Dienstag, 19. Mai 2026

Salem’s Lot - Salem's Lot: Brennen muss Salem (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt10245072/

Schriftsteller Ben Mears (Lewis Pullmann) kehrt nach vielen Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot, das von seinen Bewohner*innen salopp nur Salem’s Lot genannt wird, zurück. Er will hier an seinem neuen Buch arbeiten und möchte in die Marsten-Villa einziehen, die auf einem Hügel steht und über der Stadt thront. Als Kind hat er dort so einige schauerliche Momente erlebt. Nun will er dieses Trauma in Buchzeilen gießen. Doch jemand ist ihm zuvorgekommen, die beiden Antiquitätenhändler Richard Straker (Pilou Asbæk) und Kurt Barlow (William Sadler). Während Straker einen Laden in der Stadt eröffnet, sieht man Barlow nicht, da er sich angeblich auf einer Geschäftsreise befindet. Es dauert nicht lange, bis sich im Ort merkwürdige Ereignisse häufen. Offenbar sind Vampire am Werk und der Herd ist ausgerechnet die alte Marsten-Villa. Ben versammelt ein paar Einheimische um sich und beschließt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und die Jagd auf die Vampire zu eröffnen.

"Salem's Lot: Brennen muss Salem" aus dem Jahr 2024 ist nach 2004 das zweite Remake der Adaption von Tobe Hooper aus dem Jahr 1979 und ein Beispiel dafür, wie ein Film mit starker Vorlage und vertrautem Mythos an der eigenen Eile scheitern kann. Regie führt mit Gary Dauberman einer der Drehbuchautoren der beiden "Es"-Teile von 2017 und 2019. Stephen Kings Geschichte über das kleine Städtchen in Maine, in dem ein Vampir langsam die Nachbarschaft übernimmt, ist hier nicht als weit ausgreifendes Unheil, sondern als stark komprimierter Albtraum angelegt - und genau diese Kompression kostet dem Film viel von jener schleichenden, unheilvollen Kraft, die "Brennen muss Salem" in seiner besten Form ausmacht. Die wichtigste Schwäche ist hier das Tempo. Während das 1979er Original satte 183 Minuten Laufzeit auskostet, was Stephen King in seinem Roman von 1975 beschrieb und selbst die Neuverfilmung von 2004 stattliche 174 Minuten aufwies (und trotzdem schon etwas gehetzt wirkte), ist diese Version mit 113 Minuten deutlich straffer - und das spürt man. Selbst mit fast zwei Stunden Laufzeit wirkt die Adaption hysterisch gehetzt. Was bei King als allmähliche Infektion einer ganzen Gemeinde funktioniert, wird hier zu einer Folge von Stationen, die kaum Zeit haben, sich zu setzen: Figuren tauchen auf, Schrecken ereignen sich, die Geschichte rast weiter, bevor Atmosphäre oder Beziehungslinien wirklich Wurzeln schlagen können. Das ist besonders bedauerlich, weil der Stoff gerade von Geduld lebt - vom Beobachten, wie Misstrauen in den Häusern wächst, wie die Nacht nicht nur dunkler, sondern sozial kälter wird.

Dabei ist dieser "Salem's Lot: Brennen muss Salem" nicht ohne Qualitäten. Einige Darstellerleistungen wirken sicher und glaubwürdig genug, um dem Film wenigstens temporär Erdung zu geben, und einzelne stilistische Entscheidungen deuten an, wie gut diese Geschichte hätte funktionieren können, wenn sie etwas mehr Raum bekommen hätte. Aber immer wieder merkt man, dass der Film mehr zustellen als entfalten will: Er sammelt Schocks, statt Schrecken zu entwickeln; er zeigt Vampirismus als Ereignis, nicht als langsame, kollektive Krankheit. Kurz: es fehlt dem Film die menschliche Temperatur unter dem Grauen. Ein Horrorfilm wird nicht deshalb wirkungsvoll, weil er möglichst viele unheimliche Bilder aneinanderreiht, sondern weil er den Zuschauer spüren lässt, was auf dem Spiel steht, wenn das Unheimliche in den Alltag eindringt. "Salem's Lot: Brennen muss Salem" hat dieses Potenzial, aber es hetzt daran vorbei. Das Ergebnis ist kein schlechter Film im simplen Sinn, sondern eher ein ungeduldiger Film, der ständig so tut, als müsse er schon beim nächsten Schreck angekommen sein, bevor der vorherige überhaupt atmen durfte. Dabei hat das Remake einen gewissen Charme und die Bilder sind ansprechend. 

Doch so bleibt eine Adaption, die ihre Vorlage respektiert, ohne ihre Dramaturgie zu verstehen. Sie ist atmosphärisch angedeutet, handwerklich nicht ungeschickt, aber im Kern zu gehetzt, um wirklich zu beißen. Und bei einer Geschichte über Vampire ist das ein ziemlich entscheidender Makel: Wenn die Nacht nicht langsam über einen kommt, sondern nur vorbeirauscht, bleibt am Ende vor allem eines zurück - das Gefühl, dass hier viel blutiger Stoff vorhanden war, der Film ihn aber nicht lange genug im Schatten gehalten hat. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: New Line Cinema/Atomic Monster/Vertigo Entertainment/The Wolper Organization

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