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Mittwoch, 12. April 2017

The Fate Of The Furious - Fast & Furious 8 (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4630562/

Können Dom (Vin Diesel) und seine Freunde, die er Familie nennt, endlich ein normales Leben haben? Nach dem Rückzug von Brian und Mia hat er sich mit Letty (Michelle Rodriguez) in die Flitterwochen verabschiedet und die restliche Crew ist von allen Vergehen aus der Vergangenheit freigesprochen worden. Doch dann taucht die mysteriöse Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) auf, verführt Dom und macht ihn zu ihrem Partner bei einer Reihe von Verbrechen. Mr. Nobody (Kurt Russell) bittet die Gang um Letty, Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Co., zu helfen. Gemeinsam mit Hobbs (Dwayne Johnson), der wegen Doms Verrat im Knast sitzt, und Todfeind Deckard Shaw (Jason Statham) müssen sie bei einer Jagd rund um den Globus eine Anarchistin stoppen, die Chaos in die Welt bringen will. Und wichtiger: Sie müssen den Mann nach Hause holen, der sie zu einer Familie machte...

Hätte 2001 einer behauptet, dass der Film "The Fast And The Furious" den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten bilden würde, man hätte denjenigen nur müde belächelt. Aber die Macher hinter dem furiosen Team haben etwas geschafft, was viele für unmöglich gehalten haben und noch dazu innerhalb einer Reihe nahezu völlig aussichtslos ist: sie haben die Reihe nach einem eher mäßigen zweiten und hundsmiserablen dritten Teil rigoros revolutioniert, ein Quasi-Remake in die Bahn geworfen, die Richtung justiert und damit spätestens mit "Fast Five" Actionkino vom Allerfeinsten geschaffen. Im mittlerweile achten Segment der adrenalingeladenen Filmreihe, die seit 15 Jahren in den unterschiedlichsten Ausführungen auf der großen Leinwand für eine ständige Überschreitung des Tempolimits sorgt, sind Verrat, Vertrauen und Versöhnung die drei Schlüsselworte. Noch größer, noch schneller, noch lauter: "The Fate Of The Furious" ist eine überaus angemessene Fortsetzung nach dem emotionalen Gipfel vor zwei Jahren.

Dank Regisseur F. Gary Gray auf dem Regiestuhl wirkt der neue Film auch wesentlich kompakter, konzentrierter und katalytischer. Der Vorgänger hatte natürlich nicht nur mit James Wans Unerfahrenheit im Actiongenre zu kämpfen, sondern auch mit dem Unfalltod Paul Walker, der den Film überschattete und ihn quasi zwangsläufig zu einem Requiem machte. Dieser tragische Verlust prägte und veränderte die Reihe wie kaum ein anderes Ereignis sowohl im erzählerischen Rahmen als auch dem äußerlichen als Filmproduktion. So treten die "Fast & Furious"-Filme mittlerweile mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein für das alles bezwingende Konstrukt der Familie auf, das seit dem Beginn immer im Hintergrund mitgeschwungen ist, ehe es sich in den vergangenen Jahren zur treibenden Kraft hinter den aufregenden Abenteuern entwickelte. In einer Welt, in der jedes Problem mit schnellen Autos gelöst werden kann, selbst wenn es sich dabei um eine globale Bedrohung handelt, gibt es nichts, das für Toretto wichtiger ist als seine Familie. Auf dem Teaser-Poster von "The Fate Of The Furious" steht nun allerdings "Family No More" und das ultimative, geradezu unantastbare Bündnis befindet in Gefahr. Was ist also seit dem letzten Finale passiert, in dem sich unsere Helden in einer unfassbar hoffnungsvollen Sequenz in den Sonnenuntergang verabschiedeten? Drehbuchautor Chris Morgan, der das Franchise seit "Tokyo Drift" begleitet, hat eine passende Antwort darauf gefunden.

Anfänglich kehrt "Fast & Furious 8" allerdings zu seinen Wurzeln zurück und verliert sich unter der heißen Sonne Kubas in der dröhnenden Adrenalinfantasie eines illegalen und höchst unrealistischen Straßenrennens. Ein Streit ist Auslöser für einen Wettkampf, bei dem es nicht bloß um Autos, sondern (wie üblich) vor allem Respekt und Anerkennung geht. Obwohl all die Figuren, die in dieser Szene auftauchen, auf den ersten Blick nicht einmal ansatzweise so viel Tiefe versprühen wie die große Klappe, hinter der sie sich verstecken, weiß Chris Morgan hier bereits bestens, was das Herz der Reihe ist. Hier gehören Macho-Sprüche zur Tagesordnung, doch gleichzeitig bewegt sich der Film nie auf einem herablassenden Level, sondern erkennt in Aufeinandertreffen der verschiedenen Egos ein eine große Spielwiese, um das Ensemble dynamisch, und beinahe Kumpelhaft-liebevoll interagieren zu lassen. So wird aus dem anfänglichen Spaß (etwas zu schnell) schnell ein Familiendrama epischen Ausmaßes, ganz den Regeln der eigenen Mythologie verschrieben.

Regisseur Gray, der bereits mit seinem Remake von "The Italien Job" bewiesen hat, dass er es durchaus versteht, größere Probleme kreativ mittels fahrbarer Untersätze zu lösen, schließt dabei nahtlos an das Schaffen seiner Vorgänger an. "The Fate Of The Furious" strotzt förmlich vor Energie. Sowohl in den aufwendigen Action-Szenen als auch weniger spektakulären Dialogpassagen gibt es keine Aussicht auf eine Verschnaufpause. Sobald in Havanna die Motoren gestartet werden, brettert der Film von einem Schauplatz zum nächsten und ähnelt in dieser Form - wie bereits seit "Fast Five" - der Struktur eines "James Bond"- oder "Mission: Impossible"-Films. Atomwaffen werden hier genauso selbstverständlich in die Handlung integriert wie diverse Konflikte zwischen den Figuren. Dazu kommt, dass mit Luke Hobbs (Dwanye Johnson) seit dem fünften und Deckard Shaw (Jason Statham) seit dem sechsten Teil die zentrale Familie wächst und stetig komplexere Züge annimmt. Das mag teilweise absurd und lächerlich wirken, aber vor solch irrelevanten Einstufungen von Logik und Anschlussfehlern haben sich die "Fast & Furious"-Filme zum Glück schon seit einiger Zeit verabschiedet. In "Fast & Furious 8" liegen die Probleme der Crew rund um Vin Diesel im Rahmen der Fiktion. Anführer Dominic Torettto löst sich von seinen Leuten, kämpft gegen sie und Schuld daran ist die Cyber-Terroristin Cipher, die von Oscar-Preisträgerin Charlize Theron mit hassenswerter Begeisterung dargestellt wird. Mit Cipher erhält das Franchise endlich eine Antagonistin, die man eben nicht so schnell vergisst und dass sie - so viel darf verraten werden - wohl auch in Zukunft Toretto und Freunden das Leben zur Hölle machen wird, lässt freudig auf die noch zwei angekündigten Teile blicken. Zudem ist es eine Freude, Jason Statham wieder mal in Aktion sehen zu dürfen, der eine besonders coole Szene geradezu zelebriert und auch Figuren aus alten Tagen lassen die Augen des Fans strahlen.

Chris Morgan hat mit seinem Drehbuch also sowohl die Figuren als auch die Schauspieler, die sie verkörpert, wahrlich brillant im Griff. Alleine Doms beängstigende Verwandlung in einen fremdgesteuerten Soldaten erschüttert Lettys (Michelle Rodriguez) Weltanschauung in einem unbeschreiblichen Ausmaße, dass ein Blick im Vorbeifahren genügt, um zu signalisieren, was gerade alles zu Bruch gegangen ist. "The Fate Of The Furious" beherbergt zahlreiche dieser markanten Momente, die entgegen der exzessiven Übertreibung auf allen Ebenen stärker sind als jede Abrissbirne, die Polizeiwägen wie Lego-Steine aus dem Weg räumt, und jedes U-Boot, das aus den Untiefen des ewigen Eises herausbricht. Es ist ein Actionfest der Überwältigung und Gray sorgt dafür, dass der Zuschauer nicht gleich erschlagen wird. Nein, sein Debüt im "Fast & Furious"-Universum offenbart sich als angenehm stilsicheres Konstrukt, das insbesondere der Übersichtlichkeit in temporeichen Bewegungsabläufen verschrieben ist.


Im Actionbereich ist also der neuestes Ableger wahrlich ein Genuss, wenn sich die Reifen drehen und einen Action-Tornado auslösen, der jeglicher Beschreibung spottet. Hier findet der Streifen seine wahre Stärke und kann deswegen noch größer, noch schnell und noch lauter werden, ohne sich je in stumpfer Gleichgültig zu verlieren. Es herrscht immer ein kleines, aber überlebensnotwendiges Spannungsverhältnis. Und es ist immer noch mehr als beachtlich, dass eine Reihe, die viele vor zehn Jahren bereits abgeschrieben haben und die sich dann entgegen allen Erwartungen erfolgreich neu erfinden konnte, ihre Formel mit dem achten Teil weiter perfektioniert. Rockt.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Sonntag, 23. Juli 2017

xXx: Return Of Xander Cage - xXx: Die Rückkehr des Xander Cage (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1293847/

Auf Bitten seines Kontaktmannes Agent Augustus Eugene Gibbons (Samuel L. Jackson) kehrt der für tot gehaltene Extremsportler Xander Cage (Vin Diesel) aus seinem selbstauferlegten Exil zurück, um erneut als Geheimagent für die US-Regierung zu arbeiten. Dieses Mal muss er eine ebenso unaufhaltbare wie zerstörerische Waffe namens „Die Büchse der Pandora“ bergen. Zeitgleich machen sich jedoch auch der sinistre und mit Waffen wie Fäusten tödliche Xiang (Donnie Yen) und dessen Schergen daran, die todbringende Technologie in ihren Besitz zu bringen. Zusammen mit seinem neuen Team kampfbereiter adrenalinsüchtiger Profis (u.a. Deepika Padukone, Ruby Rose, Rory McCann und Nina Dobrev) findet sich Xander schon bald in einer tödlichen Verschwörung wieder, in die sogar Repräsentanten auf Regierungsebene verwickelt sind...

Mit „xXx: Return Of Xander Cage“ kehrt ein Franchise in die Kinos zurück, mit dessen Fortsetzung 12 Jahre nach dem Sequel des Auftakts vermutlich eher die wenigsten gerechnet hätten. Auch wenn Hauptdarsteller Vin Diesel im Jahr 2002 nach seinem Mitwirken im ersten "The Fast And The Furious" mit "xXx" Chancen auf ein potentielles zweites Standbein hatte, blieb sein Auftritt als Extremsportler und Geheimagent Xander Cage ein einmaliger. Das drei Jahre später gefolgte Sequel mit Ice Cube in der Hauptrolle geriet zur finanziell enttäuschenden Angelegenheit, von dem Diesel bereits vorab Abstand nahm, nachdem selbst ihm das Drehbuch nicht zusagte. "xXx: State Of The Union" war ein Film, über den man angesichts seiner Qualität ohnehin lieber schnell den Mantel des Schweigens hüllte und der ebenso schnell wieder in Vergessenheit geriet.  


Nachdem sich die "The Fast And The Furious"-Filmreihe zum kommerziellen Kassenschlager entwickelte und einen Teil auf den anderen folgen ließ, versuchen sich Paramount Pictures im Jahr 2017 nun mit Diesel als zugkräftigen Star an einer Wiederbelebung des "xXx"-Franchise. Obwohl Xander Cage im zweiten Teil eigentlich für tot erklärt wurde, zeigt sich dieser in "xXx: Return Of Xander Cage" quicklebendig. Sein offensichtliches Wohlbefinden wird dadurch untermauert, dass er zu Beginn mit Skiern durch den Dschungel der Dominikanischen Republik brettert, sich auf einem Skateboard von einem Auto über die Straße ziehen lässt und anschließend, nachdem er seinen Verfolgern entkommen ist, die vermutlich attraktivste Frau der gesamten Region ins Bett bekommt.


Nach diesem Auftakt von D. J. Carusos Film könnte man meinen, dass das bisherige Konzept von Xander Cages Lebensstil mit voller Absicht keinen Veränderungen unterzogen wurde, doch der Regisseur dreht zusätzlich sämtliche Regler auf Anschlag. In "xXx: Return Of Xander Cage" wird nicht einfach nur dem altbewährten "größer, schneller, lauter"-Rezept gefolgt, das für zahlreiche Fortsetzungen im Blockbuster-Sektor zum Einsatz kommt, sondern ein völlig bizarres Paralleluniversum entworfen, das mit der Realität kaum noch etwas gemeinsam hat.


Die Jagd nach einem Gerät, mit dem sich Satelliten manipulieren und zum Absturz bringen lassen und das in falschen Händen somit zur mächtigen Waffe geraten könnte, entwickelt sich ab der Hälfte des Films zum fast schon kindlichen Wettstreit zwischen zwei Teams von Geheimagenten, die aus unterschiedlichen Gründen agieren. Dialoge, bei denen gefühlt jeder zweite Satz aus einer lässigen Bemerkung, einer gewitzten Anspielung oder abgebrühten Machismen besteht, Figuren, die sich vornehmlich in coolen Posen üben und Action-Setpieces, die sämtliche Grenzen der Logik aushebeln, physikalische Gesetzmäßigkeiten an den Rand des Wahnsinns befördern und Greenscreen-Effekte, die matschige Texturen aus dem Computer geradezu zelebrieren, sind die Bausteine dieses grellen Spektakels.


Auch wenn das Drehbuch von F. Scott Frazier deutlich zu lange braucht, um sämtliche Mitglieder des illustren Ensembles zusammenzuführen, aufeinander einzuspielen und im Schatten von Diesel, der sich nach wie vor als eher klobiger Sympathieträger aufspielt, von der Leine zu lassen, versprüht "xXx: Return Of Xander Cage" aufgrund der konsequent haarsträubenden Vermengung pubertärster Schauwerte, auf Krawall gebürsteter Stereotypen und einer sichtbaren Freude am irrationalen Exzess einen infantilen Unterhaltungswert, der in den besten Momenten durchaus ansteckend ist.

Wenn sich drei der Figuren in einer Konfliktsituation entschärfte Granaten wie bei einem ausgelassenen Brettspiel über den Tisch zurollen, Kämpfe in einem Flugzeug trotz eines Verlusts der Schwerkraft ausgetragen oder Motorräder zu Jetskis umfunktioniert werden, während Caruso alles wie ein protziges Musikvideo inszeniert, schwingt sich dieser Film in Höhen auf, in denen selbst die realitätsfremden letzten Teile der "The Fast And The Furious"-Reihe vergleichsweise wie subtile Charakterstudien wirken. Sicherlich hätte es den dritten Teil, der sein gesamtes Potential an Größenwahnsinn nicht einmal voll ausschöpft, nicht unbedingt gebraucht. Kurzweiligen Spaß kann man mit diesem Abenteuerspielplatz des albernen Schwachsinns und freudig zelebrierten Irrsinns aber trotzdem haben.

5,5/10

Samstag, 30. August 2014

The Fast And The Furious: Tokyo Drift (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0463985/

The Fast and the Furious: Tokyo Drift erzählt die Geschichte von Shaun Boswell (Lucas Black), der in seiner Jugend schon immer ein Außenseiter war. Seine Leidenschaft: getunte PS-Boliden durch die Stadt zu jagen. Sein Problem: die Polizei. Seine Lösung: Das Rennparadies Tokyo. Hier sind die ultimativen Drift-Racing-Wettbewerbe angesagt. Und das heißt Pedal to the Metal – Vollgas bis zur Schmerzgrenze, auf Kursen, die so eng sind, dass sie selbst Fahrradfahrern Schweißperlen auf die Stirn treiben. Achterbahngleich wird hier das Limit an jeder Kurve neu definiert. Bei diesem Spiel mit dem Tod stellt sich für Shaun nur eine Frage: Wird er es überleben?

Wenn man bei einem Franchise etwas an der altbekannten Formel herumspielt, hat das eigentlich immer negative Folgen. Und sogar bei der "The Fast And The Furious"-Reihe hat das fatale Folgen. War bei Teil 2 wenigstens noch Paul Walker als bekanntes Gesicht an Bord, so finden sich im dritten Teil davon keine mehr. Vin Diesel (der nur am Ende ein Cameo hat), Paul Walker & Co. haben wenigstens noch für etwas Unterhaltung gesorgt, auch wenn nicht unbedingt auf hohem Niveau. Hier hat man nun nur wenig interessante oder gar sympathische Darsteller, die sich wieder mal nach dem Outlaw-Schema durch die dünne Geschichte boxen, welche auch rein gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Film zu tun hat. Die Driftrennen sind dabei noch das beste am ganzen Film, die Autos dafür aber relativ unspektakulär und der Soundtrack viel zu Hip-Hop-lastig. Der Film selbst kann zwar unterhalten, aber hinterlässt ein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit. Vielleicht hätte der Streifen unter einem anderen Titel mehr Erfolg gehabt - auch bei mir.

4,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Mittwoch, 20. August 2014

The Fast And The Furious (2001)

http://www.imdb.com/title/tt0232500/

Brian Spinner (Paul Walker) ist das neue Gesicht unter den halb wahnsinnigen Fahrern illegaler Autorennen. Obwohl er neu in der Stadt ist und niemand ihn kennt, konnte er sich mit seinem Fachwissen um schnelle Autos und seinem Zugang zu Hochleistungs-Tuningteilen schnell das Vertrauen der Gang um Dom Toretto (Vin Diesel) erarbeiten, mit dessen Anführer ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Doch weder Dom noch seine Kollegen kennen die wahre Identität Brians. Dieser arbeitet nämlich als Undercover-Agent für das FBI. Er wurde auf Dom angesetzt, da die Behörde ihn verdächtigt, an einer Reihe ausgeklügelter Raubüberfälle auf fahrende Lastwagen beteiligt zu sein. Schnell wird Brian klar, dass Dom tatsächlich hinter den Überfällen steckt. Doch ist er wirklich bereit, Dom ans Messer zu liefern?

Der erste der Reihe und ein krachender Action-Film mit einer zwar mehr als dünnen Story, dafür umso mehr Atmosphäre. An "The Fast and The Furious" scheiden sich natürlich die Geister. Ich muss jedem Kritiker recht geben der die dünne Story, die flachen Figuren mit ihrer schablonenhaften Zeichnung und die überschaubaren darstellerischen Leistungen bemängelt. Warum mir der Film trotz all dieser Schwächen 7 Punkte wert ist hat einen einfachen, für manche Leute sicherlich nicht nachvollziehbaren Grund. Ich mag solche Filme und nur wenige Streifen krachen so richtig schön im Heimkino wie dieser hier.

Und da ist noch dieser Flair, welchen eben "The Fast And The Furious" besitzt und auf den er aktuell auch immer noch ein Monopol hat. Es ist eben ein Actionfilm, in dem ein hoher Wert auf die Fahrzeuge gelegt wird, mit denen sich die Darsteller auf dreckige Art und Weise fortbewegen und das ist gerade für Autofans eben ein besonderer Genuss.  Wenn man die Motoren röhren hört, wenn man die Lachgaseinspritzung von der Brennkammer bis zum Auspuff verfolgen kann, die Reifen quietschen und danach ein hochgezüchteter Importbolide die Viertelmeile entlangprescht, das ganze mit einem herrlichen Soundtrack unterlegt -  man ist sofort ein Fan dieser Reihe. Die bereits erwähnte oberflächliche und einfach gestrickte Story passt dann eben in das Bild des Filmes und stört auch nicht unbedingt weiter, denn man will genau das: die hochgezüchteten Fahrzeuge auf der Straße fahren sehen. Abgerundet wird das ganze noch mit ein paar humorvollen Szenen und Gags. Und damit muss ich einfach sagen, dass mich der Film doch wirklich amüsiert hat, und das irgendwie auch schon immer.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Sonntag, 31. August 2014

Fast Five - Fast & Furious Five (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1596343/

Dwayne Johnson spielt den entschlossenen Agenten Luke Hobbs, der mit einem Eliteteam auf der Jagd nach Dominic Toretto (Vin Diesel) und Ex Cop Brian O’Conner (Paul Walker) ist. Nachdem letzterer Dominic aus dem Gefängnis befreit hatte, befinden sich die beiden auf der Flucht vor dem Gesetz. Jetzt sind sie in Rio de Janeiro, mit dem Rücken an der Wand, dazu gezwungen noch einen letzten Job durchzuziehen, bevor sie für immer von der Bildfläche verschwinden wollen. Doch wenn wir aus den vorangegengenen Fast & Furious-Filmen etwas gelernt haben, dann dass Domininic und Brian mit dem Rücken zur Wand und dem Fuß auf dem Pedal am besten funktionieren...

"Fast & Furious Five" ist für mich bisher der beste Teil der "The Fast And The Furious"-Reihe. Denn die drei Vorgänger fande ich bis auf den ersten Film nur unterdurchschnittlich. der vierte Teil wertete dann alles mit einem Quasi-Reboot wieder etwas auf und damals war ich umso gespannter auf den fünften Ableger, der mir im Endeffekt (und auch jetzt noch) von allen bisher am besten gefallen hat.

Vor allem die Tatsache, dass sich der Film nur noch beschränkt auf Autorennen konzentriert hat mir sehr gut gefallen. Insgeheim habe ich regelrecht gehofft, das man irgendwann eine solche Richtung einschlägt. Im Film gibt es (natürlich) rasante Verfolgungsjagden, aber eben auch coole Mann gegen Mann-Fights und explosive Schießereien - eben all das, was für mich einen guten Actionfilm schon mal definiert. Was den Film dann aber noch viel besser macht, ist die spannende Story. Auch wenn diese erwartungsgemäß nicht sonderlich originell ist, so hat sie mir im großen und ganzen doch sehr gut gefallen. Es müssen ja nicht immer biszur Unkenntlichkeit verschachtelte Storys sein.

Der Cast trägt auch seinen Teil zum positiven Gesamtbild des Filmes bei. Ob Vin Diesel, Paul Walker oder Tyrese Gibson , der Cast weiß zu überzeugen. Dwayne "The Rock" Johnson passt ohne Wenn und Aber perfekt in den Film, in manchen Szenen ging er mir aber dennoch mit seiner übermäßigen Coolness ein ganz klein wenig auf die Nerven. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Vor allem der Kampf gegen Vin Diesel ist genial inszeniert. Ob handwerkliche Arbeit im Sinne von coolen Bildern mit genialer Musik von Brian Tyler und fetten Ohrwürmern oder die schauspielerischen Leistungen von Größen wie Vin Diesel und Dwayne Johnson - alles mit Abstand (und im Vergleich/Hinblick auf die Vorgänger) einfach nur wesentlich besser!

Auch mit Rio als Kulisse des Filmes wurde ein neuer Schauplatz etabliert, der einges bieten kann. Wie schon gesagt, für mich bisher ganz klar der beste Teil. Tolle Unterhaltung. "Fast Five" ist ein testosterongeschwängertes Macho-Vehikel mit Hochglanzoptik für die breite Masse. Allerdings wird der Film durch eine bessere Story, bessere Action und mehr Dynamik gegenüber seinen Vorgängern ziemlich aufgewertet.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Mittwoch, 25. September 2013

Fast & Furious 6 (Extended Verion) (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1905041/

Nachdem Dominic Toretto (Vin Diesel) und Brian O’Connor (Paul Walker) in Rio de Janeiro nur Schutt und Asche hinterließen, sind die beiden auf der Flucht. Doch sie hassen es, nie wieder nach Hause zurückkehren zu können. Währenddessen versucht FBI-Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) eine Bande gefährlicher und geldgieriger Fahrer aufzustöbern, deren Boss (Luke Evans) Hilfe von seiner rechten Hand bekommt, die keine andere ist als Doms totgeglaubte Geliebte Letty (Michelle Rodriguez). Die einzige Möglichkeit die kriminelle Organisation zu besiegen, ist gegen sie anzutreten. Deshalb bittet Hobbs Dom und Brian um Hilfe. Im Gegenzug werden ihnen alle Straftaten abgesprochen, was bedeuten würde, dass die beiden wieder nach Hause zurückkehren könnten.

Nach dem guten fünften Teil stellte sich für mich gar keine Frage, ob man sich jetzt unbedingt den sechsten geben müsse. Die Geschichte geht im Grunde dort nahtlos weiter, wo der Vorgänger aufhörte - und steigt unmittelbar mit großer Action ein. Ab dem Zeitpunkt kommt der Film auch kaum noch zur Ruhe - nur ganz wenige Szenen lassen Luft zum Verschnaufen zwischen all den Raserien durch belebte Innenstädte, explosiven Shootouts und Prügelorgien zwischen immer größer werdenen Muskelbergen. Allzu viel Story darf man bei dieser Reihe natürlich eh nicht erwarten. Zu Anfang muss man natürlich gleich sagen, dass man keine Oscarreifen Leistungen erwarten darf! Jeder Macht seine Sache gut und ist vor allem mit Spaß dabei. Ohne Spoilern zu wollen weiß man jedoch sofort wo die Geschichte hingeht. An sich ist aber das Grundgerüst in Ordnung: Totgeglaubte Liebe taucht wieder auf, die Crew geht einen Deal ein, muss Rennen fahren, legt sich mit den bösen Jungs an - Standard halt. Und, so will ich betonen, nicht schlecht! Denn wenn ich in einen Actionfilm gehe, will ich eines sehen: Action! Die hat mit der Film zu Hauf geboten, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu unproportional verteilt. Denn für mich gabs zu viele Schlägereien und zu wenig Auto. Das ist aber mein kleinster Kritikpunkt. Die zwei größeren Kritikpunkte sind ganz andere.

Erstens: Die Logik und Glaubwürdigkeit. Dass in einem Hollywood-Action-Kracher nicht alles total logisch und vor allem realistisch ist, ist klar. Dass da der coole Typ aus dem brennenden Wrack steigt, nur mit einem kleinen Kratzer an der Stirn - klar. Wenn aber die hanebüchenen Actionszenen so weit gehen, dass man da sitzt und sich denkt: "Niemals!" - dann ist es einfach zu viel. Und davon hatte der Streifen genau drei Szenen. Übertriebene Action - vollkommen okay. Aber die physikalischen Gesetze vollkommen und so offensichtlich außer Kraft setzen - das geht einfach nicht.

Zweitens: Die Dramatik. Denn wo "Fast Five" temporeich, leicht und schnell war, da wird "Fast & Furious 6" streckenweise doch sehr wortlastig und übertrieben dramatisch. Jeder längere Dialog der Hauptdarsteller hat irgendwas schwülstig an sich, überall wird auf krampf versucht Tiefgang einzubauen. Dass die Crew wie eine Familie ist, wissen wir alle. Da muss man nicht so rumschmachten.

Doch - bevor ich gänzlich zum Schluß komme - noch ein paar interessante Fakten aus dem Film:
- Spanien besitzt die längste Landebahn Europas
- Klaus ist immer ein mindestens 2,80m großer Deutscher mit Armen wie Oberschenkel
- Mann kann nie zu wenig und zu normale Action einbauen (Panzer...)
- Dwayne "The Rock" Johnsons Oberarme werden vermutlich irgendwann platzen

Fazit also: Coole Schauspieler zu cooler Musik, neben schönen Autos, Frauen und jeder Menge brachialer Action. Wem dieses Konzept oder die Vorgänger-Filme nicht gefallen, der wird auch hier nicht auf seine Kosten kommen.  Und obwohl das alles ganz ganz weit weg ist von dem ursprünglichen "The Fast And The Furious" ist es eine kurzweilige actionlastige Unterhaltung mit vielen fetzigen Szenen und noch krasseren Stunts.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Mittwoch, 11. August 2021

F9 - Fast & Furious 9 (2021)

https://www.imdb.com/title/tt5433138/

Dominic Toretto (Vin Diesel) hat immer großen Wert auf die „Familie“ um seine Frau Letty (Michelle Rodriguez), ihren gemeinsamen Sohn Sohn Brian, seiner Schwester Mia (Jordana Brewster) und seine Mitstreiter Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Ludacris) gelegt. Als dann allerdings plötzlich ein weiterer Blutsverwandter von Dom auf der Bildfläche erscheint, sieht das etwas anders aus. Doms und Mias verschollener Bruder Jakob (John Cena), ein tödlicher Killer und Dieb, will mit Dom eine Rechnung begleichen und tut sich dafür mit der Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) zusammen. Dom steht vor seiner wohl größten Herausforderung. Da kommt es ihm gerade recht, dass er unverhoffte Unterstützung von seinem totgeglaubten Freund Han (Sung Kang) bekommt, der den Anschlag auf sein Leben offenbar doch überlebt hat. Dom muss sich nun den Sünden seiner Vergangenheit stellen und sich mit seiner Crew zusammenschließen, um die Weltverschwörung zu stoppen, die von Jakob und Cipher angeführt wird. 

Bereits mit dem siebten Teil deutete sich an, dass im "Fast & Furious"-Franchise eine Richtung eingeschlagen wird, die nichts Gutes verheißen sollte. Allein wenn man den Film "The Fast And The Furious" mit dem mittlerweile neunten Teil dieser Reihe vergleicht, muss unweigerlich die Frage aufkommen, was da in der Zwischenzeit passiert ist. Wie wurde aus dem vergleichsweise ernsten Hochgeschwindigkeitsabenteuer von 2001 dieser trashige "Mission Impossible"-Abklatsch? Das Herz der Reihe ist längst verloren gegangen, illegale Rennen und die Liebe zum rassigen (getunten) Sportwagen spielen kaum noch eine Rolle, stattdessen gibt es peinlichen Technikblödsinn und in jedem Film eine neues, brandgefährliches Eliteteam, dass die Welt mit irgendeiner Superwaffe ins Chaos stüzen will und natürlich nur von Dominic Toretto und seinen Leuten aufgehalten werden kann. Anfangs, in Teil 6, als dieser Weg eingeschlagen wurde, war das als kleiner Ausflug noch interessant, inzwischen ist dieser aufwendige Agentenfilm-Edeltrash nur noch peinlich und passt gar nicht zu dem, für was die Filme mal standen.

Dass dieser Blödsinn trotzdem immer noch ganz anständig unterhält, liegt freilich an der hemmungslos übertriebenen Action und dem gehörigen Maß an Nostalgie, wenn immer wieder alte Weggefährten auftauchen. Dieser Synergieeffekt rettet an der Stelle viel von dem, was das idiotische Drehbuch vernichtet. Mias Rückkehr war überfällig und Hans Wiederauferstehung mag völlig unglaubwürdig sein - ein Faktor, der inzwischen eigentlich völlig vernachlässigt werden kann - doch er hat der Reihe gefehlt. Auch Lucas Black mischt wieder mit, wenngleich sich durchaus die Frage stellt, wie er vom Drift King von Tokyo zum Raketenbauer in Köln werden könnte, aber dieses Fragespiel sollte man hier nicht spielen, denn die Kopfschmerzen könnten mörderisch sein. Warum Charlize Therons Cipher sich aus irgendeinem Grund die Haare von einem Fünfjährigen hat schneiden lassen, wäre aber schon interessant zu wissen. Cena als Doms Bruder Jakob ist gar nicht so übel, das gleiche beschränkte Talent wie Diesel und sogar eine ähnlich ausdruckslose Mimik - die Beiden könnten tatsächlich Brüder sein. Trotzdem stiehlt er Diesel in jeder gemeinsamen Szene die Show - und das will schon etwas heißen. Die in Rückblenden erzählte Geschichte zum Tod von Vater Toretto, die eigentlich nur im ersten Film mal kurz anklingt, ist hingegen ganz anständig erzählt - ganz im Gegensatz zum Rest. By the way: Die gewählten Jungschauspieler - ach naja.

So rumpelt sich die sympathische Truppe durch eine katastrophale Story und gibt sich gar nicht mehr die Mühe den ganzen Quatsch tatsächlich noch ernst zu nehmen. Es tut dem Film durchaus gut, dass das Maß an Selbstironie und Gags nach oben geschraubt wurde. "So lang wir uns an die Gesetze der Physik halten, kann uns nichts passieren. Okay?" Der Satz fällt ernsthaft durch Tej in einer Szene, in der er und Roman mit umgebauten Taucheranzügen in einem modifzierten Pontiac Fiero mit Raketenantrieb ins All fliegen, um einen Satelliten zu sabotieren. Auch Romans Fragen wie "Wieso leben wir eigentlich noch?" sind längst überfällig gewesen. Denn das ist die eigentliche Frage hinter diesem Unsinn. Doch das zeugt immerhin von Humor. Dennoch ist gerade die Weltall-Szene selbst für "Fast & Furious"-Verhältnisse so absurd dämlich, dass auch das unverholene Augenzwinkern dabei diese Peinlichkeit nicht ausgleichen kann. Wenn die Physik in diesen Filmen auch nur im Ansatz eine Rolle spielen würde, wären ausnahmslos alle Protagonisten aus der Reihe schon längst tot. Das Herumspielen mit den Elektromagneten ist ziemlich spaßig - wenn auch unheilbar unlogisch. Die sich daraus ergebenden Actionszenen sehen richtig nett aus, da fliegen die Trümmer und die Autos wie mit der Cheat-Engine in GTA.

Richtig böse kann man also dem Film nicht sein, obwohl das nächste Mal vielleicht ein paar Schimpansen weniger am Drehbuch mitarbeiten sollten. Die Reihe hat sich mit ihrem ständigen Bestreben immer noch einen draufsetzen zu wollen in eine Sackgasse manövriert, aus der sie durch allerhand Absurditäten zu entkommen versucht. Vielleicht wäre es besser, jetzt, wo die Saga so langsam auf die Zielgerade einbiegt, mal wieder etwas runter zu kommen und zurückzukehren zu den Wurzeln. Wieder echte Straßenrennen mit schicken Karossen und die Weltrettung Ethan Hunt und Co. überlassen. Aber dies wird wohl ein Wunsch bleiben. Die letzte Szene, wenn der Skyline in Doms Einfahrt einbiegt und völlig klar ist, wer darin sitzt, holt immerhin noch einen Sympathiepunkt extra raus. Und die Mid-Credit-Sequenz verspricht für den zehnten Teil immehrin die Rückkehr von Jason Statham als Deckard Shaw.

4,5/10 

Anmerkung: Wenn die Macher die Chance verstreichen lassen, und den nächsten Film nicht "Fast10 Your Seatbelts!" nennen, könnte man der Reihe angesichts der Entwicklung nachträglich tatsächlich doch noch böse werden.

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Samstag, 6. Oktober 2018

Incredibles 2 - Die Unglaublichen 2 (2018)

https://www.imdb.com/title/tt3606756/

Nachdem die Superheldenfamilie von Bob Parr (Stimme von Craig T. Nelson) und Helen (Stimme von Holly Hunter) durch eine etwas aus dem Ruder gelaufene Aktion gegen den "Tunnelgräber" (Stimme von John Ratzenberger) wieder in den Schlagzeilen gelandet ist, wird das Schutzprogramm gegen sie aufgelöst. Superhelden sind teuer und machen mehr Schaden als sie nützen. Gegen dieses Urteil will ein schwerreicher Unternehmer namens Winston (Stimme von Bob Odenkirk) der Familie unter die Arme greifen. Mithilfe von Publicity-Aktionen von Elastigirl (Frau Parr) soll die Legalisierung der Superhelden finanziert werden. Unterdessen bleibt Bob (alias Mr. Incredible) zu Hause und beobachtet seine Kinder Violetta und Flash und entdeckt Jack-Jacks bis dahin verborgene Superkräfte. Die Familie ist gemeinsam mit dem Superhelden Frozone gezwungen, sich einem neuen Bösewicht, dem "Screenslaver", der ein düsteres Komplott geschmiedet hat, gegenüberzustellen.

14 Jahre sind vergangen, seit "The Incedibles" ihr erstes Leinwandabenteuer bestritten. "Die Unglaublichen", so der deutsche Titel, sind die Pixar-Superhelden-Familie, die in Teilen an "Mr. Fantastic" oder gar "Superman" erinnern - und soweit es den Autor / Regisseur Brad Bird betrifft, ist an dieser Stelle gar keine Zeit vergangen. Der Epilog des ersten Films ist nun gleichzeit der Prolog des zweiten und der Superschurke "Underminer" ("Tunnelgräber") schickt sich gerade an, Metroville zu unterjochen und die Incredibles setzen all ihre Superkräfte ein, um ihn aufzuhalten. Damit allein ist diese augenblickliche Fortsetzung gewissermaßen ein geschickter Weg, den jüngsten Superheldenboom des Kinos nicht anzuerkennen - es gibt kein Zwinkern oder Nicken zu den lukrativen Kinouniversen, die in der Zwischenzeit entstanden sind. Im Universum der Unglaublichen war und ist das goldene Zeitalter der Superhelden vorbei.


In mancher Hinsicht wünscht man sich fast, dass sich die Dinge etwas weiter bewegt hätten. Nach der blendenden Eröffnung fühlt sich "The Incredibles 2" anfangs übervorsichtig an den Herzschlag des ersten Films gebunden: Superhelden sind immer noch illegal und unsere Heldenfamilie verlässt sich immer noch auf mysteriöse, wohlwollende Milliardäre, um über die Runden zu kommen und sich gleichzeitig versteckt zu halten. Aber es gibt auch bedeutende Unterschiede: Hier sind die wohlhabenden Wohltäter die Geschwister Evelyn und Winston Deavor, die alle ihre eigenen Gründe haben, der Familie zu helfen, den Status eines Bürgers zweiter Klasse zu überwinden. Die Deavors bieten ein wenig PR-Rotation im "Incredibles"-Universum, indem sie Ressourcen, Lobbyisten und eine Menge Versicherungen zur Verfügung stellen, um ihr öffentliches Image wiederherzustellen, wobei Elastigirl, deren dehnbare Kräfte sie am wenigsten zerstörerisch für die alte Garde machen, die Galionsfigur ist. Und so beginnt eine neue Mission - aber wie dem Zuschauer die Grillfeste bei "The Fast And The Furious" bewusst gemacht haben, ist "Familie eben alles" und das ist auch (wie immer) das Credo dieses Familienfilms. Das Jonglieren von Verbrechensbekämpfungsaufgaben mit häuslichen Verpflichtungen stellt so manche Gelegenheit für nette Witze bereit, ebenso wie die komplexe Dynamik einer 5-köpfigen Familie, die immer Sekunden von einer neue häuslichen Krise entfernt ist. Mit Helen als neuem Boss bleibt Bob als "Ersatzelternteil" zurück, und er hat alle Hände voll mit einem launischen Teenagermädchen, einem verzweifelten Vorschuljungen und einem wilden und unberechenbaren Baby. Diese Neuaufteilung passt recht gut ins aktuelle Weltbild, wo es eben schon längst nicht mehr eine klassische Rollenverteilung gibt. Und das ist sehr gut so.

Die meisten Gags hat wie immer die Nebenfigur. Jack-Jacks wahnsinnig unbekannte, vielgestaltige Kräfte stehlen mehr als eine Szene, aber der Film findet auch Zeit für ruhigere, familieninterne Momente, wenn die Eltern sich beispielsweise Sorgen machen, zwischen Zahnpasta zu entscheiden oder einen neuen Job anzunehmen, eben Szenen, die Familien überall genau erkennen werden. Das Wunderbare mit dem Alltäglichen zu verbinden, war die eigentliche Errungenschaft von Pixar im Allgemeinen und dieser Charaktere im Besonderen, und es ist hier ein besonderes Highlight. Wenn es nun ein Ärgernis im zweiten Teil gibt, ist es diese beständige Superhelden-Filmkrankheit: der unterschwellige Bösewicht. Im Gegensatz zum ersten Film, der das verstimmte ehemalige Fan-Syndrom (einen brillanten, gut abgerundeten Feind) zeigte, ist es hier der schwer fassbare "Screensaver", einer libertären und anarchischen Figur, die die Ätherwellen übernimmt, die Zuschauer hypnotisiert und sie beschimpft, alles über ihre Smartphones oder Fernsehbildschirme aus zweiter Hand zu erleben. Es ist zwar ein passender Bösewicht, dessen Motive aber leider erst ziemlich spät im Film bekannt werden und dessen wahre Identität viel zu früh in Richtung Zuschauer telegrafiert wird. Aber all das bewegt sich mit solch freudiger Geschwindigkeit und Energie, dass es vielleicht auch egal ist.

Einige Skeptiker hatten sich gefragt, ob Pixar nach dem sexuellen Fehlverhaltensskandal um Gründer John Lasseter seine Magie verlor. "The Incredibles 2" lässt solche Sorgen absurd erscheinen. Der Beweis dafür, dass die Magie, die seine größten Filme auszeichnete, nicht im Mindesten nachgelassen hat. Das Geschick von Brad Bird für wild-kinetische, geniale Sequenzen bleibt nämlich ungetrübt, und sogar die verrückteren Momente halten geschickt das Gleichgewicht. Im Endeffekt gibt es ein paar Kleinigkeiten in einem über-vertrauten Setup und einen unterversorgten Bösewicht, über die man sich beschweren könnte, aber warum sollte man das, bekommt man doch insgesamt eine herrlich-lustige Familienparabel geboten, die so unterhaltsam wie jeder Superheldenfilm ist, den man dieser Tage sehen kann.

8/10

In der Schweiz gibt es den Film schon jetzt auf Disney 3D-BD, und während wir hierzulande noch knapp 2 Wochen warten müssen, kann man das schicke und limitierte Steelbook jetzt schon in den Händen halten. 


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney/Pixar

Sonntag, 18. Oktober 2015

Rush - Rush: Alles für den Sieg (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1979320/

Die wahre Geschichte über die Rivalität zwischen zwei Formel-1-Rennfahrern, dem Österreicher Niki Lauda (Daniel Brühl) und dem Engländer James Hunt (Chris Hemsworth). Im Jahr 1976 gerät Laudas Ferrari in der zweiten Runde des deutschen Grand Prix am Nürburgring ins Schleudern und er selbst verbrennt bei dem Crash beinahe - während Hunt das Rennen gewinnt. Sechs Wochen später sitzt Lauda aber wieder am Steuer und beginnt eine furiose Aufholjagd im Kampf um den Gesamtsieg. Das atemberaubende Duell ist auch der Kampf zweier gegensätzlicher Philosophien im Rennsport: auf der einen Seite der englische Playboy und Frauenschwarm Hunt, der mit dem bekannten Model Suzy Miller (Olivia Wilde) verheiratet ist, auf der anderen Seite der ehrgeizige und disziplinierte Vorzeige-Sportler Lauda. Der schlägt Hunt beim Großen Preis von Italien und anschließend auch in Kanada sowie in den USA, doch damit ist die denkwürdige Rennsaison noch nicht gelaufen...

Es gibt sie also doch noch - Motorsportfilme, die man ernst nehmen kann. Nachdem sich schon Silvester Stallone im 2001er "Driven" nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat und später fast nur noch Ableger oder Crossover-Rennfilme (man denke da an "The Fast And The The Furious" oder "Need For Speed") produziert worden, war das Genre schon fast abgeschrieben.

Zum Glück gibt es aber Filmemacher Ron Howard, der sich mit "Rush" wieder dem ernsteren Thema des Motorsports und damit des Sportfilms zuwendet und ebenso einmal mehr das Genre Drama und Biographie geschickt miteinander verknüpft. "Rush" erzhält für Motorsportsfans die altbekannte Geschichte des Nikki Lauda und seinem Freund/Feind James Hunt, die sich in den siebziger Jahren, einer der Hochzeiten des Formel-1-Sports erbitterte Duelle lieferten. Wie das ausging ist sicher allgemein bekannt. Von daher ist es auch klar, welchen Weg der Film gehen wird und so bietet auch das Ende für alle Motorsportinteressierten keine wirklich Überraschung. Überraschend ist allerdings die Inszenierung, die über volle 2 Stunden - obgleich des erwarteten Finales - jederzeit spannend und interessant ist und kaum Leerlauf bietet. 

Auch wenn vergleichsweise wenig Rennen und mehr Person gezeigt wird, passt dies doch hervorragend in die biographische Erzählweise über den Lebemann Hunt und dessen unmittelbaren Konkurrenten Lauda. "Hunt, the Shrunt", wie er im Motorsport genannt wurde wird wunderbar durch Chris Hemsworth verkörpert, dem man nicht nur vom Aussehen her die Figur Hunt abnimmt, sondern auch angesichts seiner Spielweise und seines ausschweifenden Charakters einen perfekten James Hunt abgibt. Aber auch Daniel Brühl als Nikki Lauda macht seine Sache hervorragend, auch wenn diese stets als der kühl berechnende und alles kalkulierende Ingenieur gezeigt wird - akribisch, ernsthaft und ehrgeizig. Auch wenn dies vielleicht so gewesen sein mag erscheint es teilsweise recht unglaubwürdig. Was aber nicht Brühls spielerischer Leistung, sondern eher einem etwas einseitig beleucheteten Drehbuch zuzordnen ist. "Rush" ist soetwas wie eine cineastische Oase für Fans des schnell bewegten Blechs, die beim Ansehen eines Films mit schnellen Autos eben nicht bloß auf wilde Explosionen und spektakuläre Crashs aus sind. "Rush" ist ein toller Rennfilm mit grandiosen Bildern, ordentlichen Dialogen, charmantem Witz, entzückenden Retroklamotten und sehr ansprechenden Darstellerleistungen.

Hervorzuheben sind dabei auch Christian McKay als sehr überzeugender Lord Hesketh, Pierfrancesco Favini als Clay Regazzoni und Julian Rhind-Tutt als fiktiver Schraubergott "Bubbles" Horsley. Regisseur Ron Howard nähert sich dieser eher unamerikanischen Motorsportform mit Finesse und einem für Hollywood auch beinahe untypischen Blick für Details. Da es sich bei "Rush" nicht um eine Dokumentation handelt, sondern, um einen Spielfilm, ist klar dass bestimmte Situationen und Aspekte etwas überzogen dargestellt werden. Bis zu einem gewissen Punkt ist dies auch akzeptabel, auch weil ein so ein Film nicht nur Informationen transportieren will, sondern vor allem Emotionen. Allerdings ist es immer traurig, wenn zuviel an der Originalgeschichte herumgeschraubt wird. Einige zeitlichen Fakten werden falsch dargestellt und auch Personen wurden nicht korrekt in die Story integriert. Deswegen ist zwar nicht alles richtig, aber doch richtiger als man es hätte erwarten können oder befürchten müssen. Unterm Strich steht ein exzellenter Sport-/Rennfilm mit gut entwickelten Charakteren, tollen Bildern, einem hörenswerten Soundtrack und richtiger Motorsportatmosphäre.

8,5/10