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Donnerstag, 26. Februar 2026

Scream 7 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt27047903/

Eigentlich wollte sich Sidney Prescott (Neve Campbell) ein neues Leben in einer kleinen Stadt aufbauen, doch der Frieden findet schnell ein jähes Ende, denn ein neuer Ghostface-Killer erscheint auf der Bildfläche und sorgt für Angst und Schrecken. Der maskierte Mörder hat es aber nicht nur auf Sidney abgesehen, sondern auch auf ihre Tochter (Isabel May). Sidney muss nun alles geben, um ihre Familie zu beschützen, was auch bedeutet, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss...

Der siebte Teil des erfolgreichen Franchise, das 1997 mit "Scream" seinen starken Anfang nahm und damit auch das Horror-Slasher-Kino neu belebte, ist weniger ein weiterer Aufguss der Ghostface-Formel als ein spätes, fast melancholisches Innehalten der Reihe: Der Film fragt, was es bedeutet, wenn eine Überlebende endlich ankommt - und der Horror ihr nachreist. Kevin Williamson, der geistige Vater der Reihe, führt zum ersten Mal selbst Regie und macht aus Sidney Prescotts Rückkehr weniger ein Fanservice-Ereignis als einen Schlussstrich, der sich lange geweigert hat, gezogen zu werden. Die Prämisse wirkt zunächst vertraut: Sidney hat sich im ruhigen Städtchen Pine Grove, Indiana, ein neues Leben aufgebaut, als ein neuer Ghostface auftaucht und sich auf ihre Tochter Tatum einschießt. Damit knüpft "Scream 7" direkt an das Grundmuster der Reihe an - ein scheinbar sicherer Ort, der sich als Bühne für Wiederholungen entpuppt -, verschiebt den Fokus aber ins Familienmelodram: Die Attacke gilt nicht mehr nur Sidney selbst, sondern der nächsten Generation. 

Im Kontext der Reihe lässt sich inzwischen deutlich von drei Bewegungen sprechen: der ursprünglichen Woodsboro-Trilogie um Maureen Prescotts Erbe, dem meta-modernen Reboot-Zyklus ("Scream", "Scream VI"), und nun diesem Legacy-Film, der die Geschichte ausdrücklich wieder an Sidney bindet. "Scream 7" ist somit sowohl Fortsetzung von "Scream VI" als auch eine bewusste Rückkehr zur emotionalen Achse der ersten vier Teile - unterstützt durch die prominente Rückkehr von Neve Campbell und anderen Legacy-Figuren. Ihre Sidney Prescott war in "Scream" eine verunsicherte Teenagerin, deren Identität sich im Schatten des Mordes an ihrer Mutter formte; mit jedem Teil wurde sie zur kontrollierteren, abgeklärteren Überlebenden. In "Scream 7" steht sie nun an einem Punkt, an dem das Trauma nicht mehr ihr persönlicher Makel, sondern ihre Ressource ist: Sie weiß, wie man Ghostface begegnet - aber nun muss sie diese Erfahrung an ihre Tochter weitergeben. 

Die Entscheidung, Sidney als Mutter zu zeigen, ist mehr als ein dramaturgischer Kniff; sie verschiebt die Frage der Verantwortung. In den früheren Filmen musste sie sich selbst retten, später ihre Freunde, dann die eigene Mythologie überleben - jetzt steht die Zukunft ihrer Familie im Zentrum, und der Horror wird zur Erbschaft, die sie nicht weitergeben will. Das reiht sich ein in Williamsons lang angelegte Erzählung von Schuld, medialer Ausbeutung und Nachahmungstätern, die schon in "Scream 2" und "Scream 3" das Echo der ursprünglichen Verbrechen untersuchte. Verglichen mit den Radio-Silence-Filmen ("Scream", "Scream VI"), die Sam Carpenter als neue, von Billy Loomis’ Blutlinie gezeichnete Final Girl-Figur etablieren wollten, ist "Scream 7" bewusst konzentrierter auf die klassische Trias von Legacy-Charakteren. Der Fokus auf Sidney und ihre Tochter, flankiert von Rückkehrern wie Gale Weathers (Courteney Cox, die in den letzten Jahren wohl einmal zu oft unter dem Operationsmesser gelegen hat) , signalisiert eine Verschiebung von der Ensemble-Dynamik der jüngsten Teile hin zu einem eher intimen, fast schon altmodischen Slasher-Drama.

Die "Scream"-Reihe war nie zimperlich, aber ihr Gewaltgrad diente stets der meta-reflexiven Pointe: Die Filme kommentierten Slasher-Konventionen, während sie sie ausreizten. "Scream 7" bewegt sich im oberen Bereich dessen, was das Franchise bisher gezeigt hat: Die Kills wirken in dieser Konstellation weniger spielerisch als in "Scream 4" oder den Meta-Spielereien um das "Stab"-Franchise, sondern tragen eine finale Schwere - als wolle Williamson deutlich machen, dass der Preis der immer neuen Sequels irgendwann auf der Figurenebene bezahlt werden muss. Zugleich bleibt der typische, schwarze Humor der Reihe erhalten, aber er rückt mehr in die Dialoge und weniger in die Art der Morde; die Gewalt ist direkter, weniger ironisch gebrochen. Der erste "Scream" war eine Revolution, die das Slasher-Genre neu codierte; "Scream 2" dekonstruiert die Regeln der Fortsetzung, "Scream 3" spielt mit dem Trilogie-Mythos und Hollywood, "Scream 4" kommentiert Reboots und Fame-Kultur der 2010er. "Scream" und "Scream VI" verlagerten den Fokus auf eine neue Generation und griffen den Trend der Legacy-Sequels auf - Filme, die zugleich Fortsetzung und Neustart sind. 

"Scream 7" fügt sich als Scharnier zwischen diesen Phasen ein. Er übernimmt das Motiv der Legacy-Figur aus den neuesten Teilen, aber gibt ihr wieder die zentrale Bühne, statt sie nur als Symbol oder Plot-Device einzusetzen. Wo "Scream VI" noch laut, überbordend und urban war, wirkt "Scream 7" im Setting des kleinen Ortes fast wie eine Rückkehr nach Woodsboro - eine bewusste Verkleinerung, die an das Kammerspielhafte des Originals erinnert. Man kann die Reihe inzwischen als Bewegung von filmtheoretischer Meta-Komödie über medienkritische Satire hin zu einer fast elegischen Reflexion über das Altern eines Final Girls lesen. In diesem Sinne wirkt "Scream 7" weniger wie ein weiterer Aufschlag in einer endlosen Franchise-Kette, sondern wie ein Epilog, der das Bild von Sidney Prescott vervollständigen will. 

"Scream 7" ist weniger daran interessiert, wer dieses Mal unter der Maske steckt, als an der Tatsache, dass Sidney erneut gezwungen wird, eine Rolle zu spielen, von der sie glaubte, sie abgelegt zu haben. Es ist diese tragische Ironie - eine Frau versucht, ihrem Trauma eine Form von Normalität abzutrotzen, nur damit die Welt sie wieder als die Überlebende definiert -, die den Film über den reinen Genre-Spaß hinaushebt. Im Vergleich zu den technisch versierten, aber emotional distanzierteren jüngeren Teilen hat "Scream 7" etwas angenehm Altmodisches: Er vertraut darauf, dass der Zuschauer nach all den Jahren noch etwas für Sidney empfindet, und dass das Gewicht eines Messers mehr zählt, wenn es über einem vertrauten Gesicht schwebt. Wenn der Abspann läuft, bleibt weniger die Frage, wie clever der letzte Twist war, sondern ob dies endlich der Moment ist, in dem die Figur Sidney Prescott aus dem Genre entlassen wird - und ob das Ende in Horrorfranchises überhaupt mehr sein kann als eine höfliche Behauptung. 

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Spyglass Mediagroup/Project X

Samstag, 11. März 2023

Scream VI - Scream 6 (2023)

https://www.imdb.com/title/tt17663992/

Sam (Melissa Barrera), Tara (Jenna Ortega), Mindy (Jasmin Savoy Brown) und Chad (Mason Gooding) reicht’s. Nachdem sie das letzte Massaker von Ghostface in Woodsboro überlebt haben, ziehen die vier kurzerhand nach New York. Dort wollen die beiden Geschwisterpaare sozusagen ein neues Leben beginnen und die Kleinstadt zusammen mit den traumatischen Erlebnissen hinter sich lassen. Doch der blutige Killer mit Geistermaske und scharfer Klinge lässt sich offenbar nicht so einfach abschütteln, denn plötzlich taucht er auch im Big Apple auf. Und zwar auf der Straße, in der U-Bahn, im Supermarkt – scheinbar überall nutzt er den Trubel der Großstadt aus, um genauso schnell wieder in den Menschenmengen zu verschwinden, wie er vorher auftauchte. Und obwohl Sam, Tara, Mindy und Chad schon Bekanntschaft mit dem Killer gemacht haben, können sie sich dieses mal nicht auf ihre Erfahrung verlassen. Denn wer auch immer hinter der Maske steckt, hat neue Tricks auf Lager. 

"Think Big!" - Das ist wohl das Motto der Macher gewesen, als sie den Killer "Ghostface" in den Big Apple, New York, schicken. Nicht ganz zufällig wie es scheint, denn schon einmal brach ein maskierter Killer aus seinen gewohnten Umgebung aus und machte die Großstadt unsicher. In "Freitag, der 13. Teil 8: Todesfalle Manhattan" war es Jason, der dort seine Opfer suchte und weil die mittlerweile in die sechste Runde gehende "Scream"-Reihe von jeher eine Hommage an das Horrorkino der 80 Jahre und die bekanntesten Vertreter seiner Art war, darf man dies wohl auch als eine Huldigung verstehen. Und "Scream VI" ist wohl die beste Fortsetzung der "Scream"-Reihe. Der Film ist blutiger als seine (direkten) Vorgänger, ist spannend und macht Spaß, wenn man erneut versucht zu erraten, wer hinetr den Morden steckt. Das allein wäre ja shcon genug für eine zufriedenstellende Fortsetzung, aber einige unerwartet tiefgründige Themen machen diesen Film zum besten der Reihe seit dem Original von 1996.

Mehr als frühere Filme der Reihe will "Scream VI" auch wirklich in das Innere des Killers vordringen: nicht in das derjenigen, die sich die Ghostface-Maske aufsetzen, sondern in das derjenigen, die wirklich die Mordlust verspüren. Für ein Franchise, das sogar zu realen Morden inspiriert hat, geht dieser Film in einige düstere Richtungen und fragt sowohl seine Figuren als auch das Publikum ganz offen, ob sie von all dem Blutvergießen nun endlich genug haben.

Eine "Scream"-übliche Telefonanrufsequenz mit Samara Weaving und Tony Revolori stellt das zentrale Motiv des Films dar, bevor der Vorhang mit der Enttarnung des Ghostface-Killers vollständig gelüftet wird. Aber "Scream VI" hat noch mehr Überraschungen auf Lager, bevor er zur eigentlichen Geschichte kommt. Im Mittelpunkt steht die Protagonistin des letzten Films, Sam Carpenter (Melissa Barrera), die zusammen mit ihrer Schwester Tara (Jenna Ortega) und den Zwillingen Chad (Mason Gooding) und Mindy Meeks-Martin (Jasmin Savoy Brown), den anderen Überlebenden des letztjährigen Blutbads, von Woodsboro nach Manhattan gezogen ist. Zu Beginn des Films gesteht Sam ihrem Therapeuten (Henry Czerny), dass sie nicht so sehr von dem Massaker in Woodsboro verfolgt wird, sondern vielmehr von der Dunkelheit, die in ihr selbst lauert, denn nachdem sie den Mörder des letzten Films gewaltsam beseitigt hat, hat sie es im Nachhinein vielleicht ein wenig zu sehr genossen.

Tara und ihre Freunde hingegen wollen einfach nur das College-Leben genießen, zusammen mit einer neuen Gruppe von Charakteren, zu denen Chads Mitbewohner Ethan (Jack Champion), Mindys Freundin Anika (Devyn Nekoda), Sams und Taras Mitbewohnerin Quinn (Liana Liberato) und Danny (Josh Segarra), der heiße Typ von nebenan, mit dem sich Sam heimlich getroffen hat, gehören. Und dann sind da noch "Scream"-Urgestein Gale Weathers (Courteney Cox), die ein weiteres Buch über das jüngste Massaker geschrieben hat, Quinns Vater und NYPD-Detective Bailey (Dermot Mulroney) und Kirby Reed (Hayden Panettiere), die Protagonistin von "Scream 4", die inzwischen FBI-Agentin geworden ist. Man würde es nie (hier Augenrollen einfügen) vermuten, aber Ghostface ist ebenfalls nach New York gezogen. Und eine (oder mehrere) dieser Figuren ist der Killer. Der Plot der "Scream"-Filme war schon immer eine Mischung aus Slasher und einem Whodunnit (einem sehr weit entfernten Agatha Christie-Roman, wenn man so gnädig sein möchte), und "Scream VI" folgt ebenfalls diesem Muster. Das Finale bietet die eine oder andere echte Überraschung, aber das Geheimnis ist nichts, was das Publikum ohne die Hilfe des Killers, der sich selbst demaskiert und in einem fünfminütigen Monolog seinen Plan erklärt, hätte herausfinden können.

Aber das ist es nicht, was "Scream VI" so besonders macht: Dieser Film funktioniert besser als andere, da er sich dem inneren Schrecken zuwendet. Während Sam ihre Gefühle der Blutlust untersucht, fordert der Film den Zuschauer auf, seine eigenen zu untersuchen: Sollten wir diesen kranken Killern die Daumen drücken, damit sie einen grausamen Tod sterben? Oder wird dadurch nur ein Kreislauf der Gewalt aufrechterhalten, der nur zu einem weiteren Teil ("Scream 7") führen wird? Die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett lieferten mit dem letztjährigen "Requel" eine unerwartet befriedigende Rückkehr zur "Scream"-Reihe, und diese vollwertige Fortsetzung verbessert ihren vorherigen Film in fast jeder Hinsicht, während sie sich immer noch an die strenge Formel hält, die von den vorherigen Filmen der Reihe etabliert wurde.

Der Umzug nach New York verleiht dem Film eine gewisse Frische, aber der Big Apple selbst wird viel zu wenig genutzt; dieser "Scream" hätte in jeder beliebigen Großstadt spielen können. Natürlich zieht ein Name wie "New York"/"Big Apple" einfach mehr - das ist klar. Aber anders als in der letzten halben Stunde von "Freitag, der 13. Teil 8: Todesfalle Manhattan" fehlt hier die Atmosphäre der bösen Straßen von New York; und ja klar, dies ist schließlich nicht Martin Scorceses "Gangs Of New York".

Ein paar herausragende Sequenzen sorgen jedoch für ein gewisses Flair: eine Schießerei in einer New Yorker Bodega, an deren Ende Ghostface eine Schrotflinte in der Hand hält (die im Trailer des Films komplett verdorben wird), und eine unerträglich angespannte Fahrt in der New Yorker U-Bahn in der Halloween-Nacht, bei der die Hälfte der Fahrgäste die Masken des Ghostface-Killers trägt. "Scream VI" erfindet damit und unterm Strich die Reihe zwar nicht neu, aber es ist eine besonders gut gemachte Fortsetzung, die Fans der Reihe begeistern und vielleicht sogar einige neue "bekehren" könnte. Dieser Film behandelt zwar ein ähnliches Thema wie der letztjährige, Franchise-zerstörende "Halloween Ends"-Film, aber dies auf eine viel publikumsfreundlichere Art und Weise. Hier passt es einfach und macht den sechsten Teil am Ende zu einer guten Fortsetzungen der Reihe.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Paramount Pictures
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Dimension Films

Dienstag, 11. April 2017

Scre4m - Scream 4 (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1262416/

Es ist Jahre her, dass Sidney (Neve Campbell) zuletzt in Woodsboro war. Ihre traumatischen Erlebnisse hat sie inzwischen als erfolgreiche Autorin in Buchform verarbeitet. Die Lesereise zu ihrem neuesten Buch führt sie an den Ort der Mordserien zurück. Erwartet wird sie unter anderem von Ex-Sheriff Dewey (David Arquette) und Journalistin Gale (Courteney Cox), die inzwischen verheiratet sind. Doch just zu dieser Zeit steht auch das Jubiläum der damaligen Morde an - und erneut tötet jemand unter dem schwarzen Gewand und der weißen Geistermaske mehrere Menschen in Woodsboro. Aber die Horrorfilmregeln sind nicht mehr dieselben wie damals: Es gibt neue Opfer, neue Ziele, neue Schreie! Der Mörder lehnt seine Taten nun an "Stab" an, der Film, in dem die erste Mordserie verarbeitet worden war. Er macht es seinen Opfern aber nicht so einfach. Wenn die alten Bekannten die Identität des Killers lüften und ihn aufhalten wollen, müssen sie die Regeln des 21. Jahrhunderts beherzigen...

Was für ein großes Risiko, das Regisseur Wes Craven hier gewagt hat. Die "Scream"-Reihe war zu Ende und gerade nach dem sehr mittelmäßigem "Scream 3" hätte niemand mehr mit einem vierten Film gerechnet. Ganze 11 Jahre nach Teil 3 kam dann doch noch das Comeback vom Ghostface-Killer und führt den Zuschauer zurück an den Anfang - nach Woodsboro. Der Film hätte ein gigantischer Flop werden können, doch "Scream 4" kann tatsächlich überraschen. Zwar ist er kein großartiger Film geworden, aber er ist zumindest deutlich besser als sein Vorgänger.

Nun sei ganz offen gesagt, dass dieser Teil wirklich nicht hätte sein müssen. Es ist so langsam etwas absurd, dass nun schon zum vierten Mal so ein auf Filme fixierter Killer sein Unwesen treibt. Und trotzdem war es nach all den Jahren schön, die altbekannten Charaktere noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Es wird viel auf die alten Teile eingegangen und besonders gegen Ende zitiert der Film sich selbst. Diesmal steht das Thema Remake deutlich im Fokus und zahlreiche Filme erhalten eine amüsante Erwähnung. Die Morde sind für die Altersfreigabe entsprechend ziemlich blutig, nur fehlten leider die etwas kreativen Momente. Die Auflösung ist dieses Mal in Ordnung, wenn auch nicht ganz so glaubwürdig wie in "Scream" und "Scream 2".

Neve Campbell kehrt noch einmal zurück in die Rolle der Sidney Prescott und konnte mich tatsächlich auch beim vierten Mal überzeugen. Ihr Charakter bildet einfach einen Fixpunkt um den sich die ganze Story dreht, zudem ist sie in einer absurden Weise liebenswürdig und man fiebert gern mit ihr mit. David Arquette und Courtney Cox haben auch rein gar nichts von ihrer Chemie eingebüßt und überzeugen als (mittlerweile) verheiratetes Paar. Der größte Schwachpunkt in diesem Film ist aber Emma Roberts, die nicht wirklich überzeugt. Hier spielt sie steif, ja beinahe hölzern und jeder Text von ihr wirkt wie frisch abgelesen oder schlecht auswendig gelernt. Dafür ist Hayden Panettiere als Filmfreak ganz amüsant und auch der Gastauftritt von Anna Paquin gefällt.

Kurzum: wer die Reihe schon immer mochte, der wird auch diesen Teil mögen. Wie immer wandern Craven und Williamson auf einem schmalen Grad. Einerseits ist das Ganze eine völlige Farce und klappert alle Punkte akribisch ab. Andererseits nimmt sich der Film aber auch hin und wieder mal ernst, was für den Spannungsbogen nötig ist. Wie schon in den Vorgängern, ist der Meta-Humor ziemlich offensichtlich, aber trotzdem irgendwie nett verschachtelt. Was im ersten Moment noch auf die Nase fällt, wird im nächsten schon als doppelte Ironie entlarvt, oder sogar noch weiter verschachtelt. Der Film jongliert mit den Klischees nur so und lässt den Zuschauer rätseln, welches er wohl ausspielt. Ist das nun originell, unoriginell, witzig, dumm oder einfach Geschmackssache? Vielleicht irgendwo dazwischen, man kann aber sagen, dass "Scream 4" sein Konzept angenehm ins neue Horror-Jahrzehnt übertragen hat, ohne dabei den Hang zum 90s-Slasher zu verlieren. Ganz nach dem Motto: "The Slasher is dead, long live the slasher, but do not fuck with the original". Das tut "Scream 4" definitiv nicht und er ist ein deutlich besserer Abschluss als "Scream 3". Zwar ist auch dieser Film komplett unnötig, aber trotzdem ist das Comeback gelungen. Trotzdem hätte nach Teil 2 Schluss sein sollen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Studiocanal
Poster/Artwork: Dimension Films

Mittwoch, 22. November 2023

Thanksgiving (2023)

https://www.imdb.com/title/tt1448754/

Am sogenannten Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving, brechen im US-amerikanischen Plymouth Unruhen aus, die ein schreckliches Ende nehmen. Und auch danach ist in dem beschaulichen Küstenstädtchen in Massachusetts nicht an Ruhe und Frieden zu denken. Ein unbekannter Killer, der erstaunlich viel Inspiration aus den Traditionen des amerikanischen Erntedankfestes zu ziehen scheint, verbreitet Angst und Schrecken und beginnt damit, Jagd auf die Einwohner zu machen. Kann der örtliche Sheriff (Patrick Dempsey) dem blutrünstigen Monster Einhalt gebieten?

Die Liste wirklich großartiger Horrorkomödien ist überraschend kurz. Um etwas Lustiges zu machen, das gleichzeitig überzeugend spannend und befriedigend blutig ist, bedarf es einer feinen Note, weshalb Wes Cravens "Scream"-Filme wahrscheinlich die besten Beispiele für unterhaltsame, lustige Slasher sind. Auch wenn die neuesten "Scream"-Filme sicherlich in Teilen von Craven inspiriert wurden, ist es ihnen nie ganz gelungen, die Kombination aus Schrecken und Spaß einzufangen, die die vier Originalfilme so großartig macht. Zum Glück ist Eli Roths alberner, wirklich gruseliger neuer Slasher "Thanksgiving" (der ursprünglich nur als Fake-Trailer im "Grindhouse"-Double-Feature von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino begann) hier, um "Scream" und seinen unmittelbaren Fortsetzungen die Fortsetzung zu geben, die sie wirklich verdienen. Genau wie beim ursprünglichen "Scream" findet der Großteil von "Thanksgiving" ein Jahr nach einer tödlichen Tragödie statt. Aber in diesem Fall handelt es sich nicht um einen einzigen Mord, sondern um einen Massenansturm am Black Friday, bei dem drei Menschen getötet wurden. Im Gegensatz zu "Scream" beginnt Roths Film jedoch tatsächlich mit dem Ereignis. Die Panik beginnt, als ein Walmart-ähnlicher Laden in Plymouth, Massachusetts, verspricht, dass die ersten 100 Käufer, die am Vorabend von Thanksgiving ankommen, ein kostenloses Waffeleisen bekommen. Scharen von Menschen tauchen auf, verzweifelt auf der Suche nach ihrem "Goodie". Das Ganze ist unbestreitbar albern, dient aber auch als hervorragender Tongeber für den kommenden Film. Roth verwischt gern die Grenzen zwischen seinem Horror und seiner Komödie und sorgt dafür, dass die großzügigen Blutspritzer des Films gleichermaßen Lacher und Grinsen hervorrufen.

"Thanksgiving" verliert keinen Schritt an Schwung, als es auf ein Jahr nach den Massakern zurückblickt und enthüllt, dass eine mysteriöse Person, die als Gouverneur der Plymouth-Kolonie, John Carver, getarnt ist, Menschen ermordet hat, die an der Tragödie beteiligt waren. Er richtet sich speziell an die Gruppe der Teenager, die früh eingestiegen sind und die ganze Tortur gefilmt haben. Natürlich gibt es einen hilfreichen Sheriff, der die Morde untersucht, einen verdächtigen neuen Polizisten in der Stadt und viele lokale Verrückte, die der Verdächtigenliste hinzugefügt werden können - darunter ein besonders urkomischer Waffenhändler, gespielt von Joe Delfin. Die Tonart des Films ist luftig und gespickt mit überraschend witzigen Witzen, die um Tropen und Archetypen von High-School-Filmen herumtanzen, aber auch um Themen wie Landanerkennungen, ohne dass sie den Blutfluss bremsen. In wahrer "Scream"-Manier gleicht das solide Kerngeheimnis eher einer jugendlichen Detektiv-Farce als einem akribischen Detektivfilm. Die Hauptfiguren (alle auf eine ruckartige, kindgerechte Art liebenswert) ziehen voreilige Schlüsse, werfen Anschuldigungen in völlig falsche Richtungen und werden einer nach dem anderen auf zunehmend grausame Art und Weise angegriffen, die es immer schafft, an Thanksgiving zu erinnern.


Und apropos "grausame Art und Weise". Das ist etwas, womit "Thanksgiving" sogar "Scream" übertrifft. Roth nutzt jede Gelegenheit, um seine Truppe aus manchmal mitfühlenden Teenagern auszuweiden und zu verstümmeln. "Thanksgiving" erreicht zwar nie das Kotzgefühl-hervorrufendes oder Magenumdreh-Niveau von Roths Splatter-Filmen wie "Hostel" oder "The Green Inferno", aber es gibt immer noch genug Eingeweide und halbierte Körper, um die meisten anderen Slasher im Vergleich dazu zahm erscheinen zu lassen.

Was Roths Film, abgesehen von seinem charakteristischen Blut, so beeindruckend und unterhaltsam macht, ist die Geschicklichkeit, mit der er mit dem Ton umgeht. Die Gratwanderung, die er in der ersten Black-Friday-Schlägerei vollzieht, die zu gleichen Teilen lustig, albern, ekelhaft und gruselig ist, ist eine heikle Balance, die er den gesamten Film hindurch aufrechterhält. Roth nutzt die vielen albernen Einzeiler und Gags in Jeff Rendells Drehbuch, um die Spannung in seinen Horrorszenen zu erhöhen, anstatt sie zu untergraben, etwa wenn der John Carver-Mörder einen ganz besonderen Thanksgiving-Vogel zum Kochen vorbereitet oder wenn das letzte Mädchen des Films posiert als Schaufensterpuppenkopf, während der Mörder an ihrer Highschool herumstreift. Komische Slasher, bei denen sich beide Hälften ergänzen, sind selbst unter den unterhaltsamsten Angeboten des Genres selten. Filme wie "Happy Death Day" oder "Freaky" sind zu lustig und unbeschwert, als dass sie jemals wirklich Angst machen könnten, während ein Film wie "Haus der 1000 Leichen" so düster und ekelhaft ist, dass der Humor beim ersten Anschauen kaum auffällt. Nur wenige Filme haben dieses Gleichgewicht jemals so gut gemeistert wie Cravens vier "Scream"-Filme. "Thanksgiving" erreicht nicht ganz die kometenhaften Höhen dieser Reihe, aber es kommt weitaus näher als alles andere in den letzten Jahren - einschließlich des "Scream"-Franchise selbst.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork: Sony Pictures

Donnerstag, 5. Mai 2022

Scream (2022)

https://www.imdb.com/title/tt11245972/

Der Killer mit dem Ghostface kehrt zurück nach Woodsboro! Diesmal hat es der psychopathische Mörder auf eine Gruppe junger Menschen abgesehen, die in einer Verbindung zu den Opfern und Überlebenden der vorherigen Woodsboro-Attentate stehen. Ein Teenager nach dem anderen wird niedergemetzelt und die Geheimnisse der Kleinstadt rücken immer mehr ins Zentrum der Öffentlichkeit. Für die Überlebenden Sidney Prescott (Neve Campbell), Journalistin Gale Weathers (Courteney Cox) und Ex-Sheriff Dewey (David Arquette) ist die Rückkehr des Killers ein Auseinandersetzen mit der Vergangenheit. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als wieder miteinander in Kontakt zu treten und weitere Morde zu verhindern. Ob die Regeln zum Überleben, die ihnen zuvor das Leben gerettet haben, noch weiterhin gültig sind, müssen Sidney und ihre Freunde bald am eigenen Leib erfahren.

Die Skepsis war groß. Eine späte Fortsetzung, elf Jahre nach Teil 4, dazu ohne die Beteiligung des verstorbenen Wes Craven und dazu die langsam ermüdende Nostalgie-Welle – nicht gerade die idealen Voraussetzungen.  Als die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett auch noch verkündeten, den Metalevel deutlich runterzuschrauben und Kevin Williamson sagte, er liebe den neuen Ansatz, waren alle Fans und Berufsskeptiker hellhörig geworden. Doch es kann Entwarnung gegeben werden. Denn einiges an PR-Äußerungen stellt sich nach Betrachtung des Films als geschickte Nebelkerze dar. Natürlich machen es sich Bettinelli-Olpin und Gillett recht einfach, wenn sie ganz nach dem Vorbild Star Wars – Das Erwachen der Macht eine Art Remake des Originalfilms abliefern und alte Charaktere wohlig-nostalgische Gefühle bei den Zuschauern wecken.

Doch sie beherrschen das Spiel mit den Elementen des Slasher-Genres ebenso gut, wie es Craven im Original und direkten Sequel Scream 2 tat. Schon in der Eröffnungssequenz gelingt es dem Duo, die Erwartungen des Publikums zu befriedigen und Elemente aus dem Originalfilm aufzunehmen. Da dürfen schon einmal ganze Dialogszenen fast 1:1 übernommen werden. Die berühmten Jump-Scares dürfen ebenfalls nicht fehlen. Allerdings schaffen die Regisseure es besonders in einer Sequenz, das übliche Spiel aus plötzlich eintretendem Ereignis und überlaut einsetzenden Streichern derart auf die Spitze zu treiben, dass ein unheimlich unterhaltsamer Mix aus Anspannung, Erwartung und fast schon satirischer Überspitzung entsteht.


Und auch ihre Figuren dürfen das Spiel gekonnt mitmachen. So werden, wie es einst Randy Meeks tat, die Regeln für Prequels und Legacy-Filme erklärt und offen gelegt. Zudem sorgen die Referenzen zum Original sowie die außerordentlich bissigen Kommentare auf aktuellen Entwicklungen wie toxische Fanbases oder Horrorgenre-Varianten der letzten Jahre für Unterhaltung. Und wenn letztlich sogar die übliche Frage, wer unter der Ghostface-Maske steckt, ganz nonchalant frühzeitig und nicht nur ein einziges Mal angeteast wird, macht Scream einfach unheimlichen Spaß. Die Gefahr, die Nostalgie-Welle totzureiten, umschifft der Film dabei sehr geschickt.

Letztlich werden all die Erwartungen erfüllt, die Fans der Reihe haben dürften. Zugleich bietet das Skript von James Vanderbilt und Guy Busick alles, was wir an der Nostalgie-Welle langsam über haben. Nur geschieht dies in genau der richtigen Dosis. Wenn Reihen-Veteranen wie David Arquette oder Courtney Cox die Szenerie betreten, werden genau die richtigen Knöpfe gedrückt und die Deweys und Gales funktionieren fast selbstverständlich gut. Neve Campbell, die im Vorwege bekannt gab, dass eine Rückkehr nur bei einem sehr guten Drehbuch möglich sei, ist als Sidney so präsent und stark wie in Teil 1 und bildet das Tüpfelchen auf dem i der Legacy-Charaktere. Doch natürlich muss die Frage gestellt werden, wie die neu zu etablierenden Figuren in Scream in die Legacy-Requel-Sequel-Geschehnisse integriert werden.


Wie schon in Williamsons Originalskript sind die Figuren zwar nicht allesamt bis ins letzte Detail aus erzählt, aber bekommen genug Vertiefung, sodass sie einem nicht egal sind. Im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern gelingt es somit auch dem 2022er- Scream, Charaktere zu schaffen, deren Tode nicht spurlos an den Zuschauern vorbeigehen. Die Besetzung von Jenna Ortega als Tara ist ein erster Coup der Produzenten. Ihrem Schicksal folgt man gebahnt, weil sie zum einen als Figur genug Fleisch bekommt, damit uns ihr Schicksal interessiert. Zum anderen ist sie trotz ihrer handlungsbedingten Begrenztheit geschickt in die Ereignisse eingebunden. Die Beziehung zu ihrer Schwester Sam, gespielt von Melissa Barrera, kann zudem ebenfalls überzeugen. Als ältere Schwester mit einer Backstory, die aus Spoilergründen hier unerwähnt bleiben soll, kann Barrera ebenso überzeugen wie als Final Girl.

Jack Quaids Richie bekommt als Sams Freund zwar weniger Charaktervertiefung, kann dafür allerdings seine ihm vom Skript zugedachte Funktion recht ordentlich erfüllen. Aus der Teenie-Clique können sich außerdem Jasmin Savoy Brown und Mason Gooding in den Vordergrund spielen. Die Zwillingsgeschwister Mindy und Chad übernehmen die Funktion von Jamie Kennedys Randy und auch dies wird geschickt in die Gesamthandlung eingebettet. Allerdings dürften Fans des Originals am Ende zu der Erkenntnis kommen, dass die Clique damals wesentlich griffiger und authentischer agieren durfte. Wo an dieser Stelle ein erster, kleinerer Kritikpunkt erwähnt wird, soll im folgenden Absatz noch ein Blick auf weitere Aspekte des Films erfolgen.

Einer der etwas größeren Kritikpunkte an der Reihe sind die Kills, denn schließlich zückt Ghostface fast ausschließlich das Messer und ist beim Töten wenig kreativ. Diese Schwäche schafft auch der fünfte Teil nicht aus der Welt. Allerdings sind die Kills ebenso blutig wie die in Scream 4, dabei allerdings noch eine deutliche Spur sadistischer und fieser. Die FSK kam zu einer Altersfreigabe ab 16 Jahren, die Genre-Fans nicht abschrecken darf. Viel eher verwundert diese Freigabe, die der Film vollends ausschöpft. Es wäre nicht zu hart gewesen, wenn lediglich Erwachsene in den „Genuss“ von Scream kommen dürften. Wer neben dieser leichten Neuerung noch weitere Innovationen erwarten sollte, könnte ein wenig enttäuscht werden. Den Vorwurf, der Film ruhe sich zu sehr auf den Stärken der Reihe, vor allem des Originals, aus, kann er nicht gänzlich ausräumen. Audio-visuell allerdings sind Kameramann Brett Jutkiewicz und Komponist Brian Tyler absolut auf hohem Niveau, denn der Film sieht wirklich gut aus und auch der Score bietet alt bekannte Motive sowie die Tyler-üblichen Kompositionen mit Wiedererkennungswert.

Unterm Strich können Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett dem Franchise einen sehr überzeugenden Eintrag hinzufügen. Von der Qualität reiht sich der 2022er Scream direkt hinter Teil 2 ein. Dafür verantwortlich sind das gekonnte Spiel mit Erwartungen an das Genre und die Tropen der Reihe. Ob einem die neue Clique nun weniger zusagt, als die um Sidney, Billy und Stu aus dem Original, muss jeder für sich selbst entscheiden. Als Horror-Slasher funktioniert der Film richtig gut und gehört somit zu den besten Beiträgen der immer noch anhaltenden Nostalgie-Revival-Welle.

6,5/10

Von PARAMOUNT gibt es die 4K Ultra-HD Blu-ray/Blu-ray-Kombi im Steelbook:

Quellen:
Inhaltsangabe
: Paramount Pictures
Poster/Artwork: Paramount Pictures/Dimension Films