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Donnerstag, 30. Juli 2020

Apocalypse Now (Final Cut) (1979)

https://www.imdb.com/title/tt0078788/

1969, Vietnamkrieg: Der Militärpolizist Benjamin L. Willard (Martin Sheen) wird beauftragt, den abtrünnigen US-Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando) zu töten, der sich von der amerikanischen Militärführung distanziert hat und nun im Dschungel Kambodschas über sein eigenes "Reich" herrscht. Von Saigon aus macht sich Willard per Patrouillenboot zusammen mit Chief Petty Officer Philips (Albert Hall), dem nervenschwachen Saucier Jay Hicks (Frederic Forrest), dem Greenhorn und Surfer Lance B. Johnson (Sam Bottoms) und dem siebzehnjährigen Tyrone Miller (Laurence Fishburne) auf den Weg, den unkontrollierbaren Colonel Kurtz zu finden. Bei ihrer Suche reisen die Männer durch die Hölle. Denn auf der Mission begleiten sie stets Tod, Verzweiflung, Wahnsinn und die Absurdität eines sinnfreien Kriegs. Und schließlich fühlt sich Willard bald selbst von der geheimnisvollen Macht des Dschungels angezogen...

Die Geschichte von "Apocalypse Now" beginnt mit einer 289-Minütigen Workprint-Version des Films, die schon vor langer Zeit auf VHS ihr Unwesen trieb, aber nie offiziell erschienen ist und vor der Cannes-Premiere 1979 entstand. Dort zeigte Coppola eine kürzere "Work in Progress"-Version des Films, die etwa 3 Stunden ging und die Goldene Palme, die höchste Auszeichnung des Filmfestivals, gewann. Im Anschluss kürzte der Regisseur den Film um viele Szenen und so kam im Herbst 1979 die offizielle Kinofassung mit nur ca. 147 Minuten Laufzeit in die Kinos. Zum 40. Geburtstag beschert Francis Ford Coppola dem geneigten Publikum nun also eine neue Version seines legendären Antikriegsfilms. Der Film dauert nun ohne Abspann 175 Minuten und ist somit wieder 20 Minuten kürzer als die Redux Version, aber eben auch knapp 30 Minuten länger als die damalige Kinofassung. Coppola selbst bezeichnet diese Version nun als "Final Cut".

Übergreifend kann man festhalten, dass die neue Filmfassung tendenziell eher auf der Redux Version basiert, wie man schon an der näher daran liegenden Laufzeit erahnen konnte. Im Grunde ist Coppola hier einen Mittelweg gegangen. Manche gegenüber der Kinofassung dazu gekommene Szenen wurden wieder komplett gestrichen, manche nur verkürzt. Ganz geschnitten wurden das zweite Aufeinandertreffen mit den Playboy Bunnies sowie die Szene gegen Ende, bei der Willard im Container liegt und Kurtz das Time Magazine liest. Auch wenn Coppola selbst im Interview auf Vanityfair nur auf die Kontinuität in diesem Filmabschnitt eingeht, liegt die dort geäußerte Vermutung nahe, dass man die Spielereien mit den Mädels im #MeToo-Zeitalter vielleicht etwas kritisch gesehen hat. Die Szene mit der Zeitschrift lässt sich noch klarer dem geänderten Zeitgeist zuschreiben, denn heutzutage hat das Time Magazine schlicht nicht mehr den gleichen Einfluss wie noch vor einigen Jahren. Lediglich verkürzt wurde der lange Szenenblock in der französischen Plantage und die Dinner-Szene mit Verschwörungstheorien über die Plantage. Der Aufenthalt bei den französischen Besetzern ist immer eine kritisch diskutierte Erweiterung der Redux-Version gewesen. Bei der ersten Ankündigung des Final Cuts zeigten sich deshalb viele enttäuscht, dass diese Szene prinzipiell noch enthalten ist. Tatsächlich ändert sich durch die kleineren Eingriffe nun aber der Schwerpunkt: Politische Statements geraten in den Hintergrund und die kleine Romanze zwischen Willard und Roxanne ist so stärker im Fokus. Auch mit diesem Aspekt war nicht jeder Fan zufrieden, Coppola zufolge dient dies aber als Bindeglied zur einleitenden Szene. Hier zerstört Willard bekanntermaßen alleine sein Hotelzimmer in Gedanken an seine ehemalige Frau.

Durch "Der Pate" und "Der Pate II" war Francis Ford Coppola zum Star aufgestiegen - und er blieb hungrig. Mit "Apocalypse Now" ging der Regisseur eines der bis dato ambitioniertesten Projekte der Kinogeschichte an. Die Dreharbeiten waren derart schwierig und unverhofft lang, dass ihnen zu Recht ein eigener Dokumentarfilm gewidmet wurde: "Hearts of Darkness: A Filmmaker’s Apocalypse". Doch das Durchhalten allen Zweifeln zum Trotz zahlte sich aus. "Apocalypse Now" ist ein Meisterwerk. Visionär Coppola inszeniert den Vietnamkrieg passenderweise als psychedelisch angehauchten Albtraum. Egal ob in ruhigen oder lauten Momenten, die sich clever abwechseln: die genial komponierten Bilder wirken unglaublich lebendig, unglaublich echt, abgerundet von perfekt platzierten Musikstücken. Eine derartige Atmosphäre wird es im Zeitalter der Computereffekte nicht mehr geben. Martin Sheen derweil hält die surreale Handlung mit einer kernigen, intensiven Darbietung zusammen. Ein abgehalfterter Marlon Brando wird angemessen in Halbdunkelheit gehüllt und durch raffinierte Lichtspiele zum Phantom-Endboss stilisiert. - Dazwischen wimmeln zu viele prägnante Nebenrollen, um sie hier alle zu nennen.

"Apocalypse Now" hat praktisch alles: Action, Drama, eine Prise Humor und sogar eine kleine Romanze, die so reduziert bleibt, dass sie sich stimmig einfügt. Die literarische Vorlage - die Erzählung "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad, 1899 - wird kreativ auf den Vietnamkrieg übertragen, um dessen Absurdität, wie auch eine innere Reise herauszuarbeiten. Der Fluss im Film stellt die Vene dar, die ins Herz der Finsternis führt, wo die Essenz des menschlichen Grauens beziehungsweise die Entmenschlichung lauert. "Apocalypse Now" ist ein umwerfendes Mammutprojekt für die Ewigkeit, einer der besten, wenn nicht der beste (Anti-)Kriegsfilm aller Zeiten, als "Final Cut" in der besten Version.

9/10

Von ARTHOUSE/STUDIOCANAL erschien der Film in 4K Ultra-HD im limitierten Steelbook:


Quellen
:

Inhaltsangabe
: Studiocanal / ARTHAUS

Samstag, 16. Februar 2013

The Godfather: Part III - Der Pate, Teil 3 (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099674/

Michael Corleone (Al Pacino) hat es satt: Nach Jahren dubioser Machenschaften will er endlich seine Geschäfte legalisieren. Seine Tochter Mary (Sofia Coppola) – Vorsitzende der Corleone-Stiftung – spendet der Kirche eine großzügige Summe, um armen Sizilianern zu helfen. Sein Sohn Anthony (Franc D’Ambrosio), von dem der Pate erwartete, dass er eines Tages seine Position einnehmen würde, weigert sich jedoch weiterhin, sich dem Willen Michaels zu beugen. Er will Opernsänger werden. Kay (Diane Keaton) unterstützt ihren Sohn in seinem Vorhaben, wodurch ihr Ex-Mann sich langsam Alternativen für seinen Nachfolger überlegt. Des Weiteren gibt es Probleme mit dem Neffen Vincent Mancini-Corleone (Andy Garcia), der ein genauso eigensinniger wie impulsiver junger Mann ist und sich mit dem Rest der Familie nicht gerade gut stellt. Michael versucht, sich um Vincent zu kümmern, um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden. Doch Vincents Temperament ist nicht leicht im Zaum zu halten.

"Der Pate, teil 3" ist ein leicht schwächelnder Abschluss der Corleone-Familien-Saga aber trotzdem fügt sich der dritte und letzte Teil der Trilogie nahtlos in dieses Epos ein. Die Tragik dieser Familienchronik wird in Teil 3 sogar besonders deutlich, denn der Versuch Michaels, aus der Illegalität herauszukommen, scheitert kläglich. Die Sünden und Verbrechen der Vergangenheit kann er nicht vergessen machen oder sich von ihnen loskaufen. Je mehr er glaubt, Kontrolle über das aus der Kriminalität entstandene Imperium zu erlangen, desto tiefer holt ihn die Vergangenheit ein. Vergebung ist nicht käuflich. Der Preis, den er letztlich zahlen muss, hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit dem, was er am meisten liebt - und sogar zu Beginn des Filmes stilisiert. Ist er Opfer seiner eigenen Taten, oder ist seine Tragik Ergebnis der Umstände, in die er hineingeboren wurde? Hätte er überhaupt anders handeln können, und wenn ja, wo lagen die Weichen, die er anders hätte stellen müssen? Über die Mafia-Geschichte und die spezifische Mentalität der sizilianischen Tradition, der er entstammt, hinaus verweist die Trilogie - auch in ihrem letzten Teil - auf Fragen, die über die Familienchronik der Corleones hinausführen. "Politik und Kriminalität sind ein und dasselbe", heißt es im Film. Wie wahr. 

Pacino ist einmal mehr großartig und lässt mit seinem grandiosen Schauspiel alle anderen hinter sich. Dass Robert Duvall nicht mit von der Partie war stößt leicht sauer auf. Alles in Allem ist "The Godfather: Part III" aber dennoch ein würdiger Abschluss dieser großartigen Trilogie. Natürlich nicht auf Augenhöhe mit den beiden Vorgängern, bisweilen holprig und überambitioniert, aber nichtsdestotrotz bringt er einen konsequenten Abschluss.

8/10

Von PARAMOUNT Pictures / UNIVERSAL erschien der Film zum 50-jährigen Jubiläum in einer limitierten "Collector's Edition", welche alle 3 Filme in Ultra-HD enthält.


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount

Freitag, 15. Februar 2013

The Godfather: Part II - Der Pate, Teil 2 (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0071562/

Der zweite Teil konzentriert sich auf zwei verschiedene Handlungsstränge, wobei ein Schwerpunkt auf Michael Corleones (Al Pacino) Situation liegt; der andere Strang beschäftigt sich mit Vito Corleones (Robert De Niro) Vergangenheit. Diese wird in Rückblenden in den Film eingebunden und zeigt die Kindheit des Clangründers und wie dieser sich in den USA an die Machtspitze der Mafia hocharbeitet, um die Szene dann ganz zu beherrschen. Sein Sohn Michael ist Vitos Nachfolger und übernimmt dessen Position als Pate. Er versucht, sein Imperium auf die Spielcasinos in Havanna und Las Vegas auszuweiten, doch dies gestaltet sich als schwierig. Michael macht sich einige Feinde, muss sich vor einem Anschlag in Acht nehmen und wird selbst innerhalb der Familie geschnitten.

Nach dem grandiosen ersten Teil, gleich noch den nicht minder genialen zweiten Teil drangehängt. Es wird erzählt wie der "neue" Pate Michael Corleone die Macht des ererbten Mafia-Imperiums auszuweiten versucht. Michael Corleone ist kein brutaler Gewaltmensch, sondern ein liebevoller Familienvater, loyaler Freund und ebenso nachdenklicher wie entschlossener Geschäftsmann, der seine Widersacher gnadenlos aus dem Weg räumt. Er wird seinem vater aber zunehmend ähnlicher. Rückblenden führen chronologisch vor den Film "Der Pate" zurück und es wird in Erfahrung gebracht, wie Michaels Vater Vito von Sizilien nach Amerika auswanderte und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Mut, Intelligenz und Verlässlichkeit ein Netz gegenseitiger Verpflichtungen aufbaute, wodurch er zum mächtigsten Mafia-Paten aufstieg. "Der Pate: Part II" ist eines der wenigen Beispiele einer Film-Fortsetzung, die mindestens ebenso gelungen ist wie der erste Teil. Ein grandioser Film, in dem vor allem auch die psychologischen Entwicklungen herausgestellt werden. Ebenfalls grandios!

9/10

Von PARAMOUNT Pictures / UNIVERSAL erschien der Film zum 50-jährigen Jubiläum in einer limitierten "Collector's Edition", welche alle 3 Filme in Ultra-HD enthält.


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount

Donnerstag, 7. Januar 2021

The Sicilian - Der Sizilianer (1987)

https://www.imdb.com/title/tt0093966/

Salvatore Giuliano (Christopher Lambert) raubt mit seiner Bande reiche, konservative Großgrundbesitzer aus und gibt die Beute an die Armen, die ihn als ihren Erlöser ansehen. Genau wie seine Popularität unter der Bevölkerung, die in ihm einen italienischen Robin Hood sieht, steigert sich auch sein Ego. Und auch unter den Mitgliedern seiner Bande bleibt es nicht lange unbemerkt, welchen Ruf Giuliano genießt, während, ihre Namen niemand kennt. So keimt Neid auf und die Loyalität Guilianos Mitstreiter scheint in Gefahr. Er wird dem Don der Mafia, Masino Croce (Joss Ackland),ein Dorn im Auge und so beauftragt der seinen Cousin und engsten Vertrauten, Pisciotta (John Turturro), um Giuliano zu beseitigen. Natürlich ist auch die Polizei hinter dem edlen Dieb her. Es scheint als rücke das Ende der altruistischen Feldzüge unausweichlich immer näher.  

Mit "Der Sizilianer" drehte Regisseur Michael Cimino im Jahr 1987 bereits die zweite filmische Aufarbeitung der Geschichte über das Leben des sizilianischen Briganten Salvatore Giuliano. Die erste Verarbeitung des Stoffes ("Salvatore Giuliano" von Francesco Rosi, hierzulande eher unter dem Titel "Wer erschoss Salvatore G.?" bekannt) mit Franco Nero in der Hauptrolle bemühte sich um Authentizität, während Cimino hier schon der Versuchung erlag, in Giuliano einen "Robin Hood" Siziliens zu sehen und in anti-historische Schwärmerei zu verfallen. Das Drehbuch entstand auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von Mario Puzo, der das Leben des Sizilianers schildert. Ihm gelang eine fesselnde Geschichte um das Zusammenwirken von organisiertem Verbrechen und Politik; um Freundschaft, Familie, Verrat und einen Mann, der in eine Zwangsrolle hineinwachsen muss - vollständig angesiedelt in der "alten" Heimat, mit größerem gesellschaftshistorischen Hintergrund. Während der Roman größtenteils mit guten Kritiken bedacht wurde, musste die filmische Adaption von Michael Cimino mit weitaus heftigerem Gegenwind zurechtkommen. Mal nicht wegen fehlinterpretierter, moralischer Anstößigkeiten, vielmehr wurde die Umsetzung per se angeprangert. Und gänzlich davon freisprechen kann man "Der Sizilianer" leider nicht, obwohl er sie zwischenzeitlich fast vergessen lässt.

Cimino hatte es nach dem Karriere-killenden Debakel um "Heaven's Gate" nicht leicht. "Der Sizilianer" war der letzte Versuch von Cimino, sein episches, klassisch-großes Erzählkino mit dem Hang zur extravaganten Dekadenz (die ihm einst das Genick brach) wieder dem Publikum und den Kritikern schmackhaft zu machen. Nach dem erneut ernüchternden Feedback ließ er es bleiben, es folgten nur noch zwei Kinofilme mit sichtbar zurückgenommenen Ambitionen. Dieses letzte Aufbäumen macht definitiv auch nicht alles richtig, was fatalerweise bei der Besetzung der so wichtigen Hauptfigur beginnt. Christopher Lambert entspricht schon optisch und generell vom Typ nicht im Geringsten der in der literarischen Vorlage beschriebenen Figur (das wäre sogar noch zu verschmerzen), er stößt darstellerisch deutlich an seine limitierten Fähigkeiten.

Trotz seiner Bemühungen ist er schlicht und einfach fehlbesetzt und nicht in der Lage, die Rolle mit entsprechender Tiefe auszufüllen. Im Gegenzug trumpfen Nebendarsteller wie John Turturro, Joss Ackland oder Terence Stamp groß auf. So pendelt sich die darstellerische Waage immerhin halbwegs im Gleichgewicht ein. Was die grundsätzliche, fachkundige Inszenierung angeht, machte Cimino ebenso kaum jemand etwas vor. Manche Szenen strotzen nur so vor Vitalität und großem Momentum, vollgestopft mit dieser inszinatorischen Kraft, die den unbändigen Ehrgeiz des Regisseurs und seinen Antrieb zum Maximum eindrucksvoll zum Vorschein bringen. Der Film entwirft ein ähnlich interessantes Konstrukt aus Historien-, Politik-, Helden- und Gangstergeschichte wie einst "Der Pate", erreicht jedoch nie dessen Größe und Genialität. Das politisch-gesellschaftliche Konfliktpotenzial einer seit Jahrzehnten gespaltenen Zweiklassengesellschaft in Italien. Ein unentschlossener, wackeliger Prozess zwischen abflachendem Faschismus, (wieder)aufkeimendem-revolutionärem Kommunismus und der geschmierten Politik der angeblichen Mitte, in der die Mafia, die höheren Zehntausend und natürlich die über allem stehende Kirche gemeinsam an einem Strang ziehen. Viel Stoff - fast zu viel für 140 Minuten Film - die trotz eines gemäßigten Tempos sehr schnell vergehen, dabei eine nicht immer schlüssige Charakterentwicklung im Eiltempo überspringt. Wohl ebenfalls den Umständen geschuldet, einem Cimino würde niemand wieder 3 oder noch mehr Stunden Zeit geben, um sich voll austoben zu dürfen. So ist es ein fehlerhafter, gehemmter und manchmal unglücklich gelöster, im Ansatz aber trotzdem noch großer Film. Mal fast romantisch verklärter Edel-Kitsch, mal nah an einem heftigen, intelligenten und hintergründigem Epos.

Erzählerisch zwischen grandioser Klasse und Seifenoper, mit großen Bildern und schwammig skizzierten Figuren. "Der Sizilianer" ist ein Grenzgänger, der den Zuschauer mitnimmt, beeindruckt und gleichwohl immer wieder ernüchtert. Irgenwie nicht Fisch, nicht Fleisch. Halbgar.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Freitag, 15. Februar 2013

The Godfather - Der Pate (1972)

http://www.imdb.com/title/tt0068646/

Don Vito Corleone (Marlon Brando) ist einer der mächtigsten Mafia-Bosse in New York City und Oberhaupt einer großen Familie: Sonny (James Caan), der älteste Sohn und ein schwer zu kontrollierender Heißsporn; Fredo (John Cazale) ist der Mittlere und eigentlich zu weich für das harte Tagesgeschäft der Mafia; Connie (Talia Shire), die einzige Tochter; Michael Corleone (Al Pacino) ist der jüngste Sohn und Liebling seines Vaters. Es ist dessen erklärter Wunsch, dass Michael aus den Machenschaften der Corleones herausgehalten wird; er soll ein bürgerliches Leben führen. Tom Hagen (Robert Duvall) ist Don Vitos Ziehsohn und Anwalt der Familie und wird später zum Consigliere, zum Berater gemacht. Michael diente im Zweiten Weltkrieg und besucht seine Familie anlässlich der Hochzeit seiner Schwester Connie mit Carlo (Gianni Russo) in Begleitung seiner Freundin Kay (Diane Keaton). Die Fröhlichkeit des Festes währt nicht lange, der boomende Handel mit Drogen wirft seine hässlichen Schatten voraus. Denn in Don Vitos Augen ist der Drogenhandel anders als Glücksspiel ein dreckiges Geschäft, und so lehnt er eine Zusammenarbeit mit dem Gangster Virgil ‘Der Türke’ Sollozzo (Al Lettieri) ab. Michael sieht sich genötigt, Farbe zu bekennen, und richtet in einem riskanten Coup seinerseits Sollozzo und den korrupten Captain McCluskey (Sterling Hayden) hin. Die Familie, die um sein Leben fürchtet, schickt Michael zu seinen Verwandten nach Italien. Kay bleibt in Unkenntnis in New York zurück. Der wieder genesene Don Vito ist um Frieden bemüht und nimmt dafür auch schweren Herzens den Tod seines Sohnes Sonny in Kauf, der in einen Hinterhalt gelockt erschossen wird. Michael entgeht selber nur knapp einem Bombenanschlag und kehrt nach Amerika zurück, wo er die Geschäfte seines Vaters übernimmt. Als dieser von einem Herzinfarkt hingerafft wird, ist für Michael der Weg frei, sämtliche seiner Widersacher aus dem Weg zu räumen. Den endgültigen Verlust seines Seelenheils nimmt er dabei billigend in Kauf, der einmal eingeschlagene Weg kann nicht mehr verlassen werden.

Die Mutter aller Mafiafilme und damals wie heute fasziniert und beeindruckt Francis Ford Coppolas packende und authentische Leinwandadaption nach Mario Puzos Romanvorlage. In unglaublich stimmungsvollen und detailgetreuen Bildern, mit sehr viel Feingefühl in der Charakterzeichnung schildert er eine Geschichte von epischer Bandbreite über moralische und menschliche Gegensätze, familiäre Tragödien, Machtübergabe und damit verbundene Generationskonflikte innerhalb einer Mafiafamilie. Nicht umsonst avancierte dieses Meisterwerk zum Prototyp eines ganzen Genres, dem Jahre später noch Filme wie "Casino" oder "American Gangster" folgen sollten. Die ungewöhnlich starke Bildsprache dieses Meisterwerks bleibt auch nun - gut 30 Jahre später - genauso eindrucksvoll erhalten und hat nichts von ihrer ergreifenden Intensität verloren. Gleichermaßen überzeugt auch Nino Rotas unverkennbare Musik, deren Klänge sich in den ausdrucksstarken Bildern wie der Geschmack eines guten Weines langsam entfalten. 

Überdurchschnittlich und unvergessen bleiben auch die schauspielerischen Leistungen von Hollywoodlegende Marlon Brando in der bedeutsamsten Rolle seines Lebens. Er spielt nicht Vito Corleone, er ist Vito Corleone. Marlon Brandos überragende und äußerst charismatische Performance steht naturgemäß über alle anderen schauspielerischen Leistungen. Die Figur des Mafiaoberhauptes Vito Corleone festigte den unsterblichen Mythos der Patenfilme. Sein Sohn Michael (Al Pacino), der Sympathisant und zentrale Charakter des Films möchte sich noch anfangs aus dem Familiengeschäft raushalten, entwickelt sich aber zusehends zu einem gewissenlosen kühl kalkulierenden Machtmenschen, der später auch nicht davor zurückschreckt, seinen eigenen Bruder zu töten. Pacino stellt in der Rolle des Michael einmal mehr sein schauspielerisches Genie unter Beweis und schafft mit seinem sehr zurückhaltenden Spiel eine beunruhigende Aura um seinen Charakter. James Caan als hitzköpfiger Sonny Corleone ist grandios und zeigt dem Zuschauer die kompromisslose und brutale Seite der Mafia. Der Film ist das unerreichte Meistwerk der Filmgeschichte: episch, fesselnd, mitreißend, tragisch, überwältigend - schlichtweg genial.

10/10

Von PARAMOUNT Pictures / UNIVERSAL erschien der Film zum 50-jährigen Jubiläum in einer limitierten "Collector's Edition", welche alle 3 Filme in Ultra-HD enthält.


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount

Donnerstag, 11. Juni 2026

RocknRolla - RockNRolla (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt1032755/

Der Unterwelt-Pate Lenny Cole (Tom Wilkinson) hat drei Londoner Kleinganoven bei einer Grundstückspekulation böse auflaufen lassen. Am Ende der verunglückten Aktion hat das Trio aus One Two (Gerard Butler), Bob (Tom Hardy) und Mumbles (Idris Elba) Schulden von zwei Millionen Pfund. Da kommt ihnen ein Geschäft, das die gerissene Buchhalterin Stella (Thandie Newton) vorschlägt, gerade recht. Ihr Boss, der skrupellose russische Milliardär Uri Obomavich (Karel Roden), will Lennys Kontakte im Stadtrat nutzen, um sich eine Baugenehmigung zu erschleichen. Die sieben Millionen Pfund Schmiergeld fangen die drei Kleinganoven auf Stellas Tipp hin bei der Übergabe ab. Doch das ist nur der Anfang von nicht enden wollenden Verwicklungen...

"RocknRolla" ist kein perfekter Gangsterfilm, aber ein sehr lebendiger. Guy Ritchie kehrt hier nach den eher enttäuschenden Zwischenstationen seiner Karriere mit einem Film zurück, der sich deutlich an den Energiequellen seiner frühen Erfolge orientiert und genau daraus seine Wirkung bezieht: aus Tempo, Sprachwitz, Milieustudie, Musik und einem permanenten Gefühl von geschäftiger Unordnung. Der Film erzählt von einer Londoner Unterwelt, die sich im Wandel befindet. Der altgediente Gangster Lenny Cole, gespielt von Tom Wilkinson, kontrolliert noch immer die etablierten Strukturen, doch ein russischer Geschäftsmann namens Uri Obomavich will über einen Immobilien-Deal in großem Stil mitmischen. Dazwischen geraten Kleinganoven wie One Two, Mumbles und Handsome Bob, außerdem die Buchhalterin Stella, die selbst mitspielen will, und Johnny Quid, der ausgerechnet als Rocker mit Selbstzerstörungsinstinkt eine zentrale Rolle im Geflecht von Verrat, Geld und Macht übernimmt. 

Was "RocknRolla" sofort von vielen konventionellen Gangsterfilmen trennt, ist seine Haltung. Ritchie interessiert sich weniger für psychologische Tiefe als für Bewegung, Rhythmus und ein Milieu, das sich über Sprache, Kleidung, Gesten und Statusspiele definiert. epd Film beschreibt den Film als kraftvoll, vital und selbstbewusst; der Titel sei Programm. Genau das ist der richtige Zugang: *RocknRolla* will nicht moralisch ergründen, sondern elektrisieren. Dabei ist der Film ganz offensichtlich auch eine Rückkehr zu bekannten Mustern. Es ist ein lässiges, hippes Gangster-Genrestück, das sich an "Bube, Dame, König, grAs" und "Snatch" orientiert, ohne diese beiden Filme einfach zu wiederholen. Der Vorwurf der Selbstwiederholung liegt nahe, doch gerade diese Wiedererkennbarkeit ist hier Teil des Vergnügens. Ritchie arbeitet mit seinen eigenen Werkzeugen: verschachtelte Handlung, schnelle Schnitte, lakonische Dialoge, Popmusik als Motor und Figuren, die noch cooler wirken wollen, als sie ohnehin schon sind. Die große Stärke des Films liegt in seiner Besetzung. Gerard Butler gibt One Two genug lässige Energie, um als Einstiegspunkt in dieses Geflecht zu funktionieren, während Tom Wilkinson als Lenny Cole mit kalter Autorität und köstlicher Eitelkeit auftritt. Mark Strong spielt Archy mit kontrollierter Bedrohlichkeit, Thandie Newton bringt als Stella Eleganz und Berechnung zusammen, und Toby Kebbell stiehlt als Johnny Quid viele Szenen mit einer Mischung aus Punk-Attitüde, Chaos und Anarchie. 

Gerade Johnny Quid ist derjenige, an dem sich der Film am deutlichsten entzündet. Er ist nicht nur eine Figur, sondern ein Ausdruck des ganzen Films: exzessiv, unzuverlässig, musikalisch, selbstzerstörerisch und doch irgendwie magnetisch. In ihm bündelt Ritchie die Idee, dass Macht, Image und Inszenierung im kriminellen London untrennbar miteinander verbunden sind. Dazu passt auch die Beobachtung der Kritiken, dass "RocknRolla" den Wandel des Milieus ernst nimmt: Statt Drogengeschäften geht es um Immobilien, Schmiergeld und städtische Machtverhältnisse. Visuell und rhythmisch ist der Film stark auf Wirkung gebaut. Die Musik treibt die Szenen voran, die Kamera sucht nach Glanz in einer schmutzigen Welt, und der Schnitt gibt dem Ganzen eine fast musikalische Struktur. Das ist die eigentliche Qualität von "RocknRolla": Es geht nicht nur darum, was passiert, sondern wie sich ein Ereignis in einen Flow verwandelt. Natürlich hat diese Form ihren Preis. Der Film ist zu sehr an Oberfläche, Coolness und Verwicklungen interessiert ist und bleibt emotional auf Distanz. 

"RocknRolla" ist kein großes Epos über Schuld und Vergebung, sondern ein pointierter, manchmal überdrehter, oft sehr unterhaltsamer Gangsterfilm über Gier, Loyalität und Selbstdarstellung. Er lebt davon, dass er sich selbst mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet, ohne in reine Parodie abzugleiten. Deshalb funktioniert er besser als spätes Lebenszeichen eines Regisseurs, der seine eigene Handschrift wiedergefunden hat, als als radikale Neuerfindung. Auch retrospektiv wirkt der Film interessant, weil er kurz vor der Finanzkrise entstand und ausgerechnet im Immobiliengeschäft die Brutstätte krimineller Macht sieht. Das verleiht ihm im Nachhinein eine gewisse Schärfe, die man bei der Erstaufführung vielleicht weniger stark wahrnahm. Ritchie zeigt eine Welt, in der alte Bosse und neue Geldeliten um denselben Kuchen kämpfen, und genau darin liegt mehr Gegenwartsbezug, als der lässige Ton zunächst vermuten lässt. Am Ende ist "RocknRolla" kein Meisterwerk, aber ein sehr gelungenes Comeback. Der Film ist schnell, laut, selbstverliebt, oft herrlich komisch und in seinen besten Momenten genau so cool, wie er sein möchte. Er kopiert nicht bloß seine Vorbilder, sondern aktualisiert seine eigene Formel für eine neue Londoner Gangsterwelt. Wer Ritchies frühe Filme mochte, bekommt hier eine entschlossene Rückkehr zur Form; wer mehr Tiefe erwartet, wird die Lackschicht sehen und nicht die Maschine darunter. Beide Reaktionen sind verständlich, doch nur die erste wird dem Film ganz gerecht. 

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Studiocanal/Toff Guy Films/Dark Castle Entertainment

Samstag, 28. November 2015

Boardwalk Empire, Season 01 (2010)

http://www.imdb.com/title/tt0979432/

Atlantic City, 1920: Das Seebad hat sich längst zur heimlichen Vergnügungshauptstadt der USA entwickelt und in den USA beginnt die Prohibition: Stadtkämmerer Enoch "Nucky" Thompson (Steve Buscemi) hat nicht vor, sich die Geschäfte dadurch verderben zu lassen, denn klar ist: Die Menschen wollen trotzdem Alkohol trinken. Der Schnaps wird illegal hergestellt und an Geschäfte geliefert. Dafür muss die Polizei bestochen werden; aber das muss Nucky gar nicht, denn sein Bruder ist passenderweise gleich Sheriff der Stadt. Örtliche Politiker halten ebenfalls die Hand auf und so ziehen sich Mord, Erpressung, Schmuggel und Bestechung durch alle Kreise, ohne dass viel dagegen unternommen wird. Der korrupte Politiker übernimmt bald die Kontrolle über Alkoholschmuggel, Glücksspiel und Prostitution und muss sich dabei mit Mafia und FBI herumschlagen...

http://www.imdb.com/title/tt1276201/
1.1 Boardwalk Empire (Boardwalk Empire)
Zu Beginn der Prohibition im Januar 1920 denkt sich der Kämmerer von Atlantic City, Enoch "Nucky" Thompson, einen Plan aus, mit dem er und seine einflussreichen Partner durch den Verkauf von illegal hergestelltem Alkohol reich werden sollen. Nucky wird von der schwangeren Margaret Schroeder aufgesucht, die von ihm Hilfe benötigt, um einen Job für ihren Ehemann zu finden. Jimmy Darmody, Nuckys ehemaliger Schützling, kehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurück und hat zugleich ehrgeizige Ideen über seine Zukunft. Er schmiedet eine ungleiche Allianz, die ihn und Nucky in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1501024/
1.2 Elfenbeinturm (The Ivory Tower)
Nucky bekommt Besuch von dem Agenten Nelson van Alden, der spürt, dass Nucky ein Verbrechen einem Sündenbock angehängt hat. Nucky bittet seinen Bruder, Sheriff Elias Thompson, bei der Schadensbekämpfung um Hilfe. Bevor er abends in die Stadt geht, trifft sich Nucky heimlich mit Margaret, die Hilfe wegen ihrer Kinder benötigt. Nach einem Zwischenfall mit Al Capone und einem Reporter in Chicago bespricht Nucky die bevorstehende Wahl mit seinem Berater Louis Kaestner. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1558885/
1.3 Endstation Chicago (Broadway Limited)
Nucky geht einen Deal mit dem afroamerikanischen Gangster Chalky White ein, damit sich dieser um die Neuverpackung und den Vertrieb des geschmuggelten Whiskys kümmert. Margaret bekommt durch Nucky einen Job in einer Boutique und trifft dort seine Geliebte Lucy. Agent van Alden erfährt durch brutale Verhörmethoden, dass Jimmy bei der Schießerei im Wald dabei war, eine Entdeckung die Nucky zwingt, eine Entscheidung über Jimmys Zukunft in Atlantic City zu treffen. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1585675/
1.4 Anastasia (Anastasia)
Jimmy und Al Capone fangen an, sich in Chicago als Gangster zu etablieren. Nach dem Mord an einem Schwarzen lässt Nucky seinen Bruder gegen den örtlichen Ku-Klux-Klan vorgehen, um es sich nicht mit der schwarzen Bevölkerung wegen anstehender Wahlen und seinem Geschäftspartner Chalky White zu verscherzen. Anschließend begeht ein angespannter Nucky mit einem rauschenden Fest, bei dem er Kontakte mit hochrangigen Politikern pflegt, seinen Geburtstag. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1585674/
1.5 Irische Nächte (Nights In Ballygran)
Das von Nucky anlässlich des St. Patrick’s Days veranstaltete Bankett, das "Celtic Dinner", wird von van Alden, dem sich Margaret als Informantin angedient hat, aufgelöst. Elias Thompson wird zunehmend eifersüchtig auf seinen älteren Bruder. In Chicago begeht Pearl, Jimmys Prostituierte und Liebschaft, Selbstmord, nachdem ihr Gesicht von einem Gangster zerschnitten wurde. Jimmy verfällt dem Opium. Die Gefühle zwischen Nucky und Margaret, der langsam Nuckys Rolle beim Alkoholschmuggel dämmert, werden offenkundig. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1595390/
1.6 Familienplanung (Family Limitation)
Einer von Nuckys Geldeintreibern wird von einer italienischstämmigen Gaunerbande, den D'Alessio-Brüdern, beraubt. Nucky macht fälschlicherweise Lucky Luciano dafür verantwortlich, der mit Jimmys Mutter intim wird. In Chicago liquidieren Al Capone und Jimmy die Mitglieder einer konkurrierenden Gangsterbande, wodurch Jimmy in Torrios Achtung stark steigt. Nucky besorgt seiner neuen Geliebten Margaret, die in der Boutique "La belle femme" kündigt, eine weitaus bessere neue Bleibe im Wohnviertel der Konkubinen. - 8/10


http://www.imdb.com/title/tt1649463/
1.7 Vergangenheit und Zukunft (Home)
Nuckys und Elias' Vater wird zum Pflegefall, wodurch Nucky seine leidvolle und gewalttätige Kindheit in Erinnerung gerufen wird. In Chicago lernt Jimmy, der wegen seiner Kriegsverletzung in medizinischer Behandlung ist, einen im Gesicht schwer verstümmelten anderen Veteranen kennen, der schließlich als Scharfschütze den Gangster tötet, der Pearl das Gesicht zerschnitt. Lucky Luciano geht eine Zusammenarbeit mit den D'Alessio-Brüdern ein, um Nucky zu schaden. Nucky steckt das Haus seiner Kindheit in Brand, um mit der Vergangenheit abschließen zu können. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt1648275/
1.8 Vertreibung aus dem Paradies (Hold Me In Paradise)
Auf dem Parteitag der Republikaner in Chicago gelingt es Nucky, Warren G. Harding als Präsidentschaftskandidaten der Partei für die Wahl 1920 durchzusetzen. Elias, der Nucky vertritt, wird bei einem Raubüberfall der D'Alessio-Brüder auf eines von Nuckys Casinos angeschossen. Nucky, der spürt, dass sich etwas gegen ihn zusammenbraut, bittet Jimmy, nach Atlantic City zurückzukehren. Margaret kann schwarz auf weiß lesen, dass Nucky eine zentrale Figur im Alkoholschmuggel darstellt. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1649464/
1.9 Belle Femme (Belle Femme)
Arnold Rothstein und die D'Alessio-Brüder besiegeln offiziell ihre Zusammenarbeit zu dem Zweck, eine neue Alkoholschmuggel-Organisation aufzubauen und Nucky als deren wahrscheinliches Hindernis auszuschalten. Bevor Jimmy Nuckys Auftrag, die D'Alessios zu eliminieren, ausführen kann, wird er von van Alden wegen des Massakers im Wald verhaftet. Allerdings wird van Aldens Hauptbelastungszeuge gegen Jimmy, dessen einstiger Komplize, von van Aldens Untergebenem, Agent Sebso, ermordet, der offensichtlich in Nuckys Diensten steht. Auf dem Boardwalk wird ein Mordanschlag auf Nucky verübt, der von dessen Butler Eddie vereitelt werden kann. Allerdings kommt eine unbeteiligte Frau ums Leben. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1648274/
1.10 Die Smaragdstadt (The Emerald City)
Nuckys einstiger Partner Mickey Doyle läuft zu Nucky über und informiert diesen über die Pläne Arnold Rothsteins, mithilfe der D'Alessio-Brüder Nucky aus dem Alkoholgeschäft in Atlantic City herauszudrängen. Jimmy schlägt beinahe den Fotografen Robert Dietrich tot, da er ihm eine Affäre mit seiner Frau Angela unterstellt, nicht wissend, dass seine Frau ihn tatsächlich mit Dietrichs Gattin Mary betrügt. Beide Frauen planen, nach Paris zu ziehen. Nachdem bundesweit das Frauenwahlrecht beschlossen wurde, spannt Nucky die eloquente Margaret zu dem Zwecke ein, die Stimmen der Frauen zur Wahl des nächsten Bürgermeisters zu erhalten. Nucky und Chalky White verfolgen einen Plan, die D'Alessios und Rothstein auszuschalten, der allerdings nur teilweise aufgeht. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1651528/
1.11 Dem Ende nah (Paris Green)
Nucky hat emotional belastete Unterhaltungen mit Eli und Margaret wegen seiner Geschäfte einerseits und der Ermordung von Margarets Ehemann andererseits. Diese führen zu dramatischen Umbesetzungen in seinem persönlichen und politischen Umfeld. Jimmy trifft sich mit seinem vermeintlich sterbenden Vater zum ersten Mal seit Jahren, und dies führt dazu, dass er seine Bindungen zu Nucky und beiden Elternteilen neu bewertet. Van Aldens und Agent Sebsos Zusammenarbeit wird durch Van Aldens Verdächtigungen belastet, die nach einer endgültigen Konfrontation bei einer Taufe an einem Fluss endet. Angela bereitet sich darauf vor, vor Jimmy nach Paris zu fliehen, doch muss sie erkennen, dass ihre Unterstützung nicht so stark ist wie sie dachte. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1651529/
1.12 Rückkehr zur Normalität (A Return To Normalcy)
Nuckys Bemühungen zahlen sich aus, da die Republikaner sowohl die Wahl für den Bürgermeister von Atlantic City als auch die des Präsidenten der Vereinigten Staaten für sich entscheiden (beide wurden von Nucky unterstützt). Rothstein muss Frieden mit Nucky schließen, da er dessen politische Kontakte dringend braucht und gibt ihm dafür neben einer Million Dollar den Aufenthaltsort der D'Alessios, die sämtlich ermordet werden. Margaret erfährt von Nuckys im Alter von sechs Tagen gestorbenen Sohn. Nuckys ständige Machtspiele erzürnen sowohl seinen Bruder Elias als auch seinen ehemaligen Schützling Jimmy so sehr, dass diese sich nun mit Nuckys geheimem Gegner, dem "Commodore" Louis Kaestner - Nuckys Vorgänger - gegen ihn verbünden. - 9/10

Was für eine geniale Serie und ein großartiger Auftakt zu einer weiteren Mafia/Gangster/Crime-Reihe! Steve Buscemi als Hauptfigur Enoch "Nucky" Thompson ist beinahe genauso groß wie einst der Pate, berechnend, kühl und irgendwie immer einen Schritt voraus. Dabei geizt die Serie in keinster Weise mit blutigen Schauwerten oder verzichtet etwa auf zeigefreudige Szenen - im Gegenteil. Die Serie wirkt durch und durch authentisch, das Setting ist hervorragend, Kostüme und Sets lassen keinen Zweifel offen: man befindet sich tatsächlich in Amerika zu Zeiten der Prohibtion - mit all seinen kleinen schmutzigen Figuren, Geschichten und man erlebt den Aufstieg eines der größten Gangster (basierend auf Enoch L. Johnson) – der korrupte Bezirkskämmerer von Atlantic County und die wichtigste politische Persönlichkeit der Stadt Atlantic City) dieser Zeit. Toll. Großartig. Genial.

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./HBO

Mittwoch, 16. Juni 2021

Miller's Crossing (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0100150/

Wir befinden uns in Zeiten der Prohibition. Pate Leo (Albert Finney) soll den Kleinganoven Bernie Bernbaum (John Turturro) töten - das fordert der Gangster Johnny Caspar (Jon Polito) von ihm. Obwohl Leos Berater Tom Reagan (Gabriel Byrne) ihm dazu rät, der Forderung nachzukommen, tut er das nicht, ist er doch mit Bernbaums Schwester Verna (Marcia Gay Harden) zusammen. Der Krieg zwischen Leo und Caspar beginnt, Reagan gerät in das Kreuzfeuer der beiden. Heimlich trifft er sich mit Verna, ist dem Gedanken jedoch nicht abgeneigt, Bernie aus dem Weg räumen zu lassen. Er versucht, Leo und Caspar gleichermaßen zu manipulieren, gerät an Bernbaum persönlich und muss zusehen, dass Verna von alledem nichts erfährt. Bald fließt Blut... 

Der dritte Film der Coen-Brüder ist eine bitterböse und tief schwarze Reflexion über den vermeintlichen Wert von Loyalität und Freundschaft in einer Welt voller Falschspieler, Opportunisten und Lügner. Handwerklich ist das alles großartig: Inszenierung, Ausstattung, Kamera und Schauspiel wissen zu beeindrucken und das Drehbuch mit seinen messerscharfen Dialogen erledigt den Rest. Auch der wundervolle Score abermals aus der Feder von Carter Burwell ist erhaben wie unaufdringlich zugleich.

"Miller's Crossing" ist nur auf den ersten Blick ein klassischer Gangster Film im Stile von "GoodFellas" oder "Der Pate". Die Coens brechen nämlich immer wieder mit den gängigen Regeln des Genre, bringen hier und da leise, aber dennoch äußerst wirksame humoristische Akzente in die Geschichte ein, kreuzen alte Gangster- Klischees mit Figuren und Szenen die direkt aus einem Privatdetektivkrimi der alten Schule oder der Trickbetrügerkomödie "Der Clou" stammen können und legen den Fokus der Geschichte nicht auf die große Story von kleinen Fisch der sich nach oben kämpft oder den familieninternen Querelen der Gangsterdynastien, sondern auf einen smarten Taktiker (lässig: Gabriel Byrne) der versucht durch das ausspielen seiner Feinde und Freunde ans Ziel zu kommen. Ob er dies wirklich schafft bleibt stets spannend und da die Coens es meisterhaft verstehen eine dunkele Aura um den Film zu hüllen, weiß man nie ob nicht gleich doch etwas Unerwartetes passiert. So gesehen kann man "Miller's Crossing" als Fingerübung für den großartigen und 17 Jahre später erschienenen "No Country For Old Men" ansehen, auch wenn die Filme, abgesehen von ihrer dunklen, bösen Aura nicht viel gemeinsam haben.  

8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Twentieth Century Fox

Freitag, 1. Mai 2015

GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099685/

Jimmy (Robert De Niro) und Tommy (Joe Pesci) können machen, was sie wollen. Sie sind Mitglieder der New Yorker Quartier-Mafia, brauchen auf niemanden Rücksicht zu nehmen und verdienen eine Menge Geld. Henry Hill (Ray Liotta) ist von diesem Leben fasziniert und arbeitet daran, es ebenfalls führen zu können. Er wird in die Mafia aufgenommen und macht Karriere - schon bald organisiert er selbst Banküberfälle. Wer dabei im Weg steht, wird "weggeräumt", umgebracht. Dabei sind Jimmy und vor allem Tommy nicht zimperlich. Sie verstehen ihr Handwerk, einschließlich Mord, und kennen weder Pardon noch Gewissen...

"Goodfellas". Mit diesem Film wendete Martin Scorsese erstmals die Inzenierungsart an, die er später in seinen Filmen "Casino" und noch später in "The Wolf Of Wall Street" aufgegriffen hat: Er erzählt die Geschichte des Auf- und Abstiegs eines Kriminellen. Er betrachtet das Leben eines Jungen, der in berührung mit mafiösen Elementen kommt, dessen Aufstieg und natürlich dessen unweigerlichen Fall. Das Besondere bei Scorsese ist dabei, dass er niemals mit erhobenen Zeigefinger oder einer Überdosis Moral daher kommt, sondern stattdessen dem Zuschauer einen kleinen Streich spielt. Die Erzählstimme des Henry Hill, welcher auf einen echten ehemaligen Gangster basiert, die die Figuren und Ereignisse auf oft witzige Art und Weise erklärt, sorgt dafür dass der Film größtenteil romantisch verklärt über das Leben als Gangster erzählt. Morde sind ein natürlicher Bestandteil und wenn man die Beweise verschwinden lässt ohne Folgen, man bekommt Kohle ohne Ende und so wirkt selbst ein mehrjähriger Gefängnisaufenthalt wie ein Mordsspass (und nützliche Kochtipps bekommt man dabei auch noch). Die einzigen sichtbaren Probleme sind dabei bis zum letzten Drittel nur die Probleme mit der betrogenen Ehefrau. Eben erst im letzten Drittel fängt die "Fantasie"-Welt an zu bröckeln. Doch der gerichtliche Verrat an alten Freunden ist letztendlich auch nur eine Tat, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die Liebe zum Gangsterleben legt er nicht mehr ab. So bleibt es den Zuschauer überlassen zu urteilen ob so ein Leben erstrebenswert ist.

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt uns Scorsese die Geschichte des Mafioso Henry Hill (Ray Liotta) und zwar über eine unglaubliche Zeitspanne von 30 Jahren. 30 Jahre Schmuggel, Korruption, Glücksspiel, Schutzgelderpressung, Raubüberfälle und Auftragsmorde in den Wirren der Ostküstenmetropole New York und seiner Umgebung. 30 Jahre gebunden an die "Familie", unfähig einem privaten Leben außerhalb des Geschäfts ernsthaft nachzugehen. Diese drei Dekaden in für Genreverhältnisse knackige 146 Minuten zu verpacken, ist alleine schon eine enorme Herausforderung, die Scorsese mit Bravour meistert und uns einen der besten Mafiafilme aller Zeiten auftischt. Seine Art zu inszenieren erinnert stark an „Casino“, den der Altmeister nur fünf Jahre später drehte: Diese ganz eigene Erzählweise aus dem Off mit ihrem langsamen Duktus, die perfekte Kamera und ihre einzigartigen Plansequenzen, die rar gestreuten, aber stets kaltblütigen Gewaltspitzen und nicht zuletzt diese spezielle, humoristische Art und Weise, alltägliche mafiöse Strukturen zu erklären und sie als das Normalste der Welt darzustellen. Selbst wenn sie ab und zu (gerade im Mittelteil) etwas zu dominant vorherrscht, so wird auch die familiäre Seite von Hill, die Beziehung zu seiner Frau und seinen Kindern, glaubwürdig dargestellt.

Ohnehin wird Authentizität in "GoodFellas" ganz groß geschrieben und das liegt nicht nur an der Vorlage für das Drehbuch, sondern auch am Dreigespann der namhaften Hauptprotagonisten, die jeden Filmfan ins Schwärmen kommen lassen. Dass Robert De Niro sich in der Rolle als Mafioso sichtlich wohlfühlt, wissen wir schon längst, Ray Liotta war wohl nie besser. Aber einer spielt sie alle an die Wand: Joe Pesci als Tommy DeVito ist der große Star im Film. Es macht unheimlichen Spaß diesen kleinen, mordenden Giftzwerg, der wegen jeder Kleinigkeit sofort an die Decke geht, zuzuschauen. In "Casino" durfte er eine ganz ähnliche Rolle noch einmal verkörpern; es scheint fast so,als wäre ihm diese Art von Charakter auf den Leib geschneidert und er spielt dank seiner Ausstrahlung und seinem Improvisationstalent auch heir auf allerhöchstem Niveau. Dass Robert De Niro sich in der Rolle als Mafioso sichtlich wohlfühlt, weiß der geneigte zuschauer ja schon längst, aber Ray Liotta als Protagonist Henry Hill war wohl nie besser. An dieser Stelle muss man den Beauftragten des Castings loben, denn der Darsteller des jungen Hill (Christopher Serrone) sieht Ray Liotta unfassbar ähnlich, sodass man glauben könnte, Liotta wäre es selbst - in jungen Jahren.

Das Drehbuch, eines der wenigen in dem sich Scorsese selbst beteiligt hat, liefert witzige Dialoge und Zitate, wobei am besten die Voice Over sind, ganz besonders wenn es um Charakterzüge und Personenbeschreibung geht. Michael Ballhaus, der Kameramann, verewigte sich außerdem mit einem legendären, minutenlangen Tracking-Shot. Auch beim Soundtrack griff Scorsese zu seiner Lieblingsvariante, dem Einsatz von vorhanden Songs. Jeweils passend zum Jahrzehnt der jeweiligen Szene setzte er zeitgenössische Rock 'n Roll- und Pop-Nummern ein. Der Zuschauer erleben hier unter anderem "Gimme Shelter" ("The Rolling Stones") als den Scorsese-Song schlechthin. Den Abspann untermalt Sid Vicious' Cover von "My Way", welcher im genannten Kontext wie die sprichwörtliche Faust auf's Auge passt.

"GoodFellas" ist ohne Umschweife ein kleines Meisterwerk des Filmes und des Gangsterkinos, welches durch seine spannende, interessante Erzählweise und kurzweilige Insenierung einen Kontrast zu den anderen 3 Überfilmen des Gangsterfilmes ("Der Pate", "DerPate II" und "Es war einmal in Amerika"), welche durch Dramatik und ruhige Inszenierung glänzen, und ist ohne Frage einer der besten Filme (wenn auch nicht der Beste), die Scorsese je abgeliefert hat.

9/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment gab es den Film exklusiv in UK in der "30th Anniversary Limitedd Collectors Edition" mit dem Film in 4K Ultra-HD und jeder Menge Bonusmaterial.


Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Sonntag, 19. Juli 2020

The Virgin Suicides - The Virgin Suicides: Verlorene Jugend (1999)

https://www.imdb.com/title/tt0159097/

Die fünf Schwestern (Kirsten Dunst, A.J. Cook, Hanna R. Hall, Leslie Hayman, Chelse Swain) der Familie Lisbon wachsen wohlbehütet im elterlichen Haushalt auf und sind abgeschottet von sämtlichen Gefahren, die die erwachende Sexualität eines jungen Mädchens mit sich bringt. Ihre konservativen Eltern wollen die Mädchen mit allen Mitteln von ihren männlichen Altersgenossen fernhalten - sei es in der Schule oder in der Nachbarschaft. Dabei sind die gleichaltrigen Jungen von Gegenüber (Josh Hartnett, Robert Schwartzman u. a.) nicht viel anders als die meisten gewöhnlichen männlichen Teenager auch. Für sie sind Mädchen mystische, geheimnisvolle und unergründbare Wesen, was im Falle der fünf Lisbon-Schwestern aufgrund der erschwerten Zugänglichkeit im besonderen Maße zu zutreffen scheint...

Als Tochter eines weltberühmten Regisseurs hat man es sicherlich nicht immer einfach. Wenn man dann auch noch, wie im Fall von Sofia Coppola, ebenfalls ins Filmgeschäft einsteigen will und selbst Filme drehen möchte, die sich von ihrer Art her ganz klar von den Arbeiten des Vaters unterscheiden, läuft man sehr leicht Gefahr, stets im Schatten des großen Francis Ford Coppola und vor allem dessen filmhistorisch bedeutenden Meilensteinen wie "Der Pate" oder "Apocalypse Now" zu stehen. Für ihr Langfilm-Debüt "The Virgin Suicides" hat die Regisseurin direkt einen kontroversen sowie umstrittenen Roman als Vorlage gewählt, den sie selbst als Drehbuch für den gleichnamigen Film adaptierte. Im Buch genauso wie im Film geht es, der Titel macht keine große Überraschung daraus, um fünf wunderschöne Teenagerinnen, die eine nach der anderen an einem bestimmten Punkt Selbstmord begehen. Erzählt wird die Geschichte durch die subjektive Sicht von benachbarten Jungs, die sich allesamt sofort in die geheimnisvollen Mädchen verlieben, nachdem diese neu in das Haus gegenüber einziehen. Die Handlung des Films verläuft dabei mittels Rückblenden sowie Voice-over-Narration und wird von einem der mittlerweile erwachsenen Jungs erzählt, den die Ereignisse des damaligen Sommers auch noch 25 Jahre später bis in die Gegenwart verfolgen.

Coppola ergründet in ihrem Film die Probleme unverstandener Jugendlicher, die im Angesicht adoleszenter Schwierigkeiten den extremsten aller Auswege suchen, um sich ein nachdrückliches Gehör zu verschaffen. "The Virgin Suicides" ist dabei auf ästhetischer Ebene von einer unwirklichen Schönheit durchzogen, die das Werk gleichermaßen faszinierend und problematisch werden lässt. Die Regisseurin filtert die durchaus schwerfällige, ernste Thematik von suizidalen Jugendlichen durch eine federleichte, mystifizierende und somit unglaublich stilbewusste Inszenierung, mit der sie ihre Figuren wie unerklärliche Traumbilder in Szene setzt. Vor allem Kirsten Dunst in der Rolle der 14-jährigen Lux, die so etwas wie die verwegene Rebellin der Geschwister ist und sich mit verschiedenen Jungs einlässt, wird von Coppola fast schon als unnahbares Symbol dargestellt, die mit ihrer bildhübschen Ausstrahlung nahezu überirdisch wirkt. Es sind diese formalen und inhaltlichen Gegensätze, die Coppolas Film so interessant wie streitbar erscheinen lassen. Zärtliche Coming-of-Age-Romantik trifft auf schwere Depressionen, Figuren, die nach außen hin sympathisch und unschuldig wirken, sind in ihrem Inneren zerrissene Wracks und das biedere Vorstadtleben der weißen, konservativen Mittelschicht symbolisiert ein verzweifeltes Gefängnis, in dem die Eltern ihre Kinder jeglicher Freiheiten berauben und schließlich in die vollständige Selbstaufgabe führen, obwohl sie gleichzeitig denken, sie haben nur das Beste für den eigenen Nachwuchs im Sinn.

Man könnte der Regisseurin vorwerfen, dass sie die schwerwiegenden Ansätze der Geschichte unter einem Deckmantel der täuschenden Sinnlichkeit verschleiert oder melancholische Pop-Songs und der einfühlsame Score nicht mit einer Handlung zu vereinbaren sind, in der es um den frühzeitig gewählten Freitod junger Menschen geht. Genauso könnte man sich diesem Film aber auch einfach widerstandslos hingeben, die spielerische Leichtigkeit genießen, die sich von offensichtlichen Konventionen befreit und eintauchen in eine verträumte Vision, in der sich schnell nachempfinden lässt, wie schwierig es bereits vor dem Erwachsenenalter sein kann, eine eigene Identität entwickeln zu können und sich frei entfalten zu dürfen. Mit ihrem Langfilmdebüt ist Sofia Coppola keinesfalls auf Nummer sicher gegangen und schuf mit "The Virgin Suicides" ein polarisienderes Werk, in dem gefühlvolle Coming-of-Age-Stilistik Hand in Hand geht mit tief liegenden Problemen, unergründlichen Abgründen, schweren Depressionen und suizidalen Ausflüchten. Der ästhetische Ansatz der Regisseurin ist durchwegs diskussionswürdig, sorgt aber durch genau diese ungewöhnliche Inszenierung dafür, dass man den Film nicht so einfach vergisst und auch nach der Sichtung noch lange darüber nachdenken kann. Ein Lehrwerk, wie man seine Kinder nicht erziehen sollte.

7,5/10

Sonntag, 12. April 2020

Donne Moi Des Ailes - Der Junge und die Wildgänse (2019)

https://www.imdb.com/title/tt10204940/

Thomas (Louis Vazquez) ist alles andere als begeistert, als ihm seine Mutter mitteilt, dass er seine Ferien bei seinem Vater in der Provence verbringen soll. Viel lieber würde er in seinem Zimmer hocken und Computerspiele spielen, statt bei seinem naturverbundenen Vater in der Einöde zu sitzen und sich von ihm täglich in die Natur schleppen zu lassen. Doch dann stellt Thomas fest, dass sein Vater in diesem Sommer ein spannendes Projekt verfolgt: Er hilft verwaisten Junggänsen, den Weg von Norwegen nach Frankreich zu finden. Plötzlich findet Thomas es gar nicht mehr so blöd, an der frischen Luft zu sein und den Tieren zu helfen...

Ein Junge, der mit Wildgänsen unterwegs ist: Da muss man ja praktisch zwangsläufig an Nils Holgersson denken, der durch einen Roman von Selma Lagerlöf sowie diverse Adaptionen, darunter eine Animeserie in den 1980ern, weltbekannt wurde. Der Parallele zwischen Der Junge und die Wildgänse und dem Buch ist man sich hier natürlich bewusst. Mehr noch: Sie wird direkt angesprochen. Um eine weitere Verfilmung des Klassikers handelt es sich bei der französischen Produktion jedoch nicht. Vielmehr steht eine wahre Geschichte Pate, auch wenn die stark abgewandelt und um andere Elemente erweitert wurde.

Tatsächlich hat es den Jungen nie gegeben, im Mittelpunkt der Ereignisse stand immer nur der erwachsene Christian. Genauer war es der Tierschützer Christian Moullec, der auch am Drehbuch des Films beteiligt war, der das Wagnis einging, jungen Wildgänsen eine sichere Route von Norwegen in den Süden zu zeigen. Der Gedanke dahinter: Die Zugvögel schaffen es heute nicht mehr, allein diese Reise zu "planen", da zu viele durch die Menschen geschaffenen Hindernisse und Gefahrenquellen unterwegs warten. Die Grundaussage von Der Junge und die Wildgänse ist also eindeutig ökologischer Natur, wenn auf die Auswirkungen des menschlichen Handelns hingewiesen wird. Und das funktioniert gut, wenn dafür süße, kleine Gänse herangezogen werden. Denn wer würde nicht wollen, dass es ihnen gut geht? Das Thema allein wäre schon spannend genug gewesen, zumal die Mittel von Christian etwas eigenwillig sind. Von Anfang an läuft er in einen Sack gehüllt durch die Gegend, um besser als Gänse-Identifikationsfläche durchzugehen. Das Fahrzeug wiederum, mit dem er durch die Lüfte fliegt als eine Art Leitvogel, sieht schon in einer normalen Umgebung nicht übermäßig vertrauenserweckend aus. Da die Reise später durch eine weniger überschaubare Gegend führt und erwartungsgemäß nicht viel nach Plan geht, kommt in der zweiten Hälfte richtiges Abenteuergefühl auf. Dass die Geschichte gut ausgehen muss, ist zwar klar. Nervenkitzel bleibt aber auch so noch genug übrig.

Diesen Abenteueraspekt und die Ökobotschaft verbindet "Der Junge und die Wildgänse" mit einer Art Coming-of-Age-Geschichte, wenn Thomas dank der Beschäftigung mit den Vögeln zur Natur findet – und zu seiner Familie. Tatsächlich dreht sich ein Großteil des Films um die einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehungen untereinander. Die liegen anfangs noch im Argen, werden nach und nach aber besser, je mehr Zeit alle miteinander verbringen. Auch hierbei gibt es dann keine ganz großen Überraschungen. Es ist sogar ein bisschen enttäuschend, wenn sich der Film ganz aufs Märchenhafte verlegt und der Heile-Welt-Mentalität frönt. Umso mehr, wenn dabei zeitgleich die Musik unangenehm aufdringlich wird, um auch ja die gewünschten Gefühle zu erzwingen. Aber das sind kleinere Punkte, die man dem Film gerne nachsieht. Immer wieder verzaubert er das Publikum mit rührenden, manchmal auch witzigen Szenen. Mitanzusehen, wie der Junge sein Herz für die Tiere entdeckt, geht auch dem eigenen nahe. Dazu gibt es viele schöne Aufnahmen aus der Natur – zumindest wenn der Computer nicht gerade etwas zu offensichtlich eingesetzt wird –, die Lust darauf machen, selbst einmal rauszugehen und wieder mit sich allein zu sehen, fernab des zivilisatorischen Alltags. Dass der Film dem Corona-Virus zum Opfer fiel und deshalb nicht im Kino gezeigt werden kann, ist ausgesprochen schade. Dafür bietet er gute Familienunterhaltung und ein bisschen Ferien für all die, die selbst gerade gern unterwegs wären, das aber nicht können.

8/10

Sonntag, 14. April 2019

Ruben Brandt, Collector (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6241872/

Ein animierter Film Noir quer durch die Kunstgeschichte: Im spektakulär und rasant erzählten Kriminalthriller "Ruben Brandt, Collector" von Milorad Krstic wird die Leinwand immer wieder selbst zum pulsierenden Gemälde. Und Botticellis Venus zur mörderischen Nixe, denn der Psychotherapeut Ruben Brandt wird jede Nacht im Traum von Figuren aus berühmten Kunstwerken verfolgt. Zur Heilung beauftragt er seine Patienten, allesamt kriminelle Neurotiker, eben jene Gemälde aus den größten Museen der Welt zu stehlen. In den Louvre, ins MoMa, die Uffizien – überall steigt die ungleiche Truppe ein, und wird bald zu den meistgesuchten Kriminellen, hinter dem auch Gangster und Kopfgeldjäger her sind. Die zunehmend spannende Jagd nach dem Kunstsammler und seinen Motiven führt tief ins Unterbewusstsein von Brandt und schließlich wird der Privatdetektiv Mike Kowalski auf ihn angesetzt...

Man stelle sich einen Albtraum vor, in dem 13 Figuren aus den berühmtesten Gemälden der Welt versuchen, den Träumer anzugreifen und in den Wahnsinn zu treiben. Dies ist die Prämisse dieses faszinierenden Gedankenexperiments und gleichzeitig das Spielfilmdebüt des in Slowenien geborenen Künstlers Milorad Krstić, der im Alter von 66 Jahren seine vielversprechende Filmkarriere startet. Der in Ungarn produzierte, englischsprachige Film stößt den Zuschauer in die Welt von Ruben Brandt (Ivan Kamaras), ein Psychotherapeut mit Albträumen, die er weder erklären noch kontrollieren kann. In der ersten Traumszene mit einem Zug, der durch die Landschaft fährt, springt Diego Velázquez' "Infanta Margarita" mit scharfen Zähnen an Rubens Arm und zerfleischt ihn nahezu. Das ist schon der erste kafkaeske Blickfang. Ebenso die Visionen von Andy Warhols "Double Elvis", der versucht, Ruben zu erschießen oder Botticellis "La nascita di Venere" / "Die Geburt der Venus", die ihn ins Meer reißen will. Und da ist die bedrohliche Figur aus Edward Hoppers "Nighthawks", die ihn in den Halsschlagader sticht.

Ruben geht davon aus, dass die Albträume verschwinden, wenn er die Bilder irgendwie in seinen Besitz bringen kann. erwerben kann. Meisterwerke aus weltberühmten Galerien zu stehlen - darunter der Louvre, der Tate, das MoMa, die Uffizien, das Musée d'Orse und das Art Institute of Chicago - das ist kein Job für einfache Gauner. Da Ruben als Therapeut einige Patienten mit gesetzwidrigen Tendenzen behandelt, fordert er vier von ihnen auf, seinen Masterplan zu unterstützen. An erster Stelle steht Mimi (Gabriella Hamori), eine Kleptomanin mit den Fähigkeiten eines Katzeneinbrechers. Ihr folgt Bye-Bye Joe (Matt Devere), ein Bodyguard für Promis. Fernando (Christian Niels Buckholdt), ein Computergenie; und Membrano Bruno (Henry Grant), ein Bankräuber. Gestaltet als turbulente Pop-Collage sämtlicher Stilrichtungen und Geistesströmungen des 20. Jahrhunderts: Von Picassos Kubismus über Freuds Psychoanalyse bis hin zu Britney-Songs, und (meisten optischen) Zitaten aus filmischen Blockbustern, wie "Indiana Jones", "Predator", Pulp Fiction" oder "Der Pate".

Es kein Geheimnis und es zerstört keinesfalls die Freude an diesem ungewöhnlichen Werk, wenn man sagt, dass die Bande nun in eben jenen Museen ihr Unwesen treiben. Detective Mike Kowalski (Csaba "Kor" Márton) beginnt zu schnüffeln. Da er selbst Sammler ist - der Mann liebt seine Film-Memorabilien - kennt er die Obsession dahinter und hat bald auch Bandenführer Vincenzo (Butch Engle) und anderen Gegenspielern zu tun, die von den ausgesetzten Millionen US-$ von Versicherungsunternehmen angezogen werden, die als Belohnung angeboten werden. Glücklicherweise scheint Krstić alle Tricks aus Holywood zu kennen und bringt Nervenkitzel in seine Action-Szenen - genau so gut wie sein cinephiler Cop. Franchise-Programme von "Mission: Impossible" bis "Ocean's Eleven" werden ebenso hervorgehoben wie Genres von Noir bis Kampfsport. Und man beachte die zahllosen Filmreferenzen (die im Abspann sogar Erwähnung finden) unter anderem, die genialen Art und Weise, wie der Filmemacher Alfred Hitchcock dazu bringt, sich einem Nahkampf anzuschließen.

Für seinen eigenen visuellen Stil stützt sich Krstić stark auf den Picasso-ähnlichen Kubismus, der es ihm erlaubt, geometrische Formen spielerisch zu manipulieren. Dies ist gewiss nicht jedermanns Sache und nicht jeder mag diesen Stil mögen, aber an dieser Stelle sei dringend geraten, über seinen Schatten zu springen. "Ruben Brandt, Collector", ist immer eine Augenweide, aber es ist die intellektuelle Neugier, die die Messlatte höher legt. Der Film gräbt sich in seiner Erzählweise in die Wurzeln von Rubens Psychose ein, indem es in seine Kindheit zurückgeht und die unterschwelligen Botschaften, die ihm durch die psychologischen Experimente seines Vaters vermittelt werden. Zu viel? Manchmal. Krstić packt so viel Information in seine Geschichte, dass er gefährlich nah daran ist, ein Durcheinander zu schaffen. Der Film, der von Tibor Caris eindringlicher Filmmusik untermalt wird, ist eine verspielte Collage von überraschender Tiefe und Gefühl. Wie Ruben sagt: "Kunst ist der Schlüssel zu den Problemen des Geistes." Und dies ist auch der Weg zu einem transportierendem und transzendenten Kino-Wunder, das die Animationen neu erfindet. Ein vor Fantasie berstendes Medley voller visueller und musikalischer Sprengkraft.

8/10

Von INDEED FILM erschien der Film im limitierten Mediabook:


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Indeed/Sony

Donnerstag, 18. August 2016

Scarface (1983)

http://www.imdb.com/title/tt0086250/

Fidel Castro erlaubt erstmals Familien, ihre Verwandtschaft in Amerika zu besuchen. Dabei zwingt er die Ausreisenden jedoch auch, Kubas Abschaum mitzunehmen - politische Gefangene, Systemgegner, Schwerverbrecher... Unter jenen befindet sich auch der Kleinkriminelle Tony Montana (Al Pacino), der schließlich gemeinsam mit seinem Freund Manny (Steven Bauer) nach Miami gelangen kann. Dort gerät er unter die Fittiche des Drogenbarons Frank Lopez (Robert Loggia) und beginnt seine Verbrecher-Laufbahn als dessen Laufbursche. Doch Montana hat Höheres im Sinne. Er fängt an, sich auf brutale Art und Weise seinen Weg bis an die Spitze von Miamis Kokain-Imperium zu bahnen, was seinem Mentor absolut missfällt - besonders, da Tony auch ein Auge auf Elvira (Michelle Pfeiffer), Lopez' Frau, geworfen hat...

Tony Montanas Geschichte von seinem plötzlichen Aufstieg im Drogenimperium Miamis und seinem mindestens genauso schnellen Fall muss man als Filmkenner einfach gesehen haben. Der zurecht als Klassiker betitelte Film "Scarface" skizziert in erster Linie ein Aufstieg-Absturz-Szenario, das man aus vielen ähnlich gearteten Filmen wie "GoodFellas", "The Wolf Of Wall Street", aber auch aus Serien wie "Breaking Bad", die interessanterweise zum Teil sogar an den Streifen angelehnt ist, kennt. Auch hier sieht man wie der Protagonist sich als illegaler Einwanderer anfangs noch einer Befragung aussetzten muss, alsbald vom Tellerwäscher zum Laufburschen nach und nach ein eigenes Gangster-Imperium aufbaut, welches dann jedoch unausweichlich auf den Höhepunkt beginnt zu bröckeln, am Ende zerfällt und eines der brutalsten und gleichzeitig blutigesten Enden der Gangsterfilmgeschichte schreibt. Man muss leider sagen, dass "Scarface" nicht gerade zu den unvorhersehbarsten Filmen des Genres zählt und dabei auch nicht so dicht und kompakt erzählt wird wie zum Beispiel Francis Ford Coppolas "Der Pate". Mit knapp 170 Minuten wirkt dies alles anfänglich vielleicht etwas langatmig, ist aber tatsächlich nie langweilig oder gar unnütz.

Gerade im ersten und letzten Drittel, wenn der Aufstieg bzw. Absturz beginnt, kann der Streifen in eine derartige Faszination versetzen, dass man komplett nachvollziehen kann, dass der Film die damalige Popkultur entscheidend geprägt hat. "Scarface" skizziert in erster Linie den Charakter Tony Montana, grandios gespielt von Al Pacino und vielleicht eine der Rollen, die ihm bis an sein Lebensende anhängt, und sein Streben nach Macht, verbunden mit all den Konsequenzen, die hier recht konsequent und differenziert dargelegt werden.
Pacino funktioniert in seiner Rolle wunderbar, man sieht ihm die Gier und zum Ende hin auch die Verzweiflung förmlich an, kann sie beinahe schmecken. Vom uneingeschränkten Optimismus des kubanischen Einwanderers zum koksenden armen Hund, der mutterseelen allein auf der Welt ist. Anfang und Ende einer Gangsterkarriere, wobei Ähnlichkeiten mit der Realität durchaus gewollt sind. Er sitzt zum Schluss hinter einem riesengroßen Berg Kokain (seine Geschäftsgrundlage) und zieht sich rein was die Nase fassen kann.

Aber auch in den grundlegenden Elementen punktet der Film in vielen Disziplinen, denn generell handelt es sich bei "Scarface" um eine wunderbare Drehbuch-Arbeit, die Dialoge stimmen; selbst die Story ist bis ins letzte Detail hin gut gewichtet und strukturiert, so dass ein sehr stimmiges Gesamtbild entsteht, das von dem grandiosen Soundtrack abgerundet wird. Regisseur Brian de Palma hat mit diesem Remake eine Hommage an Howard Hawks geschaffen. Das merkt man besonders im bombastischen Ende des Films. Tony, das Narbengesicht geht in seiner Luxusvilla unter und mit ihm verschwindet das zerstörte Haus. Und damit geht eine ganze Welt unter (bezeichnend vor der Weltkugel-Plastik mit der Aufschrift "The World Is Yours"). De Palmas tolle Regie-Arbeit in Kombination mit dem Score, Pacinos Schauspiel, das Drehbuch und die charismatischen Darstellungen der Nebendarsteller sorgen für ein sehr grandioses Gesamtbild.

Das ironische Gesamtbild, das der Streifen hinterlässt weiß dabei besonders zu gefallen: anfänglich beklagt sich Tony noch über sein schweres Leben als Kubaner und dann steigt er so weit hinauf, bis er nicht mehr aufsteigen kann und dann stürzt er, stürzt tiefer als sein Leben vorher war. Wer hoch steigt, kann eben auch tief fallen. "Scarface" ist unterm Strich betrachtet ein sehr gelungener Film mit einem tollen Drehbuch und einem brillanten Al Pacino in der Hauptrolle, welcher von der rundherum gelungenen Inszenierung De Palmas getragen wird. Angesprochene kleinere Längen und ein winziger Hauch an mangelnder Emotionalität sind die einzigen Mängel.

8,5/10

Von UNIVERSAL Pictures erschien der ungeschnittene Film in einer auf 1.000 Stück limtierten Holzbox mit Branding des Filmlogos, eine Buch mit Hintergrundinfos, Aushangfotos und einem Zertifikat:

 
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures