Lisa Gray (Lauren LaVera) ist eine angehende Kunstrestauratorin, die in ein kleines italienisches Dorf reist, um einem mittelalterlichen Gemälde wieder zu altem Glanz zu verhelfen, ohne zu wissen, dass etwas Schreckliches sie erwartet. Denn ein böser Fluch umgibt das Gemälde und schon bald versucht ein Monster sich ihrer zu bemächtigen.
Italienischer Gothic-Horror, Splatterkino der 80er, ein Schuss Giallo und jene Art körperlicher Grausamkeit, die weniger schockieren als den Zuschauer langsam in eine fiebrige Stimmung ziehen will: Federico Zampaglione erzählt die Geschichte von Lisa Gray, einer jungen Restauratorin, die in ein abgelegenes italienisches Dorf reist, um ein mittelalterliches Gemälde zu restaurieren - und sich dort in einem Haus wiederfindet, in dem Kunst, Trauma und uralte Gewalt auf eine verstörende Weise zusammenhängen. Lauren LaVera spielt die Protagonistin Lisa mit einer stillen, konzentrierten Präsenz; ihre Figur ist keine typische Horrorheldin, sondern eine Frau, die durch ihre Arbeit in eine Geschichte hineingezogen wird, die sich langsam aus dem Boden des Hauses und aus den Bildern an den Wänden erhebt. Der Film macht aus der Restaurierung des Gemäldes ein schönes metaphorisches Bild für seine eigene Dramaturgie: Schicht für Schicht wird etwas Freigelegtes sichtbar, das besser verborgen geblieben wäre. Zampaglione versteht daher zweifellos, wie man Atmosphäre baut. Der Film lädt seine Schauplätze mit einer dichten, manchmal fast altmodischen Bedrohlichkeit auf und stützt sich stark auf praktische Effekte, Blut und makabre Setpieces. Das Ergebnis ist ein Horrorfilm, der sich körperlich anfühlt: das Krachen, Reißen und Verstümmeln ist nicht beiläufige Dekoration, sondern zentraler Teil seiner Identität. Gleichzeitig will der Film zwar sehr viel, führt aber nicht alles sauber zusammen. Besonders die Mischung aus zwei Zeitebenen, Familiengeheimnissen, Monsterhorror und Torture-Horror wirkt bisweilen eher zusammengesetzt als organisch gewachsen. Man sieht deutlich, was der Film sein möchte: eine dunkle, italienische Groteske über Schuld und Verderben. Man sieht aber ebenso deutlich, wo er sich in seinen eigenen Zutaten verheddert.
Das heißt nicht, dass der Film völlig scheitert. Im Gegenteil: Gerade seine Entschlossenheit, nicht zahm zu sein, macht ihn für Genrefans interessant. Wer eine elegante, psychologisch feingeschliffene Horrorerzählung erwartet, wird über die Grobheiten stolpern; wer jedoch Lust auf einen Film hat, der seine Hässlichkeit mit Überzeugung ausstellt und seine Bilder nicht vor den Folgen der Gewalt zurückzieht, bekommt hier einiges geboten. Er ist blutig, düster, gelegentlich unausgegoren, aber selten langweilig. Und wie so oft bei Filmen dieser Art ist es am Ende weniger wichtig, ob alles logisch zusammenfindet, als ob der Film seinen finsteren Bann über die Laufzeit hält. "The Well" schafft genau das lange genug, um im Gedächtnis zu bleiben.
5/10

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