Samstag, 2. Mai 2026

The Devil Wears Prada - Der Teufel trägt Prada (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0458352/

Andrea Barnes (Anne Hathaway) ist das, was man ein Mädchen vom Lande nennen könnte – wohlbehütet aufgewachsen und sehr bodenständig. Um ihrem Traumjob Journalistin näher zu kommen, entschließt sie sich zu einem Umzug in die Glitzer-Metropole New York City. Andrea wird Assistentin von Miranda Priestly (Meryl Streep), der Herausgeberin des Mode-Magazins Runway. Denn die junge Frau weiß: Wer es ein Jahr bei Miranda aushält, soll sich seine zukünftige Anstellung in der Welt des Journalismus quasi selbst aussuchen können. Entsprechend engagiert geht sie ihren ersten Arbeitstag an. Doch die Bruchlandung auf dem Boden der Realität erfolgt gleichermaßen schnell wie hart. Ihre tyrannische Neu-Chefin jagt sie von einer Schikane in die nächste und ihre herrische Arbeitskollegin Emily (Emily Blunt) ist ihr auch nicht gerade eine große Hilfe. So etwas wie einen Freund findet sie allenfalls in Mirandas rechter Hand Nigel (Stanley Tucci). Doch der hat wahrscheinlich einfach nur Mitleid mit dem naiven Mädchen, das einfach nicht so recht ins Mode-Geschäft passen möchte. Am Tiefpunkt angelangt kommt Andy zu einer Erkenntnis: Da sie die Mode-Welt nicht ändern kann, muss sie sich ihr anpassen…

"Der Teufel trägt Prada" ist einer jener seltenen Filme, die wie leichte Unterhaltung wirken und dabei sehr genau wissen, wie Macht funktioniert. David Frankels Film nimmt sich die Welt der Hochglanzmagazine nicht nur als dekorative Kulisse vor, sondern als streng organisiertes Revier, in dem jede Geste, jedes Kleidungsstück und jede Verzögerung eine soziale Bedeutung hat. Was wie eine Komödie über Mode beginnt, entwickelt sich zu einer präzisen Studie über Anpassung, Ehrgeiz und den Preis, den man zahlt, wenn man lernen will, in einer Welt zu bestehen, die auf dem ersten Blick albern, auf den zweiten aber brutal ist. Anne Hathaway spielt Andy (Andrea) als eine Frau, die anfangs sichtbar außerhalb dieser Welt steht. Ihre Kleidung ist "von der Stange", ihr Auftreten defensiv, ihr Verhältnis zu Mode beinahe demonstrativ distanziert. Gerade deshalb funktioniert ihre Entwicklung so gut: Der Film erzählt nicht nur, wie Andy sich äußerlich verändert, sondern wie sie allmählich lernt, ein System zu verstehen, das sie zuerst verachtet hat. Das ist keine platte Verwandlung in eine bessere, schickere Version ihrer selbst, sondern ein moralisch ambivalenter Prozess, in dem Erfolg und Selbstverlust immer enger nebeneinanderliegen. 

Meryl Streep hingegen ist der Film. Ihre Miranda Priestly lebt nicht von Lautstärke, sondern von Präzision. Sie hebt selten die Stimme, weil sie es nicht nötig hat; ihre Macht liegt darin, dass andere schon vor ihrem Zorn erschrecken. Die ist eine herrliche Mischung aus Anna Wintour, Graydon Carter und einer Domina, und das trifft auch den Ton des Films ziemlich gut: Miranda ist eine Figur, die aus absoluter stilistischer Kontrolle und emotionaler Unnahbarkeit besteht. Streep spielt sie mit einer eisigen Eleganz, die nie leer wirkt. Hinter jeder harschen Anweisung steht eine Ordnungsvorstellung, hinter jedem Blick eine Hierarchie. Was den Film so bemerkenswert macht, ist sein Sinn für Komik ohne Verharmlosung. Die Dialoge sind scharf, oft sehr lustig, aber nie so lustig, dass sie die Härte des Arbeitsalltags entschärfen. Emily Blunt als erste Assistentin Emily und Stanley Tucci als Nigel geben dem Film zusätzliche Schichten: Blunt zeigt die Art von erschöpfter Loyalität, die nur in einem System entsteht, das seine Angestellten gleichzeitig erniedrigt und formt, während Tucci mit feiner Ironie den geschmackssicheren Überlebenden spielt, der die Regeln verstanden hat, auch wenn er sie nicht liebt. 

Der Film ist auch deshalb so wirksam, weil er seinen Schauplatz ernst nimmt. Die Zeitschrift "Runway" ist nicht bloß ein Magazin, sondern eine Maschine, die Schönheit in Macht übersetzt. Wer hier arbeitet, wird nicht nur nach Talent beurteilt, sondern nach Kleidung, Tempo, Opferbereitschaft und der Fähigkeit, private Bedürfnisse auszuschalten. Der Film zeigt, wie berufliche Exzellenz in einem solchen Umfeld mit Selbstverleugnung verwechselt werden kann. Andy beginnt, die Regeln zu lernen, und genau da wird der Film interessanter als ein bloßes "Karriere gegen Privatleben"-Drama: Er fragt, wie viel von einem Menschen übrig bleibt, wenn er sich so gut anpasst, dass er sich selbst kaum noch erkennt. Das Drehbuch konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Andy und Miranda und findet darin eine stärkere dramatische Linie, als sie in einer rein satirischen Haltung möglich wäre. Der Film lässt die Modewelt nicht einfach lächerlich erscheinen, sondern zeigt, warum sie Menschen anzieht: wegen ihrer Ordnung, ihrer Geschwindigkeit, ihrer Disziplin, ihres Versprechens von Zugehörigkeit. Gerade dadurch wird die Kritik am System wirksamer, weil sie nicht von außen kommt, sondern aus dem Inneren eines Begehrens, das der Film sehr ernst nimmt.

Dass "Der Teufel trägt Prada" bis heute so gut funktioniert, liegt an eben dieser Balance. Der Film ist witzig, aber nicht frivol; elegant, aber nicht hohl; kritisch, aber nicht zynisch. Er weiß, dass das Publikum sich an Mode erfreuen darf, selbst wenn es die Welt dahinter für absurd hält. Und er weiß auch, dass ein guter Arbeitsplatzfilm immer eine Frage nach Würde ist: Wer kontrolliert die Zeit, wer besitzt den Raum, wer trägt die Last, und wer darf am Ende das eigene Gesicht im Spiegel wiedererkennen? Es ist ein Film über die Art von Macht, die so gewöhnlich wird, dass man sie erst dann bemerkt, wenn man bereits in ihr lebt. "Der Teufel trägt Prada" ist klug gebaut, glänzend gespielt und genau genug beobachtet, um weit mehr zu sein als eine elegante Komödie über Haute Couture. Er ist ein Film über Identität unter Druck, über berufliche Verführung und über die schwierige Kunst, nicht nur erfolgreich zu sein, sondern dabei noch man selbst zu bleiben.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Fox 2000 Pictures/Dune Entertainment/Wendy Finerman Productions

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