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Sonntag, 15. Dezember 2024

Carry-On (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt21382296/

Ethan Kopek (Taron Egerton) arbeitet am Flughafen in der Sicherheitskontrolle. Dort wird er auch am Heiligabend seinen Job verrichten, wenn tausende Menschen zu ihren Liebsten in die Feiertage fliegen. Immerhin ist auch seine Freundin Nora Parisi (Sofia Carson) am Airport beschäftigt, sodass man zumindest die Pausen miteinander verbringen kann, bevor man geruhsam in den Feierabend geht. Doch in diesem Jahr ist alles anders, denn ein mysteriöser Fremder will Ethan zu seiner Marionette machen und ihn dazu zwingen, ein gefährliches Paket die Sicherheitskontrolle passieren zu lassen, mit dem vermutlich ein Flugzeug zum Absturz gebracht werden soll. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, droht der Unbekannte damit, Nora zu ermorden, sollte Ethan nicht tun, was er ihm sagt. Ethan steht vor einem Dilemma: schreitet er nicht ein, werden viele Unschuldige sterben. Tut er nichts, wird Nora das Opfer des Attentäters werden.

Eine der großen Debatten zur Weihnachtszeit ist, ob der Bruce Willis-Actionfilm "Stirb langsam" als Weihnachtsfilm angesehen werden kann oder nicht. Sicher, er spielt zur Weihnachtszeit, aber ist er wirklich ein Weihnachtsfilm, so wie "Kevin: Allein zu Haus" oder "Das Wunder von Manhattan" Weihnachtsfilme sind? Die offensichtliche Antwort ist "Ja", obwohl eine differenziertere Antwort "Das bleibt jedem selbst überlassen" wäre. Und ob man nun "Stirb langsam" als Weihnachtsfilm betrachtet oder nicht, wird bestimmen, ob man den Netflix-Thriller "Carry-On" als Weihnachtsfilm betrachtet. Wie "Stirb langsam 2" spielt er um Weihnachten herum und wie "Stirb langsam 2" spielt er auf einem Flughafen. Anders als "Stirb langsam" hat er nicht die Starpower von Bruce Willis, um ihn in die Hallen der klassischen Actionfilme zu erheben. Andererseits ist er viel besser als die späteren, mieseren "Stirb langsam"-Filme, die nach "Stirb langsam: Jetzt erst recht" herauskamen, der letzte beste des gesamten Franchise.

"Carry-On" wird nie als Weihnachtsklassiker oder als bester Action-Thriller aller Zeiten gelten, aber er macht trotzdem viel Spaß und man darf froh darüber sein, dass wir einen weiteren Weihnachts-Actionfilm haben, der nicht mies ist, denn viele Weihnachtsfilme sind über alle Genres hinweg ziemlich schrecklich. In dem Film spielt Taron Egerton Ethan Kopek, einen TSA-Agenten, der in einem Job feststeckt, den er hasst, und der eine bemerkenswert geduldige und attraktive Freundin namens Nora hat, gespielt von Sofia Carson. Sie erfahren, dass sie ein Baby bekommen, denn wenn eine schwangere Freundin da ist, ist der Einsatz umso höher, wenn etwas schiefgeht. Nora arbeitet ebenfalls am Flughafen, aber nicht als TSA-Agentin. Sie sagt Ethan, dass sie sich zu Weihnachten nur wünscht, dass er seinen Traum, Polizist zu werden, verfolgt.

Die Dinge nehmen eine Wendung zum Schlechteren, als ein mysteriöser Verbrecher, der nur als Traveler bekannt ist, auftaucht. Jason Bateman ist in dieser Rolle großartig. Er ist lässig, fast nonchalant, ein Schurke. Er benutzt Noras Leben als Pfand und zwingt Ethan, einen Koffer durch die Gepäckkontrolle zu schleusen. Der Inhalt des Gepäcks stellt sich als schlimmer heraus, als Ethan es sich je hätte vorstellen können. Was folgt, ist eine spannende Reihe von Ereignissen, während Ethan versucht (und oft scheitert), den Traveler auszutricksen und eine schreckliche Tragödie zu verhindern, ohne dass seine Freundin und sein ungeborenes Baby getötet werden.

Danielle Deadwyler spielt Detective Elena Cole, eine Polizistin, die einen Mord untersucht, der sie über eine Spur aus Brotkrümeln direkt zum Flughafen führt, wo sie kopfüber in den Konflikt eintaucht, der sich dort abspielt. The Rossi spielt den Scharfschützen und das technische Genie des Reisenden, Watcher. Und Dean Norris aus Breaking Bad spielt Ethans Chef Phil Sarkowski. Insgesamt ist es eine gute Besetzung, obwohl sich der Film hauptsächlich auf Ethan und den Reisenden und ihre Interaktionen konzentriert.

Der Film funktioniert, weil er die Spannung hoch und das Tempo straff hält. Er ist nie zu langweilig und bewegt sich in einem angenehmen Tempo, wobei die meisten seiner besten Momente nur ein Gespräch zwischen Ethan und Traveler sind. Es gibt Action, aber keine Action auf "Stirb langsam"-Niveau.

Das Ende selbst ist ein bisschen dürftig, da einige wichtige Handlungspunkte ungelöst bleiben. Und obwohl das Drehbuch durchweg gut ist, ist es auch nichts Besonderes. Es gibt hier keine klassischen One-Liner oder besonders komische Gags. Ich bezweifle, dass ich mir den Film im Laufe der Jahre noch einmal ansehen werde, nicht weil irgendetwas besonders falsch an dem Film wäre, sondern weil er auch nichts besonders Hervorragendes hat. "Carry-On" ist ein lustiger, spannender Popcorn-Film mit etwas Weihnachtslametta obendrauf. Hirn aus, Film an.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork
Dreamworks

Montag, 29. Juli 2013

Die Hard 2 - Stirb langsam 2 (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099423/

Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis nach "Stirb langsam" der zweite Teil kommen würde. "Dieselbe Scheiße passiert demselben Mann zum zweiten Mal" – das dürfte wohl der Leitsatz von John McClane (Bruce Willis) in Stirb langsam 2 – Die Harder sein. Diese Weihnachten will McClane nur seine Frau Holly (Bonnie Bedelia) vom Flughafen abholen und stolpert dabei direkt in den Weg von Terroristen, die einen Drogenbaron befreien wollen. Dafür hat Colonel Stuart (William Sadler) die Kontrolle über den Flughafen übernommen und droht die Maschinen in der Warteschleife nacheinander abstürzen zu lassen, sollte der ehemalige südamerikanische Diktator General Ramon Esperanza (Franco Nero) nicht freigelassen werden. Aber er hat seine Rechnung ohne John McClane gemacht, dessen Frau in einem der bedrohten Flugzeuge sitzt...

Statt einem Wolkenkratzer inmitten der Großstadt gilt es nun einen der größten Flughäfen der Stadt von skrupellosen Gangstern zu säubern. Der Szenenwechsel war natürlich notwendig und gibt dem zweiten "Die Hard" einen nicht ganz so beengten Raum wie seinem grandiosen Vorgänger. John McClane ist diesmal auch theoretisch nicht vollkommen auf sich gestellt, genug Helfer sind ja nun mal vor Ort, aber praktisch erledigt er das Ganovenpack erneut im Alleingang. Was bleibt ihm auch anderes übrig, denn so richtig hilfreich ist hier kaum jemand von der Anwesenden: McClane wird in einer Tour angemault und ihm mit rechtlichen Konsequenzen für sein Handeln gedroht, obwohl er der Einzige ist, der dem ganzen Treiben auch effektiv (und effektvoll) Einhalt gebietet.

Warum McClane von Anfang an wie ein Störenfried behandelt wird und sich die Beteiligten lange Zeit nur gegenseitig auf den Füßen stehen ist zwar "sinnvoll", um McClane erneut in ein Einer-gegen-Alle-Szenario zu schicken, aber richtig glaubwürdig ist es jedoch nicht. Dennoch: der zweite Teil ist erstaunlich gut gelungen und ihn trennen nur wenige Patzer von dem genialen ersten Teil.  Die angesprochenen Drehbuchholperer sind zwar nicht zu übersehen, aber mal ehrlich: wen interessierts? Handwerklich lässt sich über "Die Hard 2" kein schlechtes Wort verlieren. Die Action ist rasant, knallhart und exzellent choreografiert - und hat zudem keine Längen. Es geht rasant vorwärts und der bemitleidenswerte McClane wird von einer Schießerei in die nächste tollkühne Halsbrecheraktion gejagt. Macht immer wieder Spaß anzusehen. Klasse. 

8,5/10

Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Sonntag, 18. August 2013

Die Hard: With A Vengeance - Stirb langsam: Jetzt erst recht (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0112864/

Der dritte Teil der legendären Reihe um den Cop John McClane. Dieses Mal ist der Spielplatz New York City und zum ersten Mal hat John einen Sidekick. Und obwohl er den nach altbekanntem Muster eigentlich nicht wirklich gebraucht hätte, so bringt Samuel L. Jackson dankenswerter Weise frischen Wind in die Story und macht den dritten Teil zu einem mehr als sehenswerten Actionfilm.

Der Bulle John McClane (Bruce Willis) hat definitiv schon bessere Tage gesehen. Geschieden, vom Dienst suspendiert und schwer verkatert muss er nun trotzdem arbeiten. Denn in "Stirb langsam - Jetzt erst recht" macht ein Bombenleger die Stadt unsicher. Dieses Mal ist es New York und John McClane bekommt mit Zeus Carver (Samuel L. Jackson) einen unfreiwilligen Helfer zur Seite gestellt. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen ‘Simon’ (Jeremy Irons) auf.

"Die Hard: With A Vengeance" ist nach Teil 1 und Teil 2 der beste der Reihe. Das liegt vielleicht auch daran, dass er der Ort der Handlung nicht mehrin so engem Terrain begrenzt ist. Das Weihnachtsszenerio wird verlassen und in den Sommer verlegt. Die Beziehungskiste McLanes degeneriert zu einer blassen Erinnerung. Die Actionszenen nehmen ihren Stellenwert wieder ein. Gerade die überraschenden Anfangsszene ist äußerst gelungen und die Geschichte erlebt mehrmals ihre Wendungen, wenn auch nicht so tiefgreifend wie im ersten Teil. Dafür lebt das ungleiche Duo zur Hochform auf. Der dritte Teil enthält auch satirische Momente, ist aber im direkten Vergleich zum ersten Teil weit weniger überspannt.

Die Dramaturgie ist dabei etwas holprig, was auch letztlich zum Punktabzug führt. Erinnert das Ganze nämlich anfänglich noch an eine Schnitzeljagd mit Rätselraten, erklimmt sie sprunghaft die nächste Stufe als McLane die wahren Absichten des Bösewichts durch zwei jugendliche Kleinkriminelle eher zufällig erkennt. Der Bösewicht vom Dienst ist wieder einmal "Gentleman", der gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle der Opfer herumspielt. Die Sprücheklopferei wird traditionell weiter gepflegt und sie gewinnt durch das McClane/Carver-Duo sogar neues Leben. Dabei haben die beiden nichtmal den besten Auftritt; den hat der LKW-Fahrer Jerry, der einfach alles weiß und so irgendwie cool rüberkommt. Bei der Jagd durch New York wird es dann auch immer turbulenter und bleihaltiger, bis man den unausweichlichen Showdown bekommt. Der ist leider etwas kurz geraten, schmälert aber nicht den Gesamteindruck.

Noch ein Minuspunkt: nur in der englischen OV sagte John seinen berühmten Satz "Yippieh-ki-yay, motherfucker!", eingedeutscht wurde er leider mit "Happy Birthday, Schweinnase!" Hmpf. :) Aber dennoch und alles in allem ein sehr unterhaltsamer Teil.

8/10

Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Donnerstag, 30. August 2018

Live Free Or Die Hard - Stirb langsam 4.0 (Kinofassung) (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0337978/

"Ein analoger Cop in einer digitalen Welt", so war zumindest die deutsche Tagline für den vierten Teil der "Die Hard"-Reihe. Nach über 10 Jahren kam endlich John McClane zurück - und sorgte sowohl für Zuspruch als auch für Mißgefallen bei den Fans.

John McClane (Bruce Willis) hat es diesmal mit einer völlig neuen Art von Terrorismus zu tun. Eine Cyber-Organisation, rund um den ehemaligen Pentagon-Mitarbeiter Thomas Gabriel (Timothy Olyphant), plant zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli, sämtliche Computernetzwerke der USA lahmzulegen. Ein übermächtiger Feind, dem John McClane scheinbar nichts entgegen zusetzen hat. Doch als dann noch seine Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) von Gabriel entführt wird, versucht er mit Hilfe des Computerexperten Matthew (Justin Long), seine Tochter zu befreien und das Land vor dem digitalen Supergau zu bewahren...

Für einen richtigen "Die Hard"-Streifen fehlt einfach etwas. Und vor allem fehlt der Kinofassung des vierten Teils der Reihe der nötige Biss. Vielleicht liegt es auch an dem total nervigen Sidekick, den man McClane hier zur Seite gestellt hat. Dabei macht Willis seine Sache wieder gewohnt gut - mit coolen Sprüchen und ordentlicher Action, die leider leider zur CGI-Orgie geworden ist. Von handgemachten Effekten kaum noch eine Spur, selbst das Blut wurde digital aufgepeppt - und im direkten Vergleich zur Recut-Fassung merkt man der Kinofasung deutlich an, dass hier für ein niedrigeres Rating das Blut digital entfernt wurde. Dass das ein Fehler war, bewies sich damals an der Kinokasse. Aber das liegt zum einen auch an der etwas a-typischen Handlung, die im "Die Hard"-Kontext doch arg deplatziert wirkt und obwohl der Film kein totaler Reinfall war, schob das Studio später den sogenannten Recut nach.

Immerhin fährt der Film auch in der blutärmeren Kinofassung eine gute Schiene und im Gegensatz zu den divergierenden meinungen in diversen Reviews weiß die "Harrier vs. Truck"-Szene auch richtig gut zu gefallen, vermutlich gerade weil diese so total übertrieben, unrealistisch und unpassend war. Selbst Timothy Olyphant als Gegenspieler war herrlich fies und gemein, seine Schergen standen dem auch in Nichts nach und machen McClane das Leben, bzw. Überleben, so schwer wie nur möglich. Leider wird durch viel zu viele Zwischenstationen das Tempo immer wieder ausgebremst. Die Atmosphäre der Atemlosigkeit, die sonst ein "Die Hard"-Markenzeichen war, ist nicht mehr durchgehend vorhanden. Rasanz haben die Actionsequenzen zweifellos, nur auf einem ganz anderen Level als sonst. Die handwerkliche Perfektion ist dem technischem Aufwand gewichen. "Die Hard" hat ein gutes Stück Seele verloren, das sich nun mal nicht downloaden lässt.

Der Score von Marco Beltrami fängt das bekannte Thema nur noch bruchstückhaft ein und kriegt so gerade noch den Spagat von Teil 3 zu Teil 4 hin. "Stirb langsam 4.0" kann also leider nicht wirklich an die Erfolge der ersten drei Teile anknüpfen. In einem Arbeitszeugnis würde man schreiben: "Er bemühte sich stets". Immerhin gibt es einige viele Actionsequenzen, die richtig Spaß machen und so bekommt man, wenn man sich darauf einlassen kann, doch einen soliden Actionfilm geboten. Irgendwie kein "Die Hard" mehr, aber einen guten Actionfilm. Der Recut ist der Kinofassung aber in jedem Fall vorzuziehen.

6,5/10

Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Montag, 19. August 2013

Live Free Or Die Hard - Stirb langsam 4.0 (Recut) (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0337978/

"Ein analoger Cop in einer digitalen Welt", so war zumindest die deutsche Tagline für den vierten Teil der "Die Hard"-Reihe. Nach über 10 Jahren kam endlich John McClane zurück - und sorgte sowohl für Zuspruch als auch für Mißgefallen bei den Fans.

John McClane (Bruce Willis) hat es diesmal mit einer völlig neuen Art von Terrorismus zu tun. Eine Cyber-Organisation, rund um den ehemaligen Pentagon-Mitarbeiter Thomas Gabriel (Timothy Olyphant), plant zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli, sämtliche Computernetzwerke der USA lahmzulegen. Ein übermächtiger Feind, dem John McClane scheinbar nichts entgegen zusetzen hat. Doch als dann noch seine Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) von Gabriel entführt wird, versucht er mit Hilfe des Computerexperten Matthew (Justin Long), seine Tochter zu befreien und das Land vor dem digitalen Supergau zu bewahren...

Für einen richtigen "Die Hard"-Streifen fehlt einfach etwas. Vielleicht liegt es auch an dem total nervigen Sidekick, den man McClane hier zur Seite gestellt hat. Dabei macht Willis seine Sache wieder gewohnt gut - mit coolen Sprüchen und ordentlicher Action, die leider leider zur CGI-Orgie geworden ist. Von handgemachten Effekten kaum noch eine Spur, selbst das Blut wurde digital aufgepeppt. Dass das ein Fehler war, bewies sich damals an der Kinokasse. Das liegt zum einen an der etwas a-typischen Handlung, die im "Die Hard"-Kontext doch arg deplatziert wirkt und obwohl der Film kein totaler Reinfall war, schob das Studio später den sogenannten Recut nach, der um ein paar Tropfen Blut und ein paar böse Wörter erleichtert worden war. Na gut, immerhin fährt der Film eine gute Schiene und obwohl die Meinungen da divergieren, weiß die "Harrier vs. Truck"-Szene auch richtig gut zu gefallen, vermutlich gerade weil diese so total übertrieben, unrealistisch und unpassend war.

Selbst Timothy Olyphant als Gegenspieler war herrlich fies und gemein, seine Schergen standen dem auch in Nichts nach und machten McClane das Leben, bzw. Überleben, so schwer wie nur möglich. Leider wird durch viel zu viele Zwischenstationen das Tempo immer wieder ausgebremst. Die Atmosphäre der Atemlosigkeit, die sonst ein "Die Hard"-Markenzeichen war, ist nicht mehr durchgehend vorhanden. Rasanz haben die Actionsequenzen zweifellos, nur auf einem ganz anderen Level als sonst. Die handwerkliche Perfektion ist dem technischem Aufwand gewichen. "Die Hard" hat ein gutes Stück Seele verloren, das sich nun mal nicht downloaden lässt.

Der Score von Marco Beltrami fängt das bekannte Thema nur noch bruchstückhaft ein und kriegt so gerade noch den Spagat von Teil 3 zu Teil 4 hin. "Stirb langsam 4.0" kann also leider nicht wirklich an die Erfolge der ersten drei Teile anknüpfen. In einem Arbeitszeugnis würde man schreiben: "Er bemühte sich stets". Immerhin gibt es einige viele Actionsequenzen, die richtig Spaß machen und so bekommt man, wenn man sich darauf einlassen kann, doch einen soliden Actionfilm geboten. Irgendwie kein "Die Hard" mehr, aber einen guten Actionfilm.

7/10

Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Donnerstag, 14. Februar 2013

A Good Day To Die Hard - Stirb langsam: Ein guter Tag zum Sterben (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1606378/

Weil sein entfremdeter Sohn Jack in Moskau hinter Gittern sitzt, reist US-Cop John McClane in die russische Metropole, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Doch bereits kurz nach der Ankunft kollidieren die Pläne des Vaters mit denen des Sohns, der tatsächlich für die CIA arbeitet und einen Geheimnisträger samt einer brisanten Akte außer Landes bringen soll. Nach anfänglichen Reibereien wächst das Vater-Sohn-Duo zusammen, zeigt den Gegnern, dass Widerstandsgeist und Zerstörungskompetenz in der Familie liegen. 

Der fünfte Teil um den nicht-sterben-wollenden Actionhelden John McClane sah im Trailer noch richtig gut aus: episch, kraftvoll, brachial. Davon ist im Film aber leider nicht mehr viel übrig geblieben. Man wird als Zuschauer gleich voll ins Geschehen geworfen, keine lange (aber nicht langweilige!) Vorbereitung auf das Hauptgeschehen wie noch in den ersten beiden Teilen, kein sich entwickelndes Spiel wie in Teil 3 und keine sich anbahnende Katastrophe wie in Teil 4. Wir sind also mitten in Moskau und mit der Rettung von Komarov beschäftigt, der das Versteck einer geheime Akte kennt, die den Politiker Alik zu Fall bringen soll. So weit, so gut. Dass aber McClane sr. ohne Rücksicht auf Verluste plötzlich auch vor Zivilisten nicht Halt macht, passt mir irgendwie nicht so recht in das Konzept des Polizisten. Die (wenigen) coolen Sprüche sind sicher witzig, aber so richtig will das "Die Hard"-Feeling nicht aufkommen. Dabei sind die vielen Logiklöcher deutlich wahrnehmbar, ein Beispiel: von Moskau (Rußland) bis Tschernobyl (Ukraine) sind es mal eben lockere 1000 km, aber die beiden fahren die Strecke in einer Zeit, dass selbst Niki Lauda blass werden würde.

Wenigstens die Action ist gut und auch gut platziert, aber man merkt dem Film seine Kürze schon an. Waren die anderen Die Hard-Teile alle um die 120 Minuten lang, so merkt man die 90 Minuten schon sehr - hier fehlt einfach ein wenig Ruhe, ein wenig mehr Story, ein wenig mehr Verzweiflung. Die Zeiten, wo Willis sich aus der Not heraus durch den Nakatomi Plaza kämpfen musste oder irgendwie Terroristen daran hindern musste Flugzeuge in den Boden zu rammen sind wohl entgültig vorbei. Das ist sehr schade. McClane jr. (Jai Courtney) macht seine Sache gut, stiehlt aber John ab und zu die Show. Auch das stößt mir sauer auf. Die - für mich - unerwartete Wendung im 2. Akt fand ich dabei gar nichtmal so schlecht. Wenigstens übertreiben es die Macher nicht zu sehr mit Action: McClane auf einer F-15 (in "Stirb langsam 4.0") war für viele wohl "ein Hauch" zu viel (ich fands cool). Und dann rettet McClane mal wieder die Welt - wer hätte das gedacht? - und dann kommt eine glückliche-Familie-Szene, die ich völlig deplatziert fand. Komisch. Mit viel Wohlwollen

6/10


Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Mittwoch, 30. Januar 2013

Die Hard - Stirb langsam (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0095016/

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) fliegt am Heligabend nach Los Angeles, um mit seiner dort lebenden Familie die Feiertage zu verbringen. Er hofft auch, sich mit seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) zu versöhnen, welche sich vor einem halben Jahr von ihm getrennt hatte, nachdem sie aus beruflichen Gründen nach Los Angeles gezogen ist und er ihr nicht folgen wollte. Er trifft sich mit Hollyzu einer Weihnachtsfeier an ihrem Arbeitsplatz, im 30. Stock des Nakatomi Plaza, einem riesigen Büroturm. Doch die Feier nimmt ein abruptes Ende, als die Feier von Terroristen (im Original ehemalige Stasi-Agenten) um Hans Gruber (Alan Rickman) gestürmt wird. Nur McClane gelingt es im Chaos unbemerkt zu entkommen. Barfuss und lediglich mit seiner Polizeipistole bewaffnet, muss er sich allein den Terroristen stellen und versuchen, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen. Ein kampf um Leben und Tod beginnt...

Mittlerweile auch schon ein Klassiker. Action ohne Wackelkamera, dazu eine gute und vor allem glaubwürdige Story, passende Hintergrundmusik, genau die richtige Portion Spannung, fiese stylishe Räuber und ein Schuhloser John McClane, wie man ihn - mittlerweile - kennt und liebt. Mit diesem ist Action-Ass John McTiernan die Revolution des 80er-Jahre-Action-Streifens gelungen. Nicht nur wurde hiermit der Grundstein für die Karriere des letzten richtig großen Action-Stars, der sich in einem Satz mit Arnie, Stallone & Co. nennen lassen darf gesetzt, sondern war es auch der erste große Schritt weg von eben jenem Übermenschen-Kino und prägte damit einen großen Teil der folgenden Actioner.

Es gibt durchaus noch Parallelen zu alten Action-Mustern, so ist McClane ja im Endeffekt auch eine One Man Army. Nur wird eben in "Die Hard" auch Wert auf die menschliche Seite und Identifizierbarkeit des Protagonisten gelegt. Erste Schritte in Richtung Buddy-Movie, die man bisher so ziemlich nur vom kurz vorher erschienen "Lethal Weapon" kannte, gab es auch schon durch Sympathieträger wie bspw. Donut-Cop Al Powell. Wo "Die Hard" auch von Glück reden kann, ist mit Alan Rickman als Hans Gruber einen der genialsten Action-Bösewichte überhaupt zu haben, der eigentlich nur noch durch Jeremy Irons aus "Stirb Langsam - Jetzt erst recht!" Konkurrenz bekommt.

Die Action ist über die recht lange Laufzeit gut verteilt, ohne dass es dabei auch nur ansatzweise zu Längen kommen würde - blutige Shootouts wechseln sich mit Nahkampfeinlagen ab und einige spektakuläre Explosionen, die sich hinter heutigen übertriebenen Computererzeugnissen nicht verstecken müssen, gibt es obendrein - zusätzlich wird dem Zuschauer fein dosierter Humor zelebriert, der zudem immer mal wieder für kleinere Lacher sorgt.

Durch diese Menschlich- und Nachvollziehbarkeit sowohl der Guten, als auch der Bösen, wirkt das Ganze einfach mehr und nimmt mehr mit, was es gleichzeitig auch um einiges spannender macht. Dazu kommt dann auch noch eine gute Portion Ironie, Zynismus und sogar teilweise Satire durch Polizei- und Mediendarstellung. Coole Sprüche wie aus den 80ern gibt's auch immer noch, wenn auch zugegeben nicht ganz so coole. Kann man sich immer wieder ansehen und er wird dabei nicht schlechter. Genial!

9/10

PS: 
Hier sieht man den ersten Freefall-Stunt der Filmgeschichte - der Sprung aus dem 30. Stock eines Hochhauses. Das Gebäude ist übrigens das "Fox Plaza" in LA (FOX Verwaltungsgebäude) und der Beginn des Stunts wird hier näher erläutert: "For the shot where Hans Gruber falls from the top of the building, Alan Rickman was actually falling from a 21-foot high model. He was holding on to a stunt man and falling on to an air bag. To get the right reaction, the stunt man dropped Rickman on the count of two, not three." Der "richtige" Fall vom Gebäude war der Stuntman. 

Von Twentieth Century Fox wurden die komplette Reihe (inklusive des "Recut" von "Stirb Langsam 4.0") in einer schicken Box im DigiPak veröffentlicht, welches darüber hinaus eine exklusive Bonus-Disc mit Hintergrundinformationen zu allen Filmen und ein Begleitbuch beinhaltet.


Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/Artwork
Twentieth Century Fox

Freitag, 15. November 2013

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2302755/

Ein fataler Autounfall kostet nicht nur der Frau des US-Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) das Leben, sondern auch den Leibwächter der Familie, Mike Banning (Gerard Butler), seinen Job. Von der Tragödie selbst unter Schock, verliert dieser damit vor allem seinen besten Freund. Monate vergehen. Während Banning in einem tristen Bürojob im Finanzministerium untergeht, hat der Präsident die wichtigsten Staatsmänner Südkoreas im Oval Office versammelt, um sich der sich zuspitzenden Krise zwischen Süd- und Nordkorea zu widmen. An seiner Seite: Verteidigungsministerin Ruth McMillan (Melissa Leo) und Sprecher Trumbull (Morgan Freeman). Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Eine Gruppe terroristischer Nordkoreaner ist bereits im Begriff, sich der Problematik auf ihre eigene Weise anzunehmen. Als Touristen getarnt, aber bis an die Zähne bewaffnet, stürmt das Einsatzkommando das Weiße Haus und durchsiebt in einem Kugelhagel alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Von den Schüssen in Alarmbereitschaft versetzt, ist Banning, dessen ungeliebter Arbeitsplatz sich in unmittelbarer Hörweite zum Ort des Geschehens befindet, bereits am Weg dorthin. Doch der Anblick, der sich dem ehemaligen Bodyguard bietet, ist unfassbar: Olympus has Fallen - Das weiße Haus ist gefallen. Ohne zu zögern begibt sich Banning mitten in die Gefahrenzone, um seiner alten und ungebrochenen Aufgabe zu folgen: Er will das Leben das Präsidenten und dessen Familie schützen…

Mein erster Gedanke war: Genau so hätte "Stirb langsam 5 (A Good Day To Die Hard/Ein guter Tag zum sterben)" aussehen müssen! Denn ich habe hiergenau das bekommen, was ich erwartet habe: einen sinnfreien und ordentlich umgesetzten Actionfilm, mit viel Geballer, coolen One-Linern (die allerdings ausbaufähig sind), netten Explosionen und auch sonstigen Effekten, einem ebenso ordentlichem Bodycount und einer sehr coolen One-Man-Army namens Gerald Butler. Der macht seine Sache recht ordentlich, ist sofort sympathisch und lässt viele Parallelen zu den großen Vorbildern namens "Alarmstufe: Rot" (selbst auf einem der Kinoplakate steht "The White House Under Siege" - "Under Siege" ist der engl. Originaltitel von "Alarmstufe: Rot") oder dem bereits erwähnten "Stirb langsam" aufkommen. Aber auch sonst hat man das Gefühl, das allein der Storyablauf inkl. Begegnungen der Guten und Bösen sehr vom Nakatomi Plaza abgekupfert wurde, sodass - abgleich man sowieso weiß, dass der Gute den Bösen den Arsch aufreißen wird - leider ein nicht unerhebliches Stück Spannung rausgenommen wurde. Trotzdem ist "Olympus Has Fallen" ein ordentlicher Film mit Daseinsberechtigung - und einer extrem hohen Menschen- und Materialschlacht.

Und wer sich über den durchaus vorherrschenden Pathos und den ebenso großen offensichtlich zur Schau gestellten Patriotismus aufregt, der soll sich mal bitte die Frage stellen, was er von einem Film erwartet hat, in dem Terroristen das weiße Haus angreifen/besetzen. Mir jedenfalls hats Spaß gemacht und ich habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt. "London Has Fallen" kann kommen!

7,5/10


Sonntag, 13. Oktober 2013

12 Rounds - Zwölf Runden (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1160368/

Als Officer Fisher (John Cena) einen Multimillionen Dollar Coup verhindert und die Täter festsetzt, verunglückt die Freundin von Miles Jackson (Aiden Gillen), dem Kopf der Verbrecherbande, beim Fluchtversuch tödlich. Jackson schwört, sich an Fisher zu rächen. Als er kurz darauf aus der Haft flieht, beginnt er sein gefährliches Spiel mit Fisher. Er entführt dessen Verlobte Molly Porter und legt eine Spur aus zwölf Rätseln und Aufgaben, denen sich Fisher stellen muss, um das Leben seiner Verlobten nicht zu gefährden...

Der von Actionspezialist Renny Harlin ("Stirb Langsam 2", "Cliffhanger") inszenierte Film erinnert in großer Breite an "Stirb Langsam - Jetzt erst recht" und bietet neben einer einfachen aber stimmigen Story diverse wirklich nette Actionszenen, in denen das Muskelpaket und WWF-Superstar Michael Cena beweisen kann, dass er der Mann fürs Grobe ist. Leider konnte ich mich mit den Figuren nicht wirklich anfreunden, sodass ich mich zwischendurch fragen musste "Kommen da jetzt wirklich noch 6 weitere Runden?" - doch dann ging es etwas rasanter weiter und wenn man von diversen Filmfehlern und physikalischen - ich nenne es mal - "Ungereimtheiten" absieht, dann ist der Film solides Mittelmaß. Der Film ist simpel gestrickt und man kennt von Anfang an das Finale, auch wenn versucht wurde mit einigen netten Ideen ein paar Haken und Wendungen einzubauen. So bleibt eine kurzweilige Unterhaltung und auch wenn John Cena nur zwei Gesichtsaudrücke beherrscht, so passt er doch gut in die Rolle des Polizisten, der plötzlich um das Leben seiner großen Liebe spielen muss. Nett.

6/10

Donnerstag, 9. Januar 2014

White House Down (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2334879/

White House Down heißt es kurz nach seinem missglückten Vorstellungsgespräch bei der Chefin des Secret Service (Maggie Gyllenhaal): Der Ex-Cop und Sicherheits-Profi John Cale (Channing Tatum) hat sich soeben umsonst für einen Job als Leibwächter für den US-Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx) beworben. Nun will er wenigstens noch mit seiner Tochter eine Tour durch das Weiße Haus in Washington DC machen, doch dazu kommt es nicht mehr. Das Weiße Haus wird von Terroristen angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht. Nur der als Tourist ‘getarnte’ John Cale kann dem Präsidenten und einer Nation im Ausnahmezustand jetzt noch helfen.

2013 war das Jahr, in dem sich die USA gleich zweimal einer direkten Bedrohung im weisen Haus ausgesetzt sah. Einmal in Antoine Fuquas "Olympus Has Fallen", der nordkoreanische Terrorristen zur Tat schreiten lies und im mehr als doppelt so teuren "White House Down". Während Ersterer sich auf patriotische Aussagen beruft und sich damit schon fast selbst karikatiert, ist Regisseur Roland Emmerich mehr auf spaßige Action aus. Aber das hilft dem Film nicht wirklich. Ich erinnere mich noch gut an die Worte von John Landis, der auf dem FFFnights 2011 mit einem unverhohlenem Lachen zum Besten gab, dass sich alle Regisseure, Produzenten und Stars in Hollywood immer wieder auf einen neuen Emmerich-Film freuen würden. Was der Mann nämlich tatsächlich kann, ist Dinge zu zerstören. Und das so effektvoll wie es eben nur geht. Und das ist immer lustig. Zumal es eindeutige Markenzeichen gibt: der Star des jeweiligen Films rennt nämlich immer vor der Katastrophe weg - so auch hier. Da fliegen die Handgranaten und es explodieren die von Javelins abgefeuerten Flugkörper: aber der Held ist letztendlich der mit einem Kratzer, der kaum der Rede wert ist und hat eine blutende Nase - und hechtet sich immer gerade noch vor der Explosion in eine halbwegs sichere Nische.

Aber warum kann man den Film dann nicht zumindnest auf eine Stufe mit "Olympus Has Fallen" stellen? Naja, zum einen geht hier die Gefahr von Amerika selbst aus. Verräter in den eigenen Reihen, ach so patriotische Amerikaner, überfallen das weiße Haus und versetzen die USA in einen Schockzustand. Da hat es "Olympus Has Fallen" um Längen leichter, schließlich kann das zutiefst patriotische Volk jegliche Schuld von sich weisen. Sind ja immerhin die bösen Nordkoreaner aus ihrem abgeschotteten Land. Autor James Vanderbilt verpackt in diesen Mix aus "Stirb Langsam" und "Independence Day" einen kleinen Schuss Kritik an amerikanischer Politik. Er lässt Präsident James Sawyer, natürlich Afroamerikaner, in einem überlangen Monolog am Anfang über den Truppenabzug aus Afghanistan reden. Im gleichen Zug verdeutlicht er die Unzufriedenheit der amerikanischen Rüstungsindustrie seitens der drohenden Auftragseinbrüche. An diesem Punkt ist "White House Down" etwas mehr als purer Actionfilm.

Allerdings sorgt diese halbstündige Anfangsphase auch dafür, dass "White House Down" niemals auf der sicheren Seite steht. Dort gibt er sich merklich ernst, nur um sich später wieder in einen fast schon komödiantischen One-Liner-Actioner fallen zu lassen. Dieser ist allerdings meist übersichtlich gestaltet, auch wenn fast komplett auf eine härtere Gangart verzichtet wurde. Trotzdem übertreibt es Emmerich immer wieder hinsichtlich großangelegter und Computergenerierter Explosionsaneinanderreihungen. Immer wieder krachen schlecht animierte Hubschrauber ins Bild oder explodieren offensichtlich dem Rechner entstammende Flugzeuge. Das ist schade, denn sobald sich das Geschehen wieder dem engen Raum im weißen Haus zuwendet, erhöht sich automatisch der Spaßgehalt. Mehr "Stirb Langsam" und weniger "Independence Day" wäre angebracht gewesen - eben wie in "Olympus Has Fallen".

Mit den Hauptdarstellern Channing Tatum und Jamie Foxx hat Emmerich allerdings ein glückliches Händchen bewiesen. Zusammen ergeben sie ein gutes Team und die lockeren Sprüche tun dem Film merklich gut. Tatum überzeugt als einsamer Streiter (in weißen Feinrip-Unterhemd) für Recht und Ordnung, während Foxx den coolsten aller Präsidenten gibt. Warum allerdings wieder ein nerviges Kind in die Story integriert werden musste, weiß wohl auch niemand. Auch die Story ist extremst vorhersehbar.

Aber gut, immerhin ist der Streifen dennoch ein ordentlicher Actionkracher geworden. Zwar sind die Effekte (für das Budget!) auf einem niedrigen Niveau, aber sobald sich der Film aber auf seine Stärken besinnt, macht er Spaß. Da verzeihe ich ihm auch eine gewisse Unsicherheit in der Ausrichtung und dem einen oder anderen Aussetzer in Richtung Pathos. Denn vor allem im letzten Drittel versucht Emmerich alles, um sein Publikum wieder Pro-Amerika einzustellen. Aber das lässt sich bei dieser Art von Film wohl wirklich nicht vermeiden.

6,5/10

Der Film kommt auch in der limitierten Erstauflage in einem schicken, aber komplett(!) unbeschriftetem Steelbook. Soll heißen, der Filmtitel ist weder auf dem Spine, noch auf der Front zu finden, die Rückseite ist wie üblich eine Art Deckpapier. Na hoffentlich wird das nicht Mode...

Samstag, 3. August 2013

Deep Blue Sea (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0149261/

Mitten im Atlantik haben amerikanische Wissenschaftler das Unterwasserlabor “Aquatica” eingerichtet, wo sie medizinische Experimente mit genmanipulierten Haien durchführen. Doch plötzlich entwickeln die Versuchstiere beunruhigende Eigenschaften: Sie werden immer größer, immer intelligenter und immer boshafter. Als ein gewaltiger Sturm über die künstliche Insel hereinbricht, gelingt es den Haien, sich zu befreien. Für die Wissenschaftler beginnt eine Jagd auf Leben und Tod.

Technisch klasse gemachter, sehr unterhaltsamer Hai-Thriller, der Spass macht. Renny Harlin ("Stirb langsam 2") inszenierte mit "Deep Blue Sea" einen klaustrophobischen Hai-Thriller. Prominent besetzt mit Thomas Jane, Saffron Burrows, Samuel L. Jackson, Michael Rapaport und LL Cool J bietet er zudem ein ordentliches, gut aufgelegtes und schön zusammenpassendes Schauspieler-Ensemble. Er hat ein für einen Horrorfilm auch ein ganz schönes Tempo, echt fiese Szenen (eine ganz bösartige Szene, die einen immer wieder zusammenzucken lässt, ist, wenn Jim Whitlock (gespielt von Stellan Skarsgård) von einem Hai angeknabbert wird), ein ordentlicher, stimmiger Score, eine sehr tolle und unterhaltsame Mischung aus Komik und Dramatik und einen sehr klaren Aufbau. Genau das fehlt vielen Tierhorrorfilmen. Es gibt meistens "nur" ein gefährliches Tier und das muss irgendwie aufgehalten werden. Da keiner versucht es einzufangen, wird es eben getötet. Hier ergibt es aber viel mehr Sinn, dass die Leute die Tiere auszuknipsen versuchen. Die Szenerie der Flucht durch die langsam versinkende Unterwasserstation lässt den Film hier auf beinahe allen Ebenen absolut gewinnen. Es gibt hier und da ein paar Ungereimtheiten und Logiklöcher, über die man aber gern hinwegsieht. "Deep Blue Sea" ist toll. Kann man sich immer mal wieder ansehen.

7,5/10

Donnerstag, 4. Januar 2024

우는 남자 - Uneun namja - No Tears For The Dead (2014)

https://www.imdb.com/title/tt3697566/

Gon (Jang Dong-gun) ist ein in den USA aufgewachsener Koreaner. Er arbeitet als Vollstrecker für einen in Los Angeles ansässigen Zweig der chinesischen Mafia, der von Dai Ban (Dana Lee) mit eiserner Faust geleitet wird. Sein einziger Freund ist ein hochrangiger Gangster in der Organisation namens Chaoz (Brian Ting). Gon ist ein gnadenloser Killer, der nur eine Schwäche hat: kleine Kinder. Ist er doch selbst als Waisenjunge aufgewachsen – eine tragische Geschichte, die ihn einst nach Amerika führte. Umso tiefer trifft es ihn, als er bei seinem, mit wie gewohnt tödlicher Effizienz erledigten, neuesten Auftrag nicht nur die Zielperson, sondern unbeabsichtigt auch die kleine Yumi (Kang Ji-woo) umbringt. Von Schuldgefühlen, Reue und Scham überwältigt, will Gon seinen Job augenblicklich aufgeben. Sein Boss will davon allerdings nichts hören und befiehlt ihm nach Korea zu reisen, um dort auch noch Yumis Mutter (Kim Min-hee) zu beseitigen...

Die Erwartungen an Regisseur Lee Jeong-beom waren nach seinem hochgelobten "The Man From Nowhere" recht hoch. Daher sollte es nicht überraschen, dass sein neuestes Werk zwar versucht, in die gleichen Fußstapfen zu treten, aber den hohen Erwartungen des Publikums nicht gerecht werden kann. Viele der Probleme des Films sind das direkte Ergebnis eines vergleichsweise schlampig geschriebenen Drehbuchs und des Versuchs, dem Film etwas Dramatik zu verleihen, obwohl dies nur auf unausgegorene Weise gelingt. Zumindest gibt es keine Schluchzer und die Action steht stets im Vordergrund. Dementsprechend kann man "No Tears For The Dead" ohne weiteres den Actionfans empfehlen, die auf der Suche nach einem gepflegten und düsteren Gangsterthriller sind. Das internationale Flair und die nihilistische Stimmung eines Hongkong-Streifens ergeben schließlich eine gelungene Mischung.

Die ersten paar Minuten des Films begeistern mit einem rücksichtslosen Killer und einem fatalen Fehler, der als gute Voraussetzung für den Rest des Films zu dienen scheint. Doch das Versprechen des Regisseurs kann nicht gehalten werden. Das Drama zieht unmotiviert durch den Film und passt nicht ins Bild. Gon erhält eine kleine Hintergrundgeschichte, die zwar in Form einiger Rückblenden erzählt wird, die den Killer aber zumindest nicht ein wenig anschaulicher machen, geschweige denn allein beziehen uns emotional ein. Auch Mo-kyeongs Verlust ihrer Tochter wird nicht wirklich überzeugend dargestellt. Sogar Gons stilles Leiden aufgrund der Schuldgefühle, die er trägt, scheint intensiver zu sein. Aber Mo-kyeong erhält auch eine Nebenhandlung rund um ihre senile Mutter. Doch diese Handlung wird einfach nicht weiter entwickelt. Umso gravierender ist es, die Entwicklung der Hauptfiguren zu vernachlässigen, da uns das Drehbuch nichts anderes bietet. Schließlich dreht sich die Handlung erneut um einen Killer, der seinen Job kündigen will, dafür aber zunächst seinen Arbeitgeber und seine Kollegen ausschalten muss. Mit Jang Dong-gun übernimmt zumindest kein Teenager die Hauptrolle, der scheinbar beruflich in einer Boygroup trillert, sondern ein Veteran auf dem Feld, der weiß tatsächlich, wie er seiner Rolle das nötige Maß an Charisma verleihen kann, wenn das Drehbuch ihm nichts anderes vorgibt, mit dem er arbeiten kann. Kim Min-hee kann ihm nicht das Wasser reichen und ist die meiste Zeit einfach nur das Mädchen in Not, bis sie sich am Ende tatsächlich wehren muss.

Während Kim Joon-seong mit seinem perfekten Englisch und seiner übertriebenen Schauspielerei darauf abzielt, Koreas eigener Michael Wong zu werden, liefert Brian Tee als Antagonist, der gleichzeitig immer noch eine brüderliche Verbindung mit Gon verbindet, ein charismatische Leistung, Unterstützung durch weitere Bösewichte aus der ganzen Welt. Dadurch hat der Film deutlich internationales Flair, was durch die zahlreichen englischen Dialoge unterstrichen wird. Dennoch bleiben die Personen die meiste Zeit äußerst karikativ. Zusammen mit den Lücken in der Handlung - man sollte gar nicht erst auf die unzähligen ergebnislosen Schüsse auf Gon eingehen - sollten das alle negativen Aspekte sein, die es gibt. Doch die Action ist fantastisch und vielseitig. Zwar gibt es ein paar Faust-/Messerkämpfe, aber meistens begibt man sich auf eine Reise in die 80er Jahre und kann ehrfürchtig blutige Schießereien beobachten, die allerdings nach modernen Maßstäben aufpoliert wurden und durch tolle Kinetik hervorstechen Energie und Choreografie. Zu einem großen Teil wird das Geschehen auch durch sehr schön umgesetzte Soundeffekte und einen guten Soundtrack unterstützt. Ansonsten punktet "No Tears For The Dead" mit coolen Bildern, die mit einem Blaustichfilter versehen sind, um die Sache düsterer wirken zu lassen. Der Showdown ist von großem Ausmaß und erinnert mit seinen Sets wohl bewusst an "Stirb langsam". Daher werden Action-Fans begeistert sein. Allerdings mangelt es dem stilvollen Streifen in filmischer Hinsicht an einem guten Drehbuch, der nötigen Dramatik, einer guten Charakterentwicklung und einem weniger vorhersehbaren Ende.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 333 Stück limitierten Mediabook: 

Quellen
Inhaltsangabe: EuroVideo / Nameless
Poster/Artwork: Dice Film

Donnerstag, 8. September 2022

Hard Rain (1998)

https://www.imdb.com/title/tt0120696/

Die kleine Stadt Huntinburg, Indiana hält den Atem an. Nach Wochen voller sintflutartiger Regenfälle droht der benachbarte Staudamm zu brechen und damit die gesamte Stadt unter Wassermassen begraben zu werden. Doch nicht alle blicken der drohenden Katastrophe ängstlich entgegen. Für den gealterten Ganove Jim (Morgan Freeman) ist die Überschwemmung die perfekte Gelegenheit für einen letzten großen Coup. Denn zusammen mit den Stadtbewohnern wird auch das in der Bank gelagerte Geld evakuiert. Gemeinsam mit seinen Männern überfällt Jim den Geldtransporter auf seinem Weg aus der Stadt. Doch der Überfall misslingt, weil Fahrer Tom (Christian Slater) mit dem Geld im Gepäck vor den Gangstern fliehen kann. Nachdem er das Geld versteckt hat, landet er in den Armen des Gesetzes - in Gestalt des örtlichen Sheriffs (Randy Quaid). Der glaubt Tom kein Wort und sperrt ihn kurzerhand in eine Zelle. Doch dort ist er alles andere als sicher. Tom muss sich bald nicht nur der Verbrecher, sondern auch des stetig steigenden Wasserspiegels erwehren... 

"Hard Rain", eine Art "Stirb langsam" im stetig ansteigenden Hochwasser ist ein herrlicher, typischer Vertreter der Actionfilme der Neunziger. Er verfügt über einen gewissen B-Movie Charme und weiß sein feucht-fröhliches Setting konsequent zu nutzen. So kämpfen alle Beteiligten (u.a. sind noch Randy Quaid als hinterlistiger Sheriff und Minnie Driver als Dame in Not mit von der Partie) nicht nur untereinander, sondern auch fortwährend gegen die Tücken der Natur. Dass hierbei die Logik des Geschehens hinten angestellt wird, ließe sich noch verschmerzen, doch leider steigt der Spannungspegel trotz wilder Schießereien und durchaus fetziger Verfolgungsjagden per Jetski und Motorboot nie so hoch wie der Wasserstand. So werden Tempo und Dynamik in "Hard Rain" bisweilen eher zu einem schwachen Rinnsal, statt einer mitreißenden Welle. Freeman und Slater machen dafür einen guten Job und immerhin sorgt in diesen schwächeren Phasen ein sich dauerzankendes älteres Ehepaar als Sidekick für einige starke Lacher. Am Ende ist das Ding dann ein routiniertes Actionwerk ohne besondere Ausreißer nach oben oder unten und durchaus unterhaltsam.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Paramount / Concorde

Donnerstag, 14. März 2024

Damsel (2024)

https://www.imdb.com/title/tt13452446/

Prinzessin Elodie (Millie Bobby Brown) wird eines Tages an einen Prinzen namens Henry (Nick Robinson) aus einem rivalisierenden Königreich verheiratet, ohne dass sie weiß, was sie erwartet. Eine märchenhafte Zukunft steht ihr jedoch nicht bevor, eher das Gegenteil. Der König und die Königin (Robin Wright) des Nachbarlandes haben nämlich einen perfiden Plan ausgeheckt, in dem die Prinzessin ihr Leben hergeben soll, um das Reich vor dem Zorn eines gefräßigen Drachens zu retten. Als Elodie herausfindet, dass sie dem Untier geopfert werden soll, ist sie schockiert und landet auch schon bald in der großen Höhle des Monsters. Da es weit und breit keine wahren Ritter gibt, die sie retten könnten, nimmt Elodie ihr Schicksal kurzerhand selbst in die Hand und sucht nach einem Weg in die Freiheit.

"Es gibt viele Rittergeschichten, in denen der heldenhafte Ritter die Jungfrau in Not rettet. Dies ist keine von ihnen." So beginnt Millie Bobby Browns prächtiger neuer Fantasyfilm, und der Zuschauer ist gleich gefesselt, denn er weiß genau, dass hier einen Prinzessin in den Kick-Ass-Modus geht. Nach einem kurzen Prolog, in dem Ritter einem feuerspeienden Drachen gegenüberstehen, sieht man schon, wie Elodie (Brown) "Jahrhunderte später in einem fernen Land" Holz hackt. Sie und ihre jüngere Schwester Floria (eine süße Brooke Carter) leben in einer abgelegenen, verschneiten Gemeinde (aka "Winterfell"), in der sich eine schwierige Lage befindet. Sie müssen die Vorhänge in ihrem Schloss gegen Lebensmittel verkaufen. Doch dann kommt ein Bote mit einem Brief, verschlossen mit einem königlichen Siegel. Eine Königin schlägt vor, dass Elodie die Braut ihres Sohnes, des Prinzen, wird, mit einer stattlichen Mitgift, die ihrem Land wieder Wohlstand verschaffen wird. Elodie zögert, ist aber bereit, alles Notwendige zu tun, um ihrem Volk zu helfen. "Ich weiß, dass du schon immer reisen wolltest.", sagt ihr Vater (Leonine Ray Winstone als Lord Bayford) und versucht, die Zwangs-Aussicht attraktiver klingen zu lassen.

Elodie und Floria sind jedoch bald beeindruckt von der Wärme, der Großzügigkeit und dem Luxus des Hauses der Königin und ermutigend über ihren Empfang. Prinz Henry (Nick Robinson) scheint so charmant zu sein, wie man es von Märchenprinzen erwartet. Seine Mutter (Robin Wright als Isabelle) ist eine andere Geschichte, königlich, aber distanziert, und weist den Freundschaftsversuch von Elodies Stiefmutter Lady Bayford (einer wenig genutzten Angela Bassett) kühl zurück. Trotz Lady Bayfords wachsender Besorgnis, dass etwas nicht stimmt, findet die Hochzeit statt, mit all dem Pomp und den Umständen, die eine königliche Fantasiehochzeit verdient. Das Produktionsdesign von Patrick Tatopoulos und die Kostüme von Amanda Monk sind durchweg großartig. Die Hochzeitsszene ist spektakulär. Man sollte an dieser Stelle auf die Momente achten, in denen gezeigt wird, wie Elodie in ihr spektakuläres Brautkleid geholfen wird. Es ist nicht der übliche Moment, bei dem ein Wildfang zur Schönheitsverjüngungskur übergeht, und seine Bedeutung wird später enthüllt.

Nach der Hochzeit findet am Eingang einer Höhle eine seltsame Zeremonie statt. Unheilvollerweise sind die Höflinge maskiert. Isabelle fährt mit ihrem Dolch über die Handflächen des Brautpaares und vermischt ihr Blut. Und dann stellt sich heraus, dass Elodie dem Drachen in der Höhle geopfert werden soll, ein Teil der jahrhundertealten Vereinbarung, die den Drachen davon abhält, das Königreich in Grund und Boden zu stampfen.. Und so wechselt der Film vom "Cinderella"-(der sich übrigens wirklich, wirklich märchenhaft anfühlt) in den "Stirb langsam"-Modus in einer Höhle, während Elodie versucht, dem Drachen zu entkommen. Der Drache. Ja, der ist wiederum außergewöhnlich gut gestaltet und von Shohreh Aghdashloo mit herrlich rauchiger Bedrohlichkeit synchronisiert. Nun kommt das Kleid wieder ins Spiel, dass, so pompös es anfangs auch ausgestattet war, sich mit Geschick in alle möglichen Hilfsmittel, die Elodie benötigt, MacGyvern lässt. Es könnte genauso gut auch von James Bonds Q entworfen worden sein, denn Elodie verwandelt es in eine Überlebensausrüstung, indem sie beispielsweise einen Korsettbusch (das steife Brett, das am Oberteil festsitzt) heraustrennt und es gegen die Wand der Höhle kratzt, um daraus einen Dolch zu erschaffen. Außerdem nutzt sie einen Teil des Stoffes als Schutz und reißt einen großen Teil davon ab, um ihr mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Elodie findet in der Höhle auch einige Ressourcen sowie einige Leichen anderer Prinzessinnen. Eine ganze Wand ist mit ihren Namen bedeckt, auf denen geschrieben steht, wie verzweifelt sie an der Flucht waren. Sie entdeckt biolumineszierende Würmer, die ihr den Weg leuchten - und noch eine ganz andere Eigenschaft haben.

Dieser Abschnitt des Films spielt sich wie ein Videospiel ab, in dem Elodie einem Hindernis nach dem anderen gegenübersteht und einige Fortschritte macht, wie eine Art Quests, die interessanter und interessanter wird. Brown ist über weite Strecken auf sich allein gestellt und schafft es, Angst und Entschlossenheit abzuwechseln. Es gibt einige gruselige Überraschungen, insbesondere nachdem andere Charaktere in der Höhle ankommen. Auch helfen ihrem Charakter die Züge, die ihr die Drehbuchautoren auf den Leib geschrieben haben: Demütigkeit, Scharfsinn und eine Gespür für Gerechtigkeit. Es ist daher eigentlich sogar schade, dass "Damsel" nicht auf einer großen Leinwand gezeigt wird, denn die Schauplätze sind voller verlockender Details, die einige der Schwächen des Drehbuchs verdecken. Aber selbst auf der kleineren Leinwand ist die frische, von Frauen geführte Interpretation der traditionellen Geschichte, einschließlich einer kleinen Wendung, die Schwesternschaft ist mächtig, am Ende äusserst sehenswert.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Donnerstag, 4. Juli 2024

Violent Night (2022)

https://www.imdb.com/title/tt12003946/

Heiligabend ist eine Zeit, in der man mit der Familie zusammenkommt, den Abend gemeinsam verbringt und die Festtage genießt. Eine idyllische „Stille Nacht“ ist der wohlhabenden Familie Lightstone dieses Jahr nicht vergönnt. Stattdessen bricht die Hölle über sie herein, als eine Truppe von Söldnern ihr trautes Heim stürmt und sie als Geiseln nimmt, um so an die Millionen in ihrem Tresor zu kommen. Was die skrupellosen Eindringlinge jedoch nicht bedenken: Sie stehen (natürlich) auf der Ungezogenen-Liste des Weihnachtsmannes (David Harbour) - weswegen genau der sich ihnen nun mit aller Kraft entgegenstellt. Sein diesjähriges Geschenk besteht darin, die Familie zu retten. Der Weihnachtsmann wird beweisen, dass er nicht nur ein freundlicher alter Mann ist, sondern auch ein Geheimnis in sich trägt: Santa hat so einige Tricks auf Lager...

Zwischen "Stirb langsam" und "Kevin: Allein zu Haus" ist die Abwehr von Eindringlingen an einem einzigen Ort zu einer Weihnachtstradition geworden, die mit dem Trinken von Eierlikör und dem Streiten über eine Steuerreform mit älteren Verwandten vergleichbar ist. Der Actionfilm "Violent Night" von Tommy Wirkola presst seine saisonale Belagerung in die vom Produzenten David Leitch mitentwickelte Post-"John-Wick"-Beat-Em-Up-Form. Und dies könnte und sollte (und manchmal gelingt es auch) eine gelungene Kombination von Genre und Gimmick sein, eine Neuheit des Themas, die sich als entscheidend für die Verlängerung jeder Erfolgsformel erweist. Und so hat auch der grobschlächtige Weihnachtsmann (David Harbour), der die Gegenoffensive anführt, einiges aus dem Arsenal an dekorativem Nippes zur Verfügung. Trotzdem verleiht das diesem Film mit Kohle als Gehirn nur eine frostige Aura von Einfallsreichtum. Jede Klugheit hört bei den improvisierten Waffen auf, oder den ausreichend brutalen Schlägen, die in eine halbfertige Handlung eingeklemmt sind. 

Wirkola stellt einen mürrischen Kris Kringle vor, der einen halben Liter Bier trinkt und sich darüber lustig macht, wie Videospiele die Wertschätzung von Spielzeug zerstört haben und während er sich auf dem Weg zu seiner alljährlichen Zustellung an Heiligabend befindet, gerät er mitten in einen Überfall auf das Anwesen der Familie Lightstone. Kampfchoreographie sollte dies nun das größte Geschenk an den Zuschauer sein, aber wie es bei so vielen Filmen frustrierend ist, macht die direkte Kameraführung das schwierig. Der schneidige Schnitt scheint dazu gedacht zu sein, zu verschleiern, wie einfach das Szenario wirklich ist, und opfert die Agilität der Protagonisten für die Illusion roher Gewalt. Nach zwei Stunden, die man mit einem Konzept verbracht hat, das einigermaßen 90 Minuten aushalten könnte, werden die Schlagmuster betäubend und eintönig und zeigen, wie wichtig es ist, eine Grundlage in der Geschichte zu schaffen. Irgendwie nur so mittelgut.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Universal Picturess
Poster/Artwork
87North/Universal Pictures

Dienstag, 17. September 2013

Passenger 57 - Passagier 57 (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0105104/

Der ehemalige Polizist John Cutter (Wesley Snipes) bildet Sicherheitspersonal für Linienflüge aus und wird von einer Fluggesellschaft als Security-Chef engagiert. Kurz vor seinem ersten Dienstantritt gerät er bei einem Flug nach Los Angeles in eine Ausnahmesituation: Top-Terrorist Charles Rane (Bruce Payne), der eigentlich in dem bewachten Flieger nach L.A. überführt werden soll, wird von seinen Kumpanen befreit. Die Verbrecher übernehmen die Kontrolle über die Maschine und nehmen die rund 200 Passagiere als Geiseln. Einzig Cutter und die Stewardess Marti Slayton (Alex Datcher) können sich unbemerkt an Bord verstecken und nehmen den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Flugzeugentführer auf...

"Passagier 57" ist eigendlich ein besserer Vertreter des Actiongenres und ist mit Snipes, Tom Sizemore, Elizabeth Hurley und Bruce Payne gut besetzt. Zwar darf man von diesen Filmen keine Innovation oder Originalität erwarten, wer aber Spaß an einem coolen Helden, trashigen Onlinern, unglaubwürdiger Action und etwas Nostalgie hat wird an "Passagier 57" auch seine Freude haben. Er ist unterhaltsam und eine zu keiner Sekunde langweilige "Stirb langsam"-Variante in einem Flugzeug aus einer Zeit in der Snipes noch gute Actionfilme abgeliefert hat. Ein insgesamt sehr rasanter Film , dessen Geschwindigkeit auch der relativ kurzen Laufzeit geschuldet ist. Snipes' Gegenspieler Bruce Payne als Bösewicht sollte nicht unerwähnt bleiben: er macht seine Sache einfach klasse. Es macht auch nichts, wenn man den Film nicht gesehen hat, dennoch muss man sagen: "Setzen Sie immer auf Schwarz!"

7/10

Montag, 5. Januar 2026

Cleaner (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt27812086/

In London wird die jährliche Gala eines Energieunternehmens zum Schauplatz eines gefährlichen Konflikts, als radikale Aktivisten das Gebäude stürmen und 300 Geiseln nehmen, um die Korruption der Gastgeber ans Licht zu bringen. Was zunächst als gerechte Aktion beginnt, eskaliert, als ein Extremist in ihren Reihen die Kontrolle übernimmt. Entschlossen, seine anarchistische Botschaft mit Gewalt zu verbreiten, schreckt er auch vor einem Massaker nicht zurück. Die Rettung der Eingeschlossenen liegt in den Händen einer ehemaligen Soldatin, die inzwischen als Fensterputzerin arbeitet. Joey Locke (Daisy Ridley) hängt 50 Stockwerke hoch an der Außenfassade des Gebäudes – ihre einzige Chance, ihren jüngeren Bruder und die anderen Geiseln vor einer Katastrophe zu bewahren. In einem Wettlauf gegen die Zeit kämpft sie nicht nur gegen die Extremisten, sondern auch gegen ihre eigenen Grenzen.

"Cleaner" ist ein solider, aber letztlich nur mittelmäßiger Beitrag zum modernen Actionkino: kompetent inszeniert, thematisch aktuell, doch zu schematisch, um wirklich nachzuhallen. Der Film folgt Joanna "Joey" Locke, einer früheren Marinesoldatin, die nun als Fensterputzerin an einem Londoner Wolkenkratzer arbeitet und gleichzeitig für ihren autistischen Bruder Michael Verantwortung trägt. Während einer Aktionärsgala stürmt die Klimaaktivistengruppe "Earth Revolution" das Gebäude, nimmt Hunderte Geiseln und prangert die Umweltverbrechen eines Energiekonzerns an. Joey bleibt zunächst buchstäblich außen vor, bevor sie - von der Fassade aus - in einen Kampf gegen Terroristen, moralische Grauzonen und ihre eigene Vergangenheit hineingezogen wird.

Wie John McClane in "Stirb langsam" ist Joey eine Figur, die widerwillig zur Einzelkämpferin wird, während oben im Glasturm Symbole von Macht und Gier belagert werden. Die Blaupause ist unverkennbar: Geiselnahme im Hochhaus, politisch aufgeladene Bösewichte, ein isolierter Protagonist, der via Funk mit der Polizei verbunden ist - nur dass hier eine weibliche Heldin und Öko-Terroristen das bekannte Muster aktualisieren, ohne es wirklich zu erneuern. Der Film nimmt sich Zeit, Joeys Alltag und ihre Beziehung zu Michael zu etablieren, doch im Gegensatz zu McClane, dessen Witz die Action elektrisiert, bleibt Ridleys Figur oft mehr funktionale Projektionsfläche als charakterliches Ereignis. Der Titel spielt indes geschickt mit einer Doppelbedeutung: Joey putzt Glasfassaden, während die Aktivistengruppe vorgibt, die Umwelt und die korrupte Elite sauber zu machen. In den besten Momenten spiegelt der Film dieses Motiv visuell - die Heldin hängt außen, während drinnen ein moralisches Reinigungsritual stattfindet, das zunehmend selbst mit Blut und Lüge verschmutzt wird. Doch die politische Dimension bleibt halbherzig: Die Öko-Terroristen haben zwar Argumente, werden aber rasch zu Genre-Schurken reduziert, wodurch der vermeintliche moralische Cleanup eher wie ein dekoratives Thema wirkt als wie ein ernsthaft verhandelter Konflikt.

Martin Campbell liefert damit routinierte Hochhaus-Action, die in den Außenaufnahmen - Joeys Perspektive in schwindelerregender Höhe - ihre stärksten, physisch spürbaren Momente findet. Die Dynamik zwischen Joey, ihrem opportunistischen Kollegen Noah und dem ambivalenten Anführer Marcus deutet komplexere moralische Spannungen an, wird aber zugunsten erwartbarer Wendungen (Verrat aus den eigenen Reihen, eskalierender Fanatismus) schnell auf Genre-Normalmaß gestutzt. Am Ende ist "Cleaner" ein passabler "Die Hard"-Abkömmling, ohne jemals dessen Klasse zu erreichen, für ein ökologisch beunruhigtes Zeitalter: unterhaltsam genug für einen Abend, aber zu billig und generisch und ohne echte Wow-Momente, um sich im Gedächtnis festzusetzen.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MGM/amazon studios