Einst waren die Afrikanistik-Wissenschaftlerin Kiara (Megalyn Echikunwoke) und der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Miles (Mo McRae) ein glückliches Paar. Doch nach mehreren Jahren voller Probleme in privater wie beruflicher Hinsicht steht ihre Ehe vor dem Aus. Miles ist bereits ausgezogen, besucht Kiara aber ein letztes Mal, um ihr und den Leuten von der Umzugsfirma bei den anstehenden letzten Arbeiten zu helfen. Doch plötzlich kann ihre Umgebung das Ex-Vorzeigepaar nicht mehr wahrnehmen, alle Türen und Fenster sind verriegelt und Kiara und Miles sind in ihrem zum Verkauf stehenden Haus gefangen – gefangen von einem geisterhaften Wesen, von dem Kiara zuvor gelesen hatte und das die beiden dazu zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Geistergeschichte, Ehedrama und psychologische Allegorie in einem Film verpackt - und genau darin liegt sein größtes Problem. Regisseur Jas Summers erzählt von Kiara und Miles, einem Paar am Rand der Trennung, das in seinem gemeinsamen Haus von übernatürlichen Kräften festgesetzt wird; die Außenwelt verschwindet, und übrig bleibt ein Kammerspiel über Trauma, Liebe und die Frage, ob man eine Beziehung retten kann, wenn selbst die Wände gegen einen arbeiten. Das Grundkonzept ist dabei reizvoll. Ein Haus, das die Figuren nicht gehen lässt, zwingt sie nicht nur zur physischen Konfrontation, sondern auch zur emotionalen Entblößung: Alles Verdrängte, alles Unausgesprochene, alles Unversöhnte wird buchstäblich in die Räume eingesperrt. In der Idee steckt ein starkes, fast klassisches Genrekino-Prinzip, und der Film versucht sichtbar, daraus mehr zu machen als bloßen Spuk. Kiara, gespielt von Megalyn Echikunwoke, ist als Autorin mit spirituellem Hintergrund eine Figur, die zwischen Rationalität, Glaube und privater Erschöpfung steht; Miles, gespielt von Mo McRae, bringt als ehemaliger MMA-Kämpfer eine andere Art von körperlicher und emotionaler Verteidigung mit. Aber wie so oft bei Filmen, die eine starke Prämisse über eine schwächere Dramaturgie tragen wollen, wird "Stay" irgendwann zu erklärungsfreudig und zugleich zu unentschlossen. Die Struktur wirkt gekünstelt und das große Geheimnis wird zu lange zurückgehalten, bis die Auflösung zwar tragisch, aber auch etwas zu sehr auf Effekt getrimmt daherkommt. Der Film spricht viel über Liebe, Verlust, Trauma und Heilung, doch nicht immer mit jener Präzision, die diese Themen verlangen; manchmal wirkt er eher so, als streiche er um die Gefühle herum, statt wirklich in sie hineinzuschneiden. Doch die Atmosphäre ist sauber kontrolliert, das Setting gibt dem Ganzen eine klaustrophobische Spannung, und die Darsteller bemühen sich spürbar, den materialisierten Ehekrieg glaubwürdig zu machen. Wenn "Stay" funktioniert, dann in Momenten, in denen man das Gefühl hat, dass das Haus nicht nur ein Ort ist, sondern die Summe aller Verletzungen, die dieses Paar in sich getragen hat. Am Ende bleibt ein Film mit guten Absichten und einer starken Grundidee, dessen Umsetzung nicht immer die nötige Klarheit findet. "Stay" ist kein Desaster, aber auch kein besonders erinnerungswürdiger Beitrag zum Haunted-House- oder Beziehungsdrama-Genre. Er hat genug Geschmack für Atmosphäre und auch Gespür für emotionale Wunden, doch er scheut zu oft vor der Konsequenz zurück, die seine Prämisse eigentlich verlangt. Extrem schade, gerade weil der Film so vielversprechend begann..

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