Donnerstag, 14. Mai 2026

Den sidste viking - The Last Viking - Therapie für Wikinger (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt27817389/

Nach vierzehn Jahren hinter Gittern wird Anker (Nikolaj Lie Kaas) aus dem Gefängnis entlassen. Die Beute seines damaligen Raubüberfalls ist nie aufgetaucht - nur sein Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) kennt das Versteck. Doch in der Zwischenzeit hat Manfreds geistige Verfassung stark gelitten, und die Erinnerungen an den Verbleib des Geldes sind verschwommen. Gemeinsam begeben sich die ungleichen Brüder auf eine Suche, die mehr als nur eine Jagd nach der Beute wird. Während sie sich durch ihre Vergangenheit und alte Wunden kämpfen, stehen sie vor einer noch wichtigeren Frage: Wer sind sie wirklich - und kann es für sie einen Neuanfang geben?

"Therapie für Wikinger" ist eine dieser dänischen Grotesken, die so kompromisslos auf Schmerz, Schuld und schiefen Humor setzen, dass man erst lacht und dann merkt, wie sehr einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Regisseur Anders Thomas Jensen erzählt die Geschichte zweier Brüder, deren gemeinsame Vergangenheit wie ein falsch vergrabener Schatz immer wieder an die Oberfläche drängt, und macht daraus eine bitterböse, zugleich überraschend zärtliche Parabel über Familie, Identität und die Schwierigkeit, aus den eigenen Traumata herauszufinden. Im Zentrum steht Mads Mikkelsen als Manfred beziehungsweise John, eine Figur, die irgendwo zwischen Wahn, Kindlichkeit und trauriger Selbstbehauptung lebt. Mikkelsen spielt ihn nicht als bloße Skurrilität, sondern als beschädigten Menschen, dessen Absurdität erst dann komisch wird, wenn man die Verzweiflung darunter spürt. Sein Verhalten - die Erinnerungslücken, die Selbstverletzungen, das absurde Beharren auf einer neuen Identität - ist nicht einfach ein Gag, sondern die tragische Form einer Seele, die sich nur über Schutzmechanismen organisiert. Nikolaj Lie Kaas als Anker ist das ruhige Zentrum des ganzen irren Maschinenwerks, der Bruder, der sich bemüht, den Familienwahn zu zähmen, ihn zu verstehen und in irgendeinem Maße zu bändigen.  Er ist kein heiliger Held, sondern ein Mann, der zwischen Pflicht, Schuld und dem Wunsch nach Normalität gefangen ist: Er lebt, arbeitet, kümmert sich um den quirligen, gewalttätigen John, versucht, Familie und Arbeitswelt zu verbinden und scheitert dabei immer wieder, ohne aufzugeben.  Genau diese verzweifelte Beständigkeit macht seine Figur so überzeugend: Er riskiert, seinen Bruder als Patient, Freund, Mitverschwörer und Kind zu behandeln, und gerade dies zeigt, wie viel menschliche Wärme sich auch in der bizarrsten Familiengeschichte halten kann.

Jensen macht aus dieser Ausgangslage keinen konventionellen Psychofilm und auch keine reine Gaunerkomödie. Er liebt es, Figuren in immer neue groteske Konstellationen zu schubsen, und er findet in der Brüchigkeit seiner Männer einen sehr eigenen Ton: brutal, kindisch, albern und manchmal fast rührend. Das Klügste an "Therapie für Wikinger" ist, dass der Film seine Gewalt nie nur als Schockeffekt benutzt. Sie ist Teil seiner Dramaturgie, Teil seines Humors, Teil seiner Beschreibung einer Welt, in der Männer permanent aneinander und an sich selbst scheitern. Trotzdem ist der Film nicht nur eine Sammlung schräger Einfälle. Hinter der Groteske liegt eine klare Idee: Trauma verschwindet nicht, indem man es ignoriert, sondern indem man gezwungen wird, es in Beziehung zu setzen. Der Film verwandelt das in eine Art absurde Selbsthilfegruppe, in der ausgerechnet die Verrückten die ehrlichsten Menschen sind.  Das klingt albern, und das ist es auch; aber Jensen findet immer wieder Wege, aus dem Albernen echte Melancholie zu ziehen.

"Therapie für Wikinger" ist makaber, oft sehr komisch, gelegentlich rücksichtslos und am besten, wenn er die Grenze zwischen Witz und Verletzung nicht sauber ziehen will.  Es ist ein Film, der seinen eigenen Wahnsinn mit bemerkenswerter Präzision organisiert. Was bleibt, ist eine schwarze Komödie, die nicht nur über kaputte Männer lacht, sondern sie mit einem Rest Würde betrachtet - und genau deshalb länger nachhallt, als ihr schräger Ton zunächst vermuten lässt.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Zentropa Entertainments/Film i Väst/FilmFyn

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