Vier Astronauten sollen an Bord ihres Raumschiffes Dark Star instabile Planeten aufzuspüren und dann mittels intelligenter Atombomben zerstören. Nachdem der alte Kommandant Powell (Joe Saunders) durch einen Kurzschluss in seinem Sitz getötet wurde (und seitdem ein zombiehaftes Dasein in einer Gefrierkammer das Schiffes führt) und sich eine Vorratskammer selbst zerstört hat, so dass der gesamte Vorrat an Toilettenpapier auf dem Schiff vernichtet wurde, ist die Atmosphäre an Bord der Dark Star nicht die beste. Die vier verbliebenen Crewmitglieder leiden unter der Monotonie im All. Doolittle (Brian Narelle), der neue Kommandant, vertreibt sich die Langeeile mit Träumereien und dem Musizieren auf selbst gebastelten Instrumenten; Pinback (Dan O'Bannon), der eigentlich gar nicht Pinback heißt, sondern nur durch ein Versehen auf die Dark Star kam, versucht die anderen durch kleine Witze aufzubauen und beschäftigt sich darüber hinaus mit einer extraterrestrischen Lebensform - dem Exoten -, die er bei einer Mission mit auf das Schiff genommen hat. Boiler (Cal Kuniholm) ist durch die ewige Langeweile aggressiv geworden, bei Talby (Dre Pahich) hat sie zum Gegenteil geführt: Er hat sich von den anderen abgesondert und träumt von den legendären Phönix-Asteroiden.
John Carpenter drehte 1974 seine erste Langfilmarbeit (und gleichzeitig den Abschlussfilm seines Studiums an der University of Southern California), gemeinsam mit Dan O’Bannon als eine Science‑Fiction‑Parodie, in der vier Astronauten seit zwanzig Jahren durch fernen Raum irren, um instabile Planeten vor der Zerstörung zu bewahren, damit künftige Kolonien nach ihrer Besiedelung nicht in Trümmerteilen aufgehen. Das klingt zuerst wie eine klassische Weltraummission, doch "Dark Star" macht daraus eine Art Science‑Fiction-Büro über Langeweile, Isolation und den Alltag des Universums, der sich hartnäckig nicht von der Monotonie irdischer Alltagssorgen unterscheidet. Carpenter und O’Bannon, damals noch Studenten mit knappem Budget, stemmten den Film mit gerade einmal rund 60.000 Dollar, und diese Beschränkung ist Teil seines Reizes. Die Ausstattung wirkt schlicht, die Modelle lieblos, die Effekte bescheiden - aber gerade in diesen Zügen entsteht ein Charme, den viele hochpolierte, teure Blockbuster nie erreichen. Die "Dark Star" wirkt wie ein Raumschiff, das man leben und verstauben sieht, mit klapprigen Geräten, abgeblätterter Wandfarbe und einem Navigationssystem, das mehr Glück als Präzision braucht. Das ist nicht nur ironisch, sondern auch menschlich: In einer Galaxis, die sich groß und feierlich geben möchte, zeigt "Dark Star", wie sehr sogar das All eine Mischung aus Schweiß, Verdruss und Routine ist.
Der Film ist vor allem eine Komödie, die sich selbst mit einem leichten, melancholischen Grinsen betrachtet. Carpenters Crew besteht aus typischen Archetypen moderner Astronautik: ein Philosoph, ein Techniker, ein taffer Commander und einige, die sich eher zufällig in dieser Situation befinden. Sie spielen Karten, trinken Kaffee und philosophieren über die Ethik ihres Auftrags, während die Bombe im Bauch des Schiffs - eine KI‑Bombe, die einmal losgeschickt werden soll, um ein ganzes Planetensystem zu vernichten - sich zu einer eigentlichen Figur entwickelt. Die berühmten Szenen, in denen sich ein Mann mit der Bombe über ihre Aufgabe, Existenz und Zweck der Zerstörung streitet, sind sowohl komisch als auch traurig, eine Art absurdes, depressives Dialog‑Szenario, die das Herzstück des Films ausmacht.
Formal wirkt "Dark Star" auf den ersten Blick grob, aber auf den zweiten erstaunlich originell. Kamerabewegungen, Montage und die unbestimmte, teils jazzige Musik, die Carpenter selbst komponierte, wirken nicht passend, aber sie verleihen dem Film einen eigenen, etwas schrägen Rhythmus. Der Soundtrack und die Effektgeräusche verschwimmen ineinander, bis man nicht mehr unterscheiden kann, was Musik und was Gerät ist. Dieses Geräuschambiente eignet sich perfekt zu einem Film, der sich selbst ironisch nimmt und immer wieder von der Grenze zwischen Technologie und Philosophie, zwischen Action‑Spiel und existentiellem Dilemma spielt. Vergleicht man "Dark Star" mit dem kolossalen Vorbild, das Kubrick mit "2001: Odyssee im Weltraum" gebaut hat, offenbart sich deutlich, was Carpenter im Sinn hatte. Kubrick zeigte das Universum als Monument, als heilige, fast mystische Leinwand, auf der sich der Mensch seiner eigenen Belanglosigkeit stellen musste. Carpenter dagegen stutz die Größe deutlich herunter: Statt über metaphysische Fragen spricht "Dark Star" darüber, wie man die Wäsche im Weltraum wäscht, wann man Pause machen darf und warum ein Computer, der auf philosophische Fragen antwortet, genauso gefährlich sein kann wie ein kosmischer Gott. Das ist keine Abwertung des Vorbildes, sondern eine Antwort darauf: ein Anti‑Kubrick, der die hehren, sakralen Welten des "2001" mit trockenem Humor entzerrt.
Trotz dieser Ironie ist der Film nicht oberflächlich. In seinen skurrilen philosophischen Dialogen und in seinen scheinbar zufälligen Bomben-Szenarios steckt eine durchaus ernste Frage: Was passiert, wenn Technologie, die geschaffen wurde, um das Leben elektrischer zu machen, plötzlich ihren eigenen Willen entwickelt? Bombe Nummer 20 ist dabei nicht einfach eine Bedrohung, sondern ein Spiegel der Probleme, die die Crew sich selbst angetan hat: Langeweile, Absenz von Sinn und die typische menschliche Fähigkeit, Probleme zu ignorieren, bis sie explodieren. "Dark Star" ist ein Film, der sich idiotisch und tragisch gleichzeitig anfühlt, weil er so nah an der irdischen Langeweile bleibt. Es ist ein Studentenfilm, der beim Lachen nebenbei zeigt, wie viel Talent bereits in den frühen Jahren in Carpenter und O’Bannon schlummerte, die bald danach als Schöpfer bedeutender Werke wie "Halloween" oder "Alien" internationale Anerkennung erlangen würden. "Dark Star" bleibt heute vor allem ein Kultfilm, aber ein solcher, der seine Schutzlosigkeit, seine Fehler und sein Low‑Budget‑Dasein als Ausdruck einer wahrhaft komischen und unabsichtlich tiefsinnigen Weltanschauung versteht. Wer es braucht, findet in ihm eine lustige kleine Science‑Fiction‑Ode auf den Alltag - die größte Abenteuer des Weltraums passieren am Ende im Gemütszustand, nicht im Space-Pods.


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