Mittwoch, 20. Mai 2026

The Sheep Detectives - Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32565993/

Der Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) ist ein riesiger Krimi-Fan. Nichts liebt er mehr, als seinen Schafen Murder-Mystery-Geschichten vorzulesen. In seinen kühnsten Träumen ahnt er nicht, dass ihn die Tiere nicht nur verstehen, sondern anschließend an die Vorlesestunde intensiv diskutieren und rätseln. Als George mit einer Schaufel im Rücken tot auf der Wiese gefunden wird, ist für seine Schafe so klar, dass ein Mord passiert ist. Weil der lokale Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) noch nie ein wirkliches Verbrechen gelöst hat, müssen die wolligen Vierbeiner all ihre Krimi-Erfahrung nutzen, um den Mörder von George zu finden. Angeführt von der schlauen Schafdame Miss Maple müssen der mutige Othello, die ängstliche und gefräßige Mopple, die neugierige Maude und der alte Leithammel Sir Ritchfield feststellen, dass die Welt der Menschen in der Realität deutlich komplizierter als in den Büchern ist. Zudem verfügen die zahlreichen Bewohner*innen des Dorfes über einige dunkle Geheimnisse.

Wenn man den Trailer zu "Glennkill: Ein Schafskrimi" sieht, denkt man sich: Was soll das denn werden? Und dann hört man überschwänglich positive Kritiken und ist dann irgendwie interessiert. Und ja, man muss zugeben, "Glennkill: Ein Schafskrimi" ist ein Film, der so absurd klingt, dass man ihn zuerst für einen Scherz halten möchte - und der dann mit erstaunlicher Sicherheit beweist, dass eine Herde kluger Schafe unter Umständen die bessere Gesellschaft darstellt als die meisten Menschen. Regisseur Kyle Balda inszeniert hier eine (sanfte) Mordgeschichte nach Leonie Swanns Roman "Three Bags Full" als familienfreundliche, warmherzige, witzige und gelegentlich erstaunlich tröstliche Rätselreise, in der Hugh Jackman als Hirte George Hardy die Tiere jeden Abend mit Detektivgeschichten füttert, bis sie nach seinem Mord selbst zu Ermittlern werden. (Achtung - ab jetzt wirds schafig!) Das Klügste an diesem Film ist, dass er seine Prämisse nicht wie einen Gag BÄHhandelt, sondern wie ein ernstes Spiel mit den Regeln des Genres. Die Schafe sind hier nicht bloß niedliche Maskottchen, sondern Beobachter mit Gedächtnis, Geduld und einer beachtlichen Menge an wohlWOLLEnder Intuition. Dass sie den menschlichen Ermittlern häufig voraus sind, ist nicht nur komisch, sondern auch entlarvend: Die Menschen in dem Dorf wirken oft wie ein Haufen orientierungsloser Zweibeiner, während die flockigen Detektive mit ihren sozialen Interaktion und Blicken viel klarer sehen, was Loyalität, Geheimnisse und Täuschung BÄHdeuten. 

Hugh Jackman spielt George Hardy mit einer ruhigen, fast pastoralen Wärme, die den Film erdet. Man glaubt sofort, dass dieser Mann seine Tiere liebt, und genau deshalb wiegt sein Tod schwerer, als man es bei einer komödiantischen Familienmystery erwarten würde. Der Film nimmt diesen Verlust ernst, ohne ihn zu erdrücken: Er lässt Trauer zu, aber er lässt sie nicht die ganze WEIDE übernehmen. Gerade in diesem Gleichgewicht zwischen Leichtigkeit und Verlust liegt die Qualität des Films - er ist tröstlich, ohne zu kitschig zu werden, und liebenswürdig, ohne seine emotionale Struktur zu verniedlichen. Auch die NeBÄHnfiguren tragen viel zum Reiz bei. Nicholas Braun als etwas unbeholfener Dorfpolizist, Nicholas Galitzine als zugewandter BÄHobachter von außen und Stimmen wie (im Original von  Julia Louis-Dreyfus, Chris O’Dowd, Bryan Cranston oder Emma Thompson) Anke Engelke (als Schaf Lily) und Bastian Pastewka (als Schaf Mopple) (beide immer eine sichere Bank!)  sorgen dafür, dass der Film nie nur auf eine einzige Tonlage festgelegt bleibt. Die Mischung aus Live-Action, digitalen Tieren und einem bewusst leicht überhöhten Dorfmilieu gibt dem Ganzen eine märchenhafte Oberfläche, unter der aBÄHr eine erstaunlich klare Struktur liegt. Und dass Schafe nach ihrem Tod zu Wölkchen werden ist wohl die oberniedlichste (naive) Vorstellung aller Zeiten.

Was "Glennkill: Ein Schafskrimi" letztlich so anziehend macht, ist seine stille ÜBÄHrzeugung, dass Sanftheit kein Mangel an Substanz ist. Der Film spricht über Verlust, Gemeinschaft und die Geschichten, die wir uns erzählen, um mit beidem fertigzuwerden, ohne jemals seine flockige Leichtigkeit zu verlieren. Man könnte sagen: Er ist ein Krimi mit weicher WOLLE, aber fester Haltung - und gerade deshalb bleibt er hängen, weil er mit heiterer Geduld zeigt, dass selbst eine Herde Schafe sehr genau weiß, wann die menschliche Welt aus dem Tritt geraten ist. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Working Title Films/Lord Miller

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