Vor einiger Zeit gab es einen Serienmörder, der von der Presse Slumlord (James Babson) genannt wurde und über dessen Taten es eine populäre True-Crime-Dokuserie gibt. Der Kerl besaß überall in den USA Häuser, in denen er versteckte Kameras angebracht hatte, um seine Mieter beobachten und schließlich ermorden zu können, wenn diese es am wenigsten erwarteten. Irgendwann wurde der Slumlord enttarnt und geriet auf der Flucht nach Mexiko in einen tödlichen Autounfall. Das Pärchen Cam (Will Madden) und Sky (Angela Wong Carbone) hat nun eines der Häuser des Mannes gekauft, weil es so schön billig zu haben war. Da die Kameras angeblich allesamt entfernt wurden, sieht Cam die Sache als gute Investition an. Denn das Haus ist groß genug, um eine Hälfte davon zu vermieten. Per Zufall findet er dann aber im Keller einen geheimen Raum, von dem aus der Slumlord die versteckten Kameras im Haus steuern konnte. Schnell bemerkt er, dass entgegen den Behauptungen der Polizei noch immer große Teile der Überwachungstechnik funktionieren und es doch noch jede Menge versteckte Kameras in seinem Heim gibt. Zuerst will Cam seiner Frau davon erzählen. Dann beschließt er aber doch, es für sich zu behalten und stattdessen heimlich seinen attraktiven neuen Untermieterinnen Wren (Shirley Chen) und Amber (Hannah McKechnie) hinterherzuspionieren. Schnell wird Cam geradezu süchtig danach, die zwei zu beobachten …
"15 Cameras" ist ein Film, der eine interessante Idee hat und sie dann langsam in Beliebigkeit und unfreiwillige Komik zerreibt. Danny Maddens Horror-Thriller knüpft an "13 Cameras" und "14 Cameras" an, bleibt aber letztlich bei einer dünnen Variation desselben Voyeurismus-Motivs stehen: Ein Paar kauft ein Haus mit dunkler Vergangenheit, entdeckt noch funktionierende Überwachungskameras und gerät in einen Strudel aus Kontrolle, Blicklust und moralischem Verfall. Das eigentliche Problem ist nicht der Gegenstand, sondern der Zugriff. Der Film will etwas über das Sehen sagen, über True-Crime-Besessenheit, über die Macht der Kameras und darüber, wie schnell Beobachtung in Obsession umschlagen kann. Aber diese Idee bleibt eher Behauptung als Drama; statt eine Spannung aus Schuld und Mitwisserschaft zu entwickeln, wiederholt "15 Cameras" seine Einfälle so lange, bis sie stumpf werden.
Will Madden als Cam und Angela Wong Carbone als Sky tragen den Film mit sichtbarer Mühe, doch ihre Figuren sind zu oft nur Stellvertreter für das Thema. Sky ist von True Crime fasziniert, Cam wird zum heimlichen Spanner, und beide sollen offenbar zeigen, wie dünn die Trennlinie zwischen Neugier und Verrohung ist. Leider bleibt diese Gegenüberstellung grob und etwas zu selbstzufrieden; der Film sagt uns immer wieder, dass Beobachten problematisch sei, ohne daraus eine echte psychologische oder formale Zuspitzung zu machen. Auch als Thriller funktioniert "15 Cameras" nur bedingt. Zwar gibt es den Reiz des verborgenen Kontrollraums, der noch aktiven Kameras und der Frage, ob der alte Slumlord vielleicht doch noch im Hintergrund lauert, doch die Spannung wird zu selten wirklich gesteigert. Statt schleichender Beklemmung entsteht oft eher das Gefühl, dass der Film Zeit braucht, um zu einem Punkt zu kommen, den man längst verstanden hat. Damit ist "15 Cameras" ein Totalausfall, und ein Film, der seine gute Prämisse nicht verdient. Er will ein Kommentar auf Voyeurismus und True-Crime-Konsum sein, liefert aber vor allem einen kleinen, unentschlossenen Low-Budget-Thriller, der sich auf seinem Thema ausruht, statt es wirklich zu durchdringen. Was bleibt, ist weniger Angst als die ernüchternde Einsicht, dass auch ein Film über das Schauen manchmal zu wenig sieht.

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