Millie (Sydney Sweeney) ist gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden und versucht nun, ihre ersten Brötchen in Freiheit als Haushälterin bei Nina (Amanda Seyfried) und Andrew (Brandon Sklenar) Winchester zu verdienen. Für die 27-Jährige wirkt das wie ein guter Deal, denn Kost und Logie sind im Job inbegriffen. Das sind ein paar Sorgen weniger, die sie sich in der wiedererlangten Freiheit machen muss. Dafür muss sie sich jedoch mit Cecilia (Indiana Elle) herumschlagen. Die Tochter von Nina und Andrew ist nämlich von vorne bis hinten verzogen, aber auch Nina geht nicht gerade zimperlich mit Millie um. Nur Andrew scheint ihr wohlwollend zu begegnen. Millie hat also genug damit zu tun, in dieser für sie neuen und nicht durchgehend freundlichen Umgebung klarzukommen. Deshalb merkt sie zunächst gar nicht, wie sie von Nina und Andrew in ein finsteres Spiel verwickelt wird, das kein gutes Ende nehmen soll...
Paul Feig verfilmt Freida McFaddens Bestseller nicht als nüchterne Psychostudie, sondern als scharf gezogene, bewusst zugespitzte Seifenoper auf Familienbasis, in der Manipulation, Begehren, Gaslighting und Klassenunterschiede wie Zutaten eines besonders giftigen Cocktails zusammengerührt werden. Im Zentrum steht Millie Calloway, gespielt von Sydney Sweeney, eine junge Frau mit einer problematischen Vergangenheit, die als Hausangestellte in das luxuriöse Zuhause von Nina und Andrew Winchester einzieht. Nina, verkörpert von Amanda Seyfried, erscheint zunächst als die privilegierte, instabile Herrin des Hauses; Andrew, gespielt von Brandon Sklenar, als der kontrollierte, charmante Ehemann, der Millie wie ein Rettungsanker begegnet. Doch gerade in diesem Dreieck liegt der Motor des Films: Niemand ist so harmlos, wie er zuerst scheint, und niemand bleibt lange dort, wo er anfangs verortet wird. Feig arbeitet die Geschichte mit einer Lust am Perspektivwechsel, die das Publikum immer wieder zwingt, seine ersten Annahmen zu korrigieren. Das, was wie ein vertrautes Szenario zwischen reicher Arbeitgeberfamilie und abhängiger Angestellter beginnt, kippt bald in eine immer absurder, aber auch immer unterhaltsamer werdende Abfolge aus Verdächtigungen, Enthüllungen und Gegenschlägen. Der Film ist dabei weder subtil noch an Zurückhaltung interessiert; er will, dass man merkt, wie sehr jede Figur eine Rolle spielt, und er lebt davon, dass diese Rollen irgendwann unter dem Druck der Handlung in sich zusammenfallen.
Gerade diese Selbstsicherheit ist Schwäche und Stärke zugleich. Wer psychologische Feinheit sucht, wird die Mechanik der Wendungen vermutlich zu sichtbar finden; der Film arbeitet hart daran, seine Schocks zu platzieren, und manchmal spürt man die Schrauben ein wenig zu deutlich. Aber wer Lust auf ein Stück sauber orchestrierter Genreunterhaltung hat, bekommt hier einen Film, der seine eigene Künstlichkeit nicht versteckt, sondern in Energie verwandelt. "The Housemaid" ist eben ein Film, der nicht nur will, dass man sieht, was unter der Oberfläche liegt, sondern auch, wie verführerisch die Oberfläche selbst sein kann. Paul Feig nimmt einen Stoff voller Intrigen und verwandelt ihn in eine glitzernde, giftige Farce über den Preis von Abhängigkeit und den Rausch der Gegenwehr. Nicht jeder Zug ist fein, nicht jede Enthüllung überraschend, aber der Film weiß genau, wie er Spannung, Ekel und Vergnügen miteinander mischen muss, damit aus einer Hausangestellten-Geschichte ein sehr modernes Märchen über Macht und Vergeltung wird.








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