Dienstag, 20. Oktober 2020

Onward - Onward: Keine halben Sachen (2020)

https://www.imdb.com/title/tt7146812/

Früher war die Welt noch voller Magie, bis dann irgendwann der technologische Fortschritt kam. Warum sollte man sich noch bemühen, Zaubersprüche zu lernen und Zauberstäbe richtig zu halten, nur um etwa das Licht anzumachen - wenn es doch auch mit einem simplen Lichtschalter klappt? Als die beiden Elfen-Brüder Ian (Stimme im Original: Tom Holland) und Barley Lightfoot (Chris Pratt) aber endlich ihren 16. Geburtstag hinter sich haben, steht die Magie kurz davor, in den Haushalt der Lightfoots zurückzukehren. Denn ihre Mutter (Julia Louis-Dreyfus / Annette Frier) überreicht ihnen ein Geschenk ihres toten Vaters (Kyle Bornheimer): Einen geheimnisvollen Stock, der laut beiliegender Beschreibung die Fähigkeit besitzt, Ians und Barleys Vater für einen Tag in die Welt der Lebenden zurückzuholen. Doch leider will der Zauber nicht so recht hinhauen - denn die beiden schaffen nur, die Beine zu erschaffen. Aber wo bleibt der Rest? Die Brüder haben nur 24 Stunden Zeit, um das rauszufinden. Oder sie sehen ihren Vater nie wieder... 

Der Name Pixar steht seit jeher für Qualität, was ihm aber auch zum Nachteil werden kann. Nachdem das kalifornische Studio in den mittleren 90-er und frühen bis mittleren 2000-er, den universellen Maßstab für alle Animationsfilme setzte, muss sich jeder Film auf Animationsbasis diesem hohen Standard aussetzen. Das gilt jedoch nicht nur für die Konkurrenz. Jeder Pixars Film trägt die Bürde von hohen Ewartungen in Form von nahezu künstlerischer Perfektion. Gerade in einem Falle wie diesem hier: mit Meisterwerken wie "Ratatouille" oder "Oben" oder gar der "Toy Story"-Reihe kann es "Onward" sicherlich nicht aufnehmen, aber dennoch stimmen am Film alle Versatzstücke, Komponenten und Details.

Die Story, in der es um das kurzzeitige Zurückholen eines verstorbenen Vaters geht, hat einen emotionalen Unterbau, die zwei Helden sind sympathisch, chaotisch und liebenswert und die Optik ist auf höchsten technischen Niveau. "Onward" spielt mit der Parabel der verlorenen Magie, die in dieser Form fast jeden von uns ereilt. Ein Gefühl, das alles bereits gesehen und verstanden ist. Keine Drachen oder Monster die uns Angst machen, sondern einfach nur die simple, nüchterne und düstere Alltags-Realität der wir nicht entkommen können und nicht selten auch hilflos ausgeliefert sind. Eine nette Idee. Die Geschichte, welche es schafft "weltliche" Aspekte mit Fantasy zu kombinieren geht auch völlig in Ordnung und läuft auf ein emotionales Ende hinaus. Warum dies nicht in solche Sphären steigt wie eben andere, zeitlose Werke lässt sich nur schwer festlegen. "Onward" ist auf höchstem Level oberer Durchschnitt und eine stellenweise rührende Familienstory. Bunt, witzig und mit emotionalem Unterbau: auch bei seinen "kleineren" Titeln liefert Pixar hochwertige "Ware". 

Die Ironie ist, dass trotz aller Bemühungen um Magie und kurzweiligen Eskapismus, kaum ein Hauch von Magie zu Geltung kommt. Zu blutleer und schematisch bewegt sich "Onward" wie ein holpriges von Menschenhand geschriebenes Computerprogramm, das Magie simulieren soll, aber eben kein Verständnis dafür hat, was Magie ausmacht. Dennoch: Der Gedanke, dass mit dem Fortschritt ein Großteil der Magie und der eigenen Fähigkeiten verloren geht, ist nämlich gar nicht verkehrt und auch die Heldenreise der beiden Elfenbrüder, deren Vater früh von ihnen gegangen war, hat das Herz am rechten Fleck.

Inwiefern man sich über die vielen "Dungeons & Dragons"-Referenzen amüsieren kann, wenn man sich damit gar nicht auskennt, sei mal dahingestellt, aber auch so bietet der Film einige sehr amüsante Einfälle und vor allem mal wieder ein unverbrauchtes Setting und eine Story, die keine Fortsetzung ist. Die Versatzstücke sind zwar trotzdem nicht wirklich neu und die Macher wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, aber das passt schon. Auch der deutsche Zusatztitel, den man erst mal für eine typische Floskel halten könnte, ergibt mehr Sinn, als man zunächst meinen möchte, die Idee ist schon schön schräg. Leicht amüsant plätschert der Streifen so vor sich hin, mit den typischen, pädagogisch wertvollen Anmerkungen über Selbstvertrauen und Verlust bzw. Bedeutung der Familie. Das ist nicht schlecht, teilweise sympathisch, aber entspricht nicht mehr den hohen Standards von Pixar, ist nur noch unternehmerische Unterwürfigkeit gegenüber dem Disney-Konzern. Denn die Leute von Pixar haben nach wie vor gute Ideen, wenn sie denn wollen, bzw. wenn man sie lässt.

Schade ist auch, dass es letztendlich bei diesen Filmen so oft um den Verlust von Elternteilen geht, aber für die ganz Kleinen ist "Onward" mit seiner Freigabe "ab 6 Jahren" ohnehin nicht geeignet. "Onward" ist unterhaltsam und wirklich nicht schlecht, dass es besser und ikonischer gegangen wäre, ist jedoch offensichtlich.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe:
 Disney / Pixar

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