Die junge Studentin Darby Thorne (Havana Rose Liu) ist aus der Entzugsklinig ausgebrochen, um ihrer kranken Mutter einen Besuch in ihrer Heimat abstatten, gerät auf dem Weg jedoch in einen Blizzard und ist daher gezwungen, für die Nacht Unterschlupf in einer abgeschiedenen Highway-Raststätte zu suchen. Dort sitzt sie mit vier Fremden – Sandy (Dale Dickey), Ed (Dennis Haysbert), Ash (Danny Ramirez) und Lars (David Rysdahl) - ohne Handy-Empfang fest. Als wäre dies noch nicht schlimm genug, entdeckt sie im Laufe der Nacht, dass in einem Transporter, der einem der Gestrandeten gehört, ein kleines Mädchen (Mila Harris) eingesperrt ist. Da Darby jedoch nicht weiß, wem genau das Auto gehört, versucht sie, unter größter Vorsicht und Gefahr der Sache auf den Grund zu gehen...
Ein sauber gebauter, frostig kalter Thriller, der seine Figuren in ein eingeschneites Besucherzentrum einsperrt und daraus eine Nacht macht, in der Misstrauen so schnell wächst wie der Schnee draußen. Damien Power verlegt in "No Exit" die klaustrophobische Grundidee von Taylor Adams in die Berge von Utah und konzentriert sich fast vollständig auf Darby Thorne, gespielt von Havana Rose Liu, deren Flucht aus der Entzugsklinik und unfreiwilliger Zwischenstopp im Blizzard den Film in Gang setzen. Das Beste an dem Film ist zunächst die Einfachheit seines Kammerspiel-Mechanismus. Darby trifft auf vier Fremde, darunter das Ehepaar Sandy und Ed sowie die jungen Männer Ash und Lars, und die Frage, wer von ihnen ein entführtes Mädchen im Wagen auf dem Parkplatz versteckt hat, verwandelt den Film in ein nervöses Rätsel mit moralischem Druckkochtopf. Der Schnee ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern Mitspieler: Er schneidet die Außenwelt ab, friert jede Hoffnung auf schnelle Rettung ein und zwingt alle Beteiligten in dieselbe blecherne Warteschleife der Angst. Darby ist keine makellose Heldin, sondern eine beschädigte, nervöse, von Entzug und familiärer Schuld gezeichnete junge Frau, und gerade deshalb funktioniert der Film so gut, solange er sich auf ihre Perspektive verlässt. Liu spielt sie mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, die den Film menschlich hält, auch wenn das Drehbuch später in eine zunehmend mechanische Twistsammlung kippt.
Die eigentliche Stärke des Films: Er lebt nicht von der Überraschung, sondern von der Anspannung. Leider verliert "No Exit" nach der ersten großen Enthüllung spürbar an innerer Spannung, weil das Drehbuch mehr an Wendungen interessiert ist als an den Konsequenzen der Lügen. Die dünn gezeichnete Figuren und ein Finale, das sich zu sehr auf Eskalation verlässt, hinterlassen ein Gefühl, dass der Film seine eigenen Möglichkeiten nur zur Hälfte ausschöpft. Trotzdem ist "No Exit" kein schlechter Thriller. Die Inszenierung ist präzise, die Atmosphäre dicht, und Damien Power versteht es, aus einem engen Raum eine unangenehm glaubwürdige Bedrohung zu formen. Das Besondere ist, wie der Film seine moralische Unsicherheit organisiert: Jeder könnte der Täter sein, niemand ist vollständig unschuldig, und Darby muss nicht nur ein Kind retten, sondern auch lernen, sich selbst nicht als völlig verlorene Sache zu betrachten. Am Ende bleibt ein Thriller, der seine Schneise durch die Nacht mit handwerklicher Sicherheit schlägt, auch wenn er unterwegs manchmal zu sehr auf Plot statt auf Menschen setzt. "No Exit" ist damit mehr als ein routiniert gebauter Genrefilm, aber weniger als ein wirklich großer. Er ist spannend, effektiv und bisweilen nervenaufreibend - ein ordentlicher Überlebenskampf, der nicht immer den letzten Kilometer durchhält, aber lang genug, um einen kalt zu erwischen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen