production/VOO/BeTV/Shelter Prod

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