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Donnerstag, 21. Mai 2026

Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34378301/

Jack Ryan wird erneut in die Spionagewelt gezogen, als eine internationale Geheimoperation eine tödliche Verschwörung ans Licht bringt. Vor der Herausforderung, sich einer abtrünnigen Black-Ops-Einheit zu stellen, tickt die Uhr unerbittlich. An seiner Seite kämpfen der erfahrene CIA-Agent Mike November (Michael Kelly) und der ehemalige CIA-Direktor James Greer (Wendell Pierce). Mit der Unterstützung der klugen MI6-Agentin Emma Marlowe (Sienna Miller) navigieren sie durch ein Netz aus Verrat und alten Geheimnissen, die längst vergessen schienen und stellen sich damit ihrer bisher persönlichsten und gefährlichsten Mission.

Während "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" bekommt man das Gefühl, dass der Film im Grunde weiß, wie man einen internationalen Spionage‑Event aufzieht, aber nicht so recht, wie man ihn mit Leben füllt. Die Geschichte setzt Jack Ryan, gespielt von John Krasinski, nach seinem Ausstieg aus dem CIA in eine scheinbar ruhige Welt der Hedgefonds‑Normalität - ein Leben, das weniger von Bomben und Krisen als von Bilanzberichten und Penthouse‑Ausblick bestimmt wird. Wie in der ganzen Jack‑Ryan‑Tradition kommt die Ruhe nicht lange, bevor sein ehemaliger Vorgesetzter, James Greer (Wendell Pierce), ihn auf einen geschäftlichen Trip nach Dubai zurückholt - und ein simpler Kontaktfall in eine tödliche Konspiration kippt, in der Terrornetzwerke, schwarze Operationen und persönliche Verantwortung sich wie ein Labyrinth über die Welt spannen. In der Struktur ist "Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War" ein typischer Ein‑Mann‑gegen‑das‑System‑Thriller, nur mit mehr Budget, mehr Zeitverschnitt und mehr Streaming‑Glanz als die meisten seiner Vorgänger. Regie führt Andrew Bernstein, der den Film mit einem zügigen, effizienten Tempo durch die Stationen schiebt: Dubai, Islamabad, ein mysteriöses Konsulat, ein paar Autos und ein paar Schüsse mehr, bis die Uhr auf die nächste Eskalation tickt. Die actiontechnischen Momente - Verfolgungsjagden, Schießereien, Kurz‑Einsätzen in einem Hotel, ein Showroom mit defektem Klimatisierungssystem, das sich in eine kleine, private Hölle verwandelt - sind durchaus geschickt ausgeführt, aber oft auch so übersichtlich, dass sie sich eher wie gut gezeichnete Schauplätze eines Action‑Shooters als wie echte Bedrohung anfühlen. 

Krasinski spielt die Figur, wie er es schon in der Serie getan hat: als ein Mann, der sich an seine Intelligenz klammert, um seine eigene Verletzlichkeit zu verbergen. Doch genau hier liegt die Schwäche des Films: In der Serie hatte Ryan die Zeit, sich langsam zu entfalten, moralische Zweifel zu zeigen, Fehler zu machen und sich neu zu finden. Die rund 105 Minuten von "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" lassen ihm diese Luft nicht - er ist weniger ein wandelnder Charakter als eine Person, die sich von einem Plotpunkt zum nächsten schieben lässt.  Die Spannung entsteht, sobald er sich in eine Situation begibt, in der er sich entscheiden muss, aber die Entscheidungen wirken immer wieder so, wie sie in der Sequenz vorherbestimmt sind, nicht wie ein echter Bruch innerer Überzeugung. Auch das politische Fundament bleibt unklar. Die geopolitische Perspektive, die Andrew Bernstein und die Drehbuchautoren mit ins Spiel bringen, wirkt stark an der Zeitstruktur der späten 2000er Jahre orientiert: Terror, das Erbe von 9/11, staatliche Geheimoperationen, fragwürdige Auslands‑Missionen, moralisch unsichere Deals - all das hat seine eigene, bittere Logik, aber "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" vertieft sich nicht darin. Die Ideen sind da, doch sie bleiben in der Oberfläche: als Hintergrundgeräusch für eine Handlung, die sich lieber auf die nächsten Schießerei, das nächste Verfolgungsrennen, die nächste Geiselbefreiung konzentrieren will. Das fühlt sich an wie eine Story, die sich an der richtigen Stelle falsch entscheidet: Sie verwechselt Spannung mit Spektakel, aber nicht so extrem, dass sie vollständig abflacht. Die Spannung entsteht, weil man glaubt, die Mechanik einer Verschwörung zu erkennen, die Welt auf die richtige Weise zu bedrohen. Die Gefahr ist real, aber ihr emotionaler Preis bleibt unklar. Die Figuren um Mike November (Michael Kelly) und die MI6‑Offizierin Emma Marlowe (Sienna Miller) bringen Frische ins Spiel, doch sie bleiben in der Funktion ihrer Rolle gefangen - sie unterstützen, sie retten, sie geben beste Ratschläge - und finden selten den Raum, eine eigene Verletzlichkeit zu zeigen. 

Letztlich bleibt ein Film, der sich weniger als Fortsetzung eines großen Mythos lesbar ist und mehr als ein Stück Streaming‑Spektakel, das die Formel eines klassischen Tom‑Clancy‑Thrillers weiterführt, ohne sie zu erneuern. "Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War" erzeugt ein passendes, aber unglückliches, mittelständiges Ergebnis, das den Eindruck weckt, als hätte man es mit einem schon vertrauten, aber nicht mehr ganz frischen Team realisiert.  Er ist kein revolutionärer Film, kein besonders tiefes politisches Statement, kein neuer Klassiker des Genres, aber auch kein völlig leerer Action‑Event. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: amazon Video/MGM

The Sum of All Fears - Der Anschlag (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0164184/

Im Mittelpunkt des Politthrillers in der Adaption eines Tom-Clancy-Bestsellers steht der junge CIA-Computer-Spezialist Jack Ryan (Ben Affleck), der zusammen mit dem CIA-Direktor Cabot (Morgan Freeman) auf einer Russlandreise den neuen russischen Präsidenten Nemerov (Ciarán Hinds) unter die Lupe nehmen soll. Nach dem Anschlag einer Gruppe von Neonazis auf ein vollbesetztes Footballstadion lenken diese den Verdacht auf Russland. Jack Ryan muss nun schnellstens Nemerovs Unschuld beweisen, um den amerikanischen Präsidenten von einem nuklearen Schlag abzuhalten, der den dritten Weltkrieg auslösen würde...

Die Jack Ryan-Reihe war stets dafür bekannt, sich bewusst in die nervöse, politisch aufgeladene Atmosphäre seiner Zeit zu stellen und politische Themen aufzugreifen - und dabei genau das zu tun, was solche Thriller meistens tun: ein straff gebautes, spannendes Kammerspiel über Weltpolitik zu präsentieren, das trotzdem nicht ganz verhindern kann, dass es sich wie ein Stück Hochglanz‑Actionkino anfühlt, jedes Mal, wenn es an den Rand einer echten Katastrophe gerät. Beim vierten Ausflug des Agenten führte Phil Alden Robinson Regie, der hier Amerikas Angst vor dem Bombenknopf ins Zentrum eines kalten, aber glänzend montierten Politthrillers rückt, der Jack Ryan als jüngeren, eher unbeholfenen CIA‑Analysten neu aufstellt. Ben Affleck spielt die Hauptrolle mit einer Mischung aus akademischem Charme und leicht gehemmter Nervosität, die den Film glaubwürdiger macht, als er es sein dürfte. Sein Jack Ryan ist kein perfekter, unverwundbarer Action‑Held, sondern ein Mann, der sich in der Welt der Geheimdienste und Atommächte erst orientieren muss - und genau das lenkt die Spannung auf das Zentrum des Stoffes: Die Angst, die Entscheidung, die Angst vor der Entscheidung. Dazu kommt Morgan Freeman als CIA‑Direktor William Cabot, der mit seiner ruhigen, fast väterlichen Präsenz eine seltene Stabilität in ein Szenario bringt, in dem sich die Welt auf einer Messers Schneide dreht.

Robinson bedient sich an Tom Clancys bekannter Formel: ein Terror‑Plot, ein Kernreaktor, eine falsche Fährte, ein Krieg, der fast unaufhaltsam wird, und ein einzelner, scharfer Verstand, der alles zusammenhält. In der Geschichte wird ein verlorenes israelisches Atomwaffen‑Projekt in die Hände eines faschistischen Milliardärs namens Richard Dressler gegeben, der es nutzen will, um USA und Russland in einen nuklearen Krieg zu treiben und Europa als Siegergesellschaft aufzubauen. Die Spannung baut sich aus, wie in einem Uhrwerk: Erst kommt Baltimore, ein Stadion, eine Explosion, ein Verdacht, ein politischer Schachzug, ein nächstes Manöver, bis die Welt kurz davor steht, ihre eigene Vernichtung per Telefongespräch anzukündigen. Kurz: das ist ein Film, der weiß, wie man einen Thriller "richtig" macht - und damit aber auch genau das Problem bekommt, das solche Filme fast immer haben. Es ist zwar lobenswert, wie Robinson, Paul Attanasio und Daniel Pyne Spannung aufbauen und eine überzeugende Realität schaffen, doch schon bald greifen sie wieder auf die obligatorischen Hollywood‑Weichmacher zurück, weil ein Film ohne dies das Publikum offenbar in Verzweiflung flüchten lassen könnte. Genau das ist es: Die Geschichte will den Zuschauer die Angst vor einem Atomschlag spüren lassen, macht sie aber zugleich beherrschbar, erzählbar, fast zu schön - und damit weniger wirklich bedrohlich, als sie in der Realität sein könnte.

Aber trotzdem bleibt "Der Anschlag" ein spannender, gut gespielter, gut geführter Film, der sich vom ersten Moment an nie wirklich verliert. Er ist ein Beispiel dafür, wie sicher Hollywood ein bestimmtes Szenario produziert: ein Gefühl von Bedrohung, das nie so tief geht, dass es unerträglich wird, aber immerhin so weit, dass man sich während der zweistündigen Laufzeit leicht unbehaglich fühlt. Die Explosion von Baltimore, die Gespräche zwischen den Präsidenten, die knappen Sekunden, in denen eine Entscheidung fällt, die über Millionen Leben bestimmt - das alles wirkt wie ein Lehrstück, wie ein politischer Krimi, der sich müht, ernst zu sein, ohne jemals vollständig aufzuhören, gut unterhaltsam zu sein. Das ist nicht neu, fühlt sich aber immer wieder gut an. Am Ende bleibt ein Film, der seine eigene Beschränkung akzeptiert: Er ist ein Genrefilm, kein Manifest, kein Weltbild, kein Anti‑Kriegs‑Statement. Er ist ein spannender, cleverer, gut besetzter Kino‑Thriller, der sich in der Angst vor der Nuklear‑Apokalypse sonnt - und dann sorgfältig dafür sorgt, dass sie sich wieder zurückzieht, bevor man sich wirklich zu ängstigen beginnt - und genau darin liegt sein Reiz, allerdings auch seine Grenze.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures/MNP/MFP

Sonntag, 2. September 2018

Clear And Present Danger - Das Kartell (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0109444/

Der amerikanische Präsident Bennett (Donald Moffat) beauftragt CIA-Agent Jack Ryan (Harrison Ford), den Mord an einem engen Freund und dessen Familie zu untersuchen. Wie Ryan schnell herausfindet, hatte der Tote enge Kontakte zum kolumbianischen Drogenkartell, dessen Boss Ernesto Escobedo (Miguel Sandoval) für den Mord verantwortlich ist. Daraufhin ordnet der Präsident eine geheime militärische Operation unter Führung seines Sicherheitsberaters James Cutter (Harris Yulin) im Herkunftsland der Drogenbosse an, jedoch ohne Ryan zu informieren. Die Operation gerät dabei immer mehr außer Kontrolle, da die Beteiligten mit einem Netz aus perfiden Machtspielen konfrontiert werden. Jack Ryan muss schließlich selbst erneut ermitteln, um im komplexen Geflecht die Übersicht zu behalten und die Machenschaften aufdecken zu können...

Harrison Ford spielt zum zweiten Mal die Fgur des Jack Ryan in der Verfilmung des Tom Clancy-Romans. Dennoch ist das Gelingen des Polit-Actionthrillers "Das Kartell" nicht in erster Linie sein Verdienst, sondern das von Story, Drehbuch und Regie. Der geradlinige Aufbau ist interessant und wirft den Zuschauer von Beginn an in eine verdeckte Aktion der Amerikaner gegen die kolumbianische Drogenmafia, unter Beteiligung des Präsidenten und Teilen der CIA, die am Kongress und sämtlichen Kontrollorganen vorbei operieren. Ford ist dabei der aufrechte CIA-Chef, vor dem alles verheimlicht und verschleiert wird. Hier werden nicht endlos Charaktere beleuchtet oder Beziehungen vertieft, sondern man kommt gleich zur Sache und präsentiert Inhalte.

Vor allem überzeugt der abwechslungs- und ideenreiche Plot, der auf mehreren Ebenen abläuft: bei der Operation selbst, vor Ort spannend, mit starker Action und einem überzeugenden Willem Dafoe inszeniert; bei den Aktionen der kolumbianischen Drogenbarone, hauptsächlich der Charakter des (realen) Pablo Escobar, im Film nur leicht abgewandelt zu Ernesto Escobedo, und in der Auseinandersetzung der Verschwörer mit Ford, der ihnen immer näher rückt. Dadurch wird es nie zu eindimensional - der Plot hält eine ausgezeichnete Balance zwischen seinen Handlungsebenen, die sich inhaltlich ergänzen und schließlich vereinen.

"Das Kartell" ist schlicht und ergreifend gut gemachtes Thriller-Kino, das weniger die Bekämpfung eines Kartells, als die innenpolitische Intrige zum Zentrum hat. Harrison Ford ist für die Besetzung von Clancys idealistischer Romanfigur ein absoluter Glücksgriff und agiert fernab des süffisanten Schmuggler-Grinsens eines Han Solo. Zudem ist Jack Ryan kein klassischer Action-Held, folglich ist "Clear And Present Danger" auch kein reinrassiger Action-Film. Stattdessen sind viele großartige Einzelszenen neben den zwei großen Action-Set-Pieces zu finden, wenngleich der Anschlag auf einen Auto-Konvoi in Kolumbien unfassbar Druck auf dem Kessel hat. Besonders memorabel sind die Auftritte von James Earl Jones als krebskranker Vorgesetzter, der in seinen letzten Atemzügen noch an die Verantwortung gegenüber dem Souverän gemahnt. Denn inmitten interventionistischer US-Außenpolitik und wiederholtem Völkerrechtsbruch platziert der Film klugerweise Ryan, der im Weißen Haus die Graustufen des politischen Tagesgeschäfts am eigenen Leib zu spüren bekommt. In einer Parallelmontage, in der der US-Präsident eine Begräbnisansprache zu einer Grundsatzrede über politische Ideale erhebt und in Kolumbien zu gleicher Zeit ein illegales Kampftrupp der Amerikaner durch Söldner des Drogenkartells aufgerieben wird, das dieser beauftragt hat, zeigt der Film klar, dass seine Solidarität bei den Soldaten, keinesfalls aber bei den hohen politischen Entscheidungsträgern liegt. Diese Ambivalenzen trübt lediglich ein allzu heroischer Horner-Score und der Showdown in "Phantom-Kommando"-Manier. Aber geschenkt.

7,5/10

Patriot Games - Die Stunde der Patrioten (1992)

https://www.imdb.com/title/tt0105112/

Jack Ryan (Harrison Ford) ist als Tourist nach London gereist, doch schnell zeigt sich, dass ihn auch hier die Arbeit einholt. Er vereitelt einen Anschlag einer IRA-Splittergruppe auf den britischen Staatssekretär für Nordirland, Lord Holmes. Der Attentäter Sean Miller (Sean Bean) wird beim Transfer ins Gefängnis von Gefolgsleuten befreit und hat nun nur noch ein Ziel: Er will sich an Ryan für den Tod seines Bruders Paddy (Richard Harris) rächen. Auf seinem Feldzug gegen den Amerikaner macht er auch nicht vor einem Anschlag auf dessen Tochter und Frau halt. Doch Ryan erhält Unterstützung von seiten der CIA und verfolgt nun seinerseits den fanatischen Terroristen her. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, die nicht alle Beteiligten überleben werden...

"Die Stunde der Patrioten" ist die Literaturverfilmung des gleichnamigen Bestsellers und gleichzeitig der zweite Teil der "Jack Ryan"-Serie, die mit "Jagd auf Roter Oktober" ihren denkwürdigen Anfang nahm, der dies es Mal von Harrison Ford dargestellt wird. Der aufmerksame Zuschauer wird bei dieser Information schon stutzig. Denn "Patriot Games" entstand nur zwei Jahre nach "Jagd auf Roter Oktober", aber plötzlich ist Ryan um sechzehn Jahre gealtert. Vielleicht ist der Film als eine Art Fortsetzung zu sehen? Vielleicht waren die Ereignisse um die Roter Oktober in der Vergangenheit von Jack Ryan? Schließlich wird er hier dem Kinopublikum als ehemaliger Leutnant der Marineinfanterie und Ex-CIA-Analyst vorgestellt. Allerdings gibt es hier von den Drehbuchautoren einen Denkfehler. "Patriot Games" ist chronologisch gesehen der erste Roman der Jack-Ryan-Serie. Die Romanvorlage spielt also eindeutig vor "Jagd auf Roter Oktober" und sollte etwa um 1980 angesiedelt sein. Darin arbeitet Jack Ryan, Professor für Militärgeschichte, zum ersten Mal mit dem CIA zusammen. Nun lässt man die Filmhandlung in der Gegenwart der 90er spielen und die Ereignisse des bereits bekannten Kinofilms werden komplett ignoriert. Wenn man noch den plötzlichen Alterungsprozess der Familie Ryan tolerieren kann, dann wird einem trotz allem ein spannender Politthriller geboten.

Mit erstaunlich wenig Pathos oder jedenfalls kaum nervendem, wird in "Die Stunde der Patrioten" sogar ab und an versucht genau diesen zu hinterfragen. Selbst wenn dies nur Oberflächlich passiert ist so was doch eine gelungene Abwechslung und hat sehr geholfen sich auf das zu konzentrieren was passt. Da "Patriot Games" sich trotz geringfügiger Änderungen an Tom Clancys Vorlage hält, wird auch selbstverständlich die strikte Gut-Böse-Konstellation, die daraus folgende Schwarz-Weiß-Malerei und der nationale Chauvinismus beibehalten. Bezeichnend ist es dann besonders, wenn die Bösewichter des Filmes, die als Nordirische Terroristen auftreten, ausdrücklich als von der IRA nicht unterstützte Splittergruppe aufgeführt werden. Dazu muss man wissen, dass der Kampf der IRA in den USA auch im Jahre 1992 bei bestimmten Leuten durchaus Sympathien genoss, und diese somit keinesfalls vor den Kopf gestoßen werden sollten. Doch schließlich schlägt "Die Stunde der Patrioten" und Harrison Ford darf zeigen was in ihm steckt. Für viele ist er die Idealbesetzung gewesen. Das kommt natürlich darauf an unter welchem Aspekt man das betrachtet. Ford hat seiner Darstellung der Figur Jack Ryan wesentlich besser charakterisieren können und der familiäre Hintergrund ist besonders ausgeprägt, im Gegensatz zu anderen Verfilmungen. Das macht die Story greifbarer und spannender. Ford und Bean sind zwei würdige Gegenspieler im Kampf um Schuld und Sühne. Neben den beiden Haudegen ist Anne Archer als Fords Ehefrau zu sehen und auch die noch sehr junge Thora Birch ist als Tochter Sally an Bord. Dank einer straffen und sehr gut durchdachten Inszenierung, die ohne übermäßige Action auskommt, wird trotz aller Defizite ausgezeichnetes Genre-Kino der 90er Jahre serviert.

8/10

Samstag, 24. September 2016

The Hunt For Red October - Jagd auf 'Roter Oktober' (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099810/

Kurz vor Ende des Kalten Krieges herrscht auf östlicher und westlicher Seite Alarmstimmung: Das sowjetische U-Boot "Roter Oktober", dessen neuartiges System eine fast lautlose Fahrt ermöglicht, ist mitsamt der an Bord befindlichen Atomsprengköpfe spurlos verschwunden. Kurz darauf wird es mit Kurs auf NATO-Gewässer wieder vom Radar erfasst. Die amerikanischen Geheimdienste und das Militär vermuten, dass der Kapitän des Schiffes, Marko Ramius (Sean Connery), auf eigene Faust in Richtung USA unterwegs ist, um den Feind unter Beschuss zu nehmen. Nur CIA-Agent Jack Ryan (Alec Baldwin) beginnt, an eine andere Theorie zu glauben: Ramius ist ein Überläufer und will sich und sein U-Boot in amerikanische Hände begeben. Ryan bleibt nicht viel Zeit, um die wahren Absichten des Kapitäns zu ergründen, denn beide Seiten eröffnen die Jagd auf "Roter Oktober". Eine Eskalation würde unweigerlich in einen Atomkrieg führen.

Es wurde gesagt, dass "Jagd auf Roter Oktober" der letzte Film des Kalten Krieges gewesen sei. Das Entstehungsjahr des Filmes 1990 und der Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 fallen zeitlich ziemlich knapp zusammen und so kann man das wohl als Fakt stehen lassen.
Kein Geringerer als John McTiernan, der zuvor bereits mit "Predator" und "Stirb langsam" zwei fette Ausrufezeichen im Action-Genre setzte, nahm sich der Verfilmung des Romanstoffes von Tom Clancy an und inszenierte einen für den damaligen Entstehungszeitpunkt mehr als ordentlichen Unterwasser-Politthriller im Fahrwasser des Kalten Krieges, nicht zuletzt dank dem starken Zusammenspiel von Bildern, Ausleuchtung und Sets. Heraus kam ein enorm spannender Thriller, dessen klaustrophobische Atmosphäre, die unter dem Ozean herrscht, den Zuschauer sofort gefangen nimmt.

Desweiteren bezieht der filmische Auftakt zur inzwischen fünfteiligen "Jack Ryan"-Serie seinen Reiz aus der klaustrophobischen Atmosphäre und natürlich der Präsenz des immer souverän aufspielenden Sean Connery, der schauspielerisch neben Sam Neill, Scott Glenn, Tim Curry und Courtney B. Vance vor allem von Alec Baldwin als Agent Jack Ryan perfekt unterstützt wird. Das Drehbuch ist absolut erstklassig und versorgt die ebenso geniale Schauspielerriege mit großartigen Texten. Dafür, dass der Film mehrere Handlungsebenen hat und sich dementsprechend weit auffächert, ist er letztendlich doch sehr straff inszeniert. Die Handlung ist klar präsentiert, die Motivationsfaktoren bestehen hier einerseits darin, herauszufinden, was die genauen Motive von Kapitän Ramius sind und andererseits darin, welche Weltmachtsflotte denn das U-Boot 'Roter Oktober' zuerst erreicht. Und schließlich müssen die Spezialeffekte im Jahre 1990 schlicht auf dem neuesten Stand der Technik gewesen sein; auch heute wirken sie nach wie vor beeindruckend. Das Thema mag zwar nicht mehr unbedingt auf der Höhe der Zeit sein, trotzdem bleibt der Streifen auch nach wiederholten Anschauen immer noch großartig.

8/10

Montag, 11. August 2014

Jack Ryan: Shadow Recruit (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1205537/

Der Ex-Soldat Jack Ryan (Chris Pine) kommt frisch aus dem Afghanistan-Einsatz und sehnt sich nun nach einem ruhigen Bürojob ohne jegliches Risiko. Er wird von dem CIA-Agenten William Harper (Kevin Costner) als Analyst an der Wall Street eingestellt. Jacks neuer Job entpuppt sich aber als alles andere als ruhig: Harper hat ihn als Agenten rekrutiert. Der Oligarch Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) arbeitet im Auftrag der russischen Regierung. Er plant einen terroristischen Anschlag, der die amerikanische Wirtschaft in die Knie zwingen soll. Der US-Dollar soll durch seine Finanzmanipulationen entwertet werden. Jack fliegt nun als Undercover-Agent nach Moskau, um Cherevins finstere Pläne zu vereiteln. Als Jack jedoch erkennt, dass seine Freundin Cathy (Keira Knightley) mit Cherevin unter einer Decke zu stecken scheint, lernt er eine wichtige Lektion: Diejenigen, die ihm am nächsten scheinen, sind die, denen er am wenigsten vertrauen darf.

Fast 12 Jahre sind nun schon ins Land gezogen, seit der CIA Agent Jack Ryan auf der großen Leinwand den Helden spielen durfte. Mit "Jack Ryan: Shadow Recruit" meldet sich der Agent nun aber wieder mit einem kompletten Neuanstrich zurück.

Regisseur Kenneth Branagh (der hier auch den Bösewicht spielt) liefert mit diesem Reboot der Jack Ryan-Reihe sicher keinen schlechten Film ab, bleibt aber auch hinter den vorherigen Verfilmungen der Tom Clancy-Figur deutlich zurück. Der Streifen ist nicht mehr als kurzweiliges, routiniertes Actionthriller-Kino, das Bekanntes noch mal neu auffrischt. Die Story kommt einem bekannt vor und auch das ganze Szenario hat man irgendwo schon oft gesehen. Auch der Spannungsaufbau ist nicht mehr als ein kleines Kitzeln. Das gleiche kann man auch über die Action sagen. Die Actionszenen wirken wunderbar handgemacht, aber sind auch nicht mehr als ein Aufguss, der gut unterhält. Branagh lässt in seiner Inszenierung gekonnt langatmige Momente aus und konzentriert sich auf das Wesentlich, was dem Streifen nur zugute kommt.

In Sachen Besetzung kann sich "Jack Ryan:Shadow Recruit" dabei durchaus sehen lassen. Mit Chris Pine hat man einen guten neuen Jack Ryan besetzt, den man auch gern in einem evtl. zweiten Film wieder sehen möchte. Ebenso macht Kevin Costner in der Rolle des erfahrenen CIA-Agenten Harper eine gute Figur, auch wenn diese Performance für Costner nur eine Fingerübung ist. Keira Knightley und Kenneth Branagh erledigen ebenfalls einen guten Job.

"Jack Ryan: Shadow Recruit" ist unter dem Strich nicht mehr als ein Standart-Werk aus Hollywood und es fehlt dem Streifen an dem Potential, was die Vorgänger-Verfilmungen noch vorzuweisen hatten. Immerhin schafft es der Film so gut zu unterhalten und seine Darsteller gut in Szene zu setzen, dass man mit diesem Agenten-Actionthriller eine gute Zeit haben kann. Und Fans von Jack Ryan sowieso.

6,5/10

Exklusiv bei MediaMarkt gab es den Film im gelackten, geprägten und limitierten Steelbook. Er war nach einer Woche komplett ausverkauft und ist nur noch mit viel Glück in einem der Märkte zu bekommen.