Freitag, 15. Mai 2026

14 Cameras (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7476438/

Ein Paar, das gerade sein erstes Kind erwartet, reist für den Sommerurlaub nach Kalifornien. Dort scheinen sie die perfekte Residenz gefunden zu haben. Was sie zunächst nicht wissen: Der Vermieter hat im ganzen Haus Kameras installiert und beobachtet sie...

Die Fortsetzung von "13 Cameras" ist ein Film, der eine sehr unangenehme, sehr zeitgemäße Angst meistert, sich aber dafür nicht genügend zu eigen macht. Er nimmt die Figur des Gerald, eines obszön voyeuristischen Vermieters, und erweitert sein Konzept: Aus dem einzelnen, verwanzten Mietshaus steigt er in ein Netz von 13 überwachten Wohnungen auf, deren Intimitäten er nicht nur heimlich beobachtet, sondern auch live ins Netz streamt. Das regt ein klares, sehr zeitgemäßes Nervenkostüm an: Angst vor Kameras, Angst vor Privatsphäre, Angst vor anonymen Zuschauern, die sich auf unsere Scham auskennen, ohne sie je zu heilen. Gerald wird erneut von Neville Archambault verkörpert, und genau diese kontinuierliche Präsenz ist ein zentraler Faktor des Films. Archambault spielt die Figur mit einer belästigenden, physisch unangenehmen Emphases, die jeden Blick in seine Richtung zu einer Art Frust werden lässt. 

Der Film entwickelt sich dabei zu einem klareren Kidnap‑Thriller als sein Vorgänger. Die Handlung folgt zunächst einer Familie, die ein schönes Domizil für den Urlaub anmietet, das schließlich als eine der 13 Kameras‑Hauptquellen herauskommt. Schnell wird klar, dass nicht nur ihre Intimitäten, sondern auch ihre Freiheit unter Druck geraten, sobald Gerald bemerkt, dass jemand seine heimlichen Operationen zu durchschauen beginnt. Neben diesen Figuren tauchen weitere Opfer auf, die bereits längst in seinen Bann geraten sind, und der Film konstruiert eine Art Verstrickung, in der sich beobachtete Opfer, Zuschauer, Entführer und teilweise sogar Mitläufer in einen mechanismierten, aber logisch erkennbaren Strudel von Macht, Angst und digitaler Ausbeutung zusammenfügen. Doch trotz dieser solideren Annahme leidet "14 Cameras" an mehreren strukturellen Schwächen. Zunächst wirkt das Drehbuch oft träge, weil es sich zu sehr auf die wiederholte Darstellung desselben Mechanismus stützt. Die Szene, in der wir Menschen in ihren Privatsphären stehen sehen, live auf Bildschirmen, ohne dass sie es ahnen, ist anfangs fesselnd, wird aber mit der Zeit zur Routine, die der Film mit zunehmender Effizienz, aber ohne ausreichende gedankliche Tiefe fortsetzt. Die Figuren, auch die der Familie, fühlen sich eher wie funktionelle Stellvertreter ihrer Angst an als als komplett differenzierte, moralisch interessante Personen.

Formal ist der Film technisch sauber, ohne wirkliche Innovationen zu wagen. Gerade weil das Thema voyeuristische Überwachung ist, vermisst man hier eine kameragriffige Erklärung, weil der Film die Technik, die er thematisiert, eher nüchtern, aber nicht gerade brillant inszeniert. Inhaltlich versucht "14 Cameras", aus der obszönen Vorliebe für digitale Nacktheit eine moralische oder soziale Warnung zu ziehen. Er zeigt, wie privat intimste Akte zu Unterhaltung für fremde, anonyme Zuschauer werden, die sich an der Scham, Anspannung oder Verletzlichkeit anderer berauschen. In diesem Sinne reflektiert der Film über die Dynamik, die Social Media, Webcams und dunkle Foren bereits in der Realität aufbauen, wenn sie sich auf die Kommerzialisierung oder exhibitionistische Aufladung von Privatsphären verlassen. Doch gerade hier zeigt sich auch, dass der Film oft weiterhin bei der bloßen Beobachtung dieser Dynamik bleibt, statt sie zu einer echten, tiefen analytischen oder auch emotionalen Arbeit zu erweitern. "14 Cameras" ist damit ein sequentieller Thriller, der die Macht der Kameras und die perverse Lust an der Überwachung mit gewisser Ernsthaftigkeit präsentiert, jedoch nicht so weit, dass er als unverwechselbares Zeugnis oder gar Klassiker des Voyeurismus‑Kinos hervorragen würde. 

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Hood River Entertainment/30 Bones Cinema

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