Donnerstag, 7. Mai 2026

Lovely, Dark, And Deep (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt15560132/

Seit einem schrecklichen Vorfall in ihrer Vergangenheit träumt Lennon (Georgina Campbell) davon, ganz allein in der Natur leben zu können. Mit der Anstellung als Rangerin an einem abgelegenen Außenposten im Hinterland eines großen Nationalparks glaubt die junge Frau nun den für sie perfekten Job gefunden zu haben. Kaum hat sie ihre als Unterkunft und Büro dienende Waldhütte bezogen, kommt prompt ein Funkspruch rein, in dem es um eine in ihrem Einsatzgebiet vermisste Person geht. Lennon alarmiert ein Rettungsteam, das ihr seltsamerweise befiehlt, sich in ihrer Station zu verbarrikadieren und diese auf keinen Fall zu verlassen. Allerdings beschließt sie, die Anweisungen zu ignorieren, und macht sich auf den Weg ins Unterholz, um bei der Suche hilfreich zu sein. Tatsächlich kann sie die Frau (Maria de Sá) aufspüren. Die so Gerettete ist allerdings stark verängstigt und verwirrt. Fragt sie doch immer wieder, ob Lennon wirklich real sei. Anstatt sich über ihre erfolgreiche Initiative zu freuen, teilt Lennons Vorgesetzte (Wai Ching Ho) ihr kurz und bündig mit, dass sie entlassen sei …

Teresa Sutherlands Debüt erzählt die Geschichte einer neuen Rangerin, die allein in einer abgelegenen Nationalparkregion arbeitet, während sie gleichzeitig eine alte, unbeholfene Frage aus ihrer Kindheit weiterverfolgt: Was ist mit ihrer verschwundenen Schwester damals dort geschehen? Georgina Campbell spielt diese Rangerin, Lennon, mit der gleichen Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und ständiger Unsicherheit, für die sie in Filmen wie "Barbarian" und anderen Horrorprojekten bereits bekannt ist. Der Film baut auch weniger auf klassische Jumpscares als auf die Idee einer sich langsam auseinanderziehenden Wirklichkeit. Lennon gerät zunehmend in einen Zustand, in dem sich die Grenzen zwischen Trauer, Erinnerung, Wunschbild und möglicher Bedrohung verlieren. Die Natur selbst, die von Rui Poças in raumgreifenden, oft stillen Bildern festgehalten wird, wirkt zugleich beruhigend und gegnerisch: schöner, stiller Himmel, weitläufige Wege, das sanfte Rascheln von Blättern - und dann, plötzlich, ein Blick, der nicht mehr stimmt, eine Bewegung, die niemand hätte machen dürfen. Gerade dieses Spannungsfeld macht den Film so eindrücklich: Er spielt mit der Hoffnung, dass man in der Natur Schutz finden könnte, und dann mit der Einsicht, dass genau dort, wo man allein ist, die Angst am lautesten spricht. 

Campbell spielt keine überdrehte, hysterische Figur, sondern eine Frau, die gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen, und nun plötzlich mit der eigenen Geschichte konfrontiert wird, die sie nie richtig zu Ende denken konnte. Wai Ching Ho als ihre Vorgesetzte und Nick Blood als anderer Ranger erweitern diesen dünnen Beziehungsraum, ohne ihn zu überschwemmen; sie bleiben eher Randgestalten, die Lennon zugleich Halt geben und die Einsamkeit betonen. Formal ist "Lovely, Dark And Deep" auch ein klassischer Slow‑Burn-Horrorfilm, der sich mehr Zeit nimmt, als manche Zuschauer bereit sind zu geben. Die Stimmung ist toll, genau wie die Bilder und die Klanglandschaft,  leider löst das letzte Drittel nicht jede aufgebaute Spannung zufriedenstellend  auf. Der Film wirkt emotional präzise, aber auch gelegentlich verschlossen; er lässt Mysterien bestehen, ohne zu erklären, was wirklich wirklich ist. Er ist ein melancholischer, oft sehr schöner Film, der sich in sein Thema, die Verflechtung von Trauer, Vermisstsein und Illusion, wie in ein warmes Bett hineinlegt. Aber nur wenn man bereit ist, mit ihm zu wandern und die Stille zu ertragen, bekommt einen Horrorfilm, der langsam an einem nagt - und der die dunkle, zauberhafte Wahrheit des Waldes langsam, aber unerbittlich offenlegt. Aber etwas zu langsam für die Idee.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork:  House of Quest Films/QWGmire/Woodhead Creative

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